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FB Alkohol Wiederholungstäter 2,8 ./.

Guten Morgen Bernie,
danke der Nachfrage mir geht’s gut ☺️. Ich habe auch gesehen, dass du deinen Fragebogen hochgeladen hast. Ich freue mich schon darauf ihn in zu lesen.
Ich habe letzte Woche meinen FB bei der Suchtberaterin vorgestellt. Sie hat sehr positiv reagiert. Beim Vorlesen ist mir aber aufgefallen, dass ich mittlerweile noch ein paar Änderungen vornehmen könnte. Dieses werde ich noch machen u ihn hier wieder hochladen.
Ansonsten kann ich zu dem erwähnten Termin zur SIA berichten:
Beim Termin bei der SIA ergab sich zufällig die Möglichkeit, ein Gespräch mit dem Oberarzt der Suchtstation zu führen.
Dieser nahm sich Zeit für uns und bot uns an, bei Bedarf weitere Gesprächstermine bei ihm wahrzunehmen.
Dieses Angebot haben wir sehr wertschätzend angenommen, da es uns wichtig ist, zusätzliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen und individuell zu schauen, was uns in unserer Stabilisierung guttut.
In diesem Termin ging es ursprünglich nicht darum, ein konkretes Thema zu klären oder etwas gezielt zu hinterfragen.
Im Verlauf des Gesprächs wurde uns jedoch bewusst, dass es für uns sinnvoll sein kann, dieses zusätzliche Gesprächsangebot zu nutzen.
Der Oberarzt erklärte, dass wir zu den Patienten aus den Anfangszeiten der SIA gehören und ihm daher besonders am Herzen liegen. Dieses wertschätzende Angebot haben wir gerne angenommen.
Besonders bedeutsam war für mich auch die Erkenntnis, dass sich diese Möglichkeit eher zufällig ergeben hat – und wir ohne diesen Kontakt vermutlich sehr lange auf einen Termin bei ihm als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie hätten warten müssen.
Für mich ist das ein weiterer Hinweis darauf, dass sich meine veränderte Lebensweise auszahlt. Durch meine aktive Arbeit an mir selbst, meine Offenheit und mein Dranbleiben entstehen heute neue Chancen und Unterstützungsmöglichkeiten, die ich früher so nicht wahrgenommen oder genutzt hätte.
Heute nehme ich solche Angebote bewusst an und sehe sie als wichtigen Bestandteil meiner Stabilisierung.
Gleichzeitig gibt mir dieser Kontakt zusätzliche Sicherheit: Ich bleibe in Erinnerung und habe im Bedarfsfall eine weitere Möglichkeit, mir gezielt Unterstützung zu holen.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag ☺️
 
Ach und noch etwas, wo ich mich die letzte Woche mit beschäftigt habe:

Reflexion – Rückblick auf meine erste Therapie und neue Erkenntnisse

Ein wichtiger Impuls kam für mich aus dem Austausch im Forum. Besonders die kritischen Hinweise von @Karl-Heinz und der Gedanke von @joost, dass es einen „gefühlten Kern“ gibt, der einen ein Leben lang begleitet (Beitrag #165), haben mich zum Nachdenken gebracht.
Zusätzlich hatte ich bereits vor Beginn meiner DBT-Therapie den Wunsch formuliert, dort weiterzumachen, wo ich in meiner ersten Therapie aufgehört habe.
Ich bin dadurch noch einmal tiefer in meine Lebensgeschichte eingetaucht und habe mich intensiv mit der Frage beschäftigt:

Was habe ich damals übersehen?

Es ist mir tatsächlich gelungen, meinen alten Therapiebericht zu besorgen (nach 18 Jahren). Allein das war für mich ein besonderer Moment, weil ich dadurch die Möglichkeit hatte, mich mit meinem damaligen Stand noch einmal bewusst auseinanderzusetzen.

Beim Lesen (klar war es sehr emotional und auch heftig) ist mir klar geworden, dass ich damals vieles zwar verstanden habe – aber eher auf einer kognitiven Ebene. Ich habe funktioniert, war diszipliniert und habe die Abstinenz eingehalten.

Was mir jedoch gefehlt hat, war das tiefere emotionale Verständnis für mich selbst und meine inneren Prozesse.

Heute erkenne ich, dass ich die eigentlichen Ursachen meiner Sucht damals nicht wirklich durchdrungen habe. Ich habe nicht gelernt, meine Gefühle wahrzunehmen, auszuhalten und angemessen damit umzugehen.

Genau hier liegt für mich der entscheidende Unterschied zu heute:

Ich arbeite nicht mehr nur mit Disziplin, sondern mit Verständnis, Selbstreflexion und aktiver Auseinandersetzung mit meinen Gefühlen und Mustern.
 
Ich arbeite nicht mehr nur mit Disziplin, sondern mit Verständnis, Selbstreflexion und aktiver Auseinandersetzung mit meinen Gefühlen und Mustern.
Das ist der zentrale Punkt, den aber vllt die meisten (kVT-geprägten) Feld-Wald- und Wiesen-Psychologen gar nicht richtig einschätzen können* :(
Ich finde den Weg beeindruckend, den Du hinter Dir hast. Den kannst Du stolz präsentieren.
Und nichts überzeugt mehr als der Erfolg.

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* Du bist damit unserem traditionell konservativem Therapiesystem 30 Jahre voraus, auch, wenn sich das gerade zu verändern beginnt
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich arbeite nicht mehr nur mit Disziplin, sondern mit Verständnis, Selbstreflexion und aktiver Auseinandersetzung mit meinen Gefühlen und Mustern.
Das ist das was zufriedene Abstinenz ausmacht, weil es dann nicht mehr immer nur anstrengend ist nüchtern zu werden und zu bleiben. Und das ist das was gemeint ist wenn gesagt wird : es reicht eben nicht nur aufhören zu konsumieren.

Toll wie weit du gekommen bist !
 
Hallo Zuerbiswolke, danke für dein Kompliment.

Ich nutze dieses, um kurz zu berichten, auch im Hinblick darauf, dass meine Gesprächsstunde bei der DROB heute aufgrund der Krankheit meiner Suchtberaterin ausfällt.

Die über 18 Monate Abstinenz (natürlich auch das Wissen aus meiner vorherigen jahrelangen Trinkpause) haben mir gezeigt, dass Veränderung nicht einmal passiert, sondern ein fortlaufender Prozess ist. Ich bin dankbar, dass ich dort ansetzen konnte wo ich damals aufgehört habe.
Ich dokumentiere weiterhin konkrete Alltagssituationen und meine Reaktionen darauf. So kann ich meine Entwicklung nachvollziehen und frühzeitig gegensteuern, wenn sich alte Muster andeuten.

Am aktuellen Beispiel von Ostern erkenne ich heute klar mein damaliges Muster.

Ich habe solche Anlässe bewusst genutzt, um zu funktionieren und mich nicht mit meinen eigenen Problemen auseinandersetzen zu müssen. Das Einladen und Organisieren war für mich auch eine Form der Vermeidung. Gleichzeitig stand dahinter die Überzeugung: Wenn ich alles schaffe, kann ich mir selbst und anderen beweisen, dass mit mir ‚alles in Ordnung‘ ist.
Diese dauerhafte Überforderung hat sich nach solchen Tagen entladen. Der Alkohol wurde für mich zur kurzfristigen Entlastung, die jedoch regelmäßig in Kontrollverlust endete. Meine Belohnung und Beruhigung danach der Wein.

Heute gehe ich mit solchen Anlässen wie Ostern bewusst anders um.
Ich lade nicht mehr ein, um Erwartungen zu erfüllen oder mich abzulenken, sondern weil ich wirklich Lust darauf habe. Mit klarem Kopf erlebe ich, dass mir die Vorbereitung leichtfällt und ich den Tag strukturierter und ruhiger angehen kann.

Dabei habe ich meinen Anspruch verändert. Es geht nicht mehr darum, alles perfekt zu machen, sondern eine angenehme, entspannte Atmosphäre zu schaffen. Ich erlaube mir bewusst, Dinge auch unperfekt zu lassen.

In lebhaften Situationen – wenn es laut und durcheinander wird, zum Beispiel durch meine Neffen, unseren Hund oder viele Gespräche gleichzeitig – nehme ich meine innere Anspannung früh wahr. Der Unterschied zu früher ist, dass ich sie nicht mehr übergehe oder kompensiere.
Ich reguliere mich aktiv, indem ich bewusst einen Schritt rausnehme, mich innerlich beruhige und meine Aufmerksamkeit wieder sortiere. So bleibt die Situation für mich handhabbar und ich verliere nicht die Kontrolle.

Nach dem Besuch nehme ich mir bewusst Zeit, den Tag zu reflektieren und mit früher zu vergleichen. Ich erkenne dabei klar, wie sich mein Verhalten und mein Erleben verändert haben.

Ich gehe heute strukturiert vor: Zuerst bringe ich in Ruhe wieder Ordnung hinein, und anschließend gönne ich mir bewusst eine Phase der Erholung, habe mich kurz auf das Sofa gelegt und einen kleinen Powernap gemacht. Dieses Vorgehen gibt mir Stabilität und ein gutes Gefühl von Abschluss.

Der frühere Gedanke, mich mit einem Glas Wein zu belohnen oder zu beruhigen, ist vollständig verschwunden. Ich habe gelernt, dass ich Entlastung auch ohne Alkohol erreichen kann.

Gleichzeitig nehme ich mich heute differenzierter wahr. Auch wenn solche Tage gut verlaufen, erkenne ich, dass ich danach bewusst einen Gang zurückschalten darf. Das ist für mich kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Selbstfürsorge und Stabilität.

Was mir zusätzlich auffällt, ist mein veränderter Umgang mit Rückmeldungen von außen, zum Beispiel bei Komplimenten für das Essen.

Früher war ich stark darauf angewiesen. Ich habe diese Bestätigung gebraucht, um mich überhaupt gut zu fühlen. Gleichzeitig habe ich sie im Nachhinein oft relativiert oder in meinem Selbstmitleid wieder entwertet, mit innerlichen Sätzen, "wenn ihr wüsstet".

Heute nehme ich Komplimente dankend an, aber ich bin nicht mehr davon abhängig. Ich weiß bereits für mich selbst, was ich geleistet habe. Dieses innere Wissen gibt mir eine stabile Form von Selbstwert.

Dabei geht es mir nicht um Überheblichkeit, sondern um ein gesundes Selbstbewusstsein. Ich erkenne meine Fähigkeiten an, ohne mich darüber definieren oder davon abhängig machen zu müssen.

Gleichzeitig habe ich für mich eine klare Grenze gezogen, die mir sehr wichtig ist.
Bestimmte Anlässe – wie zum Beispiel das Pfingstfest – gestalte ich bewusst als Zeit für mich. Ich entscheide heute aktiv, wann ich Gastgeberin bin und wann ich mir selbst Raum zur Erholung gebe.

Ich erkenne, dass ein gutes Gleichgewicht zwischen Aktivität und Rückzug für meine Stabilität entscheidend ist. Diese Grenze zu setzen, ist für mich ein Ausdruck von Selbstfürsorge und nicht mehr von Verzicht.

Mit Blick in die Zukunft kann ich mir gut vorstellen, wieder bewusst in die Rolle als Gast zu gehen – entspannt, ohne Verantwortung und mit dem Fokus auf das Genießen. Diese Perspektive verbinde ich nicht mit Druck, sondern mit Vorfreude.

Der Unterschied zu früher ist für mich klar: Ich treffe heute bewusste Entscheidungen für mich, statt mich von Erwartungen oder innerem Druck leiten zu lassen. Der Gastgeber in mir darf heute auch Pause machen.

Natürlich ist mein Leben heute nicht frei von Herausforderungen.
Ein zentrales Thema, an dem ich aktuell weiterarbeite, ist das Setzen und Einhalten von gesunden Grenzen – besonders im privaten Umfeld.

In meiner Ehe treffen zwei Suchterkrankungen aufeinander, was die Dynamik zusätzlich erschwert. Ich habe durch meine Aufarbeitung, Therapie und Nachsorge gelernt, Verantwortung für mich zu übernehmen und mein Verhalten zu verändern. In vielen Bereichen bin ich heute stabiler und reflektierter als früher.

Gleichzeitig erlebe ich, dass mein Mann meine Entwicklung nicht immer nachvollziehen oder in gleicher Weise mitgehen kann. Früher hätte ich mich angepasst oder meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt.

Heute erkenne ich diese Situationen bewusst und merke, dass ich hier noch nachjustieren darf:
Ich übe, klarer bei mir zu bleiben, meine Grenzen auszusprechen und mich nicht mehr aus Angst vor Konflikten selbst zu verlassen.

Das ist für mich kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Teil meiner Stabilisierung und Rückfallprophylaxe.

Ein konkretes Beispiel aus meinem Alltag zeigt, wie ich heute anders mit schwierigen Situationen umgehe:

Die Nachbarn, die uns damals angezeigt haben, sind für meinen Mann bis heute ein belastendes Thema. Er reagiert darauf teilweise noch mit Argwohn und auch mit Jähzorn.

Ich selbst habe meine Sichtweise darauf grundlegend verändert.
Früher hätte ich diese Situation wahrscheinlich genauso bewertet – als Angriff, als Ungerechtigkeit. Heute sehe ich darin einen entscheidenden Wendepunkt.

Die Anzeige war für mich rückblickend ein Augenöffner. Sie hat dazu beigetragen, dass ich mein Verhalten nicht mehr verdrängen konnte und mich meiner Problematik gestellt habe.

In solchen Momenten merke ich, wie unterschiedlich unsere Bewertungen sind. Früher hätte ich mich entweder angepasst oder wäre in die Emotion meines Mannes mit eingestiegen.
In solchen Momenten nehme ich zuerst bewusst wahr, was bei mir passiert. Früher wäre ich direkt emotional eingestiegen oder hätte versucht, die Situation zu beruhigen, oft auf Kosten meiner eigenen Stabilität.

Heute mache ich innerlich einen Schritt zurück. Ich erkenne, dass seine Reaktion seine ist – und nicht meine.

Ein wichtiger Schlüssel dafür war für mich das, was ich in der Therapie als „radikale Akzeptanz“ gelernt habe.
Das bedeutet für mich, die Realität so anzunehmen, wie sie ist – auch wenn sie unangenehm ist – und nicht mehr dagegen anzukämpfen oder sie anders haben zu wollen.

Gerade an Ostern im letzten Jahr habe ich das sehr bewusst erlebt und auch dieses Jahr wieder an die Situation gedacht. Ein Jahr ist vergangen, an dem mein Mann seinen Führerschein abgeben musste aufgrund seines Rückfalls.
Früher hätte ich versucht, die Situation zu kontrollieren, innerlich dagegen angekämpft, es als Ungerechtigkeit empfunden. Das hat bei mir Druck aufgebaut und war oft ein Auslöser für Suchtdruck.

Wenn ich merke, dass eine Situation emotional hochkocht, reagiere ich heute frühzeitig.
Ich nehme die Spannung bewusst wahr und gehe aus der Situation heraus, bevor sie eskaliert.

Früher habe ich dafür ganz bewusst Skills eingesetzt. Heute passiert das oft automatisch, was mir zeigt, dass ich diese Strategien verinnerlicht habe.

Konkret bedeutet das für mich:
Ich ziehe mich zurück, höre Musik und gehe meinen eigenen Dingen nach, um mich wieder zu stabilisieren.

Gleichzeitig akzeptiere ich, dass mein Mann die Situation anders bewertet oder in seiner Entwicklung vielleicht noch nicht an dem gleichen Punkt ist wie ich.

Er kennt meine Haltung und respektiert sie, genauso respektiere ich seine Sichtweise.
Der Unterschied zu früher ist, dass es nicht mehr in endlosen Diskussionen oder Streit endet.

Ich bleibe bei mir und achte darauf, dass ich emotional stabil bleibe.
Das ist für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Veränderung und meiner Rückfallprophylaxe.

Ein anderes Beispiel war hier im Forum die Situation vom Mitglied @der Kalle. Es gab ähnliche Passagen im Entlassungsbrief der Entgiftung meines Mannes, die bei der Führerscheinstelle negativ aufgefallen sind.

Ende April habe ich meinen Termin bei der Führerscheinstelle erweitert. Für ihn habe ich ein Gespräch gebucht, um zu klären, was von ihm gefordert wird.

Er reagiert zwar mit Ablehnung auf diesen Termin, jedoch überlasse ich es ihm selbst, ob er ihn wahrnimmt.

Am Nachmittag haben wir zudem einen Termin bei dem Psychiater der Suchtklinik, bei dem wir eher zufällig einen Platz bekommen haben (ich hatte hier berichtet). Ich sehe das weiterhin als positive Möglichkeit, hier gezielt einzulenken, falls von der Führerscheinstelle im Hinblick auf seine damaligen Äußerungen mehr verlangt wird als seine bisherige Therapie.

Hier handle ich heute anders: Ich unterstütze ihn zwar, indem ich ihm aufzeige, wie ich vorgehen würde – der Termin passte aufgrund meines eigenen Termins und unseres Urlaubs auch gut –, stelle es aber nicht als Bedingung.

Wenn er an dem Tag den Termin ablehnt, respektiere ich seine Entscheidung. Und natürlich weiß ich, dass er sich eigentlich selbst darum kümmern müsste – im Grunde komplett eigenständig. Ich reiche nur noch die Hand, gehen muss er selbst.

Meine Verantwortung – und damit auch meine Überforderung – hat hier für mich eine akzeptable Grenze.
Die Beispiele zeigen für mich die Entwicklung, die auch in meiner Tabelle sichtbar wird, diese habe ich um meine Motive erweitert.
 

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Die über 18 Monate Abstinenz (natürlich auch das Wissen aus meiner vorherigen jahrelangen Trinkpause) haben mir gezeigt, dass Veränderung nicht einmal passiert, sondern ein fortlaufender Prozess ist.
Ich finde dass ist ein wichtiger Punkt - neben all den anderen. Die Zeit habe ich am Anfang komplett falsch eingeschätzt. Warum soviele Monate Sperre usw.
Heute - nach etwa 5 Monaten - weiß ich, dass ich noch lange nicht am Ziel bin und ich nichts über´s Knie brechen kann. Dinge müssen sich entwickeln, reifen. Und ich denke heute, dass nur dadurch ich eine Stabilität in mir aufbauen kann, die auch schwierige Zeiten übersteht. Wenn die Sonne scheint, brauche ich keine Vermeidungsstrategien, aber Regen und Sturm sollte die "Mauer" aushalten.
 
Ja Bernie, genauso habe ich am Anfang auch gedacht.
Ich weiß noch, wie ich beim Anwalt saß und sie meinte, mich korrigieren zu müssen – von wegen 15 Monate Sperre.

Ich wollte nach einem Jahr wieder fahren. Ich dachte, ich wüsste ja, wie es geht, und könnte mich nach dieser ans Licht gekommenen Straftat wieder korrekt verhalten – nichts trinken und mich an die Regeln halten.
Bloß: Hochmut kommt vor dem (erneuten) Fall. Und @joost einmal zu zitieren, eine MPU nach einer bestandenen wird hammer hammerhart.

Heute bin ich sehr dankbar für diese Zeit – und auch dankbar mir selbst gegenüber, dass ich sie bestmöglich für mich nutze.
 
Guten Morgen,
ich war gestern bei der Führerscheinstelle und habe meinen Antrag gestellt. Das Führungszeugnis hat noch gefehlt, obwohl ich es bereits vor über vier Wochen beantragt hatte.
Im Vorfeld hatte ich mit meiner Suchtberaterin gesprochen. Sie hat mir geraten, die Alkoholabhängigkeit offen anzugeben, da dies in meinem Fall ohnehin nachvollziehbar ist.
Deshalb habe ich bei der Führerscheinstelle nochmals gezielt nach der genauen Fragestellung für die MPU gefragt. Diese wurde daraufhin ergänzt. Ich erhalte nun beide Fragestellungen, sodass sowohl das Fahren unter Alkoholeinfluss als auch die diagnostizierte Abhängigkeit berücksichtigt werden.
Die Fragestellungen lauten:
„Kann erwartet werden, dass der Untersuchte künftig das Führen von Kraftfahrzeugen und den Konsum von Alkohol zuverlässig trennt?“
und
„Liegt bei dem Untersuchten nach diagnostizierter Alkoholabhängigkeit die nach den Begutachtungs-Leitlinien erforderliche dauerhaft stabile Abstinenz als Eignungsvoraussetzung zum Führen von Kraftfahrzeugen vor?“
Mir wurde dazu erklärt, dass diese Kombination für die MPU sinnvoll ist, da damit beide Aspekte - das frühere Verhalten im Zusammenhang mit Alkohol und Fahren sowie die Entwicklung hin zur Abstinenz – vollständig geprüft werden („ein Abwasch“). So wird vermieden, dass nach der MPU noch weitere Fragestellungen entstehen und ich erneut zur Klärung aufgefordert werde.
Etwa zwei Stunden nach meinem Termin rief mich die Führerscheinstelle noch einmal an und teilte mir mit, dass das Führungszeugnis bereits auf dem Postweg gewesen sei. Nun werden sie vermutlich zwei Exemplare erhalten - ich war in diesem Fall einfach schneller.
Alles in allem muss ich sagen, dass die Mitarbeiterin sehr nett war. Sie teilte mir mit, dass sie den Antrag noch am selben Tag vollständig bearbeiten wird. Zudem erklärte sie, dass ich im Falle eines positiven Gutachtens dieses lediglich einwerfen müsse. In der Regel erhalte man dann noch am selben Tag die Rückmeldung zur Abholung des Führerscheins (wenn im Gutachten alles passt) - hier sei man sehr zügig.
Am Nachmittag hatten wir dann erneut einen Termin beim Psychiater bzw. Oberarzt der Suchtklinik. Ich hatte ja bereits berichtet, dass sich dieser Termin eher unverhofft ergeben hatte und ich ihn trotzdem wahrgenommen habe – nach dem Motto: haben ist besser als brauchen.
In dem Gespräch wurde ich nochmals in meinem eingeschlagenen Weg bestätigt, was für mich sehr bestärkend war.
Für mich war das Gespräch auch im Hinblick auf die anfänglichen Bedenken sinnvoll, da wir als Paar beide alkoholabhängig waren. Der Oberarzt hat noch einmal klar betont, dass man uns als Paar ursprünglich keine große Chance gegeben hätte. Umso wichtiger war für mich zu hören, dass wir mit unserem eingeschlagenen Weg das Gegenteil zeigen konnten.
Da die Führerscheinstelle bei meinem Mann eine erweiterte Fragestellung hat – unter anderem auch im Hinblick auf Depressionen und Suizidgedanken – hat der Oberarzt vorgeschlagen, für ihn ein entsprechendes fachärztliches Schreiben für die Behörde zu erstellen.
Ein solches Schreiben kann er verständlicherweise nicht bereits nach zwei Terminen ausstellen. Da mein Mann jedoch noch ausreichend Zeit bis zur MPU hat, haben wir weitere Termine vereinbart, damit er sich ein klares und nachvollziehbares Bild machen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hört sich doch gut an - du bist auf dem richtigen Weg.

Bei dem
Zitat: "Etwa zwei Stunden nach meinem Termin rief mich die Führerscheinstelle noch einmal an und teilte mir mit, dass das Führungszeugnis bereits auf dem Postweg gewesen sei."
geht mir echt die Hutkrempe hoch. Digitalisierung zwischen Behörden....:smiley4625:
 
Danke Bernie…
Ja ich verstehe wie du es meinst, jedoch fand ich es sehr nett, dass die Sachbearbeiterin mich wohl eben angerufen hat. Ich kenne mich, ich hätte spätestens in einer Woche wieder nachgefragt, ob es angekommen ist…
:)
 
Hallo… ich wollte mich mal eben melden. Ich habe meine MPU Mappe aus der Kufe und Vorbereitung fertiggestellt. Habe ein Deckblatt gestaltet und mein Mindmap zusammengefasst:
  1. Jenga-Turm + Werkzeugkiste („Skills“)
    Der Turm steht für meine Stabilität. Früher habe ich vieles einfach ausgehalten und funktioniert, bis irgendwann einzelne Bereiche meines Lebens weggebrochen sind und alles ins Wanken geraten ist.
    Heute weiß ich, dass Stabilität aus vielen kleinen Bausteinen besteht:
    • Struktur,
    • Achtsamkeit,
    • Ruhephasen,
    • SHG,
    • ehrliche Gespräche,
    • Grenzen setzen,
    • Unterstützung annehmen,
    • regelmäßiges Essen und Schlaf.
Die Werkzeugkiste steht für die Fähigkeiten und Skills, die ich heute bewusst nutze, anstatt Probleme mit Alkohol zu verdrängen.

Früher dachte ich oft, ich müsste einfach nur stärker sein oder noch mehr funktionieren. Heute weiß ich, dass echte Stabilität nicht durch Härte entsteht, sondern durch Selbstfürsorge und rechtzeitiges Handeln.

2. „Spaghetti im Kopf“
Dieses Bild beschreibt meinen inneren Zustand vor Rückfällen sehr gut. Wenn mir alles zu viel wurde, hatte ich irgendwann nur noch „Spaghetti im Kopf“:
• Gedankenchaos,
• Überforderung,
• Druck,
• keine innere Ordnung mehr.
Früher habe ich diesen Zustand ignoriert oder mit Alkohol betäubt. Heute erkenne ich diese Warnzeichen viel früher. Ich weiß inzwischen, dass ich Ruhe, Struktur und Ausgleich brauche.

Ein Mittagsschlaf, Rückzug, Austausch in der SHG oder einfach bewusst Pause machen sind heute keine Schwäche mehr für mich, sondern Selbstfürsorge.

Ich habe gelernt, dass Überforderung bei mir nicht plötzlich entsteht, sondern sich langsam aufbaut. Genau deshalb achte ich heute viel bewusster auf meine Warnsignale.

3. Obelix im Zaubertrank
Dieses Bild ist für mich eine Metapher dafür, dass mein Verhältnis zu Alkohol nie wirklich „normal“ war.
Bei Obelix heißt es, dass er als Kind in den Zaubertrank gefallen ist und deshalb für immer „zu viel“ davon in sich trägt. Genau dieses Bild passt für mich rückblickend sehr gut zu meiner Entwicklung.

Ich hatte schon früh bestimmte Muster in mir:

• Druck aushalten,
• funktionieren,
• Gefühle wegschieben,
• Kontrolle behalten wollen,
• innere Unruhe überspielen.

Alkohol hat irgendwann genau dort angesetzt. Anfangs wirkte er wie Entlastung:
• abschalten,
• ruhiger werden,
• lockerer sein,
• Gedanken stoppen.
Aber bei mir blieb es eben nicht bei „normalem Konsum“. Wenn Alkohol einmal Teil meiner Problemlösung geworden war, entwickelte sich daraus zunehmend ein „Zuviel“.
Dieses Bild hilft mir heute zu verstehen, dass ich Alkohol nicht harmlos betrachten darf. Für andere mag Alkohol ein Genussmittel sein — für mich besteht die Gefahr, dass daraus wieder ein gefährlicher Mechanismus wird.

Deshalb ist Abstinenz für mich heute keine Strafe, sondern ein bewusster Schutz.

4. Der kleine Prinz und der Säufer
Dieses Bild hat mich sehr berührt, weil ich mich darin wiedererkenne.
Der Säufer trinkt, um zu vergessen, dass er trinkt. Genau dieser Kreislauf war irgendwann auch bei mir vorhanden:

• Druck,
• Überforderung,
• Betäubung,
• Scham,
• und wieder Alkohol.
Heute verstehe ich, dass Alkohol für mich keine Feierlaune mehr war, sondern eine Flucht vor Gefühlen und innerem Druck.

Dieses Bild steht deshalb für meine Selbstreflexion und dafür, dass ich heute ehrlich hinschaue, warum ich getrunken habe.
Es erinnert mich auch daran, wie wichtig Ehrlichkeit mit mir selbst ist. Solange ich Dinge verdränge oder beschönige, verliere ich mich selbst wieder aus dem Blick.

5. Faust von Goethe
Faust steht für meinen inneren
Konflikt.

Nach außen wirkte ich oft stark, intelligent, organisiert und funktionierend. Innerlich war ich aber häufig erschöpft, überfordert und auf der Suche nach Ruhe, Anerkennung und innerem Frieden.

Wie bei Faust ging es auch bei mir darum, ständig weiterzumachen, zu funktionieren und etwas zu suchen, das die innere Leere oder Unruhe kurzfristig beruhigt.
Ich erkenne heute, dass Wissen und Vernunft alleine nicht ausreichen, wenn man den Kontakt zu sich selbst verliert.

Mein wichtiger Lernschritt war deshalb, Gefühle ernst zu nehmen, Hilfe anzunehmen und nicht mehr alles alleine tragen zu wollen.

Früher wollte ich vieles kontrollieren oder alleine lösen. Heute weiß ich, dass echte Stärke auch bedeutet, Unterstützung anzunehmen und ehrlich zuzugeben, wenn etwas zu viel wird.

Faust hat Wissen, Leistung und Anerkennung — und fühlt sich trotzdem innerlich unzufrieden. Er sucht nach:

• Erleichterung,
• Sinn,
• Ruhe,
• Lebendigkeit,
• Entlastung.

Alkohol kann anfangs genau dieses Gefühl scheinbar geben.

6. Die Frau mit der MPU-Mappe und dem Hund
Dieses Bild zeigt mich heute. Nicht perfekt und nicht ohne Vergangenheit – aber ehrlich, reflektiert und deutlich achtsamer mit mir selbst.
Die MPU-Mappe steht für meinen Weg der Aufarbeitung. Ich habe mich nicht nur oberflächlich vorbereitet, sondern mich intensiv mit meinen Ursachen, Rückfällen, Denkweisen und Schutzfaktoren beschäftigt.

Dazu gehört für mich auch, mich mit meinen emotionalen Verletzungen und meiner Traumafolgestörung auseinanderzusetzen, anstatt sie weiter zu verdrängen.

Der Hund steht dabei auch für Ruhe, Alltag, Bewegung und Lebensqualität. Spaziergänge, Struktur und kleine feste Rituale helfen mir heute dabei, stabil zu bleiben.
Dieses Bild steht für meine heutige Haltung: Verantwortung übernehmen, aber mich dabei selbst nicht mehr verlieren.

7. Mein Ehemann, ich und der Hund auf dem gemeinsamen Weg
Dieses Bild steht für meinen heutigen Lebensweg.
Der Alkohol steht bewusst noch am Rand des Bildes. Nicht, weil er noch zu meinem Leben gehören soll, sondern damit ich ihn nicht vergesse. Für mich ist das ein Zeichen von Demut.

Ich möchte mir immer wieder vor Augen führen:
• wohin Alkohol mich gebracht hat,
• wie sehr ich mich selbst verloren hatte,
• und wie schnell alte Muster wieder gefährlich werden könnten.
Früher war Alkohol oft ein scheinbarer Ausweg aus Druck, Konflikten oder innerer Überforderung. Heute gehe ich einen anderen Weg.

Das Bild zeigt für mich:
• Ehrlichkeit,
• Verbindung,
• gegenseitige Unterstützung,
• aber auch Eigenverantwortung.

Besonders wichtig ist mir dabei der Gedanke:

„Unterstützen ohne zu tragen.“

Mein Ehemann und ich gehen unseren Weg gemeinsam, aber jeder übernimmt Verantwortung für sich selbst. Genau das gibt mir heute deutlich mehr Stabilität als früher.

Der Weg nach vorne bedeutet für mich deshalb nicht, die Vergangenheit zu verdrängen, sondern sie bewusst mitzunehmen, daraus zu lernen und achtsam zu bleiben.

Der innere Friede ist da, wenn ich mich selbst nicht mehr verlasse.
 

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Guten Morgen,
am Mittwoch war meine Aufforderung zur MPU von der Führerscheinstelle im Briefkasten (gegen Zustellungsurkunde), mit der Auswahl der Institute. Es geht voran. Nächsten Freitag ist meine letzte Haarprobe.
Mittwoch bei der Drob wurde mir gesagt, ich soll langsam machen, da meine Therapie erst Ende Mai 2025 beendet war. Theoretisch fehlt mir dadurch etwa eine Woche bezüglich der Haarprobe. Allerdings wurden die Termine vom Gesundheitsamt vergeben, darauf hatte ich keinen Einfluss.
Zusätzlich habe ich mir aktuelle Leberwerte und den CDT-Wert besorgt.
Tja, eigentlich denke ich, dass ich bestens vorbereitet bin, zumal ich meine Veränderung heute wirklich lebe und liebe – losgelöst von der MPU. Trotzdem mache ich mir natürlich einen Kopf, ob am Ende alles reicht.
 
Ich sehe dich da sehr gut aufgestellt und sehe in deiner positiven MPU faktisch kein Problem.
Gibt es noch Berichte, die du mitnehmen möchtest ?
( Ich habe leider jetzt nicht den ganzen Thread im Kopf )

Wenn du möchtest, könntest du ja auch noch den finalen FB einstellen.
Vielleicht gibt es noch neue Erkenntnisse, Erlebnisse usw. einzubringen….

LG :smiley138:
 
Hallo Karl-Heinz,
ja meinen FB werde ich auf jeden Fall noch einmal überarbeitet einstellen.
Zu den Berichten habe ich folgende Unterlagen:
  • Blutwerte aus der Entgiftung. Den kompletten Entgiftungsbericht möchte ich allerdings nicht mitgeben.
  • TÜV-Erstgespräch Avanti mit Einschätzung zum weiteren Vorgehen
  • Bescheinigung Teilnahme SIA
  • Bescheinigung DBT-Therapie über 13 Wochen (Therapiebericht, hier schon veröffentlicht)
  • Bescheinigung über 6 Termine DBT ambulante Nachsorge
  • Bescheinigung Kufe MPU-Vorbereitung (6 Gruppentermine plus Einzelgespräche)
  • Bescheinigung Wochenendseminar „Resilienz und Selbstfürsorge“
  • Bescheinigung SHG mit Bericht
  • Bericht / Bescheinigung der Drob von Oktober 2024 bis Mai 2026 (keine Therapie, sondern suchtberaterische Begleitung)
  • Weitere Termine SIA zusammen mit meinem Ehemann
  • Blutwerte von Dezember 2024 bis Mai 2026 als Nachweis dafür, dass ich mich aktiv um meine Gesundheit gekümmert habe und Unterstützung meiner Angabe seit 10.09.24 abstinent
  • 4 x Haarproben Zeitraum August 2025 - Mai 2026 (1 Jahr)

LG :smiley138:
 
Sehr gut, würdest du den Bericht der Drob und den der SHG zur Verfügung stellen ?
Dann könnten wir gucken, ob sich bei diesen evtl. „Stolperfallen“ für den GA befänden ?
LG :smiley138:
 
Ja natürlich werde ich die Berichte zu Verfügung stellen. Bei der Drob habe ich am 29.05. hierzu den Termin. Ich hoffe, dass ich den Bericht dann nach der Besprechung auch direkt mitbekomme.
Ich denke den Bericht der SHG kann ich schon früher anbieten.
Lg
 
Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(Wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)


Hier beschreibe ich nur den Tattag ohne Vorgeschichte, diese beginnt bereits freitags. An dem Wochenende war sehr viel los, viele negative Ereignisse. Ich habe bereits am Freitag begonnen zu trinken. Ich konzentriere mich hier aber auf den Tattag:
Es war Montag der 09.09.24
Ich bin um ca. 4 morgens durch eine Nachricht meiner Mutter geweckt worden. Der Inhalt war vorwurfsvoll und hat in mir sofort starke Emotionen ausgelöst. – Angst, versagt zu haben, und das Gefühl es nicht auszuhalten, es wieder nicht zu schaffen (Vorgeschichte Urlaub, Streit wegen Nachbarn, Mann paar Tage weg, er anschließend in Entgiftung). Anstatt mit diesen Gefühlen umzugehen, habe ich direkt eine Glas Rotwein (0,25, 11 %) auf Ex getrunken.

Ich meldete mich anschließend von der Arbeit ab, da ich noch stark alkoholisiert war, und trank weiter. Zwischendurch legte ich mich schlafen. Parallel kam es per Telefon zu einem Streit mit meinem Mann.

Als ein Anruf von mir von ihm weggedrückt wurde, eskalierten meine Emotionen vollständig. Ich fühlte mich überfordert, hilflos und innerlich leer. In diesem Zustand traf ich die Entscheidung, weiteren Alkohol zu besorgen.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich keine Erinnerung mehr an den genauen Ablauf. Erst als ich von der Polizei angehalten wurde (ich war schon wieder zuhause angekommen und hatte mir den Hund geschnappt, um die Gassirunde zu erledigen), war ich durch das Adrenalin wieder hellwach.

Die Polizei ist von Zeugen angerufen worden, dass ich gefahren bin. Ich war allein zuhause und habe allein getrunken.

Uhrzeit war 15:21 Uhr von der Polizei angetroffen, Blutprobe um 16:47 mit 2,83 Promille.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)

Ich habe bereits am Wochenende zuvor, beginnend am Freitag, Alkohol getrunken. Dabei habe ich jeweils bis zur Volltrunkenheit getrunken und anschließend geschlafen.

Am Montag hatte ich noch deutlich Restalkohol im Körper. Direkt nach dem Aufwachen – nach einem Anruf meiner Mutter – habe ich morgens ein Glas Rotwein (0,25 l, 11 %) auf Ex getrunken. Im weiteren Verlauf habe ich immer wieder Gläser auf Ex geleert und mich zwischendurch schlafen gelegt.

Insgesamt habe ich an diesem Tag, ausgehend von meiner Erfahrung und nachträglichen Berechnungen, vermutlich etwa zwei Flaschen Rotwein konsumiert. Eine genaue Angabe kann ich nicht machen bzw. Nur durch ähnliche Ereignisse und Berechnung machen, sodass ich am Montagmorgen noch deutlich über 1 Promille Restalkohol hatte.

Ich habe mich intensiv mit den Berechnungen beschäftigt. Mir ist klar, dass dieser Wert durch ein Zusammenspiel aus Restalkohol und weiterer Aufnahme entstanden ist.

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?

Ich erinnere mich leider nicht mehr an die Fahrt selbst. Ich habe am Anfang alles verdrängt. Ich weiß noch, dass ich mich angezogen habe, fertig gemacht habe und dass ich nach der Fahrt meinen Hund für die Gassirunde geschnappt habe.

Aber durch meine Aufarbeitung, Gesprächen mit den Nachbarn, die mich angezeigt haben (ich habe mit den Nachbarn im Juli 2025 ein klärendes Gespräch geführt, meine Entschuldigung wurde lobend angenommen) und meiner Akteneinsicht bei dem Straßenverkehrsamt, weiß ich, dass ich ca. 5 Min. von zu Hause weg war. Auf Grund der Straßenangabe im Bericht in welche Richtung ich gefahren bin, weiß ich, dass ich zur nächsten Tankstelle fahren wollte, mein Vorhaben aber dann abgebrochen haben muss (wegen der Zeitangabe).

Die Tankstelle ist ca. 1,2 km entfernt. Ich weiß, dass ich sehr verzweifelt war. Auch zeigt mir dieser Blackout, dass ich jede Kontrolle durch den massiven Alkoholkonsum verloren habe.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)


Ja
Rückblickend ist mir klar, dass ich in dem Moment innere Warnsignale wahrgenommen habe, sie aber ignoriert habe. Ich habe mir eingeredet, dass es noch geht, obwohl das keine realistische Einschätzung war.

Ich habe mich zusammengerissen, hatte als Alkoholikerin einen für mich antrainierten Pegel (Giftfestigkeit), wo dieses erschreckenderweise möglich war.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?

Nein, ich habe die Trunkenheitsfahrt in dieser Situation nicht aktiv verhindern wollen.

Rückblickend ist mir wichtig zu sagen, dass ich grundsätzlich wusste, dass ich in solchen Situationen nicht fahren darf und mir auch Strategien aufgebaut hatte, zum Beispiel ein Getränketaxi zu nutzen.

In dieser konkreten Situation habe ich jedoch durch den starken emotionalen Druck und meinen Alkoholkonsum meine Vernunft vollständig ausgeblendet. Die Angst, meine Gefühle allein aushalten zu müssen und meine negativen Gedanken, waren stärker als mein Verantwortungsbewusstsein. Ich habe alle Warnsignale ignoriert.

Das zeigt mir heute klar und erschreckend, wie stark mein automatisiertes Suchtverhalten in solchen Momenten war. Ich war völlig in der Suchtspirale gefangen.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Ja 2006 hatte ich eine TF mit 2,67 Promille.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen, ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?

Da ich über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder Alkohol konsumiert habe und häufig unter Restalkohol stand, habe ich mehrfach alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen.

Bei einer rückblickenden Einschätzung komme ich dabei auf eine erschreckend hohe Anzahl von Vorfällen, die sich vermutlich im vierstelligen Bereich bewegt.

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)


Mit 15 Jahren, als ich meinen damaligen Freund kennengelernt habe, wurde mir zuvor gesagt, dass ich – falls ich gefragt werde, was ich trinken möchte – etwas mit Alkohol bestellen soll, da es sonst „komisch wirken“ würde.

Diese Aussage ist mir im Kopf geblieben und hat mich geprägt. Es entstand für mich der Eindruck, dass man Alkohol trinken muss, um dazuzugehören. Alkohol wurde für mich zu einer Art Schlüssel für Anerkennung.
 
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Entwicklung / Verlauf / Geschichte

Ich habe meine Entwicklung mit den für mich wichtigsten Stationen zusätzlich in einem Diagramm mit kurzen Beschreibungen dargestellt.

Die grünen Felder stehen dabei für positive und stabilisierende Bereiche. Sie sorgen für den notwendigen Ausgleich sowie für mehr innere Stabilität und Zufriedenheit.

Orangefarbene Felder betrachte ich bewusst mit erhöhter Aufmerksamkeit, da sie Belastungen oder mögliche Warnsignale darstellen können. Rote Felder kennzeichnen für mich hingegen Extrem- beziehungsweise Krisensituationen.

Das Diagramm befindet sich im Anhang.

Ja, ich habe regelmäßig Alkohol konsumiert. Diese Regelmäßigkeit entwickelte sich bereits in jungen Jahren, da ich fast jedes Wochenende ausging und dabei Alkohol trank.

Im Alter von 15 bis 20 Jahren beschränkte sich mein Konsum überwiegend auf die Wochenenden. Freitagabends trank ich mit der Mutter meines damaligen Freundes süßen Wein (7 %), etwa 2 Gläser à 0,25 l. Einmal im Monat ging ich zusätzlich mit meiner Clique in eine Kneipe. Dort konsumierte ich 2–3 Bier (5 %) à 0,33 l sowie etwa 4 Kurze (Likör 16 % à 0,02 l). In der Familie von meinem Exfreund war es normal Alkohol zu trinken, es gehörte einfach dazu. Ich genoss zu der Zeit das Gefühl von erwachsen sein und dazuzugehören.

Samstags trafen wir uns ebenfalls mit der Clique. Zunächst tranken wir beim „Vorglühen“ etwa 2 Flaschen Bier (5 %) à 0,33 l sowie 2-3 Kurze (Saure Kirsche, 16 %, à 0,02 l), anschließend gingen wir in ein Tanzlokal, wo ich etwa 4 Gläser Bier (5 %) à 0,2 l trank. In dieser Zeit probierte ich auch andere Getränke wie Fanta-Korn oder Cola-Cognac, stellte jedoch fest, dass ich diese nicht vertrug oder mochte, sodass ich sie für mich ausschloss.

Sonntags trank ich nach Fußballspielen meines damaligen Freundes oder gemeinsam mit ihm und seiner Familie etwa 2–3 Flaschen Bier (5 %) à 0,33 l. Dieses Muster hielt über einen längeren Zeitraum an.

Mit Beginn meiner Ausbildung ging ich gelegentlich auch unter der Woche mit einer Arbeitskollegin aus, wobei ebenfalls Alkohol konsumiert wurde. Dabei trank ich bevorzugt Bier (5 %). Ich erinnere mich an einen Vorfall, bei dem ich deutlich zu viel getrunken hatte und am nächsten Tag bei der Arbeit unter einem starken Kater litt.

Nach Abschluss meiner Ausbildung konnte ich aus betrieblichen Gründen nicht übernommen werden, was mich emotional stark belastete und meine negativen Grundannahmen verstärkte. Während einer Phase der Arbeitslosigkeit begann ich, mich an der Bierkiste meines Vaters zu bedienen und auch unter der Woche heimlich in meinem Zimmer Bier (5 %) à 0,33 l zu trinken. Später kaufte ich mir selbst Bier, meist Dosenbier (0,33 l im 6er-Pack). Anfangs reichte dieser Vorrat für 2–3 Tage, im Laufe der Zeit konsumierte ich jedoch auch ein komplettes Paket an einem Tag.

Während der Woche gelang es mir zunächst noch, meinen beruflichen Verpflichtungen nachzukommen, allerdings hatte ich nur einen befristeten Arbeitsvertrag über zwei Jahre in einem unbeliebten Job, der anschließend auslief. Unter dem Druck der erneuten Arbeitslosigkeit und einem begonnenen Fernstudium, begann ich zunehmend auch tagsüber Alkohol zu trinken.

Gleichzeitig versuchte ich, bei der Rückkehr meines damaligen Partners von der Arbeit nicht betrunken zu wirken. Es kam häufig zu Streit, begleitet von starken Erniedrigungen, sowohl wegen meines Alkoholkonsums als auch aufgrund meiner Arbeitslosigkeit. Nach der für mich sehr belastenden Trennung von meinem Exfreund verschärfte sich mein Konsum weiter. Ich trank täglich, nahm zwar kurzfristig eine Arbeit auf, zeigte jedoch insbesondere am Wochenende ein eskalierendes Trinkverhalten.

Bis zu meiner ersten Trunkenheitsfahrt im Jahr 2006, die an einem Samstag nach einem heftigen Streit mit meinen Eltern stattfand, steigerte sich mein Konsum weiter. Nach dem Entzug der Fahrerlaubnis sah ich zunächst keinen Anlass, mein Verhalten zu ändern. Ich meldete mich auf Druck meiner Eltern zwar in Holland für ein Studium an, doch konnte ich diesem nicht gerecht werden. Mein Trinkpensum blieb anschließend über etwa zwei Jahre hinweg weitgehend konstant hoch, bis zu meiner Entgiftung im Jahr 2008 und der darauffolgenden Langzeittherapie.

Während dieser Therapie lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen. In der darauffolgenden Zeit lebte ich abstinent beziehungsweise in einer von mir so bezeichneten „Trinkpause“ (da ich alkoholfreies Bier (5 %) und alkoholfreien Sekt konsumierte, was ich rückblickend nicht als vollständige Abstinenz, in Bezug auf Nicht-Trinken, werte).

Ich war hier zwar diszipliniert und konnte mich anpassen, aber befand mich in einer Art Trockenrausch. Ich hatte keine Bewältigungsstrategien. Hatte nicht verinnerlicht, dass nur nicht trinken, nicht reicht.

Ich hatte schon lange meine Achtsamkeit verloren.

Etwa ab dem Jahr 2020 begann ich zunächst gelegentlich wieder in Gesellschaft Alkohol zu trinken. Wir genossen die neue Anerkennung, wurden eingeladen und fühlten uns angekommen und zugehörig.

Ich erinnere mich an eine Phase von falscher Euphorie („Ich habe es geschafft und kann es wieder kontrollieren“). Der Wiedereinstieg begann mit kleinen Mengen, beispielsweise einem Shot (0,02 l), den ich mir über einen ganzen Abend einteilte. Oder im Urlaub mit alkoholischen Toppings auf dem Eis (z.B. Vanilleeis mit Eierlikör).

Im weiteren Verlauf trank ich an Wochenenden freitags und samstags jeweils ein Glas Weißwein (0,25 l) im Beisein meines Mannes. Mit zunehmenden Einladungen bei Bekannten und von mir bis ins kleinste Detail ausgerichteten Festen bei uns zu Hause steigerte sich der Konsum wieder. Ab etwa 2022 begann ich zusätzlich, heimlich zu trinken, indem ich den sichtbaren Konsum im Wohnzimmer durch weiteren Konsum allein (heimlich) ergänzte. Ich hatte das Gefühl leistungsfähiger zu sein. In Wirklichkeit brauchte ich diese Betäubung schon, um den in mir wachsenden Druck zu mildern. Zunächst handelte es sich um kleine Dosen Secco (0,2 l à 5 %), später auch um kleine Flaschen Weiß- und Rotwein (0,2 l à 10–11 %). Zunehmend erreichte ich Mengen von bis zu 1,5 Liter Wein.

Im weiteren Verlauf konsumierte ich auch an Urlaubstagen unter der Woche Alkohol, bis zu einer Flasche Wein (0,75 l) pro Tag. Am Wochenende waren es auch bis zu 2 Flaschen täglich. Die Trinktage nahmen insgesamt zu, und ich hatte zunehmend Schwierigkeiten, montags zur Arbeit zu erscheinen.

Im Sommer 2022 kam es zu einer ersten starken Eskalation mit viel Streit mit meinem Mann, bei der ich mehr als eine Flaschen Wein (0,75 l) konsumierte. Er verließ das Haus und ich erfuhr einen Tag später durch einen Anruf, dass er ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Danach folgten wiederholt Phasen der Abstinenz, gefolgt von erneuten heimlichen Trinkphasen, in denen ich unter anderem Tütenwein (1 l à 10 %) konsumierte. Dieser war einfacher zu entsorgen.

In sozialen Situationen passte ich mein Trinkverhalten häufig an, beispielsweise bei Treffen mit befreundeten Paaren, bei denen ich „nur“ 2–3 Gläser Wein (insgesamt etwa eine Flasche à 0,75 l zu zweit) sowie etwa 2–3 Shots à 15 % konsumierte. Gleichzeitig kam es jedoch häufig zu zusätzlichem Konsum, entweder durch Vorwände (z. B. nach Hause gehen, um nach dem Hund zu sehen) oder durch Nachtrinken im Anschluss.

Ich möchte erwähnen, dass die Gesellschaft nicht aus Vieltrinkern bestand, sondern ganz normale Kontakte waren.

In den Jahren 2023 bis 2024 wechselten sich mehrmonatige abstinente Phasen mit erneuten Konsumsteigerungen bis hin zum Kontrollverlust ab. An Arbeitstagen trank ich nicht tagsüber, jedoch abends regelmäßig eine Flasche Wein (0,75 l) oder ein Tetrapack Wein (1 l). In dieser Zeit konsumierte ich über längere Phasen täglich Alkohol.

Die Wochenenden stellten eine besondere Herausforderung dar. Häufig begann ich bereits freitags am Mittag mit dem Trinken und versuchte, bis zum Abend nicht betrunken zu wirken. Je nach Planung begann ich samstags teilweise bereits vormittags mit dem Konsum, ebenso sonntags. Typischerweise kaufte ich freitags nach der Arbeit etwa 3 Tetrapacks Wein à 1 l oder 4 Flaschen Wein à 0,75 l.

An Eskalationstagen trank ich über den gesamten Tag verteilt, wechselnd zwischen Konsum und Schlafphasen. Dabei konsumierte ich, je nach Verfassung, etwa 2 Flaschen Wein à 0,75 l.

Zusätzlich gab es Zeiten mit regelmäßigem Konsum von Tütenwein (1 l à 10 %). Während dieser Eskalationsphasen war ich häufig allein zu Hause und musste mein Trinkverhalten nicht kontrollieren. Ich konsumierte so viel Alkohol, wie ich konnte. Über einen gesamten Tag verteilt waren dies häufig bis zu 2 Flaschen Wein oder Sekt (0,75 l) à 11 %. Diese Eskalationsphasen liefen immer nach dem gleichen Muster ab. Trinken bis nichts mehr geht und dann versuchen zu schlafen.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?

Siehe Anhang
 

Anhänge

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

Überwiegend habe ich zuhause getrunken. Heimlich. In Gesellschaft nur kontrolliert, bloß nicht auffallen. Ich muss dazu sagen, es gab auch nur wenige Anlässe (in den Jahren 2020 bis 2024) wo ich in Gesellschaft getrunken habe zum Schluss bzw. überhaupt noch ausgegangen bin. Warum? Konsum hat nicht mehr zu normalen sozialen Situationen gepasst, lieber lebte ich in meiner Scheinwelt, um ungestört zu trinken.

12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)

Äußere:
Geselligkeit
-Treffen, „dazugehören“, nicht anders sein
-Stressphasen, Belohnungen
-Alkohol ist überall leicht zugänglich, Verfügbarkeit

Innere:
Stressabbau / Entspannung
→ „Runterkommen“, abschalten, Ruhe finden, alles noch irgendwie schaffen
Gefühlsregulation / Emotionsregulation
→ Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Wut über mich selbst dämpfen, Depression bekämpfen
Belohnung
→ „Das habe ich mir verdient“
Selbstwert / Unsicherheit
→ mutiger, lockerer, selbstsicherer fühlen, alles „richtig“ machen, keine Schwäche zeigen
Gedanken stoppen
→ Grübeln, innere Unruhe, innere Leere
Schlafhilfe
→ Einschlafen und weiterschlafen

>>> Als Selbstmedikation gegen mein innerstes Leiden


13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?

(bei wenig und bei viel Alkohol)

Für die User, die als Trinkmotiv eine Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins erkannt haben (und dies bei der MPU auch so anführen), ergibt sich eine weitere Frage:

13a. Warum hat Ihnen das Erreichen des eigentlich gewünschten Effektes bei wenig Alkohol dann nicht genügt, wieso kam es zu weiterem Alkoholkonsum?
(Zum Hintergrund der Frage kann hier nachgelesen werden: KLICK)


Hier möchte ich noch einmal auf meine Tabelle zurückkommen. Ich habe meine Lebensabschnitte mit den jeweils dazugehörigen Trinkmotiven ausgestattet, hieran lässt sich die Entwicklung der Toleranz deutlich erkennen. Tief in der Abhängigkeitsspirale gab es bei mir keine Beschränkung in der Trinkmenge.



Neugierde & Dazugehören > Meine erste im Gedächtnis gebliebene Erfahrung, Alkohol als Schlüssel zur Anerkennung

Spaß, Gruppendazugehörigkeit, Lockerheit
>Alkohol als sozialer Verstärker > Erste richtige Clique & Freundeskreis

Stressabbau & Leistungsdruck kompensieren
>Alkohol als Spannungsregulation > Von mir erwarteter Leistungsdruck musste bewältigt werden, ich hatte den Eindruck Erwartungen besser Stand halten zu können

Frust, Selbstwertregulation, Leere füllen
>Alkohol als emotionale Entlastung > Alte Emotionen, Versagensangst, Streit und Gewalt im Elternhaus, Einsatz von Alkohol als Selbstmedikation

Schmerz betäuben & Scham regulieren
>Alkohol als Trost und Selbstwertregulation > Trennungsschmerz, Verlustangst und Scham versagt zu haben

Verdrängen & innere Unsicherheit überdecken
>Alkohol als Flucht vor Gefühlen, keine Bewältigungsstrategien vorhanden

Trauerbetäubung & emotionale Überforderung
>Alkohol als emotionale Betäubung > Ende unerfüllte Kinderwunschbehandlung, Todesfälle, Streit in der Ehe

Vermeidung von Entzugssymptomen
Scham verbergen
Kontrolle vortäuschen
Suchtdruck stillen
Angst regulieren
>Alkohol als Bestandteil der Abhängigkeit („Der kleine Prinz“), Selbstmitleidsspirale

Selbstaufgabe Gedanken wie „Ich kann nicht mehr, sollen doch alle sehen, was ist, wenn ich nicht mehr da bin“
Hier SVV aus Therapiebericht
Wenn ich heute von selbstverletzendem Verhalten spreche, meine ich nicht, dass ich bewusst sterben wollte.
Aber ich habe meinen Körper und mich selbst nicht mehr geschützt.
Alkohol hatte für mich die Funktion, unangenehme Gefühle wie Überforderung, Konflikte, Grübeln oder Einsamkeit kurzfristig auszublenden.
Gleichzeitig war darin auch eine Form von Selbstabwertung enthalten – im Sinne von: „Ich halte das sowieso nicht aus“ oder „Ich kriege das nicht besser hin“.
In diesen Momenten habe ich mich nicht mehr gut behandelt, sondern mir bewusst geschadet, um Ruhe im Kopf zu bekommen. Spaghetti im Kopf. Alarm
Heute verstehe ich das als selbstverletzendes Verhalten, weil ich meine eigenen Grenzen ignoriert und meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt habe.
>Alkohol übernimmt Steuerung > Trunkenheitsfahrt

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Ja, die gab es mehrfach und aus verschiedenen Richtungen.
Mein Mann, meine Eltern und auch mein Bruder haben mich auf meinen Alkoholkonsum angesprochen. Besonders mein Mann hat sehr deutlich reagiert, weil er in seiner Familie bereits negative Erfahrungen mit Alkohol gemacht hat und große Angst hatte, mich ebenfalls daran zu verlieren.
Diese Hinweise führten häufig zu Streit, und es kam leider auch zu eskalierenden Situationen. Rückblickend sehe ich, wie belastend mein Verhalten für mein Umfeld war.
Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch nicht in der Lage, die Kritik anzunehmen. Ich habe meinen Konsum heruntergespielt, abgestritten und mir immer wieder neue Ausreden einfallen lassen. Ich wollte die Realität nicht sehen und habe versucht, die Situation zu kontrollieren, indem ich sie verharmlost habe.
Trotz der klaren Hinweise konnte ich nicht aufhören. Ich war bereits tief in der Sucht gefangen. Es gab sogar Situationen, in denen ich meinen Mann darum gebeten habe, mir Alkohol zu besorgen, weil ich es selbst nicht mehr ausgehalten habe.
Auch im beruflichen Bereich zeigten sich Auswirkungen. Ich habe mich insbesondere montags häufiger krankgemeldet. Zwar wurde ich nicht direkt darauf angesprochen, aber mir ist heute bewusst, dass mein Verhalten sicherlich bemerkt wurde und Anlass zu Gesprächen gegeben hat.
Heute kann ich klar erkennen, dass diese Hinweise berechtigt waren und eigentlich Warnsignale, die ich damals nicht annehmen konnte. Der entscheidende Unterschied zu früher ist, dass ich heute Verantwortung übernehme, mein Verhalten nicht mehr verharmlose und frühzeitig Hilfe annehme, bevor Situationen eskalieren.


15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?

Mein Alkoholkonsum hatte weitreichende negative Auswirkungen – sowohl auf mein persönliches Leben als auch auf mein Umfeld.
Am Anfang begann es ganz schleichend, habe durch meinen Alkoholkonsum war ich besonders großzügig im Denken für andere, einfach, um zum einen Anerkennung zu erreichen, aber auch, um von deiner eigenen Problematik abzulenken. Da habe ich oft Sachen gemacht, die eher gegen mich standen, ich habe es aber getan, um zu gefallen und dass niemand sich mit meiner Problematik auseinandersetzt (Beispiel mit Ehemann: Anschaffungen zugestimmt, wo ich eigentlich finanziell Bauch schmerzen hatte, er war “zufrieden” und ich hatte meine Ruhe).
Im privaten Bereich kam es zunehmend zu Konflikten, insbesondere mit meinem Mann und meiner Familie. Es entwickelte sich eine Dynamik aus Streit, Misstrauen und teilweise auch eskalierenden Situationen, die ich heute sehr bereue. Co-Abhängigkeit + Überforderung in dem ich zu viele Aufgaben übernahm.
Ich habe Menschen, die mir wichtig sind, durch mein Verhalten belastet und verletzt (psychisch). Gleichzeitig habe ich selbst Verletzungen erfahren – sowohl psychisch als auch körperlich. Heute ist mein Standpunkt eindeutig: Gewalt ist in keinem Fall richtig oder zu rechtfertigen – unabhängig davon, wie ich mich verhalten habe oder wie viel Alkohol im Spiel war.
Wenn ich nüchtern auf mein damaliges, betrunkenes Ich zurückblicke, sehe ich mich als sehr anstrengend, grenzüberschreitend und nach Alkohol bettelnd. Verlangte Co-Abhängigkeit. Dafür übernehme ich die Verantwortung. Ich habe gesoffen.
Gleichzeitig ist dieses Verhalten kein Grund und keine Rechtfertigung für Gewalt. Diese Grenze ziehe ich heute klar.
Rückblickend erkenne ich, dass diese gegenseitigen Verletzungen Teil eines ungesunden Umgangs miteinander waren, der durch meinen Alkoholkonsum zusätzlich verstärkt wurde.
Ein besonders schwerer Punkt für mich ist, dass ich meinen Mann in Situationen gebracht habe, in denen er sich Sorgen um mich machen musste und sogar versucht hat, mich zu schützen. Gleichzeitig habe ich ihn durch mein Verhalten emotional stark beansprucht.
Auch mein soziales Umfeld hat sich verändert. Ich habe mich teilweise zurückgezogen, Kontakte wurden weniger und mein Leben hat sich zunehmend um den Alkohol gedreht.
Im beruflichen Bereich zeigten sich ebenfalls Auswirkungen. Ich habe mich insbesondere montags häufiger krankgemeldet. Auch wenn ich nicht direkt darauf angesprochen wurde, ist mir heute bewusst, dass mein Verhalten aufgefallen ist und mein berufliches Ansehen darunter gelitten haben dürfte.
Die schwerwiegendste Folge war die Trunkenheitsfahrt.
Sie hat mir klar vor Augen geführt, dass ich nicht nur mich selbst, sondern auch andere Menschen gefährdet habe.
Rückblickend erkenne ich, dass mein gesamtes Leben zunehmend von der Sucht bestimmt war.
Ich habe Verantwortung abgegeben, Probleme vermieden und mich immer weiter von einem stabilen, gesunden Leben entfernt.
Heute ist mir bewusst, welche Auswirkungen mein Verhalten hatte – und genau dieses Bewusstsein ist für mich die Grundlage dafür, dass ich heute anders lebe und Verantwortung übernehme.


16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Heute lebe ich vollkommen abstinent.
Ja, diese Zeiten gab es – insbesondere in den Jahren 2023 und 2024.
In dieser Phase war mein Mann aufgrund seiner Herzerkrankung mehrfach im Krankenhaus, unter anderem auch wegen eines weiteren Herzinfarkts. Für mich waren das sehr belastende Situationen, vor allem die Ungewissheit und die Wartezeiten, bis ich Informationen über seinen Zustand bekommen habe.
Ich habe damals nicht gewusst, wie ich mit diesen starken Gefühlen wie Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust umgehen soll. Statt mir Unterstützung zu holen oder offen darüber zu sprechen, habe ich versucht, diese Gefühle mit Alkohol zu regulieren.
Typisch für mich waren in dieser Zeit sogenannte „Abstürze“, also Phasen mit deutlich erhöhtem Konsum. Diese traten häufig in akuten Belastungssituationen auf, aber auch im Nachgang, wenn mein Konsum aufgefallen ist und es zu Konflikten kam. Dadurch entstand ein Kreislauf aus Belastung, Konsum und weiteren Problemen.
Rückblickend erkenne ich, dass nicht nur die äußeren Umstände entscheidend waren, sondern vor allem mein Umgang damit. Ich habe versucht, alles allein auszuhalten und keine Hilfe anzunehmen.
Heute mache ich es bewusst anders.
Ich gehe offen mit Belastungen um, spreche darüber und hole mir Unterstützung, bevor sich Druck aufbaut. Dadurch entsteht gar nicht mehr die Situation, in der Alkohol für mich eine Rolle spielen könnte.
Zur Verdeutlichung meines damaligen Konsumverlaufs habe ich ein Diagramm erstellt, in dem ich diese Phasen zeitlich genau nachvollziehen kann. Das hilft mir, meine Entwicklung und die Zusammenhänge besser zu verstehen.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Ja, das ist vorgekommen.
Insbesondere in den von mir beschriebenen Hochphasen in den Jahren 2023 und 2024 habe ich wiederholt die Kontrolle über meine Trinkmenge verloren. In diesen Situationen habe ich nicht mehr bewusst entschieden, wie viel ich trinke, sondern habe weitergetrunken, bis ich deutlich alkoholisiert war.
Auch am Wochenende vor der Trunkenheitsfahrt kam es zu einem solchen Kontrollverlust.
Rückblickend erkenne ich, dass ich in diesen Momenten nicht mehr in der Lage war, mein Verhalten zu steuern. Sobald ich angefangen habe zu trinken, konnte ich nicht zuverlässig aufhören. Das ist für mich ein klares Zeichen meiner Abhängigkeit.
Der Auslöser war häufig eine starke emotionale Belastung, wie Angst, Überforderung oder innere Unruhe. Alkohol wurde von mir als kurzfristige Entlastung genutzt, was jedoch dazu geführt hat, dass ich die Kontrolle vollständig abgegeben habe.


18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Warum kein Bestand?
Ja, ich war nach meiner ersten Therapie viele Jahre abstinent, etwa bis 2020.
Heute weiß ich jedoch, dass diese Abstinenz nicht durchgehend stabil war. Durch den Konsum von alkoholfreiem Bier und ähnlichen Produkten war es rückblickend eher eine Art Trinkpause, ein Trockenrausch, als eine wirklich gefestigte Abstinenz.
In den Jahren 2023 und 2024 hatte ich zudem mehrere Trinkpausen. Diese entstanden häufig nach Auseinandersetzungen mit meiner Familie oder meinem Partner. Ich habe mir dann vorgenommen, nicht mehr zu trinken, und war für eine gewisse Zeit auch diszipliniert.
Mit dieser Einstellung habe ich es jedoch nur für einige Monate geschafft.
Ich habe erkannt, dass „nicht trinken wollen“ allein nicht ausreicht.
Ein entscheidender Fehler nach meiner ersten Therapie war, dass ich mir auch in Bezug auf Alkohol keine klaren Grenzen gesetzt habe.
Ich hatte weiterhin Alkohol im Haus, auch für Besuch. Ich habe zunächst Malzbier, alkoholfreies Bier und alkoholfreien Sekt konsumiert und nicht darauf geachtet, ob in Speisen Alkohol enthalten ist. Später habe ich sogar Nachspeisen und Eisbecher mit Alkohol konsumiert.
Irgendwann musste ich mir die Frage stellen: Was habe ich damals übersehen?
Heute weiß ich, dass mein Trinkverhalten nicht nur durch äußere Umstände entstanden ist, sondern durch eine Kombination aus negativen Grundannahmen, Überforderung und einer starken Suche nach Anerkennung und Liebe und verlorener Achtsamkeit.
Ich habe früh gelernt, Dinge allein auszuhalten. Ich wurde als früh selbstständig beschrieben und habe Konflikte meiner Eltern häufig auf mich bezogen.
Mein inneres System hat sich so entwickelt, dass ich dachte: Ich bin allein. Es ist gefährlich. Ich muss irgendwie durchhalten.
Diese Gefühle wurden durch belastende Erfahrungen in meiner Kindheit verstärkt. Ich wollte meinen Eltern gefallen, habe versucht, Erwartungen zu erfüllen, hatte aber gleichzeitig das Gefühl, nicht zu genügen. Daraus sind sehr negative Gedanken über mich selbst entstanden.
Heute habe ich diese Zusammenhänge verstanden.
Der entscheidende Unterschied zu früher ist, dass ich nicht mehr versuche, alles allein auszuhalten.
Ich gehe offen mit meinen Gefühlen um, hole mir Unterstützung und erkenne meine Belastungsgrenzen frühzeitig.
Ich weiß heute, dass ich keine Kontrolle über Alkohol habe und es für mich keine sichere Trinkmenge gibt.
Deshalb lebe ich konsequent abstinent – nicht aus Disziplin, sondern aus Überzeugung und dem Verständnis meiner eigenen Suchtstruktur.
 
19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein? (mit Begründung)

Heute weiß ich klar, dass ich alkoholabhängig bin.
Dieses Wissen hatte ich im Grunde auch schon nach meiner ersten Therapie, ich wollte es jedoch nicht wahrhaben und habe es verdrängt und verschwiegen.

Rückblickend erkenne ich, dass mein Alkoholkonsum nicht aus Genuss entstand, sondern aus einem tief verankerten Gefühl von Versagen, Nicht-Dazugehören, Minderwertig zu sein. Mei ganzes Leben war geprägt von dem inneren Antreiber, alles richtig machen zu müssen, um Anerkennung und Zugehörigkeit zu bekommen.

Wenn ich dieses Ziel nicht erreichte – im Beruf, in Beziehungen oder in meinem Selbstbild – entstand ein massiver innerer Druck, die totale Überforderung.

Alkohol wurde für mich zum Mittel, um diese Gefühle kurzfristig zu betäuben und in eine Scheinwelt zu fliehen. Nach außen funktionierte ich weiter, innerlich entfernte ich mich jedoch immer mehr von mir selbst. Ich konnte mich selber nicht mehr ausstehen.

Nachdem die Betäubung nachließ, verstärkte Alkohol genau das, wovor ich fliehen wollte: Unzufriedenheit, Scham, Selbstabwertung und Beziehungsprobleme. Der Konsum wurde häufiger und selbstverständlicher, meine Selbstkontrolle nahm ab.

Diese Dynamik spielte auch bei meinem Rückfall eine entscheidende Rolle. Der Unterschied zu heute ist, dass mir diese Zusammenhänge damals nicht bewusst waren. Ich habe Symptome bekämpft (Therapie 2008), aber nicht die Ursachen verstanden.

Heute erkenne ich diese Muster frühzeitig und kann sie klar benennen – das ist ein zentraler Unterschied zu früher.

Ein weiterer wichtiger Lernprozess war, meine Beziehungen kritisch zu betrachten. Ich habe erkannt, wo ich mich selbst verliere, um Erwartungen zu erfüllen, und wo mir Abgrenzung nicht gelungen ist. Ich bin in die Co-Abhängigkeit (hier meine ich das nicht in Bezug auf Alkohol) gewechselt. Heute übernehme ich Verantwortung für meine Gefühle, statt sie zu kompensieren oder zu betäuben. Habe die Ratschläge u Befürchtungen der Therapeuten verstanden.

Grundlegend verändert hat sich mein Umgang mit mir selbst. Ich definiere meinen Wert nicht mehr über Leistung oder Anerkennung von außen. Ich nehme meine Grenzen ernst, spreche Belastungen an und hole mir Unterstützung.

Mein persönliches Frühwarnsystem besteht heute darin, aufmerksam auf bestimmte Signale zu achten: anhaltende Unzufriedenheit, Rückzug, innere Unruhe, das Gefühl funktionieren zu müssen oder nicht zu genügen.

In solchen Phasen nutze ich bewusst meine Strategien: Gespräche in der Selbsthilfegruppe, therapeutische Reflexion, schriftliche Selbstbeobachtung (wie hier z.B) und klare Alltagsstrukturen.

Nach außen habe ich funktioniert und war diszipliniert. Rückblickend habe ich jedoch nur das Symptom Alkohol behandelt, nicht die eigentlichen Ursachen meines Trinkverhaltens.
Heute würde ich diesen Zustand mit einem „Trockenrausch“ vergleichen. Ich war zwar körperlich abstinent, aber die innere Veränderung hat gefehlt.

Ich war noch in einer Art Scheinwelt. Für mich galt: Ich trinke nicht mehr, also ist alles gut.
Ich habe vieles kontrolliert, aber innerlich war ich nicht wirklich stabil oder geheilt. Mein alter, nicht verarbeiteter Schmerz war weiterhin vorhanden und ist mit der Zeit wieder stärker geworden.

Ein weiterer Punkt war, dass ich meine Abhängigkeit nicht akzeptieren wollte.
Alkoholabhängig zu sein hatte für mich etwas Erniedrigendes und Schwaches. Auch deshalb habe ich die erste Therapie damals unter Druck von außen gemacht und mich selbst nicht wirklich angenommen.

Ich habe mir eingeredet, ich hätte kein grundlegendes Problem mehr, obwohl ich innerlich weiterhin belastet war. Genau diese fehlende Aufarbeitung war der Grund, warum es später wieder zu Rückfällen gekommen ist.

Heute sehe ich mich klar als alkoholabhängig – aber mit einem entscheidenden Unterschied:
Ich habe meine Erkrankung angenommen und mich ehrlich mit mir selbst auseinandergesetzt.

Nach der zweiten Trunkenheitsfahrt ist für mich alles auf den Tisch gekommen. Ich habe meine „Maske“ abgelegt – zunächst auch, weil sich die Situation herumgesprochen hat, später aber ganz bewusst. Dieses Ablegen der Maske hat sich für mich wie eine Befreiung angefühlt.

Heute weiß ich, dass Abhängigkeit nichts mit Schwäche zu tun hat.
Der entscheidende Unterschied zu früher ist meine Ehrlichkeit mir selbst gegenüber und mein Verständnis für die Ursachen meines Verhaltens.

Heute weiß ich:

Der wichtigste Schutzfaktor in meinem Leben bin ich selbst. Auch unperfekt.

Bei mir bleiben heißt für mich:

  • meine Gefühle ernst nehmen, auch wenn sie unangenehm sind
  • mir Hilfe holen, bevor ich innerlich zusammenbreche (Familie, SHG, Drob, SIA)
  • Drob u. SIA bleiben mir auch nach der MPU
  • mich nicht mehr betäuben, nicht mehr wegmachen
  • meine Grenzen wahrnehmen und respektieren
  • Verantwortung für mich und mein Leben übernehmen
  • zuerst an mich denken, Selbstfürsorge
Ich weiß, warum es so war, ich weiß warum diese „harte“ Arbeit und auch der Fall sein musste, um dieses zu erreichen. Und weil ich jetzt so lebe, fühlt es sich nicht mehr zerbrechlich an. Es wird immer mehr zur Gewohnheit, ist tief in mir verwurzelt.

Ich habe erkannt, dass ich mehr brauche als reine Abstinenz – ich brauche Entwicklung.
Und genau an dieser Entwicklung arbeite ich heute aktiv.

Ich kann heute sagen: Der Verlust meines Führerscheins war ein massiver Einschnitt – aber auch eine Chance.
Er hat mir das Leben gerettet, weil ich dadurch gezwungen war, mich wirklich mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)


Nein, ich lebe abstinent.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
10.09.24

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein. Jetzt nicht mehr.

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich bin alkoholabhängig. Ich habe eine todbringende Krankheit, wenn ich diese nicht zum Aufhören und Stoppen bringe.

24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?

Alkohol hat für mich lange, als eine Art Problemlösung funktioniert.
Er hat meine inneren Spannungen gedämpft, meine Gefühle reguliert und mir kurzfristig Entlastung verschafft.

Genau das war auch der Grund, warum ich nicht früher aufgehört habe.
Ich habe den Alkohol gebraucht, um mit meinen Emotionen und meiner Überforderung umzugehen.

Hinzu kamen Scham, die Angst, schwach zu sein, und auch eine gewisse Bequemlichkeit.
Es war einfacher, die Gefühle zu betäuben, als mich wirklich mit den Ursachen auseinanderzusetzen.

Ich wusste zwar, dass mein Konsum problematisch ist, aber ich war noch nicht bereit, die Konsequenzen daraus zu ziehen und wirklich etwas zu verändern.

Erst durch die massiven Folgen, insbesondere die Trunkenheitsfahrt und den Verlust meines Führerscheins, konnte ich nicht mehr wegschauen.
Das war der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich so nicht weitermachen kann.

Heute habe ich verstanden, dass Alkohol keine Lösung ist, sondern mein eigentliches Problem verstärkt hat. Ich habe gelernt, meine Gefühle anders zu regulieren und mir Unterstützung zu holen, anstatt alles allein auszuhalten.

Der entscheidende Unterschied zu früher ist, dass ich heute nicht mehr verdränge, sondern hinschaue und Verantwortung übernehme.

25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?

Nach meiner Rückkehr vom Polizeirevier, wo ich von meinen Eltern abgeholt wurde – der Polizist hatte darauf bestanden und auch mit meinen Eltern gesprochen – habe ich zunächst meinen Mann angerufen. Er hatte sich bereits Sorgen gemacht und wusste durch meine Eltern schon Bescheid.

Anders als von mir erwartet, gab es keine Vorwürfe, sondern lediglich die klare Bitte, im Krankenhaus wegen einer Entgiftung anzurufen. Hier habe ich verinnerlicht, dass es tatsächlich nur eine Bitte war – ohne Zwang oder Druck. Ich durfte selbst entscheiden, wie ich mein Leben weiterführen möchte. Genau das hat mir den Schritt sehr erleichtert, diesen Weg zu gehen.
Das habe ich getan, und bereits am nächsten Nachmittag konnte ich aufgenommen werden.

Ich habe zuerst die Entgiftung gemacht und anschließend direkt weitere Hilfsangebote angenommen, darunter die SIA sowie die Drob.

In der Entgiftung war ich bewusst offen für alle Gespräche.
Ich habe mich meiner Angst gestellt – insbesondere der Angst vor möglichen gesundheitlichen Schäden, den Ergebnissen des MRT vom Kopf und den ärztlichen Einschätzungen in den Visiten. Meine Leberwerte waren zwar nur leicht erhöht, doch mein CDT-Wert lag deutlich über der Norm.

Mit meiner neuen, offenen Einstellung und meiner ehrlichen Absicht, diesmal wirklich etwas zu verändern, habe ich die Gespräche ganz anders erlebt.
Der zuvor von mir „gefürchtete“ Chefarzt war für mich nicht mehr so bedrohlich. Er war klar und ehrlich, aber ich konnte das annehmen.
Ich habe gemerkt: Die Ärzte und Pfleger sind bemüht, und es hängt auch davon ab, wie ich selbst in die Gespräche gehe – ganz nach dem Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

Parallel zur Entgiftung habe ich direkt eine Selbsthilfegruppe besucht.
Ende Februar habe ich zusätzlich eine 13-wöchige DBT-Therapie begonnen, die mir von der SIA empfohlen wurde (nach mehreren Gesprächen), da sie gut zu meinem Konsummuster und Verhalten passen würde.

Während der Therapie habe ich weiterhin die Drob und die Selbsthilfegruppe genutzt.
Auch nach der Therapie habe ich die Einzelgespräche bei der Drob fortgeführt.

Im Anschluss habe ich zusätzlich die DBT-Nachsorge wahrgenommen und an der KUFE teilgenommen.
Die Einzelgespräche bei der Drob bestehen weiterhin.

Darüber hinaus nutzte ich ein Wochenendseminar zum Thema wie Selbstfürsorge und Resilienz und engagierte mich als stellvertretende Gruppenleiterin in der Selbsthilfe.

Die Zeit war vor allem am Anfang sehr herausfordernd.
Ich bin – abgesehen von der Zeit in der Entgiftung und Therapie – weiter arbeiten gegangen, was eine zusätzliche Belastung war.
Ich habe mich stark geschämt, und Aussagen wie „Sie müssen jetzt kleine Brötchen backen“ oder „Sie müssen zusehen, dass Sie Ihre Arbeit behalten“ haben mich sehr getroffen.

Gleichzeitig musste ich den neuen Umgang mit meinen Emotionen erst lernen.
Das war ein Prozess, den ich Schritt für Schritt gegangen bin.

Ein Satz aus der Selbsthilfe ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:
„Du musst Demut zeigen.“

Heute bedeutet das für mich auch eine Form der Wiedergutmachung mir selbst gegenüber.
Ich habe über viele Jahre etwas in mir kaputt gemacht, und mir ist bewusst, dass Heilung Zeit braucht und nicht von heute auf morgen geschieht.

Was hat mirin der ersten abstinenten Zeit geholfen?
In der ersten Zeit nach dem Aufhören war mir bewusst, dass ich mein Verhalten aktiv verändern muss, um nicht wieder in alte Muster zu geraten.
Besonders geholfen haben mir einfache, aber konsequent angewandte Strategien.

Früher habe ich in Belastungssituationen oft aufgehört zu essen.
Wenn ich überfordert war, habe ich meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen oder bewusst vernachlässigt.

Wenn ich nichts gegessen hatte, konnte ich nicht mehr klar denken.
In diesem Zustand war ich anfälliger, und der Suchtdruck bzw. die Gedanken an Alkohol hatten ein deutlich leichteres Spiel.

Zudem hatte ich keine Struktur mehr.
Ich bin aus meinem Rhythmus geraten, was die Situation zusätzlich verstärkt hat. Ohne feste Abläufe habe ich schneller den Halt verloren.

Heute achte ich bewusst darauf, regelmäßig und ausreichend zu essen.
Aus meiner Arbeit in der Selbsthilfegruppe weiß ich, dass körperliche Zustände wie Hunger oder innere Unruhe starke Auslöser für Suchtdruck sein können. Mir wurde dabei klar, dass Suchtdruck zeitlich begrenzt ist.
Wenn ich beschäftigt geblieben bin, hat der Gedanke an Alkohol an Stärke verloren und ist wieder verschwunden. So habe ich gelernt, Impulse auszuhalten, ohne ihnen nachzugeben.

Ein voller Magen hilft mir, körperlich ruhiger zu werden. Gleichzeitig habe ich gelernt, besser zu unterscheiden, ob es sich um ein körperliches Bedürfnis oder tatsächlichen Suchtdruck handelt.
Das gibt mir Sicherheit im Umgang mit mir selbst.

Am Anfang beschäftigte ich mich in solchen Momenten bewusst mit einfachen Tätigkeiten, zum Beispiel Aufräumen oder Putzen.
Dabei geht es mir nicht darum, mich einfach abzulenken, sondern meine Aufmerksamkeit auf kleine, konkrete Schritte zu lenken.

Ich sage mir dann: „Jetzt mache ich nur das eine, danach den nächsten Schritt.“
Dieses Vorgehen gibt mir Struktur und hilft mir, wieder in meinen Rhythmus zu kommen. Dadurch können sich Gedanken an Alkohol nicht weiter aufbauen.

Ich habe außerdem erkannt, dass mein Suchtgedächtnis weiterhin vorhanden ist.
Auch wenn die erste Zeit vergleichsweise ruhig war, weiß ich heute, dass sich Situationen jederzeit verändern können. Deshalb habe ich mir feste Handlungsstrategien aufgebaut:

Wenn innere Unruhe entsteht, nutze ich heute bewusst aktive Strategien, um mich zu stabilisieren.

Ich mache Atemübungen, um wieder zur Ruhe zu kommen, oder gehe laufen, um Anspannung körperlich abzubauen. Zusätzlich höre ich Musik, was mir hilft, meine Gedanken zu ordnen und mich emotional zu regulieren.

Diese sogenannten „Skills“ helfen mir, frühzeitig gegenzusteuern und mich selbst wieder in einen stabilen Zustand zu bringen.

Falls ich merke, dass die Situation zu belastend ist, gehe ich bewusst nach draußen. Der Ortswechsel unterstützt mich dabei, Abstand zu gewinnen und mich wieder zu stabilisieren.

Rückblickend war diese Phase sehr wichtig für mich, weil ich gelernt habe, aktiv für mich zu sorgen, anstatt Alkohol als Lösung zu nutzen.
Ich habe erfahren, dass Suchtdruck vorbeigeht und dass ich wirksame Möglichkeiten habe, stabil abstinent zu bleiben.

Ich musste früh Dinge aushalten, die zu viel waren. Zu viel alleine. Zu wenig Schutz. Zu wenig Sicherheit.

„Ich bin allein. Es ist gefährlich. Ich muss irgendwie durchhalten.“ Diese innere Anspannung ist nie ganz verschwunden. Ich war über 10 Jahre abstinent. Stark. Diszipliniert. Funktionierend. (Ja, ich weiß alkoholfreier Sekt/ Bier ist hier schon ein Fehler gewesen)

Aber:

Vieles war kontrolliert – nicht wirklich innerlich geheilt und verstanden

Dann kam der schleichende Rückfall

Nicht, weil ich schwach war. Sondern weil alter, nie versorgter Schmerz wieder hochkam.

Diese Anteile stecken emotional noch in dieser Zeit fest.

Dann kam ab Sept. 2024 der Wendepunkt. Mein Kopf weiß: Ich bin heute sicher. Ich habe Hilfe bzw. kann nach Hilfe fragen.

Aber der Bauch meine Emotionen jedenfalls ein Teil hängt noch in der alten Zeit fest. Diesem Teil von mir (innerliches Kind) kann ich sagen:

„Schau… wir haben es geschafft.

Es ist vorbei.

Du musst das nicht mehr alleine tragen.

Ich bin jetzt da. Und ich bleibe.“

Dazu kommt noch was ich meinem Inneren sagen möchte, „ich verzeihe dir, du konntest nicht anders.“

Hier erkläre ich es mir, erst wenn ich mir selber verziehen habe, und verstanden habe, kann ich anderen auch verzeihen, nicht im Sinne von alles ist okay gewesen, sondern als Einordnung. Als Friede für mich und meine Wunden.

Vieles, wobei ich in der ersten Zeit noch bewusst haptische und emotionale Skills eingesetzt habe, funktioniert heute automatisch. Ich erkenne meine Anspannung früher und kann besser gegensteuern oder mich gezielt ablenken.

Außerdem habe ich Freude an meiner Vorbereitung beziehungsweise an der Aufarbeitung meiner Lebensgeschichte gefunden.

Meine Suchtberaterin fragte mich in einer der letzten Sitzungen, was ich machen werde, wenn die MPU vorbei ist und dieses Kapitel abgeschlossen ist. Darauf konnte ich ihr selbstbewusst antworten, dass für mich ab November 2026 ein Lehrgang zur Suchtkrankenhelferin beginnt.

Gerade hier habe ich für mich gemerkt, wie wichtig es für mich ist, etwas anspruchsvolles zu machen.
 
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