Guten Morgen,
nach den Anregungen bin ich die einzelnen Punkte nochmal durchgegangen und habe sie "eingearbeitet". Es ist schwierig die richtigen Worte zu finden. Es ist aber ein gutes Training für mich, Empfindungen so rüber zu beschreiben, dass sie hoffentlich nicht missverständlich sind.
27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Ich habe mein ich an einigen Stellen verändert. Dieser Prozess begann recht kurz nach der TF und hat sich im Laufe der letzten Monate als sehr zielführend erwiesen (auch hier der Hinweis: der Weg ist skizziert und ich gehe ihn konsequent weiter bis zur MPU und darüber hinaus; ob ich ihn noch verändere wird sich zeigen). So stehe ich für mich / meine Überzeugungen ein und bin auch bereit die Konsequenzen zu tragen. Diese sind vordergründig oft erst negativ, bei näherem hingucken sind sie aber für mich positiv. Positiv weil ich ICH sein kann und nicht mehr ein Abbild meines Gegenübers.
In Situationen z.B. Ärger mit dem Chef nehme ich mir Zeit für meine Gedanken und reagiere nicht mehr direkt und spontan. Ich stelle mir immer die Frage, was kann schlimmsten Falls passieren? Schlucke ich alles mit Alk runter kenne ich die schlimmen Konsequenzen im Ansatz oder ich sage ruhig und überlegt meine Meinung und es kommt schlimmstens Falls die Kündigung. Daher ist nach kurzem Innehalten die Antwort klar die zweite. Mich selbst zu achten ist fester Bestandteil geworden; auch gegenüber Dritten mal nein zu sagen wenn es wirklich nicht geht habe ich erlernt und wende ich an.
Mein verändertes Sozialverhalten, offen Problem usw., zu besprechen ist mein neues Ich geworden. Durch die AB bin ich auch deutlich weniger reizbar und aus einer Mücke wird nicht gleich ein Elefant und ich liebe es. Ein deutliches Zeichen meiner Veränderung habe ich (Hinweis: auch hier ist der Weg eingeschlagen / skizziert aber bestimmt noch nicht am Ziel) auch in meiner Aufarbeitung erfahren, mit der Auseinandersetzung mit Menschen die mich unterstützen: es kommen sehr gute Tipps für die ich dankbar bin, es gibt aber genauso Hinweise, mit denen ich nicht so viel anfangen kann und die ich dann auch ablehne. Auch hier ist jedoch vor einer Entscheidung ein Stoppschild aufgestellt: erstmal reflektieren, überlegen was ist damit wie gemeint, meine Empfindungen spüren und dann agieren.
Ich umgebe mich heute mit Teilen der Familie, Freunden, Bekannten, die quasi ausnahmslos entweder selbst keinen Alkohol trinken oder ein Glas Wein zum guten Essen genießen. Es sind also die Menschen, die mir heute am nächsten stehen; zu den Menschen, die mir nominell am nächsten stehen sollten – also meine Mutter und mein Bruder – habe ich keinen Kontakt mehr. Sie gehören zu der oben genannten Kategorie, für die Alk zum täglichen Leben gehört und eine Ablehnung als Schwäche interpretiert wird. In diesem alk-freien Umfeld haben wir tolle Diskussionsrunden und es macht mich unheimlich glücklich für seine Meinung und Argumente einstehen zu können und gleichzeitig die der anderen auch zu akzeptieren und sich überzeugen zu lassen. Das kannte ich früher nicht. Da habe ich mich zurückgehalten und im Inneren "die Anderen" als Idioten bezeichnet und den Frust - eigentlich den über mich - runtergespült. Durch meine Reflektion auf gestern weiß ich heute, dass das was ich für normal gehalten habe eben gar nicht mein ICH ist.
Auch dieses – für manche mag es ungewöhnlich klingen – in sich hinein hören, bringt mich weiter. Es zeigt mir, wie ich mich fühle und wahrnehme. So ist es insbesondere eine Art „Achtsamkeitsübung“ die ich regelmäßig anwende. Morgens nach dem Hunderundgang sich still und ungestört hinsetzen. Den Kopf spüren, den Brustkorb erleben, was sagt der Magen und die Beine. Das sind meine Minuten – egal was drumherum ist. Erst dann lasse ich weitere Gedanken zu dem „was wird mir der Tag bringen“ und vor allem „wie will ich ihn gestalten“ zu.