Wiederholungstäter, MPU 01.04.

rosenresli

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Hallo, ich habe es zum 2ten Mal geschafft, betrunken meinen Wagen zu steuern. Nun steht die MPU vor der Tür und zwar in 1 Wochen.
Ob wohl jemand so lieb wäre, über meinen Fragebogen zu schauen?


Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)

An diesem Abend hatte ich meine Weihnachtsfeier. Hier habe ich 2 Gläser Wein zum Essen getrunken, der Abend begann am frühen Abend in einem Escape-Room, gegen 20 Uhr waren wir im Restaurant und gegen 23:30 Uhr löste sich die Gesellschaft auf. Ich ging zu Fuß in die nahe gelegene Kneipe, in der mein Partner mit seinen Geschäftspartnern auf Weihnachten anstoßen wollte. Mein Wagen stand vor seiner Wohnung, denn es war geplant, dass wir zusammen im Anschluß bei ihm übernachten wollten. Wir trafen uns also und ich bekam ein Glas Rotwein gereicht. Es war ein geselliger Abend. Wieviel ich getrunken habe, kann ich nicht genau sagen, denn mein Glas wurde immer automatisch gefüllt. Es waren insgesamt 7 Gläser Wein a 200ml und ein Schnaps über den gesamten Zeitraum bis zur Kontrolle. Gemessen an den festgestellten 1,66 Promille unter Berücksichtung der Trinkzeit, ich hatte um 3 Uhr das letzte Mal etwas getrunken, und der Elimination erscheint das realistisch. Gegen 1:30 Uhr morgens äußerte ich den Wunsch, heim zu wollen. Tatsächlich daheim waren wir dann ca 3:30 Uhr morgens. Hier ging ich sofort ins Bett. Mein Partner wollte noch einen weiteren Absacker nehmen, ich aber nicht und er fing einen schlimmen Streit an. Es war ein schlimmer und gemeiner Streit, ich wollte und konnte das nicht mehr ertragen. Ich packte aufgewühlt meine Sachen zusammen und wollte nur eins: weg, ganz weit weg und meine Ruhe haben, vor diesem Menschen flüchten. Mir war egal, wie ich heimkomme, nur weg. Vor der Türe stand mein Wagen, ich dachte nicht mehr nach und fühlte mich durch diese Aufregung auch fit genug, den Wagen zu fahren. Also fuhr ich – in meinen Frieden.
Mein Partner hatte währenddessen wütend die Polizei angerufen, diese erwartete mich dann vor meiner Haustür. Bei der Polizei hatte ich angegeben, dass ich den Großteil der Strecke mit dem Taxi gefahren sei, wie ich später im Bericht las. Das war gelogen, aber ich glaubte, den Sachverhalt beschönigen zu können. Ich habe das später vor Gericht richtiggestellt.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)

7 Gläser Wein (1 Glas zum Essen, den Rest später)
1 Schnaps gegen 21:30 nach dem Essen

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
6 km

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)

Ich habe darüber aber eigentlich gar nicht nachgedacht, weil ich nur noch diesen Ort so schnell wie möglich verlassen woll
26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Ich bin insgesamt entspannter und ausgeglichener geworden. Da ich nicht mehr bis spät abends sitze und mit Alkohol meine Freizeit „verlängere“, bis ich ins Bett MUSS, bin ich zu jeder Zeit fit und ausgeschlafener. Ich höre auf meine innere Uhr, gehe zu Bett, wenn ich müde bin und bin mit den ersten Vögeln wach, was mir sehr gut gefällt.
Im Grunde bin ich immer gern früh aufgestanden, weil ich dann mehr vom Tag habe. Ich habe letztes Jahr eine Anstellung im öffentlichen Dienst antreten können, was mich sehr stolz macht und ich auf keinen Fall aufs Spiel setzen möchte. Insgesamt gefällt mir mein Leben gerade sehr gut und das macht sich durch innere Ruhe bemerkbar, die für jeden spürbar ist, Probleme sind wahrscheinlich aus genau diesem Grunde gar nicht mehr so groß und die Lösung geht mir vergleichsweise leicht von der Hand. Ich bin konzentriert und habe Spaß an dem, was ich tue. Und: ich verzweifle nicht, wenn mal etwas nicht funktioniert, dann versuche ich es eben einfach noch einmal oder frage jemanden.
Heute kann ich an Veranstaltungen teilnehmen und es genießen. Ich muss mich nicht beeilen, um in der Pause einer Theateraufführung ein Glas Wein zu kaufen, was früher immer dazugehörte, welches ich dann viel zu schnell austrinken muss, weil die Pause zu Ende ist.
Ich habe gelernt, Halt in mir selbst zu suchen und zu finden, denn das ist es, was mir gefehlt hat. Aus lauter Angst, nicht gut genug und deshalb allein zu sein, habe ich immer übersehen, dass ich erstens nicht alleine bin und zweitens, dass es manchmal sogar besser ist, alleine als zu zweit zu sein (in Bezug auf Partnerschaft).
Um diese Erkenntnis zu festigen und Ruhe in mir selbst zu finden, habe ich unterstützende Kurse von meiner Krankenkasse belegt, die jederzeit wiederholt werden können und zu jeder Zeit angeboten werden. Ich kann auf folgende Kurse zurückblicken: „Achtsamkeit und Balance“, der mir hilft, auch in stressigen und anstrengenden Momenten Ruhe und Kraft in mir selbst zu finden –zu jeder Zeit. Sehr begeistert bin ich auch vom „autogenes Training“, es hat im Grunde das gleiche Ziel. In den kommenden Wochen startet ein weiterer Kurs „Achtsamkeit“, für den ich mich angemelden werde. Ich profitiere davon und es macht Spaß.
Ich nenne den Zustand der Entspannung „die Seele baumeln lassen“. Die Erkenntnis, dass ich unter Druck bei Stress viel getrunken habe, sagt mir, dass ich den richtigen Weg einschlage, weil ich mir Möglichkeiten der Stressbewältigung und –vermeidung aneigne, die jederzeit abrufbar sind. Das hat sich bisher schon bewährt.

Mein Expartner ist dabei eine gute Bewährungsprobe, denn er sucht immer noch Wege, mich zu kontaktieren, was nicht immer angenehm ist. Ich hatte nicht ein einziges Mal dabei das Bedürfnis, etwas zu trinken. In solchen Fällen rufe ich das Gelernte aus meinen Kursen ab und mache ihn damit zur unwichtigsten Person des Universums. Früher hätte ich eine Flasche Wein geöffnet.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Ich war nicht darauf vorbereitet gewesen, überhaupt noch zu fahren. Geplant war eine Übernachtung.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Ich bin 2011 polizeilich aufgefallen mit anschließendem Führerscheinentzug. Die MPU war 2013.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Insgesamt bin ich insbesondere in den letzten 12 Monaten vor dem 02.12.2017 mehrfach alkoholisiert mit dem Auto gefahren, ich rechne grob mit ca 10-20 Mal, hier ist natürlich auch das Fahren nach 1 Glas Wein oder mit Restalkohol gemeint.

Ich habe vor 31 Jahren den Führerschein gemacht, ich bin in diesen Jahren bestimmt bei 300-400 Fahrten alkoholisiert gewesen. Wenn einmal nichts dabei passiert, dann passiert beim nächsten Mal auch nichts, ich habe mich sehr trügerisch und auch selbstsicher hierbei in Sicherheit gewogen.
Ich habe mir im Laufe meines Lebens eine hohe Trinkfestigkeit angeeignet, so dass ich ohne größere Auffälligkeiten einen Wagen steuern kann, auch wenn ich etwas getrunken habe. Deshalb bin ich auch nicht aufgefallen. Es ist kaum auszudrücken, wieviel Glück mich dabei begleitet hat, das nie etwas passiert ist!
 

rosenresli

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Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)

Ich hatte mal gesehen, wie mein Vater mit den Nachbarn eine Flasche Bier im Garten getrunken hat, da war ich noch nicht in der Schule, er war aber nicht betrunken, sondern arbeitete auf dem Gemüsefeld mit der Kreuzhacke, sie hatten eine Pause gemacht.


Selber zum ersten Mal getrunken habe ich als Jugendliche, als meine Freunde und ich anfingen, am Wochenende abends wegzugehen. Da war ich etwa 17 Jahre alt. In der ersten Zeit als Jugendliche habe ich kaum Alkohol getrunken. Ich fand es immer peinlich, wenn meine Freunde oder Bekannten betrunken waren und nur noch Unsinn geredet haben. Auf einer Oberstufenfete (ca. 18 J) war ich das erste Mal richtig betrunken. Ich hatte keine Ahnung, wie Alkohol wirkt und es war mir sehr unangenehm. Die anderen tranken auch, irgendwann war ich sehr alkoholisiert, ich konnte nur schwer reden und mir war schwindelig. Danach habe ich mich wieder damit zurück gehalten und habe die Blamage den anderen überlassen.



9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Als ich mit meinem damaligen Freund zusammen kam standen regelmäßig Partys oder irgendwelche Gelegenheiten zum Feiern an. Er ist selbstständiger Handwerker, so wie die anderen Männer dieser Clique ebenfalls. Während die Männer den Baccardi aus der Schublade holten, schlürften die Damen Sekt und wir kamen uns alle unheimlich toll und wichtig vor. Mit der Zeit vertrug ich mehr. Ich fand zwar diese Damenwelt mächtig beschränkt, aber wenn ich einige Gläser Sekt getrunken hatte, dann fiel mir das nicht mehr so auf und ich konnte mich mit den Frauen arrangieren. Ich wollte auch nicht, dass die Meinung aufkam, mit mir wäre nichts los oder meinen Freund bloß stellen, weil ich mich absondere. Allerdings ist dennoch der ein oder andere Sekt im Blumentopf gelandet. Das geschah in einem Zeitraum von 10 Jahren.
Einen schlimmen Höhepunkt hatte ich, als sich mein Freund dann nach über 10 Jahren trennte, er hatte mehrere Monate ein Doppeleben geführt, von dem alle wussten – außer mir. Es hatte mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Damals habe ich jeden Abend mindestens 1 Flasche Wein getrunken, oder auch Sekt. Es machte die Situation nicht besser, aber ich konnte flüchten. Nach 2 Wochen habe ich das dann wieder reduziert, weil ich das Haus meines verstorbenen Vaters ausräumen und verkaufen musste. Mit meinem Erbe konnte ich dann die Wohnung kaufen, in der wir bisher gewohnt hatten, mein Expartner war auf meinen Wunsch augenblicklich ausgezogen. Wäre das Erbe nicht gewesen, hätte ich ausziehen müssen, denn diese Miete konnte ich mir alleine nicht leisten, ich hätte auf der Straße gesessen, das war keine angenehme Zeit, ich hatte 4 Wochen, um eine Finanzierung aufzustellen. Viel habe ich nicht über diese Trennung geredet, ich war der Meinung, es sei meine Sache. Er war ja sehr bekannt in der Stadt gewesen und es war mir unangenehm, als Betrogene da zu stehen. Geweint habe ich lieber daheim, alleine. Ich fing an, zu verdrängen. Nach dem Kauf, als alles überstanden war, habe ich wieder häufiger ein Glas Wein getrunken. Bis zu 1 Flasche Wein in der Woche war ok für mich. Wenn am Wochenende allerdings eine Feier war, dann konnte ich auch problemlos 1,5 Flaschen trinken, allerdings war ich dann aber auch schwer angetrunken. Es waren dann aber auch wieder mehrere Wochen dabei, in denen ich gar nicht getrunken hatte, mir war dann einfach nicht danach und ich habe es auch nicht vermisst. So lebte in den den kommenden Jahren.

Einige Jahre später: Ich wohnte inzwischen wieder mit jemandem zusammen, aber es war nicht immer glücklich für mich. Nachdem ich mit meiner Wohnung für seinen Kredit gebürgt hatte, ging er mir fremd. Ich hatte keinen Halt mehr und sah mich schon wieder auf der Straße sitzen. Da er sich aber nach seinem Rauswurf bei mir sehr bemühte, kamen wir wieder zusammen. Aber ich wurde unmerklich in eine unangenehme Rolle gedrängt: ich musste aufpassen, dass alles finanzielle seine Wege geht (der Kredit war sehr hoch), damit meine Wohnung nicht gefährdet wurde. Dazu kam dann noch der Sohn, mit dem ich nicht klar kam. Der Vater verteidigte seinen Sohn und ich wollte nichtschon wieder jemanden verlieren , ich hoffte, dass sich die Situation entspannen würde. Ich hatte auf einmal eine Rolle, die ich nicht wollte: den Aufpasser und die böse Stiefmutter. Eigentlich ist es mir lieber, wenn ich vertrauen kann und ein anderer auf mich aufpasst.
Schließlich hatte eine Freundin im Nachbarort Geburtstag und ich wollte dort hin und raus. Geplant war 1 Glas Sekt zum Anstoßen und nach 1 oder 2 Stunden wieder heimfahren. Tatsächlich waren es dann über 6 Stunden und zuviel Sekt. Ich wurde mit 1,86 Promille angehalten

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Als ich mit meinem damaligen Freund zusammen kam standen regelmäßig Partys oder irgendwelche Gelegenheiten zum Feiern an. Er ist selbstständiger Handwerker, so wie die anderen Männer dieser Clique ebenfalls. Während die Männer den Baccardi aus der Schublade holten, schlürften die Damen Sekt und wir kamen uns alle unheimlich toll und wichtig vor. Mit der Zeit vertrug ich mehr. Ich fand zwar diese Damenwelt mächtig beschränkt, aber wenn ich einige Gläser Sekt getrunken hatte, dann fiel mir das nicht mehr so auf und ich konnte mich mit den Frauen arrangieren. Ich wollte auch nicht, dass die Meinung aufkam, mit mir wäre nichts los oder meinen Freund bloß stellen, weil ich mich absondere. Allerdings ist dennoch der ein oder andere Sekt im Blumentopf gelandet. Das geschah in einem Zeitraum von 10 Jahren.

Einen schlimmen Höhepunkt hatte ich, als sich mein Freund dann nach über 10 Jahren trennte, er hatte mehrere Monate ein Doppeleben geführt, von dem alle wussten – außer mir. Es hatte mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Damals habe ich jeden Abend mindestens 1 Flasche Wein getrunken, oder auch Sekt. Es machte die Situation nicht besser, aber ich konnte flüchten. Nach 2 Wochen habe ich das dann wieder reduziert, weil ich das Haus meines verstorbenen Vaters ausräumen und verkaufen musste. Mit meinem Erbe konnte ich dann die Wohnung kaufen, in der wir bisher gewohnt hatten, mein Expartner war auf meinen Wunsch augenblicklich ausgezogen. Wäre das Erbe nicht gewesen, hätte ich ausziehen müssen, denn diese Miete konnte ich mir alleine nicht leisten, ich hätte auf der Straße gesessen, das war keine angenehme Zeit, ich hatte 4 Wochen, um eine Finanzierung aufzustellen. Viel habe ich nicht über diese Trennung geredet, ich war der Meinung, es sei meine Sache. Er war ja sehr bekannt in der Stadt gewesen und es war mir unangenehm, als Betrogene da zu stehen. Geweint habe ich lieber daheim, alleine. Ich fing an, zu verdrängen. Nach dem Kauf, als alles überstanden war, habe ich wieder häufiger ein Glas Wein getrunken. Bis zu 1 Flasche Wein in der Woche war ok für mich. Wenn am Wochenende allerdings eine Feier war, dann konnte ich auch problemlos 1,5 Flaschen trinken, allerdings war ich dann aber auch schwer angetrunken. Es waren dann aber auch wieder mehrere Wochen dabei, in denen ich gar nicht getrunken hatte, mir war dann einfach nicht danach und ich habe es auch nicht vermisst. So lebte in den den kommenden Jahren.



Einige Jahre später: Ich wohnte inzwischen wieder mit jemandem zusammen, aber es war nicht immer glücklich für mich. Nachdem ich mit meiner Wohnung für seinen Kredit gebürgt hatte, ging er mir fremd. Ich hatte keinen Halt mehr und sah mich schon wieder auf der Straße sitzen. Da er sich aber nach seinem Rauswurf bei mir sehr bemühte, kamen wir wieder zusammen. Aber ich wurde unmerklich in eine unangenehme Rolle gedrängt: ich musste aufpassen, dass alles finanzielle seine Wege geht (der Kredit war sehr hoch), damit meine Wohnung nicht gefährdet wurde. Dazu kam dann noch der Sohn, mit dem ich nicht klar kam. Der Vater verteidigte seinen Sohn und ich wollte nicht schon wieder jemanden verlieren, ich hoffte, dass sich die Situation entspannen würde. Ich hatte auf einmal eine Rolle, die ich nicht wollte: den Aufpasser und die böse Stiefmutter. Eigentlich ist es mir lieber, wenn ich vertrauen kann und ein anderer auf mich aufpasst.

Schließlich hatte eine Freundin im Nachbarort Geburtstag und ich wollte dort hin und raus. Geplant war 1 Glas Sekt zum Anstoßen und nach 1 oder 2 Stunden wieder heimfahren. Tatsächlich waren es dann über 6 Stunden und zuviel Sekt. Ich wurde mit 1,86 Promille angehalten. Ich habe also über 2 Flaschen Sekt getrunken!

Danach trank ich überhaupt nichts mehr, ich hatte Angst vor dem, was mit mir passiert war und ich hatte zu den häuslichen Problemen noch eins dazu bekommen. Allerdings hielt mir mein Partner hier wenigstens die Stange. Er war im Grunde nicht wirklich schlecht, er war nur selbst jemand, der vor seinen eigenen Problemen davonlief.

Doch dann wurde meinem Partner die häusliche Situation zu eng. Ich passte ständig auf – jetzt ohne Alkohol noch mehr – dass meine Wohnung nicht in Gefahr war und er nicht Geld verprasste und sein Sohn, der ja bei uns lebte, machte das Leben für mich sehr schlimm. Ich war inzwischen Gast in meiner eigenen Wohnung, der Vater ließ seinen Sohn machen, was er wollte. Ich war machtlos, denn es war mit niemandem zu reden und fühlte mich mit allem allein gelassen. Schließlich zog er aus und ich konnte wieder atmen. Danach absolvierte ich meine erste MPU und war froh, mein Leben wieder zu haben.

Dann machte ich mich daran, den Rest meines Lebens wieder in den Griff zu bekommen und nahm Nebenjobs als Kellnerin an. Das machte Spaß, ich trank allerdings nichts. Mir reichte es, die Gäste zu beobachten, wie sie sich veränderten.

Ab Ende 2014 trank ich dann aber doch auch wieder ein Glas Wein, aber nicht um mich zu berauschen, sondern weil er schmeckte. !Und wenn er nicht schmeckte oder ich nicht wollte, dann trank ich nichts. Ich hatte mich an die gemütlichen Momente, die in meiner Erinnerung noch waren, erinnert: ein Glas Wein, eine lauschige Sommernacht oder vor dem Kamin.

Damit hatte ich meinen Rückfall eingeläutet, denn ich hatte ja gesagt, dass ich nichts mehr trinken wollte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Entzugserscheinungen und keine Probleme.

Ich hatte aber alles beiseite geschoben, was ich im Zuge der ersten MPU gelernt hatte, weil ich mich zwar mit der Thematik befasst hatte, aber es nur oberflächlich bis GAR NICHT auf mich selbst bezogen hatte. Die Problematik war nicht wirklich bis zu mir selbst vorgedrungen, ich habe mich tatsächlich erst 5 Jahre später, nämlich jetzt, mit mir und meinen eigentlichen Ursachen beschäftigt. Vorher hielt ich es nicht und nie im Leben für notwendig. Ich erlaubte mir sozusagen ein kontrolliertes Trinken, mit dem ich klar zu kommen glaubte. Das einzige, was ich tatsächlich meiner Ansicht nach zu tun hatte, war, beim Autofahren nicht betrunken zu sein, der Rest ist meine Privatsache. Ich habe vor allem die Trinkerinnerung nicht ernst genommen, ich hätte nie gedacht (egal, was ich vorher gelesen und gehört hatte), dass es wirklich eine irreparabler Zustand ist. Ich habe mich tatsächlich erst jetzt mit der Wirkung von Alkohol im Gehirn befasst. Jetzt weiß ich, dass der Schaden bei mir irreparabel ist. Damals wusste ich es nicht, weil ich auch hier nicht ins Detail gegangen war.

So lebte ich mein Leben. Ich hatte Spaß daran, jederzeit meinen Wagen besteigen zu können und unabhängig zu sein. Auf diese Art und Weise führte ich ein eher unauffälliges Leben. Ich war früh wach, war ausgeglichen und hatte Spaß an meinem Leben. Alkoholische Exzesse am Wochenende gab es nicht, weil ich entweder gearbeitet habe oder für den Folgetag etwas geplant hatte, da konnte ich keinen Alkohol gebrauchen und mein Leben war mir wichtiger.

Dann traf ich meinen letzten Freund, zu diesem Zeitpunkt war er noch ein Bekannter, den ich einfach lange nicht gesehen hatte. Ausgerechnet beim Kellnern traf ich ihn, also blieb ich nach Dienstschluss einfach vor der Theke sitzen. Er bestellte Wein, wir unterhielten uns sehr gut, er lud mich nach Dienstschluß ein und ich ließ meinen Wagen stehen.

Irgendwie war immer Wein um ihn herum, nach seiner Aussage ein Zeichen von Genuß, er liebte gute und teure Weine. Selbstverständlich bestellte er mir auch immer ein Glas.




Danach trank ich überhaupt nichts mehr, ich hatte Angst vor dem, was mit mir passiert war und ich hatte zu den häuslichen Problemen noch eins dazu bekommen. Allerdings hielt mir mein Partner hier wenigstens die Stange. Er war im Grunde nicht wirklich schlecht, er war nur selbst jemand, der vor seinen eigenen Problemen davonlief.
Doch dann wurde meinem Partner die häusliche Situation zu eng. Ich passte ständig auf – jetzt ohne Alkohol noch mehr – dass meine Wohnung nicht in Gefahr war und er nicht Geld verprasste und sein Sohn, der ja bei uns lebte, machte das Leben für mich sehr schlimm. Ich war inzwischen Gast in meiner eigenen Wohnung, der Vater ließ seinen Sohn machen, was er wollte. Ich war machtlos, denn es war mit niemandem zu reden und fühlte mich mit allem allein gelassen. Schließlich zog er aus und ich konnte wieder atmen. Danach absolvierte ich meine erste MPU und war froh, mein Leben wieder zu haben.
Dann machte ich mich daran, den Rest meines Lebens wieder in den Griff zu bekommen und nahm Nebenjobs als Kellnerin an. Das machte Spaß, ich trank allerdings nichts. Mir reichte es, die Gäste zu beobachten, wie sie sich veränderten.

Ab Ende 2014 trank ich dann aber doch auch wieder ein Glas Wein, aber nicht um mich zu berauschen, sondern weil er schmeckte. Und wenn er nicht schmeckte oder ich nicht wollte, dann trank ich nichts. Ich hatte mich an die gemütlichen Momente, die in meiner Erinnerung noch waren, erinnert: ein Glas Wein, eine lauschige Sommernacht oder vor dem Kamin.

Damit hatte ich meinen Rückfall eingeläutet, denn ich hatte ja gesagt, dass ich nichts mehr trinken wollte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Entzugserscheinungen und keine Probleme.

Ich hatte aber alles beiseite geschoben, was ich im Zuge der ersten MPU gelernt hatte, weil ich mich zwar mit der Thematik befasst hatte, aber es nur oberflächlich bis GAR NICHT auf mich selbst bezogen hatte. Die Problematik war nicht wirklich bis zu mir selbst vorgedrungen, ich habe mich tatsächlich erst 5 Jahre später, nämlich jetzt, mit mir und meinen eigentlichen Ursachen beschäftigt. Vorher hielt ich es nicht und nie im Leben für notwendig. Ich erlaubte mir sozusagen ein kontrolliertes Trinken, mit dem ich klar zu kommen glaubte. Das einzige, was ich tatsächlich meiner Ansicht nach zu tun hatte, war, beim Autofahren nicht betrunken zu sein, der Rest ist meine Privatsache. Ich habe vor allem die Trinkerinnerung nicht ernst genommen, ich hätte nie gedacht (egal, was ich vorher gelesen und gehört hatte), dass es wirklich eine irreparabler Zustand ist. Ich habe mich tatsächlich erst jetzt mit der Wirkung von Alkohol im Gehirn befasst. Jetzt weiß ich, dass der Schaden bei mir irreparabel ist. Damals wusste ich es nicht, weil ich auch hier nicht ins Detail gegangen war.

So lebte ich mein Leben. Ich hatte Spaß daran, jederzeit meinen Wagen besteigen zu können und unabhängig zu sein. Auf diese Art und Weise führte ich ein eher unauffälliges Leben. Ich war früh wach, war ausgeglichen und hatte Spaß an meinem Leben. Alkoholische Exzesse am Wochenende gab es nicht, weil ich entweder gearbeitet habe oder für den Folgetag etwas geplant hatte, da konnte ich keinen Alkohol gebrauchen und mein Leben war mir wichtiger.
Dann traf ich meinen letzten Freund, zu diesem Zeitpunkt war er noch ein Bekannter, den ich einfach lange nicht gesehen hatte. Ausgerechnet beim Kellnern traf ich ihn, also blieb ich nach Dienstschluss einfach vor der Theke sitzen. Er bestellte Wein, wir unterhielten uns sehr gut, er lud mich nach Dienstschluß ein und ich ließ meinen Wagen stehen.
Irgendwie war immer Wein um ihn herum, nach seiner Aussage ein Zeichen von Genuß, er liebte gute und teure Weine. Selbstverständlich bestellte er mir auch immer ein Glas.



Wir waren jedes Wochenende aus, es gab immer Wein und es wurde immer sehr spät, auch wenn ich müde war. Wollte ich etwas dagegen einwenden, dann gab es immer einen triftigen Grund, weshalb es so spät geworden war und wenn wir dann daheim waren, dann war ich über meinen müden Punkt hinaus und wieder wach. Er war/ist selbst Alkoholiker, aber das fiel mir nicht auf. Dafür gab es immer öfter Streit, den ich nicht verstand. Er ist Narzisst, mindest aber jemand mit sehr starken narzisstischen Zügen. Das wusste ich damals noch nicht. Aber er schaffte es immer wieder, mich mit Argumenten so zu umgarnen, dass ich den eigentlichen Grund des Streits (wenn ich etwas kritisiert hatte) vergaß oder einfach den Faden verloren hatte. Und immer gab es Wein. Und aus lauter Frust trank ich auch, nichts schien seinen Vorstellungen zu genügen, ich war zwischendurch kreuzunglücklich und ratlos.

Immer öfter riss ich aus seiner Wohnung aus oder setzte ihn in bei mir vor die Tür, weil sein Verhalten unerträglich war. Dabei war ich auch nicht immer nüchtern, denn inzwischen hatte ich mich daran gewöhnt, wieder regelmäßig Wein zu trinken, auch daheim. Ich konnte mich nicht noch mehr teilen, um ihn zufrieden zu stellen und gleichzeitig wenigstens in meinem Leben notwendige Dinge zu erledigen. Egal was ich tat, es war nicht gut genug und gab neuen Anlass zu ermürbenden Diskussionen. Wenn ich dann etwas trank, dann beruhigte es mich.

Er warf mir dann vor, zuviel zu trinken. Ich weiß noch, dass ich mir immer dachte „guck dich mal selbst an“ und fand es anmaßend von ihm. Immerhin war er es, der nicht ausgetrunkene Gläser mit einem speziellen Deckel verschloß, damit er den Rest später weiter trinken konnte und der sein Leergut nicht in einem Gang aus der Wohnung schaffen konnte.

Ich war durch ständige Selbstverteidigung nicht mehr imstande, ihn, die Situation oder mich objektiv zu betrachten. Ich sah nicht, dass ich inzwischen jeden Abend Wein trank, ich sah nur, dass ich jeden Abend um meinen Seelenfrieden kämpfte und mich rechtfertigte. Andere Gedanken konnte ich nicht mehr fassen.
 

rosenresli

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Ich kann recht impulsiv sein, dies weiß ich. Ich wurde in Situationen großer Anspannung sehr laut und manchmal auch böse. Da ich mich immer öfter weigerte, mit ihm auszugehen, trank ich daheim. Hier war ich vor ihm sicher und konnte / wollte mir Ruhe antrinken. Hier trank ich dann, je nach Wochentag zwischen 3-4 TE’s. Nicht täglich, aber meist am Wochenende, da waren es dann 7-15, wenn ich richtig frustriert war und ich wieder böse sms bekam, die ich natürlich immer las und richtig stellen wollte.

In dieser ganzen Zeit sah ich mich ständig seelischen Mißhandlungen ausgesetzt, aber anstatt dem Ganzen ein Ende zu setzen, hoffte ich immer, dass sich mein Durchhalten und meine Versuche, mit ihm zu diskutieren, irgendwann auszahlen würden und er endlich verstünde, was er tut und wie schlimm das für den anderen ist.

Das ist aber nie geschehen.

Ich trank, weil ich für den Moment flüchten wollte vor dem Leben, das ich führte, es wurden aber recht viele Momente. Ich will meinem Expartner nicht unnötig Schuld geben, er wollte mich zwar verändern und zum Mitmachen animieren, aber ich habe es mit mir machen lassen. In den Momenten, in denen er mich auf Händen trug und mir alles versprach, dachte ich, wir seien endlich angekommen, um im nächsten Moment auf eine noch härtere Realität zu prallen.

Und ich hatte eine Sache ganz klar unterschätzt: das ist meine Trinkerinnerung. Ich konnte vorher viel trinken bzw „vertragen“ und nur, weil ich es zwischendurch gut im Griff hatte, bedeutet es nicht, dass ich nicht wieder dorthin kommen kann. Und ich habe ganz klar unterschätzt, was es bedeutet, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, denn das habe ich nie getan. So habe ich mich beispielsweise erst jetzt mit der Wirkung des Alkohols im Gehirn befaßt.

Bis zur letzten TF konnte ich wieder fast problemlos 1,5 – 2 Flaschen Rotwein trinken.

Somit war mein kontrolliertes Trinken wieder auf dem Level vor der 1ten TF.



10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?

(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)


Ich habe in erster Linie Rotwein getrunken. In der Woche kam ich so im letzten halben Jahr vor meiner Auffälligkeit auf 1-1,5 Flaschen Wein in der Woche, am Wochenende insgesamt auch 2 im Durchschnitt.



11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

In Gesellschaft, im letzten Jahr vor der FT oft allein.



12. Warum haben Sie getrunken?

(Innere + äußere Motive)


Vorgeschichte / Kindheit

Als ich geboren wurde, hatte ich einen älteren Bruder, der unglaublich stolz auf seine kleine Schwester war. Mein Bruder ist geistig behindert, was mir aber nie viel ausmachte, er war eben so. Ich kann mich allerdings daran erinnern, dass ich meine Mutter mit ca 4 oder 5 Jahren fragte, warum sie meinen Bruder lieber hat, als mich. Sie war sehr schockiert und sagte, dass das nicht der Fall sein. Ich glaube ihr das auch, aber für mich als Kind war da –rückblickend- das Gefühl, dass ich mich beweisen musste, um die Aufmerksamkeit meiner Eltern zu erhalten, dass mein Bruder wichtiger war.

Heute weiss ich natürlich, dass er tatsächlich einfach mehr Aufmerksamkeit in manchen Dingen brauchte, WEIL er geistig behindert war und ist. Als Kind aber war ich irgendwie eifersüchtig, nicht durchgehend, aber manchmal. Ich habe das meinen Bruder nie spüren lassen und auch nie wieder so etwas gesagt. Aber dieses Gefühl, immer etwas besser als nötig zu sein, damit ich bemerkt werde, habe ich tatsächlich immer wieder in meinem Leben gehabt. Ich musste keine besseren Noten schreiben, aber ich wollte immer, dass jemand stolz auf mich ist, daß ich gelobt werde. Meine Eltern (bzw meine Mutter, der Vater ist tot) haben eingeräumt, dass sie bewusst ganz bestimmt keinen Unterschied zwischen uns Kindern gemacht haben, es aber unbewusst durchaus immer in der Luft hing, dass ich klüger und verständiger als mein Bruder war, so dass eine nicht greifbare Erwartungshaltung in der Luft lag. Es war selbstverständlich für mich, dass ich auf meinen Bruder Rücksicht genommen habe, vor allem, als ich älter wurde, ich wusste ja, dass er sich nicht so gut wehren kann. Wenn andere ihn geärgert haben, dann bin ich immer dazwischen gegangen. Natürlich gab es auch mal Unstimmigkeiten zwischen Bruder und Schwester, aber die waren immer harmlos, wir haben unterm Strich immer zusammengehalten, er war und ist mein großer kleiner Bruder.

Ich habe also so gesehen kein normales Sozialverhalten mit meinem Bruder erlebt, kein Kämpfen, so wie es normal ist. Mein Behaupten zwischen Geschwistern sah so aus, dass ich ihn beschützt und entschuldigt habe, Verantwortung übernommen habe, damit er nicht noch mehr Schwierigkeiten hat und alles einfach für ihn ist. Mir hat niemand gesagt, dass ich das tun soll, es war eine klare Sache für mich, aber für mich als Kind wohl eine Nummer zu groß. Ich habe mich immerzu für ihn verantwortlich gefühlt. Einfach „Stop“ zu sagen habe ich nicht gelernt, deshalb habe ich hierfür auch keine Muster parat, ich ich abrufen kann. Natürlich habe ich ihm auch mal Hausschuhe hinterhergeworfen, aber das waren harmlose Angelegenheiten. Ich liebte und liebe ihn ja, ich würde niemals zulassen, dass jemand ein böses Wort über ihn sagt.

Ich habe Unzufriedenheiten unterdrückt, wo ich sie einfach hätte äußern sollen und dafür in unpassenden Momenten Rumpelstilzchen gespielt, wenn niemand dabei

nicht die Leute büßen lassen, die daran schuld waren, sondern habe unschuldigen Leuten, mit denen ich gar nichts zu tun hatte, im passenden Moment eine scharfe Aussage um die Ohren gehauen. „Ein Opfer suchen“ nannte ich das immer für mich.

Mein Selbstwertgefühl hat dabei gelitten und wurde ungewollt nicht so ausgeprägt, wie es gesund gewesen wäre. Das Gefühl, zu versagen oder gar dumm zu sein, hat mir ab irgendeinem Zeitpunkt, den ich nicht benennen kann, immer schwer zu schaffen gemacht und mich demoralisiert. Ich wollte nicht dumm sein, dumm sind andere oder Behinderte, was mich noch mehr schmerzte, weil ich dann immer an meinen Bruder gedacht habe.

Ich wollte immer schlau sein, das hat mir wohl auch den Beinamen „Klugscheißer“ eingebracht, ich verbessere gerne und stelle gerne Sachverhalte richtig. Auch ist meine Sturheit, die ich bisweilen an den Tag lege, manchmal wohl ein Produkt meiner Entwicklung, ich muss vehement meine Meinung vertreten, weil ich sonst unbewusst wieder einknicke, wenn ich es jetzt nicht sage. Ich kann nur entweder alles entschuldigen und mich selbst blenden, wo es nicht angebracht ist oder aber in dem Moment mit viel Nachdruck sagen, was ich zu sagen habe.

Ein weiterer Punkt ist der, dass die Ehe meiner Eltern zerrüttet war. So kam noch etwas mehr Verantwortung auf mich zu, denn ich „musste“ ja auch noch zwischen meinen Eltern vermitteln, was aber keinen nennenswerten Erfolg hatte.

Ich lernte aber dennoch, dass meine Hilfsangebote, wenn der andere nicht mehr weiterkam, honoriert wurden, dann fühlte ich mich gut, denn dann spürte ich Dankbarkeit und auch Respekt, weil ich das konnte oder versuchte, helfen.

An dem Tag, als wir Kinder mit der Mutter ausgezogen waren (ich war 11), war meine Mama abends so mit den Nerven am Ende, dass sie den Schraubenzieher nicht mehr halten konnte, um den Schrank aufzubauen. Ich habe ihr das Werkzeug aus der Hand genommen und alleine weitergemacht, erfolgreich.

Sie ging den ganzen Tag arbeiten, ich als gesundes Kind habe versucht, erwachsen zu sein und sie zu unterstützen und mein Bruder war ja auch noch da. Mit der Trennung meiner Eltern war für mich außerdem eine Säule weggebrochen: mein Vater. Er hatte mich enttäuscht, mich weggeschickt, als ich einmal aufmüpfig gegen ihn war, da lebten wir schon nicht mehr zusammen. Danach hatte ich beschlossen, meinen Vater aus meinem Leben zu streichen, was mir mehr schlecht als recht aber dennoch gelang. Da war ich 14.

Die Momente in meinem Leben, in denen ich viel getrunken habe, war immer Momente, in denen ich das Gefühl hatte, versagt zu haben, nicht gut genug zu sein. Ich habe versucht, schlechte Gefühle und meinen seelischen Stress zu verdrängen, um mir etwas innere Ruhe zu verschaffen, Ruhe, die ich, wie ich glaubte, zum „Überleben“ benötige, so wie jeder Mensch. Das hat natürlich langfristig unter dieser Prämisse nicht funktioniert.



Die für andere sichtbaren Gründe waren Momente, in denen ich verlassen und ausgetauscht wurde, nachdem ich im Vorfeld immer alles entschuldigt und auf bessere Zeiten gehofft hatte. Da fühlte ich mich wertlos.

Zusammenfassung der Gründe

Innere: zu geringes Selbstwertgefühl. Ich fühlte mich neben meinem behinderten Bruder unbewusst vernachlässigt. Aufgrund von gelernter Rücksichtnahme habe ich keine Muster, die ich abrufen kann, um „Stop“ zu signalisieren.

Ausblendung von Missstimmungen, Missempfindungen, unangenehme Erfahrungen, Abbau von seelischem Stress. Meine damalige Beziehung verursachte mir seelische Pein, konnte mich aber nicht lösen.

Äußere: massive Probleme mit dem Lebenspartner gepaart mit Verlustangst, Trennung, Existenzängste, sichtbarer Stress,



13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?

(bei wenig und bei viel Alkohol)


Bei geringen Mengen war das für mich die Erlaubnis, mich zu entspannen und „frei“ zu haben. Ich wurde lockerer und fühlte mich wohlig und gut.

Ich hatte und habe immer viele kreative Ideen, die ich aber, wenn ich etwas getrunken hatte, meistens nicht umgesetzt habe, denn ich wurde dann faul und bequem. Ich war oft am nächsten Morgen unkonzentriert und müde, wenn ich abends etwas getrunken hatte. Mit einem Glas Wein habe ich auch gerne für mich alleine meine Probleme diskutiert.

Ich war hemmungsloser in meine Äußerungen anderen gegenüber, ich konnte sehr emotional werden, vor allem, wenn ich mich unter Druck gesetzt und hilflos fühlte.

Erschreckend war für mich im Nachhinein, wie extrem ich unter Alkohol im Streit reagiert habe. So hatte ich mich noch nie aufgeführt und will es auch nicht mehr. Auch wenn es extreme Situationen waren, ich bin mir sicher, ich hätte ohne Alkohol anders und besser reagiert.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Ich war in den letzten 3 Jahren in erster Linie mit Leuten zusammen, die ihrerseits recht viel konsumiert haben, da wurde ich eher angeschaut, wenn ich ein Wasser bestellt hatte. Hier hatte sich jeder mal unter Alkohol schon mal daneben benommen, mit dem Partner gestritten oder ähnliches, da grinsten dann alle drüber und dann war es wieder gut.

Meinen Kollegen ist schon aufgefallen, wenn ich montags abgespannt zur Arbeit kam, aber sie sagten da nichts zu. Solange ich meinen Job machte, war es wohl okay.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?

Ich war oft lustlos, verkatert, und war machmal im Job unkonzentriert, weil ich müde und deprimiert war. Der Alkohol hatte meine Probleme ja nicht gelöst, er machte mich nur träger und noch hilfloser. Dementsprechend zog ich mich zurück, lachte immer weniger und war am liebsten allein. Gepaart mit einer Depression, die ich zwischenzeitlich wohl hatte, war das eine denkbar schlechte Ausgangsituation für mich. Ich war auch nicht mehr kreativ, weil ich nur noch Probleme wälzte, die ich ohne Alkohol wohl wesentlich schneller gelöst hätte. Ich würde sagen, ich habe mich selbst gefangen gehalten, ohne mir neutrale Gesprächspartner und Hilfe von außen zu suchen. Zum Schluß habe ich mit niemandem mehr geredet oder mich ausgetauscht.



17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Ich hatte niemals einen völligen Blackout, aber Sprach- und Gehschwierigkeiten. Ich habe die Kontrolle verloren, weil ich nicht mehr nach 2 Gläsern sagen konnte, dass ich genug getrunken hatte.
 

rosenresli

Neuer Benutzer
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet? Spätestens aktiv und sehr bewusst nach der ersten auffälligen Alkoholfahrt habe ich fast 3 Jahre nichts getrunken. Auch nach bestandener MPU habe ich keinen Alkohol getrunken.



19. In welcher Kategorie von Trinker haben sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?

(mit Begründung)


Mir war schon bewusst, dass ich in der Vergangenheit in extremen Situationen zu viel getrunken hatte. Aber ich habe es eben immer unter Ausnahme verbucht (also eine BESONDERS lustige Feier, bei der hinterher auch alle anderen blau waren, oder ich war in einer BESONDERS schlimmen Situation, da trinken auch alle) Davon abgesehen habe ich mich früher für einen Menschen gehalten, der durchaus Herr seiner Sinne ist und sehr gut steuern kann, ob und wann er etwas trinkt. Ich sah mich überhaupt nicht als Trinker, ein Trinker war Harald Juhnke. Selbst nach meiner ersten Auffälligkeit dachte ich, ich habe alles im Griff. Eine Zeitlang hat es geklappt, und da ich mich ja vorher gar nicht so wie jetzt mit der Materie befasst hatte, dachte ich, dass ich gar kein Problem habe. Das habe ich für mich korrigiert.

Heute und in Zukunft



20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?

(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)


Ich habe seit dem nichts mehr getrunken.



21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?

Am Tag des Vorfalls.



22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?

Nein.



23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?

Ich kann damit nicht umgehen und ich habe mir selbst mehrfach bewiesen, dass ich ohne besser klar komme. Darüber hinaus habe ich auch nicht das Problem, große Veranstaltungen meiden zu müssen, ich gehe hin, wohin ich möchte und wenn es mir zuviel oder unangenehm wird, dann gehe ich eben.



24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?

Ich habe im Grunde niemals in Betracht gezogen, dass ich wirklich nicht mit Alkohol umgehen kann, ich habe mich bei meiner ersten Auffälligkeit nur mit den obersten Schichten meiner Person und auch der Problematik befasst. So konnte es zu einem Rückfall kommen. Ich dachte immer, einen Rückfall hat man nur, wenn Probleme hat, die man nicht lösen kann und die einen überwältigen. Mir ging es gut, aber ich habe die Ernsthaftigkeit bei der ersten Tat nicht verstanden und habe mit Überheblichkeit (ich kann das!), Euphorie (mir geht es gut) und Selbstsicherheit (betrifft mich nicht) den richtigen Weg verlassen und in erster Linie glücklicherweise nur mir selbst geschadet. Nur wer in seinem Leben aufräumt und Erklärungen für sich selbst bekommen kann, der kann auch ein Problem lösen, falls es dann noch auftritt. Nur so kann man seine wirklichen Schwächen erkennen.

Mir war nun klar geworden ist, dass ich wirklich aktiv werden musste und zwar für mich. Wer zum wiederholten Mal den gleichen schwerwiegenden Fehler macht, der muss sein Problem richtig erkennen und angehen. Das habe ich getan und aufgrund eigener Erkenntnisse und der Hilfestellung meiner Ansprechpartner erkennen können, was mir gut tut und was nicht. Ich will, dass es mir gut geht.

Ich habe mir nach der TF im Dezember 2017 sofort eine Selbsthilfegruppe gesucht. Allerdings war ich dieses Mal gewissenhafter als beim letzten Mal. Damals hatte ich mir irgendeine Gruppe gesucht und die Zeit abgesessen, dort wurde gebetet und ich nahm gar nichts ernst, was geschah. Es hatte nichts mit mir zu tun.

Meine jetzige Gruppe ist weltlich, nicht christlich. Es werden ganz normale Gespräche geführt, mit denen ich mich identifizieren kann. Ziel dieser Gruppe ist, reden zu lernen und dauerhaft abstinent zu bleiben. Und ich habe erkannt: es HAT etwas mit mir zu tun. Ich hatte früher meine Vergangenheit nicht so ernsthaft durchleuchtet wie es nötig gewesen wäre und deshalb mir und anderen etwas vorgespielt. Ich hatte nun aktuell die Möglichkeit, mein Denken und meine Einstellung zu korrigieren und die tatsächliche Notwendigkeit dazu zu erkennen.

Als nächstes suchte ich mir eine Psychotherapeutin. Das war das Beste, was ich überhaupt tun konnte. Von meinem „Partner“ habe ich mich getrennt, er tat mir nie gut und das würde sich auch niemals ändern. Ich habe mit meiner Therapeutin mein bisheriges Leben erörtet und welchen Einfluss das auf mein heutiges Leben hatte und hat.

Leider erkenne ich erst jetzt, dass ich so ein Gespräch schon vor sehr vielen Jahren hätte führen müssen, denn ich habe erst jetzt angefangen, Zusammenhänge zu erkennen, die ihren Ursprung tatsächlich schon im Kindesalter hatten.

Es geht alles Hand in Hand, mein Alkoholmissbrauch ist eine Folge aus meiner Vergangenheit und die Tatsache, dass ich meine erste MPU nicht ernst genommen habe. Ich wollte nur den FS zurückhaben, aber nicht erarbeiten, warum ich so bin, wie ich bin. Ich hatte es mir zu leichtgemacht.

Nachdem mein Psychologe mich gefragt hat, warum ich mich alle Augenblicke entschuldige, habe ich diese „Angewohnheit“ sehr durchleuchtet und Gründe dafür festmachen können, die keine Gründe sind. Das war für mich einer meiner Schlüsselmomente.

Mein Expartner war mir ausgerechnet hier eine große Hilfe. Ich hatte ihn inzwischen lange genug studiert und auch selbst oft genug darunter gelitten, dass er bzw wir in Folge von starkem Alkoholgenuß zu Passivität verdammt waren, in Urlaubsorten lernte ich zuerst immer die Kneipen für den Abend kennen, nicht die Umgebung. Seine Launenhaftigkeit, wenn er etwas getrunken hatte, war in Verbindung mit seiner Persönlichkeit unbeschreiblich und es blieb sehr vieles auf der Strecke. So möchte ich nicht werden!!! Ich habe ihn aus vielen Gründen als untragbar empfunden, aber ich will nicht, dass mein Leben unter meiner alleinigen Regie ebenso endet. Dazu kommt noch, dass ich mich unglaublich schäme. Ich wollte für meinen Bruder und für meine Mama da sein. Das habe ich nicht tun können. Sie halten zu mir, aber es ist zB ein furchtbares Gefühl, dass ich in Notfällen, die es zum Glück nicht gab, gar nicht hätte reagieren können, weil ich Alkohol getrunken hatte.



25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?

Es war ungewohnt, ich fühlte mich in den ersten Tagen vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt, es war in der Vorweihnachtszeit. Ich war daran gewöhnt, dass man selbstverständlich etwas trinkt – nicht nur in der Vorweihnachtszeit - um Spaß zu haben und es war nicht ganz einfach für mich. Das wurde ganz sicher durch meinen damaligen Partner verstärkt, der im gleichen Umfang seinen Wein weiter trank und darauf bestand, dass ich zu allen Veranstaltungen mitkommen sollte, auch bis 3 Uhr morgens. Nach kurzer Zeit weigerte ich mich jedoch mit der Begründung, dass mir das nichts bringt und ich keine Lust habe, bis Ultimo vor einem Tresen zu stehen, während sich alle um mich herum langsam aber sicher betrinken, seine Person eingeschlossen. Wir haben uns getrennt.



26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Ich bin insgesamt entspannter und ausgeglichener geworden. Da ich nicht mehr bis spät abends sitze und mit Alkohol meine Freizeit „verlängere“, bis ich ins Bett MUSS, bin ich zu jeder Zeit fit und ausgeschlafener. Ich höre auf meine innere Uhr, gehe zu Bett, wenn ich müde bin und bin mit den ersten Vögeln wach, was mir sehr gut gefällt.

Im Grunde bin ich immer gern früh aufgestanden, weil ich dann mehr vom Tag habe. Ich habe letztes Jahr eine Anstellung im öffentlichen Dienst antreten können, was mich sehr stolz macht und ich auf keinen Fall aufs Spiel setzen möchte. Insgesamt gefällt mir mein Leben gerade sehr gut und das macht sich durch innere Ruhe bemerkbar, die für jeden spürbar ist, Probleme sind wahrscheinlich aus genau diesem Grunde gar nicht mehr so groß und die Lösung geht mir vergleichsweise leicht von der Hand. Ich bin konzentriert und habe Spaß an dem, was ich tue. Und: ich verzweifle nicht, wenn mal etwas nicht funktioniert, dann versuche ich es eben einfach noch einmal oder frage jemanden.

Heute kann ich an Veranstaltungen teilnehmen und es genießen. Ich muss mich nicht beeilen, um in der Pause einer Theateraufführung ein Glas Wein zu kaufen, was früher immer dazugehörte, welches ich dann viel zu schnell austrinken muss, weil die Pause zu Ende ist.

Ich habe gelernt, Halt in mir selbst zu suchen und zu finden, denn das ist es, was mir gefehlt hat. Aus lauter Angst, nicht gut genug und deshalb allein zu sein, habe ich immer übersehen, dass ich erstens nicht alleine bin und zweitens, dass es manchmal sogar besser ist, alleine als zu zweit zu sein (in Bezug auf Partnerschaft).

Um diese Erkenntnis zu festigen und Ruhe in mir selbst zu finden, habe ich unterstützende Kurse von meiner Krankenkasse belegt, die jederzeit wiederholt werden können und zu jeder Zeit angeboten werden. Ich kann auf folgende Kurse zurückblicken: „Achtsamkeit und Balance“, der mir hilft, auch in stressigen und anstrengenden Momenten Ruhe und Kraft in mir selbst zu finden –zu jeder Zeit. Sehr begeistert bin ich auch vom „autogenes Training“, es hat im Grunde das gleiche Ziel. In den kommenden Wochen startet ein weiterer Kurs „Achtsamkeit“, für den ich mich angemelden werde. Ich profitiere davon und es macht Spaß.

Ich nenne den Zustand der Entspannung „die Seele baumeln lassen“. Die Erkenntnis, dass ich unter Druck bei Stress viel getrunken habe, sagt mir, dass ich den richtigen Weg einschlage, weil ich mir Möglichkeiten der Stressbewältigung und –vermeidung aneigne, die jederzeit abrufbar sind. Das hat sich bisher schon bewährt.



Mein Expartner ist dabei eine gute Bewährungsprobe, denn er sucht immer noch Wege, mich zu kontaktieren, was nicht immer angenehm ist. Ich hatte nicht ein einziges Mal dabei das Bedürfnis, etwas zu trinken. In solchen Fällen rufe ich das Gelernte aus meinen Kursen ab und mache ihn damit zur unwichtigsten Person des Universums. Früher hätte ich eine Flasche Wein geöffnet.
 

rosenresli

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27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?

Ich habe gelernt, dass nicht nur negative Ereignisse dazu führen können, wieder Alkohol zu trinken, sondern insbesonder auch ein positiver Gemütszustand. Ich selbst bin dabei vor lauter Selbstsicherheit und Übermut (ich nenne es mal so) in Verbindung mit mangelhafter Ernsthaftigkeit der Thematik auf MICH bezogen geradewegs in einen Rückfall gelaufen. Ich wollte wieder so leben wie früher und habe dabei alles falsch gemacht, was nur möglich ist. Diesesmal bin ich besser vorbereitet.

Um meine Erkenntnisse zu festigen und Ruhe in mir selbst zu finden, habe ich entsprechende Kurse bei meiner Krankenkasse belegt, die jederzeit wiederholt werden können und zu jeder Zeit angeboten werden. Bisher habe ich zwei Kurse belegt, die sich mit innerer Ruhe und dem eigenen Wohlbefinden befassen und ein dritter ist bereits gebucht. Das kann ich allein tun.

Aber wenn ich mich zu gut oder zu schlecht fühle, dann brauche ich den Austausch mit anderen Personen, die mich erden können. Ich habe den Sinn einer Selbsthilfegruppe erkannt, denn die ist nicht nur in schlechten Zeiten notwendig.

Zusätzlich kann ich inzwischen auch über das reden, was mich bewegt, ich bin nämlich gar nicht so alleine, wie ich immer dachte, ich habe es nur nie versucht, weil ich immer dachte, dass man andere damit nicht belastet, dass sich niemand mit meinen Problemen beschäftigen möchte. Es ist nicht immer gut, stark sein zu wollen. Ich habe auch gelernt, dass ich mich nicht deshalb schämen muss. Ich müsste mich aber schämen, wenn ich nichts an meiner Situation geändert hätte. Ich stoße auf Anerkennung und Akzeptanz.



Inzwischen habe ich mir ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut. Mir wird zugehört und kann zuhören. Und ich kann „nein“ sagen. Mein Netzwerk besteht aus meiner Selbsthilfegruppe, die wirklich Spaß macht, da wir uns hier auch über ganz normale weltliche Dinge unterhalten können. Die Mitglieder der Gruppe haben ein feines Gespür für Momente, in denen ich nicht guter Dinge bin und ich kann mich hemmungslos austauschen. Abgesehen von der Kameradschaft, die hier herrscht, fühle ich mich hier wirklich wie in einem Hafen.

Meinen Bekanntenkreis habe ich sehr ausgemistet und ausgetauscht. Einige Leute von früher treffe ich durch Zufall gelegentlich, was nicht schlimm ist, andere meide ich, weil ich für mich zu dem Schluss gekommen sind, dass sie selbst im Grunde nur Trinkgenossen suchen. Das will ich für mich ausschließen und ich lege auch keinen Wert darauf. Erst vor einigen Tagen habe ich festgestellt, dass ich von mir aus Abstand nehme, wenn ich jemanden kennenlerne und feststelle, dass er/sie jeden Abend ein Glas Wein, Calvados etc trinkt. In meinem Kopf ging ein Warnzeichen an, denn das hatte ich schon, es war nicht toll und ich will das nicht mehr.

Ich betrachte Alkohol und seine Wirkung auf mich wie eine Allergie: sie geht nicht weg, nur weil ich eine Zeit lang den auslösenden Stoff nicht einnehme. ich sage allen Bescheid, dass ich die Substanz nicht vertrage, denn ich will die Folgen nicht erleben müssen.



28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?

(Ja/Nein + Begründung,) ->Hintergrund der Frage ist, welche Umstände können dazu führen, dass Sie wieder

in alte Gewohnheiten zurückfallen würden, wie merken sie das und was tun sie dagegen?<-

Ich bin bereits einmal in meine alten Gewohnheiten zurückgefallen, warum also sollte ich nicht noch einmal in so eine Situation kommen?

Früher waren es vor allem Lebenssituationen, in denen ich sehr an mir gezweifelt habe (noch mehr, als ich es eh schon ständig aufgrund meiner frühen persönlichen Entwicklung getan habe).



Der Unterschied zu früher ist, dass in heute in der Lage bin, meine Schwächen und Notsituationen – auch und gerade in euphorischen Momenten - zu erkennen (Stress, der mir zu Herzen geht, mich emotional aufwühlt) und diesen Situationen entsprechend entgegen zu treten. Ich habe sehr gute Gesprächspartner in der SHG, zur Therapeutin, ich habe mein autogenes Training. Ich habe Selbstvertrauen, ich habe Freunde, nicht viele – aber echte. Auch habe ich festgestellt, dass das Radfahren, was zu Beginn nur ein Mittel der Fortbewegung war, inzwischen zu einer Passion geworden ist, bei dem ich mir den Kopf frei strampeln kann, das tut mir sehr gut. Ganz nebenbei macht es mich einfach glücklich, wenn ich frei fahren kann, Wind in den Haaren und ganz relaxt, es ist wie Urlaub, den ich jeden Tag habe. Wenn ich so zur Arbeit kommen kann, dann beginnt mein Tag gleich ganz anders.

Ich rechtfertige und entschuldige mich auch in der Öffentlichkeit nicht dafür, dass ich nichts mehr trinke, ich stehe einfach zu mir.

Wie ich festgestellt habe, bin ich mit meiner Einstellung nicht alleine, es sind mehr Menschen, als ich dachte. Auch Leute, die ich von früher kenne, trinken heute nichts mehr.

Ich kann mich nicht davor schützen, Menschen zu begegnen oder Situationen zu erleben, die mir schaden könnten. Aber ich kann mit meinem erarbeiteten Wissen mich selbst befragen, warum ich etwas tue und ob es mir guttut. Und ich kann, um mir selbst das Beste bieten zu können, immer Nein sagen.



29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?

Indem ich nichts mehr trinke, dies gerne und unbedingt mit Hilfe meiner Notfallpläne (SHG, Therapeutin, die mir zu einer Freundin geworden ist, autogenes Training)



30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?

Mir ist bewusst, dass ich doppelter Wiederholungstäter bin. Denn ich habe gesagt, dass ich keinen Alkohol mehr trinken werde UND dass ich nicht mehr mit alkoholisiert ein Fahrzeug steuern werde.

Mein Rückfall war sehr gefährlich, für andere im Straßenverkehr und auch für mich selbst, deshalb bin ich bei der MPU und das ist richtig so. Ich würde auch niemandem trauen, der sich so benommen hat.

Aber ich bin dankbar für die zweite Aufforderung, mich selbst kennenzulernen und auch korrigieren zu können, denn das habe ich bei der ersten Auffälligkeit nicht getan. Deshalb konnte es zu diesem Rückfall kommen.
 

Nancy

Super-Moderator und MPU Profi
Teammitglied
Administrator
Hallo rosenresli,

ich habe es noch nicht geschafft deinen FB zu lesen, darum meine Frage: Du hast Abstinenznachweise über ein Jahr?

Fülle doch bitte mal den entsprechenden Profilfragebogen aus. Danke.
 
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