Neue Beurteilungskriterien (Buk 4. Auflage)

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Nancy

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Wie der Titel schon sagt, werden sich die derzeitigen Beurteilungskriterien demnächst ändern.
Wann die neue Auflage erscheinen wird ist derzeit noch unklar, es ist davon auszugehen dass dies Ende 2022/Anfang 2023 der Fall sein wird.

Was wird sich ändern?

In Bezug auf Alkohol wird nicht mehr von Alkoholabhängigkeit die Rede sein (auch der Begriff Alkoholmissbrauch fällt durch die neue Einteilung weg), sondern es wird in eine "Substanzgebrauchsstörung" mit graduellen Ausprägungen, eingeteilt. Das DSM IV wurde durch DSM 5® ersetzt.

Dies bedeutet in der Folge, dass künftig nur noch 4 von 11 Kriterien (bisher 3 von 6) zutreffen müssen, was die "Trefferwahrscheinlichkeit" erhöhen soll, da es bisher zu einer "Überdiagnose" kam.

Bzgl. den Abstinenznachweisen werden nachfolgend diese 3 Möglichkeiten genannt, in denen nun klare Angaben über die Länge der AN gemacht werden (fett markiert):

- Lag vor einer suchttherapeuthischen Maßnahme bereits ein längerer Zeitraum mit einer nachvollziehbaren Abstinenz, so beträgt die alkoholabstinente Zeit nach Abschluss der therapeutischen Maßnahme mindestens noch 6 Monate. Der gesamte Zeitraum des Alkoholverzichts (incl. Therapiephase) ist in der Regel nennenswert länger als ein Jahr und beträgt mindestens 15 Monate.

- Hat der Klient eine ambulante Langzeitmaßnahme durchgeführt, die i.d.R. neben dem Ziel der Entwöhnung auch die Unterstützung der Reintegration und der Stabilisierung neuer Verhaltensgewohnheiten verfolgt (Nachsorgecharakter), so ist der Zeitraum der Abstinenz insgesamt (incl. des Zeitraums der ambulanten Therapie) nennenswert länger als ein Jahr und beträgt mindestens 15 Monate und sind vor der Begutachtung nachvollziehbar belegt.

- Hält der Klient Alkoholabstinenz ohne vorherige Entwöhnungsbehandlung ein, liegt ein dem Problem angemessener - in der Regel nennenswert länger als ein Jahr währender - nachvollziehbar dokumentierter Stabilisierungszeitraum vor. Vor dem Zeitpunkt der Untersuchung sind mind. 15 Monate Abstinenz belegt.
 

Nancy

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Da es zu weit führen würde sämtliche Änderungen der Struktureinteilungen bzgl. des letzten Postings hier einzeln aufzuführen, komme ich in diesem Beitrag gleich zum nächsten Punkt, dem "KT" = kontrolliertem Trinken.

Hier wird es recht signifikante Änderungen geben.

Künftig wird der Gesamtprozess auf 3 aufeinander aufbauende Phasen eingeteilt.
Auf eine

- Aufarbeitungsphase, die der Analyse der Deliktursachen bei völligem Alkoholverzicht und der Distanzierung von früheren Automatismen dient (Verzichtsphase) folgt eine
- Phase der Erkundung und Erprobung des geplanten Trinkmusters unter fachlicher Supervision (Implementierungsphase) gefolgt von einer
- Stabilisierungsphase des "KT" mit Abschlussreflexion unter fachlicher Anleitung.

Hierfür ist im Gesamten in der Regel ein Zeitraum von einem Jahr erforderlich.

Was bedeutet das im Einzelnen?

Die Aufarbeitungsphase in der völlig auf den Alkohol verzichtet wird, muss mit EtG-Kontrollen nachgewiesen werden.
Die Phase der Erkundung und Erprobung unterliegt dagegen keiner Nachweispflicht.
Die Stabilisierungsphase hingegen muss mind. 6 Monate betragen und künftig mit einer PEth-Analyse nachgewiesen werden.

PEth Alkoholmarker:

Die Vorteile von PEth im Überblick

Die Bestimmung von PEth in der Routineanalytik bietet im Vergleich zu EtG einige Vorteile:
  • PEth hat eine deutlich längere Halbwertszeit (3,7-10,4 Tagen) als EtG (2-3 Stunden). Somit lässt PEth eine Abschätzung des Konsumverhaltens zu. Dabei handelt es sich aber um Richtwerte, die individuellen Werte können abweichen.
  • Durch den langsamen Abbau von PEth kann eine Trinkreduktion sehr gut überwacht und ein Absinken der Konzentration als Motivation für den Patienten dienen.
  • Einflussfaktoren wie Lebererkrankungen oder Hypertension haben keine Auswirkung auf die Bestimmung von PEth. Somit kann PEth auch bei Patienten mit Vorerkrankungen zuverlässig Alkoholkonsum nachweisen.

Nachweis von Alkoholkonsum mittels PEth – Diese Materialien eignen sich

PEth kann nicht im Urin nachgewiesen werden, dafür aber im EDTA-Blut (kein Vollblut!). Das Kapillarblut ist hierbei eine minimalinvasive Alternative für Urin.

Seit Kurzem kann Peth auch im Speichel detektiert werden. Die Konzentrationen und damit auch die Nachweis-fenster sind etwas kleiner, somit kann die Beurteilung nur qualitativ erfolgen. PEth im Speichel ermöglicht die innovative, patientenfreundliche Probennahme, um einen riskanten Alkoholkonsum zu detektieren.

Quelle und weitere Infos: https://www.ladr.de/fachgebiete/med.../alkohol-und-alkoholmarker/peth-alkoholmarker
 

Nancy

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Änderung in den Drogenhypothesen:

Es gibt viel Bewegung im Feld ...
  • Neue psychoaktive Substanzen (NpS)
  • Es verändern sich die Wirkstoff-Konzentrationen
  • THC ist als Medikament verschreibbar
  • Liberalisierung - THC als „recreational drug“ ist in der politischen Diskussion
  • Rechtliche Änderungen führen zu einer Annäherung an Alkoholregelungen (Bundesverwaltungsgericht zu Trennvermögen Cannabis)
  • Die Begutachtungsleitlinien bringen voraussichtlich wesentliche Änderungen
... und relativ wenig Änderungen in den Buk

Erwähnenswert zunächst, dass es künftig eine Unterscheidung von Trennvermögen und Trennbereitschaft (=Trennverhalten) geben wird - genauere Infos sind derzeit aber leider (noch) nicht auszumachen.
 

Nancy

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Es wird künftig ein ganz neuer Bereich in den Buk dazukommen, dieser beinhaltet die

Dauerbehandlung mit Arzneimitteln

Auch hier wird es eine Einteilung in die verschiedenen Hypothesen geben, wobei die nachfolgenden Ausführungen noch in Bearbeitung und somit noch nicht endgültig sind.

- Dauermedikation

Wie es der Begriff schon andeutet geht es hier um die Personengruppe die dauerhaft auf eine Medikation angewiesen ist bei der sich die Einnahme auf die Fahreigung auswirken kann. Der Patient ist nicht verkehrsrelevant beeinträchtigt, sofern er aufgeklärt ist und die Arzneimittel entsprechend der ärztlichen Verordnung einnimmt (Compliance). Risikofaktoren, welche zu einer relevanten Verschlechterung der Leistungsfähigkeit führen können, werden angemessen vermieden (Adhärenz). Der Klient ist zudem in der Lage, eventuell auftretende Leistungsdefizite zu erkennen und ist bereit adäquat darauf zu reagieren.

- Medikamentenmittelmissbrauch

Es liegt kein Missbrauch psychoaktiver Arzneimittel (mehr) vor. Der Klient hat die Ursachen seines Missbrauchs erkannt und aufgearbeitet, ist
aufgeklärt und nimmt die Arzneimittel entsprechend der ärztlichen Verordnung ein (Compliance). Er ist zudem in der Lage, eventuell auftretende Symptomverschlechterungen und ggf. auftretende Leistungsdefizite zu erkennen und es ist nicht zu erwarten, dass er psychoaktive Arzneimittel außerhalb der medizinisch indizierten Therapie einnimmt.

- Arzneimittelabhängigkeit

Es lag eine Abhängigkeit von psychoaktiven Arzneimittel vor ohne dass nicht verordnete BtM oder NpS eingenommen worden wären. Der Klient ist angemessen suchttherapeutisch behandelt, nimmt psychoaktiv wirksame Medikamente nicht mehr oder, falls medizinisch dringend indiziert,
zuverlässig nur in der verordneten Menge und Frequenz ein.


*****Insofern mir weitere Infos vorliegen werde ich diese hier ergänzen.*****
 

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  • Hr. Brenner-Hartmann HANDOUT Neuentwicklungen in den Beurteilungskriterien FS Tagung 13.10.21 ...pdf
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Nancy

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Bzgl. der Übergangsfristen für die Anwendung der 4. Auflage der Beurteilungskriterien gibt es hier nun weitere Informationen:
 

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