1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
Am 16.03.2016 um 2.30 Uhr wurde ich bei einer Polizeikontrolle, vor meiner Haustür, aus dem Verkehr gezogen. Der Atemalkohl lag bei 1,9%, eine spätere BAK-Untersuchung (3:20 Uhr) ergab einer Wert von 1,95%.
Es war ein Karfreitag. Wir trafen uns, wie jedes Wochenende/Feiertags, es war ja ein Feiertag, also genug Grund, um das zu feiern. So der damalige Gedanke. Ende 2014 ging in eine Gruppe, die sich regelmäßig an einem Ort (Garage) traf. Alkohol war dort immer verfügbar. Ich kannte diese Menschen bereits vorher schon, aber nicht so intensiv, wie sich diese Verbindung zu der Zeit entwickelte. Nun haben wir am 15.03.2016 den besagten Karfreitag gefeiert. Die Tochter eines Freundes kam zur Überraschung in unseren Ort und diese war gelungen. Gegen 2:15 Uhr war die Veranstaltung beendet. Neben mir war noch ein weiterer Freund da und wir verabschiedeten uns. Mir kam in den Sinn, dass ich am nächsten Tag Einkaufen wolle, daher wollte ich, aus Bequemlichkeit, mein Auto zuhause zu stehen haben. Ich begründete mir selbst diese Entscheidung damit, dass es ist doch nur die Straße runter ist, dann ist das Auto wenigstens zuhause und ich muss morgen nicht zu Fuß durch die Stadt. Mein „Kumpel“ fragte mich noch beim Verabschieden, ob das denn wirklich sein muss. Das kurze Stück kannst du doch laufen. Ich nahm den Einwand auf aber sagte, ach das geht schon.
Ich Stieg in mein Auto, fuhr die Straße runter und sah im Kreisverkehr vor mir schon einen Polizeiwagen. Ich fuhr in den Kreisverkehr ein, eine halbe Runde rum und fuhr noch ein kurzes Stück geradeaus und parkte dann vor meiner Haustür. Ich setzte zurück, um in die Parklücke zu rangieren und stieß an den Kotflügel des Polizeiwagens, der bereits hinter mir stand. Ich habe ihn nicht gesehen . In dem Moment leuchtet das Polizeischild, „Polizei“ und die blauen Lichter leuchten auf. Sofort realisierte ich, was ich getan habe. Mir wurde heiß und klar. Das kann doch nur ein Traum sein. Und schon stand auch schon der Polizist an meinem Fenster. Ich spüre dieses Gefühl genauso gerade wieder, wie ich diese Zeilen schreibe. Es folgte „allgemeine Polizeikontrolle“, ihnen ist klar, dass sie gerade gegen den Streifenwagen gefahren sind ?`Haben sie einen Einwand gegen einen Atemalkoholtest? Ich verneinte und der Test wurde durchgeführt. Ich war aufgelöst, weinte nur noch, ich schämte mich so unfassbar. Es wurde dann eine BAK –Untersuchung im Krankenhaus notwendig. Jedoch musste noch auf einen weiteren Streifenwagen gewartet werden, da der Unfallort so zu verbeiben hatte. Es dauerte für mich eine Ewigkeit in der ich da stand, in meiner Straße, mit blinkendem Polizeilicht. Ich fühlte mich so erbärmlich. Gefühlt konnte die ganze Straße dieses Szenario mitten in der Nacht verfolgen. Und ich stand da, weinte bitterlich. Ich fühlte mich nackt. Als der 2. Streifenwagen eintraf sah ich sofort, dass der Mann meiner Arbeitskollegin drin saß. Damit war mir klar, dass diese Nacht auch beruflich Konsequenzen haben würde. In der Rettungsstelle war ich, wie zu erwarten, nur am heulen und ließ alles über mich ergehen.
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
an diesem Abend habe ich 5x 0,5l Bier getrunken. Das war trauriger Weise für mich die Regel. Jedes Wochenende, jeden Feiertag waren 4-6 Bier damals die traurige Wahrheit.
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Von dieser Garage aus sind es 800 Meter bis zu mir nachhause. Das verdeutlicht einmal, wie sinnlos und leichtsinnig ich gehandelt habe, denn nötig war diese Fahr in keinem Fall. Und was in diesen 800 Metern hätte passieren können, rechtfertigt überhaupt nicht die Mittel. Ich wollte mein Auto zuhause haben, weil ich am folge Tag einkaufen wollte, weil ich zu faul war, die 8000 Meter zum Standort meines Autos zu laufen und riskiere damit das Leben anderer und meins.
Heute ist das für mich so ein inneres Chaos, was damals passiert ist. Diese Gedankengänge kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
Ich habe mir darüber, wenn ich ehrlich bin, keinerlei Gedanken gemacht. Das kurze Stück geht wohl klar. Ich habe mich und meine Fahrtauglichkeit absolut fehleingeschätzt.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen?
In diesem Moment habe ich 2 Optionen gehabt. Laufen und am nächsten Tag das Auto holen oder das „kurze Stück“ nachhause fahren. Ich habe nicht erkannt, dass ich bereits starke Ausfallserscheinungen hatte, wie Gleichgewichts- und Reaktionsstörungen und die Situation absolut falsch eingeschätzt habe. Ich habe Schwierigkeiten beim Sehen gehabt und bin nicht auf den Einwand eines „Freunds“ „muss das denn wirklich sein?“ eingegangen.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
In meinem damaligen Lebensstil zwischen Ende 2014-Anfang 2016 ist es nicht auszuschließen, dass ich des Öfteren mit Restalkohol mein Fahrzeug geführt habe. Nein, aufgefallen bin ich zuvor nicht.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen, ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Es ist nicht auszuschließen, dass ich zwischen Ende 2014 – Anfang 2016 regelmäßig an den Wochenenden mit Restalkohol mein Pkw gefahren bin.
Ich habe vor der TF noch nie an einer Polizeikontrolle mit Atemalkoholtest „teilnehmen“ müssen.
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
Den ersten Kontakt zu Alkohol hatte ich in meiner frühen Kindheit. 1990/1991 ca. Meine Eltern waren sehr jung, als meine Schwester und ich geboren wurden. Meine Mama hatte eine instabile Jugend, wie auch mein Vater. Ihre Eltern starben in der Zeit, als wir auf der Welt kamen und offensichtlich waren sie überfordert und nicht im Stande, oder man hat ihr diese Fähigkeit entzogen, für 2 Kinder zu sorgen. Demnach sind wir früh in ein Kinderheim gekommen. Diese Phase meines Lebens ist immer noch im den hinteren Schubladen meines Bewusstseins aktiv und keine schöne Kindheitserinnerung. Als wir wieder nachhause kamen, es muss 1990/1991 gewesen sein, sagte sie, dass wir jetzt bei Papa wohnen. Ich hatte zuvor keine Erinnerung an ihn, ich war auch zugegeben noch zu klein. Aber dieser Satz regte in mir ein ungutes Gefühl aus. Ich war 4-5 Jahre alt. Es folgten Jahre von brutaler Gewalt, Demütigung, Missbrauch und konstante Verlustangst. Mein Vater war alkoholabhängig und der Alkohol begleitete mich bis 1995 konstant in meinem Zuhause. Dann floh unsere Mama mit uns in ein Frauenhaus in eine andre Stadt. Eine Zeit lang hatten wir keinen Kontakt mehr zu unserem Vater. Aber wie das so ist mit Frauen häuslicher Gewalt, der Weg führt immer wieder zurück zum Peiniger.
Meinen ersten Alkohol nahm ich mit 14 zur Jugendweihe zu mir. Ich selbst hatte keine eigenen Jugendweihe. Ich war bei meiner Freundin zu ihrer JW eingeladen. Die Erwachsenen erlaubten uns, ein kleines Glas (2cl) Toffee Likör zu trinken. Wir waren albern und bildeten uns ein, zu den Erwachsenen zu gehören.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Alkohol war für mich unbewusst immer mit negativen Emotionen verbunden. Vor 2015 habe ich Alkohol in unregelmäßigen Zeiträumen konsumiert. Ich habe nie bis zu Besinnungslosigkeit getrunken. Für mich war das ein gesellschaftliches Thema beim Tanzen gehen oder bei Hochzeiten und Geburtstagen, jedoch nie bis zum Kontrollverlust oder Besinnungslosigkeit und Kater.
Es gab eine Situation an meiner Abschlussfeier der 10. Klasse. Dort habe ich es aus der Feierlaune heraus übertrieben. Am nächsten Morgen konnte ich mich nur schwer erinnern. Meine Mama weckte mich und ich stellte mit erschrecken fest, dass ich mit meine Klamotten und Schuhen im Bett lag. Gott, ich schämte mich so. Meine Mama war entsetzt und fragte mich, ob ich so enden will wie mein Vater. Diese Aussage traf mich sehr. Ich verstand natürlich ihre Angst, da sie meinen Vater über Jahre hinweg am eigenen Leid musste. Sie hätte es auch nicht ertrage, wären wir auf Grund unserer kindlichen Erfahrungen auf eine derart schiefe bahn gekommen.
Während meiner Ausbildung habe ich zwar n einer Bar gearbeitet, dabei jedoch alkoholisierte Menschen, vor allem Männer, verabscheut. Sicherlich ein Anteil den meine Kindheit in mir hervor gerufen hat. In dieser Phase gab es auch in unregelmäßigen Abständen ein Beck´s Ice zum Feierabend. Aber das war ein geselliger Genuss in einer Feierabendstimmung mit den Kollegen.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
Vor der TF habe ich gelegentlich an Geburtstagen, Konzerten, Hochzeiten der Tanzveranstaltungen Alkohol konsumiert. Mein Konsum beschränkte sich auf 1-3 Mixbiere wie Beck´s Ice oder Radler, je nach Veranstaltung. Ich habe nie Schnaps getrunken oder reines Bier. Das war überhaupt nicht meine Geschmacksrichtung.
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Ich habe immer in Gesellschaft von Freunden getrunken. Entweder auf Tanzveranstaltungen, Hochzeiten und Geburtstagen. Ich habe vor 2015 nie regelmäßig Alkohol konsumiert.
Ende 2014 ging ich immer öfter in eine Gruppe aus Menschen, die sich regelmäßig in einer Garage trafen. Es war ein Treffpunkt. Man trank dort viel Alkohol. In dieser Phase war ich emotional überbelastet. Ich war in einer Beziehung, die aus Lügen bestand und ich nach und nach frustrierter wurde. Jedes Mal lies ich mich einlullen und merkte dabei nicht, wie sehr ich mich dabei selbst aufgab. Es war ein schleichender Prozess, der sich von 2010 bis Ende 2014 zog.
Zudem anderen habe ich neben meinem Hauptjob einen weiteren Job gehabt, der regelmäßig über die normale Arbeitszeit hinaus ging. Ich bin immer schon sehr selbstständig und für mich war das der normale Preis, um irgendwann einmal erfolgreich im Job zu sein. Schließlich kommt Erfolg nicht vom Nichts tun. Mein Nebenjob ging meist bis spät in den Abend, manchmal auch bis Mitternacht. Eines Tages kam ich nach meinem Hauptjob und vor meinem Nebenjob nach Hause. Ich lag auf dem Sofa, konnte mich nicht bewegen, spürte keinerlei Emotionen und fragte mich, wie lange soll das noch so weiter gehen.
Eine Antwort gab ich mir allerdings selbst nie. Also ging ich diesem Trott weiter nach. Auch hielt ich mein Zuhause mit meinem Partner einfach weiter aus. Ich sah nicht, dass mein Leben ein einziger Kampf war, in dem ich mir selbst so viel Druck machte.
Demnach flüchtete ich mich in die Gruppe, in der besagten Garage. Dort schien alles einfach zu sein, lustig, unterhaltsam und nebenbei gab es noch einen Umtrunk. Jedes Mal. Ich bekam Bestätigung in Bezug auf mein derzeitiges partnerschaftliches Leben, über das ich mich beschwerte. Paradoxer Weise glaubte ich in dieser Gruppe über meine Probleme sprechen zu können. Daher war ich mir nicht im Klaren, dass die Wurze viel tiefer steckte.
12. Warum haben Sie getrunken?
Früher habe ich Alkohol vor allem in gesellschaftliche Situationen Getrunken. Bei Hochzeiten, Tanzveranstaltungen oder Geburtstagen. Alkohol hatte eine soziale Funktion. Er machte mich lockerer und senkte meine innere Anspannung. Ich bin ein introvertierter Mensch und mich stresst Interaktion mit anderen Menschen, die es nun bei derartigen Veranstaltungen zwangsläufig gibt. Daher fiel es mir dann auch leichter in einem gesunden Maß offener, gelöster zu sein. Damals war mir noch nicht bewusst, dass ich damit ein äußeres Mittel eingesetzt habe, um innere Unsicherheit zu regulieren.
Ab Ende 2014 entwickelte sich einen Konsum stetig, bis hin z regelmäßigen Besuchen in der Garage. Ich flüchtete von zuhause. Bis hin zu jedes Wochenende. Damals erkannte ich überhaupt nicht, in welcher Spirale ich mich befand. Ich machte mir auch keine Gedanken, dann die anderen machen es ja schließlich auch. Ich gewöhnte mich an die Lockerheit in dieser Gruppe. Auch hatte ich das subtile empfinden dort verstanden zu werden. Jeder hatte eine Meinung zu meiner belastenden Partnerschaft. Ich bekam Zuspruch. Nur weiß ich heute, dass das alles anderes als wertvoll war.
Heute kann ich sicher sagen, dass mein ganzes Leben, bis zu meinem 30. Lebensjahr eine reine Flucht war. Von meiner frühen Kindheit, bis zum Tod Meiner Eltern (2003 & 2009) bestand mein Leben aus potente Anspannung, überleben, Kampf, ständige Paniken und kein Ende in Sicht. Denn ich kannte für mich nie eine gesunde Bewältigungsstrategie. Als mein Papa (2003) starb entwickelte ich eine Angststörung mit heftigen Panikattacken.
Mir war damals nicht bewusst, dass der Tod meines Papas nicht die Ursache der Angststörung was, sondern der Katalysator für längst bestehende emotionale Belastungen, die sich immer weiter anhäuften im Laufe der Zeit, weil sie einfach nie gesehen wurden. 2009 starb meine Mama innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Dieser Moment war der Schlimmste meines Lebens und der in dem ich begann mein inneres zu verschließen. Der halt war weg, ein Gefühl von allein sein und große Orientierungslosigkeit, doch mein Leben ging einfach weiter, als dürfe man nicht stehe bleiben, sondern einfach weiter machen. Ich habe keine Strategie, meine bisherigen Erfahrungen, ob aus der Kindheit oder den Tod meiner Eltern) zu bewältigen, stattdessen ging das Leben weiter und ich formte meine Realität angepasst an meine inneren Kämpfen.
Ende 2009 Trennte ich mich von meiner Jugendbeziehung und Anfang 2010 lernte ich einen neuen Partner kennen. Direkt zu Beginn baute sich diese Beziehung auf Lügen auf. Von der verheimlichten Ehefrau bis zum verheimlichten Kind war alles dabei. Das war ein Schlag für mich, dass ich auf so eine Person reingefallen bin. Schließlich ließ ich mich weichspülen und versuchte es dennoch. Er trennte sich, zog in eine eigene Wohnung. Sein Kind war alle 14 Tage bei ihm. Ich wusste, dass er Cannabis konsumiert, aber er tat es nur, wenn wir uns nicht trafen , da er wusste, dass es mich stört.
Ca. ¾ Jahr später ist er wegen Mietschulden aus seiner Wohnung geflogen und ich nahm ihn übergangsweise bei mir in meine 1,5 Zimmerwohnung (48qm) auf. Ich war so enttäuscht, aber konnte ihn auch nicht hängen lassen. Es dauerte nicht lange, bis sich seine Exfrau einmischte und über die Art und Weise, wie wir in meiner Wohnung zu leben haben, entschied. Denn schließlich bräuchte das Kind einen eigenen Raum für sich. Er gehorchte und demnach musste ich mein Schlafzimmer alle 14 Tage hergeben und wir schliefen demnach im Wohnzimmer auf der Erde. Ich hatte nicht die Kapazität für ein größeres Sofa, daher kam das auch nicht in Frage, wenn ich mir meine Wohnung nicht voll knallen wollte. Also bleib die Situation so, wie sie war. Es ging mir absolut gegen den Strich, aber machte nichts dagegen. Wir streiten und des Öfteren, aber ich kam nie darauf mal zu verlangen, dass er sich mal nach eine Wohnung umschauen könnte. Nun lebten wir so zusammen, ich absolut unzufrieden. Er begann sich in Foren rumzutreiben in denen man nach schnellen Sex suchte usw. Ich sprach ihn darauf an und lies mich wieder einmal einlullen. Danach wuchs mein Misstrauen weiter, hatte ich mich doch ein 2. Mal verarschen lassen. Das konnte ich mir nie eingestehen, das mir so etwas mal passiert. Des Weiteren war selbständig und hatte seine Ausgaben nicht unter Kontrolle und bekam ständig gelbe Briefe und auch vom Finanzamt. Es kotzte mich an, ein riesen Baby im Hause zu haben, der nicht im Stande war, sein Leben unter Kontrolle zu bekommen, währen ich 2 Jobs nach ging. Er fing an seinen Cannabiskonsum weiter auszuleben. Ob nach der Arbeit heimlich, und dann nachhause kam oder Abends auf dem Balkon. Ich gab ihm meine ganze Abneigung zu spüren und wollte das in meiner Wohnung nicht. Er respektierte meine Ansicht nicht.
Ich ging der Beziehung mehr und mehr aus dem Weg, wir gingen weniger zusammen weg, ich eher alleine, vor allem, wenn seine Tochter da war. Ich habe unterschiedliche Freundeskreise gehabt. Einmal meine Mädels, alle vernünftig, Kinder, Haus, Hof, Baum, dann ein Freundeskreis aus früheren Zeiten, aber weniger eng, man traf sich beim Tanzen gehen und dann später des Öfteren in einer Gruppe, in die ich durch sie gelangte. Dort ging ich des Öfteren hin. Es waren viele Bekannte dort. Es war eine Garage in der man sich traf. Zunächst empfand ich das cool. Man traf sich dort, unterhält sich, es wurde zwar Alkohol getrunken. Wenn ich dort was trank brachte ich mit immer ein bis zwei Radler mit. Oder man traf sich vor dem Tanzen gehen dort und trank schon vorher etwas. Mein Konsum entwickelte sich von 1-2 Radler, zu 2-3 selbstgemixtem Radlern und Ende 2014 nur noch zu Bier. Ende 2014 kam ich an meine Grenzen, was das Aushalten und Flüchten betraf. Ich versank mehr und mehr in der Garage. Jedes Wochenende war Grund genug zu trinken und zu feiern. Mein Konsum steigerte sich auf jedes Wochenende und feiertags auf bis zu 3-6 0,5l Bier. Ende 2015 , kurz vor Weihnachten trennte ich mich von meinem Partner. Ich fühlte eine neue Freiheit. Ich glaubte, jetzt alles nachholen zu müssen, was ich in all den letzten 12,5 Jahren, scheinbar, verpasst hätte. Von erwachsen sein, kurz vor 30, kann nicht die Rede gewesen sein.
Ich erinnere mich heute, dass es mich nicht einmal störte, am Morgen mit einem Kater aufzuwachen und am Abend wieder in die Garage zu gehen und weiter zu machen. Mein Konsum hat sich zu einem problematischen Muster entwickelt, das ich erst nach der TF sofort erkannt habe. Ich wollte betäuben, wovor ich all die Jahre weggelaufen bin.
Ich habe mich nie mit meinen emotionalen Belastungen aus der Kindheit bis zu meinen Ende 20ern auseinander gesetzt. Stattdessen war ich immer das Opfer. Das Opfer meiner familiären Situation, das Opfer meiner beruflichen Situation und das Opfer meiner Beziehungen. Alles was nie abgearbeitet wurde, rollte sich immer mehr auf, bis ich daran offensichtlich zerbrach und einen Weg einschlug, der mich am Ende mehr als aufgeweckt hat.
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
Alkohol hatte eine entlastende Wirkung auf mich. In der Zeit von Ende 2014 – Anfang 2016 gab mir Alkohol ein Ventil. Heute weiß ich, dass es ehr Orientierungslosigkeit war. In allen Bereichen war ich überlastet, aber realisiert habe ich das nicht. Zunächst stellte sich eine entlastende Wirkung ein. Ja, stimmungsaufhellend und entspannt. Mit der Zeit wurde der Konsum regelmäßiger und mehr. Es folgten Kater, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und dennoch ging ich abends (an den Wochenenden oder Frei-Tagen) wieder in die Garage. Es war immer jemand da.
Es war der Drang nach Ablenkung. Damals wusste ich nicht mal konkret wovon. Schließlich spürte ich keine Sinnhaftigkeit unter der Woche. Ich hangelte mich von Wochenende zu Wochenende, wie andere sich auf den langersehnten Sommerurlaub freuen. Meine Gefühle wurden monotoner. Mein Denken hatte sich verändert. Die Welt um mich herum nahm ich immer negativer wahr. Ich selbst sah die Welt negativer. Alle hatten einen Grund zu meckern. Also hatte ich ihn auch. Man identifiziert sich so sehr mit der Opferrolle, dass sie nur Sinn ergeben kann. Rückblickend erinnere ich mich, dass die Tage am Anfang einer Woche schwerer für mich waren. Ich konnte mich nur schwer auf meine Arbeit konzentrieren und hatte starke emotionale Schwankungen. Ich eckte immer wieder mit meiner Chefin an, weil ich so unzufrieden war.
Heute ist es so, dass ich allein, wenn ich an die vielen Kater denke, dieses Gefühl so präsent ist. Es ist ein ausgeprägter Ekel, kann man sagen, an den ich, vor allem in der Zeit der Aufarbeitung, innerlich erinnert werde.