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TF // E-Scooter // 1,62 BAK // Erstmalig auffällig geworden

Lages

Neuer Benutzer
Hallo ihr Lieben, bin diese Woche auf das Forum gestoßen und möchte erstmal allen Beteiligten, die hier Mehrwerte für alle schaffen, ein großes Lob aussprechen. Ist eine wahnsinnige Hilfe für all diejenigen, die dieses Thema angehen müssen und eure Hilfe ist dabei gold wert.
Also vorab danke euch für die ganzen Mühen!!

Kurz zu mir: Bin am 30.11.2025 in der nacht (von Samstag auf Sonntag) auf einem E-Scooter von der Polizei angehalten worden und letztlich mit 1,62 Promille erwischt worden. Strafe wurde ausgesprochen, Sperrfrist läuft bald aus (10.09.2026) und nun muss ich "nur" noch die MPU erfolgreich hinter mich bringen. Würde hier im Folgenden gerne mal meinen Fall in aller Ausführlichkeit darstellen und bin glücklich über jede Hilfe, kritische Fragestellung und all das, was mir in der bevorstehenden MPU (Termin: 18.08.2026) weiterhelfen kann.

Vielen Dank schon mal!!

FB Alkohol

Zur Person
Geschlecht: Männlich
Größe: 1,98 Meter
Gewicht: ca. 95 KG
Alter: 32 Jahre

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 30.11.2025
BAK: 1,62
Trinkbeginn: 18.30 Uhr
Trinkende: 0.30 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 01:44 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: Nein
Strafbefehl schon bekommen: Ja
Dauer der Sperrfrist: Insgesamt ca. 10 Monate

Führerschein
Hab ich noch: -
Hab ich abgegeben: Direkt vor Ort bei der Polizei abgegeben
Hab ich neu beantragt: Neu beantragt hab ich bereits (21.04.2026) - MPU nun noch ausstehend
Habe noch keinen gemacht: -

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: Nein, nichts
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt): Ist zu erwarten, dass das Führen von fahrerlaubnispflichtigen Fahrzeugen und ein die Fahrsicherheit beeinträchtigender Alkoholkonsum hinreichend sicher getrennt werden kann?
Falls nein oder wenn die zu begutachtende Person dauerhaft auf Alkohol verzichten muss, liegt ein ausreichend langer Abstinenzzeitraum sowie ein gefestigter Einstellungs- und Verhaltenswandel zu Alkohol vor?

Bundesland: Bayern


Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: Wird gleich ausführlicher beantwortet
Ich lebe abstinent seit:

Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: Nein
Urinscreening ja/nein: Nein
PEth-Analytik ja/nein: Nein
Keinen Plan?: -

Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: -

Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: -
Selbsthilfegruppe (SHG): -
Psychologe/Verkehrspsychologe: MPV GmbH / seit dem 03.03.2026 5 Einzel- und 9 Gruppensitzungen a 50 Minuten => "Am 08.07.2026 wurde die verkehrstherapeutische Maßnahme mit hauptsächlichem Nachsorgecharakter erfolgreich beendet" (Offizielle Bescheidung der MPV GmbH)
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: -
Ambulante/stationäre Therapie: -
Keine Ahnung: -

MPU
Datum: 18.08.2026
Welche Stelle (MPI): PIMA GmbH
Schon bezahlt?: Ja
Schon eine MPU gehabt? Nein
Wer hat das Gutachten gesehen?: -
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: -

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: Nein, nichts

Ich habe die nachfolgenden 30 Fragen in einem anderen Thread gesehen und würde gerne damit euch in aller Ausführlichkeit darstellen, was passiert ist und was ich entsprechend aufgearbeitet habe. Bin dankbar für jede Hilfe, kritische Nachfragen und allgemein euren Gedanken zu meinem Fall.

SORRY vorab, wenn ich das teilweise zu ausführliche beantwortet habe oder mich im Kreis drehe. Das ganze Thema beschäftigt mich schon sehr und entsprechend möchte ich das maximal gut vorbereiten.

Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)

Am 29.11.2025 habe ich mich gegen 18:30 Uhr mit meiner damaligen „Fußballgruppe“ in einer Kneipe getroffen. Es war Bundesliga-Samstag und gleichzeitig hatte ein Freund aus der Gruppe Geburtstag. Wir haben uns damals fast jeden Samstag mit wenigen Ausnahmen getroffen. Regelmäßig sind wir gemeinsam ins Stadion gegangen oder haben den Abend in unserem Stammlokal verbracht. Ich bin an dem Tag später dazugestoßen, weil ich vorher noch mit meiner Freundin unterwegs war.

Wir haben Fußball geschaut, viel geredet und den Geburtstag eines Kollegen gefeiert, der ebenfalls regelmäßig dabei war. Dabei habe ich ausschließlich Bier getrunken. Als mich die Polizei später gefragt hat, wie viel ich getrunken hatte, habe ich angegeben, dass es sieben Bier gewesen sind. Erst als ich den Abend später in Ruhe noch einmal rekonstruiert habe, habe ich die tatsächliche Menge zurückgerechnet, die eher so bei 9-10 (0,5L) Bieren gewesen sein muss. Die Stimmung war ausgelassen und dass einige Runden von unserem Kollegen anlässlich des Geburtstages ausgegeben wurden, hat da sicherlich eine Rolle gespielt.

Gegen 1 Uhr wollte ich nach Hause. Eigentlich war mein Plan - wie immer - den letzten Bus oder die letzte U-Bahn zu nehmen. Als ich an der Haltestelle angekommen bin, waren beide vor wenigen Minuten gefahren und das waren die letzten Fahrten für den Abend. Also bin ich zunächst zu Fuß losgelaufen. Der Heimweg waren ungefähr 2,5 Kilometer, was machbar ist, aber im Winter und zu der Uhrzeit eher undankbar – sei’s drum.

Nach ungefähr 300 Metern stand rechts am Straßenrand ein E-Scooter. Ich weiß noch, dass ich einfach nur noch heim wollte. Es war spät, ich war müde und ehrlich gesagt hatte ich keine Lust, den ganzen Weg noch zu Fuß zu gehen. Ein Taxi kam mir in dem Moment gar nicht wirklich in den Sinn beziehungsweise erschien mir zu teuer. Der Scooter wirkte auf mich wie die einfachste Lösung. Dass ich in dem Zustand überhaupt nicht mehr objektiv & ehrlich einschätzen konnte, ob ich noch fahren konnte oder nicht, war mir damals nicht bewusst. Ich dachte einfach, dass ich die kurze Strecke schon schaffen würde. Also stieg ich auf den Scooter und fuhr los.

Nach ungefähr 400 Metern wurde ich von einer Polizeistreife um 01.10 Uhr im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle angehalten. Der Atemalkoholtest (01.12 Uhr) ergab 0,77 mg/l. Anschließend wurde ich zur Dienststelle gebracht, wo gegen 1:44 Uhr die Blutprobe entnommen wurde. Das spätere Ergebnis lag bei 1,62 ‰.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)

9 – 10 Bier / Helles (0,5L) // Keine Schnäpse oder ähnliches.
Trinkstart war gegen 18.30 Uhr. Trinkende gegen 0.30 Uhr.

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Insgesamt wären es ca. 2,5 KM gewesen => Zurückgelegte Strecke waren ca. 400 Meter

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)

In der Nacht dachte ich schon, dass ich den „kurzen“ Weg noch sicher nach Hause schaffen kann. Es war spät und Winter. Ich dachte, dass sowieso weniger los auf den Straßen sei und vergangene Fahrten haben auch immer problemlos geklappt. Hatte nicht das Gefühl, dass ich große Ausfallerscheinungen hatte und dass der Weg kein großes Hindernis darstelle. Habe dabei jegliche Risiken für mich und meine Mitmenschen komplett ausgeblendet und dachte, alles noch sicher bewältigen zu können.

Es war unkompliziert den Roller in dem Moment zu nehmen und dass der „kurze“ Weg machbar sei.

Dass das natürlich vollkommener Irrglaube war, brauchen wir nicht drüber reden – aber dazu kommen wir später nochmal.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Plan war – wie auch sonst – die letzte Bus- oder U-Bahn Verbindung zu nehmen, was in der Vergangenheit sehr gut geklappt hat.

Fußweg ist auch noch absolut im Rahmen des Machbaren. Von daher habe ich mir vorab
keine großen Gedanken gemacht, wie ich den Heimweg bestreiten kann und werden an diesem Abend.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Vergangene (betrunkene) Fahrten mit dem E-Scooter sind bereits vorgekommen und haben (im Nachhinein) „problemlos“ geklappt“  War mit der Hauptgrund, warum ich auch an besagtem Abend auf den Roller gestiegen bin.

Einige Autofahrten mit Restalkohol am Nächsten morgen ebenfalls.

Aufgefallen bin ich dabei aber nie.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Bestimmt 10-15 Mal => Gab mir eine falsche Sicherheit, dass nichts passieren (kann). Bewusstsein, wie gefährlich auch die Teilnahme am Straßenverkehr für mich und meine Mitmenschen sein kann, habe ich dadurch kleingeredet. Mein Risikobewusstsein und Gefahrenwahrnehmung ist gegen 0 gesunken, was einer der Hauptgründe war, warum ich überhaupt erst auf den Roller gestiegen bin. Erschreckend zudem auch im Nachhinein, wie man objektive Fakten (hoher Alkoholkonsum) mit subjektivem Empfinden vermischt und denkt, man sei noch leistungsfähig genug, obwohl das objektiv gar nicht stimmen kann.

Alkoholtoleranz durch Gewöhnung und regelmäßiges Trinken war nichts, worüber ich mir Gedanken gemacht habe und dachte, es sei normal, sich nach der Menge noch entsprechend fit für den E-Scooter zu fühlen.

Zudem: Gefahren eines E-Scooters kleingeredet – „ist ja kein Auto“. Habe es eher wie Fahrrad gesehen – trotz motorisiertem Fahrzeug etc. Falscher Irrglaube auch in der Richtung

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)

1. Kontakt bestimmt zwischen 12 – 14 Jahren, wo auf Familienfeiern Alkohol konsumiert wurde. Bzw. in dem Alter das erste Mal wirklich realisiert, dass Alkohol konsumiert wird und nicht ein „normales“ Getränk. (Bei dem Punkt bin ich mir echt nicht sicher und hab einfach eine Vermutung aufgestellt ehrlicherweise)

1. Konsum war mit 17 Jahren. Ich habe mit Freunden damals das ausprobieren wollen. Geschmeckt hat es überhaupt nicht. Haben damals jeder 2 Mischbier getrunken.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Mit 18 Jahren hat es eigentlich angefangen, regelmäßiger Alkohol zu konsumieren. Habe damals nach dem Abitur eine Ausbildung angefangen und war seither unter der Woche 5 Tage arbeiten (oder Berufsschule), weshalb wir öfters an den Wochenenden dann unterwegs waren und feiern gegangen sind. Stetig steigend bis 4-5 Bier oder 1-2 Cocktails an max. 2-3 Wochenenden im Monat. Wenn Freitags, da ich sonntags immer Fußballspiele hatte. Ausschließlich am Wochenende getrunken - mir war damals schon wichtig, dass sich der Konsum nicht negativ auf Arbeit oder Sonstiges auswirkt.

Mit 22 nach der Ausbildung (und 1 Jahr arbeiten) dann mit dem Studium angefangen, wodurch sich auch die Trinkmenge erhöht hat. Studium, neue Leute, Studentenleben  Alles war neu und „aufregend“. Man war mehr unterwegs, viel mit Leuten zusammen und entsprechend ist in der Zeit auch der Alkoholkonsum gestiegen. Bestimmt 1x pro Woche mit max. 2-3 Long-Drinks oder 6-7 Bier. Der Konsum hat sich mit der Zeit über das Bachelor-Studium immer weiter „gelegt“. Man war dann im 3., 4. Oder 5. Semester auch nicht mehr auf jeder Uni Party, alles hatte sich eingependelt und ich hab ab dem 3. Semester zusätzlich mit einer Werkstudentenstelle angefangen, wodurch man auch mehr Verpflichtungen und weniger freie Zeit hatte. 4-5 Bier oder 1-2 Cocktails an max. 2-3 Wochenende im Monat.

Mit 26 habe ich dann direkt im Anschluss an das Bachelor Semester mit meinem Master angefangen. Gleiche Uni, deutlich anderer Schwierigkeitsgrad und Verpflichtungen und zudem eine neue Werkstudentenstelle, die mich auch anders gefordert hat. Ich war vielleicht an 2 Wochenenden im Monat unterwegs, habe dort ausschließlich Bier getrunken (max. 5 Bier). Corona Zeit hat da sicherlich auch mehr mit reingespielt, wo der Konsum relativ niedrig war wegen der ganzen Auflagen etc. (habe nie alleine getrunken)

Noch ein kleiner Hinweis und eine Einordnung zu den Mengen über das Studium hinweg, die sicherlich nicht wenig waren – da brauchen wir uns nicht drüber unterhalten: Ich war da aber immer schon leistungsorientiert unterwegs. Unter der Woche war tabu wegen Uni & Arbeit. Wochenende schon gerne mal einfach „laufen lassen“. Prüfungsphasen dagegen waren jedes Mal 4-8 Wochen gar kein Alkohol, weil volle Konzentration aufs Studium und gut durch die Prüfungen kommen. Das war ein Aspekt, der immer gut geklappt hat. Ich konnte und wusste mir eigene Grenzen zu setzen, wenn es drauf ankam.

Mit 29 (2023) dann nach dem Master in das Berufsleben eingestiegen als Unternehmensberater in der IT-Branche. Viel unterwegs, viele neue Leute und Projekte, steile Lernkurve und viel zu tun, wodurch sich das eigene Leben schon verändert hat im Vergleich zum Studentenleben. Weniger (mit Freunden) unterwegs gewesen – v.a an den Wochenenden. Der gewohnte Freundeskreis, wo viel unternommen wurde und der Alkohol nie im Vordergrund stand an den Treffen, hat sich im gleichen Atemzug ein wenig „disconnected“ => Jeder im Job angekommen, tlw. Familie. Also bei allen haben sich die Prioritäten verschoben, was aber auch okay war. Es war schade, aber hat sich irgendwie wie der normale Gang der Zeit angefühlt.

Arbeit hat sich dann immer mehr eingependelt und ich habe mich overall wohlgefühlt. So im Nachhinein betrachtet, habe ich mich aber zu der Zeit zu „sehr“ in die Arbeit gestürzt und dabei andere Aspekte, die mir immer gut getan haben, „vernachlässigt“ und dabei die Wochenenden als „exzessiven“ Ausgleich gesehen, was so ein engstirniges Denken war.

Ende 2024 / Anfang 2025 bin ich dann zu einer neuen Gruppe gestoßen. Bin schon immer gerne zum Fußball schauen ins Stadion gegangen und daraus hat sich eine neue Gruppierung gebildet, die sich dann immer mehr und regelmäßiger getroffen hat. Im Zuge dessen hat sich auch der Alkoholkonsum an den Wochenenden wieder erhöht. Wir haben uns eigentlich fast jeden Samstag getroffen (mit wenigen Ausnahmen) und waren entweder im Stadion oder in unserer Kneipe unseres Vertrauens, haben Fußball geschaut und einfach eine gute Zeit gehabt – immer mit (viel) Alkohol verbunden. Das waren schon so regelmäßig 6-7 Bier. Wenn jemand Geburtstag hatte oder etwas „Besonderes“ anstand auch mal mehr (wie am Delikttag, wo es mal 9-10 Bier waren – das war die maximale Menge). Dies war eher die Ausnahme, aber sicherlich nicht das 1. Mal, dass ich in der Menge getrunken haben. Dies lief dann bis zum Delikttag (29.11.2025), wonach sich das der Konsum drastisch reduziert hat, weil es schon ein einschneidendes „Erlebnis“ war.

Seitdem 3 Mal Alkohol angerührt (max. 2 Bier).

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
s. oben - eigentlich alles eben beantwortet

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Erste Erfahrungen mit dem Freundeskreis, den sich seit dem Kindergarten habe und bis heute sehr eng bin (da war der Alkoholkonsum aber immer relativ überschaubar und der Rausch stand nie im Vordergrund)

Studium vor allem mit Studienkollegen, die man zu der Zeit kennengelernt hat.

Zuletzt mit der besagten „Fußballgruppe“, die eng mit hohen Alkoholkonsum verknüpft war.
 
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)

Muss ehrlicherweise gestehen, dass dieser Teil schwer einzuordnen für mich ist. Habe mich lange mit meiner Beraterin darüber unterhalten, aber habe einfach viele Gedanken zu dem Thema. Denke dieser Teil und später die Rückfallvorsorge sind zwei Parts, wo ich am meisten Rückmeldung und ehrliche Meinung von euch brauche.

Äußere Motive: Eher als Bedürfnisse, die durch das äußere Umfeld und Begleitumstände erfüllt wurden und KEINE Erklärung, warum man so viel Alkohol trinkt. Man kann all das haben, OHNE so viel zu trinken
Gruppenzugehörigkeit & Gemeinschaft

  • „Ritualisiertes“ Verknüpfen von Alkohol und Freizeit (an den Wochenenden), wodurch hohe Konsummengen „normal“ wurden
  • Gruppendynamik
  • Samstage = keine Arbeit, Abschalten bzw. Wochenende ohne Verpflichtungen und großes Planen, was gutes Kontrastprogramm war zu dem, was unter der Woche passiert ist, wo einfach viel Struktur vorgegeben war => Die Treffen mit besagter Gruppe fanden regelmäßig ohne große Planung statt
  • Habe mich an den Trinkgewohnheiten der Gruppe orientiert und mein eigenes Verhalten nicht mehr hinterfragt // Typische Trinkanlässe als solche genommen und nicht mehr betrachtet, was MIR wirklich gut tut
  • Alte Freundesgruppe lebte sich ein wenig auseinander // sehr strukturierter Alltag unter der Woche // Ausgleich am Wochenende gesucht
Wichtig! Würde nie auf die Idee kommen, das in irgendeiner Weise von mir abzuweisen und den hohen Konsum einer Gruppe in die Schuhe zu schieben => Eher so: „Heute weiß ich, dass die Fußballgruppe nicht die Ursache meines Konsums war. Sie war lediglich ein Umfeld, in dem mein problematischer Umgang mit Alkohol nie hinterfragt wurde. Den Fehler gemacht habe ich selbst, weil ich mich an den Maßstäben der Gruppe orientiert habe, statt mein eigenes Trinkverhalten kritisch zu betrachten.“ Und so weiter eben…

Warum habe ich also so viel getrunken? Innere Motive
Rückblickend waren es nicht die Getränke selbst, sondern das, was Alkohol mit mir gemacht hat.

Ich war schon immer eher ein ruhiger und zurückhaltender Mensch. Gerade in neuen Gruppen habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie ich auf andere wirke. Ich wollte dazugehören, wollte interessant sein und hatte Angst, negativ aufzufallen oder langweilig zu wirken. Dadurch war ich anfangs oft angespannt und eher beobachtend.

Alkohol hat dieses Gefühl verändert. Nach den ersten Bieren wurde ich lockerer. Ich habe mehr geredet, mehr gelacht, mir weniger Gedanken darüber gemacht, was andere von mir denken. Ich hatte das Gefühl, einfacher Anschluss zu finden und besser in die Gruppe zu passen. Das war für mich angenehm und genau deshalb habe ich Alkohol irgendwann unbewusst mit sozialen Situationen verknüpft. In bekannten Gruppen war das gar nicht so wild, wie auch der Trinkverlauf zeigt, aber dieses „Unbekannte“ war immer schwerer für mich einzuordnen und mich dort zurechtzufinden.

Hinzu kam, dass Alkohol für mich das Wochenende eingeläutet hat. Unter der Woche war mein Alltag durch Arbeit, Termine und Verpflichtungen stark strukturiert. Am Wochenende wollte ich einfach abschalten, den Kopf ausschalten und nicht mehr ständig nachdenken. In der Fußballgruppe musste ich nichts organisieren oder planen. Es war jedes Wochenende jemand da, man traf sich einfach und der Abend entwickelte sich von selbst. Diese Leichtigkeit habe ich mal wieder genossen. Andere Gruppen haben sich gleichzeitig eher entfernt, was ich aber als nicht problematisch gesehen habe, weil trotzdem fast jedes Wochenende etwas gelaufen ist UND was ich eben auch gemacht habe, diesen hohen Alkoholkonsum zu verharmlosen, weil der Alltag gut funktioniert hat.
Willkommene Abwechslung war also nach wie vor da.

Mit der Zeit haben sich diese Dinge gegenseitig verstärkt. Ich bin nicht mehr nur wegen des Fußballs oder der Freunde hingegangen, sondern auch wegen des Gefühls, das mit diesen Abenden verbunden war. Gemeinschaft, Lockerheit, Spaß und Abschalten gehörten für mich irgendwann automatisch zu Alkohol dazu. Es wurde „normal“ auch so viel zu trinken, weil es eben dazu gehörte und die hohen Trinkmengen nicht mehr so viel mit dem Körper machten (Stichwort Gewöhnung und Erhöhung Alkoholtoleranz) – es wurde alles verharmlost und eigentlich nicht kritisch hinterfragt. Aufarbeitung von wirklichen Themen, die mich beschäftigt haben und dieses „Abschalten“ war dabei kein zielführender Automatismus und hatte zur Folge, dass ich eigentlich viele Sachen, die man ehrlich reflektieren sollte, verdrängt und einfach weggeschoben hatte bzw. in mich hinein gefressen habe.

Das Entscheidende ist für mich heute aber etwas anderes:
Ich habe damals geglaubt, dass Alkohol mir hilft, offener zu sein und leichter Kontakte zu knüpfen. Tatsächlich hat er das eigentliche Problem nur überdeckt. Ich musste mich nicht damit beschäftigen, warum ich in neuen Gruppen überhaupt so angespannt war oder warum mir die Meinung anderer so wichtig war. Statt daran zu arbeiten, habe ich die Unsicherheit für ein paar Stunden betäubt.

Heute sehe ich genau darin meinen Fehler.

Unter der Woche war mein Alltag sehr strukturiert. Ich hatte Verantwortung, Termine und wollte in Beruf und Privatleben funktionieren. Am Wochenende wollte ich einfach nicht mehr ständig nachdenken. Ich wollte nicht überlegen, wie ich auf andere wirke oder ob ich genug rede. Ich wollte einfach einen lockeren Abend haben. Alkohol hat mir genau dieses Gefühl gegeben. Mit ein paar Bier wurde ich lockerer, machte mir weniger Gedanken und konnte den Alltag für einige Stunden ausblenden. Rückblickend sehe ich, dass ich damit aber nicht nur Stress ausgeblendet habe, sondern auch meine Unsicherheit und meinen ständigen Drang, bei anderen gut anzukommen. Schade, dass es soweit über den Alkohol und Gruppen kommen mussten.


SORRY wenn einige Aussagen sich hier wiederholen. Hab selber das Gefühl mich da tlw.
Im Kreis zu drehen, aber denke das ist ein entscheidender Teil in der MPU und möchte da alles reinbringen. Genau hier kann eure Perspektive aber wirklich Klarheit schaffen, worauf es wirklich ankommt und wie ich das am besten stringent darlege.


13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol
)
  • Wenig Alkohol: Redseliger, Lockerer gefühlt und weniger Gedanken gemacht
  • Viel Alkohol: Bis zu einem gewissen Grad hat es die Gefühle von oben verstärkt, wonach man danach aber wirklich keinerlei positive Effekte mehr hatte. Konzentration litt, Gedanken wurden immer unsortierter, Gespräche waren wenig zielführend.
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Nein, nie. Wobei mir auch immer wichtig war, dass andere Sachen dadurch nicht untergegangen sind. War ich mit meiner Freundin verabredet, dann wurde das immer gemacht. War ich mit anderen Freunden verabredet, alles gut. Sobald Arbeit im Spiel war, ging diese vor.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Keine direkten Auswirkungen auf Leben und Umfeld. Wenn es drauf ankam (Schule, Studium, soziale Kontakte) wurde der Alkoholkonsum immer „hinten angestellt“.

Sicherlich war ich persönlich nicht so „leistungsfähig“, wie ich es ohne Alkohol gewesen wäre und habe mich dessen persönlich beraubt, aber weder Arbeit noch soziale Kontakte haben darunter gelitten.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.

Studium Anfang ungefähr vergleichbar viel – ansonsten ab da nicht, nein! „Weit mehr“ sowieso nicht.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ist am Anfang 2 Mal passiert, als Alkohol neu war und man sich, seinen Körper und die damit verbundenen Folgen im Vollrausch nicht kannte. Grenzen waren nicht klar und man hat sich da gerne mal selbst überschätzt. Seitdem ist das aber nicht mehr vorgekommen.

Fande die Wirkung (sowohl währenddessen als auch am nächsten Tag) eines Vollrausches sehr unangenehm. Bin auch relativ weitesgehend immer bei Bier geblieben, weil es dort „leichter“ zu kontrollieren war, nicht ganz abzustürzen.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Jede Prüfungsphase in der Uni, was sehr gut lief. Keinen Tropfen und voller Fokus auf das Studium.

19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein? (mit Begründung)
Früher hätte ich mich selbst ganz klar als Gesellschafts- oder Partytrinker bezeichnet. Ich war überzeugt, dass mein Alkoholkonsum völlig normal sei, weil ich ausschließlich in meiner Freizeit und fast immer in Gesellschaft getrunken habe. Außerdem hatte ich nie das Gefühl, dass Alkohol meinen Alltag bestimmt. Beruf, Beziehung und andere Verpflichtungen haben für mich immer funktioniert und wenn etwas Wichtiges anstand, konnte ich verzichten.

Genau darin lag aber mein Denkfehler.

Ich habe mein Trinkverhalten damals ausschließlich danach bewertet, ob ich noch funktioniere, nicht danach, welches Risiko von meinem Konsum tatsächlich ausgeht.

Heute weiß ich, dass hohe Trinkmengen nicht erst dann problematisch sind, wenn Beruf oder Familie darunter leiden oder eine Abhängigkeit entsteht. Rückblickend sehe ich, dass ich über Jahre regelmäßig Mengen konsumiert habe, die deutlich im riskanten Bereich lagen. Ich hatte eine hohe Alkoholtoleranz entwickelt, habe meine Trinkmengen heruntergespielt und sie mit meinem sozialen Umfeld verglichen, statt sie objektiv zu bewerten.

Hinzu kommt, dass Alkohol für mich eine Funktion übernommen hatte. Er hat mir geholfen, mich lockerer zu fühlen, leichter Kontakte zu knüpfen und den Kopf nach einer anstrengenden Woche auszuschalten. Genau das erkenne ich heute als Warnsignal. Alkohol war für mich nicht nur ein Genussmittel, sondern hatte eine psychische Funktion übernommen.

Deshalb ordne ich mich rückblickend nicht als unauffälligen Gesellschaftstrinker ein, sondern als jemanden, der sich in einer Alkoholgefährdung (A3) befand.

Nicht weil ich abhängig war, sondern weil ich problematische Trinkmengen über längere Zeit normalisiert hatte, die Risiken verdrängt habe und damit schließlich Alkoholkonsum und verantwortungsvolle Verkehrsteilnahme nicht trennen konnte. Problembewusstsein war bis zum Vorfall nicht da.

Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)

SEHR selten. Seit dem Vorfall 3 Mal und ausschließlich (max. 2) Bier. An meinem Geburtstag 1 Bier zum Anstoßen, auf meine Beförderung mit 2 Bier am darauffolgenden Wochenende und im Urlaub 1 Bier. Das war es. Mit viel Abständen, langsamen (& genussvollen) Trinken – ohne Aussicht auf Wirkung oder Rausch.

Orientiere mich da strikt an den „Leitplanken“ des kT.

Plane Abende / geeignete Anlässe fest ein, wenn ich etwas trinken möchte im Form eines Trinktagebuch / Kalenders (hilft bei der dauerhaften und ehrlichen Reflektion seines Konsums)

Keine spontanen „Heute trinke ich doch“.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
Mitte Juni (Beförderung als Anlass)

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein.

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich trinke heute noch Alkohol, allerdings in einem völlig anderen Rahmen als früher.

Ich habe die Ursachen meines früheren Konsums aufgearbeitet und arbeite nicht mehr mit Alkohol an meinen Problemen. Wenn mich etwas belastet oder beschäftigt, spreche ich darüber oder suche andere Wege, damit umzugehen. Alkohol erfüllt für mich keine psychische Funktion mehr.

Ich habe mich bewusst gegen eine vollständige Abstinenz entschieden, weil ich nach der Aufarbeitung zu der Überzeugung gekommen bin, dass ich keinen Alkohol brauche, um mich wohlzufühlen oder Spaß zu haben. Gleichzeitig muss ich aber auch nicht vollständig darauf verzichten.

Der entscheidende Unterschied ist für mich: Früher bestimmte die Situation oft, wie viel ich getrunken habe. Heute entscheide ich das vorher selbst. Ich habe klare Grenzen, halte mich konsequent daran und hinterfrage meinen Konsum regelmäßig.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Die Trunkenheitsfahrt war für mich der Auslöser, mein Trinkverhalten zum ersten Mal wirklich kritisch zu hinterfragen.

Vorher hatte ich dazu keinen Anlass gesehen. Ich habe meinen Konsum zwar als eher hoch wahrgenommen, aber nie als problematisch. Ich habe funktioniert, hatte keine Schwierigkeiten im Beruf oder Privatleben und habe meinen Konsum deshalb als kontrolliert bewertet. Dass ich regelmäßig Mengen getrunken habe, die objektiv bereits riskant waren, habe ich verdrängt oder mit meinem Umfeld verglichen.

Erst durch die Trunkenheitsfahrt musste ich mich ehrlich mit meinem Alkoholkonsum auseinandersetzen. Mir wurde bewusst, wie sehr ich mich an hohe Trinkmengen gewöhnt hatte und dass ich meine eigene Leistungsfähigkeit völlig falsch eingeschätzt hatte.

Im weiteren Verlauf der Aufarbeitung habe ich erkannt, dass nicht nur die Trinkmenge problematisch war, sondern vor allem die Funktion, die Alkohol für mich übernommen hatte. Genau das hatte ich vorher nie hinterfragt.

Warum nicht schon früher?
Weil ich die Warnzeichen schlicht nicht erkannt habe. Für mich war problematischer Alkoholkonsum immer mit Kontrollverlust, Abhängigkeit oder offensichtlichen negativen Folgen verbunden. Da ich meinen Alltag problemlos bewältigt habe, habe ich mich selbst nie als gefährdet gesehen. Erst die Trunkenheitsfahrt hat mir gezeigt, dass diese Einschätzung falsch war.

Heute weiß ich, dass man nicht erst abhängig sein muss, damit Alkohol zum Problem wird. Entscheidend ist, welche Rolle Alkohol im eigenen Leben einnimmt und welche Risiken daraus entstehen.
 
25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Direkt nach der Trunkenheitsfahrt war ich ehrlicherweise überfordert. Was kommt da auf mich zu? Wie darf und muss ich das alles bewerten? Wie geht es weiter? Warum war ich so blöd? Warum passiert mir das?
Das waren so die ersten Gedanken, die auf mich eingeprasselt sind. Ich war ehrlich gesagt ziemlich geschockt darüber, was passiert war. Vor allem darüber, dass ich mich selbst so falsch eingeschätzt hatte und durch mein Verhalten andere Menschen gefährdet habe. Deshalb habe ich die ersten Wochen komplett auf Alkohol verzichtet.

Mit etwas Abstand habe ich aber gemerkt, dass es nicht reichen würde, einfach weniger zu trinken. Die eigentliche Frage war für mich: Warum hatte Alkohol in meinem Leben überhaupt so einen festen Platz bekommen?

Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, dass Alkohol für mich mehrere Funktionen erfüllt hat. Er hat mir geholfen, mich in Gruppen wohler zu fühlen. Ich habe weniger nachgedacht, war lockerer und hatte das Gefühl, einfacher mit anderen ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig war das Wochenende für mich immer der Gegenpol zu einer sehr strukturierten Arbeitswoche. Ich wollte einfach abschalten und den Kopf frei bekommen. Das Problem war nur, dass ich beides irgendwann ganz automatisch mit Alkohol verbunden habe.

Deshalb habe ich versucht, genau dort anzusetzen und nicht nur an der Trinkmenge.

Ein großer Punkt war für mich die Arbeit. Früher habe ich vieles einfach hingenommen. Ich wollte niemanden enttäuschen, habe selten Grenzen gesetzt und hatte oft das Gefühl, alles irgendwie schaffen zu müssen. Heute spreche ich Probleme früher an, fordere Unterstützung ein, wenn ich sie brauche, und setze mir bewusst Grenzen. Das war am Anfang ungewohnt, aber ich habe gemerkt, dass die Welt nicht untergeht, wenn man auch einmal sagt: Das schaffe ich heute nicht mehr. Im Gegenteil. Ich arbeite inzwischen oft konzentrierter und gehe mit deutlich weniger Druck nach Hause.

Gleichzeitig habe ich mir bewusst Dinge gesucht, die mir wirklich guttun. Ich bin wieder regelmäßiger ins Fitnessstudio gegangen, habe mir das Rennrad gekauft, das ich schon lange haben wollte, und nutze Sport heute ganz bewusst als Ausgleich. Früher habe ich oft bis zum Wochenende "durchgehalten". Heute versuche ich, unter der Woche schon dafür zu sorgen, dass gar nicht erst so viel Druck entsteht.

Auch mein soziales Umfeld hat sich verändert. Der Kontakt zur Fußballgruppe ist danach aktiv von mir abgebrochen worden. Nicht abrupt, sondern ich habe mit den engsten Leuten da reinen Tisch gemacht und bin offen damit umgegangen, was passiert ist – überraschenderweise ist das alles positiv aufgenommen worden und viel Verständnis. Den Kontakt habe ich seitdem aber bewusst gemieden.

Stattdessen habe ich den Kontakt zu alten Freunden und Familie wieder intensiviert, mit denen Alkohol nie im Mittelpunkt stand. Heute unternehmen wir ganz andere Dinge: Fahrrad fahren, grillen, Ausflüge oder einfach zusammen Zeit verbringen. Das gibt mir das gleiche Gefühl von Gemeinschaft wie früher – nur ohne, dass Alkohol dabei eine Rolle spielt.

Ein weiterer Punkt, der sich verändert hat, ist mein Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen. Früher war es mir wichtig, in einer Gruppe gut anzukommen. Gerade wenn Menschen neu für mich waren, habe ich mich oft gefragt, wie ich wirke und ob ich interessant oder locker genug bin. Heute habe ich diesen Anspruch nicht mehr. Ich habe verstanden, dass ich nicht überall dazugehören muss. Wenn ich merke, dass die Chemie mit Menschen stimmt, freue ich mich darüber. Wenn nicht, dann ist das genauso in Ordnung. Dadurch entsteht dieser innere Druck gar nicht mehr, den Alkohol früher für ein paar Stunden verschwinden ließ.

Was sich wahrscheinlich am meisten verändert hat, ist aber mein Umgang mit mir selbst. Früher habe ich vieles einfach laufen lassen. Wenn mich etwas beschäftigt hat, habe ich gedacht, das wird schon wieder. Heute schaue ich bewusst hin. Ich reflektiere deutlich häufiger, spreche Probleme an und versuche gar nicht erst, alles mit mir selbst auszumachen. Ich merke inzwischen viel früher, wenn mich etwas belastet, und kann darauf reagieren, bevor es sich aufstaut.

Rückblickend war die Umstellungsphase deshalb für mich viel mehr als eine Reduzierung der Trinkmenge. Sie hat dazu geführt, dass ich viele Gewohnheiten und Denkweisen hinterfragt habe. Natürlich läuft heute nicht alles perfekt und ich habe genauso stressige Phasen wie früher. Der Unterschied ist aber, dass ich heute anders damit umgehe. Ich brauche Alkohol nicht mehr, um abzuschalten, lockerer zu werden oder mich irgendwo dazuzugehörig zu fühlen. Genau das gibt mir das Gefühl, dass die Veränderung nicht nur oberflächlich ist, sondern auf einem anderen Verständnis meines eigenen Verhaltens beruht.

26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Die Veränderungen merke ich heute in vielen Bereichen meines Lebens. Körperlich fühle ich mich deutlich fitter. Früher gehörten träge Sonntage und ein schwerer Start in die neue Woche fast selbstverständlich dazu. Heute bin ich deutlich ausgeruhter und mein Sport profitiert ebenfalls davon.

Noch größer ist aber die Veränderung im Kopf. Ich gehe mit Stress und Problemen heute bewusster um und lasse Dinge nicht mehr einfach laufen. Ich spreche Themen früher an und muss mich nicht mehr erst bis zum Wochenende "retten", um abschalten zu können.

Auch mein soziales Umfeld hat sich verändert. Ich verbringe heute mehr Zeit mit Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Zu einigen alten Freunden ist der Kontakt wieder enger geworden und ich unternehme wieder häufiger Dinge, bei denen Alkohol überhaupt keine Rolle spielt.

Im Umgang mit anderen Menschen bin ich insgesamt entspannter geworden. Früher hatte ich oft das Gefühl, interessant wirken oder unbedingt dazugehören zu müssen. Heute sehe ich das viel gelassener. Wenn ich merke, dass die Chemie stimmt, entwickelt sich ein Gespräch von selbst. Wenn nicht, ist das auch völlig in Ordnung. Dadurch brauche ich Alkohol nicht mehr, um lockerer oder sicherer zu werden.

Insgesamt habe ich das Gefühl, mein Leben heute deutlich bewusster zu gestalten. Ich warte nicht mehr darauf, dass das Wochenende kommt und sich der Abend irgendwie entwickelt. Ich plane meine Freizeit aktiver, schaffe mir bewusst Ausgleich und merke, dass mir das langfristig deutlich mehr gibt als die früheren Fußballabende mit viel Alkohol.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Ich glaube nicht, dass mein neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt, weil ich mir ein paar Regeln aufgeschrieben habe. Regeln sind wichtig, aber sie hätten mir früher wahrscheinlich auch nichts gebracht. Der entscheidende Unterschied ist für mich, dass ich heute verstanden habe, warum Alkohol für mich überhaupt diese Bedeutung bekommen hatte.

Früher war Alkohol für mich viel mehr als nur ein Getränk. Er hat mir geholfen, lockerer zu sein, mich in Gruppen wohler zu fühlen und nach einer anstrengenden Woche einfach den Kopf auszuschalten. Genau deshalb konnte sich dieses Verhalten über längere Zeit entwickeln, ohne dass ich es wirklich hinterfragt habe.

Heute sehe ich das komplett anders. Ich weiß inzwischen, dass Alkohol nie die Ursache gelöst hat. Er hat nur dafür gesorgt, dass ich sie für ein paar Stunden nicht mehr gespürt habe. Genau das möchte ich nie wieder zulassen.

Der größte Unterschied ist deshalb, dass ich heute meine eigenen Warnsignale kenne. Früher habe ich Probleme eher verdrängt. Ich habe vieles mit mir selbst ausgemacht und gehofft, dass es sich irgendwann von alleine löst. Heute weiß ich, dass genau das der Anfang eines falschen Weges wäre. Wenn ich merke, dass ich mich zurückziehe, Gedanken immer länger mit mir herumtrage oder Dinge, die mir eigentlich guttun, vernachlässige, dann ist das für mich kein Zustand, den ich einfach akzeptiere. Ich spreche darüber – mit meiner Freundin, meiner Familie oder guten Freunden. Das fällt mir heute deutlich leichter als früher und genau darin sehe ich einen der größten Unterschiede zu damals.

Außerdem habe ich mein Leben insgesamt anders aufgebaut. Früher lag mein Ausgleich fast ausschließlich am Wochenende. Die Fußballgruppe, die Kneipenbesuche und der Alkohol gehörten irgendwann ganz selbstverständlich zusammen. Heute ist mein Ausgleich viel breiter. Ich gehe regelmäßig zum Sport, fahre Rennrad, verbringe bewusst Zeit mit meiner Freundin, meiner Familie und meinen Freunden und plane solche Dinge auch aktiv. Dadurch bekomme ich heute genau das, was ich früher oft mit Alkohol verbunden habe: Gemeinschaft, Entspannung und Spaß – nur eben ohne Alkohol.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich heute nicht mehr das Gefühl habe, überall dazugehören oder jedem gefallen zu müssen. Früher hat mich das innerlich unter Druck gesetzt und Alkohol hat diesen Druck kurzfristig genommen. Heute sehe ich das viel entspannter. Wenn ich merke, dass ich mit Menschen auf einer Wellenlänge bin, freue ich mich darüber. Wenn nicht, muss ich niemanden mehr von mir überzeugen. Allein diese Veränderung nimmt mir heute einen großen Teil des Drucks, den früher der Alkohol für mich übernommen hat. Zudem ist man auch in einer Lebensphase, wo man nicht mehr so viel unter Leuten ist und man immer neuen Anschluss suchen muss. Stehe da sehr gefestigt im Leben.

Meine Regeln zum kontrollierten Trinken sind deshalb für mich nicht der eigentliche Schutz, sondern eine zusätzliche Leitplanke. Ich dokumentiere meinen Konsum bewusst, weil ich nie wieder in die Situation kommen möchte, Trinkmengen kleinzureden oder mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Ehrlichkeit mir selbst gegenüber ist heute für mich deutlich wichtiger geworden als früher.

Ich glaube deshalb nicht, dass mein Verhalten stabil bleibt, weil ich davon ausgehe, dass nie wieder schwierige Phasen kommen. Die werden kommen – wie bei jedem Menschen. Ich bin überzeugt, dass mein Verhalten stabil bleibt, weil ich heute anders mit solchen Situationen umgehe. Ich verdränge sie nicht mehr, sondern setze mich mit ihnen auseinander. Genau das ist für mich der eigentliche Unterschied zu früher.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)

Wir sind alles Menschen und natürlich kann man im Leben nicht immer alles garantieren.

Allerdings glaube ich nicht, dass ich wieder in mein früheres Trinkverhalten zurückfallen werde. Nicht, weil ich ausschließen kann, dass es in meinem Leben noch einmal stressige oder schwierige Phasen geben wird – die wird es sicher immer wieder geben. Der Unterschied ist für mich, dass ich heute ganz anders damit umgehe als damals.

Früher habe ich Belastungen oft mit mir selbst ausgemacht. Ich habe funktioniert, wenig darüber gesprochen und mich eher zurückgezogen. Am Wochenende wollte ich dann einfach abschalten und nicht mehr so viel nachdenken. In Kombination mit der Fußballgruppe, in der hohe Trinkmengen völlig normal waren, wurde Alkohol für mich immer mehr zum Mittel, um locker zu werden, den Kopf freizubekommen und mich einfach gut zu fühlen. Damals war mir dieser Zusammenhang überhaupt nicht bewusst.

Heute kenne ich dieses Muster. Ich weiß, dass Rückzug und das Verdrängen von Problemen bei mir Warnsignale sind. Genauso merke ich inzwischen, wenn ich anfange, Gewohnheiten zu vernachlässigen, die mir eigentlich guttun, oder wenn ich mich wieder zu sehr damit beschäftige, wie ich auf andere wirke. Früher hätte ich das wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Heute ist das für mich der Moment, aktiv zu werden und nicht erst abzuwarten, bis sich etwas aufstaut.

Ich spreche solche Dinge inzwischen bewusst an – mit meiner Freundin, meiner Familie oder engen Freunden. Das war früher nicht selbstverständlich. Ich dachte lange, ich müsse alles mit mir selbst ausmachen. Heute weiß ich, dass genau dieses Verhalten ein Teil des Problems war.

Außerdem hat sich mein Leben in den letzten Monaten verändert. Ich habe andere Schwerpunkte gesetzt. Sport, Rennradfahren, Zeit mit meiner Freundin, Familie und Freunden geben mir heute das, was ich früher häufig in den Fußballabenden gesucht habe: Ausgleich, Gemeinschaft, Spaß und das Gefühl, abschalten zu können. Der entscheidende Unterschied ist, dass Alkohol dafür keine Rolle mehr spielt. Mein Ausgleich und Gedanken zu der Zugehörigkeit ist vielschichtiger geworden und damit auch entsprechend resilienter gegenüber Unsicherheiten.

Für mich wäre ein Rückfall deshalb nicht nur, wieder mehr Alkohol zu trinken. Ein (potentieller) Rückfall würde schon viel früher beginnen – nämlich dann, wenn ich wieder anfangen würde, Probleme zu verdrängen, mich zurückzuziehen und Alkohol als Lösung zu sehen. Genau diese Denk- und Verhaltensmuster habe ich aufgearbeitet und verändert. Deshalb bin ich überzeugt, dass ich heute auf einem ganz anderen Fundament stehe als damals.

Ich habe langfristige Ziele und möchte diese erreichen – das ist viel mehr Wert als eine betrunkene Konversation mit flüchtigen Bekanntschaften, die man am nächsten Tag eh wieder weitesgehend vergessen hat.

Mit der Antwort bin ich selbst noch nicht ganz zufrieden. Mir geht es vor allem darum, die Rückfallprognose wirklich glaubhaft zu begründen und nicht einfach zu behaupten 'ich habe Regeln'. Ist das aus eurer Sicht nachvollziehbar oder fehlt euch noch etwas?
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?

Klare Regeln, an denen es nichts zu rütteln gibt.

Sobald ich etwas Trinken möchte, KEINE Teilnahme am Straßenverkehr. Klar vordefiniertes Heimkommen mit Taxi / Öffentlich, Laufen oder Abholen lassen. Kein unverantwortungsvolles Trinken (max. 2 Bier), wo ich nicht mehr volle Kontrolle habe.

Teilnahme am Straßenverkehr mit strikt 0,0 Promille

Trinken und Heimkommen planen und fest verankern. Keine spontanen Entscheidungen mehr, wie etwas passieren könnte.

Falls etwas unvorhergesehens kommen sollte, klaren Back-up Plan haben (Taxi).

Freundin und Familie ist immer erreichbar.

Uber / Taxi App + Bargeld immer mit dabei.
 
äh... ich glaube, hier haben wir nicht mehr viel zu tun^^
ich habs jetzt aus Zeitgründen nur mal überflogen - sieht auf den ersten Blick aber sehr gut aus, finde ich
 
Schön, dass du hier gelandet bist :smiley138:

Die Hürde, die jeder bei der MPU nehmen muss, ist die H0 ( Glaubwürdigkeit ).
Am dieser scheiterst du schon mit deiner Konsumhistorie.
Wenn der Gutachter schon hört, dass der-/diejenige am Tag der TF ausnahmsweise die Höchstmenge getrunken hat, streicht er im Geiste diese.
Dagegen sprechen Statistik und wissenschaftliche Erkenntnisse.

Alleine die Tatsache, dass du noch E-Scooter fahren konntest, was noch einen höheren Anspruch an Körperkoordination etc. hat, spricht dagegen.

Die Darstellung des inneren Motivs und damit einhergehend der Vermeidungsstrategien sind noch nicht MPU-tauglich.

Es tut mir Leid, dass ich dir nichts Positives sagen kann…
 
ass der-/diejenige am Tag der TF ausnahmsweise die Höchstmenge getrunken hat, streicht er im Geiste diese.
hm.. im Prinzip sagt er ja was anderes:

Wenn jemand Geburtstag hatte oder etwas „Besonderes“ anstand auch mal mehr (wie am Delikttag, wo es mal 9-10 Bier waren – das war die maximale Menge). Dies war eher die Ausnahme, aber sicherlich nicht das 1. Mal, dass ich in der Menge getrunken haben.
Aber ich stimme zu: "sicherlich nicht das 1. Mal, dass ich in dieser Menge getrunken habe" ist eine bewusste Verschleierung der Hochmengen-Trinkgeschichte. Da zuckt der Gutachter!
Die Rückfrage wäre dann: "Nicht das erste Mal? Aha? Wie oft denn so...?"

Und solche Rückfragen kosten wichtige MPU-Punkte.
 
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