Hallo zusammen
ich habe nun den Fragebogen ausgefüllt.
Ich werde eine Kopie davon nächste Woche mit zum VP nehmen und einfach mal darüber sprechen.
Teilweise saß ich echt etwas ratlos davor und wusste auch nicht auf alle Fragen zufriedenstellende Antworten.
Aber das ist jetzt nur mal mein erster Versuch.
Tathergang
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Am 14.04.2025 bin ich gegen 19.30 Uhr nach einem Streit mit meiner Frau in die Garage und habe dort aus Wut 7 × 0,5 Bier getrunken bis ca. 22:15 Uhr.
Da mir die Zigaretten ausgingen und ich meine Frau aufgrund des vorangegangenen Streits nicht fragen wollte, kam ich auf die tolle Idee, selbst mit dem Motorrad die 3 km zur nächsten Tankstelle zu fahren. Allerdings war nach ca. 650 m Fahrstrecke aufgrund der Alkoholisierung Schluss. Ich kam in einer leichten Linkskurve nach rechts von der Fahrbahn ab und stürzte in ein Weizenfeld.
Ich rief dann meine Frau an und sie kam direkt zur Unfallstelle und rief den Notarzt.
Als ich zur Behandlung in der Klinik war, kam die Polizistin und fragte, ob ich einem Atemalkoholtest zustimme, was ich aufgrund der Situation verneinte.
Da mir bereits ein Zugang in die Armvene gelegt worden war, konnte jedoch gleich problemlos Blut abgenommen werden. Das war laut Bericht gegen 23:50 Uhr.
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
Von 19:30 Uhr bis 22 Uhr 7 × 0,5 Bier 5,2%
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Ich stürzte laut Akte bereits nach ca. 650m Fahrstrecke.
Die einfache Fahrstrecke zur nächsten Tankstelle beträgt ca. 3 km. Insgesamt wollte ich 6 km fahren. Was allerdings rechtlich auch zwei einzelnen Trunkenheitsfahrten entspräche.
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Während des Aufsteigens und beim Helmanziehen fühlte ich mich gar nicht so stark betrunken, erst als ich losfuhr und das Motorrad beschleunigte, merkte ich, dass ich kaum das Gleichgewicht und die Spur halten konnte, was schlussendlich auch in diesem Sturz endete.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Ich wollte sie nicht vermeiden.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Nein.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Bestimmt schon einige hunderte Male, wobei der überwiegende Teil davon am nächsten Morgen unter Restalkohol stattfand.
Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Das müsste so im Alter von 6 oder 7 Jahren gewesen sein, als auf Familienfeiern Alkohol getrunken wurde und ich nicht probieren durfte, da es Getränke für Erwachsene waren.
Das erste Mal probiert im Alter von 11 Jahren, im Keller von einem Freund, hatten wir ein Bier geöffnet und es probiert. Was aber überhaupt nicht schmeckte und wir es wegschütteten.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Mit 15 Jahren ging es bei mir und meinem Umfeld allmählich los, in Jugendhütten im Dorf und bei der Jugendfeuerwehr Biermischgetränke zu trinken.
Ab ca. 18 Jahren begann die Zeit, in Diskotheken und Clubs zu gehen, wo es dann umschwenkte auf Wodka mit Red Bull und Tequila-Shots.
In dieser Zeit wurde des Öfteren am Wochenende getrunken, wobei in meinem Freundeskreis alle sehr auto- und motorradverrückt waren und wir auch recht viele Wochenenden mit den Motorrädern Touren unternahmen oder auf diversen Treffen waren.
Mit Anfang 30 und dem Beginn unseres Hausbaus wurde es dann leider immer mehr und öfter.
Ab da habe ich dann ziemlich regelmäßig Bier getrunken. Da hatte ich dann meist nur 3 alkoholfreie Tage in der Woche und an den restlichen Tagen habe ich Bier getrunken.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Bier 0,5 Liter. Unter der Woche zwischen 3 und 6 Stück und an Wochenenden oder Feiern auch 10 Stück oder mehr.
In den letzten 3 Jahren zwischen 3 und 4 Mal in der Woche.
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Früher immer in Gesellschaft mit Freunden auf Feiern oder in Discos.
In der Zeit vor der TF dann auch des Öfteren alleine.
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
Bis zu meiner Straftat im Jahr 2016 habe ich immer zur Stimmungsverbesserung und um lockerer zu werden, getrunken.
Ich habe mir in dieser Zeit auch überhaupt keine Gedanken über meinen Konsum gemacht. Es hat für mich und meine Freunde dazugehört, auf Partys und in Discos zu trinken.
Ab 2022, als wir mitten im Hausbau steckten, steigerte sich bei mir der Konsum.
Zu dieser Zeit entglitt mir langsam die Kontrolle über das gesamte Projekt.
Die Kosten explodierten und die kalkulierte Summe konnte nicht mehr eingehalten werden. Darauf mussten wir noch etwas nachfinanzieren, wodurch wir aber langsam an der Grenze des Machbaren ankamen.
Daher war zwar dann das Haus bezugsfertig, aber weder die Einfahrt noch der Garten konnten fertiggestellt werden, weil schlicht kein Geld mehr da war.
Ich habe dann zu meiner normalen Tätigkeit noch einen Nebenjob angenommen und angefangen, Hof und Garten in Eigenleistung voranzubringen.
Zu dieser Zeit war ich dann maximal überfordert mit den beiden Jobs und als Laie noch eine solche Baustelle zu bewältigen, dazu noch die Finanzen im Nacken.
Da habe ich dann versucht, mit dem Alkohol zumindest am Abend für einige Zeit abschalten zu können und den ganzen Sorgen zu entfliehen.
Ich habe auch oft versucht, meine Verzweiflung und Überforderung vor meiner Frau zu verheimlichen, sie musste ja nicht auch noch darunter leiden.
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
Bei kleineren Mengen Alkohol ein Aufhellen der Stimmung, etwas mehr Gelassenheit und die Sorgen waren für den Moment verschwunden.
Bei größeren Mengen des Öfteren negative Verstimmung, teilweise aggressives Verhalten.
Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden:
KLICK)
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Zwischen meiner Frau und mir kam es immer mal wieder zu Diskussionen und Streitereien, weil ihr mein Konsum überhaupt nicht gefiel.
Da sie so gut wie kaum Alkohol trinkt, war es für sie oft unangenehm, die Alkoholfahne zu riechen und auch das vermehrte Schnarchen in der Nacht zu ertragen.
15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Dass ich im Jahr 2016 beinahe zwei Menschen das Leben genommen hätte.
Aber ansonsten keine wirklichen Folgen, ich bin allen Verpflichtungen stets nachgekommen.
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Nein, erst ab 2022 wurde es mehr und regelmäßiger aufgrund der körperlichen und psychischen Überlastung.
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja, das war in der Zeit vor 2016 häufig der Fall. Dies führte mitunter auch zu meiner Straftat.
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Im Mai 2009 hatte ich einen Unfall mit meinem Moped, bei welchem ich mir eine Berstungsfraktur zweier Lendenwirbel zuzog. In der Folge habe ich bis ca. August 2010 keinen Alkohol getrunken.
Im Dezember 2011 hatte ich durch einen Autounfall eine offene Oberschenkelfraktur und diverse weitere Verletzungen. Ab da war ich auf Krücken angewiesen. Aufgrund ausbleibender Knochenheilung und damit steigendem Risiko der Amputation fand im März 2013 eine Knochentransplantation statt. Aus diesen Gründen habe ich erst im Sommer 2013, ca. Juli oder August, wieder begonnen, etwas Alkohol zu trinken.
Von Mai 2016 bis Juni 2018 habe ich aufgrund der Straftat komplett auf Alkohol verzichtet.
Es hat dann ab 2018 auch längere Zeit funktioniert, maßvoll und kontrolliert zu trinken.
Ich habe ab 2018 nicht mehr auf öffentlichen Veranstaltungen oder mit fremden Menschen getrunken, nur noch in meinem vertrauten Umfeld.
Und trotzdem habe ich mir selbst in die Tasche gelogen, ich hätte schon damals strikt abstinent bleiben sollen.
Mit der Zeit wurde es immer normaler, wieder etwas zu trinken.
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Früher hätte ich mich als Gelegenheitstrinker gesehen.
Heute weiß ich, dass ich den Alkohol definitiv missbraucht habe und schon immer ein "Problem" damit hatte. Nicht unbedingt im Sinne von Alkoholismus und Abhängigkeit, aber ich konnte rückblickend noch nie verantwortungsvoll damit umgehen, und so kam es öfter mal zu Kontrollverlust bzw. Filmrissen.
Heute und in Zukunft
20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein, ich lebe abstinent.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
Am 14.04.2025
22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein.
23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Weil ich nicht in der Lage bin, verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen.
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Für mich war am Morgen des 15.04.2025, als ich in der Klinik aufwachte und am ganzen Körper Schmerzen hatte, klar, dass so etwas nicht mehr vorkommen darf und ich nicht wieder in eine Situation kommen will, in der ich aufgrund der Alkoholisierung solch fatale Entscheidungen treffe.
Ich hatte zuvor noch nicht begriffen, dass es für mich außer einer Abstinenz keine Alternativen mehr gibt.
25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Ich habe aufgehört alkohol zu trinken. Zu beginn war es in manchen situationen in denen ich früher getrunken hätte anstregend standhaft zu bleiben. Mittlerweile hat es sich schon normalisiert nichts mehr zu trinken.
26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Mir geht es sehr gut seit ich nicht mehr trinke, ich bin fitter ausgeglichener und klarer im kopf.
Ich habe wieder mit dem Kraftsport begonnen und fahre auch aus der situation heraus sehr viel mit dem fahrrad.
Meine Frau ist sehr glücklich und stolz auf mich das ich es durchgezogen habe und nicht mehr trinke.
27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Ich habe aufgehört, mir selbst zu viel Stress und Sorgen zu machen, und Probleme, die ich leicht lösen kann, greife ich sofort an und lasse nicht alles auflaufen und versuche, mit Alkohol den Druck abzulassen.
Es geht mir aktuell sehr gut und diesen Zustand möchte ich um jeden Preis beibehalten.
Ich möchte meine Frau nicht mehr enttäuschen, die in all der schweren Zeit immer an meiner Seite stand.
Wir möchten nun auch gerne eine Familie gründen und Kinder bekommen.
Meine Eltern, Freunde und Kollegen wissen Bescheid über meine Abstinenz und unterstützen mich, wo es nötig sein sollte.
28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)
Komplett ausschließen kann ich dies leider nicht, aber ich werde alles Nötige tun, es nicht so weit kommen zu lassen.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
In dem ich Abstinent lebe.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?