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MPU wegen Nötigung. Wie bereite ich mich adäquat auf das Gespräch mit dem Psychologen der MPU Stelle vor? (achtung, lang)

Joey1357

Neuer Benutzer
Hallo zusammen. Es ist mir sehr unangenehm über dieses Thema zu sprechen, aber ich benötige eure Hilfe.

Ich habe durch mein Fahrverhalten einen anderen Verkehrsteilnehmer massiv gefährdet und nun wurde zurecht eine MPU für die Neuerteilung des Führerscheins angeordnet, neben einer Geldstrafe von 3.000€ und einem 9 monatigen Fahrverbot, welches demnächst ausläuft.




Zur damaligen Situation:


Der Vorfall zog sich über eine Länge von ca. 20 Kilometer.
Ich war auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle. Diesen Weg fahre ich jeden Tag alleine. Ich habe mich durch das dichte Auffahren des Hintermanns provozieren lassen.
Ich habe mehrfach meine Geschwindigkeit reduziert. Zuerst nur die Bremse angetippt, damit er die Bremslichter sieht. In der Hoffnung, dass er den Abstand vergrößert. Das zeigte keine Wirkung. Sodass ich etwas stärker, aber dosiert bremste. Hierbei soll der Hintermann leicht auf den Grünstreifen ausgewichen sein. (Das habe ich in dem Moment nicht mitbekommen)

Auch das zeigte Wirkung. Auf das Fernlicht des Hintermanns habe ich dann mit einer Taschenlampe, die ich dabei hatte reagiert. Diese habe ich eingeschaltet kurz nach hinten gehalten.

Diese gesamte Aktion zog sich über eine Länge von ca 2km hin. (Ich habe es über Google Maps nachgemessen)

Danach war es für mich eigentlich gegessen. Wir bogen beide ab, befuhren dann die Autobahn. Auf der Autobahn habe ich mich dann auf der linken Spur gehalten und nichts gemacht, außer ihn nicht überholen zu lassen. Dort bin ich auf keine weitere Provokation eingegangen.

Kurz vor der Arbeitsstelle haben sich unsere Wege in einem Kreisverkehr getrennt. Dort wurde ich durch den Hintermann dann ausgehupt. Dies habe ich durch den kurzen Einsatz meiner Taschenlampe erwidert.




Kurze Daten zu mir:
- Führerschein seit 2008
- keine Punkte
- bisher keine Auffälligkeiten im Straßenverkehr
- ich fahre im Jahr ca. 25.000 kilometer



Ich habe mich anfangs sehr schwer damit getan, mir mein damaliges Verhalten erklären zu können. Ich nehme an einer MPU Vorbereitung teil.
Im Laufe der Vorbereitung haben wir den Vorfall aufgearbeitet und ich habe verstanden, dass mich dichtes Auffahren des Hintermanns triggern kann.

Kann, weil es mir in 9 von 10 Fällen nichts ausmacht. Wenn ich allerdings unter extremen Stress stehe, triggert es mich stärker. Ich war als Kind im Alter von 7 Jahren in einen Auffahrunfall verwickelt. Uns fuhr jemand hinten auf. Das erklärt vermutlich das Unbehagen, welches ich in solchen Situationen verspüre.

Andere Situationen im Straßenverkehr (geschnitten werden, die Vorfahrt wird mir genommen) lassen mich absolut kalt.



Ich tue mich extrem schwer damit mein damaliges Verhalten aus sich meines "alten Ichs" zu erklären und zu akzeptieren. Es fühlt sich für mich wie eine Ausrede an.

Als "Grund" für mein damaliges Verhalten haben wir monatelangen, extremen Stress an meinem Arbeitsplatz ausgemacht. Ich bin über längere Zeit bei der Arbeit durch Kollegen, sowie meinen Vorgesetzten gemobbt worden. Mein Stresslevel war für diese Zeit am maximum.
Dieses Problem konnte ich durch viele innerbetriebliche Gespräche (von mir selbst veranlasst) gelöst werden. Ich habe mir Hilfe an allen möglichen Stellen im Unternehmen gesucht und versucht, die Situation zu klären.
Das hat sehr gut geklappt. Mittlerweile bin ich fest im Team integriert und der Umgang ist kollegial.

Neben meiner Hauptberuflichen Tätigkeit bin ich im Gartenservice selbständig und betreibe mehrfach die Woche Kraftsport. Diese Tätigkeit und der Sport gibt mir sehr viel Ausgleich.

In Situationen, in denen ich merke, dass ich gestresst bin, habe ich Atemübungen für mich entdeckt. Diese Übungen, der Sport und die Tätigkeit im Freien erden mich.



Ich habe unheimlich Respekt vor dem psychologischen Gespräch, da ich mich sehr schwer damit tue, mein damaliges Verhalten zu rechtfertigen. Der Stress fühlt sich wie eine Ausrede an.


Heute weiß ich, wenn mich etwas stresst: -> Atmen, runterkommen. Wenn jemand drängelt: vorbeilassen, oder einen anderen Weg fahren. Die Taschenlampe habe ich nach dem Vorfall direkt aus dem Auto verbannt.


Mit welchen Fragen muss ich rechnen? Wie kann ich dem Psychologen glaubhaft darlegen, dass ich an meinem Verhalten gearbeitet habe und zukünftig anders reagieren werde? Was muss ich aus eurer Sicht noch machen?
 
Hallo und willkommen im Forum

Bis jetzt sind deine Angaben noch recht mager. Du könntest zunächst den Profilfragebogen ausfüllen (runterscrollen bis FB Verkehr/Straftaten):

https://www.mpu-vorbereitung-online.com/forum/threads/profilfragebögen.263/

Bislang scheint es mir das du den Grund für die MPU noch nicht verstanden zu haben. Wobei zur Beurteilung deiner MPU die Unterlagen der Behörden interessant wären, die der Gutachter erhält. Deine Angaben erscheinen mir stark verharmlosend.

Die Straftat ist erledigt, wahrscheinlich durch einen Strafbefehl oder ein Urteil. Deswegen musst du nicht zur MPU. Die Tat zeigt aber ein zusätzliches Problem von dir auf, und zwar deine Sucht.

Genauer deine Eigensucht. Durch dein Verhalten hast du gezeigt, das du über das übliche Maß hinaus Egoistisch und Rücksichtslos bist, nicht nur im Straßenverkehr. Deshalb stellst du als Führerscheininhaber eine nicht akzeptabe Gefahr im Straßenverkehr dar. Du stellst deine Interessen rücksichtslos über die Rechte und die Gesundheit anderer Menschen.

Die MPU gibt dir die Gelegenheit zu zeigen, das du das erkannt und akzeptiert hast. Sowie das du einen Weg gefunden hast deine Probleme in den Griff zu bekommen und das du darüber berichten kannst.

So eine Verhaltensänderung ist schwer umzusetzen, so dass sie in der Regel ein Jahr lang geübt und in das Alltagsleben integriert werden muss.

Die Tat zu verharmlosen (zum Beispiel dem anderen Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld geben zu wollen) führt deshalb zwangsweise zu einem negativen Ergebnis. Die Führerscheinstelle und die Gutachter / Ärzte müssen sich an die Aktenlage halten, die das dahinterstehende Problem aufzeigen.
 
Hallo Joey1357

willkommen im Forum.

Im Gegensatz zu MrMurphy sehe ich schon, dass du dich mit dir und deinem Fehlverhalten auseinandergesetzt hast. Auch mit der "Eigensucht" kann ich in diesem Zusammenhang nicht so recht etwas anfangen.
think.gif


Schaue dir doch bitte mal diese Originalfragen einer verkehrsrechtlichen MPU an, und versuche die Fragen, die auf dich zutreffen, zu beantworten, nachdem du den von MrMurphy verlinkten Profilbogen ausgefüllt hast.
 
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich bin aktuell etwas baff und tue mich schwer, mich richtig auszudrücken. Ich danke dir nun bereits für deine Geduld.

Ich füge hier den Fragebogen ein:

FB Verkehr/Straftaten

Zur Person

Geschlecht: Männlich
Alter: 36

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 18.02.2025

Der Vorfall zog sich über eine Länge von ca. 20 Kilometer.
Ich war auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle. Diesen Weg fahre ich jeden Tag alleine. Ich habe mich durch das dichte Auffahren des Hintermanns provozieren lassen.
Ich habe mehrfach meine Geschwindigkeit reduziert. Zuerst nur die Bremse angetippt, damit er die Bremslichter sieht. In der Hoffnung, dass er den Abstand vergrößert. Das zeigte keine Wirkung. Sodass ich etwas stärker, aber dosiert bremste. Hierbei soll der Hintermann leicht auf den Grünstreifen ausgewichen sein. (Das habe ich in dem Moment nicht mitbekommen)

Auch das zeigte Wirkung. Auf das Fernlicht des Hintermanns habe ich dann mit einer Taschenlampe, die ich dabei hatte reagiert. Diese habe ich eingeschaltet kurz nach hinten gehalten.

Diese gesamte Aktion zog sich über eine Länge von ca 2km hin. (Ich habe es über Google Maps nachgemessen)

Danach war es für mich eigentlich gegessen. Wir bogen beide ab, befuhren dann die Autobahn. Auf der Autobahn habe ich mich dann auf der linken Spur gehalten und nichts gemacht, außer ihn nicht überholen zu lassen. Dort bin ich auf keine weitere Provokation eingegangen.

Kurz vor der Arbeitsstelle haben sich unsere Wege in einem Kreisverkehr getrennt. Dort wurde ich durch den Hintermann dann ausgehupt. Dies habe ich durch den kurzen Einsatz meiner Taschenlampe erwidert.


Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert:
Strafbefehl schon bekommen: 08.09.2025
Dauer der Sperrfrist: 9 Monate

Führerschein
Hab ich noch:
Hab ich abgegeben: 13.12.2025
Hab ich neu beantragt:
Habe noch keinen gemacht:

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: Nein
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt):

„Ist trotz der aufgrund der aktenkundigen erheblichen Straftaten, die im Zusammenhang mit der Kraftfahreignung steht und unter Nutzung eines Kraftfahrzeuges begangen wurde, entstandenen Zweifel an der charakterlichen Eignung nicht zu erwarten, dass der Untersuchte zukünftig gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?“

Bundesland:
Niedersachen


Aufarbeitung
Psychologe/Verkehrspsychologe: Nein
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: Nein

MPU
Datum: steht noch aus
Welche Stelle (MPI): steht noch aus
Schon bezahlt?:

Schon eine MPU gehabt?:
Wer hat das Gutachten gesehen?:
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?:

Altlasten
Punkte oder sonstige Straftaten: Keine





Bislang scheint es mir das du den Grund für die MPU noch nicht verstanden zu haben. Wobei zur Beurteilung deiner MPU die Unterlagen der Behörden interessant wären, die der Gutachter erhält. Deine Angaben erscheinen mir stark verharmlosend.

Der Grund der MPU ist für mich absolut nachvollziehbar. Ich habe durch mein rücksichtsloses Verhalten Andere in Gefahr gebracht. Ich habe meine Interessen über die Anderer gestellt und billigend in Kauf genommen, dass diese zu Schaden kommen können. Es hätte so viel passieren können..

Die Straftat ist erledigt, wahrscheinlich durch einen Strafbefehl oder ein Urteil. Deswegen musst du nicht zur MPU. Die Tat zeigt aber ein zusätzliches Problem von dir auf, und zwar deine Sucht.

Im Strafbefehl wurde eine Einziehung des Führerscheins angeordnet. Die Einziehung wurde nie umgesetzt. Gegen den Strafbefehl habe ich Einspruch eingelegt und mich anwaltlich beraten lassen. Die anwaltliche Beratung hat sich über Monate gezogen. Es verlief alles sehr schleppend. Letztlich habe ich den Führerschein freiwillig abgegeben. Irgendwie habe ich gehofft, davon zu kommen. Letzlich aber eingesehen, dass ich zu meiner Schuld stehen muss.
Im Schreiben der Führerscheinstelle wurde dann für die Neuerteilung des Führerscheins eine MPU gefordert.

Genauer deine Eigensucht. Durch dein Verhalten hast du gezeigt, das du über das übliche Maß hinaus Egoistisch und Rücksichtslos bist, nicht nur im Straßenverkehr. Deshalb stellst du als Führerscheininhaber eine nicht akzeptabe Gefahr im Straßenverkehr dar. Du stellst deine Interessen rücksichtslos über die Rechte und die Gesundheit anderer Menschen.

Auf die Situation der Straftat gebe ich dir uneingeschränkt recht. Das Verhalten war rücksichtlos und egoistisch. Außerhalb dieser Situation ist mir gerade nicht klar, was du meinst. Ich bin bis auf die Tat ein sehr rücksichtsvoller Mensch. Es klingt doof und ich will absolut nicht verharmlosen oder meine Schuld kleinreden. Ich bin sonst ein unglaublich defensiver Fahrer. Es klingt so plump und ausweichend, aber ich nehme außerhalb dieser Situation immer Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Ich lasse Leute immer vor, lasse viel Abstand nach vorne und bestehe nie auf mein "Recht". Alle Situationen (geschnitten werden, Vorfahrt genommen bekommen) nehme ich mit einem kurzen Schmunzeln hin und sage mir:
"da hat es aber jemand eilig"

Ich habe im Text oben versucht zu erklären, warum ich damals so gehandelt habe. Ich möchte nichts relativieren. Nur versuchen zu erklären.

Die MPU gibt dir die Gelegenheit zu zeigen, das du das erkannt und akzeptiert hast. Sowie das du einen Weg gefunden hast deine Probleme in den Griff zu bekommen und das du darüber berichten kannst.


So eine Verhaltensänderung ist schwer umzusetzen, so dass sie in der Regel ein Jahr lang geübt und in das Alltagsleben integriert werden muss.

Ich bin seit dem Vorfall (18.02.2025) noch bis Ende des Jahres (bis zur Abgabe meines Führerscheins) Auto gefahren.
In der Zeit seit dem Vorfall habe mir viele Gedanken gemacht, wie ich aufkommende Gefühle besser deuten und frühzeitig auf sie reagieren kann.
Ich kann mich nun explizit an eine Situation im Straßenverkehr erinnern, in der ich wieder einen Drängler hinter mir hatte:

Ich fuhr mit meinem Anhänger zu meinen Eltern, um Schnittgut zu transportieren.
Im Rückspiegel habe ich gesehen, wie ein der Hintermann "meine TÜV Plakette" prüfen wollte.
In dem Moment habe ich gemerkt, dass mich das dichte Auffahren stört. Ich habe dann tief durchgeatmet, frühzeitig den Blinker für die Seitenstraße gesetzt und bin abgebogen.





Die Tat zu verharmlosen (zum Beispiel dem anderen Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld geben zu wollen) führt deshalb zwangsweise zu einem negativen Ergebnis. Die Führerscheinstelle und die Gutachter / Ärzte müssen sich an die Aktenlage halten, die das dahinterstehende Problem aufzeigen.


Der andere Teilnehmer trägt keine Schuld an meinem Verhalten. Er kann und darf nicht bestimmen, wie ich reagiere.


Ich bin aktuell etwas baff und weiß nicht, was ich noch schreiben soll.
 
Auch mit der "Eigensucht" kann ich in diesem Zusammenhang nicht so recht etwas anfangen.

Das ist die Fragestellung in anderen Worten:

... Zweifel an der charakterlichen Eignung ...

Es geht also um den Charakter des Betroffenen. Genaueres steht in fast jedem Gutachten mit verkehrsrechtlicher Fragestellung. Zum Beispiel

Darlegung der Eignungszweifel und Voraussetzungen für eine günstige Prognose

Personen, die durch wiederholte oder erhebliche Verkehrsverstöße aufgefallen sind, stellen nach den vorliegenden Forschungsergebnissen eine besondere Gefahrenquelle dar.

Diese Gefährdung lässt sich damit erklären, dass den Verkehrsauffälligkeiten Gewohnheiten, verfestigte Fehleinstellungen oder Leistungsmängel zugrunde liegen. Aufgrund des geringen Entdeckungsriskikos bei Verkehrsverstößen und des damit vordergründig erlebten kurzfristigen "Erfolgs" von riskanten Verhaltensweisen (z. B. Zeitgewinn bei Geschwindigkeitsüberschreitungen) ist in der Regel von einer oft jahrelangen Lerngeschichte im Vorfeld aktenkundig gewordener Verhaltensauffälligkeiten auszugehen. Derart habituelle Verhaltensweisen sind entsprechend änderungsresistent, zumal die verhängten Strafen oft in einem erheblichen zeitlichen Abstand von den Verhaltensauffälligkeiten erfolgen und eine Vielzahl entlastender Abwehrargumente zur Verfügung stehen ("Pechvogelhaltung", Bagatellisierung usw.)

Aus den aktenkundigen Vorgeschichtsdaten ist abzuleiten, dass Herr ... wiederholt gegen verbindliche Bestimmungen des Straßenverkehrs verstoßen hat. Dies verweist auch bei Würdigung unauffälliger Zeiträume der Straßenverkehrsteilnahme auf Einstellungs- und Verhaltensdefizite, die eine künftig regelangepasste Straßenverkehrsteilnahme in Frage stellen.

Forschungsergebnisse zeigen in diesem Zusammenhang, das Verkehrsteilnehmer, die erheblich und wiederholt gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen haben, stark gefährdet sind, zukünftig in ähnlicher Weise aufzufallen. Sie sind auch in erhöhtem Maße in Unfälle verwickelt. Sowohl Personen, die durch Verkehrsunfälle aufgefallen sind als auch Personen, die vermehrt Verkehrsverstöße begangen haben, stellen im Sraßenverkehr eine besondere Gefahrenquelle dar.

Für die Rückfallprognose ist auch zu berücksichtigen, dass eine Fortsetzung von Verkehrsverstößen trotz Bußgeldzahlungen, behördlicher Verwarnung oder des Wissens um mögliche Konsequenzen für die Fahrerlaubnis bereits weitgehend verfestigte Gewohnheiten voraussetzt. Mit dem regelwidrigen Verhalten muss eine hohe persönliche Bedeutung verbunden sein bzw. normative Einschränkungen persönlicher Freiräume müssen in besonderem Maße abgelehnt werden.

Folglich kann die Frage der Verkerkehrsbehörde entsprechend den Vorgaben der Begutachtungsrichtlinien zur Kraftfahrereignung und der Beurteilungskrieterien nur dann in einem für Herrn ... günstigen Sinn beantwortet werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Herr ... muss die Gründe für die Auffälligkeiten, die in der eigenen Person liegen, erkannt und problematische Einstellungen und Verhaltensweisen entsprechend geändert haben. Die Änderungen müssen so gefestigt sein, dass ein Rückfall in die früheren Gewohnheiten nicht zu erwarten ist.

(Hervorhebungen durch mich.)

Die Tat selbst spielt also keine Rolle. Sie zeigt aber die charakterlichen Mängel auf, die geändert werden müssen. Die Fragestellung ist auch nicht nur auf die Verkehrsteilnahme eingeschränkt. Ähnlich wie zum Beispiel bei einer Alkoholfragestellung, wo Abstinenz nicht nur auf die Verkehrsteilnahme beschränkt ist, sondern auf das gesamte zukünftige Leben.

Ich habe im Text oben versucht zu erklären, warum ich damals so gehandelt habe. Ich möchte nichts relativieren. Nur versuchen zu erklären.

Danach wird im MPU-Gespräch auch als erstes gefragt.

Das ist aber nur der Einstieg, im Gespräch wird es hauptsächlich um die erforderliche Änderung deines Charakters (siehe Fragestellung) gehen. Also dein soziales Verhalten. Statt Krafttraining würde es zum Beispiel besser aussehen, wenn du dich sozial engagieren würdest. Und zwar langfristig, also nicht erst kurz vor der MPU beginnend oder gar "nur" zukünftig.

Du kannst dir ja auch mal Gutachten mit verkehrsrechtlicher Fragestellung anschauen. Dann wirst du feststellen, das es im psychologischen Gespräch nur in ein zwei Fragen um den oder die Vergehen geht. Der Rest handelt nur noch von der Person des / der Betroffenen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Joey1357

willkommen im Forum.

Im Gegensatz zu MrMurphy sehe ich schon, dass du dich mit dir und deinem Fehlverhalten auseinandergesetzt hast. Auch mit der "Eigensucht" kann ich in diesem Zusammenhang nicht so recht etwas anfangen.
think.gif


Schaue dir doch bitte mal diese Originalfragen einer verkehrsrechtlichen MPU an, und versuche die Fragen, die auf dich zutreffen, zu beantworten, nachdem du den von MrMurphy verlinkten Profilbogen ausgefüllt hast.


Hallo Nancy. Danke, dass Du Dir Zeit nimmst.

Anbei der ausgefüllte Bogen:



Ob er denn eine Erklärung für seine Verstöße habe?


Aus heutiger Sicht absolut.
Ich habe die Kontrolle verloren und dem Hintermann zeigen wollen, dass er mich nicht so bedrängen kann.

Ich habe leider vermissen lassen, mich mit meinem damaligen Stresslevel aktiv auseinander zu setzen. Ich stand über lange Zeit (3-4 Monate) unter immensem Druck durch eine stark belastende Situation bei der Arbeit.

Ich habe mich gedanklich betäubt, auf „Autopilot“ gestellt. Meine damaligen Bewältigungsstrategien zum Stressausgleich (Gartenarbeit, Kraftsport daheim) konnten nicht mehr greifen und ich habe in dem Moment die Kontrolle verloren.

Ich habe meinen Ärger nicht mehr kontrollieren können.



Wie er es sich erkläre, dass er nicht bereit gewesen sei, sich an die Vorschriften zu halten?

In dem Moment der Straftaten kam der Ärger über mich. Ich wollte in dem Moment nur mein damals empfundenes Recht durchsetzen. Für mich war es das Recht auf Abstand.



Falls Alk. im Spiel war:
Ab wie viel Uhr er an dem Abend Alkohol getrunken habe?

Was der Alkohol bewirken sollte?

Wie es zu dem Unfall gekommen sei?

Ob er sich fahrtauglich gefühlt habe?




Er sei ja mit verschiedenartigen Verstößen aufgefallen, was diese Verstöße mit seiner Person zu tun haben?

Mir fehlte die innere Distanz zu der Situation. Ich habe es sehr persönlich und als Angriff genommen. Ich habe mich zu einer Art „Machtkampf“ hinreißen lassen. Man kann sagen, dass ich in dem Moment versucht habe, den Anderen zu erziehen. Aber das ist nicht meine Aufgabe.

Ob er in anderen Bereichen auch Schwierigkeiten gehabt habe, sich an Regeln zu halten?

Ich bin ein sehr regeltreuer Mensch. Regeln sind unglaublich wichtig. Wenn ich z.b. mit meiner Partnerin an einem Sperrwerk spaziere und dort Schilder sind, die etwas undeutlich formuliert sind „das Betreten des Weges nahe des Wassers ist verboten“, dort aber zwei Wege verlaufen, gehe ich keinen der Wege. Ich bin sehr regelbewusst.



Wenn er sich dann an Regeln halten konnte, wo er da die Ursache dafür sehe, dass er das im Straßenverkehr nicht konnte?

Zu dem Zeitpunkt war ich, wenn ich ehrlich bin, eine tickende Zeitbombe. Ich hätte mich viel eher mit meinem damaligen Stress auseinandersetzen und diesen angehen sollen.



Ob er meine, dass er mit seinem Fahrverhalten eine Gefährdung im Straßenverkehr geschaffen habe?

Absolut. Es hätte so viel mehr passieren können. Man denke nur, es wäre glatt gewesen an dem Tag.. Ich schäme mich noch immer zutiefst dafür.

Wie er sich selbst als Kraftfahrer einschätze?
Bis auf die Situation als sehr defensiven und vorausschauenden Fahrer. Ich drängle nie, lasse immer viel Abstand nach vorne. Ich fahre nie zu schnell. Der letzte Bußgeldbescheid durch einen Blitzer liegt über 4 Jahre zurück. Davor wurde ich seit Bestehen meines Führerscheins 2008 vielleicht 3 mal geblitzt.

Ich achte sehr viel auf den Rückwärtigen Verkehr. Wenn sich z.B. ein Motorrad nähert, ordne ich mich weit rechts ein, um diesem das Überholen zu erleichtern.




Eine/diese Lösung habe er damals nicht genutzt, was heute anders sei, dass er meine, dazu in der Lage zu sein?

Ich habe mich in der langen zeit intensiv mit meinem damaligen Verhalten auseinandergesetzt. Ich kenne die Ursache hierfür. Ich bin die Straften gedanklich oft durchgegangen und würde heute vieles anders machen.

Den Moment, in dem der Ärger hochkommt, gezielt annehmen und innehalten. Für mich habe ich die Box-Atmung entdeckt. 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten und 4 Sekunden ausatmen.
Ich würde die Situation gezielt verlassen. Entweder bei der nächsten Gelegenheit rechts ranfahren, oder (bezogen auf meinen Arbeitsweg) einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Ich kann, anstatt auf die Autobahn zu fahren, zwei andere Wege zur Arbeit nehmen. Diesen Gedanken hatte ich damals auch bereits, aber leider erst im Nachhinein.




Er habe aber gewusst, dass er sich an die Regeln halten müsse?

Ja. Regeln sind wichtig. Ohne sie herrscht Chaos. In dem Moment habe ich meine Gefühle leider nicht rechtzeitig angenommen und korrekt gesteuert.



Was er dafür tun, worauf er achten wolle, um nicht wieder gegen Regeln zu verstoßen?

Ich darf mich nicht meinem Stress hingeben und ihm ohne Bewältigungsstrategien ausliefern. In Situationen, in denen der Stress überhandnimmt, muss ich mich fokussieren und diesem nicht ausliefern, sondern diesen bewältigen.



Welche Risikofaktoren und -situationen er für die Zukunft sehe, in denen es ihm schwerfallen könne, seine Vorsätze einzuhalten?

Ich weiß, dass Drängler in mir das Gefühl des Unwohlseins auslösen und ich mich leicht habe provozieren lassen, wenn ich unter starken Stress stand.
Heute habe ich dafür Bewältigungsstrategien. Zum einen, das Stresslevel gar nicht erst so weit ansteigen zu lassen, zum anderen in solchen Situationen bewusst den Fokus zu verschieben und mich zu erden.



Was ihn so sicher mache (das er seine Vorsätze aufrecht erhalten kann)?

Mein damaliges Verhalten hat andere massiv gefährdet. Jeder möchte gesund von A nach B kommen. Nur weil mir jemand dichter auffährt, gibt mir das keinen Grund, so zu reagieren, wie ich es damals tat.
Ich möchte nicht noch einmal so eine gefährliche Situation herbeiführen.
Damals war es mir in dem Moment wichtiger, mein „Recht“ durchzusetzen.

Ich habe gemerkt, wie schnell eine solche Situation eskalieren kann. Ich möchte einfach nur heil ankommen.



Welche Bedeutung hat der Führerschein für ihn?

In erster Linie bedeutet der Führerschein Mobilität. Vor allem im Alltag, aber auch im Berufsleben. Aber er verpflichtet auch. Er ist nicht selbstverständlich.
Das Führen eines Fahrzeuges birgt eine große Verantwortung. Für mich und andere Verkehrsteilnehmer. Das ist mir die letzten Monate noch viel bewusster geworden.



Ob er seit der Geschwindigkeitsüberschreitung noch einmal aufgefallen sei?

Es war keine Geschwindigkeitsüberschreitung, aber nein, davor nie und danach nicht wieder.



Warum er keinen Vorbereitungskurs gemacht habe?

Aktuell besuche ich einen Vorbereitungskurs in der nächstgelegenen Stadt. Aber der Kurs allein ist kein Garant für das Bestehen der MPU. Eine Einsicht meines damaligen Fehlverhaltens und eine Verhaltensänderung sind viel wichtiger finde ich.
 
Das ist die Fragestellung in anderen Worten:



Es geht also um den Charakter des Betroffenen. Genaueres steht in fast jedem Gutachten mit verkehrsrechtlicher Fragestellung. Zum Beispiel



(Hervorhebungen durch mich.)

Die Tat selbst spielt also keine Rolle. Sie zeigt aber die charakterlichen Mängel auf, die geändert werden müssen. Die Fragestellung ist auch nicht nur auf die Verkehrsteilnahme eingeschränkt. Ähnlich wie zum Beispiel bei einer Alkoholfragestellung, wo Abstinenz nicht nur auf die Verkehrsteilnahme beschränkt ist, sondern auf das gesamte zukünftige Leben.



Danach wird im MPU-Gespräch auch als erstes gefragt.

Das ist aber nur der Einstieg, im Gespräch wird es hauptsächlich um die erforderliche Änderung deines Charakters (siehe Fragestellung) gehen. Also dein soziales Verhalten. Statt Krafttraining würde es zum Beispiel besser aussehen, wenn du dich sozial engagieren würdest. Und zwar langfristig, also nicht erst kurz vor der MPU beginnend oder gar "nur" zukünftig.

Du kannst dir ja auch mal Gutachten mit verkehrsrechtlicher Fragestellung anschauen. Dann wirst du feststellen, das es im psychologischen Gespräch nur in ein zwei Fragen um den oder die Vergehen geht. Der Rest handelt nur noch von der Person des / der Betroffenen.


Ich verstehe, was du meinst. Das Training und die Gartenarbeit sind für mich ein Ausgleich und ein Mittel Stress abzubauen.
Bisher habe ich viel über die Taten geschrieben. Ich möchte nicht so rüberkommen, dass ich denke, ich müsste mein Verhalten nur im Straßenverkehr geändert haben.



Soziales Engagement ist leider nichts für mich. Ich bin ein introvertierter Mensch. Ich kann "nur" damit dienen, mich mit meinem damaligen Verhalten auseinander gesetzt zu haben und seit dem Vorfall Strategien zur Bewältigung entwickelt und umgesetzt zu haben.

Ich denke, gerade introvertierte Menschen hören mehr auf "sich" und mehr in sich hinein. So kenne ich mich eigentlich auch. Vor den Taten würde ich behaupten konnte ich das auch sehr gut. Seit den Taten habe ich mich auch mehr damit beschäftigt. Was in mir vorgeht. Wieso manchen in mir _wie_ vorgeht und wie ich damit vernünftig umgehen kann.

Den Tipp mit den Gutachten werde ich beherzigen. Ich schau mal, wo ich diese finde.
 
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