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Zweite Trunkenheitsfahrt nach 10 Jahren

Ab wann hattest du ein schlechtes Gewissen gegenüber dem GA ?
Grüß dich Karl-Heinz,
mein schlechtes Gewissen hielt sich bis zur erneuten auffälligen Trunkenheitsfahrt in Grenzen. Bis zum August 25 konnte ich Alkohol und das führen von Kraftfahrzeugen trennen. Gedanklich war ich oft bei den mahnenden Worten des Psychologen. Tatsächlich hatte er mir nach dem Gespräch noch mit auf den Weg gegeben, sollte ich jemals erneut mit Alkohol auffällig werden, dann hätte ich es schwarz auf weiß, das ich Alkoholiker bin. Vermutlich hat er es kommen sehen. Deswegen kein schlechtes Gewissen meinerseits, da ich in unserem Gespräch vorher, absolut offen und ehrlich war. Daran wird sich in Zukunft nur ändern, das es "brutal" ehrlich wird.Sollte festgestellt werden, es reicht noch nicht, dann akzeptiere ich. Eines kann mir heute niemand nehmen, meine 100% Abstinenzzuversicht.
Z.Zeit beschäftigt mich der Gedanke, ob Wiederholungstätern und diagnostizierten Alkoholiken jemals die Fahrerlaubnis wiedererteilt werden sollte. Pro u. Kontra.
Gehört allerdings in Matadiskussionen.
Allen einen schönen Abend
 
Z.Zeit beschäftigt mich der Gedanke, ob Wiederholungstätern und diagnostizierten Alkoholiken jemals die Fahrerlaubnis wiedererteilt werden sollte. Pro u. Kontra.
Gehört allerdings in Matadiskussionen.
Allen einen schönen Abend
Lieber Olli
Mich würde interessieren warum dich der Gedanke
Beschäftigt.
Ich bin mit A1 in die MPU gegangen und hatte es unfair gefunden wenn ich deshalb nie wieder die Chance auf einen Führerschein gehabt hätte.

Der Führerschein Verlust war der „Schuss vor den Buck“ und die Abstinenz Entscheidung das einzig richtige. Der große Knall hat viel in meinem Leben verändert und nichts im Leben würde mich wieder dazu bringen wieder konsumieren zu wollen. Nüchternheit gibt mir heute das was mir der Alkohol früher versprochen hat.
Ich hatte letztes Wochenende ein schlimmes wochenende wo ich früher (viel) getrunken hätte.
Ich war dankbar das ich es ohne „ausgehalten“ habe und montags zwar müde aber klar war ( im wahrsten Sinne des Wortes ).

Dafür bin ich heute jeden Tag dankbar - und das wünsche ich allen: eine zufriedene und stabile Abstinenz
 
Hi Zuerbiswolke,
der Anreiz kam von der Arbeit aus. Meine Vorgesetzte ( mein persönlicher Arschengel) brachte nen Spruch." So jemandem wie dir dürfte man nie den FS wiedergeben". Hat mich kurzfristig geärgert, später nachdenklich gemacht.
Wenn es von uns EX-Abhängigen soetwas wie ein Vorbild geben könnte, dann wärst du meins. Klasse Lebensveränderung die du durchläufst.
Liebe Grüße zurück
 
ob Wiederholungstätern und diagnostizierten Alkoholiken jemals die Fahrerlaubnis wiedererteilt werden sollte.
ja? Wenn sie in der Lage sind, ihr Problem angemessen ernst zu nehmen?
Wenn man dem Prof. Dr. Norbert Wodarz (Suchtexperte aus Regensburg) glauben darf, kann bei geeigneten Maßnahmen die übliche Rückfallquote von 95% auf 60 - 70% gesenkt werden. Dazu zählt eine gute Entzugstherapie, ggf auch Medis ... und eine ausreichende intrinsische Motivation. Gerade bei der hat sich gezeigt, dass die Option des kontrolliert Trinkens beim Scheitern desselben einen überaus hilfreichen Einfluss auf die intrinsische Motivation haben kann.
Wer die Einsicht & Motivation schon vorher hat: umso besser.

Wieso sollte man diesen ~40% den Führerschein a priori vorenthalten?
Und: auch ein Wiederholungstäter kann neue Wege gehen...
manche brauchen halt bissi länger^^
 
Lieber Olli danke für die Erklärung und die Blumen. Von außen ist es immer leicht zu sagen: dann trink doch einfach weniger, ein Glas geht doch, du bist doch sonst so diszipliniert, Reiß dich doch einfach mal zusammen usw.
um solche Menschen mache ich mittlerweile einen großen Bogen bzw. Die gibts in meinem
Leben nicht (mehr).
Mir ist wichtig das Thema Abhängigkeit aus der dunklen Ecke zu holen - ich gehörte zu den funktionierenden trinkerinnen habe von außen das was andere als „ein tolles erfülltes Leben“ bezeichnen würden.
Viele sehen nur das „Jetzt“ aber nicht die Arbeit, die Niederlagen, die Rückschläge die es gebraucht hat um dahin zu kommen.
Und auch nicht das was am Ende in die Abhängigkeit geführt hat.

Um abhängig zu sein oder riskant Zu trinken muss man nicht obdachlos auf der Parkbank schlafen. Und meine Botschaft soll sein: jeder kann es schaffen wenn man bereit ist seinen verdorrten Garten zu verlassen wo schon lange nichts mehr blüht und sich aufzumachen zu einer lebendigen und gut riechenden Wiese zu der man allerdings einen Hindernis parcour überwinden muss.

Und wer jetzt denkt das haben ich schon mal gehört : ja das Beispiel ist aus dem Buch „Chianti zum Frühstück“ und sie beschreibt da den Hindernislauf. Ich hatte auch viele Male Tag 1 ( weil ich mir immer eingeredet habe so schlimm ist es nicht, ich konnte auch viele Tage und Wochen ohne, ich habe mich immer an Menschen gemessen die „schlimmer“ sind aber wenn ich getrunken habe dann war ich ein „Austrinker“ ) und viele Male den Anlauf gebraucht und das hat’s sehr passend und wunderbar beschrieben.
 
Nabend zusammen,
möchte mal ein Update meinerseits, nach acht Monaten Abstinenz geben.
Heute wars nicht einfach! Wanderung mit drei befreundeten Pärchen in unseren Nachbarort zum alljährlichen Wald u. Obstwiesenfest. Bei dem Wetter der Bär los.Viele "alte" Bekannte.Nach ca. zwei Std. stieg die innere Unruhe,merkte das ich auf der Suche nach dem Schlüssel zur Hintertür war. Die Wiedererteilung der FE rückte immer mehr in den Hintergrund. Mein Skillring hat dem Finger beim Drehen schon ordentlich zugesetzt. Aber dann........
Ich habe alle Register gezogen. Gedanken, Gefühle/Emotionen u. Handeln. Eins zu verändern und die zwei Anderen verändern sich mit [Verhaltenstherapie]. Dann schlug die Petersglocke [mittlerweile höre ich auch]. "Nicht für die FE, sondern um meine Gesundheit , meine Familie und Arbeit auch in Zukunft sicher zu behalten".
Hatte mir im Vorfeld einen Fluchplan aufgestellt um alleine nach Hause zu kommen. [Wichtig, vorher immer übersehen].
Jetzt sitze ich im Wohnzimmer, bin dankbar, das viel erlerntes aus der Therapie und von euch hier im Forum zu meiner Abstinenz beitragen!
Muss mir allerdings eingestehen, das es für Zufriedenheit noch Geduld und Zeit braucht.
Nochmal, vielen vielen Dank für eure Unterstützung und Denkanstöße hier.

LG und schönes Restwochenende.
 
Lieber Olli toll, dass du hier schreibst und uns an deinem Weg teilhaben lässt. Ich kann dich verstehen. Für mich war das erste Jahr Nüchternheit auch ein „Kampf“. Ich verspreche dir: es wird leichter. Bei mir hat es ungefähr ein Jahr gedauert im Grunde bis ich einmal alles nüchtern erlebt habe. Weihnachten, Ostern, Geburtstage, Jahrestag Urlaube. In meinem ersten Urlaub habe ich nur trinkende Menschen um mich rum gesehen. Ich habe nicht die Menschen gesehen, die nicht konsumiert haben, sondern nur die Leute, die Alkohol auf dem Tisch hatten.
Mir hat ein Splitscreen geholfen:
Mir vorzustellen wie der morgige Tag wäre wenn ich trinken würde:
Ich wäre enttäuscht, ich wäre wütend auf mich selbst. Ich hätte Kater und wieder Tag eins! abgesehen davon hätte ich meinen Mann enttäuscht, meine beziehung aufs Spiel gesetzt, und die Fahrerlaubnis wäre auch in weite Ferne gerückt.
Ich denke dann immer an mein „warum“: Nüchternheit hat mir mir das gegeben was mir der Alkohol versprochen hat.
Ich betrachte Alkohol wie ein Exfreund. Ich hatte gute Zeiten mit ihm, aber am Ende hat es auch einen Grund gehabt, warum wir uns getrennt haben.


Morgen wirst du stolz auf dich sein und ich bin auch stolz auf dich das du Werkzeuge aus deiner Kiste anwenden konntest. Wussten die andern eigentlich von deiner Abstinenz ? Mir hat geholfen, das ganz offen zu kommunizieren. Das macht auch hinter Türen zu!
 
Hallo Zue


rbiswolke,
Schön von dir zu lesen. Ja, die anderen drei Paare wissen von Anfang an bescheid. Wir sind seit mehr als dreißig Jahren sehr gut befreundet. Da gibt's Unterstützung in jeglicher Form.Heute kam der Gedanke aus dem Hinterhalt. Fernere Bekanntschaften wissen von nichts. Da wird nicht hinterfragt,wenn ich Alkohol ablehne und Wasser trinke. Lag nur an mir selbst. War schon ein kleiner Suchtdruck da, den ich nach der Therapie noch nicht hatte. Die Welle ebbte nach 5min. ab. War eine gute Erfahrung, die mich stabiler werden lässt.Vor allem zu merken,daß mein Handwerkzeug greift. Die Essiggurcke kam mir zu Hause auch in den Sinn.Musste schmunzeln, welch Wahrheit hinter dieser Metapher steckt.

Schlaf schön
Bis später
Olli
 
Letzte Woche war ich zweimal zum Training beim Tischtennis.
Fühle mich im Umfeld wohl und trete dem Verein bei. Liebe den Sport seit meiner Kindheit und wollte "eigentlich"[benutze ich nur noch ironisch] schon immer auf Vereinsebene trainieren.
Der nächste Schritt, ist die intensive Suche nach einer SHG die zu mir passt. Nicht einfach auf dem Land. Psychowellness muss nicht mehr sein,das hatte ich 15/16 . Habe da nur wegen der FE durchgehalten.
Bis zum 29.11. habe ich ja noch meine Gruppe in der arbeitsbegleitenden ambulanten Therapie . Klasse Menschen da. Nicht wenn und aber, sondern immer zum Punkt.
 
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