Trunkenheitsfahrt mit PKW am 01.11.2020 - BAK 1,91 ‰

Robi_11

Neuer Benutzer
Danke dir Andi.

Ich habe noch eine Verständnisfrage zur vereinfachten BAK Berechnung der GA's.
Ich hoffe hier kann mir Max auf die Sprünge helfen, ich meine gelsen zu haben er ist der Profi...

Also Widmark usw. ist alles verständlich, aber es hat ja niemand der seine Fahrtauglichkeit berechnen will, Lust auf eine halbe e-Funktion oder seinen Grafikrechner zur Hand.

Also hilft die vereinfachte und standardisierte Variante.
Ich verstehe die so (Bier für mich essentiell), das angenommen wird ein Standardglas
Entspricht 0,2L Bier und 0,1 Promille.
Es wird auch von 0,15 Promille Abbau pro Stunde ausgegangen, korrekt?

In meinem Fall würde das aber bedeuten, dass ich 5,6L Bier, also 11,2 Flaschen a 0,5L getrunken haben müsste.
Trinkzeitraum bis BA ca. 6h (praktisch sogar weniger, da 5h 40min) mit BAK 1,91 Promille.

Wenn ich das mit Widmark rechne, bei meinen ziemlich durchschnittlichen Werten von ca. 80Kg und 178 cm Größe, muss ich ein Resorptionsdefizit von 30% annehmen um da hin zu gelangen. Also Faktor 0,7.

Ist das nicht etwas viel des Guten? 0,8 wäre doch praxisnäher?
Zumal ich mir damit ja mehr Konsum zugestehn würde, wenn ich meine Fahrtüchtigkeit überschlagen will?
Oder gilt die Betrachtung nicht dafür, sondern zur Ermittlung der Trinkmenge mit der tatsächlichen BAK als Basis - also Betrachtung in die andere Richtung?

Praktisch habe ich 9 Bier getrunken und werde 10 Bier angeben, um nicht zu verharmlosen. Aber > 11 Bier ist iwie zu viel.

Rechnerisch komme ich mit einem Reorptionsfaktor von 0,8 auf 1,95 Promille bei 6h und 0,15 Abbau & 10 Bier, also 200g Alkohol, das würde passen.
 

Max

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Ich hoffe hier kann mir Max auf die Sprünge helfen,
Nach der pauschalen Trinkmengenberechnung kommst du auf 11 Flaschen Bier a 0,5l

1,91‰ = 19 TE + 9TE Trinkabbau = 28 TE = 5,6 l
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Kommen wir jetzt mal professionell zu Widmark ...

Definitiv immer nur ein ca.-Wert.

Gewicht: 82 kg
Trinkbeginn: 15:00 Uhr
Blutabnahme: 20:40 Uhr

Trinkmenge: Bier 5l (entspricht 5000 ml)
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Alkoholmengenformel

A = m * Vol%/100 * s * rp

A = Aufgenommene Alkoholmenge in Gramm
m = Getrunkene Menge in Milliliter
s = Spezifisches Gewicht von Alkohol (0,8 g/cm³)
rp = Resorptionsdefizit (0,8)

Beim Resorptionsdefizit (Aufnahmeverlust) handelt es sich um eine Konstante, die angibt, wie viel Alkohol von der getrunkenen Alkoholmenge im Körper aufgenommen wurde, da Alkohol nach der Aufnahme teilweise wieder ausgeschieden wird durch Atmung, Transpiration und Verdauung.
Dieser Verlust beträgt zwischen 10% und 30%, also im Durchschnitt 20%, daher rp=0,8.
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Bierberechnung:
5000ml x 0,8 x 0,8 x 5% = 160 g aufgenommener Alkohol
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Damit kämen wir dann zu Widmark:

Insgesamt aufgenommen wurden ≈160 g Alkohol.
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Widmark-Formel

c = A / (p * r)

c = Alkoholkonzentration in Promille
A = Aufgenommene Alkoholmenge in Gramm (siehe Alkoholmengenformel)
p = Körpergewicht in Kilogramm
r = Reduktionsfaktor (0,7 bei Männern und 0,6 bei Frauen)

Da Alkohol wasserlöslich ist, kann er sich nur mit dem Wasseranteil des Körpers vermischen.
Der Reduktionsfaktor reduziert das Körpergewicht zu diesem Zweck auf die Wassermenge, die laut Widmark bei Männern 70 Prozent und bei Frauen 60 Prozent beträgt.
Die effektive Alkoholmenge wird mit der Alkoholmengenformel berechnet.
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c= 160 g/ (82 kg x 0,7)

das entspricht dann 2,79 Promille
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Nun zum Abbau:

Alkohol-Abbau

Im Mittelwert baut der Körper 0,15 Promille pro Stunde ab.
Der Abbau beginnt nicht sofort, sondern erst nach einem Zeitraum von 15 Minuten bis 2 Stunden.
Diesen Zeitraum von der Aufnahme des Alkohols bis zur vollständigen Aufnahme aus dem Verdauungstrakt in den Blutkreislauf bezeichnet man auch als Resorptions- bzw. Anflutungsphase.

Mit diesen Angaben ist es nun möglich, eine Anwendung zu realisieren, die es ermöglicht, jederzeit die aktuelle Blutalkohol-Konzentration auf Basis der Widmark-Formel zu errechnen.
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Vom Trinkbeginn bis zur Blutentnahme waren es ca. 6 Stunden.
Das bedeutet für den Zeitraum 6 Std. x 0,15 Promille = 0,9 Promille
Rechnen wir jetzt 2,79 Promille – 0,9 Promille bleiben am Ende 1,89 Promille übrig ... das entspricht dann knapp den von dir angegebenen 10 Bier a 0,5l.

Vergleichen wir das mit der Pauschalrechnung, dann liegen beide gar nicht so weit auseinander.
Wenn du 1-2 Bier mehr angibst, dann spielt das bei deiner MPU überhaupt keine Rolle.
 

Robi_11

Neuer Benutzer
Danke Max.

Ich empfinde halt die Pauschalrechnung als etwas verharmlosend.
Für meinem Fall (spezifische Größe und Gewicht) müsste ich rechnerisch um es zu reproduzieren, ein Resorptionsdefizit von 30% annehmenn um auf die Trinkmenge der Pauschalrechnung zu kommen.

Worauf ich hinaus will, wenn 1 TE Bier = 0,2L = 0,1 Promille ist, bedeuteten 1 Bier a 0,5 L nur 0,25 Promille. Das empfinde ich als trügerisch und zu gering.
In 1h Zwei Bier getrunken, würde deutlich unter 0,5 Promille liegen und nah an der 0,3 Promille Grenze (Abbau inkludiert).
Nur meine nun gebildete Meinung, nach dem ich mich mit dem Thema befasse. Natürlich würde ich es keinem GA ausreden wollen, aber:

Ich habe mit meinen Werten ausgerechnet, dass 0,3 Promille (mit 80 Prozent Resorption) pro Bier realistischer sind, zeigt auch die TF.
Also sind 2 Bier bzgl. 0,5 Promille Grenze bereits äußerst kritisch wenn schnell getrunken, und die 0,3 Grenze auf jeden Fall überschritten.

Ich gehe ja mit AB zur MPU, möchte aber dennoch zeigen dass ich mich damit beschäftigt habe.
Wenn ich nichts mehr trinke, muss ich ja egtl. auch keine Fahrtauglichkeit überschlagen können. Trotzdem ist es mir wichtig das zu wissen, auch schon aus meiner Historie heraus.
Wird im FB deutlicher...ich arbeite immer noch daran.

Also danke Max.
 

Max

Super-Moderator und MPU Profi
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Administrator
Worauf ich hinaus will, wenn 1 TE Bier = 0,2L = 0,1 Promille ist, bedeuteten 1 Bier a 0,5 L nur 0,25 Promille. Das empfinde ich als trügerisch und zu gering.
Du kannst die Biologie nicht als "trügerisch und zu gering" bezeichnen. Allein wenn du das, bei der MPU unbeliebte Wort, "nur" verwendest ... bewegst du dich auf dem Pfad der Verharmlosung.
Wenn ein 0,5l Bier 0,25‰ ergibt ... dann entspricht das den Vorstellungen von TÜV und Co ... willst du das jetzt bei deiner MPU neu erfinden. ;)

Mach dich nicht verrückt mit dem Thema, dass ist nicht der Mittelpunkt deiner MPU ... als Abstinenzler brauchst du das eh nicht.
 

Robi_11

Neuer Benutzer
Mit "nur" wollte ich eigentlich verdeutlichen, dass es iwie zu gering ist.
Ich möchte damit ja eher das Gegenteil zeigen.

Denn dann "dürfte" jemand der 3 Bier in 2h trinkt, laut GA ja noch gesetzeskonform Auto fahren, nur stur und ohne Wertung auf die 0,5 Promille Grenze bezogen.
Und das passt iwie nicht...

Ich will ja nicht darauf hinaus, dass die Grenze ausgereizt werden soll oder so, aber hypothetisch wäre man laut Gesetzgeber dann nach 3 Bier noch fahrtauglich (ohne Auffälligkeiten).

Aber hast Recht, ich nehme das so hin...
Bei meiner Trinkangabe bleibe ich bei den 10 Bier, oder ist eher zu empfehlen auf 11 zu erhöhen?
Ich will selbstverständlich nicht verharmlosen und falls der GA auf 11 kommt darüber diskutieren. Praktisch und nach Widmark passen die 10 Bier, das geringe Delta der BAK zur Rechnung liegt ja au der Hand.
1. Wird mit Mittelwerten gerechnet und jeder Körper reagiert anders
2. Sind es keine 6h wie bei der Rechnung , sondern 5,6h

Keine Angst, ich will hier nicht pedantisch sein, das liegt mir absolut fern.
Nur möchte ich gefestigt sein in meiner Behauptung um die 10 Bier und da nicht anecken.

11 Bier in 5h sind noch extremer. Klar war mein Verhalten auch extrem, aber noch drastischer darzustellen?
Auch müsste ich dann meine vorangestellten Trinkmengen entsprechend pauschal weiter erhöhen.

Was meinst du, kann ich die 10 glaubhaft verteidigen, ohne Gefahr zu laufen zu verharmlosen oder den GA skeptisch zu machen?
 
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