FB Alkohol Wiederholungstäter 2,8 ./.

Zu Frage 1 im Fragebogen, inwiefern ist hier die Vorgeschichte interessant? Ich bin ja freitags angefangen und bis Montag ist einiges passiert, gehört das mit rein oder reicht der Montag? Das ganze Wochenende hat zu meiner heftigen aber dadurch nicht entschuldbaren Handlung beigetragen.
Oder wird das dann zu lang?
 
Ich denke es interessant wie/ warum es zu der TF mit der Promille-Zahl kam.
Angenommen du gehst volltrunken um 4 Uhr nachts ins Bett und fährst um 7 Uhr los, kannst du ja schlecht erklären, dass du bis 6:45Uhr geschlafen hast und dann besoffen Auto gefahren bist.....
 
Ja genau, so sehe ich es auch.
Frage 1: Was ist konkret am Tattag passiert? (Fakten, Ablauf, Zustand) oder erst bei anderen Fragen Wie kam es dazu, dass du überhaupt in so einen Zustand geraten bist?
Was hat mich so aus der Bahn geschmissen. Für mich ist klar, hier fuhren Emotionen Achterbahn. Klar ist auch ich brauche hier nichts erklären. Sondern nur was ist grob passiert. Sonst wird die Antwort auch zu lang.
Unnötiges Vollzitat des Vorpostings gelöscht *Nancy*
 
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Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)

Nur Tattag ohne Vorgeschichte, diese beginnt freitags.
Es war Montag der 09.09.24
Ich bin um ca. 4 morgens von meiner Mutter per WhatsApp geweckt worden, ob ich zur Arbeit gehe. Es war eine Vorwurfsvolle Nachricht. In mir schossen sofort Emotionen hoch. Angst versagt zu haben, es nicht auszuhalten. Ich trank ein Glas Wein auf Ex. Danach meldete ich mich von der Arbeit ab, denn ich war noch total betrunken. Ich trank weiter. Ich stellte morgens noch fest, dass meine EC-Karten fehlten. Ich wusste nicht, ob mir diese geklaut worden sind oder ich die verlegt hatte. Ich ließ diese telefonisch bei der Bank sperren (hier weiß ich nicht ob die Vortage auch von Belang sind…). Mit meinem Mann habe ich auch per WhatsApp geschrieben und gestritten. Ich legte mich zwischendurch schlafen, als ein Anruf meinerseits von ihm weggedrückt wurde, kochten meine Emotionen komplett über, für mich hatte alles keinen Sinn mehr und ich entschied Nachschub zu holen. Ab hier und von der Fahrt weiß ich nichts mehr, ich bin erst wieder „hellwach“ geworden, wo ich von der Polizei angehalten wurde (Adrenalin). Ich war zu Fuß mit meinem Hund unterwegs. Die Polizei ist von Zeugen angerufen worden, dass ich gefahren bin. Ich war alleine zuhause und habe alleine getrunken.
Uhrzeit war 15:21 Uhr von der Polizei angetroffen, Blutprobe um 16:47 mit 2,83 Promille.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)

Ich habe bereits das Wochenende vorher getrunken, begonnen am Freitag. Ich hatte am Montag noch deutlich Restalkohol.

Montags habe ich Rotwein getrunken, direkt nach dem Weckruf meiner Mutter morgens ein Glas (0,25 l) auf Ex. Der Rotwein hatte 11 %. Ich habe immer wieder ein Glas auf Ex geleert und mich dann schlafen gelegt. Morgens aufgewacht und bis mittags auf Restalkohol wohl 2 Flaschen geleert. Ich kann es nicht genau angeben, nur aus Vorerfahrung und Berechnung herleiten.
Da ich das ganze Wochenende, freitags begonnen habe zu trinken, habe ich an dem Wochenende bis zur Volltrunkenheit getrunken und dann geschlafen.

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?

Ich erinnere mich leider nicht mehr an die Fahrt selber. Habe am Anfang alles verdrängt. Aber durch meine Aufarbeitung und Nachfragen, weiß ich, dass ich ca. 15 Min. von zu Hause weg war. Mir sind auch einzelne Bruchstücke wieder in den Kopf gekommen, dass ich zwischenzeitlich gerechnet habe, wie lange ich noch mit meinem Vorrat auskomme. Ich muss impulsiv den Entschluss gefasst haben zur Tankstelle zu fahren, um Alkohol (Sekt und Rotwein) zu kaufen. Die Tankstelle ist ca. 1,2 km (Maps) entfernt. Ich weiß, dass ich sehr verzweifelt war. Auch zeigt mir dieser Blackout, dass ich jede Kontrolle durch den massiven Alkoholkonsum verloren habe.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)


Ja, dennoch wusste ich, dass ich nicht mehr sicher fahren konnte. Trotz dieses Bewusstseins habe ich mich dennoch ans Steuer gesetzt. Ich habe meine eigene Wahrnehmung und inneren Warnsignale ignoriert.

Ich bin rückwärts aus der Garage gekommen, bin gefahren und konnte das Auto auch wieder parken, dieses weiß ich aus meiner Nachexploration. Ich habe mich zusammengerissen, hatte als Alkoholikerin einen für mich antrainierten Pegel, wo dieses erschreckender Weise möglich war. Zu mir selber nein zu sagen, in diesem Zustand zu fahren war mir nicht mehr möglich.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Nein, denn meine Vernunft und mein Verstand haben völlig ausgesetzt, der Wunsch nach Alkohol bzw. die Angst, alles „alleine“ aushalten zu müssen war stärker. Ich war so verzweifelt, dass ich alles ausgeblendet habe, auch dass ich in der Vergangenheit in diesen Situationen mir ein Getränketaxi bestellt habe. Meine negativen Gedanken haben alle Vorsichtsmaßnahmen ausgeblendet.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Ja 2006 hatte ich eine TF mit 2,67 Promille.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?

Da ich ja eine ganze Zeit schon wieder getrunken habe und ich zumindest sehr oft unter Restalkohol stand, habe ich sehr oft alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen. Ich komme erschreckenderweise auf einen vierstelligen Bereich.

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)


Mit 15, als ich meinen damaligen Freund kennen gelernt habe. Mir wurde zuvor gesagt, wenn ich gefragt werde was ich trinken möchte soll ich was mit Alkohol bestellen, sonst sieht das doof aus.
Mir ist diese Aussage irgendwie im Kopf geblieben. Diese Aussage war prägend. Wenn du dazugehören möchtest, musst du was trinken. Alkohol als eine Art Schlüssel zur Anerkennung.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Entwicklung / Verlauf / Geschichte

Ja ich habe regelmäßig getrunken, diese Regelmäßigkeit hat sich direkt in jungen Jahren ergeben, da ich fast jedes Wochenende ausgegangen bin und auch Alkohol konsumiert habe.

In jungen Jahren, von 15 – 20 habe ich am Wochenende getrunken. Freitagabend habe ich mit der Mutter meines damaligen Freundes süßen Wein (7%) getrunken. 2 Gläser á 0,25 l.

Einmal im Monat bin ich dann noch mit meiner Clique in eine Kneipe gegangen. Da habe ich 2-3 Bier (5%) á 0,33 l getrunken und auch ca. 4 Kurze (Likör 16% á 0,02 l). Samstags haben wir uns auch mit der Clique getroffen und haben erst vorgeglüht (2 Flaschen Bier (5%) á 0,33 l, Kurze (Saure Kirsche (16%) 0,02 l) und sind danach in ein Tanzlokal gegangen. Hier habe ich ca. 4 Glas Bier (5%) á 0,2 l getrunken. In dieser Zeit habe ich auch andere Getränke, wie z. B Fanta-Korn oder Cola-Cognac probiert, diese für mich aber ausgeschlossen, da ich diese nicht vertragen konnte und mochte. Sonntags habe ich entweder nach einem Fußballspiel von meinem Exfreund oder mit ihm und seiner Familie bis zu ca. 2-3 Flaschen Bier (5%) á 0,33 l getrunken, über den Nachmittag bis Abend verteilt. Das ging so eine ganze Weile. Mit Beginn der Ausbildung bin ich auch ab und zu mal mit meiner Arbeitskollegin unter der Woche ausgegangen, wo Alkohol getrunken wurde. Hier habe ich auch am liebsten Bier (5%) getrunken. Hier weiß ich auch noch von einem Mal, dass es viel zu viel war, weil ich am nächsten Tag bei der Arbeit einen schlimmen Kater hatte. Die Ausbildung habe ich dann abgeschlossen und konnte in meinem Betrieb aber nicht bleiben (aus betrieblichen Gründen). Das hat mich schon sehr getroffen und mein negativen Grundannahmen verstärkt. Irgendwann habe ich, wo ich arbeitslos war, mich an der Bierkiste von meinem Vater bedient und auch in der Woche heimlich in meinem Zimmer Bier (5%) (0,33 l) konsumiert. Ich weiß jetzt nicht mehr ob ich da schon mal von meinem Vater auf sein fehlendes Bier angesprochen wurde, jedoch bin ich dann angefangen mir selber Bier zu kaufen. Meine Wahl ist hier auf Dosenbier 0,33 l im 6er Pack gefallen. Anfangs reichte dieser Vorrat für 2-3 Tage. Jedoch schaffte ich es im Laufe der Zeit auch ein komplettes Paket auf zu trinken. Unter der Woche schaffte ich es noch irgendwie meinen Job wahrzunehmen, hatte aber hier nur einen befristeten Vertrag über 2 Jahre, dann war der Vertrag abgelaufen und ich konnte gehen. Arbeitslos und unter Druck gesetzt einen neuen Job zu finden, trank ich immer öfter auch tagsüber.


Immer mit dem Versuch zum Wiederheimkommen von meinem Ex von der Arbeit nicht betrunken zu wirken. Hier gab es oft Streit mit schlimmen Erniedrigungen und Gewalt, nicht nur wegen dem Alkohol, sondern auch wegen meiner Arbeitslosigkeit und sonstiges. Dieses steigerte sich auch wieder, extrem nach der für mich heftigen Trennung von meinem Exfreund. Ich trank täglich, fand einen kurzweiligen Job, eskalierte aber am Wochenende wieder. Bis zu meiner ersten TF 2006, es ist an einem Samstag passiert. Der FS war weg und ich hatte jetzt keinen Grund mehr aufzuhören.

Mein Trinkpensum bliebt fast 2 Jahre konstant hoch bis zur Entgiftung 2008 und darauffolgenden LZT.

Dort lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Danach war ich eine lange Zeit abstinent bzw. in einer Trinkpause (Erklärung warum Trinkpause, weil alkoholfreies Bier (5%) und Sekt nicht zum abstinenten Leben dazugehört). Ca. 2020 habe ich anfangs hin u wieder in Gesellschaft getrunken (hier erinnere ich mich an falsche Euphorie, ich hab es geschafft und kann es wieder versuchen), ich erinnere mich, dass es mit einem kleinen Shot (0,02 l) anfing. Den konnte ich mir auf dieser Geburtstagsfeier den ganzen Abend einteilen. Dann habe ich am Wochenende freitags und samstags ein Glas Weißwein (0,25 l) getrunken im Beisein (Wohnzimmer) von meinem Mann. Gesteigert hat sich dieses mit Einladungen zu Bekannten, wo ich auf einmal wieder mittrinken konnte. Nach einiger Zeit so um 2022 hat es sich wieder eingeschlichen, dass ich auch zunehmend heimlich getrunken habe und dieses erwähnte Glas im WZ, oben allein ergänzt habe. Zuerst mit kleinen Dosen Secco (0,2 l á 5%), später kamen auch kleine Flaschen Weißwein und Rotwein (0,2 l á 10-11%) hinzu. Im Hinblick auf die Menge, schaffte ich hier schon immer öfter einen Liter Wein zu trinken.

Im weiteren Verlauf habe ich an Urlaubstagen auch unter der Woche Alkohol getrunken. Bis zu einer Flasche 0,75 l am Tag. Ich trank zwar noch nicht täglich, im Laufe der Zeit wurden die Alkoholtage immer häufiger. Ich hatte zunehmend Schwierigkeiten montags zur Arbeit zu gehen. Im Sommer 2022 kam es zur ersten heftigen Eskalation. Hier habe ich schon mehr als eine Flasche Wein 0,75 l getrunken. Ab hier gab es immer wieder Trinkpausen, gefolgt von heimlichen Phasen wo ich Tütenwein 1l á 10% konsumiert habe. Ich nahm nur wenige Verabredungen war, trank in Gesellschaft kontrolliert. Entweder mit einem befreundeten Paar, so dass ich mich meinem Gegenüber anpasste und auch „nur“ 2-3 Gläser (insg. zu zweit eine Flasche á 0,75 l) trank. Dieses wurde begleitet von ca. 2-3 Shots á 15% oder ich hatte Beikonsum. Entweder wenn es in der Nachbarschaft war nutze ich die Ausrede, muss nach dem Hund gucken oder ich trank später zuhause was nach. In der Zeit von 2023 bis 2024 war ich immer eine paar Monate abstinent, gefolgt von einer langsam beginnenden Steigerung, bis zum Absturz. An Arbeitstagen trank tagsüber nicht, aber abends eine Flasche 0,75 l Wein oder ein Tetrapack 1 l Wein (10-11%). Ich habe in den Jahren 2023-2024 täglich getrunken, außer in den paar Monaten, wo ich diszipliniert abstinent sein konnte. Das Wochenende mit Beginn Freitagmittag stellte mich vor eine Herausforderung. Hier habe ich nachmittags begonnen, versucht nicht bis zum Abend betrunken zu wirken. Je nach dem was an dem Samstag geplant war habe ich auch vormittags getrunken. Sonntags auch. Ich kaufte freitags nach der Arbeit 3 Pakete Wein á 1 l ein oder 4 Flaschen á 0,75 l.

An den Eskalationstagen (siehe Diagramm) habe ich den ganzen Tag über getrunken, immer trinken und versuchen zu schlafen. Da waren es immer je nach Verfassung 2-3 Flaschen Wein á 0,75 l.

In der nassen Zeit trank ich täglich abends eine Flasche 0,75 l Rotwein.

In den Eskalationszeiten war ich meistens alleine zuhause und musste mich nicht beherrschen. Auch ging diesen Tages immer ein für mich schlimmes Ereignis voraus. Ich wollte nichts mehr spüren und aushalten müssen. Deshalb trank so viel ich konnte. Hier waren es einen ganzen Tag verteilt sind es öfter bis zu 2 bis 3 Flaschen Wein (0,75 l) á 11 % gewesen.



 
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
Frage 10 = konkrete Zahlen zum Schlusszustand und zu typischen Phasen

Alter

Ereignisse

Getränke
(bevorzugt)

Bier 0,33
Wein 0,25 l
Kurze 2 cl

Anz. Getränke

Promille- bereich

15

Erste erinnerte Erfahrung




15 – 20

Zeit bis Abitur

Freitags:
Weincocktail (7%)
Bier (5%)
Kurze (20%)
Samstags:
Bier (5%)
Kurze (20%)
Sonntags:
Bier (5%)

2x Wein, 3x Bier, 4x Kurze


5x Bier, 3x Kurze


3x Bier

~ 1,00
Sozialer Einstieg

20 – 23

Ausbildung

Freitags:
süßer Wein (6%), Bier (5%)
Kurze (20%)
Samstags:
Bier (5%)
Kurze (20%)
Sonntags:
Bier (5%)
1 x in der Woche: Bier (5%), Mische
1 x Monat zusätzl. Bier (5%), Sekt (11%)

2x Wein, 3x Bier, 4 x Kurze

5x Bier, 3x Kurze


3x Bier


2x Bier


4x Bier, 2x Sekt

~ 1,40
.
.
.
.
.
.
Beginn funktionaler Konsum

23 – 25

Arbeitslos, befristeter ungeliebter Job
Erste Whg.

Täglich Bier (5%),
samstags
Bier (5%) + Kurze

6x Bier

~ 1,80
Beginn Stress- und Krisenkonsum

25 – 26

Trennung
Wiedereinzug bei Eltern

Täglich Bier (5%),
samstags
Bier (5%) + Sekt (11%)

6 – 12x Bier

Peak bis 2,50

26

1.TF mit Unfall 2,67


6 – 12x Bier


26 – 27

Einzug ins Gartenhaus Eltern, Beginn Studium, Einzug ETW


6 – 12x Bier
Schnelles Trinken

Peak bis 3,00
Krise

27 – 39

Arbeit
Hausbau
KW-Klinik
Herzinfarkt Mann
Tod vieler Familienmitglieder

Abstinent bzw. Trinkpause

0,00

---

39 – 41 (2020-2022)

Tod Schwager
Verlust Hund
Eskalation Polizei

Weißwein (10%)
Rotwein (11%)
Sekt (11%)
Alkopops (6%)
Kurze (20%)

Donnerstags – Sonntags
Gesellschaft + heimlich
1 Flasche 0,75 l

Abends

~ 2,00
Krise mit Entgleisung

41 – 43 (2022-2024)

Entgiftung
Eskalation Polizei
Mann Entzug,
Reha Mann
2. Herzinfarkt Mann
Reha Mann
Therapie Mann
Eskalation

Weißwein (10%)
Rotwein (11%)
Sekt (11%)

Peak
Schnelles Trinken
Tägliches Trinken
Heimlich

2 Flaschen 1,5 l


An freien Tagen auch morgens

~ 2,50
Entgleisung

43 (2024)

2. TF 2,83

Weißwein (10%)
Rotwein (11%)
Sekt (11%)

„heimlich“
Bis zu 3 Flaschen

Öfter ganztags wenn nicht zur Arbeit

~ 3,00
Endgültiger Absturz

ab 10.09.2024

Neuer Weg

Abstinent
Kaffee / Tee
Cola Zero
Apfelschorle
ab und zu Saft

---

---

Bemerkung: Ich habe auch andere Getränke probiert, diese aber nicht „meine“ Getränke
 
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

Überwiegend habe ich zuhause getrunken. Heimlich. In Gesellschaft nur kontrolliert, bloß nicht auffallen. Ich muss dazu sagen, es gab auch nur wenige Anlässe (in den Jahren 2020 bis 2024) wo ich in Gesellschaft getrunken habe zum Schluss bzw. überhaupt noch ausgegangen bin.

Die Antwort muss ganz klar heißen, heimlich allein und zurückgezogen zuhause.

12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)

Äußere:
Geselligkeit
-Treffen, „dazugehören“, nicht anders sein
-Stressphasen, Belohnungen
-Alkohol ist überall leicht zugänglich, Verfügbarkeit


Innere:
Stressabbau / Entspannung
→ „Runterkommen“, abschalten, Ruhe finden, alles noch irgendwie schaffen
Gefühlsregulation / Emotionsregulation
→ Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Wut über mich selbst dämpfen, Depression bekämpfen
Belohnung
→ „Das habe ich mir verdient“
Selbstwert / Unsicherheit
→ mutiger, lockerer, selbstsicherer fühlen, alles „richtig“ machen, keine Schwäche zeigen
Gedanken stoppen
→ Grübeln, innere Unruhe, innere Leere
Schlafhilfe
→ Einschlafen und weiterschlafen

>>> Als Selbstmedikation gegen mein innerstes Leiden

Ich musste mir die Frage stellen, was habe ich damals übersehen.

Meine Gründe für mein Trinkverhalten war eine Kombination aus negative Grundannahmen und deren Konsequenzen, sowie totaler Überforderung und bedingungsloser Suche nach Anerkennung und Liebe.

Ich musste früh Dinge aushalten, die zuviel waren, wurde von meinen Eltern als früh selbstständig beschrieben. Habe vieles aus Streitigkeiten von meinen Eltern auf mich bezogen. Mein inneres System hat gelernt: Ich bin alleine. Es ist gefährlich. Ich muss irgendwie durchhalten. Diese Emotionen wurde verstärkt durch psychische und körperliche Gewalt (Beispiele habe ich natürlich im Kopf…), ich wollte immer so sein wie mein Bruder, der wurde schließlich gehegt und gepflegt. Heute weiß ich warum, aber als Kind nicht. Ich wollte es ihm gleich tun habe ihm nachgeeifert bzw. wollte meinen Eltern gefallen, konnte es aber nicht. Als Kind kamen mir sehr oft Gedanken wie, wärst du einfach tot, warum haben die dich bekommen, hoch. Verstärkt wurde dieses durch Aussagen und Handlungen meiner Mutter.

13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)


Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:

13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)


Genau und so war es am Anfang mit Alkohol, wo es noch „wenig“ war. Ich hatte das Gefühl den
Erwartungen besser Stand zu halten. Mit nem Glas Wein intus bzw. Im Hinterkopf auf dem
Wohnzimmertisch war die Bude im nu geputzt u jede Woche neu dekoriert. Ich habe allen nach dem
Mund geredet u brauchte keine Widerworte geben, weil gegen die angestaute Anspannung hatte ich
ja meinen Wein. Nur das diese Art von Selbstmedikation auf Dauer nach hinten losgeht und mehr
Probleme u Ärger nach sich gezogen hat.
Vieles habe ich auch als Ausrede benutzt, ich kann ja für mich keine Therapie machen, so habe ich
es mir immer eingeredet, ich muss ja hier den Laden am Laufen halten…

Es gab viel Streit im strengen Elternhaus. Oft auch mit Gewalt. Ich bin regelrecht zur Familie von
meinen damaligen Freund geflüchtet. Aus Jugend Sicht war dort alles lockerer, entspannter und lustiger / lebensfroher. Dort wurde täglich getrunken. Ich habe mich gut mit der Mutter meines
Exfreundes verstanden, habe oft mit ihr freitagsabends süßen Wein getrunken, zusammen haben wir eine Flasche geleert. Samstagsabends bin ich ausgegangen. Da trank ich überwiegend Bier (5%) und
Cola gemischt mit Saure Kirsche. Wieviel genau müsste ich ausrechnen, ich habe dort keine Erinnerung mehr dran, aber ich weiß, dass es zu viel war, ich erinnere mich noch an Nächte wo sich alles gedreht hat. Sonntags wurde entweder beim Fußball getrunken oder bei der Familie vom Ex.
Montags musste ich wieder zur Schule bzw. Ausbildung. Ich erinnere mich, dass ich damals sehr schüchtern war u unbedingt dazugehören wollte. Mit der Ausbildung wurde ich selbstständiger, was
meinem Ex gar nicht gefiel. Ich ging mit meiner Kollegin aus und es wurde viel getrunken. Nach der
Ausbildung konnte ich aus betrieblichen Gründen nicht in dem Betrieb bleiben. Ich war nach der Ausbildung arbeitslos. Da war es wieder das Gefühl versagt zu haben, nicht dazu zu gehören, nicht
mithalten zu können. Wenn ich mit Rückblick auf meine Vergangenheit blicke war mein ganzes Leben ein Streben nach Anerkennung, alles richtig machen, geliebt und akzeptiert zu werden. Ich war
viel alleine zuhause und habe mich zurückgezogen und bin angefangen auch wochentags Bier (5%) zu
trinken um in meine „Scheinwelt“ zu fliehen. In dem neuen Job war ich total, trank täglich mehr, ich weiß noch, dass ich mir jeden Tag ein 6er Pack DosenBier (5%) (0,33 l) kaufte und das auch mit zunehmender Zeit abends auf getrunken habe. In meiner damaligen Beziehung war ich schon lange
sehr unglücklich, wollte mich aber nicht trennen, weil ich die scheinbar tolle Familie nicht verlieren wollte. Wir zogen in unsere erste Wohnung u ich dachte ich kann so alles zum Guten wenden.
Falsch gedacht, es folgten eine Zeit aus Gewalt und Erniedrigung.

Durch meine anfängliche Begegnung mit dem Alkohol habe ich fälschlicherweise früh gelernt und geglaubt, dass Alkohol mir was Positives gibt, eine Art Leichtigkeit, ein dazugehören. Ich wollte vergessen. Als Kind oder Heranwachsende war ich immer auf der Suche nach einem Freundeskreis, der mich akzeptiert. Von vielen wurde immer gesagt, dass meine Eltern zu streng sind u man besser nichts mit mir zu tun haben könnte. Es war bei uns halt nicht „cool“. Die ersten Ausgehjahre habe ich die Wochenenden auch zuhause geschlafen, wo ich mich immer nachts bei meiner Mutter zurückmelden musste und somit nie betrunken nach Hause gekommen bin. Erst wo ich bei meinem Freund übernachten konnte, durfte und konnte ich auch mal über die Stränge schlagen. War es hier eine Art ausbrechen aus meinem „Käfig“? Das dort viel zu viel Alkohol in der Familie getrunken wurde hat mich damals nicht interessiert. Mit Beginn der Ausbildung wurde ich selbstständiger und selbstbewusster. Aber auch unglücklicher. Irgendwann folgte die Trennung und ich musste meine erste Wohnung aufgeben, weil ich sie mir alleine nicht mehr leisten konnte. Wieder zuhause klappte es überhaupt nicht bei meinen Eltern. Ich trank immer mehr und es endete schließlich mit Streit in der ersten aktenkundigen TF mit 2,6 Promille.
Dann trank ich bis 2008 bis zur Entgiftung / Therapie weiter. Zur Neuzeit: Meinen Mann lernte ich in der Therapie kennen.
Wir haben wie nach der Therapie angefangen alles wieder aufzubauen. Wir sind als Paar aus der Therapie raus und haben ab da alles gemeinsam gewuppt.
Neben vielen erfolgreichen Ereignissen (erfolgreiche MPU für beide, Arbeit, Schuldenabbau,
Hochzeit, Hausbau, etc.) kamen auch viele Schicksalsschläge (Todesfälle in der Familie auch jung),
11 Jahre unerfüllte Kinderwunschbehandlung (Fehlgeburt), 2 Herzinfarkte von meinem Mann,
plötzliche EMR von meinem Mann, Verlust unserer Hundedame usw. dazu.
Mein Mann ist zu mir gezogen in meine Heimat. Freunde in seiner Gegend sind uns zwar geblieben,
jedoch wurde der Kontakt aufgrund der Entfernung weniger. Auch unsere SHG mussten wir
aufgrund der Entfernung aufgeben. Eine neue hatten wir uns nicht gesucht.
Ich muss sagen, wir haben irgendwann den Fehler gemacht alkoholfreies Bier (5%) u Sekt zu
konsumieren. Auch wenn wir drauf geachtet hatten, dass wirklich 0,0 draufsteht, sehe ich dieses heute als Fehler an. Hier war ich schon nicht mehr achtsam.
Desweiteren hatten wir für Besuch immer Alkohol zuhause.
Der Rückfall im Kopf war schon lange da und ließ auch real nicht mehr lange auf dich warten. Ich war schon lange völlig überfordert. Alte Emotionen und Glaubenssätze verstärkten sich hier schon wieder und ich habe wieder „Ich schaffe das nicht, ich bin schwach…“ gefühlt.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Natürlich, mein Mann und meine Eltern haben mich drauf hingewiesen. Auch mein Bruder hat dieses mindestens einmal mitbekommen. Es gab viel Streit und leider auch Gewalt.

Ich habe natürlich versucht alles abzustreiten, habe mir immer neue Ausreden einfallen lassen. Mein Mann hat mir erklärt, dass er schon Familienmitglieder an dieser Sauferei verloren hat und nicht möchte, dass er mich auch noch verliert. Ich habe versucht ihn zu beruhigen, insofern es mir möglich war. Aufhören konnte ich aber nicht, ich war viel zu tief in der Suchtspirale gefangen. Es gab auch Zeiten, wo ich ihn angebettelt habe, dass er mir Nachschub besorgt.

Bei der Arbeit kam es immer häufiger vor, dass ich mich vor allem montags krankgemeldet habe. Hier hat mich zwar keiner direkt darauf angesprochen, aber ich denke hinter meinem Rücken wurde schon einiges geredet.


15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Mein Alkoholkonsum hatte schwere Auswirkungen auf mein eigenes Leben und auf mein Umfeld.

Ich wurde zunehmend depressiver, antriebsloser und gereizter. Ich habe meinen Alltag immer schlechter bewältigt, mich immer häufiger krankgemeldet und mich innerlich immer mehr zurückgezogen. Hätte zum Schluss fast meinen Job verloren.

In meiner Ehe kam es immer wieder zu Streit und Verletzungen, vor allem wenn ich getrunken hatte. Mein Mann hat sehr unter meiner Situation gelitten, und auch meine Eltern und meine Familie waren stark belastet.

Mein Leben wurde immer enger und ärmer: kaum noch soziale Kontakte, kaum noch Freude, alles drehte sich nur noch darum, zu trinken oder nicht aufzufallen.

Rückblickend sehe ich: Alkohol hat mir nicht geholfen, sondern mir Schritt für Schritt Gesundheit, Beziehungen, Lebensqualität und Selbstachtung genommen.
 
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Ja gab es, im Jahr 2023 und 2024. Mein Mann war oft im Krankenhaus wegen seiner Herzerkrankungen und auch einen weiteren Herzinfarkt. In dieser Zeit war mein innerlicher Leidensdruck sehr hoch, der Zwiespalt zwischen stark sein und völliger Erschöpfung hat mich immer öfter zu dysfunktionalen Bewältigungsstrategien verleiten lassen. Anstatt um Unterstützung zu bitten, habe ich mich immer mehr abgeschossen und betäubt.

Wenn mein Versagen ans Licht gekommen ist hat es natürlich auch Streit gegeben, wo ich auch wieder in extreme Alkoholphasen geflüchtet bin.

Ein Diagramm zu den Zeiten habe ich angefügt.

TD-1.jpg

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Ja zu den Zeiten die ich gerade genannt habe bzw. die „Hochphasen“ dargestellt in meinem Diagramm und auch am Wochenende vor der Tat.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Warum kein Bestand?


Ja ich war nach der ersten Therapie viele Jahre abstinent bis ca. 2020. Auch wenn ich jetzt weiß, dass bedingt durch z.B alkoholfreiem Bier (5%) dieses eher als Trinkpause zu werten ist.

Zudem hatte ich in den Jahren 2023 und 2024 mehrere Trinkpausen, wo ich mir nach Auseinandersetzungen mit meiner Familie und Partner immer wieder vorgenommen habe nicht zu trinken. War kurz diszipliniert. Ich habe es mit dieser Einstellung aber nur ein paar wenige Monate geschafft. Erst später habe ich verinnerlicht das nur nicht trinken allein nicht reicht, dass ich mich dort in einem Trockenrausch befunden habe.


Ich habe auch nach der letzten Therapie keine Grenzen gesetzt. Ich habe immer Alkohol zuhause gehabt. Auch nach der Therapie für Besuch. Habe den Fehler gemacht zuerst Malzbier (alkoholfrei), alkoholfreies Bier und alkoholfreien Sekt zu konsumieren. Ich habe nicht darauf geachtet, ob in Speisen evtl. Alkohol enthalten ist. Habe irgendwann Nachspeisen und Eisbecher versetzt oder getoppt mit Alkohol konsumiert.

19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?

(mit Begründung)

Ich weiß, dass ich abhängig bin. Das wusste ich auch schon nach der ersten Therapie. Ich wollte es aber nicht wahrhaben und habe es überall verschwiegen. Zudem ist nicht die Ursache, warum ich so reagiere, warum ich trinke, obwohl ich weiß, wie schädlich es ist durch mich erkannt worden. Ich habe mich nach der ersten Therapie nur das Symptom Alkohol behandelt, ich habe funktioniert und war diszipliniert. Mittlerweile weiß ich, dass ich es mit einer Art Trockenrausch vergleichen kann. Ich war zwar körperlich trocken, jedoch fehlten meine innerliche Veränderung. Ich bin auch so in die Therapie, mit der „Ansage“, ich möchte dort weitermachen, wo ich in der ersten Therapie aufgehört habe. Irgendetwas habe ich übersehen. Ich brauche mehr als Abstinenz, ich brauche Entwicklung.


Jetzt habe ich meine Maske abgelegt. Teils musste ich wegen der Fahrt die sich ja rumgesprochen hat und nach einiger Zeit wollte ich dieses auch öffentlich machen. Und dieses Ablegen der Maske hat sich wie eine Befreiung angefühlt.
Nach der ersten Therapie wollte ich nicht wahrhaben, dass ich bereits früher schon abhängig war. Die Entgiftung und Therapie habe ich auch mit Druck von Familie gemacht. Nach dem Führerscheinentzug 2006 habe ich ja noch bis 2008 weitergemacht. Alkoholabhängig zu sein hatte für mich etwas Erniedrigendes, etwas Schwaches. Heute weiß ich, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat.

Ich war auch noch in meiner Scheinwelt. Ich brauchte ja nicht komplett raus. Ich trank nicht mehr, alles war gut. Ich war diszipliniert. Wir hatten unsere eigene „Kennenlernstory“.

Vieles konnte ich kontrollieren, aber war innerlich nicht wirklich geheilt und verstanden. Mein alter, nie versorgter Schmerz kam wieder hoch.

Jetzt, nach der 2. TF ist alles auf den Tisch gekommen. Ich war vor allem ehrlich zu mir selber. Ich kann ganz sicher behaupten, der Verlust von meinem Führerschein hat mir das Leben gerettet.

Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)


Nein, ich lebe abstinent.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
10.09.24

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein. Jetzt nicht mehr.

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich bin alkoholabhängig. Ich habe eine todbringende Krankheit, wenn ich diese nicht zum Aufhören und stoppen bringe.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?

Alkohol hatte für mich lange als Problemlösung funktioniert, er hat meine Spannungen gedämpft, meine Gefühle reguliert und mir kurzfristig Entlastung verschafft. Er hat mich glauben lassen, ich habe alles im Griff.

Dazu kamen Scham, Angst Schwäche zu zeigen und auch Bequemlichkeit. Ich wollte nicht wirklich hinschauen auch nicht zugeben wie krank ich schon war. Ich habe mir wirklich immer wieder eingeredet ich bekomme das schon wieder hin. Erst als alles offen auf dem Tisch lag, mit Verlust des FS, konnte ich nicht mehr flüchten. Ich habe nicht früher aufgehört, weil ich nicht bereit war ehrlich mit mir zu sein.

25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?

Nach Rückkehr von dem Polizeirevier (ich musste mich von meinen Eltern abholen lassen, Polizist hatte darauf bestanden und auch mit meinen Eltern gesprochen) habe ich zuerst meinen Mann angerufen, er hatte sich Sorgen gemacht, wusste aber schon von meinen Eltern Bescheid. Anders als erwartet gab es keine Vorwürfe. Lediglich die Bitte im Krankenhaus zwecks Entgiftung anzurufen. Das tat ich auch und am nächsten Nachmittag konnte ich kommen. Ich habe zuerst die Entgiftung gemacht, dann SIA besucht und Drob.

Hier möchte ich anmerken, dass ich in der Entgiftung offen für alle Gespräche war, ich habe mich bewusst meiner Angst, zum einen mit gesundheitlichen Schäden konfrontiert zu werden, den Ergebnisse MRT Kopf und der Visite mit den Äußerungen der Ärzte gestellt.

Mit meiner neuen offenen Einstellung und mit meiner ehrlichen Absicht diesmal wirklich etwas ändern zu wollen, war der bei mir „gefürchtete“ Chefarzt gar nicht mehr so fürchterlich. Natürlich war er ehrlich, aber irgendwas in mir hatte sich hier verändert. Denn die Ärzte und Pfleger in diesem Krankenhaus sind um alle Patienten bemüht, aber es verhält sich wie bei dem Sprichwort: Wie man es in den Wald hinein ruft, so schallt es hinaus.

Zusätzlich hatte ich direkt mit Entgiftung meine jetzige SHG. Ende Februar konnte ich in die DBT Therapie für 13 Wochen. Diese wurde mir in der SIA ans Herz gelegt, dass diese Art von Therapie etwas für mich und mein Konsummuster sein könnte.

Die Drob u. SHG habe ich auch in der Therapie aufgesucht. Nach der Therapie weiterhin Einzelgespräche bei der Drob.

Dann später folgte die Nachsorge der DBT Therapie und die Teilnahme an der KUFE. Die Einzelgespräche bei der Drob bleiben.
Zusätzlich nehme ich die angebotenen Wochenend- und Tagesseminare zu Themen wie Selbstfürsorge, Resilienz und Ausbildung zum Gruppenleiter SHG wahr.
Es war eine zumindest am Anfang schwere Zeit. Ich bin außer natürlich in der Entgiftung u. Therapie weiter arbeiten gegangen. Es war schon eine enorme Belastung. Ich habe mich sehr geschämt. Sprüche von meinem Anwalt, sie müssen jetzt kleine Brötchen backen sind mir im Kopf geblieben und auch von meiner Suchtberaterin, sie müssen zusehen, dass sie die Arbeit behalten, so wartet keiner auf sie. Das war hart für mich. Schließlich musste ich den erlernten neuen Weg und den neuen Umgang mit meinen Emotionen erst erlernen. Schritt für Schritt.

Naja und ein Satz von einem langjährigen SHG Mitglied ist mir im Kopf geblieben, du musst Demut zeigen. Aber ich habe diese Eine Wiedergutmachung an mich selber, schließlich hatte ich über viele Jahre etwas in mir zerstört, was nicht auf einmal wieder zurückkommen kann.

26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Es hat eine ganze Zeit gedauert, zuerst bestand mein Verhalten wieder nur aus Disziplin, sprich nicht trinken. Aber hier bin ich am Ball geblieben, habe die SIA besucht, danach die DBT Therapie, habe hier langsam immer mehr die mir aufgezeigten Skills und Gedankensätze angewendet. Ich gehe mit Freude zur SHG, hier wurde mir mitgeteilt, wie sehr ich mich zum positiven geändert habe. Wie ruhig und gefestigt ich wirke im Gegensatz zum ausgescheuchten Huhn von vorher. Mir wurde die stellvertretende Gruppenleitung angeboten und auch ein Training diesbezüglich von der Diakonie Osnabrück habe ich wahrgenommen. Für mich ist die SHG nicht nur zu einem festen Bestandteil, sondern zu einer Art neuem Hobby geworden. Ich bringe Themenabende mit ein, wo wir unter unseren Gleichen diskutieren und lernen können. Auch ist im September diesen Jahres ein Lehrgang zum Suchtkrankenhelfer geplant.

Durch ein MPU Forum im Internet, konnte ich mich in meiner Vorbereitung noch einmal bewusst mit dem Thema Emotionen auseinandersetzen. Spätestens hier hat es endgültig „Klick“ gemacht und ich habe meine Antwort auf meine Frage, was habe ich damals übersehen, erhalten.

Ich habe Anerkennung auf andere Art und Weise erhalten. Ohne danach zu fragen. Ohne was zu geben. Einfach indem ich wieder ich bin. Ich bin bei der Arbeit gelobt worden für meine positive Veränderung und Entwicklung.
Mein Mann und ich haben wieder eine harmonische Beziehung. Er akzeptiert meine Grenzen und wir unterstützen uns wieder gegenseitig. Ich beziehe ihn wieder in meine Ängste und Sorgen mit ein, muss diese nicht alleine aushalten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren sprechen wir wieder miteinander und ich habe die mir selbstauferlegten Aufgaben, die ihn betreffen, wieder abgegeben, so dass ich es uns beiden zu Nutze kommt. Für mich in dem Fall weniger Aufgaben heißt weniger Überforderung.

Wir sind nüchtern, immer, es kann zu jeder Zeit jemand zu uns nach Hause kommen, allein das ist schon eine extreme Erleichterung. Es ist wieder möglich mit Freunden etwas zu unternehmen. Hier sind neue Freundschaften entstanden, wo nicht getrunken wird (hier habe ich Beispiele...).

Lange auch noch in der DBT Therapie wurde auf ein Trauma geschaut, welches auch schon in der ersten LZT angespochen wurde. Mittlerweile habe ich was dieses betrifft einen anderen Blickwinkel erreicht. Die traumatischen Erlebnisse (jedenfalls in der Neuzeit) sind nicht Grund für mein Trinken. Diese Erinnerungen haben zwar meine Grundannahmen verstärkt, aber waren nicht hauptverantwortlich. Ich konnte Frieden schließen, zuerst mit mir selber, mit meinem inneren Kind, mein Kampf gegen mich selber ist immer leiser geworden. Meine Emotionen und dadurch ausgelöste Gefühle und Gedanken fühlen sich nicht mehr als Katastrophe an. Mit diesem Verzeihen an mich selber konnte ich auch anderen Personen in meiner Familie verzeihen. Das soll diese Gewalt nicht beschönigen und gutheißen, dazu habe ich einen klaren Standpunkt, aber ich kann dazu Abstand nehmen.

Ich nehme meine Veränderungen als Prozess wahr, vieles habe ich in der Therapie angeschnitten, gelernt und verinnerlicht. Anwenden kann ich es nur im echten Leben. Ein bewusster Umgang mit meiner Krankheit, die im Arztbrief als selbstverletzendes Verhalten durch übermäßigen Alkoholkonsum beschrieben wurde, hat mich aber falls reflektieren lassen. Worte wie Etappensuizid sind in meiner Aufarbeitung gefallen, weil ich zum einen wusste was der Alkohol mit mir macht und trotzdem diese Grenze nicht beachten konnte, sollen doch alle sehen, was passiert wenn ich nicht mehr da bin. Ich weiß um alle negativen Konsequenzen und trotzdem trinke ich und konnte meine Leben nüchtern nicht aushalten. Mit diesem Selbstmitleid konnte ich mich selber betrafen, ich hatte es ja nicht anders verdient. Ganz langsam habe ich mehr und mehr über mich selber verstanden.

Ich verlasse mich jetzt nicht mehr selber und bleibe da, auch unperfekt. Wenn alte Emotionen hochkommen weiß ich, ich bin nicht alleine, ich habe Hilfe bzw. darf danach fragen.

Bei der Drob hat mich meine Suchtberaterin „Ringeltaube“ genannt. Auf Nachfragen was sie damit meint kam, Sie sind ganz besonders, ich habe am Anfang nicht damit gerechnet, dass sie eine solche positive Veränderung erzielen in so kurzer Zeit. Anfänglich bin ich davon ausgegangen, dass es sich um einen Suchttyp handelt. Aber nein, es war ein für mich starkes Lob.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?

Ich besuche weiterhin die SHG, bin mittlerweile stellvertretende Gruppenleiterin.
Ab September 2026 beginnt meine Ausbildung zur Suchtkrankenhelferin. Mir macht es Spaß Themen für die Gruppenabende vorzubereiten und die Gesprächsrunden zu leiten. Ich habe hier zudem meine Routine, wöchentliche Auseinandersetzung mit meiner Krankheit.

Ich bleibe achtsam und horche in mich hinein, gönne mir Pausen und Auszeiten damit ich nicht in die Überforderung rutsche. Außerdem habe ich in der DBT Therapie das Beten vor dem Zubettgehen wieder für mich entdeckt. Ich kenne es aus Kindertagen und dieses beruhigt mich vor dem Schlafengehen sehr. Es stoppt bei mir Grübelgedanken.

Achtsamkeit nimmt für mich einen festen Platz ein, ich habe für zu Hause ein festes Ritual, ich nutze hier eine App, die mir mein Therapeut empfohlen hat. Diese heißt Headspace, ich nutze hier Körperscans und Atemübungen.

Ich habe einen festen Tagesablauf, eine feste Arbeitsstelle, wo alle Bescheid wissen.

Auch habe ich diese feste Struktur im Urlaub. Ein Verlust meiner Arbeitsstelle aus welchen Gründen auch immer kann ich jedenfalls für eine gewisse Zeit finanziell auffangen bzw. entsteht durch meinen Tagesablauf kein Leerlauf mehr.

Eine gesunde Struktur ist ein enormer Vorteil für mich. Das musste ich auch erstmal wieder verinnerlichen. Wenn das äußere Gerüst strukturiert und geordnet ist, schaffe ich das vom Kopf her auch.

Auch achte ich auf genügend und ausreichende Mahlzeiten, da mein Kopf ohne diese nicht richtig funktioniert.

Ich habe für unter der Woche wieder HelloFresh eingeführt, was für meine Planung und Kochrituale eine extreme Erleichterung darstellt und auch noch eine ausgewogene Ernährung ist.

Auch haben wir keinen Alkohol zuhause. Auch für Besuch wird keiner gekauft. Das haben wir jetzt auch des Öfteren so gehandhabt und keiner hat sich beschwert. Freunde kommen für uns und nicht wegen des Alkohols. Ich finde das extrem wichtig, denn ich weiß, falls Suchtdruck entsteht, geht dieser auch wieder, ich weiß wie ich ihn regulieren kann, welche Skills ich anwenden muss. Da wäre der Gang zur Flasche einfacher, wenn Alkohol direkt verfügbar wäre.

Ich habe auch wieder ein stabiles familiäres Umfeld, weil wir wieder gelernt haben miteinander zu reden und zu leben anstatt aneinander vorbei. Eine wichtige Aufarbeitung habe ich hier mit meinem Vater gemacht, er bringt mich mit seinen 74 Jahren jeden Tag zur Arbeit. Wir haben in dieser Zeit sehr viel reden und aufarbeiten können. Was das angeht hatte der „Bringdienst“ was enorm Bereicherndes auch in Bezug auf meine kindlichen Gedanken.

Selbstfürsorge hat mittlerweile auch einen sehr großen Stellenwert bei mir. Zuerst komme ich, ich horche in mich hinein, was kann ich und was schaffe ich.

Zusammenfassen kann ich sagen, dass ich mir hier ein Bild im Kopf eingeprägt habe von Petzold, die 5 Säulen der Identität. Das habe ich von der Kufe. Ich sorge also dafür, dass alle Säulen für mich zufriedenstellend gefüllt sind, so das Dach, meine Abstinenz, auf tragenden Säulen steht. Das ich Sorge dafür trage, dass ich nachbesser, wenn eine Säule wegbricht und nicht warte bis der Zusammensturz kommt.

-Gesundheit (regelmäßige Check-ups)

-Gemeinschaft (Treffen mit Freunden, Unternehmungen)

-Arbeit (war eine Zeit lang nicht zufriedenstellend, lag aber an meiner nassen Phase), auch im Urlaub feste Tagesstruktur

-Finanzen (kleiner Notgroschen), aber auch hier: ich kann auch mit weniger zufrieden sein (im Hinblick auf EMR Ehemann bzw. nur eine Haupteinnahmequelle)

-Werte, Normen, Bildung (hier zuerst Fokus aus Vorbereitung MPU, dann Weiterbildung Suchtkrankenhelfer, danach neues Ziel festlegen)

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)

Ein Rückfall kann immer passieren, aber ich habe meine Vorboten erkannt und werde alles dafür tun, um achtsam zu bleiben und auf mich aufzupassen, dass es nicht wieder soweit kommt.

Zudem habe ich einen Notfallplan, falls mein Partner kippen sollte.
Ich kann Beispiele nennen wo ich diesen angewendet habe:
-Beispiel Führerscheinabgabe Mann (habe ich ja öfter genau beschrieben, lasse ich hier weg)

-Auch haben wir klare Absprachen falls einer kippt. (Wir haben einen „Vertrag“ jeder mit sich selber, aufgestellt mit unserer Suchberaterin, was gemacht wird, wenn einer droht rückfällig zu werden. Hier ist ein genauer Ablauf beschrieben, was diesem Falle zu tun ist.)

-Auch haben wir aus unserer Situation gelernt, dass uns auch ein gemeinsames Gespräch mit unserer Suchtberaterin sehr hilft. Sie bleibt uns auch nach Abschluss der Therapie erhalten.

-Für den Fall, dass es salopp gesagt keine Einigung gibt und ein Extremfall eintreffen würde („gegen den Vertrag verstoßen wird“), ich bin abgesichert, verdiene mein eigenes Geld und habe eine Möglichkeit unterzukommen

-Beispiel Umgang mit Erkrankung Ehemann (Beschreibung hatte ich schon gemacht, lasse ich hier weg)

-Wenn ich alleine zuhause bin, nachts mal ins Grübeln kommen sollte, habe ich eine Online SHG, die ich über Facebook gefunden habe, Alkoholiker – gemeinsam gegen die Sucht, hier ist immer jemand wach, hier kann ich einfach nur mitlesen oder auch selber aktiv werden.

-Auch habe ich Situationen reflektiert und erprobt, wo ich evtl. zu euphorisch bin und mich wieder etwas bremsen muss, z. B. Belohnungsdecken oder „Ich hab es geschafft“-Gefühl.

29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Ich lebe abstinent.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Ich bedanke mich bei Ihnen.
 
Moin, liebes Julchen :smiley138:

Mir ist etwas aufgefallen:
Im ersten Teil beschreibst du deinen Mann so, als wäre er stabil gewesen, nicht gekippt, quasi ( wobei sich das in der Tabelle wiederum anders liest.. )
Im zweiten Teil schreibst du von einem Plan, falls er denn mal kippen sollte.

So habe ich es verstanden.
Für mich besteht da also ein Widerspruch…

Hast du dich dazu entschieden, ihn quasi zu „entschärfen“ ?

Liebe Grüße :smiley138:

P.S.: Wie gestaltet sich das Verhältnis momentan ?
 
Liebes Julchen, ich glaube, Du bringst ca. 6x mehr Stoff mit in die MPU als der Gutachter erfragen kann :)
Du dürftest auf Rückfragen aller Art gut vorbereitet sein.

über ein paar Sachen bin ich mit der Logik gestolpert:

Ich trank ein Glas Wein auf Ex. Danach meldete ich mich von der Arbeit ab, denn ich war noch total betrunken.
Nach einem Glas Wein? Den Restalkohol würde ich hier bereits mit erwähnen.

(hier weiß ich nicht ob die Vortage auch von Belang sind…).
Der Restalkohol dürfte eine Rolle spielen an diesem Tag. Ja.
Sonst hört es sich so an, als ob der Anruf der alleinige Auslöser war für das Ganze, aber eine wesentliche Rolle hat hier ja wohl der Restalkohol gespielt, und der muss ja auch irgendwoher kommen. Nach einem Glas Wein bist Du nicht "total betrunken". Bei dieser Frage musst Du übrigens nicht das "wozu habe ich getrunken" bringen, das wird später erfragt.
Und: unwichtig ist, dass Kommunikation über Whatsapp stattgefunden hat. Es sei denn, es wäre für den Konsum irgendwie wichtig.

Die Antwort hier könnte sein: Am Samstag 3 Flaschen Wein, am Sonntag dann auch, bis ca. 24 Uhr. Nach dem Aufstehen ein Glas Wein. Dann .....
Fertig.

(ich mach später weiter)
 
Moin, liebes Julchen :smiley138:

Mir ist etwas aufgefallen:
Im ersten Teil beschreibst du deinen Mann so, als wäre er stabil gewesen, nicht gekippt, quasi ( wobei sich das in der Tabelle wiederum anders liest.. )
Im zweiten Teil schreibst du von einem Plan, falls er denn mal kippen sollte.

So habe ich es verstanden.
Für mich besteht da also ein Widerspruch…

Hast du dich dazu entschieden, ihn quasi zu „entschärfen“ ?

Liebe Grüße :smiley138:

P.S.: Wie gestaltet sich das Verhältnis momentan ?
Hallo Karl-Heinz,
wie erkläre ich es am Besten, ohne in meine alte untergeordnete Rolle zu fallen?
Ich möchte meinen Mann auf keinen Fall in den Schutz nehmen. Jedoch ist es meine MPU, ich hätte auch ohne meinen Mann gesoffen. Es hätte auch ein „gesunder“ Partner an meiner Seite sein können. Ich musste erst für mich klären, wieso weshalb und warum.
Mein Mann war auch von Mai 23 bis August 24 abstinent, bzw. hat eine Trinkpause gemacht. Diszipliniert sein konnten wir, aber damit war die Ursache nicht behoben.
Aktuell läuft es gut, er hatte letzte Woche wieder einen Eingriff zwecks Herzgeschichte, ich habe ihn begleitet, mittlerweile besitze ich auch wieder soviel innere Ruhe, dass ich in der Wartezeit z.B. das nächste Thema für unsere SHG vorbereiten konnte. Verliere mich dann nicht in Hilflosigkeit und Verzweiflung. Natürlich ist die Situation nicht schön, es wird immer eine Baustelle bleiben, jedoch kann ich es nicht ändern. Hier hilft mir tatsächlich die radikale Akzeptanz. Das hilft wiederum ihm, da er wieder die starke Schulter hat. Auf der anderen Seite entlastet mich das wieder, weil ich sein Vertrauen wieder habe. Zudem nehmen wir weiter an Paargesprächen teil. Jeder darf seine Sicht erzählen, die ganze Wahrheit. Das war für beide zwar hart, aber nur das konnte uns weiter bringen.
Trotzdem möchte ich dieses alte Säuferleben nie wieder, da ich aber auch aus der Vergangenheit gelernt habe, habe ich u auch mein Mann (unabhängig voneinander) einen Plan B, für den Fall der Fälle zur Absicherung. Weil trotz Liebe usw. irgendwann ist dann auch mal Schluss (hier gilt für mich nicht nur Alkohol, sondern auch Gewalt). Ich kann lieben, ohne blind zu sein.
Ich vertraue, aber ich verliere mich nicht mehr. Ich muss und möchte jetzt auch an mich denken.
 
Liebes Julchen, ich glaube, Du bringst ca. 6x mehr Stoff mit in die MPU als der Gutachter erfragen kann :)
Du dürftest auf Rückfragen aller Art gut vorbereitet sein.

über ein paar Sachen bin ich mit der Logik gestolpert:


Nach einem Glas Wein? Den Restalkohol würde ich hier bereits mit erwähnen.


Der Restalkohol dürfte eine Rolle spielen an diesem Tag. Ja.
Sonst hört es sich so an, als ob der Anruf der alleinige Auslöser war für das Ganze, aber eine wesentliche Rolle hat hier ja wohl der Restalkohol gespielt, und der muss ja auch irgendwoher kommen. Nach einem Glas Wein bist Du nicht "total betrunken". Bei dieser Frage musst Du übrigens nicht das "wozu habe ich getrunken" bringen, das wird später erfragt.
Und: unwichtig ist, dass Kommunikation über Whatsapp stattgefunden hat. Es sei denn, es wäre für den Konsum irgendwie wichtig.

Die Antwort hier könnte sein: Am Samstag 3 Flaschen Wein, am Sonntag dann auch, bis ca. 24 Uhr. Nach dem Aufstehen ein Glas Wein. Dann .....
Fertig.

(ich mach später weiter)
Ich habe ja schon sehr viel über mich preisgegeben, tatsächlich hilft mir diese Offenheit meine Vergangenheit zu verarbeiten. Auch wenn ich absolut nicht stolz drauf bin, so naiv und dumm gehandelt zu haben. Nüchtern und mit klarem Verstand würde mir das weder passieren noch würde ich so handeln.... Ich fasse es mal so kurz wie es geht für euch zusammen…

…was vorher geschah…

Freitags bin ich arbeiten gewesen, mein Mann war im Krankenhaus. Bei der Arbeit hatte ich ein unangenehmes Personalgespräch. Zuhause angekommen, habe ich meinen Mann angerufen, wollte ihm mitteilen, dass ich ihn am Wochenende besuchen komme nachmittags. Er lehnte ab. Er befinde sich in der Entgiftung und ein Besuch ist nicht erlaubt. Er hätte keine Lust in der letzten Woche noch Ärger zu bekommen. Ich war sehr verärgert, zumal ich der Woche schon zweimal da gewesen bin, um fische Kleidung zu bringen und ihn mit Essen vom Imbiss zu versorgen. Ganz nach dem Motto, wenn er mich braucht darf ich kommen und wenn er kein Verlangen hat, dann halt nicht.

Nach dem Telefonat war ich sauer, enttäuscht und traurig zu gleich, meine Emotionen kochten über.

Mich schrieb an diesem Tag eine Bekanntschaft aus meiner letzten Entgiftung an. Ich hatte mich mit dem Mann gut verstanden auf freundschaftlicher Basis, hatte ihm geholfen bei behördlichen Anträgen. Er wollte mich besuchen. Wollte reden. Ich verneinte, wollte nicht, dass er mich zuhause besuchte, da er eine nicht so gute Vergangenheit hatte und ich aufgrund gewisser Vorstrafen Abstand halten wollte. Nun stritt ich auch mit ihm. Ich fasste den Entschluss mir Alkohol fürs Wochenende zu kaufen, einmal noch für mich „Party“ machen. Ich packte meinen Hund ins Auto für die noch ausstehende Gassirunde, er sollte ja wenigstens nicht leiden und für nach dieser hastig erledigten Pflicht zum Supermarkt und kaufte mir Sekt, Weiß- und Rotwein. Zuhause beruhigte mich direkt mit einem Glas (0,25 l) Weisswein. Natürlich plagte mich danach wieder das schlechte Gewissen. Trotzdem leerte ich die Flasche und legte mich irgendwann schlafen. Samstagmorgen wurde ich wach, ging nach unten, sah dass unser Hund auf mein Saufgelage wieder mit psychosomatischem Durchfall reagiert hatte. Ich versuchte mich wiederum mit einem Glas (0,25 l) Rotwein zu beruhigen. Auch an diesem Tag stritt ich öfter am Telefon mit meinem Mann. Ich versuchte noch meine Pflichten zu erledigen, trank aber den ganzen Tag immer wieder. In der Nacht zu Sonntag schrieb mir wieder meine Bekanntschaft, diesmal verneinte ich einen Besuch nicht. Ich sagte meinem Mann, dass ich Besuch bekomme und andere mich wohl für wichtig halten. Naja mein Besuch kam angetrunken (und wahrscheinlich unter Drogen) vorbei (mit eigenen Getränken) und wir tranken auch zusammen. Erinnerung hab ich hier noch, dass ich eine Dose Whiskey-Cola von ihm probiert habe, mochte ich aber gar nicht, konnte ich auch nicht vetragen und trank weiter Rotwein. Zwischendurch bin ich immer wieder eingeschlafen. Mittags hatte ich eine Verabredung zum Essen bei meinen Eltern abgesagt. Mein Vater hatte sich natürlich gedacht, dass irgendetwas bei mir wieder faul ist und ist dann bei mir vorbeigekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Ich schmiss ihn mehr oder weniger aus dem Haus. Sonntagabend bat ich ihn dann nach Hause zu gehen, weil ich ja Montag arbeiten musste. Ich legte mich gegen 20 Uhr schlafen. Morgens um 4 schrieb mir meine Mutter, weil sie natürlich ahnte was passiert war, dass ich getrunken hatte… Soviel dazu…

Das meine Bekanntschaft in der Zeit, wo ich eingeschlafen habe sämtliche Wertgegenstände und EC-Karten gestohlen hatte ist erst später rausgekommen. Verdacht wegen den Karten und Bargeld hatte ich zwar, deshalb auch sperren lassen, aber sicher war ich mir nicht. Auf jeden Fall war er seit dem Zeitpunkt nicht mehr zu erreichen...
 
Am Anfang meines Threads wurde ja schon gesagt, muss ganz schön was losgeworden sein bei mir… Ja in den Eskalationszeiten war immer viel los, aber dieses Wochenende war wirklich der Höhepunkt.
 
An deiner Stelle würde ich in deiner MPU bei dem Szenario, Ehemann war stabil, bleiben.
Achte halt nur darauf, dass du es widerspruchsfrei formulierst ( z.B. Diagramm ).

Aus meiner Sicht hört sich das jetzt richtig gut an, so mit den klaren Grenzen und einem „Notfallplan“.
Du hast nach meiner Wahrnehmung einen großen Schritt gemacht !

Liebe Grüße :smiley138:
 
Leider kann ich nicht beim Szenario Ehemann war stabil bleiben, weil die Nachbarn, die mich angezeigt haben auch bei der Polizei angegeben haben, dass mein Mann wegen Alkohol im Krankenhaus ist. Die Behörde hat 7 Monate später den Entlassungsbericht angefordert und daraufhin musste er den Führerschein abgeben. Das wird so auch in der Akte stehen. Die gucke ich mir nächsten Monat an. Er muss auch eine MPU machen, nur später, da ambulante Therapie und ja später angefangen.
 
Ah, okay…
Dann können wir ja genau schauen, was drinsteht und was nicht.
Ich sehe aber, egal was nun dem GA bekannt sein wird, kein großes Problem, so klar, stabil und konsequent, wie du dich imho entwickelt
hast :smiley138:
 
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