MPU wegen Amphetaminen

Pete99

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Hallo liebes Forum,

Am 15.09.19 um 6 Uhr morgens wurde ich bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle angehalten und kontrolliert. Es war reiner Zufall, da ich eigentlich keine Auffälligkeiten im Fahrverhalten gezeigt habe. Nach viel hin und her reden habe ich mich zu einem Drogen Schnelltest breitschlagen lassen welcher dann positiv auf Amphetamine angeschlagen ist. Es ergab sich ebenfalls ein kleiner Anschlag auf Cannabinoide. Das toxikologische Ergebnis meiner Blutprobe ergab eine Amphetamin Konzentration von 82 µg/l. Komischer Weise wurden keine Auffälligkeiten bezüglich von Cannabis mit aufgeführt. Als ich meine Akte bei der Führerscheinstelle eingesehen habe, stand jedoch unter Cannabinoiden positiv, jedoch ohne jegliche Werte hinsichtlich der Konzentration.
Ende Januar kam nun der Bescheid meine Fahrerlaubnis entziehen zu wollen. Ich entschied mich wie die meisten, auf meine Fahrerlaubnis zu verzichten.
Ab dem Zeitpunkt meiner Auffälligkeit blieb ich abstinent. Durch den ersten Lockdown im Frühjahr konnte ich jedoch meine 1. Haarprobe erst Ende Mai abgeben. Die 2. Haarprobe erfolgte dann am 11.11.20. Nun steht meine MPU am 3.2.21 an.

Zu meinem FB:

Zur Person:
männlich, 26 Jahre alt

Was ist passiert:
Drogensorte: Amphetamine, Cannabis
Konsumform: Amphetamin als Medikament (Dexamphetamin) als Saft zur oralen Einnahme in der Nacht vor der Fahrt (letzte Einnahme ca. 0 Uhr), Menge: ca 1/3 der Flasche was ca. 30mg entspricht (deutlich überdosiert). Cannabis zuletzt eine Woche vor der Fahrt (am Sonntag davor, 2 Joints zu 3. mit jeweils ca. 0,3g Cannabis)
Amphetamin Konsum zu der Zeit eben am Tag bzw. in der Nacht der Auffälligkeit, ansonsten einige Monate zuvor in der Prüfungsvorbereitung auf das 1. Staatsexamen. Zu dieser Zeit 2 malige Einnahme und Einnahme von Ritalin 10mg pro Tag über 10 Tage (in der Endphase)
Der Cannabis Konsum war recht unregelmäßig. Er fand immer nur mit meinem damaligen Mitbewohner statt. Ca. 2-3x pro Monat über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten.

Stand des Ermittlungsverfahrens:
abgeschlossen. Ereignis wie gesagt am 15.09.19
Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit. Strafe bezahlt, keine Strafanzeige oder Verurteilung
Keine Anzeige, da ich keine Drogen/Medikamente bei mir hatte. (Bin bisher auch nie dahingehend aufgefallen)

Führerschein:
Hab ich noch: nein
Hab ich abgegeben: ja
Hab ich neu beantragt: ja

Führerscheinstelle:
Hab schon in meine Akte geschaut: ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten: Straftaten keine, Verstöße: 1 Punkt wegen zu schnellem Fahren (ca. 25 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften)
genaue Fragestellung:
"Liegen bei dem/der Klientin keine Hinweise auf Drogenmissbrauch/Drogenabhängigkeit mehr vor? Besteht eine stabile Drogenabstinenz und ist daher zu erwarten, dass er ein Kraftfahrzeug nicht oder nicht mehr unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln führen wird? Liegen als mögliche Folgen übermäßigem Drogenkonsums keine Leistungsbeeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs in Frage stellen?"

Bundesland:
Verkehrskontrolle in NRW, Fsst. in Hessen
Orte aus Anonymitätsgründen entfernt und durch BL ersetzt. *Nancy*

Konsum:
Ich konsumiere noch: nein
letzter Konsum: 14.09.19

Aufarbeitung:
Supervison (Coaching, Beratung) mehrere Einzeltermine seit März 2020 bis November 2020

MPU:
Datum: 03.02.21
Stelle: ProSecur Frankfurt

Altlasten:
kein Rückfalltäter
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

funkytown

Erfahrener Benutzer
Komischer Weise wurden keine Auffälligkeiten bezüglich von Cannabis mit aufgeführt. Als ich meine Akte bei der Führerscheinstelle eingesehen habe, stand jedoch unter Cannabinoiden positiv, jedoch ohne jegliche Werte hinsichtlich der Konzentration.
Das wird daran liegen, dass du kein aktives THC mehr im Blut hattest und dich somit nicht (dafür) strafbar gemacht hast. Bei der Meldung an die FSST wird es idR trotzdem reingeschrieben (deswegen kannst du die FE such verlieren, obwohl du nie high gefahren bist). Wenn keine Werte angegeben sind, ist es möglich, dass du so gerade an der Nachweisgrenze gekratzt hast - warum dann allerdings der Schnelltest anschlug, kann ich nicht sagen. Deren cutoff ist deutlich höher als im Labor.
 

Pete99

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ah okay das kann natürlich sein. Danke schonmal für deine Rückmeldung. Ich werde in den nächsten Tagen auch mal die gängigen MPU Fragen dazu beantworten und hier posten.
Freue mich über jegliche Rückmeldung!!
 

Pete99

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Vorgeschichte


1.) Wann haben Sie das allererste Mal von illegalen Drogen gehört?

In der Schule im Biologie Unterricht in der 7. Klasse (mit ca. 12 Jahren)



2.) Wann haben Sie das erste Mal konsumiert? (Datum)

Alkohol das erste Mal mit 15 Jahren

Cannabis im Mai 2018 mit 24 Jahren als ich zu meinem damaligen Mitbewohner gezogen bin.

Ritalin im Februar 2019 bzw. Dexamphetamin ebenfalls im Februar 2019 im Rahmen meiner Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen



3.) Wie sah der Konsum aus? (Konsumbiografie-Was, Wie, Welche Gelegenheit?)

Alkohol ab dem 17. Lebensjahr ca. 1-2x pro Monat zum Wochenende. Immer im Rahmen eines Treffens mit Freunden oder auf Partys. Ab dem 20. Lebensjahr deutlicher Rückgang, da ich mich auf den Sport (Fitness) fokussiert habe. Zu Beginn des Medizinstudiums im April 2017 weiter reduziert. Lediglich nach einer bestandenen Klausur wurde mit Komilitonen gefeiert. Dann im 2. Semester eine komplette Pause, da ich mir im Anatomie Semester keine „Hänger“ leisten konnte und eigentlich durchgehend lernfähig sein wollte. Im 3. Semester, bin ich dann umgezogen und zu meinem neuen Mitbewohner (April 2018). Zu dieser Zeit ca. 2-3x pro Monat bei Partys mit Kommilitonen. Zur Menge: i.d.R. so 1,5-2l Bier. Gelgentlich einen Longdrink

Cannabis: Wie gesagt erstmalig mit 24. Durch meinen damaligen Mitbewohner habe ich Kontakt dazu bekommen. Anlass zum Konsum waren ebenfalls treffen mit meist 1-2 Kommilitonen. Zwischen Mai und Dezember 2018 faden ca. 10 Treffen statt bei denen meist 2-3 Joints a 0,2-0,3g Cannabis enthalten waren. Dann strikte Pause bis März 2019 (nach meinem Staatsexamen) da ich ähnlich wie im Anatomie Semester keine Hänger provozieren wollte. Alkohol habe ich ebenso keinen konsumiert.

Ritalin/Amphetamin: Erste Einnahme Mitte Februar 2019. Zuerst bekam ich durch meinen Mitbewohner, der Ritalin verschrieben bekam, einen Riegel (10 Tabletten a 10mg), da ich mich im Endspurt des Examens befand nahm ich täglich eine Tablette. Über einen Kommilitonen (der Dexamphetamin bei ADHS verschrieben bekam) konnte ich eine ca. zur Hälfte gefüllte Flasche des Safts bekommen. Nachdem die Ritalin Tabletten aufgebraucht waren, nahm ich anstelle dieser dann noch 2 weitere Tage ca. 10mg ein (was jeweils etwa 1/8) entspricht.


4.) Haben Sie Drogen zusammen mit Alkohol konsumiert?

einmal Cannabis mit Alkohol (ist mir gar nicht bekommen)



5.) Wie ist der Umgang mit Alkohol gewesen?

seitdem ich mich für die Fitness begeistere (mit ca. 20 Jahren) habe ich mich weitgehend vom Alkohol distanziert. Im Sommersemester 2018 hat es jedoch häufiger Partys gegeben, bei denen ich Alkohol konsumiert habe. Es folgten aber immer wieder Phasen, in denen ich gänzlich auf Alkohol verzichtet habe. Wie zum Beispiel während der Prüfungsvorbereitungen. Seit meiner Auffälligkeit am 15.09.19 habe ich jedoch gar keinen Alkohol mehr konsumiert, was mir in vielerlei Hinsicht sehr gut getan hat. Ich verzeichne im Sportbereich immer mehr Fortschritte und fühle mich insgesamt fitter, auch wenn es nie große Mengen Alkohol waren, die ich konsumiert habe.



6.) Sonstige Suchtmitteleinnahme?

Koffein (3-4 Tassen Kaffee pro Tag)

Tabak/Nikotin (1 Packung Drehtabak für ca. 10 Tage)



7.) Haben Sie bei sich negative Folgen festgestellt?

An Tagen nach Cannabis Konsum war ich häufig recht antriebslos. Ich brauchte morgens immer einige Zeit, um wirklich wach zu werden. Ich hatte auch das Gefühl häufig mit den Gedanken abzuschweifen und es viel mir schwer, mich auf Dinge zu konzentrieren

An Tagen nach Alkohol Konsums hat es ebenfalls immer länger angedauert um in den Tag starten zu können. Sportliche Betätigung viel mir immer schwer.

An den Tagen nach Ritalin/Amphetamin Konsums habe ich keine großen Nachwirkungen feststellen können. Aber mich holten immer wieder die Emotionen ein, die ich versucht hatte durch den Konsum zu unterdrücken (Stress, Leistungs -und Zeitdruck)



8.) Haben Sie trotz negativer Folgen weiter konsumiert?

Bei Alkohol und Cannabis haben mich die Nachwirkungen meist nicht sonderlich gestört, da ich mir diese Tage immer als „Regenerierungstage“ eingeräumt hatte

An den Tagen an denen ich Ritalin/Amphetamin eingenommen hatte stand ich unter einem so großen Druck, dass mich meine Emotionen und mein mangelhafter Umgang mit diesen zum erneuten Konsum gedrängt haben



9.) Was für Werte wurden bei Ihrer Auffälligkeit festgestellt?

Serumkonzentration von 82 µg/l Amphetamin

Cannabinoide positiv (jedoch ohne weitere Angaben)


10.) Wann und wieviel haben Sie in der Woche vor der Auffälligkeit konsumiert?

Am Sonntag vor der Auffälligkeit (6 Tage zuvor) 2 Joints a 0,2-0,3g Cannabis zu 3.

In der Nacht auf den 15.09.19 gegen 0 Uhr ca. 1/3 der Dexamphetamin Flasche (ca. 30mg) auf einmal


11.) Wieviel und was haben Sie am Tag der Auffälligkeit konsumiert?

wie oben beschrieben


12.) Gab es einen besonderen Grund für diesen Konsum?

Nachdem ich mein 1. Staatsexamen bestanden hatte wurde ich exmatrikuliert, da ich nur einen Teilstudienplatz hatte. Zeitgleich vielen meine Bezüge (Bafög, Halbwaisenrente) weg und ich musste wieder arbeiten gehen, um meinen Unterhalt finanzieren zu können. Zudem hatte ich zu dieser Zeit keine Vollzeit Arbeitsstelle, weshalb ich auch auf Gelegenheitsjobs angewiesen war. Diese Situation von „nicht wissen wie es weitergeht“ und finanziellem Notstand löste in mir einen enorm großen Druck aus. Ich nahm somit jede Gelegenheit war, mir etwas dazu zu verdienen. An diesem Wochenende hatte ich Freitags, Samstags und Sonntags Frühdienst im Krankenhaus. Zusätzlich ging ich Samstag Abends auf einer Hochzeit Kellnern, weshalb ich körperlich völlig überarbeitet war und psychisch zusätzlich sehr belastet war. In dieser Nacht erschien mir der Konsum des restlichen Amphetamin Safts den ich noch aus der Examensvorbereitung hatte, als ein geeignetes Mittel mich über Wasser zu halten.



13.) Wie sind Sie auffällig geworden?

durch eine zufällige allgemeine Verkehrskontrolle auf dem Heimweg vom Kellnern


14.)Was war der Zweck der Fahrt?

Heimfahrt vom Kellnern auf der Hochzeit



15.) Wie weit wollten/sind Sie (ge)fahren?

von Bergheim nach Köln (ca. 30km) Kontrolle war an der Autobahnabfahrt in Köln



16.) Wie oft waren sie bereits unter Drogeneinfluss im Straßenverkehr unterwegs?

Zur Schulzeit hatte ich ein eigenes Auto. Jedoch hatte ich zu dieser Zeit noch nichts mit Drogen zu tun.

Als ich mit 20 in die Stadt gezogen bin hatte ich kein eigenes Auto mehr (bis heute)

Ich bin damals als ich noch bei meinem damaligen Mitbewohner gelebt habe mit dessen Auto kurze Strecken gefahren. In der Prüfungsvorbereitung bin ich 2 mal unter Wirkung von Ritalin gefahren. Ansonsten ergab sich für mich nie eine Gelegenheit.



17.) Wie haben Sie den Konflikt zwischen dem Drogenkonsum und dem Führen eines Kraftfahrzeuges gelöst?

da ich seit meinem ersten Drogenkonsum nie ein eigenes Auto hatte und fast immer alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad gelöst habe, ergab sich so gut wie nie ein Konflikt

Bei meiner Drogenfahrt, bei der ich auffällig wurde, lieh mir meine Mutter ihr altes Auto. Da es sich um ein Medikament handelte, was ich einnahm, wurde der Drogencharakter für mich derart verschleiert, dass ich keinen inneren Konflikt erspürt hatte



18.) Wieso ist es verboten unter Drogeneinfluss ein KFZ zu führen?

Durch die Einnahme von Alkohol oder Drogen wird die Wahrnehmung extrem verändert. Man nimmt Dinge nicht richtig wahr ,kann Situationen nicht richtig einschätzen, die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab

Insbesondere bei Amphetaminen sinkt die Aggressionsschwelle, die Fähigkeit der Eigenkritik sinkt drastisch, mann übernimmt sich.

Man bringt sich und vor allem alle anderen Mitmenschen in Gefahr



19.) Wie lange stehen Sie nach dem Konsum von Drogen unter deren Einfluss?

Die Wirkung von Cannabis kann 24 bis 36, bei regelmäßigem Konsum sogar 72 Stunden anhalten

Amphetamine erreichen bei oraler Einnahme nach ca. 2 Stunden ihre maximale Plasmakonzentration, die Halbwertszeit beträgt etwa 6-8h. Die pharmakologische Wirksamkeit wird ab einer Plasmakonzentration von ca. 25 µg/l erreicht


20.) Sind sie sich darüber im Klaren, welche Folgen es bei einem täglichen Konsum gibt?

Es kommt bei Amphetaminen sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit. Je nach Charakter des Konsumenten und Höhe der Dosierung ist diese vorprogrammiert. Folgen sind dann Halluzinationen, Delir, Psychosen

Ebenso kann es bei übermäßigem Konsum von Cannabis zur Psychose kommen
 

Pete99

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Warum ist es passiert?

21.) Welche persönlichen Hintergründe gab es für den Drogenkonsum?

An erster Stelle steht hier für mich der damalig fehlende Umgang mit gewissen Emotionen. Als ich 6 Jahre alt war verstarb mein Vater ganz plötzlich. Diese damals erfahrene Trauer und dem damit verbundenen Stress dem ich ausgesetzt war, lernte ich leider bis zum Tag der Verkehrskontrolle nie wirklich zu bewältigen. Für meine ganze Familie war dies eine Ausnahmesituation. Sie führte bei mir zu einer gewissen Sprachlosigkeit. Somit wurde eben dieser falsche Umgang mit Stress ein Auslöser für mich in Situationen dieser Umstände zu Amphetaminen zu greifen. Erstmalig war es der Fall in der Vorbereitung auf mein 1. Staatsexamen bei dem ich einem bisher nie da gewesenen Leistungsdruck ausgesetzt war. Da ich aus dieser Zeit noch ein „Überbleibsel“ das Dexamphetamin eines Kommilitonen hatte, lag es für mich nahe, es in der Nacht der Auffälligkeit wieder zu konsumieren. Die vorherrschenden Emotionen die mich zu diesem Anlass begleiteten waren finanzielle Not, da ich nach Exmatrikulation (hatte nur einen „Teilstudienplatz“) kein Bafög, keine Halbwaisenrente und auch kein Gehalt mehr durch einen Nebenjob erhielt. Ich nahm meine alte Arbeit als Rettungsassistent wieder auf konnte aber zu dem Zeitpunkt nur eine Aushilfsstelle bekommen. Folglich nahm ich alle Gelegenheiten wahr, um mir was dazu zu verdienen. So auch in der Nacht meiner Auffälligkeit als ich zwischen 2 Frühdiensten in der Notaufnahme noch auf einer Hochzeit kellnern war. Zudem begleiteten mich extreme Sorgen über die Zukunft, da ich keinen Studienplatz in Aussicht hatte, um mein Studium zu beenden.

Erschöpfungserscheinungen „übertünchen“

im Medizinstudium wird man tagtäglich mit verschiedensten Medikamenten konfrontiert. Ob es sich um invasive oder weniger invasise handelt sei mal dahingestellt. Man bekommt beigebracht was man wann, wem und in welcher Dosierung man geben soll. Man erfährt auch abhängig vom jeweiligen Dozenten verschiedene Umgangsformen mit diesen. So kam irgendwann im Laufe des Studiums auch das Thema Ritalin und ADHS Medikation zur Sprache. Ich hörte Berichte darüber, dass selbst jüngste Patienten Amphetamine zur Einstellung ihrer Krankheit erhalten. Ich nahm ebenfalls einen sehr lapidaren Umgang wahr. Somit machte ich mir selber auch keine großen Gedanken über die Wirkung, Nebenwirkung und Folgen. Diese Eindrücke die ich aufnahm und meine aus heutiger Sicht falschen Schlussfolgerung die ich getroffen hatte, verschleierten für mich völlig den Drogencharakter des Medikaments, was bei mir zu einer völlig fehlenden Reflektion führte.



22.) Wie hat sich Ihr Umfeld über Ihren Drogenkonsum geäußert?

Zu Beginn wollte ich meinen Konsumverhalten und meine Auffälligkeit im Straßenverkehr verheimlichen. Ganz getreu meiner Ausgangssituation und meinem Umgang mit negativen Emotionen. Doch ich entschied mich schließlich mich zuerst meiner Freundin gegenüber zu öffnen. Mit ihrer Hilfe konnte ich mich dann auch dazu überwinden, mich meinen Eltern mitzuteilen, was ich heute als ersten Schritt in einen neuen, verantwortungsbewussten Umgang mit mir und meinen Gefühlen betrachte. Durch die Kommunikation erfuhr ich enormen Halt und Zuspruch. Natürlich war niemand begeistert und ich spürte eine gewisse Enttäuschung meiner vertrauten Personen, doch anstelle von meiner befürchteten Verurteilung mir gegenüber erfuhr ich sofort bedingungslose Unterstützung dahingehend, an mir und meinen Handlungsweisen zu arbeiten.



23.) Gab es Ereignisse in Ihrem Leben, die zu verstärktem Konsum geführt haben?

Ja, und zwar in Phasen, in denen ich extremem Stress und emotionalem Druck ausgesetzt war.

Vorbereitung auf das Staatsexamen (Anlass: Leistungsdruck)

Existenzsorgen

in beiden Fällen Ritalin/Dexamphetamin

bei Alkohol oder Cannabis gab es nie Ereignisse, die zu vermehrtem Konsum geführt haben


24.) Haben Sie sich an Jemand um Hilfe gewandt, um den Drogenkonsum zu beenden?

Beendet habe ich den Drogen -und auch den Alkohol Konsum von alleine. Die Nacht in der ich auffällig wurde haben dazu maßgeblich beigetragen.

Um dem Grund für den Konsum und dem verbundenen Verhaltensmuster auf den Grund zu kommen habe ich professionelle Hilfe in Form von Supervision in Anspruch genommen.



25.) Gibt es in Ihrer Familie aktenkundige Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Suchtkrankheiten?

nein


26.)Hatten sie Konsumpausen/spitzen?

Konsumpausen von Alkohol und Cannabis gab es mehrere:

im 2. Semester habe ich gänzlich auf Alkohol verzichtet. Cannabis hatte ich bis dahin nicht probiert.

ab dem 3. Semester habe ich immer 3-4 Wochen vor Klausuren komplett abstinent gelebt. Ansonsten gab es immer wieder vereinzelt Wochen, an denen ich ebenfalls ohne Grund komplett abstinent blieb.

In der Prüfungsvorbereitung auf mein 1. Staatsexamen habe ich ebenfalls 3 Monate auf Alkohol und Cannabis verzichtet. Da kam jedoch erstmalig Ritalin und Dexamphetamin zu Gebrauch



27.) Waren Sie gefährdet in eine Drogenabhängigkeit zu geraten?

Von Alkohol und Cannabis ging für mich kein Abhängigkeitspotenzial aus. Cannabis habe ich nur sehr unregelmäßig konsumiert und ich empfand es zwar lapidar ausgedrückt ganz witzig, hat mir jedoch nie viel gegeben. Bei Alkohol ist es ähnlich. Durch meine Ambitionen im Fitnessbereich war Alkohol immer eher etwas, was mich immer mal wieder in meiner Leistung beeinträchtigt hat. Von daher habe ich Alkohol auch nur in sehr geringen Maßen konsumiert.

Bei Ritalin und Dexamphetamin ging da ein höheres Potenzial aus, da ich bis dato nie den Grund für meine Einnahme derartiger Substanzen aufgearbeitet hatte. Mir ist auch bewusst, dass ich absoluten Drogenmissbrauch betrieben habe. Ich hatte jedoch nur eine begrenzte Menge zur Verfügung und hätte sehr große Hemmungen gehabt mir Amphetamin auf dem Schwarzmarkt zu besorgen (Aufgrund von Verunreinigungen und fehlender Kontakte, die ich eigentlich auch gar nicht haben möchte). Daher ist denke ich das Risiko auch in diesem Fall limitiert. Zusätzlich hatte ich bereits zu dem Zeitpunkt der Auffälligkeit keinen Kontakt mehr zu meinen damaligen Kommilitonen, von denen ich diese Substanzen bezog.

ansonsten denke ich, dass man immer beim Konsum illegaler Substanzen Gefahr läuft, in eine Abhängigkeit abzurutschen. Vor allem bei synthetischen Substanzen wie Amphetamin.


28.) Waren sie drogenabhängig?

nein, ich verspürte nie den Drang oder Zwang Drogen konsumieren zu müssen.






Warum passiert das nicht wieder?

29.) Hätten sie, rückblickend, eine Drogenkarriere verhindern können?

was den Alkohol und das Cannabis angeht denke ich bin ich damals meiner Neugier verfallen. Auch was das Ritalin und Dexamphetamin angeht habe ich mich zu sehr durch äußere Eindrücke blenden lassen. Durch mangelnde Kommunikation und Reflexion sind diese Verhaltensmuster aufgetreten.

Ich denke auch, dass ich Umgang mit den „falschen“ Leuten hatte. Aber auch hier liegt die Schuld eher meiner mangelnden Selbstreflexion und Fähigkeit zur Distanzierung zu Grunde.

Was jedoch auch sehr schwer wiegt, war diese Art „Sprachlosigkeit“ die sich durch den Tod meines Vaters in der frühen Kindheit manifestierte. Ich denke das hätte ich nur durch andere Umstände schon früher erlernen können, jedoch war mir bis zu diesem Zeitpunkt die Problematik nicht wirklich bewusst. Es ist schade, dass mir dies erst durch eine so schwerwiegende Auffälligkeit bewusst wurde, jedoch kann ich heute nur davon profitieren. Ich denke die ersten Punkte, die ich zu dieser Frage angeführt habe, hätten somit gar nicht erst Thema werden müssen, hätte ich diese zu Grunde liegende Problematik schon viel früher erkannt. Ich denke Kommunikation und Vertrauen sind der Schlüssel.



30.) Wieso haben Sie sich für eine Abstinenz entschieden?

In der Nacht, in der ich angehalten wurde und mir bewusst wurde was ich da eigentlich gemacht hatte fühlte es sich an, als würde meine „Fassade“ anfangen zu bröckeln. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich deutliche Grenzen überschritten hatte und ich in irgendeiner Form an mir arbeiten und einen anderen Weg einschlagen muss. Für mich stand eigentlich gleich fest, dass ich das nur schaffe, wenn ich mich mit mir und meinen Emotionen auseinander setze und „klaren Kopf“ dabei behalte.

Durch die Gespräche mit meiner Freundin, meinen Eltern und den Supervisions Sitzungen erfuhr ich durchweg positive Unterstützung und diese negativen Emotionen wie Stress, Leistungsdruck, Zukunftsängste verloren auch ohne Drogen mehr und mehr an Gewicht, je mehr ich darüber redete.

Dadurch habe nicht nur ich mich immer besser gefühlt, sondern auch die Beziehung zu meiner Freundin und meiner Familie hat davon enorm profitiert.

Ich erfuhr ein gestärktes Vertrauensverhältnis meiner Freundin und meiner Familie gegenüber. Dieses will ich durch eine von nun an bestehende und stabile Drogenabstinenz unterstützen und nicht gefährden.



31.) Beschreiben Sie den Punkt, an dem Sie sich für ein abstinentes Leben entschieden haben (Knackpunkt)

Es gab da 2 einscheidende Momente:

Zuerst in der Nacht als ich angehalten wurde und mir meine Problematik durch die Polizisten quasi direkt vor Augen geführt wurde. Es fühlte sich an, als würde meine aufgebaute Fassade anfangen zu bröckeln. Ich fühlte mich „ertappt“

Endgültiger Knackpunkt war der Bericht der Polizei, der dann mit der Post kam. In der Nacht als ich zuletzt Auto fuhr, hatte ich mich eigentlich subjektiv nicht berauscht gefühlt. Doch als ich las, wie erheblich mein zeitliches empfinden doch beeinträchtigt war und wie man mir wohl offensichtlich an meinen Pupillen den Konsum ansehen konnte, löste das in mir ein großes Gefühl der Schuld und Scham in mir aus. Ich schwor mir, dass es niemals mehr dazu kommen werde.



32.) Wieso kommt für Sie nur Abstinenz und nicht für gelegentlicher Konsum in Betracht?

Ich verspüre keinen Bedarf mehr Drogen zu konsumieren. Ich fühle mich ausgeglichen und auf die Ansprüche meines Alltags vorbereitet. Ich habe durchweg positive Erfahrungen in meiner bisherigen vollkommenen Abstinent gehabt und sehe dies als Beweis dafür, dass das der einzig richtige Weg für mich ist.

Ich möchte ein verantwortliches Leben führen uns später als Arzt einen höchst verantwortungsvollen Beruf ausüben, in dem kein Platz für Drogenkonsum besteht. Meine zukünftigen Patienten verlassen sich darauf, dass ich jederzeit in vollem Besitz meiner geistigen und körperlichen Kräfte bin, was für die Profession obligat ist. Ich möchte mir nie wieder vorwerfen müssen, Menschen in Gefahr gebracht zu haben, sei es im Beruf oder im Straßenverkehr. Das kann ich nur durch ein Leben ohne Drogen erreichen. Ich möchte helfen, nicht gefährden.

Ich sehe die MPU als eine Art zweite Chance: nicht jeder der solch ein gravierendes Vergehen begeht und seine Mitmenschen und sich selber in so eine Gefahr bringt, kommt nochmal mit einem „blauen Auge“ davon. Diese zweite Chance werde ich nicht verspielen.

Durch mein Verhalten habe ich in erster Linie meine Mitmenschen gefährdet. In zweiter Linie natürlich auch mich selber und meine berufliche Zukunft. Ich bin dankbar, dass niemand dabei zu Schaden gekommen ist. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie die Situation heute wäre, wenn irgendwer ernsthaft Schaden erlitten hätte. Daher sehe ich nur Sinn in einer völligen Drogenfreiheit zu leben.



33.) Wie haben Sie die Umstellung zur Abstinenz erlebt?

Durchweg positiv. Nach dem Vorfall bekam ich zunächst eine Vollzeitstelle im Krankenhaus wodurch sich zumindest meine finanziellen Sorgen minderten. Im April 2020 erhielt ich dann endlich eine Zusage an einer Uni, um mein Studium abschließen zu können. Für mich die perfekte Gelegenheit „neu“ zu starten. Natürlich wurde ich auch hier wieder mit meinen Emotionen Leistungsdruck, Stress etc. konfrontiert. Durch meine erworbene Fähigkeit diesen Emotionen Sprache zu verleihen, erfuhr ich jedoch einen neuen, nachhaltigen Umgang mit diesen. Ich konnte zum Ende des Semesters die besten Noten verzeichnen, die ich je in meinem Leben erhalten habe, was ich als Bestätigung meiner Bewältigungsstrategie erachte. Ich fühle mich gestärkt in dem Wissen auch völlig ohne Drogen den Anforderungen gewachsen und nicht auf Hilfsmittel angewiesen zu sein.

Zu wissen, dass ich neue Bewältigungsstrategien entwickelt habe und anwenden kann, entsteht im vor hinein gar nicht erst ein so hoher Druck. Ich fühle mich für noch kommende Situationen deutlich besser gerüstet, was mir sehr den Rücken stärkt.

Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht: Auch im Krankenhaus bevor ich wieder anfangen konnte zu studieren. Mir fehlte bisher die Fähigkeit auf mich und mein Körpergefühl zu hören, insbesondere wenn ich eigentlich eine Pause gebraucht hätte. Während der ersten Corona Welle arbeitete ich in Vollzeit in der Notaufnahme. Es war eine sehr stressige und arbeitsintensive Zeit, da wir immer mehr Krankheitsausfälle zu verzeichnen hatten. Die die noch gesund waren, mussten diese Lücken kompensieren. ich arbeitete im März über 200 Stunden. Doch ich habe es geschafft mich zu distanzieren. Ich konnte den Mut fassen, nein zu sagen und meine Belastungsgrenze zu respektieren, was ich bis dahin nie gemacht habe. Ich erfuhr Akzeptanz und man respektierte meine Entscheidung, was mir ein sehr gutes Gefühl gab. Ich konnte Pause machen, Kraft schöpfen und mich der Arbeit wieder erneut stellen.

Allgemein habe ich von Freunden und Familie ebenfalls sehr positive Rückmeldung auf mein Konsumverhalten (in Bezug auf Alkohol, da Drogen weder in meinem „originalen Freundeskreis“ noch in meiner Familie einen Platz haben) erfahren. Bei gemeinsamen Treffen, bei denen auch Bier oder Wein konsumiert wurde hat man mir eher Respekt und Zuspruch entgegen gebracht, als mein Verhalten in Frage zu stellen. Dieser Zuspruch hat mich in meinem Verhalten gestärkt. Daran halte ich bis heute fest und verspüre auch keinen Drang, das zu ändern.



34.) Wer hat Ihnen dabei wie geholfen?

Im Vordergrund steht hier ganz klar meine Freundin und meine Familie, die mich trotz dieser Enttäuschung bedingungslos unterstützen und mir dieses sozial stabile Umfeld bieten. Durch die Supervision mit Herrn XY gelang es mir zu reflektieren, wodurch meine Verhaltensmuster geprägt sind und was ich persönlich tun kann, damit umzugehen.



35.) Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Umstellung?

Durch die Umstellung und Änderung meines Verhaltens wurde die Vertrauensbasis insbesondere mit meiner Freundin stark gestärkt, denn sie fühlen sich durch mein Kommunikation „mitgenommen“. Dadurch, dass ich mich ihnen gegenüber mitteile und nicht nur die positiven Dinge in meinem Leben zur Sprache bringe, bringe ich mein Vertrauen ihnen gegenüber zum Ausdruck.

dadurch, dass ich mit meinen neuen Bewältigungsstrategien große Erfolge erziele (v.a. im Bereich Uni Leistungen) erfahre ich viele positive Rückmeldungen



36.) Haben Sie nach der Auffälligkeit weiterhin Kontakt zu Ihren Drogenbekannten gehabt?

Nein. Am 15.09.19 wurde ich auffällig. Zu diesem Zeitpunkt wohnte ich noch bei meinem damaligen Mitbewohner, durch den ich erstmalig mit Cannabis in Berührung kam und durch den ich auch erstmalig Ritalin bezog. Ich hielt mich seitdem nur noch sehr selten und unregelmäßig in unserer gemeinsamen Wohnung auf, zumal wir auch nicht mehr gemeinsam studierten, da ich ja nach Bestehen meines 1. Staatsexamens ohnehin exmatrikuliert wurde. Am 01.12.19 zog ich dann zurück in meine Heimatstadt. In meinem dort bestehenden Freundeskreis spielen Drogen keine Rolle. Seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu Drogenbekannten.



37.) Haben Sie nach Ihrer Auffälligkeit miterlebt, wie Ihre Bekannten Drogen konsumiert haben?

Da ich ab dem 01.12.19 keinen Kontakt mehr zu meinen damaligen Drogenbekannten mehr hatte, habe ich keinen Drogenkonsum zumindest bei mir bekannten Personen mehr miterlebt.



38.) Wie haben Sie in Zukunft vor mit Cannabis/dem Konsum umzugehen?

Ich werde niemanden für seinen Drogenkonsum verurteilen. Ich möchte aber selber auch keinen Kontakt mehr dazu haben und werde mich jetzt und in Zukunft von jedweiligem Drogenkonsum distanzieren. Dazu zählt sowohl die räumliche Distanz, also an Orten, wo ich sicher weiß, dass Drogen konsumiert werden, werde ich mich nicht aufhalten und falls ich auf Partys mitkriegen sollte, dass konsumiert wird, werde ich mich entfernen, als auch keine freundschaftliche Beziehungen zu Personen aufbauen, bei denen ich weiß, dass sie Drogen konsumieren.



39.) Haben Sie zu Hause Drogen?

nein



40.) Wie wollen Sie es gegebenen Falls in Zukunft verhindern, nochmals unter Drogeneinfluss ein KFZ zu führen?

Ich möchte mich selber emotional nicht mehr so weit in die Enge drängen, dass ich keinen Ausweg mehr sehe

Ich möchte kontinuierlich weiter an mir arbeiten ,mein Verhalten reflektieren und im Dialog mit mir nahe stehenden Personen bleiben



41.) Wie wollen Sie einen beginnenden Rückfall erkennen?

Einen beginnenden Rückfall oder die Gefahr eines beginnenden Rückfalls erkenne ich durch meine emotionale Lage. Sobald Stress, Sorgen, Leistungsdruck entstehen und das tun sie im Verlauf zweifelsohne, gehe ich in Kommunikation mit meiner Familie oder meiner Freundin. Bisher habe ich immer Erleichterung und Abhilfe gespürt. Auch möchte ich weiterhin in weniger engmaschig stattfindenden Sitzungen Supervision in Anspruch nehmen, um weiterhin Dinge aus meiner Vergangenheit aufzuarbeiten und weiter an meiner Stressbewältigung zu arbeiten.



42.) Wie ist derzeit der Konsum von Alkohol bei Ihnen?

seit dem 15.09.19 kein Konsum


Soweit mein Fragebogen. Vielen Dank schonmal für eure Rückmeldungen. Ich hoffe ich konnte mich so ausdrücken, dass ihr meinen Fall gut nachvollziehen könnt.
 

Kill

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in beiden Fällen Ritalin/Dexamphetamin

Ritalin ist Methylphenidathydrochlorid und bspw. Elvanse ist Lisdexamphetamin. Ritalin wäre Medikamenten Missbrauch, das hat nichts mit Lisdexamphetamin zu tun. Egal, auf jeden Fall klingt es so als würde bei dir mehr dahinterstecken... Vielleicht habe ich einiges überlesen, aber du berichtest so als hättest du einen "Zehnerriegel" Ritalin gehabt und ne halbe Pulle Dexamphetamin Saft und hättest dich damit während "deines Studiums" etwas heftiger berauscht... Klingt für *mich persönlich* absolut unglaubwürdig.

Dein Blutwert würde zu einer Gabe von 30 mg Amphetamin und 6 Stunden Abbau zwar passen, aber du arbeitest scheinbar zumindest ab und zu in der Gastronomie ( also du hast :D ) und ich denke du hast dich oft mit Amphetaminen weggebrutzelt. Egal - ist nur meine persönliche Meinung.

Weiterhin ist mir aufgefallen, dass du deine Kifferei thematisierst, die aber gar nicht bei dir offiziell nachgewiesen wurden - musst du meiner Meinung gar nicht...

Und um es nochmal zu erwähnen, es liest sich so als würde da wirklich mehr dahinterstecken... Wenn du den richtigen Gutachter da sitzen hast, wird der sich auch fragen wie man so eine "herzergreifende Einsicht" erlangen kann obwohl man relativ wenig bzw. fast gar nichts konsumiert hat...

Ich hoffe du kannst das nachvollziehen.
 
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Pete99

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Vielen Dank erstmal für deine Rückmeldung. Ich bin froh um jede Reaktion und ich kann dich durchaus verstehen.
Ich glaube aber, dass du hast in einem Punkt missverstanden hast: Ich habe nie in der Gastro gearbeitet. Ich weiß, dass es in dieser Branche durchaus üblich ist, zu Aufputschmitteln zu greifen aber es war damals eine einmalige Sache wo ich auf einer Hochzeit eines entfernten Freundes gekellnert habe. Ich habe sonst immer "nur" in meinem gelernten Beruf als Rettungsassistent gearbeitet, bei dem es aber nie zu einer derartigen Überbelastung kam. Damals hatte ich keine Vollzeit Stelle sodass ich alles mitgenommen hätte was sich angeboten hätte, um mir was dazu zuverdienen. Wahrscheinlich hab ich mich da nicht klar ausgedrückt, sorry. Aber genau eben in dieser Situation habe ich zu Amphetaminen gegriffen, um meine Erschöpfung zu überwinden. Alle weiteren Umstände (vor allem auf emotionaler Ebene), die ebenfalls wesentlich dazu betrugen, dass es zum Konsum kam, habe ich mit beschrieben.
Sowohl die gesamte Zeit um und in der damaligen Nacht, als auch in der Vorbereitung auf mein Examen waren für mich psychische und physische "Grenzsituationen" bei denen mir der richtige Umgang mit mir selber fehlte. In diesen Fällen kam zunächst Ritalin und dann Dexamphetamin in Gebrauch. Es handelt sich bei beiden Substanzen und Medikamente, also um es genau zu sagen wie du es auch richtig beschrieben hast um "Medikamentenmissbrauch". Medikamente und Drogen sind aber denke ich gerade in meinem Fall gleichzusetzen, da es sich eben um Missbrauch handelt. Mir ist auch natürlich bewusst, dass es zwei verschiedene Substanzen sind, ich sie aber aus dem selben genannten Anlass eingenommen habe. Ansonsten wüsste ich jetzt nicht genau was du mir damit versuchst zu erklären. Ich denke auch, dass es in meinem vorherigen Leben sicher einige Situationen gab, bei denen ich mich besser bzw. verantwortungsbewusster hätte verhalten können, sich aber meine Belastung bzw. falscher Umgang mit mir und meinen Emotionen in einer anderen Verhaltensweise geäußert hat. Von daher denke ich dass diese "herzergreifende Einsicht" wie du sie nennst, nicht nur auf diese Situation, sondern auch auf viele andere Lebensabschnitte übertragbar ist und wie beschrieben, durch weit zurück liegende Ereignisse in meinem Leben geprägt wurde.
Es mag für dich vielleicht überzogen erscheinen, aber genau da sehe ich einen großen Vorteil in dem gesamten Prozess: Ich konnte Dingen auf den Grund gehen, die viel weitreichender sind, als es diese Auffälligkeit in der einen Nacht war. Bisher konnte ich davon sehr profitieren und ich hoffe, dass es so bleibt.
Zum Cannabis Konsum: Es würde die MPU an sich natürlich um einiges "leichter" gestalten, wenn ich mich dafür nicht rechtfertigen müsste. Bist du dir da sicher? Schließlich wurde ich ja positiv auf Cannabinoide getestet. Es wurden nur keine genauen Serumkonzentrationen bzgl. aktivem bzw. THC Abbauprodukten festgestellt. Es stand aber in der Akte fettgedruckt "positiv" weshalb ich schon denke, dass ich dazu Stellung beziehen muss. Aber es kann natürlich so sein wie du sagst. In dem offiziellen Brief, in dem mir auch der Entzug der Fahrerlaubnis erklärt wurde, war nie die Rede von Cannabis oder THC... wär cool wenn jemand diesbezüglich Erfahrungen hätte.
Ansonsten wie gesagt vielen Dank für deine Meinung bzw. für das Mitteilen deiner Wahrnehmung.
 

Kill

Benutzer
Schließlich wurde ich ja positiv auf Cannabinoide getestet. Es wurden nur keine genauen Serumkonzentrationen bzgl. aktivem bzw. THC Abbauprodukten festgestellt. Es stand aber in der Akte fettgedruckt "positiv" weshalb ich schon denke, dass ich dazu Stellung beziehen muss. Aber es kann natürlich so sein wie du sagst. In dem offiziellen Brief, in dem mir auch der Entzug der Fahrerlaubnis erklärt wurde, war nie die Rede von Cannabis oder THC

Ich antworte später noch auf den Rest, aber bei meiner Kontrolle war der Schnelltest auch positiv auf Methamphetamin UND Amphetamin. Die Blutprobe hat aber nur Amphetamin ergeben und Methamphetamin habe ich niemals konsumiert. Die Schnelltests haben ja generell eine hohe Fehlerquote, daher zählt im Endeffekt nur die Blutprobe - da testen die dann auf alles.

Und bei mir im Polizeibericht stand das auch drin, dass der Schnelltest zwei Substanzen ergeben hätte, aber da die Schnelltests vor Gericht z.B. ja gar nicht verwertbar sind, macht man ja ne Blutentnahme. Hätten die bei dir auch THC im Blut gefunden, würde das da auch explizit mit drinstehen.

Ich sage dir das nur, weil ich auch sagen wollte, dass ich ein Amphetamin Präparat genommen hätte und eine Psychologin bei der Führerscheinberatung vom TÜV mir daraufhin gesagt hat, dass es so klingt als hätte ich 2 Promille gehabt und hab da nur 3 MonCheri "genascht"... :D Also völlig unglaubwürdig was ich da bei der MPU erzählt hätte...

Ob du einen vermehrten Konsum von THC zugeben solltest kann ich dir nicht sagen, ich persönlich würde es nicht, aber ich persönlich habe auch immer nur Amphetamine genommen...

Bei dir wurde Amphetamin im Blut gefunden, wenn nichts anderes aktenkundig ist, bis auf den Schnelltest, bleib bei Amphetaminen... Du hast ja mit deinem Abstinenznachweis "bewiesen", dass du ein Jahr lang auch ohne "THC" leben kannst - ich schreibe dir später nochmal.
 

Kill

Benutzer
Von daher denke ich dass diese "herzergreifende Einsicht" wie du sie nennst, nicht nur auf diese Situation, sondern auch auf viele andere Lebensabschnitte übertragbar ist und wie beschrieben, durch weit zurück liegende Ereignisse in meinem Leben geprägt wurde.

Tut mir leid, dass ich das anfangs zu oberflächlich bewertet habe... Wenn du dem Gutachter diese Einsicht vermitteln kannst, kommst du natürlich durch denn diese Sichtweise bzw. Erkenntnis des Ganzen ist Gold wert. Du siehst die Sache als "Wink des Schicksals", so wie ich meine Polizeikontrolle auch und ziehst daraus die logischen Schlüsse die dein zukünftiges Leben BTM-frei gestalten lassen.

Da ist es wahrscheinlich auch unerheblich ob du das Methylphenidat noch erwähnst, aber beim THC würde ich die Sache vielleicht nochmal überdenken. Wenn nichts aktenkundig ist würde ich darauf hinweisen, dass du damit nie( vielleicht Mal Probierkonsum ) was zu tun hattest, der Test fehlerhaft war und du dich lediglich mit dem Amphetamin bzw. Methylphenidat Konsum "wachhalten" bzw. pushen wolltest.

Um es nochmal festzuhalten, dein Blutwert passt mit 30mg Lisdexamphetamin und 6 Stunden Abbau zusammen. Falls kein THC in der Blutprobe nachgewiesen wurde, kann dir auch keiner das Gegenteil unterstellen - letztendlich musst du entscheiden wie ehrlich du bei der MPU bist - deine Erkenntnis ist auf jeden Fall nachvollziehbar und ich wünsche dir alles Gute.

Hast du während der Polizeikontrolle irgendwas zugegeben? Hattest du Akteneinsicht? Das liegt dem GA natürlich
alles vor und da solltest du wissen was drinsteht.
 

Kill

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Ich muss noch hinterherwerfen, dass ich Ritalin doch nicht unbedingt erwähnen würde, denn Ritalin kriegst du auch nur mit BTM Rezept - könnte dich auch in Schwierigkeiten bringen...
 

funkytown

Erfahrener Benutzer
Wenn das Ritalin schon länger genommen wird, sollte es damit kein Problem geben, solange die Einnahme bestimmungsgemäße ist.
 

Pete99

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Nochmal vielen Dank für eure Rückmeldungen.
Also ich denke ich werde das mit dem Ritalin auch mitteilen, denn es ist ja sozusagen die "Entwicklung" meines Drogenkonsums. Es handelt sich bei beiden Substanzen um Medikamente, die ich eigentlich nicht hätte einnehmen dürfen. Ich denke, ich hätte auch nicht gleich zu Amphetaminen gegriffen, wenn ich nicht vorher meine Erfahrungen mit Ritalin gemacht hätte.
Mit dem THC ist halt so ne Sache... Zugegeben habe ich bei der Polizeikontrolle nur den Amphetamin Konsum als ich auf der Wache saß. Im Bericht steht auch nur ein postiver Test auf Amphetamine. Auch was den Schnelltest betrifft. Scheinbar haben die das nicht sehr gründlich aufgeschrieben. Es macht mich nur echt stutzig das halt auf einer extra Seite wo sämtliche Drogen aufgelistet waren (also von Amphetaminen, Benzos, Kokain...) unter Cannabinoide positiv stand. Es wird aber sonst nirgends erwähnt. Ich denke, ich werde es nicht ansprechen und einfach abwarten, ob ich darauf angesprochen werde. Und falls dies der Fall sein sollte, wovon ich überzeugt bin, werde ich meine Story dazu erzählen.
 

Pete99

Benutzer
Hey Max,

Ich weiß du hast wahrscheinlich genug Leute hier die du betreust und ich weiß auch, dass du kurzfristig keine FB's beantwortest. Ich gehe meine Schlussfolgerungen täglich im Kopf durch und würde mich enorm freuen bzw. es würde mich sehr entlasten, wenn du mir vielleicht ein kleines Feedback geben könntest, bezgl. meiner Aufarbeitungen und ob diese für dich als Aussenstehenden schlüssig erscheinen. Du hast denke ich sehr viel Erfahrung und kannst dazu eine profunde Meinung abgeben.
Vielen Dank dir schonmal. Ich hoffe du findest etwas Zeit für mich.

LG
 

Max

Super-Moderator und MPU Profi
Teammitglied
Administrator
Vielen Dank dir schonmal. Ich hoffe du findest etwas Zeit für mich.
Hast du hier schon einmal gelesen ... "gute FB" ... und mit deinem FB verglichen ? ... da sollten dir noch ein paar Dinge auffallen.
Nebenbei ... in F3 geht es ausschließlich um deinen Drogenkonsum, nach Alkohol wird hier nicht gefragt.
 

Pete99

Benutzer
Vielen Dank schonmal für deine schnelle Antwort. Ich habe mir schon einige FB's durchgelesen werde heute Abend nach der Arbeit aber nochmal einige Vergleiche machen. Ich melde mich im Anschluss wieder.
 

Pete99

Benutzer
Ich habe meinen FB nochmal überarbeitet und verschiedene Formulierungen abgeändert und konkretisiert. Im folgenden werde ich diesen hochladen und hoffe auf positive Rückmeldungen ;)
Vielen Dank für deine Zeit und deine Bemühungen!
 

Pete99

Benutzer
Vorgeschichte





1.)Wann haben Sie das allererste Mal von illegalen Drogen gehört?



  • In der Schule im Biologie Unterricht in der 7. Klasse (mit ca. 12 Jahren)





2.)Wann haben Sie das erste Mal konsumiert? (Datum)



  • Alkohol das erste Mal mit 15 Jahren
  • Cannabis im Mai 2018 mit 24 Jahren als ich zu meinem damaligen Mitbewohner gezogen bin.
  • Ritalin im Februar 2019 bzw. Dexamphetamin ebenfalls im Februar 2019 im Rahmen meiner Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen


3.)Wie sah der Konsum aus? (Konsumbiografie-Was, Wie, Welche Gelegenheit?)


  • Cannabis: Erstmalig mit 24. Durch meinen damaligen Mitbewohner habe ich Kontakt dazu bekommen. Anlass zum Konsum waren ebenfalls treffen mit meist 1-2 Kommilitonen. Zwischen Mai und Dezember 2018 faden ca. 10 Treffen statt bei denen meist 2-3 Joints a 0,2-0,3g Cannabis enthalten waren. Dann strikte Pause bis März 2019 (nach meinem Staatsexamen) da keine Hänger provozieren wollte. Nach dem Examen bis hin zur Auffälligkeit ca. weitere 6-7 Treffen. Ich hielt mich die meiste Zeit in meiner Heimatstadt auf und konsumierte Cannabis dann, wenn ich zu Besuch in meiner alten Wg war. Anlass waren da Treffen mit alten Kommilitonen. In der Regel wurden bei einem Treffen zu 2. oder zu 3. 2-3 Joints a 0,2g Cannabis konsumiert.
  • Ritalin/Amphetamin: Erste Einnahme Mitte Februar 2019. Zuerst bekam ich durch meinen ehemaligen Mitbewohner, der Ritalin verschrieben bekam, einen Riegel (10 Tabletten a 10mg), da ich mich im Endspurt des Examens befand, nahm ich täglich eine Tablette. Über einen anderen Kommilitonen (der Dexamphetamin bei ADHS verschrieben bekam) konnte ich eine ca. zur Hälfte gefüllte Flasche des Safts bekommen. Nachdem die Ritalin Tabletten aufgebraucht waren, nahm ich anstelle dieser dann noch 2 weitere Tage ca. 10mg ein (was jeweils etwa 1/8) entspricht. In der Nacht als ich auffällig wurde habe ich ca. 30mg Dexamphetamin konsumiert. Anlass war eine massive Überarbeitung und psychischer Druck begleitet von Zukunftssorgen und Ängsten.


4.)Haben Sie Drogen zusammen mit Alkohol konsumiert?


Einmal Cannabis mit Alkohol im Sommer 2018. Die Kombination führte zu Übelkeit und Unwohlsein.


5.)Wie ist der Umgang mit Alkohol gewesen?

Erstmalig Alkohol habe ich mit 15 Jahren konsumiert (Cola-Bier Mix und Radler). Zwischen 17 und 20 Jahren habe ich gelegentlich auf Partys und Feiern Alkohol konsumiert. In der Regel so 1,5-2l Bier. Mit 17 auch erstmalig Hochprozentiges. Seitdem ich mich für die Fitness begeistere (mit ca. 20 Jahren) habe ich mich weitgehend vom Alkohol distanziert, da ich deutlich merkte, wie mich Alkohol im Training negativ beeinflusst. Im Sommersemester 2018 hat es jedoch häufiger Partys gegeben, bei denen ich wieder vermehrt Alkohol konsumiert habe. Es folgten aber immer wieder Phasen, in denen ich dann gänzlich auf Alkohol verzichtet habe. Wie zum Beispiel während der Prüfungsvorbereitungen. Seit meiner Auffälligkeit am 15.09.19 habe ich jedoch gar keinen Alkohol mehr konsumiert, was mir in vielerlei Hinsicht sehr gut getan hat. Ich verzeichne seitdem im Sportbereich immer mehr Fortschritte und fühle mich insgesamt fitter, auch wenn es nie große Mengen Alkohol waren, die ich konsumiert habe.


6.)Sonstige Suchtmitteleinnahme?
  • Koffein (3-4 Tassen Kaffee pro Tag)
  • Tabak/Nikotin (1 Packung Drehtabak für ca. 10 Tage)


7.)Haben Sie bei sich negative Folgen festgestellt?
  • An Tagen nach Cannabis Konsum war ich häufig recht antriebslos. Ich brauchte morgens immer einige Zeit, um wirklich wach zu werden. Ich hatte auch das Gefühl häufig mit den Gedanken abzuschweifen und es viel mir schwer, mich auf Dinge zu konzentrieren
  • An Tagen nach Alkohol Konsums hat es ebenfalls immer länger angedauert um in den Tag starten zu können. Sportliche Betätigung viel mir immer schwer oder ich habe es ganz gelassen.
  • An den Tagen nach Ritalin/Amphetamin Konsums habe feststellen können, dass mich die Emotionen immer wieder einholten, denen ich versucht hatte durch den Konsum zu entkommen (Stress, Leistungs -und Zeitdruck). Durch die nicht mehr vorhandene Wirkung war es ein auf -und ab der Gefühle. Rückblickend war es eine sehr belastende Phase. Ich merkte ausserdem, wie sich mein Hautbild veränderte. Ich sah fertig und „ungesund“ aus. Hatte viele Pickel und Augenringe bekommen, da ich mich teilweise bis in Tief in die Nacht auf meine Bücher oder die Arbeit stürzte, um mein Lernpensum zu bewältigen.
  • Außerdem habe ich mich schlecht erholt. Ich hatte einen minderwertigen Schlaf, was sich ebenfalls auf die Psyche ausgewirkt hat.

8.)Haben Sie trotz negativer Folgen weiter konsumiert?
  • Bei Alkohol und Cannabis haben mich die Nachwirkungen meist nicht sonderlich gestört, da ich mir diese Tage immer als „Regenerierungstage“ eingeräumt hatte. Ich spielte die Nachwirkungen immer so weit herunter, dass ich die Folgen und Tragweite des Konsums verdrängt hatte.
  • An den Tagen an denen ich Ritalin/Amphetamin eingenommen hatte stand ich unter einem so großen Druck, dass mich meine Emotionen und mein mangelhafter Umgang mit diesen und auch meine Erschöpfung zum erneuten Konsum gedrängt haben.

9.)Was für Werte wurden bei Ihrer Auffälligkeit festgestellt?
  • Serumkonzentration von 82 µg/l Amphetamin
  • Cannabinoide positiv (jedoch ohne weitere Angaben)

10.)Wann und wieviel haben Sie in der Woche vor der Auffälligkeit konsumiert?
  • Am Sonntag vor der Auffälligkeit (6 Tage zuvor) 2 Joints a 0,2-0,3g Cannabis zu 3.
  • In der Nacht auf den 15.09.19 gegen 0 Uhr ca. 1/3 der Dexamphetamin Flasche (ca. 30mg) auf einmal

11.)Wieviel und was haben Sie am Tag der Auffälligkeit konsumiert?

wie oben beschrieben

12.)Gab es einen besonderen Grund für diesen Konsum?

Nachdem ich mein 1. Staatsexamen bestanden hatte wurde ich exmatrikuliert, da ich nur einen Teilstudienplatz hatte. Zeitgleich vielen meine Bezüge (Bafög, Halbwaisenrente) weg und ich musste wieder arbeiten gehen, um meinen Unterhalt finanzieren zu können. Zudem hatte ich zu dieser Zeit keine Vollzeit Arbeitsstelle, weshalb ich auch auf Gelegenheitsjobs angewiesen war. Diese Situation von „nicht wissen wie es weitergeht“ und finanziellem Notstand löste in mir einen enorm großen Druck aus. Ich nahm somit jede Gelegenheit war, mir etwas dazu zu verdienen. An diesem Wochenende hatte ich Freitags, Samstags und Sonntags Frühdienst im Krankenhaus. Zusätzlich ging ich Samstag Abends auf einer Hochzeit Kellnern, weshalb ich körperlich völlig überarbeitet und psychisch zusätzlich sehr belastet war. In dieser Nacht erschien mir der Konsum des restlichen Amphetamin Safts den ich noch aus der Examensvorbereitung hatte, als Ausweg mich über Wasser zu halten. Rückblickend ein absolut verantwortungsloses Verhalten mir und meinen Mitmenschen gegenüber.


13.)Wie sind Sie auffällig geworden?

durch eine zufällige allgemeine Verkehrskontrolle auf dem Heimweg vom Kellnern

14.)Was war der Zweck der Fahrt?

Heimfahrt vom Kellnern auf der Hochzeit


15.)Wie weit wollten/sind Sie (ge)fahren?

von Bergheim nach Köln (ca. 30km) Kontrolle war an der Autobahnabfahrt in Köln


16.)Wie oft waren sie bereits unter Drogeneinfluss im Straßenverkehr unterwegs?
  • Zur Schulzeit hatte ich ein eigenes Auto. Jedoch hatte ich zu dieser Zeit noch nichts mit Drogen zu tun.
  • Als ich mit 20 in die Stadt gezogen bin hatte ich kein eigenes Auto mehr (bis heute)
  • Ich bin damals als ich noch bei meinem damaligen Mitbewohner gelebt habe mit dessen Auto selten kurze Strecken gefahren. In der Prüfungsvorbereitung bin ich 2 mal unter Wirkung von Ritalin gefahren. Ansonsten ergab sich für mich nie eine Gelegenheit oder Möglichkeit.

17.)Wie haben Sie den Konflikt zwischen dem Drogenkonsum und dem Führen eines Kraftfahrzeuges gelöst?
  • da ich seit meinem ersten Drogenkonsum nie ein eigenes Auto hatte und fast immer alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad gelöst habe, ergab sich so gut wie nie ein Konflikt
  • Bei meiner Drogenfahrt, bei der ich auffällig wurde, lieh mir meine Mutter ihr altes Auto. Da es sich um ein Medikament handelte, was ich einnahm, wurde der Drogencharakter für mich derart verschleiert, dass ich keinen inneren Konflikt verspürt hatte

18.)Wieso ist es verboten unter Drogeneinfluss ein KFZ zu führen?
  • Durch die Einnahme von Alkohol oder Drogen wird die Wahrnehmung extrem verändert. Man nimmt Dinge nicht richtig wahr ,kann Situationen nicht richtig einschätzen, die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab
  • Insbesondere bei Amphetaminen sinkt die Aggressionsschwelle, die Fähigkeit der Eigenkritik sinkt drastisch, mann übernimmt sich. Man ist im Glauben, alles im Griff zu haben. Zusätzlich verringert sich die Reaktionsfähigkeit was dazu führt, in gewissen Situationen nicht richtig handeln zu können.
  • Durch Cannabis wird die Blendeempfindlichkeit gesteigert und die Zeitwahrnehmung verändert.
  • Man bringt sich und vor allem alle anderen Mitmenschen in Gefahr

19.)Wie lange stehen Sie nach dem Konsum von Drogen unter deren Einfluss?
  • Die Wirkung von Cannabis kann 24 bis 36, bei regelmäßigem Konsum sogar 72 Stunden anhalten
  • Amphetamine erreichen bei oraler Einnahme nach ca. 2 Stunden ihre maximale Plasmakonzentration, die Halbwertszeit beträgt etwa 6-8h. Die pharmakologische Wirksamkeit wird ab einer Plasmakonzentration von ca. 25 µg/l erreicht

20.)Sind sie sich darüber im Klaren, welche Folgen es bei einem täglichen Konsum gibt?
  • Es kommt bei Amphetaminen sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit. Je nach Charakter des Konsumenten und Höhe der Dosierung ist diese vorprogrammiert. Folgen sind dann Halluzinationen, Delir, Psychosen
  • Ebenso kann es bei übermäßigem Konsum von Cannabis zur Psychose kommen
  • Durch die schnelle Toleranzentwicklung werden immer höhere Dosen nötig.
  • Drogen wirken sich nicht nur schädlich auf die Psyche aus. Sie erhöhen auch das Risiko an Krebs zu erkranken, führen je nach Einnahme zu Mangelerscheinungen und sind häufig Ursache für viele weitere Krankheiten.
 

Pete99

Benutzer
Warum ist es passiert?

21.)Welche persönlichen Hintergründe gab es für den Drogenkonsum?

  • An erster Stelle steht hier für mich der damalig fehlende Umgang mir selber und gewissen Emotionen. Als ich 6 Jahre alt war verstarb mein Vater ganz plötzlich. Diese damals erfahrene Trauer und dem damit einhergehenden Stress dem ich ausgesetzt war, lernte ich leider bis zum Tag der Verkehrskontrolle nie wirklich zu bewältigen. Für meine ganze Familie war dies eine Ausnahmesituation, daher möchte ich meiner Mutter in dieser Beziehung keine Vorwürfe machen. Sie führte bei mir zu einer gewissen Sprachlosigkeit. Durch die Aufarbeitung meiner Vergangenheit wurde mir klar, dass ich auch schon in vielen anderen Situationen meines Lebens keinen geeigneten Umgang mit mir, Stress und ähnlichen Situationen hatte. Symptomatisch für mich war beispielsweise eine extreme Gereiztheit. Ich war teilweise kaum belastbar, vor allem in der Pubertät ging ich schon bei Kleinigkeiten unter die Decke. Ich konnte meine Emotionen nicht verbalisieren, obwohl meine Mutter und mein Stiefvater sich bemühten mit mir produktive Gespräche zu führen. Mein Schweigen sorgte nur für immer mehr Zündstoff, was diese Spirale weiter antrieb. Somit wurde dieser falsche Umgang mit Stress ein Auslöser für mich, in Situationen dieser Umstände zu Amphetaminen zu greifen. Erstmalig war dies beispielsweise der Fall in der Vorbereitung auf mein 1. Staatsexamen bei dem ich einem bisher nie da gewesenen Leistungsdruck ausgesetzt war. Da ich aus dieser Zeit noch ein „Überbleibsel“, das Dexamphetamin eines Kommilitonen hatte, lag es für mich nahe, es in der Nacht der Auffälligkeit wieder zu konsumieren. Die vorherrschenden Emotionen die mich zu diesem Anlass begleiteten waren finanzielle Not, da ich nach Exmatrikulation (hatte nur einen „Teilstudienplatz“) kein Bafög, keine Halbwaisenrente und auch kein Gehalt mehr durch einen Nebenjob erhielt. Ich nahm meine alte Arbeit als Rettungsassistent in meiner Heimatstadt wieder auf konnte aber zu dem Zeitpunkt nur eine Aushilfsstelle bekommen. Folglich nahm ich alle Gelegenheiten wahr, um mir was dazu zu verdienen. So auch in der Nacht meiner Auffälligkeit als ich zwischen 2 Frühdiensten in der Notaufnahme noch auf einer Hochzeit kellnern war. Zudem begleiteten mich extreme Sorgen über die Zukunft, da ich keinen Studienplatz in Aussicht hatte, um mein Studium zu beenden. Mein Unvermögen mich mitzuteilen ging in dieser Zeit sogar so weit, dass ich mich mit meiner Freundin, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls wie ich Medizin studierte und nicht wie ich unterbrechen musste, nicht mal mit ihr über ihr Studium und ihre Probleme reden konnte, da mich meine eigene Ungewissheit derartig belastete. Mir war es nicht möglich die Dinge die ich bereits erreicht hatte, wert zu schätzen. Es löste sogar eine Art Minderwertigkeitsgefühl in mir aus, da ich seitens der Universitäten, an denen ich mich bewarb, ständig Absagen erhielt.
  • Einer der Hintergründe war also, meine Erschöpfungserscheinungen nicht spüren und mehr Leistung als möglich bringen zu wollen, da ich durch meine Situation nicht nur Zukunftsängste sondern auch Probleme mit meinem Selbstwertgefühl hatte. Ich wollte mich vor allem auch allgemein nicht mit mir auseinandersetzten, da ich zu dieser Zeit von großer Unzufriedenheit erfüllt war, was ich heute nicht mehr wirklich nachvollziehen kann, da ich trotz der übrigen Probleme heute der Meinung bin, viel geschafft zu haben.
  • im Medizinstudium wird man tagtäglich mit verschiedensten Medikamenten konfrontiert. Ob es sich um invasive oder weniger invasise handelt sei mal dahingestellt. Man bekommt beigebracht was man wann, wem und in welcher Dosierung geben soll. Man erfährt auch abhängig vom jeweiligen Dozenten bzw. praktizierenden Arztes verschiedene Umgangsformen mit diesen. So kam irgendwann im Laufe des Studiums auch das Thema Ritalin und ADHS Medikation zur Sprache. Ich hörte Berichte darüber, dass selbst jüngste Patienten Amphetamine zur Einstellung ihrer Krankheit erhalten. Ich nahm ebenfalls einen sehr lapidaren Umgang wahr. Somit machte ich mir selber keine großen Gedanken über die Wirkung, Nebenwirkung und Folgen. Diese Eindrücke die ich aufnahm und meine aus heutiger Sicht falschen Schlussfolgerung die ich gezogen hatte, verschleierten für mich völlig den Drogencharakter des Medikaments, was bei mir zu einer völlig fehlenden Reflektion führte.
22.)Wie hat sich Ihr Umfeld über Ihren Drogenkonsum geäußert?

Zu Beginn wollte ich meinen Konsumverhalten und meine Auffälligkeit im Straßenverkehr verheimlichen. Ganz getreu meiner alten Verhaltensmuster in Bezug auf negative Emotionen. Doch ich entschied mich, mich zuerst meiner Freundin gegenüber zu öffnen. Mit ihrer Hilfe konnte ich mich dann auch dazu überwinden, mich meinen Eltern mitzuteilen, was ich heute als ersten Schritt in einen neuen, verantwortungsbewussten Umgang mit mir und meinen Gefühlen betrachte. Durch die Kommunikation erfuhr ich enormen Halt und Zuspruch. Natürlich war niemand begeistert und ich spürte eine gewisse Enttäuschung meiner vertrauten Personen, doch anstelle von meiner befürchteten Verurteilung mir gegenüber erfuhr ich bedingungslose Unterstützung dahingehend, an mir und meinen Handlungsweisen zu arbeiten.


23.)Gab es Ereignisse in Ihrem Leben, die zu verstärktem Konsum geführt haben?
  • Ja, und zwar in Phasen, in denen ich extremem Stress und emotionalem Druck ausgesetzt war:
  • In der Vorbereitung auf mein Examen
  • In der Phase nach dem Examen (etwa 6 Monate später) in der ich keine Perspektive sah, mich finanzielle und fast schon existenzielle Sorgen begleiteten und in der ich dann schließlich auffällig wurde.

24.)Haben Sie sich an Jemand um Hilfe gewandt, um den Drogenkonsum zu beenden?
  • Beendet habe ich den Drogen -und auch den Alkohol Konsum von alleine. Die Nacht in der ich auffällig wurde haben dazu maßgeblich beigetragen und waren für mich der Anfangspunkt abstinent zu leben.
  • Um dem Grund für den Konsum und dem verbundenen Verhaltensmuster auf den Grund zu kommen, habe ich nach ausführlichen Gesprächen mit meiner Freundin und meiner Familie professionelle Hilfe in Form von Supervision in Anspruch genommen.

25.)Gibt es in Ihrer Familie aktenkundige Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Suchtkrankheiten?

nein

26.)Hatten sie Konsumpausen/spitzen?


Konsumpausen von Alkohol und Cannabis gab es mehrere:
  • im 2. Semester habe ich gänzlich auf Alkohol verzichtet, da ich dort durch die Uni im sehr lernintensiven Anatomie Semester leistungsfähig bleiben wollte. Es fehlte mir jedoch auch da schon der richtige Umgang mit Stress, was sich in vorher beschriebenen Symptomen wie depressiver Verstimmung und ziemlicher Gereiztheit äußerte. Hätte ich schon damals Zugang zu Ritalin oder Dexamphetamin gehabt, würde ich einen Konsum damals nicht ausschließen. Cannabis hatte ich bis dahin nicht probiert.
  • Im 3. Semester habe ich immer 3-4 Wochen vor Klausuren komplett abstinent gelebt. Ansonsten gab es immer wieder vereinzelt Wochen, an denen ich ebenfalls ohne Grund komplett abstinent blieb. Es war aber auch die Zeit, in der ich erstmalig Cannabis ausprobierte und es wie bereits beschrieben, immer mal wieder konsumierte. Auch Alkohol habe ich da seit längerer Pause auf Partys wie beschrieben immer mal wieder getrunken.
  • In der Prüfungsvorbereitung auf mein 1. Staatsexamen habe ich ebenfalls 3 Monate auf Alkohol und Cannabis verzichtet. Da kam jedoch erstmalig Ritalin und Dexamphetamin in Gebrauch (=Spitze)

27.)Waren Sie gefährdet in eine Drogenabhängigkeit zu geraten?

Ich bin mir sicher, dass ausnahmslos jeder der illegale Substanzen konsumiert die Gefahr läuft in eine Abhängigkeit zu geraten. Gerade, wenn man die Nachwirkungen und Folgen nicht richtig reflektiert und herunterspielt. Zusätzlich ist es besonders bedenklich, wenn man durch den Konsum versucht, mit Emotionen fertig zu werden oder diese zu verdrängen und man somit immer weiter in eine Illusion seiner selbst abrutscht. Von daher würde ich die Gefahr für mich nicht ausschließen.


28.)Waren sie drogenabhängig?
  • Nein das nicht, da ich mich recht langfristig in einer emotionalen Sackgasse befand diese aber trotzdem meistern konnte, obwohl ich mich die ganze Zeit nicht mit Drogen berauscht hatte. Auch in der Zeit bevor ich Zugang zu Medikamenten/Drogen hatte bestand ja die gleiche Problematik und der fehlende Umgang mit mir selbst was nicht zum Konsum führte. Rückblickend griff ich zu diesen „nur“ in außergewöhnlichen und grenzwertigen Situationen in denen die Belastung extrem hoch war.
  • Ich weiß aber auch, dass die Erfahrungen die ich durch den Konsum gemacht habe, im Unterbewusstsein memoriert sind und man somit immer sehr sensibel und aufmerksam mit sich umgehen muss, um nicht in alte Verhaltensmuster zu verfallen.
 
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