Guten Morgen, ich wollte in Bezug auf Rückfallprophylaxe / Zukunftsprognose gerne noch etwas hinzufügen. Ich war ja ein aktives Mitglied in meiner Selbsthilfegruppe, sogar stellvertretende Gruppenleiterin. Ich habe bei der Drob die Probleme angesprochen, mir wurde ich sag mal vorsichtig von einem Wechsel abgeraten, aber im Laufe der Zeit haben sich in meiner damaligen Selbsthilfegruppe Veränderungen ergeben, die für mich zunehmend belastend wurden. Innerhalb der Gruppe entstanden Spannungen und unterschiedliche Vorstellungen, wodurch sich die Atmosphäre spürbar veränderte. Mehrere Teilnehmer verließen die Gruppe, und auch ich merkte, dass mich die Situation innerlich immer stärker beschäftigte.
Zunächst wollte ich trotzdem bleiben. Mir fiel es schwer, die Gruppe loszulassen, weil mir Zusammenhalt und Verantwortung wichtig sind. Ich habe versucht, mich weiterhin einzubringen und die Situation mitzutragen. Gleichzeitig merkte ich jedoch, dass mich die Gruppensituation mehr Kraft kostete, als sie mir Stabilität gab.
Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass ich wieder in ein altes Muster geriet: Ich achtete sehr auf das Wohl der anderen und stellte meine eigenen Bedürfnisse zurück. Dabei übersah ich, dass eine Selbsthilfegruppe für mich ein sicherer Ort sein sollte, an dem ich zur Ruhe kommen kann und nicht dauerhaft unter innerer Anspannung stehe.
Bevor ich eine Entscheidung traf, habe ich mir bewusst Rat von außen eingeholt und eine andere Gruppe besucht. Dort erlebte ich einen ruhigen, wertschätzenden Abend und spürte deutlich, wie entlastend eine harmonische Atmosphäre für mich ist. Das hat mir gezeigt, was ich für meine eigene Stabilität brauche.
Letztlich habe ich mich deshalb entschieden, die bisherige Gruppe zu verlassen und einen Neuanfang in einer anderen Selbsthilfegruppe zu machen. Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber sie war für mich ein wichtiger Schritt. Zum ersten Mal habe ich nicht aus Pflichtgefühl gehandelt, sondern meine eigene Stabilität und Zufriedenheit ernst genommen.
Heute sehe ich diesen Wechsel als Teil meiner persönlichen Entwicklung. Ich habe gelernt, gesunde Grenzen zu setzen und Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Die neue Gruppe gibt mir wieder das Gefühl von Ruhe, Offenheit und Unterstützung, das ich für meinen weiteren abstinenten Weg brauche.
Ich habe meiner Beraterin dann einen Brief geschrieben, ihr meine Gründe und mein Vorgehen geschildert.
Sie hat letztendlich doch positiv auf meine Entscheidung reagiert, denn ich habe
-meine Entscheidung reflektiert
-vorher Beratung gesucht
-keine impulsive Handlungen gemacht
-klare Selbstfürsorge getroffen
-Abgrenzungsfähigkeit bewiesen
Manchmal ist ein Rückschritt auch ein Fortschritt. Mein alter Weg wäre
Anpassung & Aushalten gewesen.
Die Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer werde ich trotzdem antreten, auch wenn ich die nun aus eigener Tasche bezahlen müsste.