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MPU wegen Nötigung. Wie bereite ich mich adäquat auf das Gespräch mit dem Psychologen der MPU Stelle vor? (achtung, lang)

Joey1357

Neuer Benutzer
Hallo zusammen. Es ist mir sehr unangenehm über dieses Thema zu sprechen, aber ich benötige eure Hilfe.

Ich habe durch mein Fahrverhalten einen anderen Verkehrsteilnehmer massiv gefährdet und nun wurde zurecht eine MPU für die Neuerteilung des Führerscheins angeordnet, neben einer Geldstrafe von 3.000€ und einem 9 monatigen Fahrverbot, welches demnächst ausläuft.




Zur damaligen Situation:


Der Vorfall zog sich über eine Länge von ca. 20 Kilometer.
Ich war auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle. Diesen Weg fahre ich jeden Tag alleine. Ich habe mich durch das dichte Auffahren des Hintermanns provozieren lassen.
Ich habe mehrfach meine Geschwindigkeit reduziert. Zuerst nur die Bremse angetippt, damit er die Bremslichter sieht. In der Hoffnung, dass er den Abstand vergrößert. Das zeigte keine Wirkung. Sodass ich etwas stärker, aber dosiert bremste. Hierbei soll der Hintermann leicht auf den Grünstreifen ausgewichen sein. (Das habe ich in dem Moment nicht mitbekommen)

Auch das zeigte Wirkung. Auf das Fernlicht des Hintermanns habe ich dann mit einer Taschenlampe, die ich dabei hatte reagiert. Diese habe ich eingeschaltet kurz nach hinten gehalten.

Diese gesamte Aktion zog sich über eine Länge von ca 2km hin. (Ich habe es über Google Maps nachgemessen)

Danach war es für mich eigentlich gegessen. Wir bogen beide ab, befuhren dann die Autobahn. Auf der Autobahn habe ich mich dann auf der linken Spur gehalten und nichts gemacht, außer ihn nicht überholen zu lassen. Dort bin ich auf keine weitere Provokation eingegangen.

Kurz vor der Arbeitsstelle haben sich unsere Wege in einem Kreisverkehr getrennt. Dort wurde ich durch den Hintermann dann ausgehupt. Dies habe ich durch den kurzen Einsatz meiner Taschenlampe erwidert.




Kurze Daten zu mir:
- Führerschein seit 2008
- keine Punkte
- bisher keine Auffälligkeiten im Straßenverkehr
- ich fahre im Jahr ca. 25.000 kilometer



Ich habe mich anfangs sehr schwer damit getan, mir mein damaliges Verhalten erklären zu können. Ich nehme an einer MPU Vorbereitung teil.
Im Laufe der Vorbereitung haben wir den Vorfall aufgearbeitet und ich habe verstanden, dass mich dichtes Auffahren des Hintermanns triggern kann.

Kann, weil es mir in 9 von 10 Fällen nichts ausmacht. Wenn ich allerdings unter extremen Stress stehe, triggert es mich stärker. Ich war als Kind im Alter von 7 Jahren in einen Auffahrunfall verwickelt. Uns fuhr jemand hinten auf. Das erklärt vermutlich das Unbehagen, welches ich in solchen Situationen verspüre.

Andere Situationen im Straßenverkehr (geschnitten werden, die Vorfahrt wird mir genommen) lassen mich absolut kalt.



Ich tue mich extrem schwer damit mein damaliges Verhalten aus sich meines "alten Ichs" zu erklären und zu akzeptieren. Es fühlt sich für mich wie eine Ausrede an.

Als "Grund" für mein damaliges Verhalten haben wir monatelangen, extremen Stress an meinem Arbeitsplatz ausgemacht. Ich bin über längere Zeit bei der Arbeit durch Kollegen, sowie meinen Vorgesetzten gemobbt worden. Mein Stresslevel war für diese Zeit am maximum.
Dieses Problem konnte ich durch viele innerbetriebliche Gespräche (von mir selbst veranlasst) gelöst werden. Ich habe mir Hilfe an allen möglichen Stellen im Unternehmen gesucht und versucht, die Situation zu klären.
Das hat sehr gut geklappt. Mittlerweile bin ich fest im Team integriert und der Umgang ist kollegial.

Neben meiner Hauptberuflichen Tätigkeit bin ich im Gartenservice selbständig und betreibe mehrfach die Woche Kraftsport. Diese Tätigkeit und der Sport gibt mir sehr viel Ausgleich.

In Situationen, in denen ich merke, dass ich gestresst bin, habe ich Atemübungen für mich entdeckt. Diese Übungen, der Sport und die Tätigkeit im Freien erden mich.



Ich habe unheimlich Respekt vor dem psychologischen Gespräch, da ich mich sehr schwer damit tue, mein damaliges Verhalten zu rechtfertigen. Der Stress fühlt sich wie eine Ausrede an.


Heute weiß ich, wenn mich etwas stresst: -> Atmen, runterkommen. Wenn jemand drängelt: vorbeilassen, oder einen anderen Weg fahren. Die Taschenlampe habe ich nach dem Vorfall direkt aus dem Auto verbannt.


Mit welchen Fragen muss ich rechnen? Wie kann ich dem Psychologen glaubhaft darlegen, dass ich an meinem Verhalten gearbeitet habe und zukünftig anders reagieren werde? Was muss ich aus eurer Sicht noch machen?
 
Hallo und willkommen im Forum

Bis jetzt sind deine Angaben noch recht mager. Du könntest zunächst den Profilfragebogen ausfüllen (runterscrollen bis FB Verkehr/Straftaten):

https://www.mpu-vorbereitung-online.com/forum/threads/profilfragebögen.263/

Bislang scheint es mir das du den Grund für die MPU noch nicht verstanden zu haben. Wobei zur Beurteilung deiner MPU die Unterlagen der Behörden interessant wären, die der Gutachter erhält. Deine Angaben erscheinen mir stark verharmlosend.

Die Straftat ist erledigt, wahrscheinlich durch einen Strafbefehl oder ein Urteil. Deswegen musst du nicht zur MPU. Die Tat zeigt aber ein zusätzliches Problem von dir auf, und zwar deine Sucht.

Genauer deine Eigensucht. Durch dein Verhalten hast du gezeigt, das du über das übliche Maß hinaus Egoistisch und Rücksichtslos bist, nicht nur im Straßenverkehr. Deshalb stellst du als Führerscheininhaber eine nicht akzeptabe Gefahr im Straßenverkehr dar. Du stellst deine Interessen rücksichtslos über die Rechte und die Gesundheit anderer Menschen.

Die MPU gibt dir die Gelegenheit zu zeigen, das du das erkannt und akzeptiert hast. Sowie das du einen Weg gefunden hast deine Probleme in den Griff zu bekommen und das du darüber berichten kannst.

So eine Verhaltensänderung ist schwer umzusetzen, so dass sie in der Regel ein Jahr lang geübt und in das Alltagsleben integriert werden muss.

Die Tat zu verharmlosen (zum Beispiel dem anderen Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld geben zu wollen) führt deshalb zwangsweise zu einem negativen Ergebnis. Die Führerscheinstelle und die Gutachter / Ärzte müssen sich an die Aktenlage halten, die das dahinterstehende Problem aufzeigen.
 
Hallo Joey1357

willkommen im Forum.

Im Gegensatz zu MrMurphy sehe ich schon, dass du dich mit dir und deinem Fehlverhalten auseinandergesetzt hast. Auch mit der "Eigensucht" kann ich in diesem Zusammenhang nicht so recht etwas anfangen.
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Schaue dir doch bitte mal diese Originalfragen einer verkehrsrechtlichen MPU an, und versuche die Fragen, die auf dich zutreffen, zu beantworten, nachdem du den von MrMurphy verlinkten Profilbogen ausgefüllt hast.
 
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich bin aktuell etwas baff und tue mich schwer, mich richtig auszudrücken. Ich danke dir nun bereits für deine Geduld.

Ich füge hier den Fragebogen ein:

FB Verkehr/Straftaten

Zur Person

Geschlecht: Männlich
Alter: 36

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 18.02.2025

Der Vorfall zog sich über eine Länge von ca. 20 Kilometer.
Ich war auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle. Diesen Weg fahre ich jeden Tag alleine. Ich habe mich durch das dichte Auffahren des Hintermanns provozieren lassen.
Ich habe mehrfach meine Geschwindigkeit reduziert. Zuerst nur die Bremse angetippt, damit er die Bremslichter sieht. In der Hoffnung, dass er den Abstand vergrößert. Das zeigte keine Wirkung. Sodass ich etwas stärker, aber dosiert bremste. Hierbei soll der Hintermann leicht auf den Grünstreifen ausgewichen sein. (Das habe ich in dem Moment nicht mitbekommen)

Auch das zeigte Wirkung. Auf das Fernlicht des Hintermanns habe ich dann mit einer Taschenlampe, die ich dabei hatte reagiert. Diese habe ich eingeschaltet kurz nach hinten gehalten.

Diese gesamte Aktion zog sich über eine Länge von ca 2km hin. (Ich habe es über Google Maps nachgemessen)

Danach war es für mich eigentlich gegessen. Wir bogen beide ab, befuhren dann die Autobahn. Auf der Autobahn habe ich mich dann auf der linken Spur gehalten und nichts gemacht, außer ihn nicht überholen zu lassen. Dort bin ich auf keine weitere Provokation eingegangen.

Kurz vor der Arbeitsstelle haben sich unsere Wege in einem Kreisverkehr getrennt. Dort wurde ich durch den Hintermann dann ausgehupt. Dies habe ich durch den kurzen Einsatz meiner Taschenlampe erwidert.


Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert:
Strafbefehl schon bekommen: 08.09.2025
Dauer der Sperrfrist: 9 Monate

Führerschein
Hab ich noch:
Hab ich abgegeben: 13.12.2025
Hab ich neu beantragt:
Habe noch keinen gemacht:

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: Nein
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt):

„Ist trotz der aufgrund der aktenkundigen erheblichen Straftaten, die im Zusammenhang mit der Kraftfahreignung steht und unter Nutzung eines Kraftfahrzeuges begangen wurde, entstandenen Zweifel an der charakterlichen Eignung nicht zu erwarten, dass der Untersuchte zukünftig gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?“

Bundesland:
Niedersachen


Aufarbeitung
Psychologe/Verkehrspsychologe: Nein
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: Nein

MPU
Datum: steht noch aus
Welche Stelle (MPI): steht noch aus
Schon bezahlt?:

Schon eine MPU gehabt?:
Wer hat das Gutachten gesehen?:
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?:

Altlasten
Punkte oder sonstige Straftaten: Keine





Bislang scheint es mir das du den Grund für die MPU noch nicht verstanden zu haben. Wobei zur Beurteilung deiner MPU die Unterlagen der Behörden interessant wären, die der Gutachter erhält. Deine Angaben erscheinen mir stark verharmlosend.

Der Grund der MPU ist für mich absolut nachvollziehbar. Ich habe durch mein rücksichtsloses Verhalten Andere in Gefahr gebracht. Ich habe meine Interessen über die Anderer gestellt und billigend in Kauf genommen, dass diese zu Schaden kommen können. Es hätte so viel passieren können..

Die Straftat ist erledigt, wahrscheinlich durch einen Strafbefehl oder ein Urteil. Deswegen musst du nicht zur MPU. Die Tat zeigt aber ein zusätzliches Problem von dir auf, und zwar deine Sucht.

Im Strafbefehl wurde eine Einziehung des Führerscheins angeordnet. Die Einziehung wurde nie umgesetzt. Gegen den Strafbefehl habe ich Einspruch eingelegt und mich anwaltlich beraten lassen. Die anwaltliche Beratung hat sich über Monate gezogen. Es verlief alles sehr schleppend. Letztlich habe ich den Führerschein freiwillig abgegeben. Irgendwie habe ich gehofft, davon zu kommen. Letzlich aber eingesehen, dass ich zu meiner Schuld stehen muss.
Im Schreiben der Führerscheinstelle wurde dann für die Neuerteilung des Führerscheins eine MPU gefordert.

Genauer deine Eigensucht. Durch dein Verhalten hast du gezeigt, das du über das übliche Maß hinaus Egoistisch und Rücksichtslos bist, nicht nur im Straßenverkehr. Deshalb stellst du als Führerscheininhaber eine nicht akzeptabe Gefahr im Straßenverkehr dar. Du stellst deine Interessen rücksichtslos über die Rechte und die Gesundheit anderer Menschen.

Auf die Situation der Straftat gebe ich dir uneingeschränkt recht. Das Verhalten war rücksichtlos und egoistisch. Außerhalb dieser Situation ist mir gerade nicht klar, was du meinst. Ich bin bis auf die Tat ein sehr rücksichtsvoller Mensch. Es klingt doof und ich will absolut nicht verharmlosen oder meine Schuld kleinreden. Ich bin sonst ein unglaublich defensiver Fahrer. Es klingt so plump und ausweichend, aber ich nehme außerhalb dieser Situation immer Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Ich lasse Leute immer vor, lasse viel Abstand nach vorne und bestehe nie auf mein "Recht". Alle Situationen (geschnitten werden, Vorfahrt genommen bekommen) nehme ich mit einem kurzen Schmunzeln hin und sage mir:
"da hat es aber jemand eilig"

Ich habe im Text oben versucht zu erklären, warum ich damals so gehandelt habe. Ich möchte nichts relativieren. Nur versuchen zu erklären.

Die MPU gibt dir die Gelegenheit zu zeigen, das du das erkannt und akzeptiert hast. Sowie das du einen Weg gefunden hast deine Probleme in den Griff zu bekommen und das du darüber berichten kannst.


So eine Verhaltensänderung ist schwer umzusetzen, so dass sie in der Regel ein Jahr lang geübt und in das Alltagsleben integriert werden muss.

Ich bin seit dem Vorfall (18.02.2025) noch bis Ende des Jahres (bis zur Abgabe meines Führerscheins) Auto gefahren.
In der Zeit seit dem Vorfall habe mir viele Gedanken gemacht, wie ich aufkommende Gefühle besser deuten und frühzeitig auf sie reagieren kann.
Ich kann mich nun explizit an eine Situation im Straßenverkehr erinnern, in der ich wieder einen Drängler hinter mir hatte:

Ich fuhr mit meinem Anhänger zu meinen Eltern, um Schnittgut zu transportieren.
Im Rückspiegel habe ich gesehen, wie ein der Hintermann "meine TÜV Plakette" prüfen wollte.
In dem Moment habe ich gemerkt, dass mich das dichte Auffahren stört. Ich habe dann tief durchgeatmet, frühzeitig den Blinker für die Seitenstraße gesetzt und bin abgebogen.





Die Tat zu verharmlosen (zum Beispiel dem anderen Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld geben zu wollen) führt deshalb zwangsweise zu einem negativen Ergebnis. Die Führerscheinstelle und die Gutachter / Ärzte müssen sich an die Aktenlage halten, die das dahinterstehende Problem aufzeigen.


Der andere Teilnehmer trägt keine Schuld an meinem Verhalten. Er kann und darf nicht bestimmen, wie ich reagiere.


Ich bin aktuell etwas baff und weiß nicht, was ich noch schreiben soll.
 
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