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TF Fahrrad 1.62‰

Zwann

Neuer Benutzer
Hallo zusammen.

Ich habe mich hier registriert um mich Austauschen zu können, und mir mit Hilfe eurer Expertise Klarheit im MPU-Sumpf zu verschaffen und mir Anregungen zu holen, wie es für mich weiter gehen kann.

FB Alkohol

Zur Person

Geschlecht: m
Größe: 1,79
Gewicht: 75
Alter: 41

Ich habe 2017 wegen Familie/Kindern mit dem Rauchen aufgehört und fahre seitdem relativ sportlich Mountainbike um etwas für die Gesundheit zu tun.
In unregelmäßigen Abständen, je nachdem wie es die familiäre Freizeitgestaltung an Wochenenden zulässt, steuere ich gerne eine Gaststätte auf einem Gipfel an um dort nach dem 1,5-2 stündigen anstrengenden "Anstieg" 1.0L Bier, wenn ich Bekannte treffe auch mal 1.5L Bier, zu trinken.
Das ich mir dadurch den sportlichen Erfolg direkt wieder zunichte mache, ist mir mittlerweile auch klar geworden.

Alkohol trinke ich gerne in Gesellschaft, speziell ein gutes, unfiltriertes Bier heimischer Herkunft. Anlässe sind z.B. Feste im Wohnort, bei denen es 2.0L Bier werden können.
Im Sommer sitzen wir an Wochenenden des Öfteren mit den Nachbarn draußen und gönnen uns 1.0-1.5L Bier.
Unter der Woche ist Alkohol eher die Ausnahme, außer zu Geburtstagen, Geschäftsessen oder wenn ich den Grill anschmeiße.
Die jungen, wilden Jahre sind definitv vorbei. Ersten Kontakt mit Alkohol hatte ich mit 14 Jahren auf einer Klassenfreier, was gehörig schief ging.

Beim Autofahren verzichte ich auf Alkohol bzw. spreche mich mit meiner Frau ab.


Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 07.06.2025
BAK: 1,62‰
Trinkbeginn: 16:30 Uhr
Trinkende: 21:45 Uhr
Atemtest: 22:44 Uhr mit 0,72 mg/l
Uhrzeit der Blutabnahme: 23:30 Uhr

Ich bin Mountainbike gefahren, habe mich mit einem Kollegen am Gipfel verabredet und entgegen meiner "Gewohnheit" 2.0L Bier (5.4%) getrunken.
Anschließend im Wald ins Tal abgefahren und bei meinem Kollegen weitere 1.0L Bier (5%) und 4cl Schnaps getrunken.
Ich fahre jährlich > 2000km Fahrrad und war trotz meines Zustandes fest entschlossen, den Weg nach Hause über einen offiziellen Radweg (größtenteils außerorts entlang einer Bundesstraße) ohne Probleme meistern zu wollen.
Nach 8 von 20km hat mich meine grenzenlose Dummheit eingeholt und ich bin in einer 90°-Kurve ins Grüne abgesegelt, nachdem ich auf dem letzten Kilometer schon Probleme hatte den Lenker gerade zu halten. Dabei habe ich mir das Schlüsselbein gebrochen. Außer mir selbst habe ich glücklicherweise niemandem geschadet.
Ich habe direkt nach dem Sturz meinen Schwiegervater angerufen und um Abholung gebeten. Zwei Passanten hatten trotz dieser Info den RTW gerufen, welcher dann zusammen mit der Polizei eintraf.
Ich habe sowohl Atemtest als auch Blutabnahme ohne Gegenwehr über mich ergehen lassen, da mir zu diesem Zeitpunkt klar war, dass ich einen großen Fehler begangen hatte und das nun auslöffeln muss.
Beim Röntgen in der Klinik musste ich mich aufgrund meines Konsums während des Fotoshootings übergeben.

Konsum bei TF
Zeitraum: 7 Stunden
2 Liter Bier: 2000 x 5,4/100 * 0,8 = 86,4g
1 Liter Bier: 1000 x 5/100 * 0,8 = 40g
2 Schnaps: 20 x 40/100 * 0,8 = 6.4g
= 132,8g

132,8g / (75kg * 0,7) – (7 Std. * 0,1) =
132,8g / 52,5 – 0,7 = 1,82‰


Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: bereits abgeschlossen
Strafbefehl schon bekommen: Ja, Geldstrafe + 3 Monate Fahrverbot.


Führerschein
Hab ich noch: Theoretisch ja, praktisch liegt er bei der Staatsanwaltschaft.
Hab ich abgegeben: Ja, erhalte ich am 28.11.2025 zurück.
Hab ich neu beantragt: Nein
Habe noch keinen gemacht: ---


Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: Nein, die Akte ist bis auf die TF sauber.
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt):

Ist aufgrund der Fahrt mit einem fahrerlaubnisfreien Fahrzeug unter Alkoholeinfluss vom 07.06.2025 zu erwarten,
dass die zu begutachtende Person zukünftig auch ein fahrerlaubnispflichtiges Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird
und gleichzeitig einen die Fahrsicherheit beeinträchtigenden Alkoholkonsum nicht mehr hinreichend sicher trennen kann?

Falls ja oder wenn die zu begutachtende Person keinen kontrollierten Umgang mit Alkohol mehr erreichen bzw.
einen die Fahrsicherheit beeinträchtigenden Alkoholkonsum nicht mehr hintreichend sicher trennen kann,
liegt ein ausreichend langer Abstinenzzeitraum sowie ein gefestigter Einstellungs- und Verhaltenswandel zu Alkohol vor?


Bundesland
Bayern


Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: ---
Ich lebe abstinent seit: Ende September


Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: nein
Urinscreening ja/nein: nein
Keinen Plan?: Haaranalyse im Januar und im April denkbar
Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: nein


Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: Erstberatungsgespräch mit Psychologen einer anerkannten MPU-Stelle durchgeführt, tendiert zu KT und empfiehlt einen teuren Gruppenkurs.
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung: ---


MPU

Datum: Wird bis 30.11.2025 verlangt ansonsten Entzug der Fahrerlaubnis. Würde den Führerschein freiwillig abgeben um Kosten zu sparen, da zeitlich kaum realisierbar.
Welche Stelle (MPI): noch keine
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt? nein
Wer hat das Gutachten gesehen?: ---
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: ---


Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: nein


Schlusswort
Da ich kein Holzkreuz am Straßenrand haben möchte, welches an mich erinnern soll, zählt für mich seit der TF 0.0‰ im Verkehr. Auch auf dem Fahrrad!
Meiner Familie zuliebe meide ich auch risikoreiche Fahrten über Stock und Stein mit dem Mountainbike, da mir durch diese Aktion bewusst geworden ist, wie schnell es gehen kann.

Der Psychologe meinte er sei mit meinen Angaben zur Trinkmenge bzgl. TF nicht einverstanden. Laut meiner hoffentlich korrekten Rechnung sehe ich hier keinen Widerspruch. Auch mein Kollege hat die Mengen auf Nachfrage nochmals bestätigt.
 
Schön, dass du hier gelandet bist :smiley138:

Der Psychologe meinte er sei mit meinen Angaben zur Trinkmenge bzgl. TF nicht einverstanden. Laut meiner hoffentlich korrekten Rechnung sehe ich hier keinen Widerspruch. Auch mein Kollege hat die Mengen auf Nachfrage nochmals bestätigt.
Was ich mir vorstellen kann:
Es geht nicht um die Trinkmenge zur TF, sondern deine Konsumhistorie.
Damit hätte er Recht.
Es ist absolut unglaubwürdig, dass du sonst max. 2l Bier trinkst und dann -ausgerechnet am Tag der TF- 3l und 2 „Kurze“ konsumierst und dann noch mit dem Fahrrad (!) erst in`s Tal fährst und dann noch 8 weitere km.

Mit der Kursempfehlung bin ich nicht einverstanden.
Teuer und bringt dir nichts.
Und mir gibt die Empfehlung kT von Fachkollegen immer sehr zu denken, da es kT, zumindest nach den noch gültigen Beurteilungskriterien nur im „Missbrauch“ mit therapeutischer und forensischer Begleitung als anerkannte Strategie gibt

Dass es nicht klug ist, mit 2l Bier im Kopp noch über Stock und Stein zu fahren, wusstest du doch auch vorher ?
Da war dir deine Gesundheit und deine Familie doch auch egal…

Bedeutet:
Der Alkohol war dir wichtiger.

Du musst die Frage beantworten:
Warum ?

Dazu gehört auch:
Selbst nach dem Unfall und den damit einhergehenden sehr negativen Folgen hast du noch 4 Monate weiter konsumiert.
Vielleicht erst nach Erhalt der MPU-Aufforderung aufgehört…?

Auch dadurch ist deutlich ersichtlich, dass der Konsum von Alkohol eine weitaus wichtigere Rolle spielt, als du dir im Moment eingestehen willst oder kannst.

Wir helfen dir dabei sehr gerne :smiley138:
 
Erstmal hoffe ich, dass es dir körperlich wieder gut geht.

Kann jemand erklären, weshalb und auf welcher Grundlage hier ein Fahrverbot trotz TF mit Fahrrad verhängt wurde? Ich dachte das wäre beim Fahrrad nicht der Fall und es würde über die FEB mit MPU Anordnung laufen?
69 StGB bezieht sich doch auf Kraftfahrzeuge?
 
Zuletzt bearbeitet:
weshalb hier ein Fahrverbot trotz TF mit Fahrrad verhängt wurde?

Weil die Fahrradfahrt mit über 1,6 Promille angetreten wurde.

Bei Radfahrern werden viele Informationen durcheinandergeworfen und nicht richtig aufgedröselt. Mein aktueller Wissenstand ist ganz grob folgender:

Zunächst muss zwischen Fahrverbot und Fahrerlaubnisentzug mit Führerscheinentzug (im folgenden Fahrerlaubnisentzug) unterschieden werden.

Bei einem Fahrverbot dürfen keine Fahrzeuge gefahren werden, die eine Erlaubnis benötigen. Also nicht nur führerscheinpflichtige Fahrzeuge, sondern auch Mofas und ähnliche. Was mit E-Scootern ist weiß ich nicht.

Ein Fahrerlaubnisentzug betrifft nur Fahrzeuge, die mit der Fahrerlaubnis gefahren werden dürfen.

Wenn Radfahrer mit über 1,6 Promille erwischt werden kann als Strafe neben einer Geldstrafe ein Fahrverbot von bis zu 3 Monaten verhängt werden. Danach bekommen sie häufig die vorhandene Fahrerlaubnis und den Führerschein zurück, werden aber zu einer MPU aufgefordert. Wird die erfolgreiche MPU nicht fristgerecht eingereicht wird die Fahrerlaubnis gelöscht und der Führerschein eingezogen und wortwörtlich geschreddert.

Deine Verwirrung kommt wohl daher, das hier im Forum immer wieder Radfahrer mit unter 1,6 Promille nachfragen, von denen eine MPU gefordert wird. Bei unter 1,6 Promille auf dem Fahrrad wird kein Fahrverbot verhängt.

Nach aktueller Rechtsprechung darf kein automatisches Fahrradfahrverbot mehr ausgesprochen werden. Selbst dann, wenn eine geforderte MPU nicht geliefert wird. Das gilt auch für Pedelecs, die Fahrrädern rechtlich eins zu eins gleichgestellt sind. Ein Fahrradfahrverbot darf nur mit spezieller Begründung, also individuell, erfolgen.

Bei E-Scootern bin ich wie bereits geschrieben etwas raus. Klar ist nur, das es sich um Kraftfahrzeuge handelt und deshalb die Promillegrenzen für Kraftfahrzeuge gelten.
 
Kann jemand erklären, weshalb und auf welcher Grundlage hier ein Fahrverbot trotz TF mit Fahrrad verhängt wurde? Ich dachte das wäre beim Fahrrad nicht der Fall und es würde über die FEB mit MPU Anordnung laufen?
69 StGB bezieht sich doch auf Kraftfahrzeuge?
Das Gericht bzw StA hat die Möglichkeit hierzu nach §44 StGB.
Dies kommt sogar öfters vor bei Fahrradfahrern und hatten wir hier schon öfters.

Ich finde diesen Erfahrungsbericht von Whistleblower für sehr lesenswert.
 
Schön, dass du hier gelandet bist :smiley138:


Was ich mir vorstellen kann:
Es geht nicht um die Trinkmenge zur TF, sondern deine Konsumhistorie.
Damit hätte er Recht.
Es ist absolut unglaubwürdig, dass du sonst max. 2l Bier trinkst und dann -ausgerechnet am Tag der TF- 3l und 2 „Kurze“ konsumierst und dann noch mit dem Fahrrad (!) erst in`s Tal fährst und dann noch 8 weitere km.
Zur Fahrt ins Tal waren es "nur" 2 Liter. Aber das muss man sicherlich auch geübt haben. Den verbleibenden Liter und 2 "Kurze" haben wir dann bei meinem Kollegen getrunken.

Mit der Kursempfehlung bin ich nicht einverstanden.
Teuer und bringt dir nichts.
Und mir gibt die Empfehlung kT von Fachkollegen immer sehr zu denken, da es kT, zumindest nach den noch gültigen Beurteilungskriterien nur im „Missbrauch“ mit therapeutischer und forensischer Begleitung als anerkannte Strategie gibt
Danke für deine Einschätzung, das hilft mir sehr.

Dass es nicht klug ist, mit 2l Bier im Kopp noch über Stock und Stein zu fahren, wusstest du doch auch vorher ?
Da war dir deine Gesundheit und deine Familie doch auch egal…

Bedeutet:
Der Alkohol war dir wichtiger.
Ja, der Spass war in diesem Moment wichtiger, und da es bisher immer funktioniert hat, habe ich das auch nicht hinterfragt. Heißt jedoch nicht, dass es richtig von mir war so zu handeln. Der Optimist in mir hat da oft die Oberhand.

Du musst die Frage beantworten:
Warum ?

Dazu gehört auch:
Selbst nach dem Unfall und den damit einhergehenden sehr negativen Folgen hast du noch 4 Monate weiter konsumiert.
Vielleicht erst nach Erhalt der MPU-Aufforderung aufgehört…?

Auch dadurch ist deutlich ersichtlich, dass der Konsum von Alkohol eine weitaus wichtigere Rolle spielt, als du dir im Moment eingestehen willst oder kannst.
Ich habe bis zum letzten Tag gehofft, dass mir das Thema MPU erspart bleibt. Aber warum soll es mir da besser gehen als anderen vor mir.

Ich trinke gerne Bier, manchmal auch zu viel bzw. mehr als gut für mich ist. Sprich ich lass es auch mal krachen und vergesse meine Grenzen.
Aber ich bin niemand, der schon während der Arbeit trinkt oder sich regelmäßig ein Feierabendbier kippt.

Das Gipfelbier ist seit dem Unfall tabu. Ich fahre seitdem gemütlichere, risikoarme Runden zusammen mit meinem Nachnbarn durch den Wald. Wir unterhalten uns dabei und genießen die 90 Minuten. Das tut mir gut.
Wir helfen dir dabei sehr gerne :smiley138:
Danke!
 
Wenn Radfahrer mit über 1,6 Promille erwischt werden kann als Strafe neben einer Geldstrafe ein Fahrverbot von bis zu 3 Monaten verhängt werden. Danach bekommen sie häufig die vorhandene Fahrerlaubnis und den Führerschein zurück, werden aber zu einer MPU aufgefordert. Wird die erfolgreiche MPU nicht fristgerecht eingereicht wird die Fahrerlaubnis gelöscht und der Führerschein eingezogen und wortwörtlich geschreddert.
Soweit mir bekannt können bis 6 Monate als "Nebenstrafe" und bis 90 Tagessätze verhängt werden. Das geht bei sämtlichen Straftaten.
 
Ja, der Spass war in diesem Moment wichtiger,…
Das musst du für eine positive MPU eben sehr genau ergründen.
Saufen hat im psychologischen Sinne nix mit Spaß zu tun, sondern mit fehlgeleiteten Emotionen.
Beginnen könntest du mit der Frage:
Warum habe ich mehr „Spaß“, wenn ich saufe ?
Dann geht es weiter und weiter, bis du aus deiner Biographie heraus dein inneres Motiv findest, worauf dann die Vermeidungsstrategien beruhen.
Und „saufen“ benutze ich hier sehr bewusst, weil deine Konsumhistorie nix mit „Trinken“ zu tun hat.

Ich habe bis zum letzten Tag gehofft, dass mir das Thema MPU erspart bleibt. Aber warum soll es mir da besser gehen als anderen vor mir.
Zur Erklärung:
Eine MPU zur Überprüfung der Kfz-Eignung ist bei Auffälligkeit mit dem Fahrrad ohne Ermessenspielraum zwingend gesetzlich vorgeschrieben.

Sehr gerne :smiley138:
 
Warum habe ich mehr „Spaß“, wenn ich saufe ?
Es entspannt, lockert, enthemmt, lindert temporär auch Ängste, Sorgen und Stress.

Ich wurde Mitte 2024 in ein Projekt zur Übernahme eines Teils einer Firma im Ausland eingeweiht und mit der Mitwirkung, neben dem weiterlaufenden regulären Geschäft, beauftragt.
Das hat Einiges von mir abverlangt und natürlich eine Menge Stress erzeugt. Der Termin für den Zeitpunkt des Change-of-Controls war fix und mit fortschreitender Zeit im Projekt war abzusehen, dass nicht alles nach Plan laufen wird.
Die TF fand eine Woche vor einer geplanten, zweiwöchigen Auslandsreise statt. In diesen zwei Wochen sollte der Change-of-Control anlaufen und ich quasi als Frontrunner agieren. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass einige Kernelemente nicht verfügbar sein würden und dies die Übernahme bzw. die Wiederaufnahme der Produktion gefährdet.
Meine Familie war zudem auch nicht sonderlich glücklich mit der anstehenden Reise. "Papa, warum musst du soooo lange weg?"

Statt Flugzeug war es dann Rettungwagen. Ich habe dann Remote noch unterstützt so weit es möglich war.
Letztendlich haben wir als Team kreative Lösungen für bestehende Problem gefunden und konnten die Übernahme erfolgreich abschließen.

Sich nicht dauernd zu überlasten und des Öfteren mal einen Gang runter zu schalten, hätte sicherlich im Vorfeld geholfen die Lage zu entspannen. Dazu muss man aber auch den Mut haben Dinge wie "Hey, das ist mir gerade zuviel, wir müssen das ändern." offen sagen zu können. Wer nicht redet, steht mit seinen Problemen am Ende alleine da. In diesem Bereich sind wir seit dem Unfall schon einen Schritt weiter gekommen. ;-)
 
Das, was du jetzt beschreibst, ist Saufen aufgrund von „Stress“.
Gestern schriebst du von „Spaß“.

Wo siehst du bei dir den Zusammenhang ?

Wenn du den gefunden hast, musst du aber viel tiefer gehen.

Das Bedürfnis, sich zuzuschütten, entsteht nicht im Laufe eines halben Jahres.
Das passiert viel früher.
Abgesehen davon haben viele Millionen Menschen Stress.
Saufen als „Lösungsversuch“ wählt aber nur ein Bruchteil.
Warum du ?
Warum konntest du nicht viel früher gegensteuern ?
Warum konntest du nicht viel früher „einen Gang runterschalten“ ?
etc.

Schreibe dezidiert deine Konsumhistorie auf.
Auch dein Promillewert ist langes Training.

Was ?
Wann ?
Welche Mengen ?
Alkoholgehalt ?
Entwicklung ?
usw.

Bringe diese in Zusammenhang mit deinen Lebensphasen.

Du stehst noch ganz am Anfang, insofern es nicht verwunderkich ist.
Es ist ein langer Prozess, der viel Zeit und emotionale Energie erfordert.
 
Ich erinnere mich an einen Fall, da hat einer getrunken wenns Wetter gut war.. und wenns schlecht war (als Begründung). Und während Covid, weil er allein war. Und danach, weil er wieder in Gesellschaft war. Also: immer.
Cave: eine Begründung ist kein Grund.
Eine Begründung beruhigt das Gewissen und ist meist ein Selbstbelügen. Ein Grund hingegen... tut oft richtig weh.

s entspannt, lockert, enthemmt, lindert temporär auch Ängste, Sorgen und Stress.
ja, das ist die übliche Wirkung von Alkohol, als "Überschrift". Der springende Punkt ist: warum hattest Du das derart oft nötig, so dass Du diese Giftfestigkeit erlangen konntest?

Stress ist übrigens ein Wort aus der Ingenieurskunde. Es beschreibt nur eine Krafteinwirkung von außen. Was dann interessiert, ist die Stressantwort. Biegt sich der Balken oder bricht er? Und dann wird geguckt, warum er bricht...

Und wenn man genau guckt, gehts immer um negative Emotionen.
"entspannt, locker, enthemmt"... wie bist Du denn ohne Alkohol? Welche Ängste hast Du da?
Auch das beschreibt am Ende -> Ängste, Sorgen und Stress(belastung durch starke neg. Emotionen)
 
Zuletzt bearbeitet:
Sorry, hat jetzt doch etwas länger gedauert.

Den ersten Kontakt mit Alkohol hatte ich im Jugendalter, als es von Oma zu Weihnachten einen kleinen Waffelbecher mit Schokoladenüberzug, welcher mit Eierlikör gefüllt war, gab.

Der erste bewusste Griff zum Alkohol erfolgte im Alter von 15 Jahren auf einer Jahresabschlussfeier mehrerer Realschulklassen. Die Organisatoren, welche älteren Jahrgängen angehörten und Zugang zu Alkohol hatten, besorgten Unmengen Sangria in Tetrapaks und Bier in 0.33 L Flaschen. Des Weiteren wurden von älteren Personen vereinzelt auch Wiskey, Vodka und ähnliche hochprozentige Spirituosen mitgebracht. Eine gewisse Neugierde gepaart mit fehlender Erfahrung im Umgang mit Alkohol bescherten mir den ersten Vollsuff, den ich dann mit all seinen Nachteilen über den folgenden Tag hinweg auskurieren durfte.
Das hat mich jedoch nicht davon abgehalten im Kreise der Jugendclique weiter zu trinken. Ich wollte ja kein “Weichei” sein.

In den darauffolgenden Jahren habe ich mich an Wochenenden regelmäßig mit Freunden und Bekannten aus der Dorfjugend zum Quatschen und Kickern getroffen und dabei Bier konsumiert. Die konsumierte Alkoholmenge betrug zwischen 1.5 und 3.0 Litern Bier. Auf größeren Festen sind wir als Gruppe in die Bar gezogen und haben dort Mischgetränke (Jack, Asbach, Bacardi, Vodka) in großen Mengen konsumiert.
Es war und ist im ländlichen Umfeld nicht ungewöhnlich, dass in größerer Runde, oder zu entsprechenden Anlässen (Kirmes, Bergfest, Faschingsumzug etc.) oft erhebliche Mengen Alkohol getrunken wird.

In der damaligen Zeit festigte sich der Umgang mit Alkohol im Freundeskreis als “Normal” für mich. Ich ließ mich in Gruppen zu einem teils sehr sorglosen Trinkverhalten verleiten. Ich wollte dazu gehören und es wäre uncool gewesen und als Zeichen der Schwäche gesehen worden, nicht mitzutrinken oder vorzeitig aufzuhören.

Nach der Ausbildung, im Jahre 2004, bin ich von Zuhause aus und Richtung Kleinstadt gezogen. Hierbei hat sich dann auch der Freundeskreis und die Gewohnheiten geändert. Wilde Bierzeltpartys wurden durch Diskothekenbesuche ersetzt.
Da ich zu dieser Zeit schüchtern und zurückhaltend war, speziell wenn es darum ging neue Kontakte zu knüpfen und mit Frauen ins Gespräch zu kommen, weil eine gewisse Angst vor Ablehnung und damit Enttäuschung vorhanden war, wurde regelmäßig zu Alkohol gegriffen. Durch den Einfluss von Alkohol wurde ich enthemmter und kontaktfreudiger, habe mir leichter getan in der Diskothek zu tanzen. Ohne Alkohol habe ich mich das kaum getraut und unwohl dabei gefühlt, aus Angst eine schlechte Figur zu machen. 1.5 Liter Jägermeister/Energy und mehrere Shots waren verteilt über die Nacht keine Seltenheit. Da wir uns mit dem Autofahren in der Clique abgewechselt haben, war es möglich 3 von 4 Wochenenden Alkohol zu konsumieren.

2011 habe ich meine jetzige Frau kennengelernt und die Zeit der exzessiven Partys war vorbei. Auch der Alkoholkonsum beschränkte sich auf wenige Veranstaltungen im Jahr, die wir gemeinsam besuchten.

Im Jahre 2013 kauften wir einen Altbau in einem Dorf, unweit der Kleinstadt, und sanierten diesen über die folgenden zwei Jahre. Das Leben hat sich zu dieser Zeit hauptsächlich um den Job und die Baustelle gedreht. Da wir alles in Eigenregie gemacht haben und daher auch viele Transportfahrten mit dem Auto getätigt werden mussten, wurde Alkohol nur in Form von Biermischgetränken/Radler (2x 0.33 Liter an Wochentagen und 4x 0.33 Liter an Wochenenden) auf der Baustelle oder Bier zu Feierlichkeiten im familiären Umfeld, und Ereignissen wie Silvester konsumiert.

Im Jahre 2015 wurde unser Sohn geboren und damit das Leben auf den Kopf gestellt. In dieser Zeit war Alkohol kaum ein Thema und beschränkte sich auf wenige Anlässe im Jahr.

2017 hörte ich mit dem Rauchen auf und fing an Mountainbike zu fahren, um etwas für meine Gesundheit zu tun. Ein beliebtes Ziel war ein Gipfel in 20 km Entfernung, auf dem es eine bei Touristen beliebte Gaststätte mit selbstgebrautem Bier gibt. Diese habe ich in Spitzenzeiten (vor Corona) bis zu 20 mal im Jahr angefahren. Zu Beginn beschränke sich der Konsum auf 1x 0,5 Liter Bier, was ich als Belohnung für die körperliche Leistung/Anstrengung abgestempelt habe. Über die Zeit wurden daraus dann 2x 0,5 Liter Bier, später dann auch 3x 0,5 Liter Bier. Je nachdem wen ich angetroffen hatte und wie viel Zeit ich dort verbracht habe. Irgendwann habe ich angefangen direkt mit 1,0 Liter Bier zu starten um mir das zweite Mal anstehen zu sparen, da ich die Menge ja sowieso konsumieren würde. Da ich jedes Mal heil nach Hause gekommen bin, habe ich mein Verhalten nie hinterfragt und nicht bemerkt, wie sich mein Körper zunehmend an den Alkohol gewöhnt hatte.
Parallel bauten wir in diesem Zeitraum zunehmend Kontakt zu den umliegenden Nachbarn auf und integrierten uns in das Dorfleben. Wir fingen damit an, uns des Öfteren - speziell im Sommer – draußen zu treffen um zu Plaudern und dabei Bier zu trinken. 2x 1.0 – 1.5 Liter Bier an Wochenenden, teilweise on top zur Mountainbiketour, und 2x 1.0 Liter Bier unter der Woche sind hierbei die Regel gewesen. Zu entsprechenden Anlässen wie Maibaumaufstellung, Sonnwendfeuer, Vatertag, 1. Mai Wanderung, Silvester und anderen Dorffesten wurde zusammen mit Nachbarn und Bekannten in geselliger Runde bis zu 4.0 Liter Bier konsumiert. Da ich immer jemanden um mich herum hatte, der mitgetrunken hat, empfand ich das als normal und habe mir hierzu keine weiteren Gedanken gemacht.

2025 kam es zu der Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad. Zuvor wurden 2.0 Liter Bier (5.4%), 1.0 Liter Bier (5%) und 4cl Schnaps über 7 Stunden in Gesellschaft eines Kollegen konsumiert.
Zuvor gab es jedoch bereits zwei weitere Ereignisse, bei denen ich mich zu mehr als den üblichen Mengen hinreißen ließ. Im Ende des Jahres 2019 war es mir aufgrund von Schnee nicht möglich den Gipfel zu erreichen, weshalb ich dann in eine Gaststätte ein paar Höhenmeter tiefer eingekehrt bin. Hier bin ich auf eine Fussballgruppe gestoßen, die dort übernachtet hat, mit der ich ins Gespräch gekommen bin. In geselliger Athmosphäre konsumierte ich 1,0 Liter Bier und mehrere Shots Haselnussschnaps, bevor ich dann betrunkener als sonst durch den Wald nach Hause fuhr.

Im Sommer 2023 wollte ich nach 1,0 Litern Bier die Heimreise antreten als ein bekannter Mountainbiker, den ich länger nicht gesehen hatte, zu uns an den Tisch kam. Nach kurzem Gespräch entschied ich mich noch eine Weile zu bleiben und konsumiert weitere 2x 0,5 Liter Bier. Auch hier war ich wieder weit über das für mich übliche Maß hinausgegangen.

Ich trinke seit 28.09.2025 keinen Alkohol mehr und habe mich für die lebenslängliche Abstinenz entschieden, da ich realisiert habe, dass ich sehr sorglos mit dem Thema Alkohol umgegangen bin und mein Konsum zuletzt weit über dem, was als normal anzusehen ist, lag. Ich war ein denkbar schlechtes Beispiel für meine Kinder und möchte ihnen daher in Zukunft zeigen, dass ein Leben ohne Alkohol möglich und erstrebenswert ist. Zudem habe ich aufgrund des Sturzes schlechte Erfahrungen mit Alkohol im Straßenverkehr gemacht, und hatte wahnsinniges Glück niemanden verletzt, und mir nicht das Genick gebrochen zu haben. Keinen Kater mehr zu haben, körperlich und geistig fit und immer einsatzbereit zu sein sind positive Aspekte die eine Abstinenz mit sich bringt.

Ich kann die Abstinenz aktuell über 6 Monate durch zwei Haaranalysen belegen, habe mehrere Sitzungen bei der Suchtberatung der Caritas in Anspruch genommen und besuche nachweisbar jede zweite Woche eine Selbsthilfegruppe, auf die ich mich regelmäßig freue, da die Menschen dort offen, reflektiert, ehrlich und hilfsbereit sind und wir immer gute Gespräche haben. Dort habe ich auch ehemals alkoholkranke Menschen kennenlernen dürfen, die sich durch den Konsum zum einen ihre Gesundheit und zum anderen ihre komplette Existenz ruiniert haben. Dies ist für mich ein weiterer Grund abstinent zu bleiben, da ich einen derartigen Zustand niemals erreichen möchte.

Rückwirkend gesehen gab es verschiedene Gründe aus denen ich zum Alkohol gegriffen habe. Zum einen die Angst ausgegrenzt zu werden wenn ich nicht mittrinke, zum anderen um meine Schüchternheit und Zurückhaltung zu überspielen bzw. die Angst schwach zu wirken wenn ich z.B. in der Gruppe “Nein” sage oder im Job auf das Abstellgleis gestellt zu werden wenn ich sage “Das geht mir jetzt zu weit, das ist mir zu viel”.

Die Selbsthilfegruppe hat mir dahingehend geholfen, mich gegeüber anderen Menschen zu öffnen und über Probleme und Gefühle zu sprechen. Dies wird in der Regel von meinen Mitmenschen positiv wahrgenommen. Auch haben mittlerweile regelmäßige Gespräche mit meinem Vorgesetzten zu einer massiven Verbesserung der Gesamtsituation geführt.
 
wirklich spannend finde ich Deine immer noch aktiven Verdrängungsmechanismen.. und zwar in Hülle und Fülle. Auffällig!
  • Der erste bewusste Griff zum Alkohol erfolgte .. per Fernsteuerung?
  • Des Weiteren wurden von älteren Personen vereinzelt auch Wiskey, Vodka und ähnliche hochprozentige Spirituosen mitgebracht. Eine gewisse Neugierde gepaart mit fehlender Erfahrung im Umgang mit Alkohol bescherten mir den ersten Vollsuff, .. ah! Eine Bescherung. Als aktive Personen lese ich so einige, aber DU kommst nicht vor.
  • wir als Gruppe in die Bar gezogen und haben dort Mischgetränke (Jack, Asbach, Bacardi, Vodka) in großen Mengen konsumiert. aja. Mal eben in der Gruppe verstecken? Nur zur Erinnungen: DU bist beim Gutachter, nicht die Gruppe
  • Wir fingen damit an, (...) Bier zu trinken. Und wieder gut hinter den anderen versteckt^^
  • wurde regelmäßig zu Alkohol gegriffen. "Es wurde gegriffen". Jaja, Dinge passieren. Was hindert dich daran, zu schreiben "ICH habe regelmäßig zu Alkohol gegriffen"?
  • wurde zusammen mit Nachbarn und Bekannten in geselliger Runde bis zu 4.0 Liter Bier konsumiert. yayy - jetzt sogar doppeltes Versteckspiel
und so weiter. Bei soviel unbewusster Abwehr klingeln bei mir alle Alarmglocken...
 
Entschuldigung für den Schreibstil. Der Text ist vor Monaten entstanden, wollte ihn der Vollständigkeit halber noch posten.

Natürlich habe ich aus freien Stücken bewusst zum Alkohol gegriffen, keine Fernsteuerung.

Natürlich habe ich mir selbst Trinkgelegenheiten geschaffen um meinen Konsum gegenüber mir selbst zu rechtfertigen und um mir nicht eingestehen zu müssen, dass ich ein problematisches Verhältnis zu Alkohol aufgebaut habe, ihn wegen der Wirkung konsumiert habe und Alkohol dazu missbraucht habe, meine Ängste und persönliche Defizite wegzuspülen.
 
Die richtige Wortwahl wird definitiv eine Herausforderung werden. Daran muss ich arbeiten. Das was ich ausdrücken will ist nicht immer das was aus dem Mund kommt.
 
Nein, es liegt nicht an der „Wortwahl“,
Das ist eine Mär unter vielen, die über die MPU grassieren.

Es ist unfassbar interessant, wie unser Unterbewusstsein unsere Sprache, unsere Wortwahl „steuert“ ( sehr verkürzt dargestellt ).
Bedeutet, dass du noch nicht am Kern angekommen bist, sondern noch an den Rändern mäanderst.

Gehe tiefer und wenn du an der Wurzel deines Problems angelangt bist, wirst du feststellen, dass sich das eklatant in deiner Wortwahl widerspiegeln wird.

Dann schaffst du die MPU locker.
 
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