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TF Fahrrad 1,69 BAK

Bambi

Neuer Benutzer
Hallo,

ich habe in letzter Zeit viel hier im Forum gelesen und nun meinen Fragebogen beantwortet. Ich hoffe, dass mir jemand eine Einschätzung geben kann oder mir meine Schwachstellen zeigen kann.

Ich hatte schon eine MPU. Hierauf habe ich mich nicht genügend vorbereitet und wollte auch auf kT raus. In der gutachterlichen Empfehlung wird diese Möglichkeit auch nicht ausgeschlossen. Allerdings habe ich für mich beschlossen, dass ich zukünftig ganz auf Alkohol verzichten möchte. Aber lest selbst ;-)

Zur Person
Geschlecht: Weiblich
Größe: 169
Gewicht: 73 kg
Alter: 38

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 09.08.2025
BAK: 1,69
Trinkbeginn: 16:30 Uhr
Trinkende: 22:30 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 01:09 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: keine

Führerschein
Hab ich noch: nein
Hab ich abgegeben: 03.06.2026
Hab ich neu beantragt: 15.06.2026
Habe noch keinen gemacht: -

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: Nein
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: -
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt):

Ist zu erwarten, dass Frau XXX zukünftig einen die Fahrsicherheit beeinträchtigenden Alkoholkonsum und das Führen von (Kraft-)Fahrzeugen und fahrerlaubnisfreien Fahrzeugen (z.B. Fahrrad) hinreichend sicher trennen kann?

Erfüllt Frau XXX aufgrund des aktenkundigen Alkoholkonsums weiterhin die körperlich/geistigen Voraussetzungen zum sicheren Führen eines (Kraft-)Fahrzeugs der Gruppe 1?

Bundesland: Bayern


Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: nein
Ich lebe abstinent seit: seit 04.03.2026

Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: nein
Urinscreening ja/nein: ja
PEth-Analytik ja/nein: nein
Keinen Plan?:

Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: nein

Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: ja, seit Nov 2025
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: nein
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung:

MPU
Datum: noch nicht
Welche Stelle (MPI): AVUS München
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt? ja
Wer hat das Gutachten gesehen?: nur ich
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?: Es ist nicht zu erwarten, dass Frau XXX zukünftig einen die Fahrsicherheit beeinträchtigenden Alkoholkonsum und das Führen von (Kraft-)Fahrzeugen und fahrerlaubnisfreien Fahrzeugen (z.B. Fahrrad) hinreichend sicher trennen kann.
Frau XXX erfüllt trotz des aktenkundigen Alkoholkonsum weiterhin die körperlich/geistigen Voraussetzungen zum sicheren Führen eines (Kraft-)Fahrzeugs der Gruppe 1.

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: keine

Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.

(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)

Am Samstag, den 09.08.2025 habe ich mich mit meiner Schwester, zwei Bekannten und von deren mir vorher nicht bekannten Freunden im Gäubodenvolksfest in Straubing getroffen. Meine Schwester und ich sind mit dem Fahrrad reingefahren, da dies für uns der schnellste und günstigste Weg ist um ins Volksfest zu kommen. Im Verlauf des Abends haben wir im Bierzelt gefeiert und zwischendurch habe ich mich noch mit einer Freundin getroffen. Um ca. 23 Uhr wollte ich nach Hause. Meine Schwester noch nicht. Deswegen habe ich mich alleine auf den Weg gemacht. Ich habe dann um kurz vor Mitternacht mit meinem Fahrrad auf der Westtangente in Straubing einen Unfall verursacht. Infolgedessen wurde ich mit einer massiven Kopfverletzung in das Krankenhaus eingeliefert. Dort wurde durch die Polizei eine Blutabnahme vorgenommen und ein Promillewert von 1,69 festgestellt.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)

Trinkzeit von 16.00 bis ca. 23.00 Uhr

1 l Radler (Festbier), 2 l Festbier, 2x 0,33 Pils

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?

Den ersten Kilometer (ca.) habe ich sicher geschoben. Die ersten 200 m kann man zu der Zeit gar nicht fahren, da auf dem Geh-/Radweg sehr viel los ist. Durch meine Amnesie aufgrund der Kopfverletzung kann ich den Zeitpunkt wann ich aufgestiegen bin nicht mehr sagen. Von meiner Gedächtnislücke bis zu dem Unfall waren es ca. 300 m. Der Gesamtweg hätte 5 km betragen.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)

Nein, ich hatte nicht das Gefühl, dass ich noch fahren kann. Beim Schieben habe ich gemerkt, dass ich sehr stark schwanke und auch mein Rad nicht mehr richtig halten konnte. Einmal ist es mir auch umgefallen. Daher habe ich auch länger geschoben als durch die vielen Leuten eh nötig gewesen wäre.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?

Ich wollte mit meiner Schwester um 24.00 Uhr mit dem Bus nach Hause fahren. Allerdings wollte ich um 23.00 Uhr schon heim, weil ich mich in der Gesellschaft nicht mehr wohl gefühlt habe und keinen Alkohol mehr trinken wollte.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?

Nein, ich bin nie im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss auffällig gewesen.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?

Ich vermute, dass es an die 100-mal gewesen sein müssten an den ich mit geringen Mengen mit dem Rad gefahren bin. Plus ca. 10 Fahrten bei denen ich stärker alkoholisiert war. Rückblickend betrachtet folgere ich, dass mein Verhalten nicht zu verantworten war und dass ich zu oft mich und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet habe. Es musste früher oder später passieren.

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?

(Allererste Erinnerung und erster Konsum)

Mit 13 Jahren waren wir an Silvester bei einer Freundin und ihre Eltern haben uns von einem Kobraschnaps probieren lassen. Haben wir wieder ausgespuckt.

Das erste Mal betrunken war ich mit 15 Jahren nach einer Tanzparty in der Tanzschule. Da habe ich drei Rigo (Alkopop) getrunken.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Bis 18 Jahre habe ich im Jahr dreimal Alkohol getrunken (mein Geburtstag, der Geburtstag einer Freundin und Silvester). Bis dahin war ich in einer Beziehung und wir haben viel Zeit zu zweit und zu Hause verbracht.

Mit 18 Jahren habe ich mich von meinem Freund getrennt. Mit einer damaligen Schulkameradin bin ich viel feiern gegangen und habe einen neuen Freundeskreis gefunden. Da ich sehr schüchtern bin, habe ich den Alkohol benutzt um aufgeschlossen, offen und „cool“ zu sein. Mit der Zeit hat sich mein Alkoholkonsum gesteigert und ich war dann schon zwei- bis dreimal im Monat betrunken.

Mit 23 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und das Feiern hat sich in Essen gehen oder Biergarten 1-2 mal im Monat umgewandelt. Da habe ich dann teilweise bis 3 0,5 l Bier getrunken. Ausnahmen kamen schon vor, z.B. Volksfest, Geburtstage. Da war ich dann 4–5-mal im Jahr betrunken.

In meinen Schwangerschaften habe ich natürlich nichts getrunken. Allerdings hat sich das in den letzten 4-5 Jahren wieder gesteigert. Am Ende (kurz vor der Trunkenheitsfahrt) habe ich zweimal im Monat mehr Alkohol getrunken.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)

18-23 Jahre: 2–3-mal im Monat: 0,75 - 1,00 l Wodka Boot zu dritt

ab 23 Jahre: Umstieg auf Wein/Bier, bei den Ausnahmen dann wieder 6-8 Longdrinks à 4 cl

vor der Trunkenheitsfahrt: zweimal im Monat 4-5 Bier

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

Ich habe überwiegend auf Feiern und in Gesellschaft getrunken. Auch mal im Biergarten zum Essen.

12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)

Vor 23 habe ich aus Unsicherheit getrunken. Ich fühlte mich in Gegenwart Fremder nicht wohl und brauchte auch eine Zeit um aufzutauen. Dieses Gefühl konnte ich mit Alkohol betäuben, so dass ich nach außen hin die lustige Partymaus geworden bin.

Ab 23 war das nicht mehr so wichtig, da ich mit meinem Partner angekommen bin. Trotzdem fiel ich doch regelmäßig (4-5 mal im Jahr) in meine „Rolle“ zurück.

Ich habe durch meinen Job an mir gearbeitet und die Unsicherheit gegenüber Fremden minimiert, da ich als Bauleiterin ständig Kontakt mit neuen Menschen habe und mir das jetzt auch sehr gut gefällt. Allerdings ist dieser Job auch mit viel Stress und Druck verbunden. Trotzdem habe ich nebenbei noch ein Aufbaustudium begonnen.

Ich stand in den Jahren vor dem Vorfall enorm unter Druck. Ich habe zwei Söhne bekommen und dennoch Vollzeit als Bauleiterin weitergearbeitet. In meiner „Freizeit“ habe ich das Studium beendet, mich um meine Kinder und den Haushalt gekümmert. Vor drei Jahren hatten wir dann die Möglichkeit in das Haus meiner Oma einzuziehen. Dafür haben wir es in Eigenregie am Wochenende saniert. Im Nachhinein bin ich verwundert, wie ich das überhaupt geschafft habe. Ich habe einfach funktioniert. Allerdings hatte ich in dieser Zeit keine Zeit für mich. Ich konnte nie entspannen und stand ständig unter Druck. Meine Bewältigungsstrategie bestand darin am Anfang alle 2 Monate mit meinen Freundinnen feiern zu gehen. Mit dem Alkohol fiel der ganze Druck von mir ab, ich fühlte mich entspannter. Irgendwann hat es nicht mehr alle paar Monate gereicht, sondern hat sich bis vor der Trunkenheitsfahrt auf zweimal im Monat gesteigert und auch zur Gewöhnung geführt.
 
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)

Bei wenig Alkohol war ich am nächsten Tag vielleicht müder. Je nachdem wann ich ins Bett kam. Bei viel Alkohol hatte ich einen starken Kater und der nächste Tag war anstrengend. Ich habe jedoch nie meine Pflichten vernachlässigt. Habe danach immer funktioniert, meine Geduld war allerdings schnell aufgebraucht.

Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:

13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?

(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)

Am Anfang hat mir schon wenig Alkohol gereicht, um abzuschalten und den Druck loszulassen. Mit der Zeit hat mein Alkoholkonsum zur Gewöhnung geführt und es hat mir nicht mehr gereicht nur den ersten Entspannungseffekt zu haben. Ich wollte den belastenden Alltag komplett ausblenden und dieses Gefühl möglichst lange aufrechterhalten.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Nein. Ich habe trotzdem meinen Pflichten wahrgenommen. Ich bin aufgestanden und habe mich um meine Söhne gekümmert, …

Auch in den 20er Jahren hat niemand etwas gesagt, da ich da noch in Kreisen war, wo dieser Alkoholkonsum als normal angesehen wurde.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?

In meiner Partyzeit wurde ich durch den Alkoholkonsum viel offener und habe Dinge getan, für die ich mich nüchtern geschämt habe. Ich konnte dann nicht offen mit jemanden reden, sondern habe so getan als ob mir das egal ist. Diese Situationen habe ich mittlerweile aufgearbeitet und als zu meiner Vergangenheit zugehörig angenommen. Ich habe in dieser Zeit eine Rolle gespielt und selten gezeigt, wer ich bin und was mich ausmacht. Zwischenzeitlich habe ich viel an mir gearbeitet und mich weiterentwickelt. Ich bin ein offenes Buch und zeige jedem wie ich bin und was mich ausmacht. Damit finde ich guten Anklang und fühle mich wohl.

In der Zeit vor der Trunkenheitsfahrt habe ich Alkohol benutzt um den Druck abzubauen, allerdings hatte das nur kurzzeitig Erfolg. Ich wurde dadurch immer schneller gereizt und genervt und habe das an meinem Partner/ Kindern ausgelassen.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.

Da ich heute nichts mehr trinke, habe ich ab 15 Jahren mehr getrunken als jetzt.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Ich habe gelernt, dass Volltrunkenheit bei ca. 3,0 % einsetzt. Die Folgen sind Sinnes- und Orientierungsschwierigkeiten bis zur Ausschaltung des Großhirns im narkotischen Schlaf, mit unkontrollierten Ausscheiden von Körperflüssigkeiten. Ich habe zeitweise viel getrunken aber diese Ausfallerscheinungen hatte ich nie. Trotzdem hatte ich wohl des Öfteren mal an die 1,70 – 1,90 erreicht und hatte Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen und vermindertes Reaktionsvermögen. Die Trinkmenge am besagten Abend stellte für mich vergleichsweise schon die Obergrenze dar.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?

Schwangerschaften+Stillzeit, immer während der Fastenzeit

19. In welcher Kategorie eines Alkohols trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)

Früher hätte ich mich selbst als Genusstrinkerin bezeichnet. Ich habe es nicht als kritisch angesehen, da ich nicht täglich getrunken habe und auch längere Zeit ohne Alkohol auskommen konnte.

Heute rückwirkend betrachtet sehe ich alles kritischer. Alkohol hatte für mich eine klare Funktion: zuerst diente er dazu, dass ich selbstbewusster wurde, später dann um Stress und Druck abzubauen. Auf diese Weise wurde das Alkoholtrinken zur Gewohnheit und zum Entspannungsmittel. Ich würde mich rückblickend als jemand mit einem problematischen Trinkverhalten einordnen.

Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)


Nein, ich habe mich zur völligen Abstinenz entschieden und mache das seit Anfang März belegt.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?

An Silvester habe ich zum Anstoßen einen Sekt getrunken.

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?

Nein

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?

Ich trinke heute keinen Alkohol mehr, weil ich erkannt habe, dass Alkohol für mich kein harmloses Genussmittel war, sondern ein Mittel, um mit Stress und Druck umzugehen. Dadurch bestand die Gefahr in belastenden Situationen die Kontrolle zu verlieren – wie damals passiert. Ich möchte nicht mehr in diese Situation kommen. Die Abstinenz gibt mir Sicherheit und ich fühle mich körperlich und psychisch deutlich wohler. Deshalb ist der Verzicht für mich eine bewusste und dauerhafte Entscheidung.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?

Ich habe das Trinken aufgegeben, weil ich erkannt habe, dass Alkohol für mich zu einer falschen Bewältigungsstrategie geworden ist. In den Jahren vor dem Vorfall stand ich unter enormen Druck: Vollzeit in der Bauleitung, zwei kleine Kinder, die Sanierung des Hauses meiner Oma und der Haushalt. Alkohol war für mich ein Weg kurzfristig abzuschalten und den Druck auszublenden. Der Vorfall mit dem Fahrrad hat mir deutlich gezeigt, welche Folgen das haben kann und dass ich so nicht weitermachen möchte.

Ich habe mir vorher eingeredet, ich hätte mein Trinkverhalten im Griff, weil ich nicht täglich getrunken habe. Ich habe das eigentliche Problem – dass ich Alkohol zum Stressabbau genutzt habe – nicht erkannt. Erst durch die intensive Auseinandersetzung in der Suchtberatung ist mir klar geworden, was dahintersteckte.

25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?

Nach meiner Trunkenheitsfahrt ging es mir psychisch nicht gut. Ich habe mir viele Vorwürfe gemacht und mir war auch bewusst wie viel Glück ich hatte. Der Sturz hätte viel schlimmer ausgehen können. Ich wollte, dass so etwas nie wieder passiert und wusste nicht mit wem ich reden kann. Deswegen habe ich mich telefonisch bei einem Psychologen gemeldet und dieser hat mich zu der Alkoholberatungsstelle der Caritas verwiesen. Seit November bin ich bei meiner Alkoholberaterin. Durch ihre Fragen kam ich immer mehr in die Selbstreflexion. Am Anfang wollte ich nur wissen, wie ich meinen Alkoholkonsum minimieren kann ohne ganz darauf zu verzichten. Ich hatte tatsächlich Angst meinem Umfeld zu sagen, dass ich keinen Alkohol mehr trinken mag. Deswegen habe ich erst begonnen nur noch kontrolliert zu trinken. Das war seit meiner Trunkenheitsfahrt an dem Geburtstag meines Mannes im November 3 Bier 0,5 l, einmal Weggehen mit den Mädels 2 Bier 0,5 l und dann Silvester 1 Sekt.

Ich habe bemerkt wie riskant mein Umgang mit Alkohol war und seitdem habe ich in meinem Leben viel geändert und fühle mich ausgeglichener. Ich habe mein Tätigkeitsfeld geändert. Ich arbeite nun nicht mehr Vollzeit als Bauleiterin, sondern Teilzeit in der Abrechnung. Habe somit den ganzen Nachmittag Zeit für meine Kinder, wodurch mein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber weg ist und ich die Zeit ganz genießen kann. Außerdem habe ich durch eine Putzfrau Unterstützung im Haushalt. Mein Mann unterstützt mich nun auch mehr und bringt die Kinder jeden zweiten Tag ins Bett. Dadurch habe ich Zeit für mich, um z.B. zu lesen, zu meditieren oder Sport zu machen. Auch höre ich wieder mehr Musik und kann dann ganz für mich sein.


26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Ich bin nun wesentlich ausgeglichener, ruhiger und nicht so impulsiv. Das wirkt sich vorallem positiv auf meine Kinder und meinen Mann aus, die nicht mehr meine Launen abbekommen. Ich fühle mich nicht mehr so lustlos und schlapp und habe auch viel mehr Energie für Sport, der mir richtig guttut und Spaß macht.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?

Ich habe für mich nun andere Strategien. Ich arbeite in Teilzeit, habe mehr Zeit für meine Familie und auch für mich selbst. Mein Mann übernimmt mehr Verantwortung, wir bekommen Unterstützung im Haushalt und ich nehme mir bewusst Auszeiten. Dadurch brauche ich Alkohol nicht mehr, um mit Belastungen umzugehen. Ich habe gelernt, Stress auf gesunde Weise wie z.B. durch Meditationen und Sport zu bewältigen und möchte dieses Risiko nie wieder eingehen. Mein komplettes Umfeld wurde von mir sensibilisiert und steht hinter mir. Und sollte doch einmal ein schwerer Schicksalsschlag kommen, weiß ich, dass ich mich jederzeit an meine Alkoholberaterin wenden kann.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)

Ich möchte nicht in meine alten Gewohnheiten zurückfallen. Mir ist allerdings bewusst, dass bei mir immer eine latente Gefahr besteht in alte Muster zurück zu fallen. Wichtig ist nur wie man in Zukunft damit umgeht und da denke ich habe ich für mich die richtigen Strategien erlernt und gefunden. Außerdem werde ich jeden Tag daran erinnert und möchte nicht, dass so etwas nochmal passiert.

29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?

Ich habe für mich entschlossen, dass ich den Rest meines Lebens abstinent leben möchte, somit stellt sich die Frage für mich nicht mehr. Ich trinke nicht mehr und sorge auch dafür, dass es so bleibt und kann somit zu jeder Zeit, aufs Fahrrad steigen oder ins Auto steigen und losfahren.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?

Ja, die Trunkenheitsfahrt hat mir die Augen geöffnet. Ich habe viel zu lange vor meinem Alkoholkonsum die Augen verschlossen. Dadurch habe ich mich intensiv mit mir bzw. meinem Alkoholkonsum beschäftigt. Es war rückblickend betrachtet eine echte Chance mein Leben zum Besseren zu verändern.
 
Hallo,
meine erste MPU war Mitte April. Bin da ziemlich blauäugig rein gegangen und wollte kT. Allerdings war ich dafür auch nicht vorbereitet. Mittlerweile habe ich mich aus persönlichen Gründen zur Abstinenz entschieden.
 
Schön, dass du hier gelandet bist :smiley138:

Ist die negative MPU der FEB bekannt ?
Du hast jetzt 5 Monate AN ( Abstinenznachweise ) ?
In die Akte kannst du jetzt nicht mehr schauen…?
 
Mir erscheint auch deine angegebene Trinkmenge in der Zeit vor deiner Trunkenheitsfahrt sehr unglaubwürdig.
Wie hat das der Gutachter bewertet?
Du konntest ja mit deinen Promille noch Fahrrad fahren.
Da ist das Auto leichter zu bewegen.
Du solltest das Gutachten hier anonymisiert einstellen.
 
Die Führerscheinstelle hat das negative Gutachten nicht. Sie wissen allerdings, dass ich bei der MPU war und da ich ja dann den Führerschein gebracht habe, ist ja klar, dass ich die MPU nicht bestanden habe. Laut Führerscheinstelle liegt in meiner Akte der Polizeibericht und das Rechtsurteil.

Die Gutachterin meinte, dass ich mich nochmal intensiver damit beschäftigen soll. Im Rahmen einer Suchtberatung oder verkehrspsychologischen Maßnahme wurde mir freigestellt. Ebenso ob ich kT oder Abstinenz mache. Ich habe jetzt 5 Monate Abstinenznachweise.

Ich konnte nicht mehr Rad fahren. Ich war nach der Kollision aufgrund einer massiven Kopfverletzung 4 Tage im Krankenhaus. Aber du hast natürlich Recht, jemand anderes hätte nicht mehr aufsteigen können. Ich schau mir meine Trinkmengen nochmal kritischer an.
 
Also, ich sehe leider keine Aussicht auf eine positive MPU mit 5 Monaten AN.

Du hattest bei Trinkende 2,2 Umdrehungen und konntest noch Fahrrad fahren, wenn auch mit Ausfallerscheinungen.
Leider ist deine psychologische Aufarbeitung auch noch ausbaufähig, so dass ich diese Zeit zum Sammeln der AN an deiner Stelle nutzen würde, auch diese „MPU-reif“ zu machen.

Wir helfen dir dabei sehr gerne :smiley138:
 
Vielen Dank für eure ehrliche Einschätzung. Auch wenn sie für mich hart ist
An welchen Punkten müsste ich deiner Meinung nach noch arbeiten? Dann nutze ich die Zeit und melde mich zu einem späteren Zeitpunkt wieder
 
Wie du ja schon gehört hast, deine Konsumhistorie.

Deine Motive brauchen noch viel mehr Tiefe.
Dann erhalten auch deine Vermeidungsstrategien mehr Substanz.
 
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