Hallo zusammen. Es kam einige Bewegung in den Fall und ich möchte euch diese nun eröffnen.
Nachdem der Einspruch eingeworfen war kam umgehend die Vorladung, welche auf 23.7. festgesetzt wurde. Ich habe den Einspruch zurückgenommen und nun ist parallel auch die Meldung der Führerscheinstelle eingetroffen: 19.10. diesen Jahres ist Stichtag für die Abgabe einer positiven MPU. Fragestellung ist:
"Ist zu erwarten, dass er zukünftig KFZ unter Alkoholeinfluss führen wird und / oder liegen als Folge unkontrollierten Alkoholksonums Beeinträchtigungen vor .... ?"
In der Zwischenzeit habe ich auch schon ein paar Einzeltermine in der Suchberatung sowie Sitzungen der Gruppentherapie besucht. Nun muss ich mich also um alles Weitere kümmern, ich bin schon etwas getroffen, dass dies alles in Regelzeit abläuft.
Mithilfe meiner neuen Erkenntnisse habe ich versucht, so gut es geht den Fragebogen nach 2 Monaten der steigenden Einsicht auszufüllen.
Ich hoffe, Ihr seid ordentlich streng versteht aber auch, dass ich mir bewusst bin, wie weit der Weg noch ist. Aber unfassbar, was ich schon gelernt habe. Sollte etwas verharmlost klingen oder ihr denken, dass ich irgendwo etwas weggelassen habe, sprecht mich gerne darauf an.
Tathergang
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
An besagtem Tag war ein Weinfest hier in der Nähe. Ich habe mich mit eine Gruppe Freunden bereits gegen 15:00 Uhr getroffen und wir haben noch etwas Sport gemacht und gegen 16:00 die erste Weinschorle getrunken. Der letzte Wein wurde um 00:00 gekauft, da dies gleichzeitig das Ende des Weinfestes war. 90 Minuten später haben wir uns dann auf den Weg nach Haus gemacht. Gegen 01:30 (nicht wie von mir angenommen 00:30, diese Info habe ich jetzt vom Strafbefehl) wurden wir nach 100 m auf dem Fahrrad zu dritt angehalten. Kein Vorderlicht und Schlangenlinien waren die Auffälligkeiten. 0,5 , 1,5 und 2,0 Promille hat die AK der Polizei bei uns drei ergeben.
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
0,25 Weißweinschorle mit Weißwein mit 10% Alkohol im Mischverhältnis drei fünftel zwei fünftel circa im halben Stundentakt zwischen 16:00 und ca. 01:00.
Der Trinkrhythmus vor bis zum Einsetzen meines Filmrisses gegen 23:00 ähnlich, danach kann ich es nicht mehr rekonstruiieren. Kein anderer Alkohol wurde konsumiert.
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
100m Fahrstrecke, ich wäre 4km nach Hause gefahren.
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Hier muss ich ehrlicherweise sagen: eine Einschätzung ist schwierig, da ich nur noch Bruchstücke der Situation weiß. Ich habe etwas gebraucht, um loszufahren, da ich mein Vorderlicht nicht fand. Dann bin ich aufgestiegen und 10 Sekunden gefahren. Vielleicht hätte mich eine längere Fahrzeit realisieren lassen, wie betrunken ich bin, was aber reine Spekulation ist und hier vermutlich nicht hingehört.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Mein Plan war, nicht so viel zu trinken. Meine Freundin und ich hatten am nächsten Tag Programm - allerdings war ihr dann im Laufe des Abends etwas übel und sie ist nach Hause gegangen (begleitet). Wir haben dann gesagt, dass wir nichts planen und erst dann kam es zum übermäßigen Konsum. Da es keine Straßenbahn gibt, musste ich mit dem Fahrrad nach Hause oder laufen. Da ich nicht laufen wollte war mein Plan, nicht zu viel zu trinken.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Hier bin ich mir unsicher - alkoholisiert im Sinne von das Level von meiner TF? Dann noch nie.
Alkoholisiert im Sinne von Restalkohol vom Vortag oder mit Promille, viele hundert Male auf dem Fahrrad. Ich möchte mich davon differenzieren, dies mit dem Auto getan zu haben. Ich hasse als Freiburger Autofahren und würde dies unter keinen Umständen mit Alkoholeinfluss tun. Niemals im Auto oder einem anderen Verkehrsmittel als dem Fahrrad. Keine Auffälligkeiten wie Unfälle oder Stürze. Keine Polizeikontrollen.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
(siehe oben, bin unsicher) viele hundert Male vermutlich mit mindestens 0,1 Promille.
Ich folgere mehr daraus als nur "erwischt" worden zu sein. Die Konsequenz wurde mir bereits jetzt in der frühen Phase der Aufarbeitung bewusst, immer wieder habe ich Horrorgeschichten von Unfällen gehört, dachte aber immer, dass ich selbst niemals soweit gehen würde. Dass es dann so schnell geht und die Hemmschwelle für mich derart gering war, zeigt, wie wenig ich mich im Vorfeld damit auseinander gesetzt habe.
Egal was die Einschätzung ergeben wird, ich werde mich niemals mehr alkoholisiert aufs Fahrrad setzen, da ich keinen Alkohol mehr trinken werde.
(Soll ich hinzufügen: Vorbeugen kann ich das, indem ich nur mit dem ÖVP oder zu Fuß unterwegs bin???)
Da ich weder Scooter noch Auto jemals mit Alkohol gefahren bin, behalte ich dieses Verhalten bei.
Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Meine erste Erinnerung an Alkohol ist ein Probeschluck, denn ich mit 6 oder 7 Jahren bei meinem Großvater genommen habe. Für ihn war das wohl ein Spaß, ich war wohl neugierig. Es hat widerlich geschmeckt und ich hatte bis zum ersten Konsum keinen persönlichen Kontakt mit Alkohol, auch wenn es manchmal schwierig war im Freundeskreis.
Mein erster Konsum war mit 15 Jahren nach einem Fußballspiel, kein Bier, da es mir nicht geschmeckt hatte, sondern diverse Longdrinks. Der Abend war nach 2h mit Erbrechen beendet. Ein Jahr ohne Alkohol war die Folgerung, weil meine Eltern mich auch dahingehend vehemend bestraft hatten.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Ich habe vor allem während des Studiums (2014-2019) drei bis vier Mal in der Woche Alkohol getrunken. Also sehr regelmäßig, in den Semesterferien habe ich gearbeitet und fast keinen bzw. während der Prüfungsphase immer einen Monat keinen Alkohol konsumiert.
Nach dem Studium (2020-2023) hat sich der Alkoholkonsum auf 1-2 Mal am Wochenende verschoben, unter der Woche kam es selten vor, dass ich getrunken habe, da mir Alkohol einfach nicht geschmeckt hat. Ich hatte kein Verlangen im eigentlichen Sinne. Vor allem während Covid gab es Wochen, in denen ich kein Alkohol getrunken habe. 2022 nahm der Alkoholkonsum wieder mehr zu, auch unter der Woche habe ich mal hier mal da ein Bier oder zwei getrunken, ich wurde zum Genießer. In Kombination mit Räuschen an den Wochenenden habe ich eine sehr hohe Toleranz entwickelt.
2023 - Mitte 2025 habe ich in Südamerika gelebt, wo Alkohol eine ganz andere Rolle spielt. Ich habe keinen großen sozialen Kreis gehabt und wir sind so viel gereist, dass sich der Konsum nur aufs Wochenende verlagert hatte. Die Mengen an Bier, die ich getrunken habe, wurden mehr, da der Prozentgehalt niedriger ist und ich höhere Mengen konsumiert habe, bis es mir nicht mehr geschmeckt hat oder ich betrunken war.
Zurück in Deutschland habe ich vor allem zu Beginn oft getrunken, teilweise 4-5 Mal die Woche, aber jedes Mal zwischen 1-4 Bier, kein vergleichbarer Kontrollverlust. Dann wurde es wieder mehr und ich habe gemerkt, wie hoch die Toleranzschwelle schon ist. Es gab Tage (an Wochenenden), an denen ich 3-5 Liter Bier konsumiert habe.
Ein paar Monate nach meiner Rückkehr habe ich beschlossen, unter der Woche keinen Alkohol mehr zu trinken, sondern nur noch am Wochenende. Das hinderte mich aber nicht daran, an Tagen mehr als 3 Liter Bier zu trinken und Ausfallerscheinungen an den Tag zu legen, wie Sprachprobleme oder motorische Aussetzer.
Seit der Schwangerschaft meiner Frau verzichtete ich noch mehr auf Alkohol in ihrem Beisein. Seit 9 Monaten habe ich unter der Woche keinen Alkohol mehr getrunken. Oft ist das Problem, dass der Konsum, wenn er stattfindet, nicht mehr gesellschaftlich war. Das heißt wenn ich trinke, dann außerordentlich viel. Wie an besagtem Abend. Ich hatte viele Jahre keinen Wein mehr getrunken, das letzte Mal 2022 auf einem Weinfest, und da es ein gemeinsames Event war, habe ich mir der Gruppe angeschlossen und Geschmack daran gefunden. Ich habe den Wein getrunken wie Bier und völlig die Kontrolle verloren.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Wenn wir vom letzten Jahr sprechen:
1-2 Mal die Woche. Bier mit 5,0% zwischen 2-8 0,5l Flaschen / Gläser an einem einzigen Tag.
Seit Januar 2025 ungefähr 2-4 Liter Bier die Woche, seit Mitte letzten Jahres nur aufs Wochenende verlagert. Es gab auch Tage, die diese Marke bei Weitem überschritten.
Das einzige Mal etwas anderes als Bier habe ich am Tattag getrunken. (Vielleicht ist das eine glaubhafte Erklärung für diese exorbitante Menge an Blutalkohol.)
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Da wir zuhause normalerweise keinen Alkohol haben, ausschließlich auswärts oder wenn wenn wir Gäste eingeladen haben.
Ich trinke alleine ohne Beisein von anderen keinen Alkohol, auch wenn ich mich als Genießer bezeichnen würde. Das ist noch nie vorgekommen. Ich trinke allerdings Alkohol, wenn andere Menschen dabei sind, die keinen Alkohol trinken.
Wenn ich Alkohol trinke, dann mit Freunden oder Familie. Das kann auf dem Sportplatz sein, auf einem Fest oder im Urlaub.
(Muss das ausführlicher sein??? Hab das Gefühl, das Augenmerk sollte irgendwie auf mein Verhalten in der Zukunft liegen, aber ich kann noch mehr schreiben).
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
(Soll ich hier über die Ergebnisse der Therapie schreiben?)
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
(Soll ich hier über die Ergebnisse der Therapie schreiben?)
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)
DAS VERSTEHE ICH NICHT…
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Unsere Freundesgruppe hat ein homogenes Trinkverhalten. An diesem Abend bin ich der Vollste gewesen, der geradelt ist - die anderen sind aber noch weiter gezogen und hatten den gleichen Zustand. Mir wurde von dieser Seite nicht kritisch gespiegelt, wie problematisch mein Umgang mit Alkohol ist. Was für die meisten Menschen offensichtlich ist, fehlte mir völlig. Ich habe nun erst die Augen geöffnet bekommen und bin sehr froh darüber. Andere negative Töne zu meinem Konsum muss ich ausgeblendet haben.
Meine Frau hat gesagt, dass Sie in der Schwangerschaft gerne unterstützt werden würde und ich ihrem Beisein nicht viel trinken solle, was ich getan habe.
Meine Familie hat mich nach dem Vorfall in der Jugend nicht mehr mit einem Kontrollverlust erlebt, daher gab es da auch keine Gespräche.
15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Ich hatte oftmals keine Motivation, mit einem Kater aufzustehen. Ich habe dann trotzdem Unternehmungen gemacht, aber es war nicht spaßig. Auch beim Sport habe ich einen Unterschied gemerkt, hielt das allerdings für völlig normal. Hinzu kam, dass ich während des Studiums viel Geld in s Feier gesteckt habe - im Nachhinein sehr dämlich. Das sich Freunde von mir distanzierten oder ich Beziehungsprobleme dadurch hatte, wie ich es hier oft gelesen habe, ist nie der Fall gewesen.
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Während des Studiums war es häufiger, da ich mehr Zeit hatte und man sich häufiger getroffen hat. Aber die Menge an Alkohol, die ich vertrage, war nie höher. Das liegt vermutlich daran, dass ich mittlerweile 13kg mehr wiege als damals und nur noch Bier trinke, das aber in höheren Mengen.
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja, am Tattag und weitere Male (muss ich hier genauer werden?)
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja, ich habe im Ausland ein Jahr auf Alkohol verzichtet, weil ich Probleme mit der Ernährung hatte und in jeder Prüfungsphase, um besser lernen zu können.
Auch gab es einen Vorfall mit Alkohol als ich das erste Mal getrunken habe, nachdem es mir so peinlich war, gekotzt zu haben, dass ich für lange Zeit nicht mehr getrunken habe (ein Jahr).
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Ich habe mir früher keine Gedanken um meinen Konsum gemacht und wenn dann eher als Gelegenheitstrinker. Dieser Zahn wurde mir nicht erst mit den 2,49 Promille gezogen, sondern definitiv in jeder Sitzung, die ich besucht habe. Ich habe mir einfach nicht genügend Gedanken gemacht, das steht auch sehr schön im Strafbefehl geschrieben: „Sie hätten in der Lage sein müssen zu wissen, dass Sie kein Fahrzeug mehr steuern können“. Ja, ich hätte wirklich wissen können, dass ich mein Leben hätte ruinieren können.
Heute würde ich sagen, dass es Alkoholmissbrauch war. Einen Kontrollverlust zu erleiden ist ein offensichtliches Zeichen dafür, dass ich mit Alkohol nicht gelernt habe umzugehen und es auch in Zukunft nicht lernen kann.
Heute und in Zukunft
20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein, nein, nein.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
Am Tattag.
22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Kurz nach dem Tattag ja, weil mir nicht klar war, dass ich meine Geschmacksknospen erweitern muss und andere Horizonte entdecken. Mittlerweile nicht mehr, weil es einfach auf jeder Party tolle Aperitifs gibt, die ohne Alkohol sind. Dabei hat es mir sehr geholfen, dass meine Frau schwanger ist - bei jeder Einladung gab es leckere Getränke. Ich vermisse Bier überhaupt nicht.
Ob ich Zukunft wieder alkoholfreies Bier trinken werde? Es gibt keine Studie die zeigt, dass es eine Einstiegsdroge für Alkoholkonsum ist und ich glaube, dass differenzieren zu können, sobald ich lange genug in Therapie war, es gründlich aufgearbeitet habe und lange ganz darauf verzichtet habe. Aber aktuell reizt es mich nicht und wenn, dann würde ich 0,0% Bier trinken.
23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
(Siehe 24? Ich finde, hier ähneln sich die Fragen…)
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Es hat m.E. einen solchen Vorfall gebraucht. In meinem Freundeskreis kam die Debatte nicht auf und ich finde, es braucht jemanden, der dies einem spiegelt, dass man ein Problem hat. Es tut sogar sehr gut, wenn das passiert, ich genieße jede Sitzung, in der ich etwas über mich lerne.
Keinen Job mehr zu haben und seine Familie nicht mehr ernähren zu können, weil man sich beim Trinken in ein Delirium säuft und den Führerschein verliert, ist Motivation genug, es nie wieder zu tun. Ich hielt mich für einen Gelegenheitstrinker, so habe ich mir um den Konsum quasi keine Gedanken gemacht - das war ein Fehler, den Missbrauch habe ich nun eindeutig aufgezeigt bekommen, meine Fehler eingesehen und bin 100% positiver Dinge, dass sich mein Leben verbessert hat, seit ich nicht mehr trinke.
25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Also eine Woche habe ich schon gebraucht, um dass alles zu realisieren. Ich habe viel Zeit in die Recherche zur Suchthilfe gesteckt und irgendwann dann auch in die MPU Vorbereitung, weil ich davon ausging, dass ich bald einen Brief erhalten werde. Ich habe mich am Morgen nach der Kontrolle ohne großes Wenn und Aber für einen zukünftigen Verzicht entschieden und dies nicht ein einziges Mal bereut.
Auch unserer kommenden Hochzeit sehe ich mit großen Erwartungen entgegen. Es gab keine Situationen, in der es mich gereizt hat, zu trinken. Zu sehr ekelt mich mein rücksichtsloses Verhalten und die Promillezahl an. Ich weiß, dass sich diese Ansicht mit mehr und mehr Distanz zum Tattag ändern kann - dann wird es mir leicht fallen, meine Ängste und Sorgen in der aktuellen Zeit als Gedankenstütze und Motivation hervorzurufen.
26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Selbst in der kurzen Zeit von ein paar Monaten schlagartig. Es gibt keine Katertage mehr, ich habe mehr Geld und Lust, neues auszuprobieren (vor allem kulinarisch). Und vor allem: Schlaf, mit Alkohol war ich immer motivierter, länger wach zu bleiben. Jetzt kann ich auch eine Party verlassen, wenn ich müde bin, ohne Angst haben, etwas zu verpassen. Ich bin fitter denn je und habe meinen ersten Staffeltriathlon absolviert. Von Montag bis Freitag ist mein Leben jetzt nicht sonderlich anders getakted, aber ich merke, dass ich mir meiner eigenen Bedürfnisse Herr werde.
27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Vor allem im Einzelgespräch mit der Suchtberaterin konnte ich die Auslöser meiner TF identifizieren und ich habe tiefere Erkenntnisse zum Thema Alkohol und deren Auswirkungen auf mich und v.a. den Verkehr gewonnen. Meine Frau unterstützt mich genauso wie meine Therapeutin und Familie und ich bin viel sensibler im Umgang mit meinen eigenen Bedürfnissen geworden. Meine Freunde haben meine Entscheidung von Tag 1 akzeptiert und mir den Rücken gestärkt.
28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?(mit Begründung)
Wenn man einmal in dem Prozess der Verlustangst war, die mit der MPU einhergeht (schwangere Frau bei ET nicht ins Krankenhaus fahren zu können, Jobverlustängste, da ich auf den Führerschein angewiesen bin, Angst, das mein Kind seinen Vater verlieren könnte, wenn ich betrunken fahre), ist es mir unerklärlich, wie man jemals wieder auch nur ans Trinken denken kann.
Ich habe in der Gruppentherapie gelernt, sensibel auf Veränderungen zu achten und so schnell wie möglich Hilfe anzufordern. Verschiedene Beispiele von anderen Teilnehmern haben mir aufgezeigt, dass bereits ein einziger Rückfall eine verheerende Wirkung mit sich zieht.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Da ich keinen Alkohol konsumiere, weder aktuell noch in Zukunft, ist es ausgeschlossen, dass ich das muss.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
(Was soll ich da sagen? Muss ich mal im Gespräch schauen, aktuell nein).