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MPU in 2 Wochen TF Fahrrad 2,0 Promille

Johann

Neuer Benutzer
Hallo Zusammen,

ich bin durch meine Freundin auf dieses Forum gestoßen und möchte mich gerne noch etwas zu dem Thema MPU Vorbereitung austauschen.
Ich habe am 07.10. meine MPU.

Den Vorfall möchte ich Euch kurz schildern.
Am 01. Mai 2025 habe ich einen Fahrradunfall ausgelöst und bin mit einer Frau frontal zusammengestoßen. Gemeinsam mit der Clique wurde bereits am Morgen ausschließlich Bier getrunken mit dem gemeinsamen Ziel mit dem Fahrrad in einen 5km entfernten Ort zum Biergarten zu fahren. Dort war der Plan weiterhin Bier zu trinken um im Anschluss wieder zurück in den Heimatort zu fahren, um bei einer Freundin den Tag ausklingen zu lassen mit noch mehr Bier und Grillen. Für mich endete der Tag gegen 13:00 Uhr, als ich den Unfall verursachte, mit anschließendem KH Aufenthalt und Blutentnahme bei 2,0 Promille. Ich habe innerhalb von 4 Stunden zirka 3-4 Liter Bier getrunken.

Ab dem ersten Tag war mir klar, dass mich die MPU erwartet. Ich habe ab dem ersten Tag nach dem Unfall keinen Alkohol mehr getrunken, habe mich ab zirka Juni 2025 bei einer Suchtberatung gemeldet und war seither an regelmäßigen Terminen beteiligt. Ab September 2025 begann für mich der Abstinenznachweis per HK. Ab April 2026 begann ich mit der MPU Vorbereitung innerhalb der Suchberatungseinrichtung. Das Abschlussgespräch fand letzte Woche Donnerstag statt und dort lag meine Schwierigkeit.

Vorab noch ein paar weitere Informationen. Ich habe seit meiner Jugendzeit Probleme mit meinem Alkoholkonsum. Ich trank in regelmäßigen Abständen an Wochenenden und an Feierlichkeiten/Terminen. Unter der Woche trank ich keinen Alkohol mehr. In den letzten 10 Jahren habe ich meinen Konsum auf lediglich Bier eingestellt. Während des Alkoholkonsumes habe ich eine Wesensveränderung angestrebt, ich bin ein sehr introvertierter Mensch, leichte Depressionen sind diagnostiziert und versuchte durch den Alkohol Sorgen, Hemmungen und Extrovertiertheit hervorzuheben und konnte während jegliches Konsums keinen kontrollierten Umgang anstreben. Für mich steht fest, auch nach der MPU werde ich weiterhin abstinent leben, da ich es immer wieder versucht habe ein kontrolliertes Trinkverhalten anzustreben, immer ohne Erfolg.
Kurz gesagt, ich habe seit dem Vorfall am 1. Mai letzten Jahres eine große, positive Entwicklung durch, auch dank der Suchtberatung und Unterstützung von Familie und Beziehung.

Nun zurück zum Abschlussgespräch, während der Vorbereitung konnte ich inhaltlich Eindruck bei meinem Suchtberater hinterlassen, da Entwicklung, Reflexion und Zukunftsthematik gut und strukturiert wiedergegeben wurden. Mir geht es auch viel besser. Nun habe ich allerdings noch große "Prüfungsangst" vor dem Gespräch mit dem psychologischen Gutachter. Während des Abschlussgespräches wurde ein Probegespräch durch eine externe Person der Suchberatungsstelle dargestellt und dort kam ich doch sehr ins stammeln. Ich habe mich zu sehr auf die Fragen konzentriert, in meinem Kopf hatte ich einen Ablaufplan um den roten Faden nicht zu verlieren, allerdings wirkte das Gespräch recht unstrukturiert, ich hatte Zeitdruck und der "Probeprüfer" hat mich doch sehr nervös gemacht. Nach dem Gespräch gab mir mein Suchtberater, welcher bei dem Probegespräch ebenfalls anwesend war, noch einige inhaltliche Tipps, welche ich während des Gespräches dringend ausführen muss.
Ich habe ebenfalls gelernt, dass es sich nicht um eine "Prüfungssituation" handelt, sondern eher um ein psychologisches Gespräch, ich selbst kenne meine Lebensgeschichte und meine Entwicklung und sollte diese umfassend erklären können, der Druck der auf mich lastet: finanziell, privat, beruflich ist so enorm, dass ich befürchte, dass ich während des Termins einen BlackOut bekomme.

Ich freue mich auf Tipps seitens des Forums und bin dankbar für den Austausch.

Vielen Dank,
Johann

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FB Alkohol

Zur Person
Geschlecht: männlich
Größe: 1,82
Gewicht: 90kg
Alter: 34 J.

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 01.05.2025
BAK: 2,07 Promille
Trinkbeginn: 9:00 Uhr
Trinkende: 13:00 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 13:42 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert:
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: keine, Amtsgericht verweist auf die Verwaltungsbehörde

Führerschein
Hab ich noch: nein
Hab ich abgegeben: ja, Anfang Mai 2026
Hab ich neu beantragt: ja
Habe noch keinen gemacht:

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja, weitergeleitet an TUEV Nord Münster
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: Ordnungswidrigkeit im Jahr 2012, 1,1 Promille im Straßenverkehr, Führerscheinentzug für 10 Monate, ohne MPU oder Aufbauseminar. Aktueller Stand, ist es der Führerscheinstelle nicht aktenkundig, werde ich dennoch inhaltlich mit aufführen (Konsumverhalten)
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt): "Ist zu erwarten, dass Sie (auch) zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen werden und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges in Frage stellen?"

Bundesland: NRW


Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: nein
Ich lebe abstinent seit: 02.05.2025

Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: ja, rückwirkend von zirka 01. September 2025 - heute (12 Monate)
Urinscreening ja/nein: /
PEth-Analytik ja/nein: /
Keinen Plan?:

Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: unauffällig lt. letztem Hausarztbesuch

Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: ja, Caritasverband Suchtberatungsstelle
Selbsthilfegruppe (SHG): /
Psychologe/Verkehrspsychologe: /
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: /
Ambulante/stationäre Therapie: ambulante Verhaltenstherapie 2021-2022 (leichte Depressionen)
Keine Ahnung: /

MPU
Datum: 07.10.2026 um 10 Uhr
Welche Stelle (MPI): TUEV Nord Hagen
Schon bezahlt?: ja
Schon eine MPU gehabt?: nein
Wer hat das Gutachten gesehen?:
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: "Ist zu erwarten, dass Sie (auch) zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen werden und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges in Frage stellen?"

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: s. oben
 
Hallo Karl-Heinz,

vielen Dank für Deine Antwort. Nachfolgend erscheint der große FB.

Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Ich habe mich am 01. Mai 2025 um 9 Uhr morgens mit einem sehr guten Freund bei mir Zuhause getroffen, wir haben gemeinsam etwas gefrühstückt und beide haben bereits innerhalb einer Stunde zwei 0,5l Bier 4,8% getrunken. Im Anschluss fuhren wir gemeinsam mit meinem Elektro angetriebenen Pedelec Fahrrad zu einer Freundin (1km Entfernung), dort trafen wir uns mit unserer Clique (zirka 12 Personen). Ich habe ein weiteres 0,5l Bier getrunken. Gegen 11:00 Uhr fuhren alle gemeinsam mit dem Fahrrad in einen 5km entfernten Ort, Ziel war ein großer Biergarten. Während der Fahrt trank ich ein weiteres 0,5l Bier. Angekommen im Biergarten habe ich 3-4 weitere 0,5l Bier getrunken im Biergarten, während der Zeit sind bereits Gedächtnislücken entstanden. Gegen zirka 13:30 - 14:00 Uhr fuhr die gesamte Personengruppe wieder planmäßig zurück nach dem Heimatort. Ich stieg auf mein Fahrrad und wir fuhren auf einen schmalen Fahrradweg. Nach zirka 2 km habe ich nach hinten geschaut um meinen Freunden Bescheid zu geben, dass Gegenverkehr kommt. In dem Moment stoß ich mit einer zirka 60 jährigen Frau frontal zusammen. Im Nachgang wurden wir beide von unserer Gruppe an einer stillgelegten Sitzecke vom Fahrradweg begleitet und versorgt. Es wurde ein Krankenwagen gerufen. Die Frau hatte eine gebrochene Rippe und diverse Schürfwunden. Ich hatte eine Schürfwunde am Kopf, sowie am Knie und eine Brustprellung. Unfallzeit wurde von der Polizei aufgenommen und beträgt 14:35 Uhr. Es wurde ein Atemalkoholtest durchgeführt, der Wert betrug meines Wissens 2,4 Promille. Die Frau und ich wurden beide im Anschluss vom RTW mitgenommen und im Krankenhaus untersucht. Im Krankenhaus wurde per Blutentnahme um 16:00 Uhr ein Wert von 2,07 Promille ermittelt. Nach der Untersuchung und Aufnahme der Polizei wurde ich entlassen und von meiner Freundin abgeholt.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
9 - 10 Uhr: 2x 0,5 l helles Bier (4,8%)
10 - 12 Uhr: 2x 0,5 l helles Bier (4,8%)
12 - 14 Uhr: 3x - 4x 0,5 l Pils (4,8%)

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Ich denke insgesamt bin ich eine Strecke von insgesamt 8 km gefahren unter Alkoholeinfluss, bis ich aufgefallen bin.
Planmäßig über den Tag verteilt wären es insgesamt 12 km.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Während der ersten zwei Fahrten mit dem Fahrrad hatte ich noch ein Gefühl, das Fahrrad sicher führen zu können.
Ab dem dritten mal, nach dem Verlassen des Biergartens, mit dem Wissen weitere 5 km mit dem Fahrrad zu fahren, habe ich diverse Gedächtnislücken und war somit nicht mehr fahrtüchtig. Z.T. erinnere ich mich, dass ich aufs Fahrrad gestiegen bin. Ich wusste, dass ich nicht mehr fahren durfte, habe mich allerdings selbst überschätzt und wollte positiv gestimmt am weiteren Ausflug teilnehmen.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Wollte ich nicht, ich habe mich bewusst dafür entschieden auf das Fahrrad zu steigen.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Ja, im Jahr 06/2012 war ich zu Besuch auf einem Festival und bin innerhalb einer Verkehrskontrolle mit 1,1 Promille Restalkohol aufgefallen. Dadurch beging ich eine Ordnungswidrigkeit. Mein Führerschein wurde mir für 10 Monate entzogen und ich musste lediglich 800€ Strafe zahlen ohne MPU oder Aufbauseminar.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Ich bin nie unter Alkoholeinfluss Auto gefahren, allerdings habe ich in regelmäßigen Abständen (zirka jedes zweite Wochenende) an Tagen der Ausnüchterung mit Restalkohol ein Fahrzeug geführt. Nach dem Vorfall 2012 habe ich daraus gelernt und habe an Tagen der Ausnüchterung versucht dies zu vermeiden, in Notfällen habe ich doch eine Ausnahme gemacht: Bspw. auswärts an einer Feier teilgenommen mit anschließender Übernachtung, nächsten Tag ausnüchtern und errechnet wieviel Promille pro Stunde abgebaut werden bis ich wieder fahrtüchtig bin. Oft konnte ich mich allerdings nicht bis zum Schluss ausnüchtern und habe erneut fahrlässig gehandelt. In diesen Situationen bin ich mit Sicherheit 3-4 x im Jahr unter Restalkohol Auto gefahren. Innerhalb meiner Lebensjahre zw. 16 - 33 Jahren habe ich regelmäßig unter Alkoholeinfluss ein Fahrrad geführt.

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Mit 12 Jahren an einer Feier meiner Eltern. Ich habe Bier und Fanta Roten getrunken und hatte einen Filmriss.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Ja, im Alter von 16 - 18 Jahren habe ich jegliche Situationen am Wochenende mitgenommen und Alkohol getrunken. Zw. d. Jahren von 18 - 25 habe ich jedes Wochenende freitags, jedes zweite Wochenende auch freitags + samstags getrunken. Zu dem Zeitpunkt, so ab 25 Jahren konnte wurde es weniger und ab 28 Jahren habe ich versucht nur noch ausgewählte Trinkereignisse mit zu nehmen und nicht mehr jeden Anlass.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Ich habe im Alter v. 16-26 Jahren regelmäßig freitags und samstags Alkohol getrunken. In der Zeit habe ich jede Situation mitgenommen. Fernab des Arbeitsalltags habe keinen Alkohol getrunken. Überwiegend an "Trinkterminen" freitags und samstags. An den genannten Termin habe ich im Alter von 16- 25 Jahren an Abenden 4 - 5 Liter Pils getrunken (4,8%) und diversen Hochprozentigen getrunken 10x Shots und/oder Longdrinks (2-3 Gläser Rum-Cola o.ä.).


11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Ich habe drei verschiedene Freundeskreise mit denen ich regelmäßig Alkohol getrunken habe. Z.T. meine besten Freunde, z.T. eine Trink-Clique. In meiner Jugendzeit 16-20 wurde noch oft an Seen mit dem Freundeskreis getrunken, dies hat sich etabliert, verlief sich allerdings auf eine Regelmäßigkeit von vielleicht jedes zweite Wochenende. Anfang der 20er Jahre war ich regelmäßig an jedem Wochenende freitags in Clubs, Kneipen, Konzerten, Festivals unterwegs. Es wurde bei Anlässen wie Geburtstage getrunken, oft auch wenn nichts anstand traf ich mich mit meinen Freundeskreis und wir haben Zuhause bei Freunden gechillt und haben auch ohne Anlass uns zum gemeinsamen Trinken verabredet.

12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
Im Jahr 2021 wurden bei mir eine mittelgradige Depressionen diagnostiziert. Ich bin ein überwiegend introvertierter Mensch und habe versucht durch den Alkohol meine Hemmungen zu lösen und lockerer zu werden. Im Laufe meiner Trinkkarriere fiel mir auf, dass mich Alkohol lockert und ich dadurch oft extrovertierter werde, was Anerkennung geschaffen hat im Freundeskreis. In meiner Kindheit und Schulzeit wurde ich z.T. aufgrund meines Übergewichtes und meiner Unsicherheit gemobbt. Während meines Privatlebens und Berufsleben hatte ich Schwierigkeiten, Probleme, war unglücklich und auch einsam. Ich habe mich in vielen Situationen unter der Woche auf das Wochenende gefreut und wusste, dass ich dann bei Anlässen (alleine habe ich nicht getrunken) wieder Spaß erfahre, aus mich rauskomme, meine Unsicherheit ablege, um dann Charaktereigenschaften während des AK "freischalte" welche ich nüchtern nicht habe.


13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
Wenig= Gelassenheit, Unsicherheit abgestellt, ich wurde mutig, binde mich in Gesprächen ein, humorvoll
viel= wurde ausfallend, lallende Aussprache, Silberblick, zog mich aus, wurde agressiv (verbal), ganz selten auch mal körperlich, wurde sehr unangenehm gegenüber Freunde, Fremde, Familie, habe meine eigentlich, sozialen Werte von Bord geschmissen und habe mich um 180° gedreht.

Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:

13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)
Die Frage habe ich mich zu jedem Zeitpunkt des aktiven Konsums gefragt. Ich habe ein Level erreicht, welches ausgenügt um mich in den Situationen zu vergnügen, mit dem gewünschten Effekt. Ab dem Zeitpunkt konnte ich das Trinken allerdings nicht mehr einstellen und habe weitergemacht bis zum Filmriss. Je nach Stimmungslage konnte ich es steuern, falls ich ausgeglichen bzgl. Tagesbefinden; aktuelle depressive Episode spielte auch eine Rolle, dann konnte ich den Abend in Ruhe ausklingen. In den meisten Fällen endete es allerdings bis zum Gedächtnisverlust. Je schlimmer mein AZ in der Lebenslage war, desto ausfallender wurde ich und die schlimmen Gedanken, welche ich im Alltag ohne AK nicht bewältigen konnte, kamen zum Vorschein.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Im Alter von 20-28 J. gab es kaum Rückmeldungen. Natürlich wurde oft mit Freunden nach dem AK über den gestrigen Abend gesprochen und dass z.T. Fehlverhalten an den Abend gelegt wurde. Oft wurde dies allerdings auch von dem Freundeskreis belächelt und auch meist bestärkt (Alter 16-24J.). Ernsthafte Sorgen hat sich meine Mutter gemacht, da ihr Vater Alkoholiker war, meine Mutter selbst, sowie mein Vater ein Alkoholproblem hat. Meine Mutter traurig zu sehen, hat mich ebenfalls traurig gemacht, allerdings war ich nicht in der Lage etwas an meinem Trinkverhalten zu ändern. Im Alter von 28 Jahren lernte ich meine aktuelle Freundin kennen. Wir wohnen seit 5 Jahren zusammen und sie hat einige Ausfälle während des AK erlebt und auch ertragen. Sie hat mir in regelmäßigen Abständen kritische Rückmeldungen gegeben und auch ein Ultimatum gesetzt Ende 2023, dass, falls ich an meinem Trinkverhalten nichts ändere, sie mich verlässt. Daraufhin habe ich Anfang 2024 eine 3 monatige Trinkpause erlebt.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Alkohol hat ein Großteil meines Privatlebens bestimmt und kontrolliert. Aufgrund der regelmäßigen Abstürze, benötigte ich im späteren Verlauf meines Lebens immer längere Ruhezeiten, um mich von dem Konsum zu erholen und den Alltag wieder anzupacken. Die depressiven Episoden wurden immer schlimmer, ich fing an zu grübeln, Unsicherheiten wurden verstärkt. Die Ereignisse wiederholten sich dann. Mein Umfeld habe ich in regelmäßigen Situationen verschreckt, verletzt, meine Beziehung stand auf den Spiel. Auch handelte ich während meines Berufslebens fahrlässig, da ich in einem sozialen Bereich arbeite mit Menschen mit Behinderung und seit 8 Jahren im Schichtdienst arbeite und jedes zweite Wochenende. Ich habe oft verkatert gearbeitet und somit die Klienten gefährdet.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
siehe zum Teil oben.
16- 25 Jahre: sehr viel, jedes Wochenende, Unsicherheit wurde überspielt, Einsamkeit ertränkt, Wesensveränderung angestrebt
25-28 Jahre: viel, vermehrt kontrolliert und nicht mehr jedes Wochenende
28-33 Jahre: viel, Termine wurden allerdings weniger
Die Ursachen blieben dieselben, die Umstände dafür sind, dass ich aufgrund meines Alters bereits eine Entwicklung durchhabe und mich bewusst dazu entschieden habe, nur noch an ausgewählten Terminen zu trinken.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja, an regelmäßigen Trinkterminen.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja, im Jahr 01-03/2024 habe ich für drei Monate abstinent gelebt. Aufgrund von schlimmen Ereignissen hat und Probleme in der Beziehung wollte ich an mich arbeiten und für drei Monate den Konsum pausieren, um zu schauen welche Entwicklung ich durch mache. Leider habe ich die Abstinenz lt. eigener Einschätzung lediglich körperlich durchlebt und mental mich nicht drauf eingelassen. Ab Anfang 03/2024 habe ich am ersten Trinktermin die Kontrolle über den Konsum verloren und hatte einen Filmriss.

19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Ich sehe mich mittlerweile als Alkoholiker. Dies wurde mir während der Arbeit mit meinem Suchtberater klar, aufgrund der Fragestellung des ICD 11 in Bezug auf Abhängigkeit Alkohol. Mein Suchtberater konnte mir als nicht diagnostizierter Arzt keine Diagnose stellen, die Fragestellung war allerdings klar. Früher wusste ich, dass ich ein Alkoholproblem habe, eine Regelmäßigkeit besteht, auch wenn "nur" am Wochenende konsumiert wurde, ich denke dass ich früher während meines AKs die Probleme nicht ernst genommen habe.


20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
am 01. Mai 2025.

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein, während meiner Abstinenz habe ich bis Juni 2026 0,0% getrunken, mein Suchtberater hat mir davon abgeraten. Im Laufe meiner Abstinenz habe ich die alkoholfreien Getränke als Ersatz gesehen. Infolge meiner Entwicklung und der bevorstehenden MPU habe ich mich dafür entschieden, keine Ersatzmittel zu mir zu nehmen. Ich trinke lediglich koffeinhaltige Getränke (Kaffee täglich, Energy Drinks 1x wöchentlich), ansonsten täglich Wasser und Zero Erfrischungsgetränke.

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Nach dem Unfall war mir klar, dass ich mein Trinkverhalten ändern muss, unabhängig der MPU habe ich mich dazu entschieden keinen Alkohol mehr zu trinken, da ich vermehrt Leute aus meinem Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte emotional durch meinen Konsum verletze. Nachdem ich eine fremde Person aufgrund meines AK verletzte, war für mich klar, dass ich etwas ändern muss und ab dem Tag habe ich die Entscheidung getroffen, keinen Alkohol mehr zu trinken.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Im Laufe meines Konsums habe ich immer wieder versucht bei Anlässen weniger Alkohol zu trinken, oft haben nicht weit entfernte zurückliegende BlackOuts es zugelassen, dass ich kontrollierter trinke. Im Laufe meines Lebens konnte ich den AK reduzieren, allerdings holten mich die alten Muster an begehenden BlackOuts immer wieder ein. Erst zu dem Zeitpunkt des Unfalls vom 01.05.2025 wurde mir klar, dass ich meinen AK komplett einstellen muss, da ich eine fremde Person verletzt habe und ich ein kontrolliertes Trinkverhalten innerhalb der letzten Jahre 15-17 Jahre nicht erreichen konnte.

25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Mithilfe der Suchtberatung vom Juni 2025 - heute konnte ich meinen AK komplett einstellen. Die Umstellungsphase war anfangs schwierig, an Feierlichkeiten, Aktivitäten an denen Alkohol konsumiert wurde wirkte ich eher abwesend, mit den Gedanken oft noch bei "Wie wäre es jetzt zu konsumieren, ich möchte Spaß haben und Sorgen verdrängen, Neid dass andere trinken und ich nicht". Oft habe ich auch im Jahr 2025 ab Mai bis Ende des Jahres versucht solche Termine zu vermeiden, doch diverse Termine wie bspw. eine Hochzeit oder Festivalkarten habe ich bewusst mitgenommen, da ich mich auf die eigentliche Sache konzentriert habe. Während des letzten halben Jahres fallen mir solche Termine zunehmend einfacher.

26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Durchweg positiv, meine Beziehung läuft viel besser. Mein Berufsleben hat sich geändert. Ich habe mehr Antrieb für Aufgaben während der Arbeit. Ich habe seit letztem Jahr insgesamt 15 kg abgenommen und bin nach Aussage meines Arztes fit. Ich treibe regelmäßig Sport, aufgrund des Entzuges des Führerscheins fahre ich viel Fahrrad, was ich natürlich nach möglichem Erhalt des Führerscheins beibehalten möchte. Ich bekomme positiven Zuspruch, Unterstützung und Motivation von meiner Freundin, sie unterstützt mich während der Entwicklung extrem.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Ich denke ich habe in den letzten 17 Monaten mithilfe meines Suchtberaters und der Umsetzung der MPU Vorbereitung mich gut weiterentwickelt. In der Vergangenheit habe ich jegliche Freizeitsituationen mit AK verbunden. Nun konzentriere ich mich auf die eigentlichen Dinge, wie bspw. das Ausüben eines Hobbies: Tischtennis, Besuch eines Festivals, gemeinsam Essen gehen, Aktivität mit Freunden.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)
Nein, zum heutigen Zeitpunkt kann ich mir das nicht vorstellen. Die negativen Ereignisse erstrecken sich über mein halbes Leben. Viele Situationen empfand ich nach dem Konsum als sehr schlimm, ich bin in ein tiefes Loch gefallen während der Tage nach dem Konsum, in denen ich mich reflektiert habe. Diese Taten, unangenehme Situationen, ausfallende Erscheinungen, Konflikte mit Familie und Freunden, Gefährdung meiner Beziehung, nun das Verletzen einer außenstehenden Person zeigen für mich, dass ich mich während des AK nicht unter Kontrolle habe. Ich bin sehr stolz auf meine Entwicklung und möchte nicht wieder zurück in die alten Gewohnheiten.

29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Ich werde in Zukunft weiterhin abstinent leben.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Aufgrund der Zeit und Umfang der Fragen habe ich nicht immer so detailliert geantwortet, dies bitte ich zu entschuldigen. Ich habe einen Großteil bereits in der MPU Vorbereitung während der Arbeit mit meinem Suchtberater erarbeitet und habe mich weiterentwickelt. Gehe ich nun den Fragebogen von mir nochmal durch, bemerke ich wie schlimm mein AK wirklich war. Es gab auch schöne Ereignisse während des AK und gerade in meiner Jugendzeit gab es tolle Erlebnisse mit meinem Freundeskreis, auch unter AK, welche ich nicht missen möchte. Die Ereignisse in meiner Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern, blicke allerdings positiv gestimmt auf meine Zukunft und freue mich auf einen weiteren Lebensabschnitt, in welchem ich mich auf die eigentlichen Dinge im Leben konzentrieren werde. Ich Danke Euch jetzt schon für den Austausch :)

Lieben Gruß, Johann
 
Aufgrund der Zeit und Umfang der Fragen habe ich nicht immer so detailliert geantwortet, dies bitte ich zu entschuldigen. Ich habe einen Großteil bereits in der MPU Vorbereitung während der Arbeit mit meinem Suchtberater erarbeitet.
Das ist momentan auch mein Problem.
Mit der Aufarbeitung bzw. der Kürze der Antworten kann zumindest ich nicht beurteilen, ob es ausreichend ist für eine positive Prognose.

Insbesondere die Säulen, Konsumhistorie, Motiv und Vermeidungsstrategien sind mir so viel zu dünn.

LG :smiley138:
 
Ich bin nie unter Alkoholeinfluss Auto gefahren, allerdings habe ich in regelmäßigen Abständen (zirka jedes zweite Wochenende) an Tagen der Ausnüchterung mit Restalkohol ein Fahrzeug geführt
Solche gruseligen Verharmlosungsversuche solltest Du in der MPU möglichst unterlassen. Du bist seit Jahren andauernd unter Alkoholeinfluss gefahren, Punkt! Dem wirksamen Alk im Blut ist es egal, wann der getrunken wurde.


kann zumindest ich nicht beurteilen, ob es ausreichend ist für eine positive Prognose.
geht mir auch so. Insgesamt wirkts bisschen "vorgebetet", sehr viele Standardantworten, bei denen man nicht merkt, dass es um DICH geht. Viele "Überschriften ohne Inhalte", also Oberflächengeblubber. Ich glaube, als Gutachter würde ich da bei vielen Punkten mal auf "echten Erlebnisgehalt" abtesten..
Und bei Frage 24 dachte ich mir nur: oh, jetzt wird er aber heilig!

Und: Deine Stabilitätskriterien sind recht wackelig und ich sehe keine Notfallbox für den Notfall. Was ist, wenn Deine Freundin als Stabilisator mal wegbricht? Woran merkst Du, dass Du wieder wegbrichst? Und: merkst Du es rechtzeitig? Auf welche Weise genau? ...

Übrig bleibt ein Gefühl von "gut gelerntes Geschichtelchen, das mit DIR aber nur wenig zu tun hat, eine hübsch getanzte Show für den Gutachter". Reicht, ganz oberflächlich, zum Abhaken der buk-Kriterien, aber dahinter wirkt es hohl. Ein guter Gutachter wird recht interessiert prüfen, obs nur Blubberblasen sind oder ob was dahintersteckt.
 
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