Julchen
Stamm-User
Tathergang
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Nur Tattag ohne Vorgeschichte
Es war Montag der 09.09.24
Ich bin um ca. 4 morgens von meiner Mutter per WhatsApp geweckt worden, ob ich zur Arbeit gehe. Es war eine Vorwurfsvolle Nachricht. Ich verneinte. Mir ging es schlecht und ich war noch total betrunken. Ich trank weiter. Ich stellte morgens noch fest, dass meine EC Karten fehlten. Ich wusste nicht, ob mir diese geklaut worden sind oder ich die verlegt hatte. Ich lies diese telefonisch bei der Bank sperren. Mit meinem Mann habe ich auch per WhatsApp geschrieben. Er war zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus. Dann fehlt mir ganz viel.
Ich bin erst wieder „hellwach“ geworden, wo ich von der Polizei angehalten wurde. Ich war zu Fuß mit meinem Hund unterwegs. Die Polizei ist von Zeugen angerufen worden, dass ich gefahren bin. Ich war alleine zuhause und habe alleine getrunken.
Uhrzeit war 15:21 Uhr über 2,8 Promille
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
Ich habe Rotwein getrunken, halbtrocken. Morgens aufgewacht und bis mittags auf Restalkohol wohl 2 Flaschen geleert.
Da ich das ganze Wochenende, freitags begonnen habe zu trinken, ist es schwer zu ermitteln.
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Ich erinnere mich leider nicht mehr an die Fahrt selber bzw. den Vormittag. Ich weiß durch Nachfragen, dass ich ca. 15 Min. von zu Hause weg war. Ich weiß nur, dass ich sehr sehr verzweifelt war. Meine Eltern wohnen ca. einen Kilometer entfernt. Dort bin ich aber nicht gewesen. Getränke kaufen auch nicht. (Ich weiß es wirklich nicht).
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Mir wurde ja gesagt, dass ich gefahren bin. Ich bin rückwärts aus der Garage gekommen, bin gefahren und konnte das Auto auch wieder parken. Daraus schließe ich, dass ich davon ausgegangen bin noch fahren zu können. Ich weiß das mir alles egal war.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Nein. Sonst hätte ich es gelassen. Ich war völlig außer Kontrolle. Ich hatte keinen Bezug zur Realität. Hatten einen totalen Blackout. Deshalb kann ich auch nur durch Erzählungen usw. mir den Tag wieder zusammenreimen.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Leider muss ich diese Frage mit ja beantworten.
Ich bin früher mehrfach alkoholisiert gefahren, ohne aufzufallen. 2006 hatte ich einen Unfall mit FE.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Da ich ja eine ganze Zeit schon wieder getrunken habe und ich zumindest sehr oft unter Restalkohol stand, habe ich sehr oft alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen. Ich weiß aus der Kufe, dass nur jede 700. TF entdeckt wird.
Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Mit 15, als ich meinen damaligen Freund kennen gelernt habe. Mir wurde vorher gesagt, wenn ich gefragt werde was ich trinken möchte soll ich was mit Alkohol bestellen, sonst sieht das doof aus.
Mir ist diese Aussage irgendwie im Kopf geblieben. Diese Aussage war prägend. Wenn du dazugehören möchtest, musst du was trinken. Alkohol als eine Art Schlüssel zur Anerkennung.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Anfang bis zur ersten Auffälligkeit bzw. Unfall mit FS-Verlust
Mit 15 habe ich das erste Mal Alkohol getrunken. Kurz vor meinem 16. Geburtstag lernte ich meinen
ersten festen Freund kennen. Vor dem Treffen wurde mir gesagt, wenn er sich fragt, was du trinken
willst, bestelle was mit Alkohol, sonst sieht es doof aus.
Ich bestellte ein Bier.
Es gab viel Streit im strengen Elternhaus. Oft auch mit Gewalt. Ich bin regelrecht zur Familie von
meinen damaligen Freund geflüchtet. Aus jugendsicht war dort alles lockerer, entspannter und lustiger / lebensfroher. Dort wurde täglich getrunken. Ich habe mich gut mit der Mutter meines
Exfreundes verstanden, habe oft mit ihr freitags Abends süßen Wein getrunken, zusammen haben wir eine Flasche geleert. Samstagsabends bin ich ausgegangen. Da trank ich überwiegend Bier und
Cola gemischt mit Saure Kirsche. Wieviel genau müsste ich ausrechnen, ich habe dort keine Erinnerung mehr dran, aber ich weiß, dass es zuviel war, ich erinnere mich noch an Nächte wo sich alles gedreht hat. Sonntags wurde entweder beim Fußball getrunken oder bei der Familie vom Ex.
Montags musste ich wieder zur Schule bzw. Ausbildung. Ich erinnere mich, dass ich damals sehr schüchtern war u unbedingt dazugehören wollte. Mit der Ausbildung wurde ich selbstständiger, was
meinem Ex gar nicht gefiel. Ich ging mit meiner Kollegin aus und es wurde viel getrunken. Nach der
Ausbildung konnte ich aus betrieblichen Gründen nicht in dem Betrieb bleiben. Ich war nach der Ausbildung arbeitslos. Da war es wieder das Gefühl versagt zu haben, nicht dazu zu gehören, nicht
mithalten zu können. Wenn ich mit Rückblick auf meine Vergangenheit blicke war mein ganzes Leben ein Streben nach Anerkennung, alles richtig machen, geliebt und akzeptiert zu werden. Ich war
viel alleine zuhause und habe mich zurückgezogen. Bin angefangen auch wochentags Bier zu
trinken um in meine „Scheinwelt“ zu fliehen. In dem neuen Job war ich total unzufrieden, trank täglich mehr, ich weiß noch, dass ich mir jeden Tag ein 6er Pack Dosenbier (0,33 l) kaufte und das auch mit zunehmender Zeit abends auftrank. In meiner damaligen Beziehung war ich schon lange
sehr unglücklich, wollte mich aber nicht trennen, weil ich die scheinbar tolle Familie nicht verlieren wollte. Wir zogen in unsere erste Wohnung u ich dachte ich kann so alles zum Guten wenden.
Falsch gedacht, es folgten eine Zeit aus Gewalt und Erniedrigung.
Durch meine anfängliche Begegnung mit dem Alkohol habe ich fälschlicherweise früh gelernt und geglaubt, dass Alkohol mir was positives gibt, eine Art Leichtigkeit, ein dazugehören. Ich wollte vergessen. Als Kind oder Heranwachsende war ich immer auf der Suche nach einem Freundeskreis, der mich akzeptiert. Von vielen wurde immer gesagt, dass meine Eltern zu streng sind u man besser nichts mit mir zutun haben könnte. Es war bei uns halt nicht „cool“. Die ersten Ausgehjahre habe ich die Wochenenden auch zuhause geschlafen, wo ich mich immer nachts bei meiner Mutter zurückmelden musste und somit nie betrunken nach Hause gekommen bin. Erst wo ich bei meinem Freund übernachten konnte, durfte und konnte ich auch mal über die Stränge schlagen. War es hier eine Art ausbrechen aus meinem „Käfig“? Das dort viel zu viel Alkohol in der Familie getrunken wurde hat mich damals nicht interessiert. Mit Beginn der Ausbildung wurde ich selbstständiger und selbstbewusster. Aber auch unglücklicher. Irgendwann folgte die Trennung und ich musste meine erste Wohnung aufgeben, weil ich sie mir alleine nicht mehr leisten konnte. Wieder zuhause klappte es überhaupt nicht bei meinen Eltern. Ich trank immer mehr und es endete schließlich mit Streit in der ersten aktenkundigen TF mit 2,6 Promille.
Dann trank ich bis 2008 bis zur Entgiftung / Therapie weiter. Zur Neuzeit: Meinen Mann lernte ich in der Therapie kennen.
Wir haben wie nach der Therapie angefangen alles wieder aufzubauen. Wir sind als Paar aus der Therapie raus und haben ab da alles gemeinsam gewuppt.
Neben vielen erfolgreichen Ereignissen (erfolgreiche MPU für beide, Arbeit, Schuldenabbau, Hochzeit, Hausbau, etc.) kamen auch viele Schicksalsschläge (Todesfälle in der Familie auch jung), 11 Jahre unerfüllte Kinderwunschbehandlung (Fehlgeburt), 2 Herzinfarkte von meinem Mann, plötzliche EMR von meinem Mann, Verlust unserer Hundedame usw. dazu.
Mein Mann ist zu mir gezogen in meine Heimat. Freunde in seiner Gegend sind uns zwar geblieben,
jedoch wurde der Kontakt aufgrund der Entfernung weniger. Auch unsere SHG mussten wir aufgrund der Entfernung aufgeben. Eine neue hatten wir uns nicht gesucht.
Ich muss sagen, wir haben irgendwann den Fehler gemacht alkoholfreies Bier u Sekt zu konsumieren. Auch wenn wir drauf geachtet hatten, dass wirklich 0,0 drauf steht, sehe ich dieses heute als Fehler an. Hier war ich schon nicht mehr achtsam.
Desweiteren hatten wir für Besuch immer Alkohol zuhause.
Der Rückfall im Kopf war schon lange da und ließ auch real nicht mehr lange auf dich warten. Ich war schon lange völlig überfordert .
Anfangs habe ich nur hin u wieder in Gesellschaft getrunken. Ich fühlte mich wieder zugehörig, akzeptiert u in dem neuen Freundeskreis angekommen. Ich konnte Feiern ausrichten u war ein gern gesehener Gastgeber. Hier bin ich schon wieder weit in das Problemverhalten reingerutscht.
In der Corona Zeit habe ich irgendwann auch am Wochenende getrunken. Aus den „nur“ am Wochenende wurde dann bei mir wieder auch mal zur Beruhigung, zum Stressabbau, zur Entspannung u Beruhigung. Die Wochenenden begannen Donnerstags usw. Es gab oft Streit, mein Mann konnte nicht damit umgehen, wenn ich getrunken hatte. Ich konnte mit gar nichts mehr umgehen.
Er konnte mich nicht ausstehen und ich mich selber auch nicht. Ich war ein Häufchen Elend. Aber der Alkohol wurde immer mehr. Ich habe heimlich getrunken.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
Zuletzt regelmäßig, oft mehrmals pro Woche, teilweise täglich. Unter der Woche abends 3 Gläser Wein, freitags und samstags deutlich mehr. Im Jahr vor der Tat am Wochenende manchmal über eine
Flaschen Wein täglich. Hmm ehrlicherweise müsste ich sagen Tüten Wein. Ich kaufe freitags fürs Wochenende immer 3 Pakete Wein ein. Tütenwein, weil einfacher zu entsorgen.
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Überwiegend habe ich zuhause getrunken. Heimlich. In Gesellschaft nur kontrolliert, bloß nicht auffallen. Ich muss dazu sagen, es gab auch nur wenige Anlässe wo ich in Gesellschaft getrunken habe zum Schluss bzw. überhaupt noch ausgegangen bin.
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
Innere:
Stressabbau / Entspannung
→ „Runterkommen“, abschalten, Ruhe finden, alles noch irgendwie schaffen
Gefühlsregulation
→ Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Wut über mich selbst dämpfen, Depression bekämpfen
Belohnung
→ „Das habe ich mir verdient“
Selbstwert / Unsicherheit
→ mutiger, lockerer, selbstsicherer fühlen, alles „richtig“ machen, keine Schwäche zeigen
Gedanken stoppen
→ Grübeln, innere Unruhe, innere Leere
Schlafhilfe
→ Einschlafen und weiterschlafen
Äußere:
Geselligkeit
→ Treffen, „dazugehören“, nicht anders sein
Anlassbezogenes Trinken
→ Stressphasen, Belohnungen
Verfügbarkeit
→ Alkohol ist überall leicht zugänglich
Für mich spielen die inneren Motiven eine viel größere Rolle. Die äußeren Motive kann ich ganz klar regeln und mit Distanz steuern.
Der Umgang in Bezug auf die inneren Motive fordert mehr Arbeit und Umdenken. Deshalb machte ich mir hier die DBT Therapie zu Nutze.
Ich habe nach der letzten Therapie keine Grenzen gesetzt. Ich habe immer Alkohol zuhause gehabt. Auch nach der Therapie für Besuch. Habe den Fehler gemacht zuerst Malzbier (alkoholfrei), alkoholfreies Bier und alkoholfreien Sekt zu konsumieren. Ich habe nicht darauf geachtet, ob in Speisen evtl. Alkohol enthalten ist.
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)
Genau und so war es am Anfang mit Alkohol, wo es noch „wenig“ war. Ich hatte das Gefühl den Erwartungen besser Stand zu halten. Mit nem Glas Wein intus bzw. Im Hinterkopf auf dem Wohnzimmertisch war die Bude im nu geputzt u jede Woche neu dekoriert. Ich habe allen nach dem
Mund geredet u brauchte keine Widerworte geben, weil gegen die angestaute Anspannung hatte ich ja meinen Wein. Nur das diese Art von Selbstmedikation auf Dauer nach hinten losgeht und mehr Probleme u Ärger nach sich gezogen hat.
Vieles habe ich auch als Ausrede benutzt, ich kann ja für mich keine Therapie machen, so habe ich
es mir immer eingeredet, ich muss ja hier den Laden am Laufen halten…
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Natürlich, mein Mann und meine Eltern haben mich drauf hingewiesen. Auch mein Bruder hat dieses mindestens einmal mitbekommen. Es gab viel Streit und leider auch Gewalt.
15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Ich wurde zunehmend depressiver, antriebsloser und gereizter. Ich habe nichts mehr wirklich hinbekommen. Zwar bin ich noch zur Arbeit gegangen, aber mich immer häufiger krankgemeldet.
Es gab Streit in der Ehe wenn ich getrunken hatte.
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Ja gab es, im Jahr 2023 und 2024. Mein war oft im Krankenhaus wegen seiner Herzerkrankungen und auch weiteren Herzinfarkt. In der Zeit wusste ich nicht wie ich damit umgehen muss, diese Warterei bis der erlösende Anruf kam. Das waren immer Abstürze und natürlich die Zeit danach, wenn mein Konsum aufgefallen ist.
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja zu den Zeiten die ich gerade genannt habe und auch das Wochenende vor der Tat.
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja ich war nach der ersten Therapie viele Jahre abstinent bis ca. 2020. Auch wenn ich jetzt weiß, dass bedingt durch zb alkoholfreiem Bier dieses eher als Trinkpause zu werten ist.
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Ich weiß, dass ich abhängig bin. Das wusste ich auch schon nach der ersten Therapie. Ich wollte es aber nicht wahrhaben und habe es überall verschwiegen.
Jetzt habe ich meine Maske abgelegt. Teils musste ich wegen der Fahrt die sich ja rumgesprochen hat und nach einiger Zeit wollte ich dieses auch öffentlich machen. Und dieses Ablegen der Maske hat sich wie eine Befreiung angefühlt.
Nach der ersten Therapie wollte ich nicht wahrhaben, dass ich bereits früher schon abhängig war. Die Entgiftung und Therapie habe ich auch mit Druck von Familie gemacht. Nach dem Führerscheinentzug 2006 habe ich ja noch bis 2008 weitergemacht. Alkoholabhängig zu sein hatte für mich etwas Erniedrigendes, etwas Schwaches. Heute weiß ich, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat.
Auch nach erster Therapie war ich noch in meiner Scheinwelt. Ich brauchte ja nicht komplett raus. Ich trank nicht mehr, alles war gut. Wir hatten unsere eigene „Kennenlernstory“. Jetzt, nach der 2. TF ist alles auf den Tisch gekommen. Ich war vor allem ehrlich zu mir selber. Ich kann behaupten, der Verlust von meinem Führerschein hat mir das Leben gerettet.
Heute und in Zukunft
20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein, ich lebe abstinent.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
10.09.24
22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein. Jetzt nicht mehr.
23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich bin alkoholabhängig. Ich habe eine todbringende Krankheit, wenn ich diese nicht zum Aufhören und stoppen bringe.
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Zum einen war es aus Scham, Aus Angst schwach zu sein und auch aus Bequemlichkeit.
25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Nach Rückkehr von dem Polizeirevier (ich musste mich von meinen Eltern abholen lassen, Polizist hatte darauf bestanden und auch mit meinen Eltern gesprochen) habe ich zuerst meinen Mann angerufen, er hatte sich Sorgen gemacht, wusste aber schon von meinen Eltern Bescheid. Anders als Erwartet gab es keine Vorwürfe. Lediglich die Bitte im Krankenhaus zwecks Entgiftung anzurufen. Das tat ich auch und am nächsten Nachmittag konnte ich kommen. Ich habe zuerst die Entgiftung gemacht, dann SIA besucht und Drob. Zusätzlich direkt mit Entgiftung meine jetzige SHG. Ende Februar konnte ich in die DBT Therapie. Die Drob u. SHG habe ich auch in der Therapie aufgesucht. Nach der Therapie weiterhin Einzelgespräche bei der Drob. Dann später Nachsorge DBT Therapie und Teilnahme an der KUFE. Die Einzelgespräche bei der Drob bleiben.
Zusätzlich nehme ich die angebotenen Wochenend- und Tagesseminare wahr.
Es war eine zumindest am Anfang schwere Zeit. Ich bin außer natürlich in der Entgiftung u. Therapie weiter arbeiten gegangen. Es war schon eine enorme Belastung. Ich habe mich sehr geschämt. Sprüche von meinem Anwalt, sie müssen jetzt kleine Brötchen backen sind mir im Kopf geblieben und auch von meiner Suchtberaterin, sie müssen zusehen, dass sie die Arbeit behalten, so wartet keiner auf sie. Das war hart für mich. Aber ich hatte den enormen Ansporn das als Anreiz zu nehmen und
Ich wollte für mich herausfinden, was ich damals übersehen habe und warum ich mit der Abstinenz gescheitert bin.
Frage- und Antwortteile besser kenntlich gemacht und übergroße Zeilenabstände entfernt *Nancy*
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Nur Tattag ohne Vorgeschichte
Es war Montag der 09.09.24
Ich bin um ca. 4 morgens von meiner Mutter per WhatsApp geweckt worden, ob ich zur Arbeit gehe. Es war eine Vorwurfsvolle Nachricht. Ich verneinte. Mir ging es schlecht und ich war noch total betrunken. Ich trank weiter. Ich stellte morgens noch fest, dass meine EC Karten fehlten. Ich wusste nicht, ob mir diese geklaut worden sind oder ich die verlegt hatte. Ich lies diese telefonisch bei der Bank sperren. Mit meinem Mann habe ich auch per WhatsApp geschrieben. Er war zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus. Dann fehlt mir ganz viel.
Ich bin erst wieder „hellwach“ geworden, wo ich von der Polizei angehalten wurde. Ich war zu Fuß mit meinem Hund unterwegs. Die Polizei ist von Zeugen angerufen worden, dass ich gefahren bin. Ich war alleine zuhause und habe alleine getrunken.
Uhrzeit war 15:21 Uhr über 2,8 Promille
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
Ich habe Rotwein getrunken, halbtrocken. Morgens aufgewacht und bis mittags auf Restalkohol wohl 2 Flaschen geleert.
Da ich das ganze Wochenende, freitags begonnen habe zu trinken, ist es schwer zu ermitteln.
3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Ich erinnere mich leider nicht mehr an die Fahrt selber bzw. den Vormittag. Ich weiß durch Nachfragen, dass ich ca. 15 Min. von zu Hause weg war. Ich weiß nur, dass ich sehr sehr verzweifelt war. Meine Eltern wohnen ca. einen Kilometer entfernt. Dort bin ich aber nicht gewesen. Getränke kaufen auch nicht. (Ich weiß es wirklich nicht).
4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Mir wurde ja gesagt, dass ich gefahren bin. Ich bin rückwärts aus der Garage gekommen, bin gefahren und konnte das Auto auch wieder parken. Daraus schließe ich, dass ich davon ausgegangen bin noch fahren zu können. Ich weiß das mir alles egal war.
5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Nein. Sonst hätte ich es gelassen. Ich war völlig außer Kontrolle. Ich hatte keinen Bezug zur Realität. Hatten einen totalen Blackout. Deshalb kann ich auch nur durch Erzählungen usw. mir den Tag wieder zusammenreimen.
6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Leider muss ich diese Frage mit ja beantworten.
Ich bin früher mehrfach alkoholisiert gefahren, ohne aufzufallen. 2006 hatte ich einen Unfall mit FE.
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Da ich ja eine ganze Zeit schon wieder getrunken habe und ich zumindest sehr oft unter Restalkohol stand, habe ich sehr oft alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen. Ich weiß aus der Kufe, dass nur jede 700. TF entdeckt wird.
Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Mit 15, als ich meinen damaligen Freund kennen gelernt habe. Mir wurde vorher gesagt, wenn ich gefragt werde was ich trinken möchte soll ich was mit Alkohol bestellen, sonst sieht das doof aus.
Mir ist diese Aussage irgendwie im Kopf geblieben. Diese Aussage war prägend. Wenn du dazugehören möchtest, musst du was trinken. Alkohol als eine Art Schlüssel zur Anerkennung.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Anfang bis zur ersten Auffälligkeit bzw. Unfall mit FS-Verlust
Mit 15 habe ich das erste Mal Alkohol getrunken. Kurz vor meinem 16. Geburtstag lernte ich meinen
ersten festen Freund kennen. Vor dem Treffen wurde mir gesagt, wenn er sich fragt, was du trinken
willst, bestelle was mit Alkohol, sonst sieht es doof aus.
Ich bestellte ein Bier.
Es gab viel Streit im strengen Elternhaus. Oft auch mit Gewalt. Ich bin regelrecht zur Familie von
meinen damaligen Freund geflüchtet. Aus jugendsicht war dort alles lockerer, entspannter und lustiger / lebensfroher. Dort wurde täglich getrunken. Ich habe mich gut mit der Mutter meines
Exfreundes verstanden, habe oft mit ihr freitags Abends süßen Wein getrunken, zusammen haben wir eine Flasche geleert. Samstagsabends bin ich ausgegangen. Da trank ich überwiegend Bier und
Cola gemischt mit Saure Kirsche. Wieviel genau müsste ich ausrechnen, ich habe dort keine Erinnerung mehr dran, aber ich weiß, dass es zuviel war, ich erinnere mich noch an Nächte wo sich alles gedreht hat. Sonntags wurde entweder beim Fußball getrunken oder bei der Familie vom Ex.
Montags musste ich wieder zur Schule bzw. Ausbildung. Ich erinnere mich, dass ich damals sehr schüchtern war u unbedingt dazugehören wollte. Mit der Ausbildung wurde ich selbstständiger, was
meinem Ex gar nicht gefiel. Ich ging mit meiner Kollegin aus und es wurde viel getrunken. Nach der
Ausbildung konnte ich aus betrieblichen Gründen nicht in dem Betrieb bleiben. Ich war nach der Ausbildung arbeitslos. Da war es wieder das Gefühl versagt zu haben, nicht dazu zu gehören, nicht
mithalten zu können. Wenn ich mit Rückblick auf meine Vergangenheit blicke war mein ganzes Leben ein Streben nach Anerkennung, alles richtig machen, geliebt und akzeptiert zu werden. Ich war
viel alleine zuhause und habe mich zurückgezogen. Bin angefangen auch wochentags Bier zu
trinken um in meine „Scheinwelt“ zu fliehen. In dem neuen Job war ich total unzufrieden, trank täglich mehr, ich weiß noch, dass ich mir jeden Tag ein 6er Pack Dosenbier (0,33 l) kaufte und das auch mit zunehmender Zeit abends auftrank. In meiner damaligen Beziehung war ich schon lange
sehr unglücklich, wollte mich aber nicht trennen, weil ich die scheinbar tolle Familie nicht verlieren wollte. Wir zogen in unsere erste Wohnung u ich dachte ich kann so alles zum Guten wenden.
Falsch gedacht, es folgten eine Zeit aus Gewalt und Erniedrigung.
Durch meine anfängliche Begegnung mit dem Alkohol habe ich fälschlicherweise früh gelernt und geglaubt, dass Alkohol mir was positives gibt, eine Art Leichtigkeit, ein dazugehören. Ich wollte vergessen. Als Kind oder Heranwachsende war ich immer auf der Suche nach einem Freundeskreis, der mich akzeptiert. Von vielen wurde immer gesagt, dass meine Eltern zu streng sind u man besser nichts mit mir zutun haben könnte. Es war bei uns halt nicht „cool“. Die ersten Ausgehjahre habe ich die Wochenenden auch zuhause geschlafen, wo ich mich immer nachts bei meiner Mutter zurückmelden musste und somit nie betrunken nach Hause gekommen bin. Erst wo ich bei meinem Freund übernachten konnte, durfte und konnte ich auch mal über die Stränge schlagen. War es hier eine Art ausbrechen aus meinem „Käfig“? Das dort viel zu viel Alkohol in der Familie getrunken wurde hat mich damals nicht interessiert. Mit Beginn der Ausbildung wurde ich selbstständiger und selbstbewusster. Aber auch unglücklicher. Irgendwann folgte die Trennung und ich musste meine erste Wohnung aufgeben, weil ich sie mir alleine nicht mehr leisten konnte. Wieder zuhause klappte es überhaupt nicht bei meinen Eltern. Ich trank immer mehr und es endete schließlich mit Streit in der ersten aktenkundigen TF mit 2,6 Promille.
Dann trank ich bis 2008 bis zur Entgiftung / Therapie weiter. Zur Neuzeit: Meinen Mann lernte ich in der Therapie kennen.
Wir haben wie nach der Therapie angefangen alles wieder aufzubauen. Wir sind als Paar aus der Therapie raus und haben ab da alles gemeinsam gewuppt.
Neben vielen erfolgreichen Ereignissen (erfolgreiche MPU für beide, Arbeit, Schuldenabbau, Hochzeit, Hausbau, etc.) kamen auch viele Schicksalsschläge (Todesfälle in der Familie auch jung), 11 Jahre unerfüllte Kinderwunschbehandlung (Fehlgeburt), 2 Herzinfarkte von meinem Mann, plötzliche EMR von meinem Mann, Verlust unserer Hundedame usw. dazu.
Mein Mann ist zu mir gezogen in meine Heimat. Freunde in seiner Gegend sind uns zwar geblieben,
jedoch wurde der Kontakt aufgrund der Entfernung weniger. Auch unsere SHG mussten wir aufgrund der Entfernung aufgeben. Eine neue hatten wir uns nicht gesucht.
Ich muss sagen, wir haben irgendwann den Fehler gemacht alkoholfreies Bier u Sekt zu konsumieren. Auch wenn wir drauf geachtet hatten, dass wirklich 0,0 drauf steht, sehe ich dieses heute als Fehler an. Hier war ich schon nicht mehr achtsam.
Desweiteren hatten wir für Besuch immer Alkohol zuhause.
Der Rückfall im Kopf war schon lange da und ließ auch real nicht mehr lange auf dich warten. Ich war schon lange völlig überfordert .
Anfangs habe ich nur hin u wieder in Gesellschaft getrunken. Ich fühlte mich wieder zugehörig, akzeptiert u in dem neuen Freundeskreis angekommen. Ich konnte Feiern ausrichten u war ein gern gesehener Gastgeber. Hier bin ich schon wieder weit in das Problemverhalten reingerutscht.
In der Corona Zeit habe ich irgendwann auch am Wochenende getrunken. Aus den „nur“ am Wochenende wurde dann bei mir wieder auch mal zur Beruhigung, zum Stressabbau, zur Entspannung u Beruhigung. Die Wochenenden begannen Donnerstags usw. Es gab oft Streit, mein Mann konnte nicht damit umgehen, wenn ich getrunken hatte. Ich konnte mit gar nichts mehr umgehen.
Er konnte mich nicht ausstehen und ich mich selber auch nicht. Ich war ein Häufchen Elend. Aber der Alkohol wurde immer mehr. Ich habe heimlich getrunken.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
Zuletzt regelmäßig, oft mehrmals pro Woche, teilweise täglich. Unter der Woche abends 3 Gläser Wein, freitags und samstags deutlich mehr. Im Jahr vor der Tat am Wochenende manchmal über eine
Flaschen Wein täglich. Hmm ehrlicherweise müsste ich sagen Tüten Wein. Ich kaufe freitags fürs Wochenende immer 3 Pakete Wein ein. Tütenwein, weil einfacher zu entsorgen.
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Überwiegend habe ich zuhause getrunken. Heimlich. In Gesellschaft nur kontrolliert, bloß nicht auffallen. Ich muss dazu sagen, es gab auch nur wenige Anlässe wo ich in Gesellschaft getrunken habe zum Schluss bzw. überhaupt noch ausgegangen bin.
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
Innere:
Stressabbau / Entspannung
→ „Runterkommen“, abschalten, Ruhe finden, alles noch irgendwie schaffen
Gefühlsregulation
→ Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Wut über mich selbst dämpfen, Depression bekämpfen
Belohnung
→ „Das habe ich mir verdient“
Selbstwert / Unsicherheit
→ mutiger, lockerer, selbstsicherer fühlen, alles „richtig“ machen, keine Schwäche zeigen
Gedanken stoppen
→ Grübeln, innere Unruhe, innere Leere
Schlafhilfe
→ Einschlafen und weiterschlafen
Äußere:
Geselligkeit
→ Treffen, „dazugehören“, nicht anders sein
Anlassbezogenes Trinken
→ Stressphasen, Belohnungen
Verfügbarkeit
→ Alkohol ist überall leicht zugänglich
Für mich spielen die inneren Motiven eine viel größere Rolle. Die äußeren Motive kann ich ganz klar regeln und mit Distanz steuern.
Der Umgang in Bezug auf die inneren Motive fordert mehr Arbeit und Umdenken. Deshalb machte ich mir hier die DBT Therapie zu Nutze.
Ich habe nach der letzten Therapie keine Grenzen gesetzt. Ich habe immer Alkohol zuhause gehabt. Auch nach der Therapie für Besuch. Habe den Fehler gemacht zuerst Malzbier (alkoholfrei), alkoholfreies Bier und alkoholfreien Sekt zu konsumieren. Ich habe nicht darauf geachtet, ob in Speisen evtl. Alkohol enthalten ist.
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)
Genau und so war es am Anfang mit Alkohol, wo es noch „wenig“ war. Ich hatte das Gefühl den Erwartungen besser Stand zu halten. Mit nem Glas Wein intus bzw. Im Hinterkopf auf dem Wohnzimmertisch war die Bude im nu geputzt u jede Woche neu dekoriert. Ich habe allen nach dem
Mund geredet u brauchte keine Widerworte geben, weil gegen die angestaute Anspannung hatte ich ja meinen Wein. Nur das diese Art von Selbstmedikation auf Dauer nach hinten losgeht und mehr Probleme u Ärger nach sich gezogen hat.
Vieles habe ich auch als Ausrede benutzt, ich kann ja für mich keine Therapie machen, so habe ich
es mir immer eingeredet, ich muss ja hier den Laden am Laufen halten…
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Natürlich, mein Mann und meine Eltern haben mich drauf hingewiesen. Auch mein Bruder hat dieses mindestens einmal mitbekommen. Es gab viel Streit und leider auch Gewalt.
15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Ich wurde zunehmend depressiver, antriebsloser und gereizter. Ich habe nichts mehr wirklich hinbekommen. Zwar bin ich noch zur Arbeit gegangen, aber mich immer häufiger krankgemeldet.
Es gab Streit in der Ehe wenn ich getrunken hatte.
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Ja gab es, im Jahr 2023 und 2024. Mein war oft im Krankenhaus wegen seiner Herzerkrankungen und auch weiteren Herzinfarkt. In der Zeit wusste ich nicht wie ich damit umgehen muss, diese Warterei bis der erlösende Anruf kam. Das waren immer Abstürze und natürlich die Zeit danach, wenn mein Konsum aufgefallen ist.
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja zu den Zeiten die ich gerade genannt habe und auch das Wochenende vor der Tat.
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja ich war nach der ersten Therapie viele Jahre abstinent bis ca. 2020. Auch wenn ich jetzt weiß, dass bedingt durch zb alkoholfreiem Bier dieses eher als Trinkpause zu werten ist.
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Ich weiß, dass ich abhängig bin. Das wusste ich auch schon nach der ersten Therapie. Ich wollte es aber nicht wahrhaben und habe es überall verschwiegen.
Jetzt habe ich meine Maske abgelegt. Teils musste ich wegen der Fahrt die sich ja rumgesprochen hat und nach einiger Zeit wollte ich dieses auch öffentlich machen. Und dieses Ablegen der Maske hat sich wie eine Befreiung angefühlt.
Nach der ersten Therapie wollte ich nicht wahrhaben, dass ich bereits früher schon abhängig war. Die Entgiftung und Therapie habe ich auch mit Druck von Familie gemacht. Nach dem Führerscheinentzug 2006 habe ich ja noch bis 2008 weitergemacht. Alkoholabhängig zu sein hatte für mich etwas Erniedrigendes, etwas Schwaches. Heute weiß ich, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat.
Auch nach erster Therapie war ich noch in meiner Scheinwelt. Ich brauchte ja nicht komplett raus. Ich trank nicht mehr, alles war gut. Wir hatten unsere eigene „Kennenlernstory“. Jetzt, nach der 2. TF ist alles auf den Tisch gekommen. Ich war vor allem ehrlich zu mir selber. Ich kann behaupten, der Verlust von meinem Führerschein hat mir das Leben gerettet.
Heute und in Zukunft
20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein, ich lebe abstinent.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
10.09.24
22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein. Jetzt nicht mehr.
23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich bin alkoholabhängig. Ich habe eine todbringende Krankheit, wenn ich diese nicht zum Aufhören und stoppen bringe.
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Zum einen war es aus Scham, Aus Angst schwach zu sein und auch aus Bequemlichkeit.
25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Nach Rückkehr von dem Polizeirevier (ich musste mich von meinen Eltern abholen lassen, Polizist hatte darauf bestanden und auch mit meinen Eltern gesprochen) habe ich zuerst meinen Mann angerufen, er hatte sich Sorgen gemacht, wusste aber schon von meinen Eltern Bescheid. Anders als Erwartet gab es keine Vorwürfe. Lediglich die Bitte im Krankenhaus zwecks Entgiftung anzurufen. Das tat ich auch und am nächsten Nachmittag konnte ich kommen. Ich habe zuerst die Entgiftung gemacht, dann SIA besucht und Drob. Zusätzlich direkt mit Entgiftung meine jetzige SHG. Ende Februar konnte ich in die DBT Therapie. Die Drob u. SHG habe ich auch in der Therapie aufgesucht. Nach der Therapie weiterhin Einzelgespräche bei der Drob. Dann später Nachsorge DBT Therapie und Teilnahme an der KUFE. Die Einzelgespräche bei der Drob bleiben.
Zusätzlich nehme ich die angebotenen Wochenend- und Tagesseminare wahr.
Es war eine zumindest am Anfang schwere Zeit. Ich bin außer natürlich in der Entgiftung u. Therapie weiter arbeiten gegangen. Es war schon eine enorme Belastung. Ich habe mich sehr geschämt. Sprüche von meinem Anwalt, sie müssen jetzt kleine Brötchen backen sind mir im Kopf geblieben und auch von meiner Suchtberaterin, sie müssen zusehen, dass sie die Arbeit behalten, so wartet keiner auf sie. Das war hart für mich. Aber ich hatte den enormen Ansporn das als Anreiz zu nehmen und
Ich wollte für mich herausfinden, was ich damals übersehen habe und warum ich mit der Abstinenz gescheitert bin.
Frage- und Antwortteile besser kenntlich gemacht und übergroße Zeilenabstände entfernt *Nancy*
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