Hallo Martin,
ich habe mir nun deinen FB durchgelesen und möchte dir meinen Kommentar dazu geben:
Tathergang
1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Am 12.02.2016 (Freitag) hielt ich mich in Österreich auf und beschloss, dort mit 2 Bekannten in einer Discothek feiern zu gehen. Ich fuhr mit meinem Auto in die Discothek. Für den Fall, dass wenig Betrieb ist, wollte ich nichts trinken und wir wollten woanders hin oder nach Hause fahren. Für den Fall, dass viel Betrieb ist, wollten wir mit dem Taxi nach Hause fahren und das Auto 1 Tag später holen.
Gegen 22 Uhr kamen wir in der Discothek an. Da guter Betrieb war, begannen wir zu trinken. Wir feierten und tanzten.
- Blackout - (Auch an das Verlassen der Disco kann ich mich nicht erinnern, wie zuerst und auch bei der Polizei fälschlicherweise angegeben)
Die erste Erinnerung, die ich wieder habe, ist, dass ich mit meinem Auto in einer Stadt fahre, es aber nur noch schlecht fährt und außerdem merkwürdige Geräusche macht (das kam vom platten Reifen im Radkasten hinten rechts). Ich fahre an eine nächstgelegene Tankstelle heran.
Ich bin ausgestiegen und habe den Schaden realisiert und daraufhin verzweifelt versucht, Freunde und Bekannte anzurufen. Das war ca. 04:15 Uhr.
Ca. 04:35 traf eine Polizeistreife an der Tankstelle ein. Ich saß auf dem Fahrersitz und der Zündschlüssel steckte, Motor war abgestellt.
Ca. 05:15 fand der Atemalkoholtest statt. 1,82 ‰.
Unfallzeitpunkt soll 03:42 Uhr gewesen sein. Alkoholgehalt wurde darauf rückgerechnet und wird mit 1,92 ‰ angenommen.
Da dieser ganze Vorgang ja nun von den Polizisten aufgenommen wurde und somit in deiner Akte steht, kann ich dir nur dazu raten beim Gutachter die volle Wahrheit zu sagen. Die Angabe einer zweiten Person war eine reine Schutzbehauptung, die du im alkoholisierten Zustand getätigt hast (an solche Behauptungen gegenüber der Polizei sind die Gutachter quasi gewöhnt und messen dem wohl nicht allzuviel Bedeutung bei). Jedoch gilt für die GA: Das was in der Akte steht ist zutreffend. Ein Diskutieren darüber, dass es vllt. doch anders war, würde dir nichts bringen - im Gegenteil, es würde sich für dich eher negativ auswirken.
Also lies noch einmal genau nach was in deiner Akte steht und berichte es, konform dazu, bei deiner MPU.
Die Sache mit den "K.O.-Tropfen" würde ich an deiner Stelle auch nicht mehr in den Vordergrund schieben, es war zunächst ein Verdacht, der sich aber nicht bestätigt hat. Wenn du mit roundabout 1,92‰ das Gefühl hattest du hättest etwas in den Drink gemixt bekommen, weil du vorher noch nie so starke -ich nenne es mal Ausfallerscheinungen- hattest, ist somit klar, dass du noch einiges mehr vertragen konntest...das würde dann gar nicht mehr mit deinen Trinkmengen im Vorfeld zusammenpassen. Die Promille waren ja in deinem Blut (die wären ja nicht durch die Tropfen entstanden, oder erhöht worden), da wäre es doch geschickter wenn du den Blackout vom Alk. hattest, damit eben offensichtlich wird, dass du diese Mengen dann doch nicht gewohnt warst.....verständlich?
2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
Zu dritt 2 Flaschen Bacardi (gemixt mit Energy) + 2 kleine Jägermeister (später von Barkeeperin erfahren)
Alkoholgehalt Bacardi in ml: (2 Flaschen x 700 ml x 0,375 %) / 3 Personen = 175 ml
Alkoholgehalt Bacardi in g: 175 ml * 0,785 g/ml = 137,4 g
Alkoholgehalt Jägermeister in ml: 2 x 20 ml x 0,35 % = 14 ml
Alkoholgehalt Jägermeister in g: 14 ml x 0,785 g/ml = 11 g
Gesamtmenge des aufgenommenen Alkohols: 148,4 g
148,4 g / (74 kg * 0,7) = 2,86 ‰
2,86 ‰ - 7 h * 0,15 ‰ = 1,81 ‰
Die Widmarkformel ist eher ein Stiefkind von mir (und wird bei der MPU auch nicht benötigt), ich habe deine Angaben darum mit der
Kleinen Alkohollehre zur BAK Berechnung errechnet und komme auf insgesamt 30 TE. Wenn du 2 Jägermeister hattest, ist davon auszugehen das du ca. einen halben Liter Bacardi getrunken hast (hier kann mein Kollege aber nochmal mit draufschauen).
7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Zwischen 18 und 20 Jahren bin ich nie alkoholisiert gefahren, da mir das aufgrund der Probezeit zu gefährlich war. Zwischen 20 und 24 Jahren bin ich insgesamt geschätzt 50 mal am Tag nach einer Feier mit Restalkohol gefahren. Dies war fahrlässig, da ich auch hier teilweise noch deutlich vom Alkohol beeinträchtigt war.
Sollte es hier zu Nachfragen kommen, wäre es sicher besser, du würdest die Anzahl der alkoholisierten Fahrten erhöhen...
Fahrten unter Alkohol
9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Ich habe nie regelmäßig Alkohol getrunken. Im Zeitraum zwischen 12 und 16 Jahren habe ich sehr wenig Alkohol getrunken, da es offiziell noch nicht erlaubt war. Ab 16 Jahren fanden häufiger Partys statt, bei denen Alkohol konsumiert wurde. Dies setzte sich mit 18 Jahren und mit Beginn des Studentenlebens fort.
10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
1 bis 4 mal pro Monat, 1 bis 6 Bier (0,5 l) oder weniger Bier / kein Bier und dafür Schäpse / Schnapsmixgetränke
Das ist zu ungenau. Der GA muss ja deine Trinkfestigkeit nachvollziehen können - also musst du hier detailliertere Angaben machen.
Welche Schnapsgetränke? Wie oft? Wie viele?
Insgesamt sind deine bisherigen Mengenangaben als "zu niedrig" einzustufen...
12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive)
Um Freundschaften, Geburtstage und Erfolge zu feiern und dabei mehr Spaß dabei zu haben als nüchtern.
Teilweise wurde ich auch von Freunden oder Bekannten verleitet, etwas zu trinken, obwohl ich eigentlich keine Lust hatte.
Du hast dich von Freunden "verleiten" lassen, also waren deine Freunde daran Schuld das du soviel getrunken hast?
Martin, du musst dich hier mal hinsetzen und ernsthaft darüber nachdenken, was der wirkliche Grund für deinen hohen Alk.konsum war.
Warum kann man denn nüchtern keinen Spaß haben? Ich denke das der Besuch einer VP'in nicht die schlechteste Idee deines Bekannten war...
14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Hin und wieder gab es Bemerkungen von Freunden, dass ich am Abend davor ziemlich betrunken gewesen bin. Diese Hinweise waren allerdings nie kritisch, sondern mehr spaßig gemeint.
Von meinen Eltern gab es Kritik, wenn ich aufgrund des vorangegangenen Alkoholkonsums z.B. nicht am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen konnte. Ich habe mich der Kritik angenommen und mich deshalb mit trinken, an Tagen bevor ein gemeinsames Mittagessen geplant war, zurückgehalten.
Ja, hier wird ersichtlich das deine AB einen Sinn macht. Wenn du schon von Freunden darauf hingewisen wurdest das du "ziemlich betrunken" warst und vor den Treffen mit deinen Eltern explizit deinen Konsum einschränken musstest, kann schon von einer tiefergreifenden Problematik ausgegangen werden...was auch im folgendem nachzulesen ist:
15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Teilweise habe ich viel Geld beim Feiern ausgegeben, was mich am nächsten Tag geärgert hat. Des Weiteren konnte ich am Tag nach höherem Alkoholkonsum kaum etwas Produktives leisten, da ich mit Kopfschmerzen und Übelkeit zu kämpfen hatte. Dies hat mich ebenfalls sehr geärgert, da ich ein Mensch bin, der seine Zeit gern sinnvoll nutzt anstatt zu verschwenden. Und natürlich waren auch die körperlichen Beschwerden an sich lästig. Außerdem habe ich 1x meinen Haustürschlüssel und 1x mein Handy verloren, was ohne Alkoholeinfluss sicher nicht passiert wäre.
Du hast dich über die sinnlos verschwendete Zeit deines Katers geärgert (da Zeitverschwendung ganz und gar nicht deiner Natur entspricht) und hast trotzdem nichts an deinem Trinkverhalten verändert, auch die "lästigen Beschwerden" haben daran nichts ändern können. Desweiteren musst du zumindest Erinnerungslücken gehabt haben, wenn du mehrfach Gegenstände verloren hast.
Somit ist diese Antwort...
17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Nein.
ganz sicher nicht zutreffend
16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.
Nicht weit mehr, nein. Im Zeitraum zwischen 19 und 20 Jahren (erste Semester des Studiums) habe ich mich allerdings eher an der Obergrenze der oben angegebenen Trinkhäufigkeit aufgehalten, da an meiner Hochschule öfter Partys stattfanden.
Du trinkst heute keinen Alkohol mehr, also kannst du da nichts vergleichen.
18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Sind 2 Monate ein längerer Zeitraum? Falls ja, dann ja. Nach einer heftigen Party hatte ich öfter mehrere Wochen keine Lust, etwas zu trinken. Die längste Trinkpause erstreckte sich so über ca. 2 Monate.
2 Monate sind schon ein längerer Zeitraum, ja. Bei dieser Frage geht es um den Hintergrund, warum auf den Alk. verzichtet wurde. War es der (mehrfache) Versuch den Alk.konsum drastisch zu senken? Oder sollte der Konsum gänzlich eingestellt werden und es ist nicht gelungen (dabei wären erfolglose Versuche, den Konsum einzustellen, als sehr kritisch anzusehen)?
23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
An dem Tag nach dem Unfall lag ich zu Hause im Bett und habe versucht zu verarbeiten, was passiert ist. Abgesehen von meinen körperlichen Beschwerden (Kopfschmerzen, Übelkeit) hatte ich fürchterliche Angst, dass mich jederzeit die Polizei anrufen und mir mitteilen könnte, dass ich neben dem Sachschaden auch noch einen Personenschaden verursacht habe. In dieser Situation habe ich mir selbst und außerdem meiner Mutter geschworen, nie wieder Alkohol zu trinken.
Es kam keine Person zu Schaden, doch das war pures Glück. Ich selbst oder eine andere Person könnten wegen mir tot sein. Ich habe Ziele im Leben (guten Job bekommen, Haus bauen, Kinder zeugen) und durch meine Trunkenheitsfahrt hätte ich mein gesamtes Leben und andere Leben ruinieren können. Bzgl. Job habe ich auch jetzt schon Probleme, da ich keinen Führerschein mehr habe. Außerdem kostet mich die TF insgesamt mehrere tausend Euro.
Das Alles ist der bischen Spaß, den man durch Alkohol bekommt, niemals wert. Deshalb war für mich schon am Tag nach dem Unfall klar, dass trinken für mich nicht mehr in Frage kommt.
Außerdem empfinde ich KT persönlich als eine Art "Bestätigung einer Abhängigkeit". Im weitesten Sinne. Denn wenn man der Meinung ist, man habe kein Alkoholproblem, warum entscheidet man sich dann für KT? Das beweist doch, dass man den Alkohol unbedingt im Leben behalten will. Ich brauche den Alkohol nicht für mein Leben, stattdessen hindert er mich am Erreichen meiner Ziele. Daher kommt für mich nur Abstinenz in Frage.
Zum letzten Absatz:
Das heißt also, ALLE, die KT leben, sind in Wahrheit alkoholabhängig? Dir ist klar das die meisten Menschen (wahrscheinlich auch der Gutachter) ihren Konsum kontrollieren können und es auch tun, indem sie eben maßvoll trinken? Du begibst dich mit solchen Aussagen auf sehr dünnes Eis (solltest du dir noch einmal gut überlegen).
Menschen die nach einer TF den risikoarmen Umgang mit dem Alk. pflegen, haben erkannt das sie ein Problem mit dem Alk. haben, gerade darum verändern sie ja ihre Trinkgewohnheit entsprechend, damit es eben nicht mehr zu unkontrolliertem, hohen Alk.konsum kommt.
Wenn du selbst dir das nicht zutraust ist das vollkommen in Ordnung, jedoch kannst du das keineswegs verallgemeinern.
Nebenbei bemerkt: Es gibt keine "Pflichtabstinenz" (außer vllt. in Bayern
).
Wenn du mit AN für 6 Monate in die MPU gehst bedeutet das, dass du freiwillig auf den Alk. verzichtest (wobei hier streng genommen gar keine Nachweise vorgelegt werden müssten), d.h. im Gegenzug, dass der GA dir auch noch KT zutrauen können muss. Kommt er bei der Exploration zu der Auffassung das bei dir ein lebenslanger Alk.verzicht nötig ist, so wird er in sein Gutachten, als Empfehlung, reinschreiben, dass du AN über 12 Monate machen lassen solltest.
Deine Bedenken aus Beitrag #31 sind von daher nachvollziehbar - allerdings nicht wegen der Alk.fahrten sondern wegen deiner Aussagen hier im FB.
Auf den Rest deiner Antworten gehe ich jetzt erstmal nicht ein, da die Fragen viel zu kurz und oberflächlich beantwortet wurden. Du solltest dich unbedingt mal in unsere
Gute Fragebögen Alkohol einlesen...