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TF Fahrrad 1,84‰

anwol031

Neuer Benutzer
Hallo zusammen, ich hatte letztes Jahr eine TF mit dem Fahrrad mit 2,28‰, bei der zum Glück nichts schlimmeres passiert ist. Ich habe hier im Forum schon viel mitgelesen und wäre sehr dankbar für eine Einschätzung eurerseits. Den Fragebogen bin ich noch am bearbeiten, sobald der fertig ist, lade ich den natürlich hoch. Hier aber vorab schon mal der Profil FB:​

FB Alkohol

Zur Person
Geschlecht: männlich
Größe: 190 cm
Gewicht: 98 kg (108 kg bei TF)
Alter: 29

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 29.06.2025
BAK: 1,84‰ (2,28‰ (1,14 mg/l) gepustet um 6:12 Uhr)
Trinkbeginn: 22:00 Uhr
Trinkende: 5:10 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 8:54 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: nein
Strafbefehl schon bekommen: ja, Verhandlung am 29.01.2026
Dauer der Sperrfrist: keine

Führerschein
Hab ich noch: ja
Hab ich abgegeben: nein
Hab ich neu beantragt: nein
Habe noch keinen gemacht: nein

Führerscheinstelle
Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: einmal vor der MPU-Aufforderung nachgeschaut, da gab es keine Einträge, werde jetzt nochmal ein Termin machen
Sonstige Verstöße oder Straftaten?: nein
Genaue Fragestellung der FSSt (falls bekannt): bisher nur Fragestellung aus der MPU Aufforderung: „Ist zu erwarten, dass Herr … zukünftig einen die Fahrsicherheit beeinträchtigten Alkoholkonsum und das Führen von Kraftfahrzeugen hinreichend sicher trennen kann?“, Fragestellung aus Akte schaue ich noch nach

Bundesland: NRW


Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: nein
Ich lebe abstinent seit: seit 29.06.2025

Abstinenznachweis
Haaranalyse ja/nein: nein
Urinscreening ja/nein: ja, 6 Monate 23.07.2025 – 22.01.2026, Folgevertrag für 6 Monate läuft (23.01.26 – 22.07.2026)
PEth-Analytik ja/nein: nein
Keinen Plan?: nein

Leberwerte ja/nein seit wann, wieviele: je einmal Anfang 2021 und 2022 durch Betriebsarzt, alles im Normbereich

Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: 1 x Erstberatung TÜV Nord, 3 x Doppelstunde VP TÜV Nord 28.08.2025 – 05.10.2025
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein
Ambulante/stationäre Therapie: nein
Keine Ahnung: nein

MPU
Datum: noch keins
Welche Stelle (MPI): noch keine
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt?: nein
Wer hat das Gutachten gesehen?:
Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?:

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: nein


Vorab hätte ich noch ein paar Fragen, da heute meine MPU-Aufforderung gekommen ist:

- wenn ich das richtig verstanden habe, dann würde ich jetzt zunächst einen Termin machen, um in meine Führerscheinakte reinzuschauen auch wegen der genauen Fragestellung oder?

- ich habe leider nur eine Frist von 2 Monaten bekommen, um ein positives Gutachten einzureichen, würde es Sinn machen, nach einer Fristverlängerung zu fragen oder ist das eher aussichtslos, weil ich meinen Führerschein noch habe?

- wenn ich die MPU machen möchte, müsste ich dann bei dem von mir ausgewählten MPI einen Termin machen und dann der Führerscheinstelle melden, wo ich die MPU machen möchte oder ist der Ablauf anders? (Die MPU innerhalb der Frist zu machen bzw. auch zu schaffen sieht denke ich eher schwierig aus, aber ich wollte nur mal so wegen dem allgemeinen Ablauf fragen)

Schon mal vielen Dank im Voraus und falls ich was vergessen haben sollte oder was unklar ist einfach Bescheid geben.
 
ch habe leider nur eine Frist von 2 Monaten bekommen, um ein positives Gutachten einzureichen, würde es Sinn machen, nach einer Fristverlängerung zu fragen oder ist das eher aussichtslos, weil ich meinen Führerschein noch habe?
kaum. Aus genau dem Grund.
Der Zeitraum hätte reichen können für eine A3-Einschätzung des Gutachters und Du hast ja auch frühzeitig reagiert.
Aber: auch wenn die Promillezahl erstmal nichts festnagelt, wird die Aussicht für eine A3- Einschätzung des Gutachters bei über 2pm ziemlich gering (für den Fall, dass rückgerechnet wird). Was steht denn in der MPU-Aufforderung konkret als Tatbestand?

Du könntest bisschen pokern, indem Du eine A3-Vorbereitung machst, die Du dann im A2-Einschätzungsfall schon mal als Teil einer nötigen A2-Nachweiserbringung verwenden kannst. Den FS musst Du halt dann bis dahin abgeben.

Wie wurdest Du vom Vorbereiter eingeschätzt?
Und: was wäre so Dein Plan für die Zukunft? (nicht MPU-motiviert, sondern aus eigener Erkenntnis als notwendige Reaktion?)
risikoarmer Konsum / kontrolliert Trinken? Abstinenz? Wenn ja: aus welchem (guten) Grund?
 
Zuletzt bearbeitet:
@joost erstmal vielen Dank für die Antwort!

Was steht denn in der MPU-Aufforderung konkret als Tatbestand?
In der MPU-Aufforderung stand:

„Das Amtsgericht … verurteilte Sie am 20.10.2025, rechtskräftig am 29.01.2026, wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 500 Euro.

Am 29.06.2025 fuhren Sie ein Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss. Die Ihnen am 29.06.2025 entnommene Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,84‰.“

Wie wurdest Du vom Vorbereiter eingeschätzt?
VP meinte A3, aber da wurde mit den 1,84‰ gerechnet. Steht denn erfahrungsgemäß der Atemalkoholwert in der Führerscheinakte? Wenn ja, dann kann man ja davon ausgehen, dass zurückgerechnet wird, oder?

was wäre so Dein Plan für die Zukunft?
Für mich persönlich bin ich sehr zufrieden mit der Abstinenz, die ich auch nach der MPU weiterführen möchte. Kurzfassung (werde ich im Fragebogen natürlich detaillierter beschreiben): Ich habe Alkohol als vermeintliche „Bewältigungsstrategie“ benutzt, um Gefühle bzw. emotionalen Stress zu unterdrücken/auszublenden. Ich habe gelernt, auf gesunde Weise damit umzugehen und mittels nachhaltiger und konstruktiver Strategien mich damit auseinanderzusetzen. Kontrolliertes Trinken (also für mich selber) könnte ich machen, wenn ich wollte, wäre aber dann nur aus reiner Geselligkeit. Ich habe die Erfahrungen gemacht, dass es auch ohne gut geht, also lass ich es dann lieber komplett bleiben.

@Karl-Heinz Dankeschön!
Ist das Trinkende bekannt ?

Meinst Du, ob das in der Führerscheinakte steht? Da werde ich noch nachgucken, aber eigentlich habe ich Trinkende nirgendswo angegeben, soweit ich weiß, also steht auch nicht im Polizeibericht.
 
Der Atemwert intertessiert überhaupt nicht, da die mobilen Geräte nicht geeicht sind. Die dienen nur dazu Betroffene zu ent- oder belasten. Deshalb wäre es für mich auch sinnvoll in der Überschrift den Wert auf 1,8 Promille zu ändern.

Die Frage ist ob eventuell zurückgerechnet werden kann. Da du die MPU-Aufforderung bereits hast und dort 1,8 Promille genannt wurden zählen die 1,8 Promille. Nachträglich dürfen die nicht mehr geändert werden.
 
@MrMurphy danke für den Hinweis, wie kann ich denn die Überschrift ändern?

Also, wenn die Uhrzeit der Blutentnahme und die Uhrzeit, als ich angehalten worden bin, in der Führerscheinakte bzw. die Unterlagen, die ans MPI übermittelt werden, drin stehen, dann würde ich ja mal davon ausgehen, dass da zurückgerechnet wird, oder?. Allein schon wenn nach der Berechnung der Alkoholmengen gefragt wird, würde das ja eine Rolle spielen.
 
Nochmal: Die Behörden haben alle ihnen vorliegenden Tatsachen berücksichtigt und sind auf 1,8 Promille gekommen. Daran ändert sich nichts mehr. Auch wenn bei der MPU deine Angaben etwas anderes vermuten lassen.

Du solltest dich eher mit der MPU und damit deinem Alkoholproblem beschäftigen.
 
dann würde ich ja mal davon ausgehen, dass da zurückgerechnet wird, oder?
Nein wie @MrMurphy dir schon geschrieben hat, erst Mal zählen die Fakten.
Das was du meinst, zählt wie auch @MrMurphy dir schon geschrieben hat, zu deinem Alkoholproblem. Wie und warum kam es zu dieser Tat?
Aus der Zeitspanne in der du getrunken hast, wann du aufgehört hast, wie viel du getrunken hast kann sich der GA ein Profil und ein Bild von dir machen. Im Zusammenhang dann mit deinem psychologischen und medizinischen Gespräch kann er dich dann einstufen: Bist du glaubwürdig? Oder lügst du? das ist das Erste. Anhand von deinem Motiv und deiner weiteren Aufarbeitung kann der GA dann über den Ausgang deines Gutachtens entscheiden.
 
@Nancy Danke fürs Ändern

@MrMurphy @Lampencharlie ja das stimmt, da habt ihr ein guten Punkt. Das habe ich auch gemacht und in der Zwischenzeit den Fragebogen ausgefüllt, den stelle ich jetzt mal rein

FB

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.


(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)

Ich habe mich am 28.06.2025 mit 2 Freunden aus meiner Heimatstadt verabredet, die dann zu mir gekommen sind. Wir haben bei mir mehrere Getränke (genaue Mengen s. Punkt 2) getrunken mit dem Plan später noch in die Stadt zu gehen. Gegen 0:00 haben wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht wo meine Freunde sich erstmal etwas zu essen geholt haben, ich selber hatte keinen Hunger. Danach sind wir in eine Kneipe gegangen und bis ca. 3 Uhr geblieben, wo wir mehrere Getränke (Longdrinks, Bier und Shots) getrunken haben. Anschließend sind wir in eine weitere Kneipe gegangen, wo wir weiter getrunken haben. Mein letztes Getränk hatte ich gegen 5:10 Uhr. Gegen 5:30 Uhr sind meine Freunde mit einem Uber nach Hause gefahren. Ich habe mich dann etwas später auf den Weg zur U-Bahn Haltestelle gemacht, habe dabei aber bemerkt, dass ich eine längere Zeit auf die nächste Bahn warten müsste. Auf dem Weg zur Bahnhaltestelle sah ich ein Mietfahrrad wofür ich ein Konto hatte und dachte mir, dass ich ja die „kurze“ Strecke eben mit dem Fahrrad nach Hause fahren könnte. Gegen kurz nach 6 wurde ich von der Polizei wegen auffälliger Fahrweise (starke Schlangenlinien) angehalten und ich habe einen Atemalkoholtest gemacht, welcher 2,28‰ ergab. Danach wurde ich mit zur Wache genommen wo mir dann gegen 08:54 Uhr Blut (1,84‰) abgenommen worden ist und noch ein paar Koordinationstests gemacht worden sind. Danach konnte ich die Wache verlassen und bin nach Hause gelaufen.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?

(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)

22:00 – 00:00

4x Longdrinks (je 4cl Whisky, 40% + Mischgetränk)

1x 4cl Tequila, 40%

00:00 – 03:00:

2x Bier (0,5l, 5%)

2x Longdrinks (je 4cl Jägermeister, 35% + Mischgetränk)

13x Liköre (je 4cl, Apfelkorn, 18%)

03:00 – 5:10

2x Bier (0,5l, 5%)

2x Longdrinks (je 4cl, Jägermeister, 35% + Mischgetränk)

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?

Ich bin ca. 500 m gefahren bis ich angehalten worden bin. Ich wollte noch weitere 1,7 km fahren.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?

Obwohl ich kurz nach dem Aufsteigen aufs Fahrrad hingefallen bin, dachte ich könnte es noch irgendwie sicher nach Hause schaffen. Diese Einschätzung war rückblickend natürlich falsch und ich war absolut nicht mehr fahrtüchtig und habe nicht nur mich, sondern auch andere damit in Gefahr gebracht.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?

Ursprünglich wollte ich mit der Bahn nach Hause fahren.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?

Nein.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?

Sehr häufig, genaue Zahl weiß ich nicht genau, dürften aber mehr als 30x mit dem Fahrrad gewesen sein.

Wenn ich am selben Abend noch Auto gefahren bin, dann habe ich am Abend nicht mehr als 2 x 0,5l Bier getrunken. Es ist aber häufig vorgekommen, dass ich mein Auto am nächsten Tag abgeholt habe und dabei noch Restalkohol hatte.

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?

(Allererste Erinnerung und erster Konsum)


Meine erste Erinnerung an Alkohol kommt aus meiner frühen Kindheit, wenn z.B. Eltern oder andere Verwandte im Urlaub oder beim Besuchen eines Restaurants Alkohol getrunken haben.

Das erste Mal, dass ich selber Alkohol getrunken habe, war mit 14 Jahren bei einem Freund. Mein Kollege hatte heimlich ein Bier von seinen Eltern genommen, das wir zusammen probiert haben, es uns aber nicht geschmeckt hat.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Über die Jahre wurde der Konsum höher und regelmäßiger.

Mit 14 habe ich das erste Mal Alkohol getrunken. Bei den Gelegenheiten wurden maximal zwei Biermixgetränke getrunken, weil mir alle anderen Arten von Alkohol nicht geschmeckt haben. Zusätzlich war die Verfügbarkeit von Alkohol nicht gegeben, weil man es vor den Eltern/Familie verheimlicht hat und ich auch niemanden kannte, der mindestens 16 war, um Alkohol zu besorgen.

Als ich mit 15 in einen neuen Freundeskreis gekommen bin, wo alle älter waren als ich, hat sich mein Konsum erhöht, wo ich dann auch das erste Mal Schnaps getrunken habe. In der Zeit ist es auch vorgekommen, dass ich das erste Mal betrunken war.

Dann mit 16 wurde der Konsum nochmal höher, es gab mehr Partys oder Ähnliches wo man hingegangen ist.

Nach der Schule mit 18 kam die Studienzeit wo ich häufiger mit Freunden auf Partys in Discos oder Kneipen gegangen bin, fast jedes Wochenende, manchmal auch zweimal am Wochenende. Als dann irgendwann die Corona-Zeit kam, ging der Konsum stark zurück, weil es nicht mehr möglich war rauszugehen oder sich mit mehreren Leuten zu treffen. Als diese Zeit vorbei war, ging der Konsum auch wieder in Höhe und Häufigkeit in Richtung Vor-Corona-Zeit.

Als ich mit 25 mit meiner damaligen Freundin zusammengekommen bin, hat sich mein Konsum verringert. Die häufigen Abende auf Partys oder in der Kneipe/Disco waren deutlich seltener, es wurde eher zusammen mit Freunden bei „gemütlichen“ Abenden oder beim Essen gehen getrunken. Bei besonderen Anlässen wie z.B. Geburtstagen habe ich mehr getrunken, ähnlich so viel wie in der Studienzeit, was jedoch nicht so häufig war (ca. 1x alle 2 Monate).

Nach der Trennung hat der Alkoholkonsum wieder zugenommen (s. Punkt 16).

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)

14 Jahre:


4-5 x pro Jahr: 1-2 Biermischgetränke (0,5l, 2,5%)

15 Jahre:

1x im Monat: 2-3 Biermischgetränke (0,5l, 2,5%) + 2-3 Schnäpse (2cl, 40%)

16 – 18 Jahre:

2x im Monat: 2-3 Bier (0,5l, 5%) + 3-4 Longdrinks (4cl, 40% + Mischgetränk)

19 – 24 Jahre:

4-6x pro Monat: 2-3x Bier (0,5l, 5%) + 6-8 Longdrinks (4cl, 40% + Mischgetränk) + seltener Mal 3 – 4 Schnäpse (2cl, 40%) oder 3-4 Liköre (2cl, 18%)

25 – 28 Jahre

2x pro Monat: 3-4 Bier (0,5l, 5%) oder 3-4 Gläser Wein (0,2l, 10%)

1x pro 2 Monate: 7-8 Bier (0,5l, 5%) + 3-4 Liköre (2cl, 20%)

März 2025 bis Juni 2025 (28 Jahre) (Ende Juni war TF):

6-7x pro Monat: 7-9 Bier (0,5l, 5%) + 3-5 Schnäpse (4cl, 50%) oder äquivalent an Longdrinks (4cl, 40% + Mischgetränk)

Am Tag der TF (29.06.): s.o.

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

Auf privaten Feiern, in Kneipen oder Discotheken mit Freunden, Arbeitskollegen oder meinen Eltern. Ausschließlich in Gesellschaft.

12. Warum haben Sie getrunken?

(Innere + äußere Motive)

Äußere Motive


Als ich mit 15 in einen neuen Freundeskreis gekommen bin, waren alle älter als ich und haben Alkohol getrunken. Ich fand es schön endlich Anschluss gefunden zu haben und hab deshalb auch aus Zugehörigkeit angefangen mitzutrinken. Es war Normalität, dass auf Partys oder Kneipenbesuchen Alkohol getrunken worden ist. Auch, dass übermäßig Alkohol konsumiert worden ist, war normal in diesem Umfeld. Wegen Gruppenzugehörigkeit und Geselligkeit wurde von meiner Seite aus auch gerne mitgetrunken. Auch im familiären Umfeld war das nicht sonderlich anders. Meine Eltern haben des Öfteren größere Feiern veranstaltet, wo teilweise auch viel Alkohol getrunken wurde. Meine Eltern haben mit 15 mitbekommen, dass ich Alkohol trinke, aber mir den Konsum nicht verboten, weil „sie selbst auch mal jung waren“ und meinten, dass ich lieber vor Ihnen kontrolliert trinken sollte, als mich heimlich „abzuschießen“. Die äußeren Motive erklären jedoch nicht den über die Jahre angestiegenen und hohen Konsum.

Innere Motive

In meiner Kindheit war mein Vater sehr viel arbeiten und kaum Zuhause. Zusätzlich ist er emotional eher kühl und distanziert gewesen und ich habe nicht viel Lob, Bestätigung oder Anerkennung erfahren. Das hat dazu geführt, dass ich als Kind Perfektionismus als Schutzmechanismus entwickelt habe. Wenn ich keine Anerkennung bekomme, dann liegt das an mir und ich muss durch Leistung mir Anerkennung, Bestätigung und Liebe verdienen. Das hat sich durch mein ganzes Leben gezogen. Ich habe Anerkennung und Bestätigung immer bei anderen gesucht und versucht durch Perfektionismus und Leistung zu erreichen. Wenn etwas nicht geklappt wie ich mir das vorgestellt habe dann hat mich das emotional unter enormen Stress gesetzt wo sich bei mir das Gefühl ausgebreitet hat nicht genug zu sein, es nicht Wert zu sein geliebt zu werden. Das hat auch zu Problemen mit meinem Selbstwertgefühl geführt und zur Angst vor negativer Beurteilung anderer, was bei mir soziale Ängste ausgelöst hat. Dazu kommt, dass ich sehr introvertiert und verschlossen gewesen bin und nicht über meine Probleme/meine Sorgen gesprochen habe, was ich mir bei meinem Vater abgeguckt habe. Mein Vater hatte eine Ein-Mann Baufirma als Selbstständiger und war hauptverantwortlich fürs Geld verdienen. Wir haben zusammen mit meinen Großeltern in einem Haus gewohnt. Meine Eltern hatten einen sehr großen Schuldenberg abzubezahlen, weshalb mein Vater auch extrem viel arbeiten musste, damit wir das Haus nicht verlieren. Das war natürlich ein enormer Stress für Ihn, was er aber nach außen hin nicht gezeigt hat. Zwei prägende Sätze die ich in meiner Jugend und Kindheit sehr oft von meinem Vater gehört habe waren „man fängt immer bei sich selber an“ was vermutlich als Rat bezogen auf Selbständigkeit und Eigenverantwortung gemeint war. Ich habe es aber kontraproduktiv verinnerlicht und alles auf mich bezogen, vermehrt mir auch die Schuld gegeben, selbst wenn ich auf etwas keinen Einfluss hatte. Das zweite war „alles ist nur eine Sache der Willenskraft“. Das habe ich auch negativ auf mich selber bezogen und wenn ich etwas nicht geschafft habe, dann lag es an mir und dass ich nicht die Willenskraft habe etwas zu ändern z.B. mein Übergewicht in den Griff zu bekommen, womit ich seit meiner Kindheit Probleme hatte. Diese Kombination hat meinen Perfektionismus noch weiter verstärkt, ich durfte mir keine Fehler erlauben und wenn etwas nicht so läuft wie ich mir das vorstelle, dann ist das allein meine Schuld. Ich bin Einzelkind, komme aus einer Arbeiterfamilie und bin der erste, der Abitur und Studium gemacht hat und bin momentan (hoffentlich bald fertig) an meiner Promotion in Biologie dran. Dadurch kam ebenfalls noch mehr Leistungsdruck auf mich, weil ich ja das „Vorzeigekind“ bin auf das man stolz sein kann. Als ich die 7. Klasse wiederholen musste oder mein erstes Studium abgebrochen hatte war dementsprechend das Theater groß. Dazu kommt, als ich die 7. Klasse wiederholt habe, habe ich in der neuen Klasse Ausgrenzung und Mobbing erlebt, was das oben beschriebene noch mehr verstärkt hat und ich noch introvertierter geworden bin und kaum Freunde hatte. Mit 15 kam ich durch Leute aus meiner alten Klasse in ein neuen Freundeskreis, wo vermehrt Alkohol getrunken ist, wodurch ich dann auch aus Zugehörigkeit (s. äußere Einflüsse) getrunken habe.

Ich habe gemerkt, dass Alkohol trinken, den emotionalen Stress alles immer perfekt machen zu müssen und damit verbunden das Gefühl nicht genug zu sein, es nicht wert zu sein geliebt zu werden zumindest für eine kurze Zeit betäubt. Ich konnte damit das Gefühl und den Stress für kurze Zeit vergessen, was eine vermeintliche Erleichterung für mich war. Die damit einhergehenden Begleiteffekte, z.B., dass ich unter Alkoholeinfluss offener war und meine sozialen Ängste z.T. mindern konnte, war für mich ein „positiver“ Nebeneffekt. Mit der Zeit habe ich mehr getrunken, um diesen Effekt zu erreichen, wodurch ich eine hohe Alkoholtoleranz entwickelt habe.

13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet? (bei wenig und bei viel Alkohol)

Bei wenig Alkohol habe ich gemerkt, dass ich entspannter wurde und Spaß hatte. Ich war offener und konnte besser auf Menschen zugehen.

Bei viel Alkohol kam es verstärkt zur Enthemmung und offener Kommunikation. Da ich nüchtern eher introvertiert war, aber unter starken Alkoholeinfluss überhaupt nicht, war es mir neben manchmal unangenehm am Tag danach, wenn ich betrunken zu offen kommuniziert habe bzw. jemanden „voll gelabert“ habe. Sonst bin ich ab einem gewissen Punkt meistens müde geworden, seltener kam es vor, dass ich traurig geworden bin.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Nein.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?

Nach übermäßigen Alkoholkonsum hatte ich einen Kater, bei dem mein Schlaf sich verschlechtert hatte und ich für den Tag nicht wirklich viel machen bzw. unternehmen konnte und wollte. Für mein Privatleben ist es mir in manchen Aspekten schwieriger Gefallen mich zu motivieren z.B. zum Sport zu gehen. In meinem direkten Umfeld hatte der Alkohol jedoch keinen Einfluss. Ich konnte soziale und familiäre Kontakte normal pflegen. In Bezug auf mein Studium oder meine Arbeit hatte ich ebenfalls keinen negativen Einfluss meines Alkoholkonsums, da ich Klausuren und Abschlüsse meist mit sehr guten Noten bestanden und bei meiner Arbeit stetig gute Leistung gezeigt habe. Dazu kommt, dass ich prinzipiell unter der Woche oder auf der Arbeit nicht getrunken habe. Wenn am Wochenende wichtige Termine oder Veranstaltungen waren, habe ich an dem Tag davor nicht getrunken.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben? Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.

In den Monaten nach der Trennung bis zur TF habe ich häufiger und mehr Alkohol getrunken. Die Trennung an sich hat mich emotional sehr aufgewühlt und auch stark gestresst, nicht nur wegen der Trennung an sich, sondern auch weil ich mir schnell eine neue Wohnung suchen musste, die damit einhergehende finanzielle Belastung für mich sehr groß war (weil ich Schulden aufnehmen musste für Möbel/Umzug etc.) und ich über mehrere Wochen bei einem Freund auf der Couch geschlafen habe. Ich musste mich wieder darauf einstellen, alleine zu leben, was diese Phase ebenfalls erschwerte. Diese emotionalen Belastungen haben bei mir wieder das Gefühl ausgelöst nicht genug zu sein, was sich in starken Stress wiedergespiegelt hat, was sich selber verstärkt hat zusätzlich durch meine Einstellung, dass ich alles alleine schaffen müsse. Zudem gab es berufliche Probleme, weil mein Projekt schlecht lief und keine vernünftige Daten bei den Experimenten rumgekommen sind, die ich für meine Doktorarbeit brauchte. Dabei hatte ich nur noch für ein halbes Jahr einen Vertrag, wobei es für eine Verlängerung aufgrund fehlender finanzieller Mittel schlecht aussah. Dadurch habe ich mir viele Sorgen um meine berufliche Zukunft und ob ich dann überhaupt die Doktorarbeit schaffe, gemacht. Mein Selbstwert habe ich von den beiden Säulen Partnerschaft und wissenschaftliche Karriere abhängig gemacht. Die eine ist komplett weggebrochen und die andere, die sonst immer konstant war, worüber ich versucht habe über Leistung Anerkennung und Bestätigung zu bekommen, war stark am Bröckeln. Den daraus resultierenden Stress habe ich versucht auszugleichen, indem ich wieder vermehrt getrunken habe. Dadurch dachte ich, ich könnte für einen kurzen Zeitraum meine jetzigen Probleme vergessen und kurzzeitig das Gefühl, nicht genug zu sein, betäuben. Der Alkoholkonsum war für mich eine kurzfristige Lösung für meine Probleme, der die emotionale Belastung und meinen Stress aber eher mehr verstärkt als gelindert hat und somit eine ungesunde Bewältigungsstrategie ohne kurz- oder langfristigen Wert dargestellt hat.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Ich würde sagen eher nur vereinzelt in meiner Jugend, wo ich nicht gut einschätzen konnte, was ich vertrage. Die letzten Jahre nicht. Wenn ich mir vorab ein Limit gesetzt habe, habe ich das auch eingehalten.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?

Ich habe des Öfteren Alkoholpausen eingelegt, in den letzten Jahren meistens im Januar („dry january“) für einen Monat. Manchmal habe ich diese Pausen auf 3 Monate ausgeweitet um z.B. mich mehr auf Sport zu fokussieren.

19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein? (mit Begründung)

Wenn damit die Einteilung nach Jellinek gemeint ist, dann habe ich mich früher als Beta-Trinker gesehen, weil ich ja „nur“ in Gesellschaft/bei sozialen Anlässen getrunken habe. Rückblickend würde ich mich aber eher als Alpha-Trinker sehen, weil ich durch Alkohol versucht habe Gefühle und emotionalen Stress zu bewältigen.
 
Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?

(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)


Nein.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?

Am Tag der TF am 29.06.2025.

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?

Nein.

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?

Ich habe den Alkohol als vermeintliche „Strategie“ benutzt, um mit emotionalen Stress und negativen Gefühlen umzugehen und diese für eine kurze Zeit zu vergessen. Das war rückblickend natürlich keine konstruktive Strategie bzw. überhaupt keine Strategie, weil sie halt an dem Problem nichts geändert hat, sondern es eher verstärkt hat. Früher dachte ich, dass es mich einschränken würde, wenn ich nicht mehr trinken würde, heute weiß ich es ist genau anders herum. Mit dem Leben so wie ich es jetzt führe bin ich sehr zufrieden und möchte das auch nicht sabotieren, indem ich wieder anfange zu trinken.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?

Wie es früher gelaufen ist, war dachte ich für mich ein Normalzustand. Ich habe meine beruflichen und sozialen Pflichten nicht vernachlässigt, weshalb ich dachte, dass mein Konsum nicht problematisch sei. Das ist rückblickend natürlich anders. Durch die Jahre an steigenden Alkoholkonsum habe ich eine Toleranz gegenüber Alkohol entwickelt, weshalb ich mehr getrunken habe, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Ich dachte, wenn man z.B. eine harte/stressige Woche hatte, dann habe ich es ja auch verdient am Wochenende zu trinken als eine Art Belohnung. Warum ich das dachte und warum ich überhaupt so viel getrunken habe, war mir früher nicht klar. Die TF war ein Schock für mich, nachdem ich ziemliche Schuldgefühle hatte. Mit diesem Verhalten habe ich andere und mich selber gefährdet. Ich wollte so einen Fehler nicht nochmal begehen und habe nach der Auseinandersetzung mit meinem Trinkverhalten und den Gründen dafür festgestellt, dass dieser Vorfall eine Chance für mich ist, mein Verhalten zu ändern. Deshalb habe ich mich dazu entschieden keinen Alkohol mehr zu trinken und abstinent zu bleiben.

25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?

Kurz nach der TF bin ich erstmal in ein Loch gefallen. Ich hatte ziemliche Schuldgefühle wegen der TF und hatte absolut keine Lust Alkohol zu trinken. Ich habe am Anfang mit niemanden darüber gesprochen und habe alle sozialen Ereignisse wie z.B. Geburtstag gemieden. Nach ca. 1 Woche habe ich mit einem guten Freund darüber gesprochen was mir echt gutgetan hat. Nach und nach habe ich mit immer mehr Leuten darüber gesprochen, was mir auch geholfen hat mit den Schuldgefühlen umzugehen. Ich habe dann schnell realisiert, dass es keine Lösung ist, mich sozial zu isolieren, weshalb ich dann auch wieder aktiv an sozialen Anlässen teilgenommen habe, auch wo vermehrt Alkohol getrunken wurde. Ich dachte am Anfang, dass ich ja den Spaß verpassen würde, wenn ich nicht trinken würde und es für mich langweilig werden würde. Mit der Zeit habe ich aber die Vorteile eher im Fokus gehabt. Am Anfang einer Veranstaltung dachte ich mir meistens:“ ich würde jetzt auch gerne ein Bier trinken“, was aber schnell wieder verflogen ist weil das nur aus Geselligkeit gewesen wäre, die auch ohne Trinken da war. Wenn die anderen z.B. zum Feiern weitergezogen sind, dann war ich meistens schon müde und bin nach Hause gefahren. Dann konnte ich gut schlafen und hatte keinen Kater am nächsten Tag, wodurch ich an dem Tag auch noch etwas unternehmen konnte und nicht unbrauchbar den ganzen Tag im Bett hing. Zusätzlich habe ich gemerkt, dass die soziale Komponente ohne Alkohol eigentlich doch kein so großes Problem für mich ist, wie ich gedacht habe. Wenn überhaupt, dann hat das meine Sozialkompetenz gestärkt wo ich mich früher auf Alkohol verlassen habe, um offener auf Leute zugehen zu können und/oder in Gespräche zu kommen. Ich habe kein Geheimnis daraus gemacht, wenn ich gefragt worden bin, warum ich nicht trinke. Daraufhin kamen Rückfragen und Gespräche sind entstanden, wo ich die Situation erklärt habe, aber hauptsächlich kamen positive Rückmeldungen und Unterstützung, was mir ebenfalls ein gutes Gefühl gegeben hat. Negative Reaktionen habe ich nicht bekommen. Wenn das der Fall gewesen wäre, dann hätte ich mir aber auch zweimal überlegt, ob ich solche Leute in meinem Leben haben möchte, die nur mit mir befreundet sein wollen, wenn ich Alkohol trinken würde.

Die Vorbereitung beim VP war extrem hilfreich für mich, weil ich dadurch erstmal die Ursachen für den Alkoholkonsum identifizieren konnte und schon an konstruktiven Lösungsstrategien arbeiten konnte. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich mich dem VP anvertrauen konnte, der auch ein gutes Gespür für meine Problematik hatte.



26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Zunächst einmal bemerke ich die gesundheitlichen Vorteile der Abstinenz. Mein Schlaf hat sich verbessert, ich habe mehr Energie, ich habe 10 Kilo abgenommen und das ohne Sport zu treiben. Ich kann besser und konstruktiver mit Stress bzw. Stresssituationen umgehen, wodurch Ich auf jeden Fall ausgeglichener bin. Ich bin allgemein viel aktiver geworden und versuche so oft es geht mir selber etwas Gutes zu tun, auch wenn es nur kleine Dinge sind wie z.B. ein Spaziergang bei schönem Wetter. In meinem privaten Umfeld habe ich viel Unterstützung bekommen, was ein gutes Gefühl war. Allgemein unternehme ich mehr Sachen mit meinen Freunden die nicht mehr mit Alkohol zu tun haben, d.h. anstatt zusammen in die Kneipe zu gehen, treffen wir uns um etwas zu kochen oder gehen auf ein Konzert.

Für mein berufliches Leben war die Entscheidung abstinent zu leben sehr hilfreich. Meine Promotion zieht sich mittlerweile schon sehr lange. Ich habe mittlerweile eine neue Stelle in einem anderen Institut, aber bin noch nicht fertig mit dem Manuskript und der These (teilweise weil ich noch auf Daten warten muss). Die Arbeitsbelastung war in den letzten Monaten von 2025 enorm wo ich teilweise 80-90% von meinen 5 Wochen Urlaub und unzählige Wochenenden durchgearbeitet habe, um noch so viel wie möglich fertig zu bekommen. Mittlerweile muss ich mein neues Projekt und die Arbeit an der Dissertation unter einen Hut bekommen. Das alles ist zwar sehr fordernd für mich, aber ich muss sagen auch wenn es mittlerweile anfängt ein bisschen zu nerven, komm ich an sich mit der Arbeitslast ganz gut klar. Das liegt vor allem auch daran, dass ich anstatt der vermeintlichen „Bewältigungsstrategie“ Alkohol trinken jetzt andere Strategien habe. Dabei ist es für mich sehr wichtig geworden einen konstruktiven Ausgleich zu finden mit dem ich mir selber auch etwas Gutes tue. Ich treffe mich vermehrt mit Freunden, habe kürzlich angefangen Sport zu machen und ich stecke viel von meiner Zeit in Musik. Ich spiele Gitarre in einer Band und kann mich da kreativ sehr gut ausleben. Zusammengefasst kann ich dadurch die momentan stressige Phase gut meistern was mich auch sehr stolz auf mich selber macht, nicht, weil ich so viel arbeite bzw. „leiste“, sondern dass ich auf konstruktive Weise mit dem Stress umgehen kann. Wenn ich so wie früher Alkohol trinken würde, wäre das nicht möglich und die Belastung würde mich vermutlich komplett fertigmachen.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?

Es ist für mich wichtig weiter an mir selber zu arbeiten und die Strategien, die ich entwickelt habe weiter zu festigen. Grundsätzlich musste ich lernen, dass Anerkennung, Bestätigung und mein Selbstwert von mir selber kommen muss und nicht abhängig von anderen Menschen ist. Das beinhaltet meinen Perfektionismus und damit einhergehend das Bedürfnis mit Leistung Anerkennung zu bekommen. Dazu gehört realistische Ziele zu setzen und unrealistische Maßstäbe zu verwerfen. Es hilft mir dabei Befürchtungen zu überprüfen, indem ich aktiv in Situationen gehe, die ich früher entweder gemieden habe oder versucht habe „perfekt“ zu lösen. Ein kleines Beispiel wo ich es anders gemacht habe: wir hatten in meinem alten Institut jedes Jahr 2 Tage lang eine Art interne Konferenz wo jeder in einer Präsentation den Status seines Projekts präsentiert hat was dann ausführlich diskutiert worden ist (alles zusammen ging pro Person über 1h). Ich habe mich vor dieser Präsentation immer bekloppt gemacht und versucht meinen Vortrag auswendig zu lernen, weil ich Angst hatte was zu vergessen oder das nicht vernünftig zu machen, was dann wieder mit der Angst einhergegangen ist schlecht dazustehen bzw. von Vorgesetzten/Kollegen negativ bewertet zu werden. Beim letzten Mal habe ich es anders gemacht, ich habe die Folien fertiggemacht und das war’s, kein auswendig lernen, kein üben. Die Präsentation habe ich dann richtig gut gemacht, was mir ein super Gefühl gegeben hat, weil ich mich nicht bekloppt gemacht hab und auf meine Fähigkeiten vertraut habe. Damit war die Angst davor in so einer Situation dann plötzlich zu versagen eigentlich total unbegründet was für mich eine sehr positive Erfahrung war.

Ein weiterer Punkt ist offene Kommunikation. Ich habe mir von meinem Vater abgeguckt alles mit sich selber ausmachen zu müssen. Das schadet mir aber nur, weil sich dadurch negative Emotionen anstauen. Ich erfahre viel Unterstützung durch mein soziales Umfeld und es hilft enorm, wenn man sich anderen Leuten mit seinen Problemen und Sorgen anvertrauen kann und dabei auch andere Perspektiven aufgezeigt bekommt. Als ich mir vermehrt Sorgen um meine berufliche Zukunft gemacht habe, weil sich das mit meiner Doktorarbeit so lange zieht, hat es mir echt geholfen mit manchen meiner Arbeitskollegen (von denen manche echt gute Freunde geworden sind) zu reden, die ja ähnliche Situationen kennen und da meine Sorgen offen zu kommunizieren. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass man mit seinen Problemen und Sorgen nicht alleine dasteht.

Außerdem muss ich auf Warnzeichen achten, dass ich nicht wieder in alte Verhaltensmuster falle und proaktiv dagegen steuern kann. Zu den Warnzeichen gehört Grübeln, Prokrastination, soziale Isolierung und das fehlende Setzen von persönlichen Grenzen. Wenn ich also eine stressige Situation wieder versuche unkonstruktiv zu zerdenken, versuche ich zunächst zu identifizieren was mich überhaupt an der Situation stresst. Dann gucke ich was ich aktiv dagegen tun kann, damit das vom Tisch ist und so einen konstruktiven Weg zu finden ein Problem zu lösen. Wenn ich selber keinen Einfluss auf etwas habe, dann macht es keinen Sinn für mich, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, wenn ich eh nichts daran ändern kann. Wenn ich zu Prokastrination neige versuche ich gegen die Emotion aktiv zu handeln. Das fängt bei kleinen Sachen wie z.B. den Haushalt an und geht hin bis zu großen Projekten auf der Arbeit, anstatt alles aufzuschieben, mache ich etwas sofort und mit System, wenn ich kann. Dadurch sammelt sich nicht so viel an, was mich umgekehrt weniger stresst womit ich was Gutes für mich selber tue. Ich plane aktiv Aktivitäten mit meinen Freunden, damit ich gar nicht erst in die Situation komme mich sozial zu isolieren, nimm mir aber auf der anderen Seite auch Zeit für mich selber wenn ich die brauche. Allgemein bin ich sehr froh wie es momentan läuft und erkenne das auch an und kann dabei mit Überzeugung sagen, dass ich stolz auf mich selber bin, was früher sehr schwierig für mich gewesen wäre.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?

(mit Begründung)


Ich kann nicht zu 100% ausschließen, dass ich wieder in alte Gewohnheiten falle, was mir als Gefahr bewusst ist. Es kann im Leben immer unvorhergesehen dazu kommen, dass sich etwas verändert seien es Schicksalsschläge, Änderungen im beruflichen/sozialen Umfeld oder ähnliches ohne dass man selber einen Einfluss darauf hat. Dadurch, dass ich die Warnzeichen jetzt erkennen kann und präventive Strategien entwickelt habe halte ich es aber für unwahrscheinlich, dass es wieder dazu kommt. Falls es zu Situationen kommt die mich ernsthaft in die Gefahr bringen wieder in alte Muster zu fallen, würde ich mir aber auch professionelle Hilfe suchen.

29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?

Dadurch, dass ich nicht mehr trinke, kann es zu keiner Trunkenheitsfahrt kommen.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?

Nein.
 
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