Exploration
8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Alkohol habe ich immer als gesellschaftliches Getränk gesehen. In meinem Elternhaus wurde zu solchen Anlässen auch getrunken, allerdings nie, wenn man einfach nur an einem normalen Abend daheim war. Meine erste bewusste Erinnerung war als ich mit meinen Eltern auf dem Oktoberfest war und mich gewundert habe, wieso alle Apfelschorle in so riesen Gläsern trinken. Da wurde mir gesagt dass das nur von Erwachsenen gemacht wird (es war natürlich Bier). Das erste mal getrunken habe ich mit 16, nachdem ich aus meinem Auslandsjahr in New York zurück gekommen bin.
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Zwischen 16 und 18 habe ich unregelmäßig getrunken, mal zu Parties, aber ich war sehr auf die Schule fokussiert. Ich würde sagen in den 2 Jahren insgesamt 5-6 Mal, dann war es hauptsächlich Bier, pro abend 2-3 0,5 Flaschen. Zwischen 19 und 22 habe ich dann etwas mehr getrunken (Studienzeit). Man kann eigentlich sagen jedes Wochenende 2 Gläser Wein, und dann ein mal pro Monat mehr, 1 Flasche Wein oder 2-3 Aperol Spritz. von 22-23, das war das erste Corona Jahr, habe ich dann höhere Maximalmengen gehabt, aber weniger regelmäßig. An Abenden, wo es ging, habe ich im Schnitt 2-3 Gläser getrunken (1-2 mal pro Monat, aber zwischendurch auch mal 3 Monate gar nicht, weil man nur daheim saß). Ich hatte in der Zeit aber auch 2 Eskalationen, an denen ich bestimmt 1 l Wein getrunken habe. Danach habe ich 6 Monate gar nicht getrunken. Seitdem war mein Konsum wie er vor der 2. TF war, 1-2 Mal monatlich 1-2 Gläser Wein, 3-4 Mal pro Jahr bis zu 1 Flasche Wein. Und jetzt natürlich Abstinenz seit der 2. TF.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
s.o.
11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Immer in sozialem Umfeld, noch nie alleine. In meiner Studienzeit überwiegend auf Partys, danach dann eher bei schönen Essen. Während Corona dann entweder bei mir oder bei Freunden / Familie zuhause. Vor der 2. TF waren es hauptsächlich Anlässe wie beispielsweise Geburtstage. Die höheren Mengen sind überwiegend an Abenden entstanden, wo ich die Stimmung nicht ganz einschätzen konnte, entweder, weil ich die Leute nicht so gut kannte, oder weil Personen dabei waren, die ich nicht zwingend sehen muss.
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
Äußere Motive wie oben erwähnt, Anlässe und aus gesellschaftlichen Gründen, allerdings auch, wie am Vorabend der zweiten TF, aufgrund von unangenehmen Situationen. Eben dass Personen dabei waren, auf die ich verzichten könnte. Ich bin öfter solchen Situationen schon aus dem Weg gegangen, allerdings habe ich auch öfter den Weg eingeschlagen, dass ich mich locker trinke und mit Alkohol versuche, die Situationen zu ignorieren, anstatt sie zu verlassen.
In diesen Momenten war ich nicht in der Lage anders mit diesen umzugehen, ohne eine Szene zu machen. Es war ein bisschen Schöntrinken einer Situation. Im Nachhinein weiß ich, dass ich auch hier den Weg nicht richtig gewählt habe und für mich einstehen kann und mich nicht lockerer trinken kann, sondern jederzeit Grenzen setzen kann oder mich Situationen entfernen kann. Wenn das mein Umfeld nicht versteht, ist es das falsche Umfeld.
13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
Bei wenig Alkohol war das Hauptmotiv Genuss, nach 2 Gläsern Wein habe ich aber dennoch eine heitere Stimmung sowie das Erleichtern von tiefgründigen Gesprächen festgestellt. Bei höherem Konsum habe ich mich subjektiv oft noch „fit“ gefühlt, obwohl ich objektiv nicht mehr leistungsfähig war. Meine Hemmungen sind deutlich gesunken, ich habe mich und meine Fähigkeiten überschätzt. Körperlich habe ich erst Wachheit und anschließend Überdrehtheit gespürt, die aber von einer unfassbaren Müdigkeit gefolgt war. An einigen Anlässen habe ich auch Schwindel gemerkt.
Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:
13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden:
KLICK)
Bei mir war es zwar nicht reines Selbstbewusstsein sondern Lockerheit und Gleichgültigkeit, die ich erreichen wollte, allerdings finde ich die Frage trotzdem relevant. Ich denke, der gewünschte Effekt von Alkohol ist nicht gekommen, da Alkohol auf meinen Umgang mit diesen Situationen eigentlich keinen Einfluss haben kann. Es sind intrinsische Verhaltensmuster, die mir helfen, mit solchen Situationen umzugehen, nicht Alkohol. Das weiß ich jetzt. Zu den Zeiten davor allerdings dachte ich, dass mir der Alkohol dabei hilft, und als ein Glas nicht genügt hat, wurde es ein zweites und ein drittes und...
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Nein
15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Ich war immer der Überzeugung, dass Alkohol keine größeren Auswirkungen auf mein Leben oder mein Umfeld hatte, da ich beruflich erfolgreich bin, sportlich aktiv bin und schöne Hobbys als Ausgleich habe. Rückblickend sehe ich aber wie riskant mein Verhalten war und dass Alkohol somit sehr wohl Auswirkungen auf mein Leben hatte. Unabhängig von der Geldstrafe und dem Abgeben meines Führerscheins habe ich meine Sicherheit und die von anderen aufs Spiel gesetzt, es hatte zwar keine schlimmen Folgen, aber dennoch hätten diese sehr realistisch entstehen können.
Zudem habe ich gemerkt dass Alkohol in unangenehmen Situationen früher für mich eine Art Hilfsmittel war, um Stress oder Unwohlsein zu überspielen. Das hätte mein Verhalten in sozialen oder beruflichen Kontexten negativ beeinflussen können, und ich kann dankbar sein, dass es bis dahin noch keine handfesten Folgen hatte. Heute sehe ich, dass Alkohol für mich nur dann unproblematisch sein kann, wenn ich klare Regeln einhalte, bewusst trinke und Situationen plane, sodass keine Risiken für mich oder andere entstehen (das natürlich nach der Abstinenz, die ich aktuell nutze, um Abstand von Alkohol zu gewinnen und mir genügend Raum zu geben, die Rolle von Alkohol in meinem Leben zu hinterfragen).
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Gebe ich hier als heute dann den zustand des kontrollierten Trinkens an?
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Nein
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja, nach der 1. TF habe ich 6 Monate keinen Alkohol getrunken, neue Routinen entwickelt, Hobbies gefunden und meinem Leben während Corona Struktur gegeben. In der Zeit habe ich dann auch meinen Bachelor gemacht.
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Ich habe mich früher als reinen Genuss und Sozialen Trinker gesehen, da ich immer dachte, nur weil ich nie alleine trinke und auch immer 2-4 Wochen Abstand zwischen den Anlässen habe, kann ich überhaupt kein Problem haben. Heute weiß ich: Ich habe Alkohol in einigen Situationen missbraucht. Mein Trinkverhalten war zwar nur im sozialen Kontext und oftmals aus reinem Genuss, allerdings gab es auch Abende in denen ich Alkohol genutzt habe, um Situationen zu erleichtern. Im Nachhinein weiß ich, dass das kein unproblematischer Umgang mit Alkohol war und dass ich dem Alkohol eine Aufgabe zugesprochen habe.