Julchen
Stamm-User
26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Es hat eine ganze Zeit gedauert, zuerst bestand mein Verhalten wieder nur aus Disziplin, sprich nicht trinken. Aber hier bin ich am Ball geblieben, habe die SIA besucht, danach die DBT Therapie, habe hier langsam immer mehr die mir aufgezeigten Skills und Gedankensätze angewendet. Ich gehe mit Freude zur SHG, hier wurde mir mitgeteilt, wie sehr ich mich zum positiven geändert habe. Wie ruhig und gefestigt ich wirke im Gegensatz zum ausgescheuchten Huhn von vorher.
Durch die Kufe von der Drob und meine Aufarbeitung in einem MPU Forum im Internet, konnte ich mich in meiner Vorbereitung noch einmal bewusst mit dem Thema Emotionen auseinandersetzen. Spätestens hier hat es endgültig „Klick“ gemacht und ich habe meine Antwort auf meine Frage, was habe ich damals übersehen, erhalten.
Ich habe Anerkennung auf andere Art und Weise erhalten. Ohne danach zu fragen. Ohne was zu geben. Einfach indem ich wieder ich bin. Ich bin bei der Arbeit gelobt worden für meine positive Veränderung und Entwicklung. Von verschieden Personen. Ganz ohne Nachfragen.
Bei der Arbeit habe ich den Wunsch, nach einer Lohnerhöhung zu fragen, lange immer wieder auf die Zeit nach der Wiedererlangung meines Führerscheins verschoben.
Irgendwann habe ich meinen Mut zusammengenommen und mich davon gelöst, diesen Schritt vom Führerschein abhängig zu machen. Ich habe das Gespräch gesucht und nach einer Lohnerhöhung gefragt.
Da auch meinen Vorgesetzten meine positive Veränderung aufgefallen ist, konnte ich dabei ebenfalls einen Erfolg verbuchen.
Mein Mann und ich haben wieder eine harmonische Beziehung. Er akzeptiert meine Grenzen und wir unterstützen uns wieder gegenseitig. Ich beziehe ihn wieder in meine Ängste und Sorgen mit ein, muss diese nicht allein aushalten. Ich helfe ihm zwar weiter, jedoch eher im Sinne von ich zeige ihm den Weg, gehen muss er selber, ich unterstütze ohne zu tragen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren sprechen wir wieder miteinander und ich habe die mir selbstauferlegten Aufgaben, die ihn betreffen, wieder abgegeben, so dass ich es uns beiden zu Nutze kommt. Für mich in dem Fall weniger Aufgaben heißt weniger Überforderung.
Wir sind nüchtern, immer, es kann zu jeder Zeit jemand zu uns nach Hause kommen, allein das ist schon eine extreme Erleichterung. Es ist wieder möglich mit Freunden etwas zu unternehmen. Hier sind neue Freundschaften entstanden, wo nicht getrunken wird.
Letztes Wochenende haben wir uns zum Beispiel mit Freunden zum Grillen verabredet. Unser Standpunkt, dass bei uns kein Alkohol mehr getrunken wird, wurde sehr gut akzeptiert.
Es war ein sehr gemütlicher Abend, und alkoholische Getränke wurden zu keiner Zeit vermisst. Zwar ging der Abend vielleicht nicht mehr so lange wie früher, jedoch hat das der Stimmung keinen Abbruch getan.
Lange auch noch in der DBT Therapie wurde auf ein Trauma geschaut, welches auch schon in der ersten LZT angesprochen wurde. Mittlerweile habe ich, was dieses betrifft, einen anderen Blickwinkel erreicht. Die traumatischen Erlebnisse (jedenfalls in der Neuzeit) sind nicht Grund für mein Trinken. Diese Erinnerungen haben zwar meine Grundannahmen verstärkt, aber waren nicht hauptverantwortlich. Ich konnte Frieden schließen, zuerst mit mir selbst, mit meinem inneren Kind, mein Kampf gegen mich selbst ist immer leiser geworden. Meine Emotionen und dadurch ausgelöste Gefühle und Gedanken fühlen sich nicht mehr als Katastrophe an. Mit diesem Verzeihen an mich selbst konnte ich auch anderen Personen in meiner Familie verzeihen. Das soll diese Gewalt nicht beschönigen und gutheißen, dazu habe ich einen klaren Standpunkt, aber ich kann dazu Abstand nehmen.
Ich nehme meine Veränderungen als Prozess wahr, vieles habe ich in der Therapie angeschnitten, gelernt und verinnerlicht. Anwenden kann ich es nur im echten Leben. Ein bewusster Umgang mit meiner Krankheit, die im Arztbrief als selbstverletzendes Verhalten durch übermäßigen Alkoholkonsum beschrieben wurde, hat mich aber falls reflektieren lassen. Worte wie Etappensuizid sind in meiner Aufarbeitung gefallen, weil ich zum einen wusste, was der Alkohol mit mir macht und trotzdem diese Grenze nicht beachten konnte, sollen doch alle sehen, was passiert, wenn ich nicht mehr da bin. Ich weiß um alle negativen Konsequenzen und trotzdem trinke ich und konnte meine Leben nüchtern nicht aushalten. Mit diesem Selbstmitleid konnte ich mich selbst betrafen, ich hatte es ja nicht anders verdient. Ganz langsam habe ich mehr und mehr über mich selbst verstanden.
Ich verlasse mich jetzt nicht mehr selbst und bleibe da, auch unperfekt. Wenn alte Emotionen hochkommen, weiß ich, ich bin nicht allein, ich habe Hilfe bzw. darf danach fragen.
Bei der Drob hat mich meine Suchtberaterin „Ringeltaube“ genannt. Auf Nachfrage, was sie damit meint, kam, Sie sind ganz besonders, ich habe am Anfang nicht damit gerechnet, dass sie eine solche positive Veränderung und Entwicklung erzielen in so kurzer Zeit.
27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Im Februar habe ich in meiner alten Selbsthilfegruppe, in der ich mittlerweile stellvertretende Gruppenleiterin war, aus verschiedenen Gründen erkannt, dass ich dort unter den gegebenen Umständen nicht weitermachen kann.
Nach einem Vorstandswechsel waren in der großen Gruppe Meinungsverschiedenheiten entstanden, wodurch mehrere langjährige Gruppenmitglieder ausgestiegen sind.
Nach Gesprächen und Ratschlägen des ehemaligen Gruppenleiters sowie seinem Angebot, in die neue Gruppe unter dem Dach der DROB zu wechseln – viele der Teilnehmer waren mir bereits aus der alten Gruppe bekannt – habe ich dieses angenommen.
Zwar starten wir dort zunächst als kleinere Gruppe, die erst noch wachsen muss, aber ich fühle mich in diesem Rahmen deutlich wohler und habe gelernt, meine eigenen Grenzen besser zu akzeptieren.
Auch dort kann ich weiterhin Themen vorbereiten und Abende aktiv mitgestalten.
Ab November 2026 beginne ich zudem eine Ausbildung zur Suchtkrankenhelferin. Es macht mir Spaß, Themen für die Gruppenabende vorzubereiten und Gesprächsrunden zu leiten. Dadurch setze ich mich wöchentlich aktiv mit meiner Erkrankung auseinander.
Ich achte im Alltag bewusst auf mich, bleibe achtsam und horche in mich hinein.
Ich gönne mir Pausen und Auszeiten, damit ich nicht in Überforderung gerate.
Ein wichtiger Bestandteil ist für mich auch das Beten vor dem Zubettgehen, das ich in der DBT-Therapie wieder für mich entdeckt habe. Ich kenne es aus meiner Kindheit, und es hilft mir heute, zur Ruhe zu kommen und Grübelgedanken zu stoppen.
Achtsamkeit hat insgesamt einen festen Platz in meinem Alltag bekommen.
Zu Hause habe ich feste Rituale entwickelt, unter anderem mit einer App, die mir mein Therapeut empfohlen hat. Dort nutze ich regelmäßig Körperscans und Atemübungen.
Mittlerweile ist es am Wochenende oft auch einfach ein Mittagsschlaf, den ich endlich bewusst genießen kann und der mir spürbar guttut.
Ich habe eine feste Tagesstruktur und eine stabile Arbeitsstelle, in der mein Umfeld über meine Situation Bescheid weiß. Diese Struktur halte ich auch im Urlaub aufrecht, sodass kein Leerlauf entsteht.
Eine klare Struktur ist für mich ein großer Schutzfaktor.
Ich habe gelernt, dass ich innerlich stabiler bin, wenn mein äußeres Leben geordnet ist.
Ich achte außerdem auf regelmäßige und ausreichende Mahlzeiten, weil ich weiß, dass mein körperlicher Zustand direkten Einfluss auf meine Stabilität hat.
Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass wir keinen Alkohol mehr im Haushalt haben – auch nicht für Besuch.
Das haben wir inzwischen mehrfach so umgesetzt, und es wurde von unserem Umfeld akzeptiert. Für mich ist das entscheidend, weil ich weiß: Wenn Alkohol verfügbar ist, wäre der Griff zur Flasche in einem schwachen Moment einfacher.
Ich habe gelernt, dass Suchtdruck kommt und auch wieder geht.
Ich weiß heute, wie ich ihn regulieren kann und welche Strategien mir helfen.
Auch mein familiäres Umfeld ist heute wieder stabil.
Wir haben gelernt, miteinander zu sprechen, statt aneinander vorbei zu leben. Besonders die Zeit mit meinem Vater, der mich täglich zur Arbeit fährt, hat uns sehr verbunden. Diese Gespräche haben mir geholfen, vieles aus meiner Vergangenheit aufzuarbeiten.
Selbstfürsorge hat für mich heute einen hohen Stellenwert. Ich achte darauf, was ich leisten kann und wo meine Grenzen sind.
Zusammengefasst orientiere ich mich an dem Modell der 5 Säulen der Identität nach Petzold, das ich aus der Kufe kenne.
Ich achte bewusst darauf, dass alle Bereiche stabil sind, damit meine Abstinenz auf einem tragfähigen Fundament steht:
28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)
Mir ist bewusst, dass ein Rückfall grundsätzlich immer möglich ist.
Der entscheidende Unterschied zu früher ist, dass ich meine persönlichen Vorboten heute erkenne und sehr ernst nehme. Ich achte bewusst auf mich und tue aktiv etwas dafür, stabil zu bleiben.
Ich habe einen klaren Notfallplan, sowohl für mich selbst als auch im Umgang mit meinem Partner, falls einer kippt.
Ich habe außerdem die App des Krankenhauses, unter dessen Dach auch die DROB angebunden ist, auf meinem Handy gespeichert. Falls ich einmal nicht weiterweiß, habe ich dort direkt die richtigen Ansprechpartner und Telefonnummern zur Hand und kann mir gezielt Hilfe holen. Das gibt mir Sicherheit und klare Handlungsschritte, an denen ich mich orientieren kann.
Für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommt oder dieser Vertrag nicht eingehalten wird, habe ich auch für mich selbst vorgesorgt.
Ich bin finanziell eigenständig und unabhängig. Das nimmt mir die Angst vor einem möglichen Extremfall und gibt mir Stabilität.
Ich habe zudem konkrete Situationen bereits reflektiert und bewältigt, zum Beispiel im Zusammenhang mit belastenden Ereignissen oder auch in schwierigen Phasen im Umfeld meines Mannes. Diese Erfahrungen zeigen mir, dass ich heute anders handle als früher.
Wenn ich alleine bin und merke, dass ich ins Grübeln komme, besonders nachts, nutze ich zusätzlich eine Online-Selbsthilfegruppe. Dort ist jederzeit jemand erreichbar. Ich kann mitlesen oder mich aktiv austauschen. Auch das gibt mir Sicherheit.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich, auch positive Zustände im Blick zu behalten.
Ich habe gelernt, dass auch Euphorie oder ein „Ich habe es geschafft“-Gefühl kritisch sein können. In solchen Momenten bremse ich mich bewusst, um nicht nachlässig zu werden.
Zusammengefasst:
Ich habe heute klare Strategien, erkenne meine Warnsignale frühzeitig und habe konkrete Handlungspläne – sowohl für mich selbst als auch für schwierige Situationen im Umfeld.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Ich lebe abstinent.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Ich bedanke mich bei Ihnen.
Es hat eine ganze Zeit gedauert, zuerst bestand mein Verhalten wieder nur aus Disziplin, sprich nicht trinken. Aber hier bin ich am Ball geblieben, habe die SIA besucht, danach die DBT Therapie, habe hier langsam immer mehr die mir aufgezeigten Skills und Gedankensätze angewendet. Ich gehe mit Freude zur SHG, hier wurde mir mitgeteilt, wie sehr ich mich zum positiven geändert habe. Wie ruhig und gefestigt ich wirke im Gegensatz zum ausgescheuchten Huhn von vorher.
Durch die Kufe von der Drob und meine Aufarbeitung in einem MPU Forum im Internet, konnte ich mich in meiner Vorbereitung noch einmal bewusst mit dem Thema Emotionen auseinandersetzen. Spätestens hier hat es endgültig „Klick“ gemacht und ich habe meine Antwort auf meine Frage, was habe ich damals übersehen, erhalten.
Ich habe Anerkennung auf andere Art und Weise erhalten. Ohne danach zu fragen. Ohne was zu geben. Einfach indem ich wieder ich bin. Ich bin bei der Arbeit gelobt worden für meine positive Veränderung und Entwicklung. Von verschieden Personen. Ganz ohne Nachfragen.
Bei der Arbeit habe ich den Wunsch, nach einer Lohnerhöhung zu fragen, lange immer wieder auf die Zeit nach der Wiedererlangung meines Führerscheins verschoben.
Irgendwann habe ich meinen Mut zusammengenommen und mich davon gelöst, diesen Schritt vom Führerschein abhängig zu machen. Ich habe das Gespräch gesucht und nach einer Lohnerhöhung gefragt.
Da auch meinen Vorgesetzten meine positive Veränderung aufgefallen ist, konnte ich dabei ebenfalls einen Erfolg verbuchen.
Mein Mann und ich haben wieder eine harmonische Beziehung. Er akzeptiert meine Grenzen und wir unterstützen uns wieder gegenseitig. Ich beziehe ihn wieder in meine Ängste und Sorgen mit ein, muss diese nicht allein aushalten. Ich helfe ihm zwar weiter, jedoch eher im Sinne von ich zeige ihm den Weg, gehen muss er selber, ich unterstütze ohne zu tragen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren sprechen wir wieder miteinander und ich habe die mir selbstauferlegten Aufgaben, die ihn betreffen, wieder abgegeben, so dass ich es uns beiden zu Nutze kommt. Für mich in dem Fall weniger Aufgaben heißt weniger Überforderung.
Wir sind nüchtern, immer, es kann zu jeder Zeit jemand zu uns nach Hause kommen, allein das ist schon eine extreme Erleichterung. Es ist wieder möglich mit Freunden etwas zu unternehmen. Hier sind neue Freundschaften entstanden, wo nicht getrunken wird.
Letztes Wochenende haben wir uns zum Beispiel mit Freunden zum Grillen verabredet. Unser Standpunkt, dass bei uns kein Alkohol mehr getrunken wird, wurde sehr gut akzeptiert.
Es war ein sehr gemütlicher Abend, und alkoholische Getränke wurden zu keiner Zeit vermisst. Zwar ging der Abend vielleicht nicht mehr so lange wie früher, jedoch hat das der Stimmung keinen Abbruch getan.
Lange auch noch in der DBT Therapie wurde auf ein Trauma geschaut, welches auch schon in der ersten LZT angesprochen wurde. Mittlerweile habe ich, was dieses betrifft, einen anderen Blickwinkel erreicht. Die traumatischen Erlebnisse (jedenfalls in der Neuzeit) sind nicht Grund für mein Trinken. Diese Erinnerungen haben zwar meine Grundannahmen verstärkt, aber waren nicht hauptverantwortlich. Ich konnte Frieden schließen, zuerst mit mir selbst, mit meinem inneren Kind, mein Kampf gegen mich selbst ist immer leiser geworden. Meine Emotionen und dadurch ausgelöste Gefühle und Gedanken fühlen sich nicht mehr als Katastrophe an. Mit diesem Verzeihen an mich selbst konnte ich auch anderen Personen in meiner Familie verzeihen. Das soll diese Gewalt nicht beschönigen und gutheißen, dazu habe ich einen klaren Standpunkt, aber ich kann dazu Abstand nehmen.
Ich nehme meine Veränderungen als Prozess wahr, vieles habe ich in der Therapie angeschnitten, gelernt und verinnerlicht. Anwenden kann ich es nur im echten Leben. Ein bewusster Umgang mit meiner Krankheit, die im Arztbrief als selbstverletzendes Verhalten durch übermäßigen Alkoholkonsum beschrieben wurde, hat mich aber falls reflektieren lassen. Worte wie Etappensuizid sind in meiner Aufarbeitung gefallen, weil ich zum einen wusste, was der Alkohol mit mir macht und trotzdem diese Grenze nicht beachten konnte, sollen doch alle sehen, was passiert, wenn ich nicht mehr da bin. Ich weiß um alle negativen Konsequenzen und trotzdem trinke ich und konnte meine Leben nüchtern nicht aushalten. Mit diesem Selbstmitleid konnte ich mich selbst betrafen, ich hatte es ja nicht anders verdient. Ganz langsam habe ich mehr und mehr über mich selbst verstanden.
Ich verlasse mich jetzt nicht mehr selbst und bleibe da, auch unperfekt. Wenn alte Emotionen hochkommen, weiß ich, ich bin nicht allein, ich habe Hilfe bzw. darf danach fragen.
Bei der Drob hat mich meine Suchtberaterin „Ringeltaube“ genannt. Auf Nachfrage, was sie damit meint, kam, Sie sind ganz besonders, ich habe am Anfang nicht damit gerechnet, dass sie eine solche positive Veränderung und Entwicklung erzielen in so kurzer Zeit.
27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Im Februar habe ich in meiner alten Selbsthilfegruppe, in der ich mittlerweile stellvertretende Gruppenleiterin war, aus verschiedenen Gründen erkannt, dass ich dort unter den gegebenen Umständen nicht weitermachen kann.
Nach einem Vorstandswechsel waren in der großen Gruppe Meinungsverschiedenheiten entstanden, wodurch mehrere langjährige Gruppenmitglieder ausgestiegen sind.
Nach Gesprächen und Ratschlägen des ehemaligen Gruppenleiters sowie seinem Angebot, in die neue Gruppe unter dem Dach der DROB zu wechseln – viele der Teilnehmer waren mir bereits aus der alten Gruppe bekannt – habe ich dieses angenommen.
Zwar starten wir dort zunächst als kleinere Gruppe, die erst noch wachsen muss, aber ich fühle mich in diesem Rahmen deutlich wohler und habe gelernt, meine eigenen Grenzen besser zu akzeptieren.
Auch dort kann ich weiterhin Themen vorbereiten und Abende aktiv mitgestalten.
Ab November 2026 beginne ich zudem eine Ausbildung zur Suchtkrankenhelferin. Es macht mir Spaß, Themen für die Gruppenabende vorzubereiten und Gesprächsrunden zu leiten. Dadurch setze ich mich wöchentlich aktiv mit meiner Erkrankung auseinander.
Ich achte im Alltag bewusst auf mich, bleibe achtsam und horche in mich hinein.
Ich gönne mir Pausen und Auszeiten, damit ich nicht in Überforderung gerate.
Ein wichtiger Bestandteil ist für mich auch das Beten vor dem Zubettgehen, das ich in der DBT-Therapie wieder für mich entdeckt habe. Ich kenne es aus meiner Kindheit, und es hilft mir heute, zur Ruhe zu kommen und Grübelgedanken zu stoppen.
Achtsamkeit hat insgesamt einen festen Platz in meinem Alltag bekommen.
Zu Hause habe ich feste Rituale entwickelt, unter anderem mit einer App, die mir mein Therapeut empfohlen hat. Dort nutze ich regelmäßig Körperscans und Atemübungen.
Mittlerweile ist es am Wochenende oft auch einfach ein Mittagsschlaf, den ich endlich bewusst genießen kann und der mir spürbar guttut.
Ich habe eine feste Tagesstruktur und eine stabile Arbeitsstelle, in der mein Umfeld über meine Situation Bescheid weiß. Diese Struktur halte ich auch im Urlaub aufrecht, sodass kein Leerlauf entsteht.
Eine klare Struktur ist für mich ein großer Schutzfaktor.
Ich habe gelernt, dass ich innerlich stabiler bin, wenn mein äußeres Leben geordnet ist.
Ich achte außerdem auf regelmäßige und ausreichende Mahlzeiten, weil ich weiß, dass mein körperlicher Zustand direkten Einfluss auf meine Stabilität hat.
Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass wir keinen Alkohol mehr im Haushalt haben – auch nicht für Besuch.
Das haben wir inzwischen mehrfach so umgesetzt, und es wurde von unserem Umfeld akzeptiert. Für mich ist das entscheidend, weil ich weiß: Wenn Alkohol verfügbar ist, wäre der Griff zur Flasche in einem schwachen Moment einfacher.
Ich habe gelernt, dass Suchtdruck kommt und auch wieder geht.
Ich weiß heute, wie ich ihn regulieren kann und welche Strategien mir helfen.
Auch mein familiäres Umfeld ist heute wieder stabil.
Wir haben gelernt, miteinander zu sprechen, statt aneinander vorbei zu leben. Besonders die Zeit mit meinem Vater, der mich täglich zur Arbeit fährt, hat uns sehr verbunden. Diese Gespräche haben mir geholfen, vieles aus meiner Vergangenheit aufzuarbeiten.
Selbstfürsorge hat für mich heute einen hohen Stellenwert. Ich achte darauf, was ich leisten kann und wo meine Grenzen sind.
Zusammengefasst orientiere ich mich an dem Modell der 5 Säulen der Identität nach Petzold, das ich aus der Kufe kenne.
Ich achte bewusst darauf, dass alle Bereiche stabil sind, damit meine Abstinenz auf einem tragfähigen Fundament steht:
- Gesundheit: regelmäßige Vorsorge und achtsamer Umgang mit mir selbst
- Gemeinschaft: Kontakt zu Familie, Freunden und Selbsthilfegruppe
- Arbeit und Struktur: fester Tagesablauf, auch im Urlaub
- Finanzen: ein kleiner Notgroschen und die Fähigkeit, auch mit weniger zufrieden zu sein
- Werte, Normen und Entwicklung: MPU-Vorbereitung, Weiterbildung zur Suchtkrankenhelferin und weitere persönliche Ziele
28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)
Mir ist bewusst, dass ein Rückfall grundsätzlich immer möglich ist.
Der entscheidende Unterschied zu früher ist, dass ich meine persönlichen Vorboten heute erkenne und sehr ernst nehme. Ich achte bewusst auf mich und tue aktiv etwas dafür, stabil zu bleiben.
Ich habe einen klaren Notfallplan, sowohl für mich selbst als auch im Umgang mit meinem Partner, falls einer kippt.
Ich habe außerdem die App des Krankenhauses, unter dessen Dach auch die DROB angebunden ist, auf meinem Handy gespeichert. Falls ich einmal nicht weiterweiß, habe ich dort direkt die richtigen Ansprechpartner und Telefonnummern zur Hand und kann mir gezielt Hilfe holen. Das gibt mir Sicherheit und klare Handlungsschritte, an denen ich mich orientieren kann.
Für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommt oder dieser Vertrag nicht eingehalten wird, habe ich auch für mich selbst vorgesorgt.
Ich bin finanziell eigenständig und unabhängig. Das nimmt mir die Angst vor einem möglichen Extremfall und gibt mir Stabilität.
Ich habe zudem konkrete Situationen bereits reflektiert und bewältigt, zum Beispiel im Zusammenhang mit belastenden Ereignissen oder auch in schwierigen Phasen im Umfeld meines Mannes. Diese Erfahrungen zeigen mir, dass ich heute anders handle als früher.
Wenn ich alleine bin und merke, dass ich ins Grübeln komme, besonders nachts, nutze ich zusätzlich eine Online-Selbsthilfegruppe. Dort ist jederzeit jemand erreichbar. Ich kann mitlesen oder mich aktiv austauschen. Auch das gibt mir Sicherheit.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich, auch positive Zustände im Blick zu behalten.
Ich habe gelernt, dass auch Euphorie oder ein „Ich habe es geschafft“-Gefühl kritisch sein können. In solchen Momenten bremse ich mich bewusst, um nicht nachlässig zu werden.
Zusammengefasst:
Ich habe heute klare Strategien, erkenne meine Warnsignale frühzeitig und habe konkrete Handlungspläne – sowohl für mich selbst als auch für schwierige Situationen im Umfeld.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Ich lebe abstinent.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Ich bedanke mich bei Ihnen.