MPU | TF 1,95% aus 2016

AnZ

Neuer Benutzer
Hallo liebe alle!
ich bin gerade mitten in der MPU-Vorbereitung und habe in letzter Zeit viel Arbeit in mein Konsumdiagramm gesteckt. Dazwischen auch mal mit viel Prokrastination, weil ich auch für mich sehr schwierige Themen aus der Vergangenheit aufgreifen.
Mir ist bewusst, dass es aktuell noch zu lang ist und ich noch einiges kürzen muss. Trotzdem wollte ich es einmal zeigen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob ich grundsätzlich in die richtige Richtung gehe.

Mir ist klar, dass eine genaue Einschätzung von euch zu meiner Person noch sehr schwierig ist, weil ich noch keinen Fragebogen erstellt habe. Aber dieser steht demnächst schon auf meiner Liste.

Ich wäre wirklich dankbar, wenn jemand mit ein bisschen Erfahrung mal drüber schauen und mir sagen könnte, ob Aufbau und Inhalt so passen oder ob ich mich irgendwo verrenne. Ich weiß, es steckt viel drin, aber nach all der Arbeit wäre mir wichtig zu wissen, ob das Fundament stimmt, bevor ich weiterkürze.

Danke euch schon jetzt fürs Lesen und für euer ehrliches Feedback.

Liebe Grüße
Anika
 

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:oops: oh nein, wirklich? Ich meine, ich hab den Sinn darin schon verstanden, da es mir wirklich nicht leichtgefallen ist, Themen, die nicht ohne Grund wo verblieben sind, wieder auszupacken, aber dass es nicht relevant ist? Okay, weiß nicht, ob es mich gerade erleichtert oder verunsichert :smiley624:
 
Die Kommunikation bei einer MPU soll ausdrücklich mündlich erfolgen. Betroffene können bei einer MPU berichten (= mündlich) das sie ihr Problem erkannt haben und welche Lösung sie gefunden haben, trotzdem zukünftig als Kfz-Führer gefahrlos am Straßenverkehr teilzunehmen.

Schriftlich interessieren nur Unterlagen von Dritten, üblicherweise Abstinenznachweise, Teilnahmebescheinigungen oder Behandlungsberichte. Die dann aber auch mit der Fragestellung direkt zu tun haben.

Auf dein Diagramm wird der Gutachter einen kurzen Blick werfen und dich dann bitten es wegzustecken.
 
Liebe alle, anbei mein Fragebogen:

Ich bin am 26.03.2016 nach einer Feier ins Auto gestiegen, um 800m nach Hause zufahren. Ich kam zuhause an, parkte ein und es blinkte "Stopp Polizei". Oh je, wenn ich das so schreibe, läuft es mir noch heute eiskalt den Rücken herunter. Ich parkte noch ein, der Polizeiwagen wollte hinter mir in eine Lücke, die keine war und ich stieß gegen dessen Kotflügel. Nun schlug die Realität heftig zu und die ganze Odyssee nahm ihren Lauf. Sicher fragt sich der Eine oder Andere, warum es für mich knapp 10 Jahre braucht, um diesen Schritt zu gehen, aber für mich war und ist das Thema super schambehaftet, dass ich für mich nie richtig den Weg gefunden habe, um das Thema endlich anzugehen. Es ist mir wirklich sehr unangenehm, umso wichtiger ist es für mich, nun endlich platz in meinem Kopf zu schaffen für die schönen Dinge im Leben und endlich abzuschließen, was abgeschlossen werden muss.
Nun, diese Phase damals, in der ich mich befand, war für mich ein Prozess, der sich langsam dahin entwickelt hat, dass ich in einen regelmäßigen Konsum kam. Logisch, sonst wäre es nicht so weit gekommen. Heute weiß ich natürlich, dass es eine Flucht war. Eine Flucht vor tiefen Gefühlen, die nicht gelebt oder gefühlt werden wollten bzw. sollten. Auch weiß ich heute, dass dieser Moment kommen musste. Es war wichtig für mich, dass ich diesen Moment erleben musste. So schrecklich es sich für mich auch heute noch anfühlt, aber es war wichtig, denn wer weiß, was noch passiert wäre.

Ich bin seit einiger Zeit stille Mitleserin und freue mich immer riesig, wenn es wer geschafft hat, dank des Forums, seinen Führerschein wiederzuerlangen. Daher freue ich mich auf einen konstruktiven, ehrlichen Austausch und Hilfestellungen, die wertvoll sein könnten.
Ich versuche mit KT in die MPU zugehen, da seit 2018 einen bewussten Umgang mit Alkohol lebe. Aktuell befinde ich mich in der Stabilisierungsphase und trinke seit 26.04.2025 keinen Alkohol mehr. Die erste Haaranalyse habe ich vergangene Woche hinter mich gebracht, auch wenn sie nicht nötig sei, so meine Vorbereitung, aber irgendwie ist es mir ein inneres Bedürfnis mit zusätzlichen Fakten meine Wandlung zu untermauern, da ich angst habe, im GA-Gespräch zu unsicher und aufgeregt zu sein und dann nicht mehr mit Worten überzeugen kann. Ich hatte noch kein Probegespräch oder sonstiges, daher weiß ich nicht, wie ich es für mich strategisch gut aufbauen kann.

Helft mir gerne, wenn ich etwas vergessen habe und Ihr weitere Informationen benötigt.

FB Alkohol

Zur Person
Geschlecht: weiblich
Größe: 168
Gewicht: 56
Alter: 39

Was ist passiert?

Datum der Auffälligkeit: 26.03.2016
BAK: 1,95%
Trinkbeginn: ca. 19:00 Uhr
Trinkende: 2:00 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 3:20 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens

Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: 19.03.2017

Führerschein

Hab ich noch: nein
Hab ich abgegeben: ja, am 26.03.2016
Hab ich neu beantragt: ja, am 25.09.2025
Habe noch keinen gemacht: /

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: nein
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: keine
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt): nicht bekannt | was ist damit gemeint?

Bundesland
: Brandenburg

Konsum

Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: nein
Ich lebe abstinent seit: 26.04.2025

Abstinenznachweis

Haaranalyse ja/nein: ja
Urinscreening ja/nein: nein
PEth-Analytik ja/nein: nein
Keinen Plan?: -

Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: ja, seit 25.06.2025 + 16.09.2025 + 20.11.2025 (Plan) – geplant 3

Aufarbeitung

Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: ja
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung: -

MPU
Datum: offen
Welche Stelle (MPI): DEKRA
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt?: nein
Wer hat das Gutachten gesehen?: -
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: -

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: keine
 
n, da es mir wirklich nicht leichtgefallen ist, Themen, die nicht ohne Grund wo verblieben sind, wieder auszupacken, aber dass es nicht relevant ist?
Oh, diese Themen sind zentral wichtig!
Aber der Gutachter wird kaum einen Blick auf dein (wirklich tolles!) Diagramm werfen.
Hier, zum Arbeiten, ist es hingegen eine großartige Hilfe, auch für uns.
 
Okay, das hört sich sehr gut an. Ich danke Dir. ;) Ich weiß, dass es schon eine große Aufarbeitung ist, allein sich damit zu beschäftigen und damit auseinanderzusetzen. Die Themen werden klarer und man versteht so einiges am Ende über sich selbst, denn man versteht auch den eigenen Weg, der wahrscheinlich eh da enden musste. Vielleicht auch "Gott sei Dank!"... Nun gut, ich glaube, ich fühle mich ein paar Steine leichter ;). Ich danke euch für euer Feedback und Input.
 
Hallo AnZ,

ich habe deine beiden Themen zusammengeführt.
Bitte bleibe jetzt bei den Fragen zu deinem Thema, hier in diesem Thread. Danke. :smiley138:
 
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Liebe Alle, anbei mein kompletter Fragebogen. Ich möchte nicht sagen, dass er perfekt ist. Ich möchte einen konstruktiven Austausch erwirken, der für mich und meine bevorstehende MPU in knapp 2 Wochen hilfreich sein wird. Es ist für mich ein immer noch schambehaftetes Thema, daher seid nicht zu hart mit mir. Das ist mein erster Entwurf.

FB Alkohol

Zur Person
Geschlecht: weiblich
Größe: 168
Gewicht: 56
Alter: 40

Was ist passiert?

Datum der Auffälligkeit: 26.03.2016
BAK: 1,95%
Trinkbeginn: ca. 19:00 Uhr
Trinkende: 2:00 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 3:20 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens

Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: 19.03.2017

Führerschein

Hab ich noch: nein
Hab ich abgegeben: ja, am 26.03.2016
Hab ich neu beantragt: ja, am 25.09.2025
Habe noch keinen gemacht: -

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: keine
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt): Bei der Untersuchung soll geklärt werden, ob auch in Zukunft derartige Trunkenheitsfahrten zu erwarten sind bzw. ob Beeinträchtigungen infolge eines bedenklichen Alkoholkonsums vorliegen (ist das gemeint?)

Bundesland
: Brandenburg

Konsum

Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: nein
Ich lebe abstinent seit: 27.04.2025

Abstinenznachweis

Haaranalyse ja/nein: ja – 2x (01.10.2025 1x KT | 08.01.2026 1x Abstinenz)
Urinscreening ja/nein: nein
PEth-Analytik ja/nein: nein
Keinen Plan?: -

Leberwerte ja/nein seit wann, wie viele: ja – 3x
25.06.2025 | GOT 0,23 | GPT 0,27 | GGT 0,18 | CRP 0,3
16.09.2025| GOT 0,22 | GPT 0,28 | GGT 0,22 | CRP 1
20.11.2025 | GOT 0,25 | GPT 0,28 | GGT 0,18 | CRP 0,3

Aufarbeitung

Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: ja
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung: -

MPU
Datum: 12.02.2026
Welche Stelle (MPI): DEKRA
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt?: nein
Wer hat das Gutachten gesehen?: -
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: -

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: keine
 
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.

Am 16.03.2016 um 2.30 Uhr wurde ich bei einer Polizeikontrolle, vor meiner Haustür, aus dem Verkehr gezogen. Der Atemalkohl lag bei 1,9%, eine spätere BAK-Untersuchung (3:20 Uhr) ergab einer Wert von 1,95%.

Es war ein Karfreitag. Wir trafen uns, wie jedes Wochenende/Feiertags, es war ja ein Feiertag, also genug Grund, um das zu feiern. So der damalige Gedanke. Ende 2014 ging in eine Gruppe, die sich regelmäßig an einem Ort (Garage) traf. Alkohol war dort immer verfügbar. Ich kannte diese Menschen bereits vorher schon, aber nicht so intensiv, wie sich diese Verbindung zu der Zeit entwickelte. Nun haben wir am 15.03.2016 den besagten Karfreitag gefeiert. Die Tochter eines Freundes kam zur Überraschung in unseren Ort und diese war gelungen. Gegen 2:15 Uhr war die Veranstaltung beendet. Neben mir war noch ein weiterer Freund da und wir verabschiedeten uns. Mir kam in den Sinn, dass ich am nächsten Tag Einkaufen wolle, daher wollte ich, aus Bequemlichkeit, mein Auto zuhause zu stehen haben. Ich begründete mir selbst diese Entscheidung damit, dass es ist doch nur die Straße runter ist, dann ist das Auto wenigstens zuhause und ich muss morgen nicht zu Fuß durch die Stadt. Mein „Kumpel“ fragte mich noch beim Verabschieden, ob das denn wirklich sein muss. Das kurze Stück kannst du doch laufen. Ich nahm den Einwand auf aber sagte, ach das geht schon.

Ich Stieg in mein Auto, fuhr die Straße runter und sah im Kreisverkehr vor mir schon einen Polizeiwagen. Ich fuhr in den Kreisverkehr ein, eine halbe Runde rum und fuhr noch ein kurzes Stück geradeaus und parkte dann vor meiner Haustür. Ich setzte zurück, um in die Parklücke zu rangieren und stieß an den Kotflügel des Polizeiwagens, der bereits hinter mir stand. Ich habe ihn nicht gesehen . In dem Moment leuchtet das Polizeischild, „Polizei“ und die blauen Lichter leuchten auf. Sofort realisierte ich, was ich getan habe. Mir wurde heiß und klar. Das kann doch nur ein Traum sein. Und schon stand auch schon der Polizist an meinem Fenster. Ich spüre dieses Gefühl genauso gerade wieder, wie ich diese Zeilen schreibe. Es folgte „allgemeine Polizeikontrolle“, ihnen ist klar, dass sie gerade gegen den Streifenwagen gefahren sind ?`Haben sie einen Einwand gegen einen Atemalkoholtest? Ich verneinte und der Test wurde durchgeführt. Ich war aufgelöst, weinte nur noch, ich schämte mich so unfassbar. Es wurde dann eine BAK –Untersuchung im Krankenhaus notwendig. Jedoch musste noch auf einen weiteren Streifenwagen gewartet werden, da der Unfallort so zu verbeiben hatte. Es dauerte für mich eine Ewigkeit in der ich da stand, in meiner Straße, mit blinkendem Polizeilicht. Ich fühlte mich so erbärmlich. Gefühlt konnte die ganze Straße dieses Szenario mitten in der Nacht verfolgen. Und ich stand da, weinte bitterlich. Ich fühlte mich nackt. Als der 2. Streifenwagen eintraf sah ich sofort, dass der Mann meiner Arbeitskollegin drin saß. Damit war mir klar, dass diese Nacht auch beruflich Konsequenzen haben würde. In der Rettungsstelle war ich, wie zu erwarten, nur am heulen und ließ alles über mich ergehen.


2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
an diesem Abend habe ich 5x 0,5l Bier getrunken. Das war trauriger Weise für mich die Regel. Jedes Wochenende, jeden Feiertag waren 4-6 Bier damals die traurige Wahrheit.

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Von dieser Garage aus sind es 800 Meter bis zu mir nachhause. Das verdeutlicht einmal, wie sinnlos und leichtsinnig ich gehandelt habe, denn nötig war diese Fahr in keinem Fall. Und was in diesen 800 Metern hätte passieren können, rechtfertigt überhaupt nicht die Mittel. Ich wollte mein Auto zuhause haben, weil ich am folge Tag einkaufen wollte, weil ich zu faul war, die 8000 Meter zum Standort meines Autos zu laufen und riskiere damit das Leben anderer und meins.

Heute ist das für mich so ein inneres Chaos, was damals passiert ist. Diese Gedankengänge kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.


4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
Ich habe mir darüber, wenn ich ehrlich bin, keinerlei Gedanken gemacht. Das kurze Stück geht wohl klar. Ich habe mich und meine Fahrtauglichkeit absolut fehleingeschätzt.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen?
In diesem Moment habe ich 2 Optionen gehabt. Laufen und am nächsten Tag das Auto holen oder das „kurze Stück“ nachhause fahren. Ich habe nicht erkannt, dass ich bereits starke Ausfallserscheinungen hatte, wie Gleichgewichts- und Reaktionsstörungen und die Situation absolut falsch eingeschätzt habe. Ich habe Schwierigkeiten beim Sehen gehabt und bin nicht auf den Einwand eines „Freunds“ „muss das denn wirklich sein?“ eingegangen.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?

In meinem damaligen Lebensstil zwischen Ende 2014-Anfang 2016 ist es nicht auszuschließen, dass ich des Öfteren mit Restalkohol mein Fahrzeug geführt habe. Nein, aufgefallen bin ich zuvor nicht.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen, ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Es ist nicht auszuschließen, dass ich zwischen Ende 2014 – Anfang 2016 regelmäßig an den Wochenenden mit Restalkohol mein Pkw gefahren bin.

Ich habe vor der TF noch nie an einer Polizeikontrolle mit Atemalkoholtest „teilnehmen“ müssen.


8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
Den ersten Kontakt zu Alkohol hatte ich in meiner frühen Kindheit. 1990/1991 ca. Meine Eltern waren sehr jung, als meine Schwester und ich geboren wurden. Meine Mama hatte eine instabile Jugend, wie auch mein Vater. Ihre Eltern starben in der Zeit, als wir auf der Welt kamen und offensichtlich waren sie überfordert und nicht im Stande, oder man hat ihr diese Fähigkeit entzogen, für 2 Kinder zu sorgen. Demnach sind wir früh in ein Kinderheim gekommen. Diese Phase meines Lebens ist immer noch im den hinteren Schubladen meines Bewusstseins aktiv und keine schöne Kindheitserinnerung. Als wir wieder nachhause kamen, es muss 1990/1991 gewesen sein, sagte sie, dass wir jetzt bei Papa wohnen. Ich hatte zuvor keine Erinnerung an ihn, ich war auch zugegeben noch zu klein. Aber dieser Satz regte in mir ein ungutes Gefühl aus. Ich war 4-5 Jahre alt. Es folgten Jahre von brutaler Gewalt, Demütigung, Missbrauch und konstante Verlustangst. Mein Vater war alkoholabhängig und der Alkohol begleitete mich bis 1995 konstant in meinem Zuhause. Dann floh unsere Mama mit uns in ein Frauenhaus in eine andre Stadt. Eine Zeit lang hatten wir keinen Kontakt mehr zu unserem Vater. Aber wie das so ist mit Frauen häuslicher Gewalt, der Weg führt immer wieder zurück zum Peiniger.

Meinen ersten Alkohol nahm ich mit 14 zur Jugendweihe zu mir. Ich selbst hatte keine eigenen Jugendweihe. Ich war bei meiner Freundin zu ihrer JW eingeladen. Die Erwachsenen erlaubten uns, ein kleines Glas (2cl) Toffee Likör zu trinken. Wir waren albern und bildeten uns ein, zu den Erwachsenen zu gehören.


9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Alkohol war für mich unbewusst immer mit negativen Emotionen verbunden. Vor 2015 habe ich Alkohol in unregelmäßigen Zeiträumen konsumiert. Ich habe nie bis zu Besinnungslosigkeit getrunken. Für mich war das ein gesellschaftliches Thema beim Tanzen gehen oder bei Hochzeiten und Geburtstagen, jedoch nie bis zum Kontrollverlust oder Besinnungslosigkeit und Kater.

Es gab eine Situation an meiner Abschlussfeier der 10. Klasse. Dort habe ich es aus der Feierlaune heraus übertrieben. Am nächsten Morgen konnte ich mich nur schwer erinnern. Meine Mama weckte mich und ich stellte mit erschrecken fest, dass ich mit meine Klamotten und Schuhen im Bett lag. Gott, ich schämte mich so. Meine Mama war entsetzt und fragte mich, ob ich so enden will wie mein Vater. Diese Aussage traf mich sehr. Ich verstand natürlich ihre Angst, da sie meinen Vater über Jahre hinweg am eigenen Leid musste. Sie hätte es auch nicht ertrage, wären wir auf Grund unserer kindlichen Erfahrungen auf eine derart schiefe bahn gekommen.

Während meiner Ausbildung habe ich zwar n einer Bar gearbeitet, dabei jedoch alkoholisierte Menschen, vor allem Männer, verabscheut. Sicherlich ein Anteil den meine Kindheit in mir hervor gerufen hat. In dieser Phase gab es auch in unregelmäßigen Abständen ein Beck´s Ice zum Feierabend. Aber das war ein geselliger Genuss in einer Feierabendstimmung mit den Kollegen.


10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
Vor der TF habe ich gelegentlich an Geburtstagen, Konzerten, Hochzeiten der Tanzveranstaltungen Alkohol konsumiert. Mein Konsum beschränkte sich auf 1-3 Mixbiere wie Beck´s Ice oder Radler, je nach Veranstaltung. Ich habe nie Schnaps getrunken oder reines Bier. Das war überhaupt nicht meine Geschmacksrichtung.

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Ich habe immer in Gesellschaft von Freunden getrunken. Entweder auf Tanzveranstaltungen, Hochzeiten und Geburtstagen. Ich habe vor 2015 nie regelmäßig Alkohol konsumiert.

Ende 2014 ging ich immer öfter in eine Gruppe aus Menschen, die sich regelmäßig in einer Garage trafen. Es war ein Treffpunkt. Man trank dort viel Alkohol. In dieser Phase war ich emotional überbelastet. Ich war in einer Beziehung, die aus Lügen bestand und ich nach und nach frustrierter wurde. Jedes Mal lies ich mich einlullen und merkte dabei nicht, wie sehr ich mich dabei selbst aufgab. Es war ein schleichender Prozess, der sich von 2010 bis Ende 2014 zog.

Zudem anderen habe ich neben meinem Hauptjob einen weiteren Job gehabt, der regelmäßig über die normale Arbeitszeit hinaus ging. Ich bin immer schon sehr selbstständig und für mich war das der normale Preis, um irgendwann einmal erfolgreich im Job zu sein. Schließlich kommt Erfolg nicht vom Nichts tun. Mein Nebenjob ging meist bis spät in den Abend, manchmal auch bis Mitternacht. Eines Tages kam ich nach meinem Hauptjob und vor meinem Nebenjob nach Hause. Ich lag auf dem Sofa, konnte mich nicht bewegen, spürte keinerlei Emotionen und fragte mich, wie lange soll das noch so weiter gehen.

Eine Antwort gab ich mir allerdings selbst nie. Also ging ich diesem Trott weiter nach. Auch hielt ich mein Zuhause mit meinem Partner einfach weiter aus. Ich sah nicht, dass mein Leben ein einziger Kampf war, in dem ich mir selbst so viel Druck machte.

Demnach flüchtete ich mich in die Gruppe, in der besagten Garage. Dort schien alles einfach zu sein, lustig, unterhaltsam und nebenbei gab es noch einen Umtrunk. Jedes Mal. Ich bekam Bestätigung in Bezug auf mein derzeitiges partnerschaftliches Leben, über das ich mich beschwerte. Paradoxer Weise glaubte ich in dieser Gruppe über meine Probleme sprechen zu können. Daher war ich mir nicht im Klaren, dass die Wurze viel tiefer steckte.


12. Warum haben Sie getrunken?
Früher habe ich Alkohol vor allem in gesellschaftliche Situationen Getrunken. Bei Hochzeiten, Tanzveranstaltungen oder Geburtstagen. Alkohol hatte eine soziale Funktion. Er machte mich lockerer und senkte meine innere Anspannung. Ich bin ein introvertierter Mensch und mich stresst Interaktion mit anderen Menschen, die es nun bei derartigen Veranstaltungen zwangsläufig gibt. Daher fiel es mir dann auch leichter in einem gesunden Maß offener, gelöster zu sein. Damals war mir noch nicht bewusst, dass ich damit ein äußeres Mittel eingesetzt habe, um innere Unsicherheit zu regulieren.

Ab Ende 2014 entwickelte sich einen Konsum stetig, bis hin z regelmäßigen Besuchen in der Garage. Ich flüchtete von zuhause. Bis hin zu jedes Wochenende. Damals erkannte ich überhaupt nicht, in welcher Spirale ich mich befand. Ich machte mir auch keine Gedanken, dann die anderen machen es ja schließlich auch. Ich gewöhnte mich an die Lockerheit in dieser Gruppe. Auch hatte ich das subtile empfinden dort verstanden zu werden. Jeder hatte eine Meinung zu meiner belastenden Partnerschaft. Ich bekam Zuspruch. Nur weiß ich heute, dass das alles anderes als wertvoll war.

Heute kann ich sicher sagen, dass mein ganzes Leben, bis zu meinem 30. Lebensjahr eine reine Flucht war. Von meiner frühen Kindheit, bis zum Tod Meiner Eltern (2003 & 2009) bestand mein Leben aus potente Anspannung, überleben, Kampf, ständige Paniken und kein Ende in Sicht. Denn ich kannte für mich nie eine gesunde Bewältigungsstrategie. Als mein Papa (2003) starb entwickelte ich eine Angststörung mit heftigen Panikattacken.

Mir war damals nicht bewusst, dass der Tod meines Papas nicht die Ursache der Angststörung was, sondern der Katalysator für längst bestehende emotionale Belastungen, die sich immer weiter anhäuften im Laufe der Zeit, weil sie einfach nie gesehen wurden. 2009 starb meine Mama innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Dieser Moment war der Schlimmste meines Lebens und der in dem ich begann mein inneres zu verschließen. Der halt war weg, ein Gefühl von allein sein und große Orientierungslosigkeit, doch mein Leben ging einfach weiter, als dürfe man nicht stehe bleiben, sondern einfach weiter machen. Ich habe keine Strategie, meine bisherigen Erfahrungen, ob aus der Kindheit oder den Tod meiner Eltern) zu bewältigen, stattdessen ging das Leben weiter und ich formte meine Realität angepasst an meine inneren Kämpfen.

Ende 2009 Trennte ich mich von meiner Jugendbeziehung und Anfang 2010 lernte ich einen neuen Partner kennen. Direkt zu Beginn baute sich diese Beziehung auf Lügen auf. Von der verheimlichten Ehefrau bis zum verheimlichten Kind war alles dabei. Das war ein Schlag für mich, dass ich auf so eine Person reingefallen bin. Schließlich ließ ich mich weichspülen und versuchte es dennoch. Er trennte sich, zog in eine eigene Wohnung. Sein Kind war alle 14 Tage bei ihm. Ich wusste, dass er Cannabis konsumiert, aber er tat es nur, wenn wir uns nicht trafen , da er wusste, dass es mich stört.

Ca. ¾ Jahr später ist er wegen Mietschulden aus seiner Wohnung geflogen und ich nahm ihn übergangsweise bei mir in meine 1,5 Zimmerwohnung (48qm) auf. Ich war so enttäuscht, aber konnte ihn auch nicht hängen lassen. Es dauerte nicht lange, bis sich seine Exfrau einmischte und über die Art und Weise, wie wir in meiner Wohnung zu leben haben, entschied. Denn schließlich bräuchte das Kind einen eigenen Raum für sich. Er gehorchte und demnach musste ich mein Schlafzimmer alle 14 Tage hergeben und wir schliefen demnach im Wohnzimmer auf der Erde. Ich hatte nicht die Kapazität für ein größeres Sofa, daher kam das auch nicht in Frage, wenn ich mir meine Wohnung nicht voll knallen wollte. Also bleib die Situation so, wie sie war. Es ging mir absolut gegen den Strich, aber machte nichts dagegen. Wir streiten und des Öfteren, aber ich kam nie darauf mal zu verlangen, dass er sich mal nach eine Wohnung umschauen könnte. Nun lebten wir so zusammen, ich absolut unzufrieden. Er begann sich in Foren rumzutreiben in denen man nach schnellen Sex suchte usw. Ich sprach ihn darauf an und lies mich wieder einmal einlullen. Danach wuchs mein Misstrauen weiter, hatte ich mich doch ein 2. Mal verarschen lassen. Das konnte ich mir nie eingestehen, das mir so etwas mal passiert. Des Weiteren war selbständig und hatte seine Ausgaben nicht unter Kontrolle und bekam ständig gelbe Briefe und auch vom Finanzamt. Es kotzte mich an, ein riesen Baby im Hause zu haben, der nicht im Stande war, sein Leben unter Kontrolle zu bekommen, währen ich 2 Jobs nach ging. Er fing an seinen Cannabiskonsum weiter auszuleben. Ob nach der Arbeit heimlich, und dann nachhause kam oder Abends auf dem Balkon. Ich gab ihm meine ganze Abneigung zu spüren und wollte das in meiner Wohnung nicht. Er respektierte meine Ansicht nicht.

Ich ging der Beziehung mehr und mehr aus dem Weg, wir gingen weniger zusammen weg, ich eher alleine, vor allem, wenn seine Tochter da war. Ich habe unterschiedliche Freundeskreise gehabt. Einmal meine Mädels, alle vernünftig, Kinder, Haus, Hof, Baum, dann ein Freundeskreis aus früheren Zeiten, aber weniger eng, man traf sich beim Tanzen gehen und dann später des Öfteren in einer Gruppe, in die ich durch sie gelangte. Dort ging ich des Öfteren hin. Es waren viele Bekannte dort. Es war eine Garage in der man sich traf. Zunächst empfand ich das cool. Man traf sich dort, unterhält sich, es wurde zwar Alkohol getrunken. Wenn ich dort was trank brachte ich mit immer ein bis zwei Radler mit. Oder man traf sich vor dem Tanzen gehen dort und trank schon vorher etwas. Mein Konsum entwickelte sich von 1-2 Radler, zu 2-3 selbstgemixtem Radlern und Ende 2014 nur noch zu Bier. Ende 2014 kam ich an meine Grenzen, was das Aushalten und Flüchten betraf. Ich versank mehr und mehr in der Garage. Jedes Wochenende war Grund genug zu trinken und zu feiern. Mein Konsum steigerte sich auf jedes Wochenende und feiertags auf bis zu 3-6 0,5l Bier. Ende 2015 , kurz vor Weihnachten trennte ich mich von meinem Partner. Ich fühlte eine neue Freiheit. Ich glaubte, jetzt alles nachholen zu müssen, was ich in all den letzten 12,5 Jahren, scheinbar, verpasst hätte. Von erwachsen sein, kurz vor 30, kann nicht die Rede gewesen sein.

Ich erinnere mich heute, dass es mich nicht einmal störte, am Morgen mit einem Kater aufzuwachen und am Abend wieder in die Garage zu gehen und weiter zu machen. Mein Konsum hat sich zu einem problematischen Muster entwickelt, das ich erst nach der TF sofort erkannt habe. Ich wollte betäuben, wovor ich all die Jahre weggelaufen bin.

Ich habe mich nie mit meinen emotionalen Belastungen aus der Kindheit bis zu meinen Ende 20ern auseinander gesetzt. Stattdessen war ich immer das Opfer. Das Opfer meiner familiären Situation, das Opfer meiner beruflichen Situation und das Opfer meiner Beziehungen. Alles was nie abgearbeitet wurde, rollte sich immer mehr auf, bis ich daran offensichtlich zerbrach und einen Weg einschlug, der mich am Ende mehr als aufgeweckt hat.


13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
Alkohol hatte eine entlastende Wirkung auf mich. In der Zeit von Ende 2014 – Anfang 2016 gab mir Alkohol ein Ventil. Heute weiß ich, dass es ehr Orientierungslosigkeit war. In allen Bereichen war ich überlastet, aber realisiert habe ich das nicht. Zunächst stellte sich eine entlastende Wirkung ein. Ja, stimmungsaufhellend und entspannt. Mit der Zeit wurde der Konsum regelmäßiger und mehr. Es folgten Kater, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und dennoch ging ich abends (an den Wochenenden oder Frei-Tagen) wieder in die Garage. Es war immer jemand da.

Es war der Drang nach Ablenkung. Damals wusste ich nicht mal konkret wovon. Schließlich spürte ich keine Sinnhaftigkeit unter der Woche. Ich hangelte mich von Wochenende zu Wochenende, wie andere sich auf den langersehnten Sommerurlaub freuen. Meine Gefühle wurden monotoner. Mein Denken hatte sich verändert. Die Welt um mich herum nahm ich immer negativer wahr. Ich selbst sah die Welt negativer. Alle hatten einen Grund zu meckern. Also hatte ich ihn auch. Man identifiziert sich so sehr mit der Opferrolle, dass sie nur Sinn ergeben kann. Rückblickend erinnere ich mich, dass die Tage am Anfang einer Woche schwerer für mich waren. Ich konnte mich nur schwer auf meine Arbeit konzentrieren und hatte starke emotionale Schwankungen. Ich eckte immer wieder mit meiner Chefin an, weil ich so unzufrieden war.

Heute ist es so, dass ich allein, wenn ich an die vielen Kater denke, dieses Gefühl so präsent ist. Es ist ein ausgeprägter Ekel, kann man sagen, an den ich, vor allem in der Zeit der Aufarbeitung, innerlich erinnert werde.
 
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Ja, meine Freundin, bei der ich meinen 2. Job nachging merkte des Öfteren an, dass ich schon sehr oft in dieser Garage sei. Sie kannte die Menschen und hatte keinen guten Eindruck von ihnen. Sie hat mir oft gesagt, dass sie meine Wochenendplanung kritisch sieht und sich sorgen macht. Für mich war das allerdings nicht so wild. Schließlich sind da auch andere die „Feiern“. Ich sagte ihr, dass ich das im Griff habe. Dann begann ich mehr und mehr, ihr nicht zu sagen, dass ich am Wochenende wieder da war, sondern zuhause.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Mit zunehmenden Konsum litten meine Freundschaften. Ich traf mich weniger mit meinen Mädels. Sie hatten eben auch ein anderes Leben. Gute Jobs, Familie, Haus und Baum gepflanzt. Ich dagegen fühlte mich mehr und mehr weniger hingezogen. Mein Leben war chaotisch, ich war in einer problematische Beziehung, hatte 2 Jobs die nur mühsam wenig finanzielle Freiheit brachten und ich war zunehmend unzufriedener.

Da ich mehr in die Garage ging, zog ich mich mehr gegenüber meinem anderen Freundeskreis zurück, weil ich auch keinen Bezug mehr zu ihnen hatte. Treffen mit meinen langjährigen Freunden wurde weniger. Ich sagte Treffen ab, schob andere Termine vor, die es nie gab nur um mich nicht verstellen zu müssen.

Ich trennte mich schließlich Ende 2015 von meiner Beziehung und ging der Annahme nun endlich was nachholen zu müssen, was mir meine 2 langen Beziehungen nicht möglich machte, so glaubte ich. Mit Ende 29 war ich der Meinung noch mal richtig auf den Putz hauen zu müssen.
Ich ging neben den regelmäßigen Besuchen in der Garage noch spät in der Nacht feiern. Jedes Wochenende vergnügte ich mich. Es folgten morgendliche Schreckensmomente und Scham, weil ich ab und an mal jemanden kennengelernt habe.


16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?

Nein.

In der Zeit von Ende 2014- Anfang 2016 habe ich den Alkoholkonsum auf ein hohes Niveau getrieben, durch die Regelmäßigkeit. Ich habe mich an diesen Konsum gewöhnt und konsumierte über die Zeit immer mehr.


17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Ja. Es gab einen Abend bei einem Freund, ein Dorf weiter. Es war im Mai 2015. Es war an Herrentag gewesen. Die Truppe war bunt gemischt (Frauen/Männer). Wir machten eine Radtour und landeten anschließend bei ihm zuhaue im Garten. Wir grillten, machten Feuer und tranken den ganzen Tag. Am Ende übergab ich mich nur noch und meine Freunde hatten Schwierigkeiten mich und mein Fahrrad in die Stadt nachhause zu bringen. Ich konnte mich an nächsten Tag an nichts mehr erinnern. Ich hatte einen Kater des Grauens. Es war ein absolut schambehafteter Tag danach.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?

Ich habe früher wenig bis selten Alkohol konsumiert. Ich habe bei gesellschaftlichen Anlässen 1-2 Mixbier getrunken und auch länge Phasen nicht. Es war dabei nie so, dass ich mir sagte, jetzt trinke ich nicht, sondern es gehörte einfach nicht zu meinem Leben zu trinken.

19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?

In der Zeit von Ende 2014 – Anfang 2016 habe ich meinen Konsum als Gesellschaftsfähig eingestuft. Als meine Freundin des Öfteren meine Freizeitgestaltung in der Garage kritisch einstufte und sie sich sorgen mache, dachte ich schon des Öfteren darüber nach. Ich sagte mir aber immer, dass es schon noch alles im Rahmen sei. Schließlich trinke ich ja nur an den Wochenenden. Mir war es damals nicht bewusst.

Heute schätze ich meinen Konsum rückblickend als höchst missbräuchlich ein.


20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?

Nein, ich trinke heute bewusst keinen Alkohol.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
Mein letzter Konsum war am 26.04.2025.

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein.

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?

Ich trinke heute keinen Alkohol mehr, weil er überhaupt nicht mehr zu mir und zu meinem Lebensstil passt. Ich bin sportlich sehr aktiv, ernähre mich gesund und faste über längere Zeiträume. Alkohol passt für mich nicht in meinen für mich gesunden Lebensstil.

Ich führe heute ein anderes Leben, als noch vor 9-10 Jahren. Ich habe ein Umfeld in dem Alkohol keine Rolle spielt. Ich bin beruflich absolut stabil und familiär seit 8 Jahren in einer harmonischen Partnerschaft. Ich habe einen anderen und festen Lebensmittelpunkt. Ich reise sehr gerne. Ich liebe tiefe und ehrliche Gespräche mit Menschen die fest im Leben stehen. Ich liebe es morgens der erste Mensch auf der Welt zu sein, dabei zuzusehen, wie die Welt und die Natur leise erwacht. Den Kaffee morgens zu genießen. Heute gibt es für mich keinen Grund, an diesem Umstand auch nur irgendetwas zu verändern. In meinem Umfeld spielt Alkohol auch keine Rolle. Ich habe mir ein schönes Leben aufgebaut und rückblickend so unwahrscheinlich viel über mich selbst gelernt, dass zum einen unendlich dankbar bin, dass dieser Moment damals so gekommen ist. Zum anderen ist es für mich heute noch unverständlich, dass ich so die Kontrolle über mich und mein Leben verlieren konnte.

Ich spüre, wie es mich innerlich nervt, wenn ich auf Geburtstagen, Hochzeiten oder sonstigen Feierlichkeiten bin und Menschen sich zunehmend verändern, wenn ihr Alkoholpegel steigt. Es ist wahnsinnig anstrengend. Die einen bemitleiden sich selbst, die anderen regen sich darüber auf, dass die Welt so böse ist, und wieder andere haben ihre Gefühle nicht unter Kontrolle. Und doch sehe ich in jedem von ihnen einen Anteil von mir früher. Das ist eine gute Reflexion und eine gute Gelegenheit, mich immer wieder selbst daran zu erinnern, wo es hinführen kann und was Alkohol aus einem Menschen machen kann.


? Welche Auswirkungen hatte mein Trinkverhalten auf mein nüchternes Leben?
Ich hatte starke Stimmungsschwankungen und zunehmende Unzufriedenheit. Ich sehnte mich mehr nach den Wochenenden, als das ich Tag für Tag das Gute in meinem Leben suchte oder fand. Was für eine Zeitverschwendung. Ich brach Kontakte ab zu Freunden und fand ausreden, weshalb Treffen nicht stattfinden. Ich zog mich komplett zurück.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Die TF war für mich ein großer Schock. Ich habe meine Besuche in der Garage zunehmend reduziert, weil ich gemerkt habe, dass nicht ich wichtig war, sondern sie selbst eine Daseinsberechtigung darin sahen, wenn alle anderen auch trinken.

Im September 2016 war meine Gerichtsverhandlung, die mir noch einmal vor Augen führte, wo ich gelandet bin. Das ich jemals vor Gericht stehen muss, ist für mich bis heute eine Mahnung. Die aber passieren musste, denn ich weiß nicht, wo mein Weg sonst geendet hätte.

Ich habe nicht genau hinschauen wolle bzw. habe ich meinen Konsum nicht als kritisch betrachtet. Ich wusste nicht, das Trauma mein Kontext war, weshalb ich nicht vorher meinen Konsum hinterfragt habe.

Meine Freundin stand mir immer zur Seite (die sich kritisch über meine Wochenendplanung geäußert hatte) und begleitete mich sogar in den Gerichtssaal. Ich wandte mich seit dem von der Gruppe ab und begann wieder mehr auf mein Leben zu schauen, meine Probleme in den Griff zu bekommen und mich wieder mehr mit meinen Mädels zu treffen.

Anfang 2017 erhielt meine Schwester die Diagnose Eierstockkrebs. Meine Eltern sind ebenfalls an Krebs gestorben, und diese Nachricht war ein weiterer Großer Schock. Wir hatten nur noch uns und ich begleitete sie auf ihrem schweren Weg. Für mich war das Thema Alkohol von dort an kein Thema, wenn das was wichtig ist, ist die Gesundheit. Ich konzentrierte mich auf meine Schwester und hatte daher keinen Zugang mehr zu dieser Gruppe. 2018 bekam ich einen neuen Job und dort veränderte sich für mich noch einmal alles. Ich bekam eine Verantwortungsvolle Position in einem großen Maschinenbauunternehmen und mein altes Leben hatte dort überhaupt keinen Platz. Ich wusste, das genau das meine Chance war, worauf ich so hart, all die vergangenen Jahre beruflich hingearbeitet habe. Dort lernte ich auch meinen jetzigen Partner kennen. Einige Zeit später erzählte ich ihm von meiner Trunkenheitsfahrt, denn ich konnte nicht ewig sagen, dass ich kein Auto brauche. Ich hatte Angst, dass er mich dadurch herabstufen würde und mich abstößt, aber ich musste es einfach sagen. Für mich war das ein schwerer Zug, da ich mir diese Sache selbst nie verzeihen kann. Er sagte, dass er es bereits wusste, da es scheinbar in meiner Gegend einige wussten, die entweder im Krankenhaus arbeitet, oder in der Nachbarschaft die Odyssee mitbekamen. Nun rechnete er es mir hoch an und meinte, das ein Fehler im Leben keinen Menschen ausmacht und er mich deswegen nicht sitzen lässt. Nun, heute sind wir immer noch zusammen, haben ein Haus, teilen eine gemeinsame Leidenschaft wie das Graveln/Rennradfahren und Joggen und er gibt mir den Raum, meine Vergangenheit aufzuarbeiten und zu akzeptieren.


25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Durch die Krebsdiagnose meiner Schwester 2017 wurde mir klar, dass wir nur dieses Leben haben. Ich erkannte auch, dass ich mein Konsum zuvor kritisch war und es nicht umsonst so weit gekommen ist. Mein Umfeld änderte sich und meine Interessen. Ich fing an zu festen und beschäftigte mich zunehmend mit Gesundheitsthemen. Konzentrierte mich auf meinen neuen Job und baute mir ein anderes Umfeld auf mit Menschen, die ein anderes Bewusstsein hatten, die fest im Leben stehen, von denen ich lernen konnte. Ein wichtiger Mensch in dieser Phase, war ein sehr enger Arbeitskollege.

Nach der TF war mir klar, das ich etwas ändern muss, aber es fiel mir schwer, meine Wochenenden anders zu planen. Ich hatte keine Orientierung und die Scharm war zu groß, um mich unter Leute zu begeben. Ich dachte immer, jeder wusste über mein Verhalten und meine TF Bescheid. Alle würde über mich reden. Zum anderen dachte ich, es wäre absolut langweilig auf Veranstaltungen nichts zu trinken, also blieb ich davon fern. Ich hatte kein Interesse daran. Ich konzentrierte mich auf meine Freundin, die immer da war. Wir verbrachten viele Wochenenden zusammen, das sie wenig bis keinen Alkohol trank, war das für mich genau die Art von Umfeld die ich zu der Zeit suchte.


26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Ich bin heute viel entspannter. Ich leben mein Leben, ich Reise gerne und umgib mich mit Menschen, mit denen ich tief und ehrliche Gespräche führen kann. Heute nach fast 10 Jahren führe ich ein komplett anderes Leben. Über die Jahre habe ich meine Vergangenheit stark reflektiert. Heute kann ich meinen Eltern verzeihen, das sie es zu ihrer Zeit nicht besser wussten. Sie haben mir nicht böswillig eine schwere Kindheit bereiten wollen. Ich kann meine Vergangenheit heute akzeptieren. Antworten suche ich nicht mehr, denn die kann mir heute niemand mehr geben. Ich konzentriere mich auf das Heute und auf die Zukunft.

Ich habe ein Umfeld, in dem ich mich wohl fühle, akzeptiert bin und eine Familie, in der Liebe groß geschrieben wird. All das, was ich all die vergangenen Jahre nicht hatte, scheint sich heute zu wenden. Ich liebe mein Leben so, wie es heute ist. Und ich weiß, dass noch viele besondere Momente auf mich warten, die es zu erfahren gibt. Mein Umfeld kennt mich nicht anders. Sicher ist ihnen nicht entgangen, dass ich nun gar keinen Alkohol mehr trinke, aber das ist für sie keine große Sache. Denn sie kennen mich, Gott sei Dank, nicht anders. Und es hinterfragt auch niemand. Es wird akzeptiert und auf feiern daran gedacht, das es auch Ginger Als oder Himbeer-Soda für mich gibt.


27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Meine TF erinnert mich heute noch daran, dass ich mich und das Leben anderer in Gefahr gebracht habe. Das darf mich nicht noch einmal passieren. Diesen Anspruch habe ich an mich selbst.

Mein Lebensstil hat sich seit 2018 grundlegend verändert. Heute ist mein Lebensmittelpunkt der Radsport. Mein Lebensstil lässt keinen Platz für Alkohol. Es gehört nicht zu meinem Leben. Ich bereite mich auf ein Ultra-Cycling-Event im Mai vor. Des weiteren will ich in diesem Jahr einen Halbmarathon laufen.

Ich habe ein anders Bewusstsein über die Jahre entwickelt. Ich genieße die absolute Klarheit. Ich genieße es heute noch, an Neujahr morgens Joggen zu gehen, statt mit einem Kater am Nachmittag aufzuwachen. Ich liebe es feiern zu gehen und alles bewusst zu erleben und freue mich heute noch, am nächsten Morgen fit zu sein. Das nimmt mir keiner mehr.

Meine Vergangenheit ist immer da. Auch gibt es immer noch Themen die hochkommen. Aber sie bestimmen mich nicht mehr. Sie schwellen nicht im Hintergrund, ungeachtet, sodass ich mich verliere. Ich spüre, wenn mir etwas zu viel ist oder wenn etwas in mir nicht stimmt, stressige Phase. Aber auch das spürt mein Partner ebenfalls und wir sprechen direkt über Dinge, die mich belasten. Das ist ein Automatismus geworden. Wir nehmen uns die Zeit unsere erlebten Tage gemeinsam zu reflektieren und beraten uns. Somit bleibt kein Platz für versteckte Ecken. Ich habe eine Familie (Schwiegereltern), die mich so nehmen wie ich bin. Ich darf heute lernen, wie es ist, geliebt zu werden, ohne perfekt zu sein.

Das gebe ich nicht mehr auf.


28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?

Ich kann nichts zu 100% ausschießen, das wäre vermessen. Ich kann aber sagen, dass es einiges braucht, um wieder dort zu landen, wo ich vor 10 Jahren stand. Ich keine meine Muster, ich nutze Gespräche mit engen Personenkreisen und habe Strategien, die es mir nicht erlauben, dorthin zurückzufallen. Wenn ich Stress habe gehe ich in die Mediation oder setz mich aufs Rad, ganz allein, ich gehe Joggen oder wenn etwas in mir hochkrocht oder blockiert, spreche ich es heute direkt an, vor allem in der Partnerschaft. Ich weiß, an wen ich mich wenden kann und zur größten Not, werde ich mir heute auch professionelle Hilfe holen.


29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?

Ich habe nicht vor, wieder Alkohol zu trinken.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
 
anbei noch mein finales Konsumdiagram. Ihr erwähntet zwar bereits, dass es womöglich nicht relevant sein wird, aber dennoch hat es mir sehr bei meiner Reflexion, vor allem, was meine frühkindlichen Erfahrungen betrifft, sehr geholfen, auch wenn es bei der Erstellung sehr schmerzhaft war. Leider ist es sehr groß, aber ich konnte es nicht kleiner machen.

Anhang gelöscht *Nancy*
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Dein Diagramm ist nutzlos. Die Informationen können Dritte wie der Gutachter oder wir nur nach stundenlangem Studium erfassen. Dazu müsste das Diagramm zudem in zwei- oder dreimal A0 ausgedruckt und an die Wand gepinnt werden.

Zudem ist es sachlich falsch und zugleich verharmlosend.

Sachlich: Du hast zum Beispiel offensichtlich die waagerechte Achse als Zeitachse verwendet. Wenn du dort ein Diagramm einzeichnest müssen die Spaltenbreiten zu den aufgeführten Zeiträumen passen. Nach dem Diagramm war deine Promillehöhe Mittags am höchsten, nach deiner Beschreibung jedoch kurz nach Mitternacht.

Verharmlosend: Das Diagramm zeigt für den Zeitraum deiner Alkoholfahrt zwar einen für Alkoholprobleme steigenden Anstieg. In Wirklichkeit umfasst der Anstieg aber (erkennbar am Datum) nur einen Tag. Passend zum Diagramm über 35 Jahre dürfte das aber nur ein schmaler senkrechter Strich sein. Das wiederum ist absolut unglaubwürdig.
 
!!! ist es möglich, den Anhang noch einmal zu bearbeiten? (ich muss etwas entscheidendes löschen)!!!

@MrMurphy
Mir ist bewusst, dass mein Diagramm erklärungsbedürftig ist und ohne Kontext unterschiedlich interpretiert werden kann.

Es handelt sich dabei nicht um ein Diagramm nach Tageszeiten oder Promilleverläufen, sondern um eine Darstellung von Trinkeinheiten im Zusammenhang mit meinen Lebensphasen.

Ich sehe gerade, dass in der zuletzt überarbeiteten Version die Skalierung der Trinkeinheiten nicht sauber angepasst ist und dadurch eine missverständliche Darstellung entsteht. Das werde ich korrigieren.

Meine Absicht ist es nicht, mein Delikt zu verharmlosen. Es ist schade, wenn es den Eindruck erweckt. Denn es steckt schon eine sehr persönliche Aufarbeitung dahinter. Aber ich verstehe, dass man als Außenstehender nur das beurteilen kann, was da steht. Ich werde die Darstellung noch mal überdenken. Leider gibt es wenig gute Diagramme als Vorlage, mein Empfinden, daher lässt sich nur schwer erraten, was denn richtig wäre.

Ich danke dir.
 
Du wirst in der mpu gefragt was du am Tag deiner Trunkenheitsfahrt konsumiert hast
Mit 5 halben Bier auf knapp 2 Promille?
Ein Diagramm ist für deine persönliche Aufarbeitung sicherlich hilfreich.
Für den Gutachter ist es wichtig dass du den Zusammenhang zwischen deinen Lebensabschnitten und dem Konsum erkannt hast.
Er wird dich nach den Mengen fragen.
Wieviel am meisten, wann ,wo,mit wem
 
Hallo. Ich bin der Meinung Du erwähnst immer das Gift (Alk). Und sagst immer Du willst(brauchst ) Kein Gift mehr.ABER es ist meiner Meinung nach noch nicht lange her wo Du keinen Alk mehr Drinkst hat.26.04.25
 
Ich komme mit deinen Trinkzeiträumen nicht zurecht.
TF ok - > Schock -> dennoch weitergetrunken
Lebensstil 2018 ("läßt keinen Platz für Alk") geändert -> dennoch weitergetrunken
anderes Bewusstsein über Jahre entwickelt -> letzter Konsum ist noch kein Jahr her
.....
Das passt für mich - unabhängig von den Trinkmengen - nicht
 
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