Mit meiner Einstellung und Umgang mit dieser Erkrankung habe ich die Weichen gestellt. Ich sage bewusst ich, weil es aus meiner Sicht schon die Ursache ist. Jetzt lässt sich natürlich nicht sagen, wenn ich bewusst zu meiner Erkrankung gestanden hätte, wäre das ganze nie passiert. Ich denke es ist ein Zusammenspiel von vielen Faktoren, die zu dem Fall geführt haben. Ich möchte hier auch nur aus meiner Sicht berichten. Ihr habt mir ja schon zu verstehen gegeben, dass unsere Abstinenz keine war. Bedingt durch die Wahl unserer Getränke. Jedenfalls erinner ich mich an Gespräche, mit meinem Mann wo er mir gesagt hat, dass es für ihn angenehmer ist, jetzt eine Partnerin zu haben, die nicht trinkt, nicht danach riecht usw. Er hat in seiner Familie da genug negative Erfahrungen gemacht. Eigentlich hätte dieses ein Warnschuss sein müssen, wieso sollte ich stärker sein als der Rest der Welt? Ich verschloss die Augen, oft waren es viele kleine Augenblicke, wo der Alkohol schon wieder in unserem Leben war.
Ob in Speisen oder im Eisbecher, ich habe mich nicht mehr geschützt. Irgendwann holte ich statt alkoholfreien Sekt, eine kleine Dose normalen. Und ja, es ging eine ganze Weile gut, dass ich die Menge meinte zu kontrollieren. Und auch hier spielt meine Art zu Verzeihen eine Rolle. Warum ich soviel verzeihen kann. Ganz abgesehen davon, dass ich meinen Mann trotz allem liebe. Hier steht auch mein schlechtes Gewissen in dem Vordergrund. Was wäre wenn ich anders gehandelt hätte. Schließlich wusste ich welchen Leichtsinn ich da eingehe, auch wenn ich meine Erkrankung nicht akzeptiert hatte, hätte ich es dich wegen ihm besser wissen müssen. Klar jeder ist für sich verantwortlich. Ich habe versucht zu sagen, dass es mir nicht gut geht. Aber auch hier war es bequemer mich mit Wein zu betäuben, als konsequent stop zu sagen. Genauso habe ich die Beziehung zu meinen Eltern hinterfragt. Warum ist vieles so passiert. Nicht weil ich denen nichts bedeute. Für mich fällt es schwer hier darüber zu schreiben. Jedenfalls konnte der Psychologe in der letzten Therapie nachvollziehen warum ich eine andere Sicht darauf habe.
In Bezug auf meine Kindheit kann ich nur sagen, dass auch ich Fehler gemacht habe und auch meine Eltern überfordert waren. Es gibt Situationen die natürlich nicht zu entschuldigen sind u auch schlimm sind, aber manchmal kann es auch einen Neuanfang ohne Trennung geben. Eine gegenseitige Wertschätzung mit genügend Abstand bzw. klar gesetzten Grenzen. Egal was gewesen ist, ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich trotz dieser Rückfälle und wiederholten Trunkenheitsfahrt mit all den Problemen nicht fallen gelassen haben. Das ist nicht selbstverständlich. Es entschuldigt nicht die Gewalt, dass ist mir klar.