16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Da ich heute nicht mehr trinke, beantworte ich die Frage zum Zeitpunkt Juni 25:
Ja, während der Phase des Studiums (2008 bis 2010) und in der Zeit zuvor habe ich wesentlich mehr Alkohol getrunken als im Juni 25.
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja, dies kam in den Vergangenheit nach meiner ersten Trinkerfahrung noch 3 Mal vor (2 x 2009, 1 x Silvester 2023).
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja, im Rahmen des Studiums während der Phasen des Schreibens von Hausarbeiten (6-8 Wochen, mehrfach), während der Phase der Abschlussarbeit (4 Monate).
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Früher hätte ich mich als Gelegenheitstrinker bezeichnet, ohne jegliche Gefährdung, körperliches Verlangen oder Entzugserscheinungen waren nie gegeben und es war „normal“, in der Häufigkeit und in den Mengen zu trinken. Heute weiß ich, dass der Konsum alles andere als normal war, abhängig war ich nicht, jedoch vielleicht auf dem Weg dahin.
20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein, ich trinke heute keinen Alkohol mehr.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
Am Abend des 21.06.25 bzw. in der Nacht auf den 22.06.25.
22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein.
23. Warum trinken Sie heute keinen Alkohol?
Seit dem 22.06.25 verzichte ich vollständig auf Alkohol. Primär ist dies auf das Ereignis am 22.06.25 zurückzuführen. Nach diesem Ereignis hatte ich zunächst ein großes Schamgefühl und mich für ca. 10 Tage fast vollständig zurückgezogen, bei der Arbeit irgendwie funktioniert und privat nur mit meiner Frau und unserer Tochter gesprochen, hier erstmal wirklich auf ein Minimum beschränkt, habe fast nichts Essen können. Ich wollte niemanden sehen und hören. Ich hatte vor diesem Tag noch keinerlei Berührungspunkte mit der Polizei/der Justiz und möchte das zukünftig nicht mehr erleben. Hierzu gehört auch die lange Phase von circa 3 Monaten, in der ich täglich mit Angst an den Briefkasten gegangen bin, um zu schauen, ob in der Sache Post eingetroffen ist. In dieser Phase habe ich mich intensiv mit dem Thema Alkoholkonsum beschäftigt und habe nach reiflicher Überlegung und den Erfahrungen, die ich nach dem ersten „Schock“ gemacht habe für mich entschieden, zukünftig keinen Alkohol mehr zu trinken. Hierzu zählen insbesondere die Anlässe aus der Vergangenheit, bei denen ich regelmäßig Alkohol konsumiert wurde. 3 Wochen nach dem Ereignis fand eine große Familienfeier statt, zu der ich erstmals selbst gefahren bin, das gab es in den letzten 20 Jahren nicht. Im Vorfeld habe ich mich hier gefragt, wie das wird. Zum einen eventuelle Fragen mancher Personen, weshalb ich denn nicht trinke, zum anderen der Verzicht. Ich habe hier gegenüber den Personen, die mich darauf angesprochen haben, offen und ehrlich Auskunft gegeben. Unproblematisch war für mich der Verzicht, abgesehen von meinen Problemen in Folge der Fahrt (das schwirrte da noch ganz groß in meinem Kopf herum) war es eine schöne, lustige Feier, die ich dann auch mal mit „anderen Augen“ wahrgenommen habe. Darüber hinaus habe ich mich nach der ersten Phase dann auch wieder mit Freunden getroffen. Insgesamt habe ich bei den Zusammenkünften, egal welcher Art, für mich gemerkt, dass ich keinen Alkohol brauche, um Spaß zu haben und erzählfreudiger zu sein. Beruflichen Stress verarbeite ich heute im Rahmen von Gesprächen mit meiner Frau oder mit meinen Eltern/Freunden oder einer Psychologin, zu der ich ca. alle 6-8 Wochen Kontakt habe. In diesen Gesprächen entwickeln sich - im Gegensatz zum Konsum von Alkohol zur vermeintlichen Stressbewältigung - auch zusätzlich noch Lösungsansätze für Schwierigkeiten/Probleme, was mir enorm weiterhilft.
Heute sehe ich es so, dass der Konsum von Alkohol viele Probleme in vielen Bereichen verursachen kann, abgesehen von den finanziellen Auswirkungen eines Strafverfahrens und eines Führerscheinentzuges, auf welchen ich ein Stück weit aus beruflichen Gründen oder auch um meine Tochter zu Freunden/zum Sport zu bringen angewiesen bin. Alkohol ist kein Problemlöser, er verursacht oder vergrößert bereits bestehende Probleme. Auch gesundheitliche Schäden zählen zu den negativen Folgen regelmäßigen Alkoholkonsums. Im Großen und Ganzen sehe ich in einer Abstinenz nur positive Aspekte, wohingegen im Alkoholkonsum für mich persönlich keine Vorteile zu erkennen sind und verzichte daher komplett darauf.
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Ich möchte hier auch auf Frage 23 verweisen um mich nicht zu wiederholen. Rückblickend muss ich mir eingestehen, dass ich das am 22.06.25 eingetretene Ereignis gebraucht habe, um aufzuwachen. Zum Treffen mit Freunden, zu Feierlichkeiten usw. gehörte es für mich in der Regel dazu, Alkohol zu konsumieren. Ich habe mich nicht mit den negativen Folgen des Alkoholkonsums beschäftigt und mir keine Gedanken darüber gemacht.
25. Wie haben Sie die Änderung erreicht?
Noch in der erwähnten Phase unmittelbar nach dem 22.06.25 habe ich angefangen, mich mit dem Thema Alkoholkonsum - zunächst in Bezug auf den Straßenverkehr - auseinanderzusetzen. Ich habe feststellen müssen, dass eine Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad den Führerschein kosten kann (auf den ich ein Stück weit angewiesen bin) und dass ein Strafverfahren auf mich zukommt. Das waren für mich zunächst erstmal die schlimmsten zwei Dinge.
In den nächsten Tagen bin ich dann auf weitere Themen, wie beispielsweise die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkoholkonsum, gestoßen. Hierbei habe ich viele Dinge gelernt, unter anderem, bis zu welchem Promillewert von sozialverträglichem Trinkverhalten die Rede ist. Demgegenüber habe ich meinen Promillewert gesehen und mich erstmals in meinem Leben wirklich mit meinem Trinkverhalten beschäftigt. Hierbei haben sich für mich sehr viele Fragen gestellt: Wie konnte es so weit kommen (Promillewert, Fähigkeit noch Fahrrad zu fahren)? Wie geht es weiter? In diesem Zuge bin ich auf viele Themen gestoßen, die für mich erstmal nur schwer zu verstehen waren und von denen ich dachte, das kapiere ich nicht, alles wie ein riesiger Berg (Motive, umfangreiche Konsumhistorie). Mit der Zeit - in der ich sehr viel über die Vergangenheit nachgedacht habe - habe ich viele Erkenntnisse gewonnen, insbesondere habe ich mich auch hier erstmals damit beschäftigt, wann und wieviel Alkohol ich im Laufe meines Lebens konsumiert habe, das Ergebnis war schockierend/niederschmetternd. Hier habe ich dann auch wirklich ein paar Tage gebraucht und habe mich zurückgezogen. Es war schwer mir einzugestehen, dass das Trinkverhalten in der Vergangenheit alles andere als normal war, wenn ich das überhaupt noch so ausdrücken kann. Aufgrund dieser Erkenntnisse stand für mich erstmal fest, dass ich zumindest vorübergehend erstmal keinen Alkohol konsumieren werde, schaden kann es dem Körper jedenfalls nicht. Durch den offenen Umgang und der Akzeptanz und der Unterstützung aus meinem - bis auf ein paar Ausnahmen verbliebenen - Umfeld und der Annahme des Angebots von berufsbegleitenden psychologischen Gesprächen habe ich in kurzer Zeit gemerkt, dass das Leben fortan positiver weitergeht und ich auf vielseitige Unterstützung zählen kann. Im weiteren Verlauf habe ich dann auch den Entschluss gefasst, zukünftig vollständig auf den Konsum von Alkohol zu verzichten.
26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus? (Stand heute)
Aus meinem Umfeld habe ich in den letzten Monaten mehrfach die Rückmeldung erhalten, dass die Veränderung, die auf die Abstinenz zurückzuführen ist, positiv gesehen wird. Mit meiner Frau spreche ich mittlerweile über Dinge, die mir unangenehm sind oder die mich belasten, sei es innerhalb der Beziehung oder auch in anderen Bereichen. Wir erarbeiten gemeinsam Wege und Lösungen und schweigen Probleme nicht mehr tot.
Nach stressigen Arbeitstagen fühle ich mich wesentlich ausgeglichener und habe auch zuhause bessere Laune. Dies führe ich darauf zurück, dass ich Problemen nicht mehr aus dem Weg gehe und vor allem im Rahmen der berufsbegleitenden psychologischen Sitzungen gelernt habe, besser mit konfliktbehafteten Situationen umzugehen, diese besser zu verarbeiten. Zudem die Erkenntnis, dass es ein Leben neben der Arbeit gibt, das wichtiger ist.
Weiterhin stehe ich seit der Abstinenz an jedem Wochenende früh auf (um 6 oder 7 Uhr) und nutze die Wochenenden dazu, um mich für mich neu entdeckten Interessen zu widmen, die handwerklicher Art sind (Arbeiten im Garten, in der Wohnung), gehe regelmäßig Laufen und fühle mich insgesamt ausgeglichener, entspannter und einfach besser. Ich habe seit dem 22.06.25 insgesamt 16 kg abgenommen, wodurch ich mich auch besser fühle und mich auch äußerlich selbstbewusster fühle. Handwerkliche Arbeiten habe ich mir vor dem 22.06.25 nie zugetraut, da ich in diesem Bereich eher untalentiert schien und mich hier als absolute Niete gesehen habe.
Darüber hinaus ist meine Frau ein Stück weit davon beeindruckt, dass in mir doch etwas handwerkliches Geschick steckt, anders ist es nicht zu erklären, dass es immer wieder neue Ideen gibt, denen ich mich widmen darf

Auch im Freundeskreis spreche ich mit dem verbliebenen Freundes auch über ernste oder unschöne Themen, die zum Leben gehören, das war früher wenn überhaupt nur ansatzweise der Fall. Heute dauern solche Gespräche länger an, wesentlich tiefgründiger, früher sprach jemand Probleme an, die wurden zur Kenntnis gewonnen, und dann war die Sache abgehakt. Nicht nur ich spreche in diesem Kreis über meine Probleme, ich höre auch gerne zu und versuche hilfreiche Ratschläge zu geben.
27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt? (Stand heute)
Den Grundstein dafür habe ich aus heutiger Sicht gelegt, indem ich nach der besagten schwierigen Phase nach dem Ereignis gegenüber Familie und Freunden offen mit dem Ereignis umgegangen bin. Einerseits war mein Umfeld erstmal schockiert, andererseits bin ich hier auf große Offenheit gestoßen. Mit meiner Frau spreche ich wesentlich mehr als vor einem Jahr, insbesondere Probleme spreche ich gezielt an und gehe Diskussionen nicht mehr aus dem Weg. Dies gilt ebenso für schwierige Situationen im Beruf. Ich weiche möglichen Konflikten nicht mehr aus, sondern spreche Dinge an und versuche Lösungen für schwierige Situationen zu finden. Meine berufsbegleitende Psychologin unterstützt mich hierbei sehr und bestärkt mich auf dem Weg, den ich eingeschlagen habe, was sich auch durch Feedback der Kollegen bei der Arbeit zeigt, die auch unliebsame Anweisungen akzeptieren. Mittlerweile weiß ich, dass ich als Mensch und die berufliche Rolle zu differenzieren sind, und das ist auch den Kollegen bekannt. Veranstaltungen, bei denen der Alkoholkonsum aus meiner Sicht absolut im Vordergrund steht (z. B. Oktoberfeste, Fastnacht/Karneval) suche ich zukünftig nicht mehr auf. Zur Wahrheit gehört auch, dass sich mein Freundeskreis infolge des Ereignisses und meines geänderten Alkoholkonsums ein wenig verändert/reduziert hat. Einige Personen, mit welchen ich mich vor allem nach besonders stressigen Phasen auf ein paar Bier getroffen habe, um zu trinken, waren an nichts anderem als dem Trinken interessiert. Das habe ich in den letzten Monaten festgestellt, als der Konsum von Alkohol weiterhin im Vordergrund stand und mein Problem von Beginn an überhaupt nicht Ernst genommen wurde. Von diesen Personen habe ich mich vollständig distanziert und habe zu diesen mittlerweile auch keinen Kontakt mehr.
28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)
Aktuell kann ich mir dies überhaupt nicht vorstellen, auch wenn ich weiß, dass ein Rückfallrisiko nie zu 100 % ausgeschlossen werden kann. Die von mir über viele Jahre angetrunkene Giftfestigkeit wird für den Rest meines Lebens bestehen. Dennoch ist es der Konsum von Alkohol nicht wert, die positiven Erfahrungen der letzten Monate und die erlernten Methoden, vor allem mit dem Umgang von Stress, einzureißen und in alte Muster zu verfallen. Ich bin stolz darauf, was ich bis heute erreicht habe - und im Vergleich mit der Phase nach dem 22.06.25 - wie ich mich heute fühle. Mein Umfeld stärkt mir den Rücken, hat stets ein offenes Ohr und spiegelt mir auch regelmäßig wider, welch positive Veränderung bei mir wahrgenommen wird. All das bestärkt mich darin, auf dem Weg zu bleiben, den ich eingeschlagen habe.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
In dem ich weiterhin und zwar lebenslang konsequent auf den Konsum von Alkohol verzichte.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Nein.