Guten Tag zusammen,
Ich habe in letzter Zeit viel hier gelesen und in Anbetracht meines anstehenden MPU-Termins am Mittwoch die folgende Aufarbeitung bzw. Darlegung meiner Reise verfasst.
Ich würde mich freuen, falls der Ein oder Andere Zeit hat Schwachstellen anzusprechen oder auch kritische Rückfragen zu stellen.
In jedem Fall werde ich zeitnah Rückmeldung über mein Ergebnis geben
Vorab eine Frage, die ich mir stelle:
Meine Aufarbeitung hatte das Ziel den Umgang mit Alkohol generell zu limitieren der Nutzung als Lösung für persönliche Problem zu verhindern. Die Fragestellung zu MPU hat ja den Hintergrund zum Umgang mit Alkohol und dem Fahren eines PKW. Hier sehe ich nach wie vor nicht, dass ich je ein Problem damit hatte (abgesehen von Restalkohol<0,5%, hier war ich leichtsinnig). Jetzt soll man Trinkanlässe und Fahren ja strikt trennen. Ist das gewährleistet, wenn ich zu einem Geburtstag mit dem Auto fahre und (wie schon immer) nichts trinke - oder setze ich mich damit einer Gefahr aus (Verfügbarkeit von Alkohol, übliches Konsumsetting) und sollte lieber jemand anderen Fahren lassen? Bzw. sollte ich es aktiv erwähnen, das ich damit nach wie vor keine Probleme habe, oder lieber unerwähnt lassen, sofern keine Nachfrage kommt?
FB Alkohol
Zur Person
Geschlecht: Männlich
Größe: 175
Gewicht: 72 kg
Alter: 28
Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 04.05.2025
BAK: 1,75
Trinkbeginn: 15:00 Uhr
Trinkende: 01:00 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 03:09 Uhr
Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: keine (2 Monate Fahrverbot in Nov+Dez/25)
Führerschein
Hab ich noch: ja
Hab ich abgegeben: -
Hab ich neu beantragt: -
Habe noch keinen gemacht: -
Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: -
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt):
Ist aufgrund der Fahrt mit einem erlaubnisfreien Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss am 04.05.2025 zu erwarten, dass Herr X zukünftig auch das Führen eines fahrerlaubnispflichtigen Kraftfahrzeugs und einen die Fahrsicherheit beeinträchtigenden Alkoholkonsum nicht mehr hinreichend sicher trennen kann?
Falls die zu begutachtende Person eine Abstinenz geltend macht, liegt ein ausreichend langer Abstinenzzeitraum sowie ein gefestigter Einstellungs- und Verhaltenswandel zu Alkohol vor?
Bundesland: Bayern
Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: ca. 1x pro Monat 3 x 0,33l Bier
Ich lebe abstinent seit: -
Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: nein
Urinscreening ja/nein: nein
PEth-Analytik ja/nein: nein
Keinen Plan?:
Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: nein
Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: ja, Vorbereitungsgespräch
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung:
MPU
Datum: 03.06.2025
Welche Stelle (MPI): TÜV Thüringen
Schon bezahlt?: ja
Schon eine MPU gehabt? nein
Wer hat das Gutachten gesehen?: -
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: -
Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: keine
Tathergang
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Ich hatte mich am 03.05.2025 mit ehemaligen Kommilitonen und Kollegen (duales Studium) in einer ca. 1 Stunde entfernten Stadt getroffen. Bis Anfang 2024 wohnte und arbeitete ich dort. In der Folgezeit war ich regelmäßig (ca. 1x pro Monat) zu Besuch.
Der Tag war ein Samstag, ich war alleine Zuhause (meine Verlobte war bei Ihren Eltern zu Besuch), verbrachte meinen Vormittag mit Serie gucken und fuhr gegen 13:30 Uhr Uhr mit dem Zug zum Treffpunkt, der Wohnung einer der 5 Anderen. Dort kam ich gegen 15:00 Uhr an und wir unterhielten uns, bis alle eingetroffen waren und stoßen dann gemeinsam mit einem Bier an. Um 16:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einem Gasthaus im Wald, mein offenes Bier und ein weiteres nahm ich mit. Um 17:00 Uhr trafen wir dort ein, aßen etwas, erzählten von alten Zeiten und Ereignissen der jüngeren Vergangenheit und tranken weiter Bier. Um 20:00 Uhr machten wir uns (diesmal ohne Getränke) wieder auf den Rückweg in die Stadt. Hier hatte zuletzt ein Club zugemacht, in dem wir zu Studienzeiten öfter waren, bei einer Kneipe gab es Gerüchte hierzu. Der am Abend entstandene Plan war es, die verbleibenden Lokalitäten nacheinander aufzusuchen. Hier kamen wir gegen 20:30 Uhr in der Kneipe an und tranken recht zügig ein Bier, gingen danach in zwei Bars , in denen wir jeweils 2 Schnäpse und 1 Longdrink tranken. Ich wollte um 23:30 Uhr mit dem vorletzten Zug wieder nach Hause fahren, die anderen dann noch in den Club.
Mein Zug fiel jedoch aus, weshalb ich den nächsten um 0:30 Uhr anpeilte, wobei dieser bereits Verspätung hatte und mit den Anderen in den Club ging (5 min vom Bahnhof entfernt), hier trank ich noch einen Longdrink und später noch eine Jägerbombe „damit ich nicht im Zug einschlafe“. Ich checkte immer wieder die Bahn-App und ging um 01:10 Uhr zum Zug, holte mir noch eine Cola und fuhr um 01:30 Uhr los.
Um 02:30 Uhr kam ich in meiner Heimatstadt an, die Straßenbahn fuhr um diese Zeit nicht mehr. Ich hatte eine E-Scooter App auf dem Handy und war damit zuvor öfter auf die Arbeit gefahren, wenn mein Fahrrad kaputt war. Ich überlegte kurz was ich getrunken hatte und konnte mich an die 6 Bier erinnern, fühlte mich durch die Zugfahrt vermeintlich ausgeruht und war der Meinung sicher unter 1,6 Promille zu haben (den Wert kannte ich vom Fahrrad und übertrug ihn fälschlicherweise auf den E-Scooter). Das Fahren klappte (subjektiv) ohne Probleme, nach etwa der Hälfte der Strecke wurde ich von der Polizei angehalten. Ich willigte ein zu Pusten, in der Annahme dann weiter zu dürfen – laut Gerät hatte ich 1,4 Promille und die Polizisten nahmen mich mit auf die Wache, Ausfallerscheinungen zeigte ich lt. Test mit dem Arzt keine. Ich gab vor Ort noch überzeugt meine 6 Bier an und konnte mir das Ergebnis nicht ganz erklären. Erst am nächsten Tag konnte ich die echte Trinkmenge rekonstruieren.
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
15:45 1x Bier (Helles) 0,5l
16:30 1x Bier 0,5l
17:10-20:00 3x Bier 0,5l
20:30 1x Bier 0,5l
21:00 – 23:00 2x Gin & Tonic (je 4cl Gin unbekannte Sorte) 4x Tequila (ich weiß nicht mehr ob 2 oder 4cl 40%)
23:30 1x Gin & Tonic (4cl Gin)
01:00 1x Jägerbombe (unbekannte Menge Jägermeister 35%)
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
ca. 1,5 km , 3 Kilometer wollte ich fahren
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Ja, ich fühlte mich hellwach und war der Meinung der Konsum von insgesamt 6 Bier sei schon lange her. Auch während dem Fahren hatte ich keine Probleme die Balance zu halten.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Ich wollte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Nein, aufgefallen bin ich vorher nie.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
In etwa 5 mal, als ich noch auf dem Land (2013-2016) gewohnt habe, sind wir ca. 1-2 mal pro Jahr vom Nachbarort nach dem Trinken mit dem Fahrrad nach Hause gefahren – ob ich hier noch im gesetzlichen Rahmen war weiß ich nicht mehr. Damals habe ich mir keine Gedanken darum gemacht, war ja nur das Fahrrad – ich denke das hatte auch wesentlich Einfluss auf die Einstellung zum alkoholisierten fahren mit einem Scooter.
Mit dem Scooter bin ich zuvor einmal betrunken ca. 100m gefahren, da war das gerade neu und wir waren betrunken und fanden es witzig das auszuprobieren.
Beim Auto gilt bei mir schon immer der Vorsatz 0,0%, wenn ich am selben Abend noch gefahren bin, habe ich nie getrunken, wenn ich am nächsten Tag fahren musste, habe ich bewusst weniger konsumiert (keine Starre Grenze, aber max. ~ 3x0,5l Bier, Trinkende ca. 10 Stunden vor Fahrtantritt), hier ist es deshalb möglich, das Fahrten mit Restalkohol stattgefunden haben.
Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Eine explizite erste Erinnerung an den Kontakt, also wie ich zB jemand anderen habe trinken sehen habe ich nicht, lediglich dass Bier und Wein halt "Erwachsenengetränke" waren, die mal beim Essen oder auf Geburtstagen getrunken wurden.
Woran ich mich erinnere ist mein erster Konsum. Auf der 17. Geburtstagsfeier eines Freundes meines Bruders, da war ich 15(1/2) und habe das erste mal Bier 2 oder 3 x0,33l getrunken. Ich weiß noch, das ich bis dahin immer abgelehnt hatte, wenn mir etwas angeboten worden war, ich fühlte mich zu jung dafür. An dem Abend wollte ich aber wieder bei den Älteren „dazugehören“. Das warme Gefühl und auch, dass ich mir keine Gedanken darum machte, wie ich mit anderen ins Gespräch kommen soll und was ich sagen soll, sind mir in Erinnerung geblieben. Außerdem haben sich alle sehr um mich gekümmert und mich ständig gefragt, wie es mir geht und mein Bruder hat mich ermahnt Wasser zwischendurch und nicht zu schnell zu trinken.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Seit dem ersten Konsum habe ich regelmäßig (wöchentlich bis monatlich) Alkohol konsumiert, die anfängliche Vorsicht (Wasser und langsamer Konsum) ging mit fortschreitender Erfahrung verloren, damit ging auch ein Anstieg der Trinkmengen einher, auch Schnäpse und Longdrinks kamen mit ca. 17 dazu. Ich verließ mich auf mein Bauchgefühl und hörte oft erst auf, wenn ich merkte an körperliche Grenzen zu kommen (anfängliche Übelkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten) so ging das bis gegen Ende des Studiums (Ende 2018). Ab da veränderte sich zwar an der Häufigkeit nichts, jedoch wurden die Mengen wieder geringer, denn ich hörte oft schon während dem Abend auf zu trinken, also lange bevor ich am „Limit“ war.
Ende 2023 fing ich wieder an größere Mengen zu trinken und ging auch vermehrt auf Veranstaltungen, in denen der Alkohol im Mittelpunkt steht (Malle-Partys, Bierfeste, Clubs), das ging, mit kurzer Unterbrechung (s.u.) bis zum Tag der Trunkenheitsfahrt so.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Grundsätzlich habe ich nur an getrunken, wenn ich am nächsten Tag frei hatte, also in der Regel Wochenenden. Dabei aber nie an jedem Wochenende im Monat und auch eher selten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, nur falls hier mal zufälligerweise zB zwei mir wichtige Geburtstage nacheinander stattfanden. Ansonsten hielt ich mir immer auch Zeit für mich und meine Freundin oder auch nur mich persönlich frei. In der Schul- und Studienzeit sind es zeitweise 3 Trinkanlässe pro Monat, danach eher 1 mal und zuletzt (vor der Trunkenheitsfahrt) zwischen 1-2 Mal gewesen. Aktuell sind es (max.) 1 Abend pro Monat an dem ich trinke.
Daneben gab es ca. je 3 Anlässe im Jahr, bei denen ich ein Glas Wein oder Sekt getrunken habe, dies jedoch meist isoliert (zB beim Essen-Gehen oder bei Familienfeiern)
Ich habe durchgehend überwiegend Bier konsumiert, anfänglich Pils, ab dem Studium bevorzugt Helles. Während der Schul- und Studienzeit, sowie in der Zeit vor der Trunkenheitsfahrt auch Longdrinks (Anfänglich Jäger+Cola, später bevorzugt Gin&Tonic) und Schnaps (Tequila) oder Liköre. Wobei Bier eher in privaten Settings und Longdrinks eher in Bars/Clubs konsumiert wurden.
Die Menge belief sich dabei in Schul-/Studienzeiten (Alter:15-21) auf 1,5-2l Bier (3-4 Bier á 0,5l) und 3-4 Schnäpse (2cl). Im Alter von 22-25 1-2l Bier (2-4 Bier á 0,5l), selten 1-2 Schnaps oder Longdrinks.
Im Alter von 26-27: 2-3l Bier (4-6 Bier á 0,5l) und 2-3 Schnäpse.
Longdrinks habe ich hier nicht separat aufgezählt, wenn diese konsumiert wurden, entfiel dafür ~1 Bier (also zb. statt 4-6 Bier wurden dann 3 Bier und 1-3 Longdrinks konsumiert).
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Getrunken habe ich immer mit Freunden, entweder bei mir oder Anderen zuhause, in Bars, Restaurants und Clubs, sowie auf Festen (Volksfeste, private Feierlichkeiten)
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
In der Vergangenheit bin ich immer davon ausgegangen ausschließlich aus inneren und enthemmenden Gründen zu trinken, ich war in sozialen Situationen meist zurückhaltend und wusste nicht, wie ich mit Anderen ins Gespräch kommen oder Gespräche aufrecht erhalten sollte, gleichzeitig fand ich es unangenehm die daraus resultierende Stille auszuhalten, wusste sie jedoch auch nicht zu brechen. Wenn ich Alkohol konsumierte, machte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken, ich sprach auch Fremde ohne Probleme an, und redete über alles Mögliche. Je öfter ich mit Leuten betrunken ins Gespräch kam, desto leichter fiel es mir dann auch diese nüchtern anzusprechen. Da dies eine direkte Auswirkung des Alkoholkonsums war, war mir diese Motivation von Anfang an bewusst.
Was mir erst durch die Aufarbeitung meiner Trinkhistorie und dem generellen Befassen mit dem Thema Alkoholkonsum aufgefallen ist, das es auch extrinsische Faktoren gibt und ich diese eigentlich seit meinem ersten Konsum erlebt habe und direkt von meiner inneren Motivation begünstigt wurde. In meinem Fall war es das Bedürfnis nach Zugehörigkeit.
Ich war der jüngste von 4 Brüdern und war in der Kindheit oft mit meinem nächstälteren Bruder und dessen Freunden zusammen. Als diese dann angefangen haben Alkohol zu trinken, war ich erst 13, daraufhin hatte ich seltener Kontakt zu der Gruppe, also nur noch in Settings in denen kein Alkohol konsumiert wurde. Mit 15 ½ habe ich dann auch angefangen Bier zu trinken und konnte so wieder an dieser Gruppe teilhaben, hierbei fühlte ich mich sogar viel stärker akzeptiert und als Individuum wahrgenommen als vorher.
Als dann auch in meiner Klasse angefangen wurde Alkohol zu konsumieren, war ich schon der „Erfahrene“ und vertrug mehr als die Anderen. Da ich sonst eher klein und unscheinbar war, und auch nicht wirklich gut in irgendetwas, gefiel es mir, hier Eindruck zu schinden, weshalb ich auch oft mehr trank als nötig bzw. mit anderen mithalten und mich beweisen wollte.
Im Studium fand ich Gruppenzugehörigkeit bei denen, die am Wochenende gerne auf Partys gingen und Alkohol konsumierten, das Studium hatten wir zwar alle noch als gemeinsames Interesse, aber das war als Konversationsthema nach 8 Stunden Lehrsaal nicht sehr attraktiv. Ich hatte nüchtern also immer noch Schwierigkeiten Konversationen zu führen und konnte so viel leichter mit den Anderen ins Gespräch kommen, auch am nächsten Tag hatte man dann etwas zum drüber reden. Auch in dieser Gruppe war ich einer der Jüngeren und ich hatte das Gefühl mich hier beweisen zu können. Der für mich erprobte Weg, war also weiterhin der erhöhte Konsum.
Im Laufe des Studiums und insbesondere danach fand ich zum Einen heraus, sehr gut in meiner Fachrichtung zu sein und entdeckte zum Anderen den Sport für mich, wodurch mein Selbstwert stieg. Ich habe das damals nicht verknüpft, aber ich hörte zu dieser Zeit oft nach 3 oder 4 Bier auf zu trinken und lehnte Schnäpse oder Rundentrinken meist ab, obwohl die anderen noch weiter tranken.
Das Änderte sich (unbewusst) wieder, als ich 2023 aufgrund mehrerer Knochenbrüche kaum bis gar keinen Sport mehr machen konnte, mehrere Monate bettlägerig war und ich mich generell sehr schwach und klein fühlte.
Nachdem alles wieder verheilt war, fing ich auch wieder an Alkohol zu konsumieren (10/23).
Anfang 2024 wechselte ich dann aus privaten Gründen (nähe zur Familie) in eine andere Stadt und ein neues Arbeitsumfeld, die Einarbeitung war schlecht und ich fühlte mich komplett verloren. Auch mit den Leuten konnte ich wenig anfangen (im Schnitt 20 Jahre Älter und in komplett anderen Lebensphasen).
Ich kannte in der neuen Stadt zwar ein paar Leute, aber es zog mich immer noch zu meinen Freunden in die alte Stadt. Hier wurde ich ca. 1-2 mal im Monat eingeladen. Ich freute mich über die Einladung und wenn ich nichts mit meiner Freundin geplant hatte, kam ich diesen auch nach. Dort fühlte ich mich zugehörig und wertgeschätzt, ich wollte möglichst nicht negativ auffallen, um dieses Gefühl nicht zu gefährden und so nahm ich auch wieder am Runden-Trinken teil und stieg erst aus, wenn ich spürte nah am eigenen Limit zu sein(zB Konzentrationsprobleme, Inmichgekehrtheit).
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
bei wenig: kommunikativer, enthemmter, euphorisch
bei viel: Konzentrationsprobleme, Probleme mit der Aussprache, Inmichgekehrtheit.
Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)
Der enthemmende Effekt, also das innere Motiv meines Konsums führte mich nur bis zu den ersten paar Bieren, in Zeiten in denen dies mein Hauptmotiv war, hörte ich danach auch tatsächlich auf zu trinken.
Lediglich in Zeiten, in denen das äußere Motiv, also die Gruppenzugehörigkeit eine Rolle spielte, kam es zu weiterem Alkoholkonsum, dieser war wesentlich bedingt durch die Zusammensetzung der Gruppe und meinem gegenwärtigen Selbstwert. Je höher der Gesamtkonsum der Gruppe, desto höher war auch mein Ansporn, meinen Konsum dieser Gruppe anzupassen bzw. die eigenen Konsumgrenzen auszureizen.
Ich habe in letzter Zeit viel hier gelesen und in Anbetracht meines anstehenden MPU-Termins am Mittwoch die folgende Aufarbeitung bzw. Darlegung meiner Reise verfasst.
Ich würde mich freuen, falls der Ein oder Andere Zeit hat Schwachstellen anzusprechen oder auch kritische Rückfragen zu stellen.
In jedem Fall werde ich zeitnah Rückmeldung über mein Ergebnis geben
Vorab eine Frage, die ich mir stelle:
Meine Aufarbeitung hatte das Ziel den Umgang mit Alkohol generell zu limitieren der Nutzung als Lösung für persönliche Problem zu verhindern. Die Fragestellung zu MPU hat ja den Hintergrund zum Umgang mit Alkohol und dem Fahren eines PKW. Hier sehe ich nach wie vor nicht, dass ich je ein Problem damit hatte (abgesehen von Restalkohol<0,5%, hier war ich leichtsinnig). Jetzt soll man Trinkanlässe und Fahren ja strikt trennen. Ist das gewährleistet, wenn ich zu einem Geburtstag mit dem Auto fahre und (wie schon immer) nichts trinke - oder setze ich mich damit einer Gefahr aus (Verfügbarkeit von Alkohol, übliches Konsumsetting) und sollte lieber jemand anderen Fahren lassen? Bzw. sollte ich es aktiv erwähnen, das ich damit nach wie vor keine Probleme habe, oder lieber unerwähnt lassen, sofern keine Nachfrage kommt?
FB Alkohol
Zur Person
Geschlecht: Männlich
Größe: 175
Gewicht: 72 kg
Alter: 28
Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 04.05.2025
BAK: 1,75
Trinkbeginn: 15:00 Uhr
Trinkende: 01:00 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 03:09 Uhr
Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: keine (2 Monate Fahrverbot in Nov+Dez/25)
Führerschein
Hab ich noch: ja
Hab ich abgegeben: -
Hab ich neu beantragt: -
Habe noch keinen gemacht: -
Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Ja
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: -
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt):
Ist aufgrund der Fahrt mit einem erlaubnisfreien Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss am 04.05.2025 zu erwarten, dass Herr X zukünftig auch das Führen eines fahrerlaubnispflichtigen Kraftfahrzeugs und einen die Fahrsicherheit beeinträchtigenden Alkoholkonsum nicht mehr hinreichend sicher trennen kann?
Falls die zu begutachtende Person eine Abstinenz geltend macht, liegt ein ausreichend langer Abstinenzzeitraum sowie ein gefestigter Einstellungs- und Verhaltenswandel zu Alkohol vor?
Bundesland: Bayern
Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: ca. 1x pro Monat 3 x 0,33l Bier
Ich lebe abstinent seit: -
Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: nein
Urinscreening ja/nein: nein
PEth-Analytik ja/nein: nein
Keinen Plan?:
Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: nein
Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: ja, Vorbereitungsgespräch
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung:
MPU
Datum: 03.06.2025
Welche Stelle (MPI): TÜV Thüringen
Schon bezahlt?: ja
Schon eine MPU gehabt? nein
Wer hat das Gutachten gesehen?: -
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: -
Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: keine
Tathergang
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Ich hatte mich am 03.05.2025 mit ehemaligen Kommilitonen und Kollegen (duales Studium) in einer ca. 1 Stunde entfernten Stadt getroffen. Bis Anfang 2024 wohnte und arbeitete ich dort. In der Folgezeit war ich regelmäßig (ca. 1x pro Monat) zu Besuch.
Der Tag war ein Samstag, ich war alleine Zuhause (meine Verlobte war bei Ihren Eltern zu Besuch), verbrachte meinen Vormittag mit Serie gucken und fuhr gegen 13:30 Uhr Uhr mit dem Zug zum Treffpunkt, der Wohnung einer der 5 Anderen. Dort kam ich gegen 15:00 Uhr an und wir unterhielten uns, bis alle eingetroffen waren und stoßen dann gemeinsam mit einem Bier an. Um 16:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einem Gasthaus im Wald, mein offenes Bier und ein weiteres nahm ich mit. Um 17:00 Uhr trafen wir dort ein, aßen etwas, erzählten von alten Zeiten und Ereignissen der jüngeren Vergangenheit und tranken weiter Bier. Um 20:00 Uhr machten wir uns (diesmal ohne Getränke) wieder auf den Rückweg in die Stadt. Hier hatte zuletzt ein Club zugemacht, in dem wir zu Studienzeiten öfter waren, bei einer Kneipe gab es Gerüchte hierzu. Der am Abend entstandene Plan war es, die verbleibenden Lokalitäten nacheinander aufzusuchen. Hier kamen wir gegen 20:30 Uhr in der Kneipe an und tranken recht zügig ein Bier, gingen danach in zwei Bars , in denen wir jeweils 2 Schnäpse und 1 Longdrink tranken. Ich wollte um 23:30 Uhr mit dem vorletzten Zug wieder nach Hause fahren, die anderen dann noch in den Club.
Mein Zug fiel jedoch aus, weshalb ich den nächsten um 0:30 Uhr anpeilte, wobei dieser bereits Verspätung hatte und mit den Anderen in den Club ging (5 min vom Bahnhof entfernt), hier trank ich noch einen Longdrink und später noch eine Jägerbombe „damit ich nicht im Zug einschlafe“. Ich checkte immer wieder die Bahn-App und ging um 01:10 Uhr zum Zug, holte mir noch eine Cola und fuhr um 01:30 Uhr los.
Um 02:30 Uhr kam ich in meiner Heimatstadt an, die Straßenbahn fuhr um diese Zeit nicht mehr. Ich hatte eine E-Scooter App auf dem Handy und war damit zuvor öfter auf die Arbeit gefahren, wenn mein Fahrrad kaputt war. Ich überlegte kurz was ich getrunken hatte und konnte mich an die 6 Bier erinnern, fühlte mich durch die Zugfahrt vermeintlich ausgeruht und war der Meinung sicher unter 1,6 Promille zu haben (den Wert kannte ich vom Fahrrad und übertrug ihn fälschlicherweise auf den E-Scooter). Das Fahren klappte (subjektiv) ohne Probleme, nach etwa der Hälfte der Strecke wurde ich von der Polizei angehalten. Ich willigte ein zu Pusten, in der Annahme dann weiter zu dürfen – laut Gerät hatte ich 1,4 Promille und die Polizisten nahmen mich mit auf die Wache, Ausfallerscheinungen zeigte ich lt. Test mit dem Arzt keine. Ich gab vor Ort noch überzeugt meine 6 Bier an und konnte mir das Ergebnis nicht ganz erklären. Erst am nächsten Tag konnte ich die echte Trinkmenge rekonstruieren.
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
15:45 1x Bier (Helles) 0,5l
16:30 1x Bier 0,5l
17:10-20:00 3x Bier 0,5l
20:30 1x Bier 0,5l
21:00 – 23:00 2x Gin & Tonic (je 4cl Gin unbekannte Sorte) 4x Tequila (ich weiß nicht mehr ob 2 oder 4cl 40%)
23:30 1x Gin & Tonic (4cl Gin)
01:00 1x Jägerbombe (unbekannte Menge Jägermeister 35%)
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
ca. 1,5 km , 3 Kilometer wollte ich fahren
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Ja, ich fühlte mich hellwach und war der Meinung der Konsum von insgesamt 6 Bier sei schon lange her. Auch während dem Fahren hatte ich keine Probleme die Balance zu halten.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Ich wollte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Nein, aufgefallen bin ich vorher nie.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
In etwa 5 mal, als ich noch auf dem Land (2013-2016) gewohnt habe, sind wir ca. 1-2 mal pro Jahr vom Nachbarort nach dem Trinken mit dem Fahrrad nach Hause gefahren – ob ich hier noch im gesetzlichen Rahmen war weiß ich nicht mehr. Damals habe ich mir keine Gedanken darum gemacht, war ja nur das Fahrrad – ich denke das hatte auch wesentlich Einfluss auf die Einstellung zum alkoholisierten fahren mit einem Scooter.
Mit dem Scooter bin ich zuvor einmal betrunken ca. 100m gefahren, da war das gerade neu und wir waren betrunken und fanden es witzig das auszuprobieren.
Beim Auto gilt bei mir schon immer der Vorsatz 0,0%, wenn ich am selben Abend noch gefahren bin, habe ich nie getrunken, wenn ich am nächsten Tag fahren musste, habe ich bewusst weniger konsumiert (keine Starre Grenze, aber max. ~ 3x0,5l Bier, Trinkende ca. 10 Stunden vor Fahrtantritt), hier ist es deshalb möglich, das Fahrten mit Restalkohol stattgefunden haben.
Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Eine explizite erste Erinnerung an den Kontakt, also wie ich zB jemand anderen habe trinken sehen habe ich nicht, lediglich dass Bier und Wein halt "Erwachsenengetränke" waren, die mal beim Essen oder auf Geburtstagen getrunken wurden.
Woran ich mich erinnere ist mein erster Konsum. Auf der 17. Geburtstagsfeier eines Freundes meines Bruders, da war ich 15(1/2) und habe das erste mal Bier 2 oder 3 x0,33l getrunken. Ich weiß noch, das ich bis dahin immer abgelehnt hatte, wenn mir etwas angeboten worden war, ich fühlte mich zu jung dafür. An dem Abend wollte ich aber wieder bei den Älteren „dazugehören“. Das warme Gefühl und auch, dass ich mir keine Gedanken darum machte, wie ich mit anderen ins Gespräch kommen soll und was ich sagen soll, sind mir in Erinnerung geblieben. Außerdem haben sich alle sehr um mich gekümmert und mich ständig gefragt, wie es mir geht und mein Bruder hat mich ermahnt Wasser zwischendurch und nicht zu schnell zu trinken.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Seit dem ersten Konsum habe ich regelmäßig (wöchentlich bis monatlich) Alkohol konsumiert, die anfängliche Vorsicht (Wasser und langsamer Konsum) ging mit fortschreitender Erfahrung verloren, damit ging auch ein Anstieg der Trinkmengen einher, auch Schnäpse und Longdrinks kamen mit ca. 17 dazu. Ich verließ mich auf mein Bauchgefühl und hörte oft erst auf, wenn ich merkte an körperliche Grenzen zu kommen (anfängliche Übelkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten) so ging das bis gegen Ende des Studiums (Ende 2018). Ab da veränderte sich zwar an der Häufigkeit nichts, jedoch wurden die Mengen wieder geringer, denn ich hörte oft schon während dem Abend auf zu trinken, also lange bevor ich am „Limit“ war.
Ende 2023 fing ich wieder an größere Mengen zu trinken und ging auch vermehrt auf Veranstaltungen, in denen der Alkohol im Mittelpunkt steht (Malle-Partys, Bierfeste, Clubs), das ging, mit kurzer Unterbrechung (s.u.) bis zum Tag der Trunkenheitsfahrt so.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Grundsätzlich habe ich nur an getrunken, wenn ich am nächsten Tag frei hatte, also in der Regel Wochenenden. Dabei aber nie an jedem Wochenende im Monat und auch eher selten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, nur falls hier mal zufälligerweise zB zwei mir wichtige Geburtstage nacheinander stattfanden. Ansonsten hielt ich mir immer auch Zeit für mich und meine Freundin oder auch nur mich persönlich frei. In der Schul- und Studienzeit sind es zeitweise 3 Trinkanlässe pro Monat, danach eher 1 mal und zuletzt (vor der Trunkenheitsfahrt) zwischen 1-2 Mal gewesen. Aktuell sind es (max.) 1 Abend pro Monat an dem ich trinke.
Daneben gab es ca. je 3 Anlässe im Jahr, bei denen ich ein Glas Wein oder Sekt getrunken habe, dies jedoch meist isoliert (zB beim Essen-Gehen oder bei Familienfeiern)
Ich habe durchgehend überwiegend Bier konsumiert, anfänglich Pils, ab dem Studium bevorzugt Helles. Während der Schul- und Studienzeit, sowie in der Zeit vor der Trunkenheitsfahrt auch Longdrinks (Anfänglich Jäger+Cola, später bevorzugt Gin&Tonic) und Schnaps (Tequila) oder Liköre. Wobei Bier eher in privaten Settings und Longdrinks eher in Bars/Clubs konsumiert wurden.
Die Menge belief sich dabei in Schul-/Studienzeiten (Alter:15-21) auf 1,5-2l Bier (3-4 Bier á 0,5l) und 3-4 Schnäpse (2cl). Im Alter von 22-25 1-2l Bier (2-4 Bier á 0,5l), selten 1-2 Schnaps oder Longdrinks.
Im Alter von 26-27: 2-3l Bier (4-6 Bier á 0,5l) und 2-3 Schnäpse.
Longdrinks habe ich hier nicht separat aufgezählt, wenn diese konsumiert wurden, entfiel dafür ~1 Bier (also zb. statt 4-6 Bier wurden dann 3 Bier und 1-3 Longdrinks konsumiert).
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Getrunken habe ich immer mit Freunden, entweder bei mir oder Anderen zuhause, in Bars, Restaurants und Clubs, sowie auf Festen (Volksfeste, private Feierlichkeiten)
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
In der Vergangenheit bin ich immer davon ausgegangen ausschließlich aus inneren und enthemmenden Gründen zu trinken, ich war in sozialen Situationen meist zurückhaltend und wusste nicht, wie ich mit Anderen ins Gespräch kommen oder Gespräche aufrecht erhalten sollte, gleichzeitig fand ich es unangenehm die daraus resultierende Stille auszuhalten, wusste sie jedoch auch nicht zu brechen. Wenn ich Alkohol konsumierte, machte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken, ich sprach auch Fremde ohne Probleme an, und redete über alles Mögliche. Je öfter ich mit Leuten betrunken ins Gespräch kam, desto leichter fiel es mir dann auch diese nüchtern anzusprechen. Da dies eine direkte Auswirkung des Alkoholkonsums war, war mir diese Motivation von Anfang an bewusst.
Was mir erst durch die Aufarbeitung meiner Trinkhistorie und dem generellen Befassen mit dem Thema Alkoholkonsum aufgefallen ist, das es auch extrinsische Faktoren gibt und ich diese eigentlich seit meinem ersten Konsum erlebt habe und direkt von meiner inneren Motivation begünstigt wurde. In meinem Fall war es das Bedürfnis nach Zugehörigkeit.
Ich war der jüngste von 4 Brüdern und war in der Kindheit oft mit meinem nächstälteren Bruder und dessen Freunden zusammen. Als diese dann angefangen haben Alkohol zu trinken, war ich erst 13, daraufhin hatte ich seltener Kontakt zu der Gruppe, also nur noch in Settings in denen kein Alkohol konsumiert wurde. Mit 15 ½ habe ich dann auch angefangen Bier zu trinken und konnte so wieder an dieser Gruppe teilhaben, hierbei fühlte ich mich sogar viel stärker akzeptiert und als Individuum wahrgenommen als vorher.
Als dann auch in meiner Klasse angefangen wurde Alkohol zu konsumieren, war ich schon der „Erfahrene“ und vertrug mehr als die Anderen. Da ich sonst eher klein und unscheinbar war, und auch nicht wirklich gut in irgendetwas, gefiel es mir, hier Eindruck zu schinden, weshalb ich auch oft mehr trank als nötig bzw. mit anderen mithalten und mich beweisen wollte.
Im Studium fand ich Gruppenzugehörigkeit bei denen, die am Wochenende gerne auf Partys gingen und Alkohol konsumierten, das Studium hatten wir zwar alle noch als gemeinsames Interesse, aber das war als Konversationsthema nach 8 Stunden Lehrsaal nicht sehr attraktiv. Ich hatte nüchtern also immer noch Schwierigkeiten Konversationen zu führen und konnte so viel leichter mit den Anderen ins Gespräch kommen, auch am nächsten Tag hatte man dann etwas zum drüber reden. Auch in dieser Gruppe war ich einer der Jüngeren und ich hatte das Gefühl mich hier beweisen zu können. Der für mich erprobte Weg, war also weiterhin der erhöhte Konsum.
Im Laufe des Studiums und insbesondere danach fand ich zum Einen heraus, sehr gut in meiner Fachrichtung zu sein und entdeckte zum Anderen den Sport für mich, wodurch mein Selbstwert stieg. Ich habe das damals nicht verknüpft, aber ich hörte zu dieser Zeit oft nach 3 oder 4 Bier auf zu trinken und lehnte Schnäpse oder Rundentrinken meist ab, obwohl die anderen noch weiter tranken.
Das Änderte sich (unbewusst) wieder, als ich 2023 aufgrund mehrerer Knochenbrüche kaum bis gar keinen Sport mehr machen konnte, mehrere Monate bettlägerig war und ich mich generell sehr schwach und klein fühlte.
Nachdem alles wieder verheilt war, fing ich auch wieder an Alkohol zu konsumieren (10/23).
Anfang 2024 wechselte ich dann aus privaten Gründen (nähe zur Familie) in eine andere Stadt und ein neues Arbeitsumfeld, die Einarbeitung war schlecht und ich fühlte mich komplett verloren. Auch mit den Leuten konnte ich wenig anfangen (im Schnitt 20 Jahre Älter und in komplett anderen Lebensphasen).
Ich kannte in der neuen Stadt zwar ein paar Leute, aber es zog mich immer noch zu meinen Freunden in die alte Stadt. Hier wurde ich ca. 1-2 mal im Monat eingeladen. Ich freute mich über die Einladung und wenn ich nichts mit meiner Freundin geplant hatte, kam ich diesen auch nach. Dort fühlte ich mich zugehörig und wertgeschätzt, ich wollte möglichst nicht negativ auffallen, um dieses Gefühl nicht zu gefährden und so nahm ich auch wieder am Runden-Trinken teil und stieg erst aus, wenn ich spürte nah am eigenen Limit zu sein(zB Konzentrationsprobleme, Inmichgekehrtheit).
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
bei wenig: kommunikativer, enthemmter, euphorisch
bei viel: Konzentrationsprobleme, Probleme mit der Aussprache, Inmichgekehrtheit.
Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)
Der enthemmende Effekt, also das innere Motiv meines Konsums führte mich nur bis zu den ersten paar Bieren, in Zeiten in denen dies mein Hauptmotiv war, hörte ich danach auch tatsächlich auf zu trinken.
Lediglich in Zeiten, in denen das äußere Motiv, also die Gruppenzugehörigkeit eine Rolle spielte, kam es zu weiterem Alkoholkonsum, dieser war wesentlich bedingt durch die Zusammensetzung der Gruppe und meinem gegenwärtigen Selbstwert. Je höher der Gesamtkonsum der Gruppe, desto höher war auch mein Ansporn, meinen Konsum dieser Gruppe anzupassen bzw. die eigenen Konsumgrenzen auszureizen.