28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(mit Begründung)
Wer weis, welche Hürden das Leben noch für mich bereithält! Es können immer Situationen auftauchen die mich an meine Grenzen bringen könnten. Heute bin ich gewarnt vor den Auslösern, und bin mir nicht mehr zu Stolz oder sehe es als eine Schwäche an mir professionelle Hilfe zu holen. Sollte ich merken das ich alleine oder durch die Unterstützung meines Freundeskreises nicht aus einer schweren Situation komme, werde ich mich direkt bei meiner Suchtberaterin melden um ihre professionelle Hilfe in Anspruch zu nehme. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen diese nicht gleich erreiche habe ich eine Notfallnummer der Suchthilfe Hotline immer bei mir im Geldbeutel und kann diese 24/7 erreichen und ich weis, mir wird geholfen und ich werde in schweren Situationen beraten. Ich habe heute die Hintergründe für meinen Alkoholmissbrauch aufgearbeitet. Mir ist klar dass die Auslöser für meinen Alkoholkonsum (Verdrängen und Verharmlosen von Unangenehmen Themen war) dass ich bei Stress und Streitigkeiten dazu geneigt habe, den weg des geringsten Wiederstands zu gehen um für mich unangenehmen Themen schnellst möglich aus dem Weg zu gehen. Im August 2025 gab es eine solche Situation. Ich bekam die schreckliche Nachricht, dass mein 18 Jahre altes Patenkind seit 2 Tagen nicht nach Hause kam. Jeglicher versuch ihn über Freunde ausfindig zu machen scheiterte. 3 Tage Später erhärtete sich der Verdacht das er in die Donau gefallen sei. Die Polizei suchte ihn darauf, fand aber nur seine Schuhe. 6 Tage warteten wir vergeblich auf Ihn. Die traurige Gewissheit bekam ich 1 Tag nach meinem Geburtstag.
Man fand ihn 20 km abwärts der Unfallstelle in einer Schleuse der Donau Tod auf. Diese Zeit war sehr verzweifelnd und schmerzhaft für mich und meine Familie. Früher hätte ich bei so einem schrecklichen Anlass zur Flasche gegriffen um meine Gefühle und Ängste zu betäuben. Durch das zulassen meiner Gefühle und intensives Sprechen mit Freunden über das erlebte, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl in alte Gewohnheiten zurück zu fallen. Ich stellte mich meinen Sorgen, so wie ich es gelernt habe. Dieses Erlebnis war eine sehr harte und schmerzhafte Probe des realen Lebens für mich, die ich aber sehr gut bewältigte und nicht in alte Muster zurück viel.
Ich habe begriffen das Alkohol in schweren Situationen wie zb wie oben genannt, rein gar nichts verbessert, sondern nur noch mehr Probleme verursachen würde. Am Ende hätte der Alkohol meinen Neffen auch nicht wieder zurückgebracht. Ich stelle mich diesen Herausforderungen und gehe sie an. Ich ducke mich nicht mehr weg und stehe für mich ein, egal wie unangenehm das Thema sein wird. Durch die Suchtberatung habe ich Selbstbewusstsein bekommen, da ich mich geöffnet habe und dinge die ich mein Leben lang verdrängt habe offen angesprochen habe. Dieser Prozess hat ca 1,5 Jahre gedauert und war nicht immer einfach für mich. In schweren Situationen habe ich meinen Mut zusammengenommen, an die Sitzungen in der Beratung gedacht, und mit innerster selbst Überzeugung klare kante gezeigt. Heute stehe ich für mich und meine Meinung ein, kommuniziere diese mit breiter Brust, weil ich verstanden habe, dass ich für mich selbst einstehen muss und es auch mal unbequem dadurch werden kann und darf. Ich aber nicht den Kopf in den Sand stecken muss, sondern wenn ich selbst Überzeugt von etwas bin, dass auch meinem gegenüber kommunizieren und klar machen kann/muss um ernst genommen zu werden. Ich spreche heute klar und reflektiert schwierige Themen bei meiner getrennt Lebenden Frau an, die mich umtreiben. Der Umgang mit Ihrem neuen Lebenspartner und unserem gemeinsamen Kind ist so ein Thema. Vor einigen Wochen kam sie zu mir und fragte mich ob es für mich in Ordnung ist, wenn sie gemeinsam mit unserem Kind in den Urlaub Fliegen würden. Ich äußerte meine Bedenken (Gedanken) sachlich und ruhig. Sie konnte meine Gedanken verstehen und akzeptierte meine Bedenken. Wir fanden gemeinsam eine Lösung die für alle Parteien vertretbar ist und ich und sie dadurch auch ein gutes Gefühl haben. Ich schlug vor Ihn erst einmal selbst kennen zu lernen und machte klar das ich es noch etwas zu früh finde um eine so große Reise zu machen. Vor 2 Jahren wäre dies nicht möglich gewesen, weil ich meine Bedürfnisse nicht offen geäußert hätte um den weg des geringsten widerstands gegangen wäre und alles in mich hineingefressen hätte, und versucht hätte es im Alkohol zu ertrinken.
Ein weiters Beispiel aus meinem Beruflichen.
Im Februar hatte ich eine Wirtschaftsprüfung zur Personalbedarfsanalyse da mein Arbeitgeber Kosten senken will. Ich habe mit Überzeugung und klaren Worten meine Präsentation und meine Vorbereiteten Unterlagen Vorgetragen und mit meiner Körpersprache Überzeugend einen Standpunkt rübergebracht der am Ende ein schlüssiges Ergebnis ergab, dass es nicht möglich ist in meiner Abteilung zu kürzen um eine Qualität aufrecht zu erhalten die von der Geschäftsführung ja gewollt ist und bei Kürzung des Personalbedarfs nicht mehr erbracht werden kann. Dieses Selbstbewusste auftreten habe ich ein stückweit in der Suchtberatung erlernt, da ich verstanden habe, dass ich für mich selbst einstehen muss, und es auch mal unbequem dadurch werden kann. Ich aber den Kopf nicht in den Sand stecken muss, sondern wenn ich selbst Überzeugt von etwas bin dafür einstehe und auch den unangenehmen weg gehen muss um Erfolg zu haben.
Ich habe neuen Ausgleich gefunden in dem ich 3mal Wöchentlich Joggen gehe und mir dies sehr Gut tut, nicht nur Gesundheitlich sondern auch geistig. Ich kann mich dort aus powern an meine Grenzen gehen und setze mir immer neue Ziele die ich selbst in der Hand habe.
Ich denke Nüchtern über alles nach und verkrieche mich nicht mehr in meiner selbst erschaffenen Blase, die mich viele Jahre daran gehindert hat für mich einzustehen.
Deswegen bin ich davon überzeugt das ich sehr gut gerüstet bin um meine alten Gewohnheiten endlich durchbrochen zu haben. Ich muss niemanden mehr etwas beweisen oder jemanden gefallen um Anerkennung zu bekommen.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Da ich mein Leben weiter Abstinent leben werde. Entstehen keine Konflikte mehr für mich mit Alkohol am Steuer oder im Straßenverkehr teilzunehmen.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Ich möchte mich erst einmal für das Gespräch bedanken. Zusätzlich möchte ich nochmals hervorheben das ich meiner Verantwortung mir und der Gesellschaft heute durch mein fehlerhaften umso klarer. Ich habe erkannt welch eine wichtige Rolle mein verhalten für die Entwicklung meines Kindes hat und werde dieser endlich gerecht werden. Ich bin heute ein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft und werde meiner Verantwortung gerecht werden. Ich möchte mich für mein fahrlässiges und sehr Gefährliches verhalten in aller Form entschuldigen, Für die Schäden die ich durch mein verhalten verschuldet habe möchte ich mich auch bei den Geschädigten entschuldigen.
Diese Ereignisse haben mich endlich Wachgerüttelt und ich bin heute sehr froh darüber den Schritt in die Lebenslange Abstinenz getan zu haben.