Hallo Julchen,
hallo zusammen,
danke für deine Rückmeldung, Julchen. Es freut mich wirklich sehr, dass meine konkreten Beispiele der richtige Weg sind.
Ich habe deine Fragen genommen und meine 4 Alltagssituationen genau danach aufgeschrieben, um das Ganze mit echtem Leben zu füllen
- Stress mit der Ex-Frau am Telefon
Auslöser: Sie rief an, das Gespräch wurde laut und vorwurfsvoll.
Früher: Ich wäre voll drauf eingegangen, hätte wütend zurückgeschrien und in den Verteidigungsmodus geschaltet.
Dieses Mal anders: Ich blieb wirklich ruhig. Ich habe gesagt, dass wir später sprechen, und habe einfach aufgelegt. Als sie 10 Minuten später wieder anrief und es wieder laut wurde, habe ich das Gespräch erneut abgebrochen. Einen Tag später haben wir alles sachlich und in einem ruhigen Ton geklärt.
Gefühl danach: Ich habe mich erleichtert gefühlt, weil ich mich nicht habe mitreißen lassen und ihr keine Angriffsfläche geboten habe.
- Fahrradfahren im Wald (Abgedrängt werden)
Auslöser: Ein Autofahrer drängt mich auf der schmalen Straße im Wald heftig ab.
Früher: Der Impuls schoss hoch, ich bin sofort explodiert und habe wütend Du Penner, kannst du nicht aufpassen?! hinterhergeschrien.
Dieses Mal anders: Der Reiz loszubrüllen war kurz da. Aber ich bin einfach weitergefahren, habe tief durchgeatmet und mir im nächsten Moment im Kopf gesagt: Reg dich nicht auf, Lupsky! Der hat dich bestimmt nicht absichtlich übersehen, vielleicht hatte er einfach nur Stress.
Gefühl danach: Der Druck im Bauch ist nach ein paar Metern einfach wieder verschwunden. Ich bin ganz ruhig weitergefahren.
- Frust durch Arbeitslosigkeit, Existenzängste und schwindende Kontakte
Auslöser: Der alltägliche Druck. Keine Arbeit, Geldsorgen wegen Fixkosten und Unterhalt, und das Gefühl, durch die weite Entfernung Freunde zu verlieren.
Früher: Ich habe mich massiv in die Probleme hineingesteigert. Ich wollte sofort im Akkord eine perfekte Lösung mit dem Kopf erzwingen, was mich innerlich aufgefressen hat.
Dieses Mal anders: Ich halte diesen Frust heute einfach aus. Er ist nun mal da und ich kann die Situation gerade nicht von heute auf morgen ändern. Ich erzwinge nichts mehr. Dass manche Kontakte einschlafen, tut weh, aber ich akzeptiere es heute, statt mich reinzusteigern. Ich mache langsam, ohne Stress – nach dem Eichhörnchen-Prinzip.
Gefühl danach: Es fühlt sich befreiend an, zu wissen, dass ich auch mal unperfekt sein darf und die Welt nicht sofort zusammenbricht, wenn ich mal feststecke.
- Zocken am PC
Auslöser: Ich verliere bei einem schnellen Ballerspiel und es läuft einfach nicht.
Früher: Ich habe mich total reingesteigert. Ich wurde wütend, nervös und habe den Frust unkontrolliert hochkochen lassen.
Dieses Mal anders: Ich beobachte mich heute selbst genau. Sobald ich merke, dass ich unruhig oder genervt werde, mache ich das Spiel sofort aus. Ich wechsle dann lieber zu ruhigen Aufbauspielen oder Simulationen.
Gefühl danach: Ich werde sofort wieder ruhig und kann ganz entspannt und ohne Hektik vor mich hin bauen.
Zu deinen weiteren Fragen, wie ich diese Veränderungen erreicht habe
Mein Prozess und der große Unterschied zu früher ist der brutale Weckruf durch das negative Gutachten im April und die Hilfe im Forum.
Meine künstliche König-Fassade ist komplett eingestürzt. Ich habe verstanden, dass hinter meiner großen Fresse und meiner Impulsivität früher eigentlich immer nur eine tiefe, panische Angst vor dem Versagen steckte, die mir mein Vater unbewusst eingetrichtert hatte.
Ich dachte immer, ich darf keine Schwäche zeigen und muss Stärke beweisen.
Heute lasse ich meine Schwächen und meine Existenzangst zu.
Ich schlucke den Druck nicht mehr runter, sondern rede offen mit meinen Eltern und meinen Freunden darüber.
Wenn ich emotional total überrascht werde und der Stopp mal nicht rechtzeitig funktioniert:
Da ich aktuell keinen Führerschein habe und kein Auto fahre, kann ich das für die Autobahn natürlich noch nicht final sagen. Aber ich kenne mein Muster heute. Wenn mir heute im Schreck des Moments auf dem Fahrrad doch mal ein Fluch über die Lippen rutscht, schaltet im exakt nächsten Moment mein Kopf ein. Ich bremse mich sofort selbst aus und denke mir: „Mensch Lupsky, was machst du da eigentlich? Das bist du doch gar nicht mehr. Der andere hat das nicht gegen dich persönlich gemacht.“ Ich nehme es nicht mehr als Angriff auf meine Ehre, atme durch und fahre ruhig weiter.
Für die Zukunft im Auto ist mein Plan deshalb ganz klar: Ich fahre gar nicht erst unter Stress los. Ich checke vorab den Verkehr und baue mir bei jeder Fahrt mindestens 20 Minuten Toleranzzeit ein. Wenn ich dann im Stau stehe oder geschnitten werde, kompensiere ich den Druck nicht mehr durch Rasen, weil ich die Zeit im Vorfeld schon eingerechnet habe. Ich erzwinge nichts mehr.
Viele Grüße,
Lupsky