Haha, danke euch Das freut mich wirklich sehr. Und danke für eure lieben Worte. Das bedeutet mir wirklich viel.
Ich glaube, ich hatte großes Glück, dass mir der Gutachter von Anfang an sympathisch war – noch bevor ich wusste, dass er mein Prüfer sein würde.
Er hat mich tatsächlich öfter gebremst. Das war aber überhaupt kein unangenehmes Gefühl, sondern eher nach dem Motto: „Das reicht mir so.“ Manches muss eben nicht wortwörtlich erzählt werden. Einmal musste ich sogar grinsen: Als ich erzählen wollte, dass ich meinen Mann während seiner Entgiftung kennengelernt habe (im Gutachten stand ja SHG), sagte er nur: „Das interessiert mich jetzt nicht so.“
Trotz meiner Nervosität und der langen Wartezeit, bis ich überhaupt dran war – die anderen Klienten hatten ihre Stationen fast alle schon durch –, konnte ich erstaunlich flüssig erzählen. Im Nachhinein dachte ich zwar an der einen oder anderen Stelle: „Da hättest du dich etwas gewählter ausdrücken können.“ Aber vielleicht war ich gerade deshalb authentisch.
Eine Konsumkurve mitzubringen kann ich übrigens nur weiterempfehlen – die kam wirklich sehr gut an. Dadurch wurde zwar meine erste Trunkenheitsfahrt zum Thema. Schon die Ärztin sprach sie an, obwohl sie gar nicht mehr in den Akten gewesen wäre. Ich sagte ihr, dass ich das wisse, diese Straftat für mich aber trotzdem zu meinem Lebenslauf gehört und deshalb auch dazugehört. Ich glaube, genau diese Antwort hat einen guten Eindruck hinterlassen. Dass ich sogar das genaue Datum noch wusste, fand der Gutachter bemerkenswert. Er musste schmunzeln und meinte: „Da hat meine Schwester Geburtstag.“
Interessanterweise spielten die Trinkmengen vor der ersten Trunkenheitsfahrt eine deutlich größere Rolle als die Mengen während meines zweiten Trinkabschnitts.
Auch meine DBT-Therapie kam sehr gut an. Ich hatte vorher Sorge, dass sie möglicherweise nicht als suchtbezogene Therapie anerkannt werden könnte. Diese Angst war völlig unbegründet.
Etwas ausführlicher ging der Gutachter auf meinen Mann ein. Er fragte, warum er zur Tatzeit im Krankenhaus war, wer von uns beiden heute der stärkere Part ist und wann mein Mann während meiner Rückfallzeit selbst getrunken hat. Un warum mein Vater mich zur Arbeit fährt hat ihn auch irgendwie sehr interessiert.
Das Thema Gewalt wurde dagegen nur kurz angesprochen. Ich habe erklärt, dass ich Gewalt in jeder Form ablehne und niemals gutheiße. Gleichzeitig konnte ich durch meine Aufarbeitung einen anderen Blick auf meine Vergangenheit entwickeln. Außerdem habe ich erzählt, dass wir weiterhin gemeinsam zur SIA gehen (im Gutachten als Gespräche mit dem Psychiater bezeichnet) und uns inzwischen wieder auf Augenhöhe begegnen.
Mein Mann konnte den Gutachter morgens sogar noch kurz kennenlernen, weil er mich begleitet hatte. Nach der Anmeldung durfte allerdings kein Angehöriger mehr im Institut bleiben.
Da mir andere Klienten erzählt hatten, der Gutachter frage am Ende immer, ob man noch etwas ergänzen möchte, hatte ich meine Mappe schon gedanklich bereitgelegt. Ich wollte dann zum Schluss vielleicht noch zeigen, was ich zusätzlich alles aufgearbeitet habe. Diese Frage kam bei mir aber gar nicht. Stattdessen sagte er irgendwann einfach nur: „Ja, sieht gut aus.“ Damit war die Begutachtung praktisch beendet.
Auch bei der Ärztin hatte ich überhaupt nicht das Gefühl, eine Prüfung ablegen zu müssen. Das Gespräch fühlte sich eher an wie ein Termin bei meiner Hausärztin.
Sie fragte mich nach meinen Tabletten (Doxycyclin). Ich erklärte, dass ich sie im Rahmen einer halbjährigen Therapie gegen Rosacea einnehme. Daraufhin meinte sie: „Mensch, das sieht doch gut aus. Ich weiß ja nicht, wie es vorher ausgesehen hat.“ Ganz spontan antwortete ich: „Es sah vorher schlimm aus. Ist ja auch kein Wunder – unter Alkohol und dann auch noch Rotwein. Das ist bei Rosacea quasi Gift.“
Auch zu meiner Neurodermitis stellte sie Fragen. Ich sagte ganz salopp, dass sie bei mir auch viel mit der psychischen Verfassung zusammenhängt. Wenn ich ausgeglichen bin, ist auch die Neurodermitis deutlich ruhiger.
Meinen Blutdruck fand sie trotz meiner Aufregung ebenfalls gut. Da konnte ich ihr sagen: „Ja, ich schaffe es inzwischen, mich selbst wieder runterzuregulieren.“ Sie sagte mir nach der Untersuchung schon, dass ich medizinisch bestande hätte.
Ach ja,
Nach dem Gespräch ist mir aufgefallen, wie oft ich das Wort „man“ benutzt habe. Irgendwann habe ich dann selbst gesagt: „Sorry, ich weiß – es ist meine MPU und mein Leben und nicht das von Max Mustermann.“
Der Gutachter hat das ganz locker aufgenommen.
Ach ja, ich hatte ja nur 12 Monate Haarabstinenznachweise. Trotzdem hat der Gutachter von sich aus 21 Monate belegbare Abstinenz anerkannt. Er hat die Entgiftung, die Wartezeit bis zu der Therapie (hier erklärte ich, musste vorher bereits min. 5 Monate abstinent sein, um überhaupt für die DBT aufgenommen zu werden), sowie meine regelmäßigen Besuche bei SIA, DROB und die Therapie mit einbezogen. Die Blutwerte musste ich letztlich gar nicht abgeben – ich hatte sie der Ärztin nur gezeigt, die meinte lediglich: „Die sehen ja wieder top aus.“
Ich möchte diesem grandiosen Forum sehr gerne erhalten bleiben. Es ist in den vergangenen mehr als sechs Monaten zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden und hat mir sehr dabei geholfen, mein Leben aufzuarbeiten. Deshalb möchte ich auch in Zukunft anderen MPUlern mit meinen Erfahrungen unterstützend zur Seite stehen.
