Tumbleweed

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26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Meine Freunde zeigen sich in erster Linie verständnisvoll und gleichzeitig extrem beeindruckt, wie diszipliniert ich das durchziehe, auch wenn ich vielen erstmal erklären musste was “Kontrolliertes Trinken” bedeutet. Gerade was meinen Erfolg im Abnehmen angeht, habe ich sogar ab und zu das Gefühl, dass manche mich ein bisschen beneiden. Meine Eltern freuen sich natürlich, dass ich mit 30 irgendwann doch noch zur Besinnung gekommen bin. Am Wichtigsten für mich persönlich sind jedoch die Auswirkungen auf mein Leben. Ich bin einfach sehr happy, dass ich diese Trägheit und Niedergeschlagenheit losgeworden bin (und das alles trotz einer andauernden Pandemie), dass ich mit 30 so sportlich und fit bin wie noch nie. Ich gehe schon recht lange zum Laufen, circa seit dem ich 15 bin. Mein größter Erfolg bisher war ein Halbmarathon im Oktober 2012. Das war eine einmalige Geschichte und danach bin ich nie wieder so weit gelaufen. Bis zum Jahr 2021. Dieses Jahr habe ich schon vier Halbmarathons hinter mir und der Plan ist das weiterhin durchzuziehen und im Jahr 2021, 12 mal 21 Kilometer zu laufen! :)

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Ich kann mir vorstellen, dass das größte Risiko hierbei ist, sich schwammige Grenzen zu setzen. Meine Grenzen sind klar definiert, es ist also nicht möglich mir hier in die eigene Tasche zu lügen. Um diese Grenzen nicht zu brechen, halte ich mir täglich vor Augen wie viele positive Effekte es bereits hatte, dass ich das Trinken so extrem reduziert habe. Gefühlt hören diese Effekte auch nicht auf, sondern gehen weiter, demnach wäre es von Tag zu Tag ein bisschen mehr was ich wegwerfen würde, sofern ich in alte Gewohnheiten zurückfallen würde. Hierbei helfen mir auch meine Sport Apps mit den “Fortschrittsanzeigen”. Es wissen noch nicht alle meine Freunde und Bekannten über meine Lebensveränderung Bescheid, was hauptsächlich daran liegt, dass man in Zeiten von Corona die Leute seltener sieht. Diejenigen, die es wissen, finden meine Entscheidung jedoch gut und unterstützen mich hierbei. Ein paar haben sogar selbst zumindest eine Alkoholpause eingelegt. Auf was ich hinaus möchte: Meine Freunde akzeptieren meine Entscheidung und unterstützen mich. Sollte sich herausstellen, dass es den ein oder anderen “Freund” gibt, der das nicht tut und mich auch nach ernsthaftem Gespräch weiterhin dazu drängen möchte Alkohol zu trinken, habe ich für mich entschieden, diese Kontakte aufzulösen. Wer mich nicht so akzeptieren kann, wie ich bin, der ist auch kein Freund.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
Wie bereits aus meiner Antwort auf die vorherige Frage hervorgeht, kann man sich wahrscheinlich leider nie zu 100% sicher sein, dass das passiert. Wichtig ist, denke ich, immer wieder zu reflektieren, was denn passieren könnte, dass das aktuelle gut kontrollierte Trinkverhalten gefährdet wird. Momentan erfreue ich mich sehr an meinem sportlichen Erfolg, doch was passiert wenn ich mich mal verletze oder krank bin, sodass ich eine, zwei oder auch mal drei Wochen Pause machen muss? Ich bin mir sicher, dass mich das sehr ärgern wird, andererseits weiß ich auch, dass es nicht vermeidbar ist und irgendwann passieren wird. Aber sollte ich deshalb in alte Gewohnheiten zurückfallen und wieder unkontrolliert Alkohol trinken? Damit würde ich dann ja alles nur noch schlimmer zu machen, anstatt den Schaden entsprechend zu begrenzen. Ich denke, das habe ich bereits verstanden und verinnerlicht und deshalb kann ich das schon mal relativ sicher ausschließen. Ansonsten ist es ebenfalls wahrscheinlich bis sicher, dass es auch in Zukunft wieder schwierige Phasen in meinem Leben geben wird, durch die ich durch muss. Aber ähnlich wie gerade schon beschrieben, bin ich mir mittlerweile bewusst, dass auch diese Probleme nicht verschwinden oder besser werden, wenn man sie in sich hineinfrisst oder im Alkohol ertränkt. Meistens ist das Gegenteil der Fall: Das Problem bleibt bestehen und hinzu kommen noch alle negativen Einflüsse des Alkoholkonsums, wie z.B. die von mir mehrfach beschriebene Antriebslosigkeit, die gerade in einer Stresssituation bestimmt nicht hilfreich ist. Wie anfangs gesagt, man sollte sich nie zu selbstsicher sein und stets reflektieren wo man steht. Aber momentan kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, meine neu gewonnene Lebensqualität, die ich durch mein KT bereits erreicht habe, einfach wieder wegzuwerfen.

29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Durch mein kontrolliertes Trinken und die Mengen, die ich mir dort definiert habe, sollte ich nie wieder in die Lage kommen, dass mein Entscheidungsvermögen derart vom Alkohol getrübt wird, dass ich Trinken und Fahren nicht trennen kann. Dennoch werde ich zu den wenigen geplanten Trinkanlässen im Jahr grundsätzlich ohne eigenes Fahrzeug anreisen, also mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, anderen Mitfahrgelegenheiten oder, sofern sinnvoll, zu Fuß. Für den Weg nach Hause nehme ich mir, falls nichts anderes mehr fährt, ein Taxi oder gehe ebenfalls zu Fuß. Für die Tage bei denen ich tatsächlich Fahrer bin (und dabei ist es egal ob Auto, eScooter oder Fahrrad) trinke ich nichts, denn das wäre ein Bruch meiner KT Strategie.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Nein, vielen Dank für Eure Hilfe!
 

rüdscher

Neuer Benutzer
Also, dann zerpflücke ich mal wieder... ;)

Zur 1: Lass hier die Geschichte mit dem Übernachten bei deinen Eltern weg. Sonst okay. Vielleicht etwas weniger dick auftragen, was deine Einsicht angeht, das klingt schon fast ein bisschen zu sehr nach tiefer Reue, aber hier sind wir im absoluten Finetuning... ;)

Zur 2: Schätzen ist nicht gut, zeig dass du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast, du hast versucht, zu rekonstruieren und anhand gängiger Formeln und Promillerechner überprüft (stell dich aber drauf ein, dass da eine Frage zum Rechnen kommen kann). Das klingt besser als irgendwas zu schätzen.

Zur 5: passt, sei aber vorsichtig, dass da nicht schon zwischen den Zeilen ein Vorwurf an die S-Bahn ausklingt, Finetuning...

Zur 7: an sich gut, aber das klingt für mich jetzt schon fast zu sehr nach "nein, aber theoretisch müsste mal...". Sag einfach, dass du mit Restalkohol schon gefahren bist, oder auch mal ein Bier in der Pizzeria, das klingt viel normaler und glaubwürdiger... So wie du über das Radeln mit Alk berichtest...

Zur 9: schreibe noch dazu, ab wann du mehr oder weniger regelmässig getrunken hast, denn zwischen dem ersten Mal mit 14 und dem späteren Hoch wirkt es als ob eine Lücke wäre. Von 18-24 hast du dann immer weiter zugelegt, dann aber "kontinuierlich weniger", da würde ich dann fragen, wie das gemeint ist, denn du hattest 6 Jahre zum Toleranz antrainieren, dann 6 Jahre um wieder ganz runter zu fahren. Dennoch kam deine TF... Stell es anders dar, sonst sieht es aus, als ob du mittlerweile das Trinken nicht mehr gut im Griff hättest...

Zur 12: Hier erwähnst du die Lücke von der 9, allerdings klingt das bei der 9 nach Jahren, hier waren es nur Monate. Da du ja noch gar nicht trinken durftest, würde ich diese Lücke nicht so heldenhaft darstellen. Die Dachfenstergeschichte und die anderen Geschichten deuten auf eine sehr begrenzte Frustrationstoleranz hin, was du nur mit Alk aushalten konntest. Zudem klingt es so, als wäre nur Corona schuld daran, dass du weniger trinkst (Achtung: Corona feiern wir seit einem Jahr, aber seit 6 Jahren geht es doch angeblich mit dem Konsum zurück). Ich ärgere dich mal: Frust wird wiederkommen, Bier wird auch immer irgendwo verfügbar sein, damit ist das weitere vorprogrammiert... Geh hier nochmal viel mehr an deine wahren Gründe, beim ersten Aufschlag vom FB ging es um Gruppenzwang, was ist damit geworden? Hier sind es nur Frust und Ärger...

Zur 13: Ich knüpfe an die 12 an, dein Frust war anscheinend nicht weg, dafür aber Peinlichkeiten, Ärger, Kater, Gleichgewichtsstörungen, Sprechprobleme... Also du hattest Frust, wolltest den wegsaufen und hast dir damit eigentlich nur weiteren Frust eingehandelt... Denk immer dran, der GA wird eine Diagnose stellen. Selbstschädigendes Verhalten ist da nicht hilfreich...

Zur 15: der Ausdruck "glücklicherweise" deutet an, dass du ein Trinkverhalten hattest, das Auswirkungen hätte haben müssen. Da würden bei mir als GA die Alarmglocken angehen. Du schreibst "man" hat gestritten, wenn du gestritten hast, dann schreib auch von dir, nicht von anderen Personen... Was die Auswirkungen angeht, sag ruhig dazu etwas wie "rückwirkend betrachtet" oder "wenn ich heute darüber nachdenke", sonst klingt es, als ob es damals schon sehr klar gewesen wäre und wir sind wieder beim selbstschädigenden Verhalten.

Zur 18: 3 Monate wäre mal "ein Bisschen", ein halbes Jahr wäre mal eine Pause, aber deine Trinkpausen sind nicht nennenswert lang. Aber das ist kein Problem, sonst sieht es auch zu sehr nach Rückfällen aus, sag einfach "nein, keine wirkliche Trinkpause, mal ein paar Wochen in der Klausurvorbereitung, aber nicht bewusst mal einen ernsthaften Zeitraum". Das ist ehrlicher und klingt einfach stimmiger.

Zur 19: Das ist keine einfache Frage, ich wäre vor allem mit diesen Definitionen vorsichtig, denn deine Geschichte zeigt auch Elemente von Alpha (Frust) und Gamma (Kontrollverluste, selbstschädigendes Verhalten). Ordne dich lieber als Gesellschaftstrinker ein, aber deute ruhig auch ein missbräuchliches Konsumieren oder etwas in der Art an, auch hier vorsichtig sein, denn von Missbrauch zu sprechen wäre wieder eine ungünstige Diagnose.

Zur 20: Finetuning - der Plan ist so geduldig wie das Papier auf dem er steht, sage ganz klar dass du dich für KT entschieden hast und dir da klare Regeln gesteckt hast. Plan klingt zu unverbindlich. Ich plane auch schon lange, meine Garage aufzuräumen, aber es wird immer schlimmer... ;)

Zur 23: betone hier ruhig den "Genuss" von Alkohol, damit schaffst du auch eine erste Abgrenzung zum Frustsaufen.

Zur 24: das zielt weniger auf die Zeit vor der TF sondern auf die danach. Warum "nur" noch KT und nicht mehr Vollgas?

Zur 25: lass hier die Trinkanlässe weg, dein heutiger Konsum hat schon viel Raum eingenommen, da würde ich nicht nochmal drauf eingehen, sonst steht das so arg im Mittelpunkt. Die angesprochene Botschaft sollte eher sein, dass Alk keine zentrale Rolle mehr spielt.

Zur 27: wenn ich auf das Frustsaufen zurückgehe - dann musst du hier klar aufzeigen, was du heute machst. Auf deinen Auslöser zum Saufen gehst du aber nicht wirklich ein. Hier geht es nicht um KT, sondern wie hältst du KT durch, auch wenn wieder die alten Auslöser kommen.

Zur 28: da würde ich weniger sagen, wesentlich ist, dass du immer darauf eingestellt sein musst, dass es wieder passieren kann. Sonst wirst du irgendwann leichtsinnig. Nutze beide Fragen (27+28) um eine schlüssige Strategie darzustellen, wie du künftig mit den Auslösern umgehen wirst, schildere ruhig auch Erfahrungen, hier geht es eben ganz gezielt um die Beantwortung der Eignungsfrage, aller vorherigen Fragen dienen nur der Aufarbeitung.

So, das ist schon deutlich weniger Feedback als beim ersten Aufschlag, du hast gut weitergearbeitet. Es ist viel Finetuning, wichtig sind die Kernfragen: was ist passiert, warum ist das passiert, wie wird es künftig vermieden. Das muss eine stimmige Story werden, die authentisch rüberkommt. Du bist da auf einem guten Weg.

vg
rüdscher
 

Nancy

Super-Moderator und MPU Profi
Teammitglied
Administrator
Ich habe den Thread bzgl. KT mal in den bestehenden eingefügt, schließlich geht es um das gleiche Thema.
Meine Bitte: keinen neuen Stränge eröffnen, ansonsten wird es schnell unübersichtlich - danke.


Zum KT: dem Gutachter geht es in erster Linie darum dass man sich selbst eine Obergrenze gesetzt hat zu einem Anlass und diese auch einhält.
Wenn man also angibt dass man "nur noch" max. 2 Bier a 0,33l trinkt, gleichzeitig aber erzählt dass am letzten Geburtstag des besten Freundes 5 Bier getrunken wurden ist das eher schlecht...
Ansonsten ist es oft kontraproduktiv dem GA zu erzählen dass man nur noch 8 oder 10x im Jahr Alk. trinken wird (sofern nicht explizit danach gefragt wird und das passiert wohl seltener), denn dass dies eher realitätsfern ist weiß auch der Gutachter...
 

Kill

Stamm-User
Bei dir war das Datum der Auffälligkeit der 25.10.2020, also noch ziemlich frisch... Um die Frist der Fahrerlaubnisbehörde einzuhalten willst du wahrscheinlich am 10. Mai deine MPU machen - aber ich denke, dass du ohne Abstinenznachweise nicht durchkommst.

Du hast doch auch noch ne Sperrfrist bis August 2021...

Ich kann dir nur sagen, dass du die geilste "Geschichte" der Welt haben kannst, bei harten Drogen z.B. ein Abstinenznachweis von 12 Monaten Pflicht - da kann der Gutachter dir noch so sehr glauben und dich noch so liebhaben, MPU positiv unmöglich.

Ich bin kein Alkohol Experte, aber ich denke, dass du auf jeden Fall Abstinenznachweise mitbringen musst... Du musst deine Gedanken ja auch irgendwie "beweisen"... Also ich bin bei meiner 1. MPU ohne Abstinenznachweise mit einem negativen Ergebnis nach Hause gegangen - ich wusste aber, dass ich nicht durchkomme, aber das mit dem fehlenden Abstinenznachweis habe ich erst kurz davor ernst genommen...

Bevor ein Gutachter dir ein positives Ergebnis zuteilt braucht der ja irgendwelche Anhaltspunkte die sein Ergebnis untermauern bzw. belegen... Falls du Wiederholungstäter wirst kann der Gutachter ja nicht sagen:"Herr Tumbleweed hat mir versprochen sich in Zukunft an die Regeln zu halten, belegt hat er es zwar nicht, aber er schien einsichtig..." ;)


EDIT:
Achso, geht um KT :D Ja wird schwierig - trotzdem alles Gute.
 
Zuletzt bearbeitet:

Andi18

Erfahrener Benutzer
12. Warum haben Sie getrunken? (Innere & Äußere Motive)
Ich habe schon in jungen Jahren das erste Mal Alkohol getrunken, mit circa 14 einhalb. Das fing auf einer kleinen Feier mit Freunden an, wo jeder einfach wahllos irgendwelche Getränke mitgebracht hatte, die er aus der Schnapsbar der Eltern entwendet hatte. Hier war ganz klar der Sinn herauszufinden, was der Alkohol “kann”, also was es bedeutet einen Rausch zu haben. Wenig überraschend haben wir uns alle gnadenlos überschätzt und nicht wenige von uns waren so betrunken, dass sie sich übergeben mussten. Auch ich musste mich übergeben. Damit war für mich erstmal der Alkohol gestorben. Nach wenigen Monaten begannen meine Freunde jedoch wieder Bier zu trinken und durch einen gewissen Gruppenzwang wollte ich auch dazu gehören und trank mit. Ich erinnere mich noch gut, dass mir das Bier damals schrecklich schmeckte. ...Aber es war cool und wer auf einer Party nichts getrunken hat, der war seltsam und ein Outsider. Obendrein merkte ich natürlich, dass der Alkohol eine entsprechende Wirkung auf mich hatte und manche Abende deutlich lustiger machte als sie es vielleicht ohne Alkohol gewesen wären. Zudem war ich ein relativ schüchterner Junge, was Frauen angeht und auch das ließ sich im angetrunkenen Zustand leichter überwinden. So viel zur anfänglichen Motivation wie ich mit dem trinken angefangen habe. Die positiven Effekte blieben mit steigendem Alter ähnlich. Der Alkohol machte mich lustiger, redseliger und weniger schüchtern. Hinzu kam jedoch, dass mir Bier inzwischen schmeckte, sowie eine gewisse Gewohnheit. In meinen Freundeskreisen war es nach wie vor die Norm zu trinken, frei nach dem Motto “Alkohol ist die einzige Droge, bei du dich rechtfertigen musst, wenn du sie nicht nimmst.” Ein weiterer entscheidender Punkt war, dass es meist wenig negative Auswirkungen gab. Natürlich wusste man, dass Alkohol eine Droge ist und in diesen Mengen sicherlich auch schädlich für die Gesundheit, aber da der Kater am nächsten Tag sich meist in Grenzen hielt hat man von diesen gesundheitlichen Auswirkungen bewusst wenig gespürt.

Hin und wieder kam es auch vor, dass ich in stressigen oder schwierigen Situationen Alkohol konsumiert habe. Anfang 20 habe ich es mal geschafft die Dachfenster meines Zimmers offen zu lassen kurz bevor ein Sturm aufzog. Innerhalb kürzester Zeit waren beide Fenster ausgerissen und davon geflogen, was nicht gerade für die beste Stimmung bei meinen Eltern sorgte. Obendrein begann es zu stürmen und zu regnen und wir mussten die Löcher im Dach ja irgendwie reparieren. Zusammen mit einem befreundeten Handwerker stieg ich (gesichert) aufs Dach um die offenen Stellen zu vernageln und neu einzudecken. Gleichzeitig mussten wir das Wasser, das bereits nach innen lief ständig wieder aufwischen. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, aber ich war so fertig mit den Nerven, dass ich als ich später am Abend in die Stadt zum Feiern fuhr, deutlich mehr getrunken habe, als ich es vielleicht ohne diesen Zwischenfall getan hätte.

Auch kam es vor, dass ich mich regelmäßig beim Weggehen mit einer Freundin gestritten habe, in die ich damals verliebt war. Das hat ebenfalls dazu geführt, dass ich dann in eine Art “Mir ist alles egal” Stimmung verfiel und deutlich mehr trank als gewollt. Hierbei war es jedoch nie so, dass ich diese Entscheidung nüchtern getroffen habe, sondern da war ich immer bereits angetrunken.

Ich war und bin kein großer Fan vom Weggehen in Clubs mit lauter Techno Musik. Trotzdem ließ ich mich regelmäßig von meinen Kumpels in genau solche mitschleifen. Um das einigermaßen auszuhalten, habe ich dann meistens schon mit den anderen zusammen vorgeglüht, sodass ich im Club dann schon ein paar Bier hatte. Immerhin das wusste ich auch schon vor der TF besser, sodass ich solche Plätze jetzt meide.

Der Höhepunkt meiner Trinkzeit war wohl Mitte 20. Danach wurde es kontinuierlich seltener und weniger zum einen aus Zeitgründen zum anderen weil der Kater immer schlimmer wurde. Als die Pandemie ausbrach wurde es dann nochmal weniger, weil ich alleine grundsätzlich nichts trinke und man sich durch die Bestimmungen ja nicht mehr so oft treffen konnte. Der Oktober 2020 war bisher einer der schlimmsten Monate meines Lebens für mich. Erst starb meine Großmutter, kurz darauf aus heiterem Himmel meine Tante. Es ist mir einerseits etwas unangenehm, das zu erwähnen und als Begründung für meinen wieder erhöhten Konsum aufzuführen, weil ich mich ein wenig so fühle, als würde ich diese tragischen Ereignisse als Ausreden zu meinem eigenen Vorteil nutzen und damit das Andenken dieser beiden geliebten Menschen verschmutzen. Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, ist das nun mal die Wahrheit und keine Ausrede. So kam es dass ich Mitte und Ende Oktober wieder mehr trank.
Zur 12: Hier erwähnst du die Lücke von der 9, allerdings klingt das bei der 9 nach Jahren, hier waren es nur Monate. Da du ja noch gar nicht trinken durftest, würde ich diese Lücke nicht so heldenhaft darstellen. Die Dachfenstergeschichte und die anderen Geschichten deuten auf eine sehr begrenzte Frustrationstoleranz hin, was du nur mit Alk aushalten konntest. Zudem klingt es so, als wäre nur Corona schuld daran, dass du weniger trinkst (Achtung: Corona feiern wir seit einem Jahr, aber seit 6 Jahren geht es doch angeblich mit dem Konsum zurück). Ich ärgere dich mal: Frust wird wiederkommen, Bier wird auch immer irgendwo verfügbar sein, damit ist das weitere vorprogrammiert... Geh hier nochmal viel mehr an deine wahren Gründe, beim ersten Aufschlag vom FB ging es um Gruppenzwang, was ist damit geworden? Hier sind es nur Frust und Ärger...
Ich meine Du solltest die inneren Motive noch viel deutlicher erarbeiten.
Die Einleitung der Geschichte als schüchtern kannst zwar bringen, spielen aber glaub ich keine große rolle mehr. Du bist jetzt mit 30 Jahren nicht mehr ganz jung. Ansonsten würde das natürlich auf ein gefestigtes Verhaltensmuster zurück gehen.
Das von rüdscher erwähnte Frustrationstoleranz ist lt. den Trinkmotiven als Entlastungs-/ Betäubungstrinken benannt. Die Gefühlslage müsste noch detaillierter beschrieben werden. Hierzu beschreibst ja schon die stressigen/schwierigen Situationen, Stress mit Freundin, Todesfall welches bei der Großmutter vlt eine Krankengeschichte voraus geht?
Diese Angabe der Dachfenstergeschichte tu ich mir teils schwer mit Mitte 20. Bezieht sich das auf Dein Alter oder das Jahr ..
Bitte auch mehr in der Ich-Form schreiben. Ich glaube ich täte diese Geschichte eher weglassen.

Die Lücke mit 9 versteh ich grad nicht. Hab auch nur die Frage 12 gelesen.
@rüdscher die Zitierfunktion funktioniert wirklich super. Versuch diese doch mal. Damit fällt es Dir viel leichter zu kommentieren und dem Leser zu folgen.
 

Tumbleweed

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Bei dir war das Datum der Auffälligkeit der 25.10.2020, also noch ziemlich frisch... Um die Frist der Fahrerlaubnisbehörde einzuhalten willst du wahrscheinlich am 10. Mai deine MPU machen - aber ich denke, dass du ohne Abstinenznachweise nicht durchkommst.

Du hast doch auch noch ne Sperrfrist bis August 2021...
Richtig vermutet. Ich hatte eigentlich absichtlich noch keine neuen Führerschein beantragt um mir hier noch etwas Zeit zu lassen. Die MPU Aufforderung kam trotzdem. Hier liest man ja öfters, dass die Mindestlaufzeit für KT 6 Monate ist. Die habe ich bereits hinter mir, wenn auch nur sehr knapp... :(

Ich kann dir nur sagen, dass du die geilste "Geschichte" der Welt haben kannst, bei harten Drogen z.B. ein Abstinenznachweis von 12 Monaten Pflicht - da kann der Gutachter dir noch so sehr glauben und dich noch so liebhaben, MPU positiv unmöglich.

Ich bin kein Alkohol Experte, aber ich denke, dass du auf jeden Fall Abstinenznachweise mitbringen musst... Du musst deine Gedanken ja auch irgendwie "beweisen"... Also ich bin bei meiner 1. MPU ohne Abstinenznachweise mit einem negativen Ergebnis nach Hause gegangen - ich wusste aber, dass ich nicht durchkomme, aber das mit dem fehlenden Abstinenznachweis habe ich erst kurz davor ernst genommen...
Puh, das ist alles andere als ermutigend... :confused:
Klingt auch so, als könnte man eine MPU grundsätzlich nicht ohne Nachweis bestehen, aber das stimmt doch nicht oder?

Bevor ein Gutachter dir ein positives Ergebnis zuteilt braucht der ja irgendwelche Anhaltspunkte die sein Ergebnis untermauern bzw. belegen... Falls du Wiederholungstäter wirst kann der Gutachter ja nicht sagen:"Herr Tumbleweed hat mir versprochen sich in Zukunft an die Regeln zu halten, belegt hat er es zwar nicht, aber er schien einsichtig..." ;)
Jetzt lachst du mich wahrscheinlich aus, aber ja, ich hatte gehofft, dass genau das möglich ist. Am Ende ist doch das psychologische Gespräch am Wichtigsten und nicht das, was auf irgendwelchen Nachweisen steht, weil es doch viel mehr um die Zeit nach der MPU geht als um die Zeit davor oder? Jetzt ist es ja eh zu spät. Das einzige, was ich noch hinbekommen könnte, wäre eine Haarprobe für die letzten 3 Monate, aber ich glaube kaum, dass mir das groß was bringt... :(


@rüdscher @Andi18 @Nancy
Vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten, ich werde mir euer Feedback am Wochenende nochmal in Ruhe durchlesen und mich dann nochmal melden.
 

Kill

Stamm-User
Jetzt lachst du mich wahrscheinlich aus, aber ja, ich hatte gehofft, dass genau das möglich ist.

Nein, hier lacht dich keiner aus. Du willst ja mit kontrolliertem Trinken bestehen, bei mir waren es harte Drogen wo ein Abstinenznachweis von mindestens 12 Monaten Grundvoraussetzung ist. Ich habe "damals" auch nur den Fehler gemacht, dass ich die Fristen nach dem Führerscheinentzug einhalten wollte und mich dadurch nicht hinreichend informiert habe. Ich dachte wie du, dass ich mit meiner nachvollziehbaren Einsicht trotzdem durchkomme - wäre ich auch, aber ohne Abstinenznachweise war es mir unmöglich.

Vom KT habe ich aber keine Ahnung, denke aber, dass wie fast immer die MPU nicht innerhalb der gesetzten Fristen vom Straßenverkehrsamt, zu meistern ist. Versuch es einfach...

Falls es nicht klappt bist du um eine Erfahrung reicher und du hast ein professionelles Gutachten in dem steht was du für die vermeintlich nächste MPU machen bzw. vorlegen musst.

Ich war auch bei der AVUS in DO und die sind wirklich nett bzw. professionell da.

Falls es mit KT nicht funktioniert, gehe mal in dich und denke über Abstinenz nach - wird dich mehr Zeit und mehr Geld kosten, aber dafür erhältst du eine unbezahlbare Gegenleistung. Also so war es bei mir... Und sei dir sicher, dass egal was passiert und wie deine MPU verläuft - es passiert was passiert :D "Einen Fehler zu machen und ihn nicht korrigieren, erst das ist ein Fehler..."
 

Andi18

Erfahrener Benutzer
Für KT sind keine forensischen Belege vorgeschrieben, aber sehr gerne gesehen. Ist doch menschlich mit einem Beweis in der Hand, daß man Dir dann leichter glauben mag.
Du kannst jederzeit eine HA erstellen lassen, gilt dann 3M rückwärts. Les Dich hier in den Infos dazu ein. Sind einige Beiträge drin.KT

Mit der HA hast den Vorteil, daß Du Dir die Zeit sicherst. Abhängig Ergebnis:
<7pg beweist es AB, von 7-30 steht für KT.
KT'ler welche nach Vorgabe betreiben, erhalten idR einen abstinenten Befund (also 1 TA pro Monat mit 2-3 TE).
Wenn du nun die HA <7 ausgewiesen bekommst und bei der MPU scheiterst, sicherst Dir damit sogar die Zeit und könntest dann beim 2. Anlauf mit AB antreten.

Momentan ersehe ich allerdings Deinen gegenwärtigen Konsum für KT kritisch, sofern dies noch so gilt:
Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: War nach dem Vorfall 100 Tage abstinent bis Anfang Februar, danach nie mehr als 2 Bier an einem Abend und das nur in Gesellschaft und seltener als ein Mal pro Woche.
für nicht KT-geeignet. Les Dich ebenso in die Regeln des KTs ein.

Ich persönlich würde Dir auch die HA empfehlen. Sollte Stuttgart für Dich erreichbar sein, kann ich Dir ein Labor empfehlen.
Die haben 3x pro Woche offene Sprechstunde, also ohne Termin, Abgeben, 80,-, fertig.
Ergebnis ist nach gut 8 Tagen per Post da.
PS: ich war grad die Woche dort und erwarte das Ergebnis i.d. kommenden Woche.
 

Tumbleweed

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Nochmal großes Dankeschön @rüdscher
Ich gehe jetzt nicht auf all dein Feedback ein. Das was ich unkommentiert lasse, übernehme ich einfach so. Hier noch zu den Unklarheiten:

Zur 9: schreibe noch dazu, ab wann du mehr oder weniger regelmässig getrunken hast, denn zwischen dem ersten Mal mit 14 und dem späteren Hoch wirkt es als ob eine Lücke wäre. Von 18-24 hast du dann immer weiter zugelegt, dann aber "kontinuierlich weniger", da würde ich dann fragen, wie das gemeint ist, denn du hattest 6 Jahre zum Toleranz antrainieren, dann 6 Jahre um wieder ganz runter zu fahren. Dennoch kam deine TF... Stell es anders dar, sonst sieht es aus, als ob du mittlerweile das Trinken nicht mehr gut im Griff hättest...
Ist tatsächlich generell noch etwas dürftig. Vielleicht gehören einige Teile aus der 12 auch eher hier hin. Ich denke das entspricht soweit schon ganz gut der Wahrheit. Ich denke "antrainiert" habe ich mir meine Tolerant kontinuierlich zwischen 14 und 18. Ab dann lief es ungefähr auf einem Level weiter, eigentlich bis zum Ende meines Studiums bis ich 26 war. 24 war also eher Quatsch. Danach begann mein erster fester Job, somit hatte ich deutlich weniger Freizeit und mehr Verantwortung. Hinzu kam, dass ich den Alkohol nach und nach deutlich schlechter vertrug als zu Beginn. So kann ich schon gut begründen, dass es generell eher weniger wurde. Zu Corona dann nochmal ein bisschen weniger bis zum besagten Oktober, in dem so viel schlimmes passiert ist.

Zur 12: Hier erwähnst du die Lücke von der 9, allerdings klingt das bei der 9 nach Jahren, hier waren es nur Monate. Da du ja noch gar nicht trinken durftest, würde ich diese Lücke nicht so heldenhaft darstellen. Die Dachfenstergeschichte und die anderen Geschichten deuten auf eine sehr begrenzte Frustrationstoleranz hin, was du nur mit Alk aushalten konntest. Zudem klingt es so, als wäre nur Corona schuld daran, dass du weniger trinkst (Achtung: Corona feiern wir seit einem Jahr, aber seit 6 Jahren geht es doch angeblich mit dem Konsum zurück). Ich ärgere dich mal: Frust wird wiederkommen, Bier wird auch immer irgendwo verfügbar sein, damit ist das weitere vorprogrammiert... Geh hier nochmal viel mehr an deine wahren Gründe, beim ersten Aufschlag vom FB ging es um Gruppenzwang, was ist damit geworden? Hier sind es nur Frust und Ärger...

Zur 13: Ich knüpfe an die 12 an, dein Frust war anscheinend nicht weg, dafür aber Peinlichkeiten, Ärger, Kater, Gleichgewichtsstörungen, Sprechprobleme... Also du hattest Frust, wolltest den wegsaufen und hast dir damit eigentlich nur weiteren Frust eingehandelt... Denk immer dran, der GA wird eine Diagnose stellen. Selbstschädigendes Verhalten ist da nicht hilfreich...
Ich hab einfach mal drauf los geschrieben, was mir so einfällt, da ich gemerkt habe, dass hier noch so wenig steht. Die Dachfentergeschichte lass ich weg, die ist am Ende einfach nur lächerlich. Ich hab mich ja selbst als Betatrinker eingeordnet und nicht als Alpha und das eigentlich mit gutem Grund. Ich kann mich nicht erinnern, jemals aus Frust angefangen zu haben Alkohol zu trinken, so wie man es teilweise aus Filmen kennt. Bei den oben beschriebenen Anlässen war es jedes Mal so, dass ich ohnehin geplant hatte wegzugehen oder auf irgendeiner Feier eingeladen war und es dann stressbedingt vielleicht etwas mehr wurde als geplant.

Vielleicht tatsächlich nochmal zum Gruppenzwang. Den klassischen Gruppenzwang gab es nie. Soll heißen, es hat mich niemals jemand gezwungen Alkohol zu trinken. Aber ja, alle im Freundeskreis haben damals relativ viel getrunken und anfangs war da Trinken cool und man musste quasi Alkohol trinken um dazu zu gehören (auch wenn das niemand explizit so ausgesprochen hat). Das war in den ersten Jahren so und danach gehörte es für mich einfach dazu beim Feiern zu trinken. Viele der anderen Motive blieben auch weiterhin bestehen, sprich Unsicherheit oder Schüchternheit und die gewisse Leichtigkeit die das Angetrunkensein mit sich brachte.


Zur 19: Das ist keine einfache Frage, ich wäre vor allem mit diesen Definitionen vorsichtig, denn deine Geschichte zeigt auch Elemente von Alpha (Frust) und Gamma (Kontrollverluste, selbstschädigendes Verhalten). Ordne dich lieber als Gesellschaftstrinker ein, aber deute ruhig auch ein missbräuchliches Konsumieren oder etwas in der Art an, auch hier vorsichtig sein, denn von Missbrauch zu sprechen wäre wieder eine ungünstige Diagnose.
Mache ich. Passt auch besser. Habe mich an dieser Definition orientiert:

Und was mich da am Beta Trinker stutzig gemacht hat war das Gelegenheitstrinken allein z.B. vorm Fernseher, was zu mir halt gar nicht passt, da ich ausschließlich in Gesellschaft trinke. Übrigens: Geht es hier tatsächlich um diese Kategorien oder eher um die Kategorien Normal, Gefährdet, Missbrauch, Abhängigkeit?


Zur 24: das zielt weniger auf die Zeit vor der TF sondern auf die danach. Warum "nur" noch KT und nicht mehr Vollgas?
Sieht mir tatsächlich nach ner Themaverfehlung aus, danke! ^^
Ich habe zunächst eine Trinkpause eingelegt, weil ich mich so sehr über mein eigenes Verhalten geärgert habe. Ich wollte sicher gehen, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Als ich dann obendrein noch gemerkt habe, wie positiv sich die Trinkpause auf mein Leben auswirkt bzgl. Sport & Motivation / Antrieb, wusste ich, dass ich auch nach meiner Pause nicht zu mehr wieder zu dem Konsum, wie vor der TF war, zurückkehren möchte.

Zur 25: lass hier die Trinkanlässe weg, dein heutiger Konsum hat schon viel Raum eingenommen, da würde ich nicht nochmal drauf eingehen, sonst steht das so arg im Mittelpunkt. Die angesprochene Botschaft sollte eher sein, dass Alk keine zentrale Rolle mehr spielt.
Okay, ich erwähne nur den ersten nach der Pause und sage, dass ich seitdem kontrolliert trinke und es mir damit besser geht.

Zur 27: wenn ich auf das Frustsaufen zurückgehe - dann musst du hier klar aufzeigen, was du heute machst. Auf deinen Auslöser zum Saufen gehst du aber nicht wirklich ein. Hier geht es nicht um KT, sondern wie hältst du KT durch, auch wenn wieder die alten Auslöser kommen.
Ich denke, ich lasse das Frustsaufen weg. Es ist meiner Ansicht auch nicht richtig. Das zählt vielleicht für Oktober 2020. Dass solche Auslöser wieder kommen können, ist mir klar, aber da gehe ich ja in der 28 drauf ein. Vielleicht erwähne ich das hier nochmal explizit und sage, dass ich mir Hilfe bei meiner Familie und meinen Freunden hole.
Zur 28: da würde ich weniger sagen, wesentlich ist, dass du immer darauf eingestellt sein musst, dass es wieder passieren kann. Sonst wirst du irgendwann leichtsinnig. Nutze beide Fragen (27+28) um eine schlüssige Strategie darzustellen, wie du künftig mit den Auslösern umgehen wirst, schildere ruhig auch Erfahrungen, hier geht es eben ganz gezielt um die Beantwortung der Eignungsfrage, aller vorherigen Fragen dienen nur der Aufarbeitung.
Wäre es dann sinnvoll zu sagen "Selbst wenn alle Stricke reißen sollten und ich doch aus irgendeinem Grund nochmal über mehr als 0.5 Promille kommen sollte, weiß ich nun das Trinken und Fahren sicher zu trennen (Fragestellung)? Ich glaube hiermit würde ich mir eher ins eigene Fleisch schneiden.
 

Tumbleweed

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Vielen Dank für dein Feedback @Andi18

Ich meine Du solltest die inneren Motive noch viel deutlicher erarbeiten.
Die Einleitung der Geschichte als schüchtern kannst zwar bringen, spielen aber glaub ich keine große rolle mehr. Du bist jetzt mit 30 Jahren nicht mehr ganz jung. Ansonsten würde das natürlich auf ein gefestigtes Verhaltensmuster zurück gehen.
Das von rüdscher erwähnte Frustrationstoleranz ist lt. den Trinkmotiven als Entlastungs-/ Betäubungstrinken benannt.
Und ich nehme an wenn der GA die Diagnose "Entlastungs / Betäubungstrinken" stellt ist das schlecht und führt eher zu einer negativen MPU? Wie bereits oben in der Antwort auf rüdschers Feedback erwähnt, habe ich mir die "Probleme" oder "Frustanlässe" ein bisschen aus dem Ärmel gezogen weil ich verzweifelt nach weiteren sinnvollen Gründen gesucht habe... Ich persönlich würde mich nicht als Frusttrinker bezeichnen. Das mag im Oktober 20 gut zugetroffen haben, aber sonst eigentlich nie. Da war es immer so, dass der eigentliche Trinkanlass ein anderer war und ich dann ab und zu mehr getrunken habe, wenn ich schlecht drauf war. Andererseits habe ich oft auch genau so viel getrunken ohne schlecht drauf zu sein und das sehe ich für mich deutlich eher als Motiv als Frustration. Ich denke, dass es hauptsächlich der Rauschzustand war, den ich erreichen wollte, in dem eben vieles deutlich lustiger war als nüchtern.

Die Gefühlslage müsste noch detaillierter beschrieben werden. Hierzu beschreibst ja schon die stressigen/schwierigen Situationen, Stress mit Freundin, Todesfall welches bei der Großmutter vlt eine Krankengeschichte voraus geht?
Diese Angabe der Dachfenstergeschichte tu ich mir teils schwer mit Mitte 20. Bezieht sich das auf Dein Alter oder das Jahr ..
Bitte auch mehr in der Ich-Form schreiben. Ich glaube ich täte diese Geschichte eher weglassen.
Das Anfang 20 bezog sich auf mein Alter. Aber ja, ihr habt ja recht. Mir fiel das gerade ein und ich dachte ich erwähne es mal, aber es liest sich extrem dämlich und mir ist es fast schon bisschen peinlich, dass ich es erzählt habe. :smiley624: Was die Gefühlslage im Oktober 2020 angeht inklusive Krankengeschichte meiner Oma etc. Das kann ich ohne Probleme sehr ausführlich beschreiben. Sind für mich auch die einzigen echten Frustsituationen, die mich ernsthaft und über längere Zeit beschäftigt haben und dazu geführt haben, dass ich zu viel getrunken habe.

Für KT sind keine forensischen Belege vorgeschrieben, aber sehr gerne gesehen. Ist doch menschlich mit einem Beweis in der Hand, daß man Dir dann leichter glauben mag.
Du kannst jederzeit eine HA erstellen lassen, gilt dann 3M rückwärts. Les Dich hier in den Infos dazu ein. Sind einige Beiträge drin.KT

Mit der HA hast den Vorteil, daß Du Dir die Zeit sicherst. Abhängig Ergebnis:
<7pg beweist es AB, von 7-30 steht für KT.
KT'ler welche nach Vorgabe betreiben, erhalten idR einen abstinenten Befund (also 1 TA pro Monat mit 2-3 TE).
Wenn du nun die HA <7 ausgewiesen bekommst und bei der MPU scheiterst, sicherst Dir damit sogar die Zeit und könntest dann beim 2. Anlauf mit AB antreten.

Momentan ersehe ich allerdings Deinen gegenwärtigen Konsum für KT kritisch, sofern dies noch so gilt:

für nicht KT-geeignet. Les Dich ebenso in die Regeln des KTs ein.

Ich persönlich würde Dir auch die HA empfehlen. Sollte Stuttgart für Dich erreichbar sein, kann ich Dir ein Labor empfehlen.
Die haben 3x pro Woche offene Sprechstunde, also ohne Termin, Abgeben, 80,-, fertig.
Ergebnis ist nach gut 8 Tagen per Post da.
PS: ich war grad die Woche dort und erwarte das Ergebnis i.d. kommenden Woche.
Ich denke für eine HA ist es bereits zu spät. :(
In München dauert das ein paar Wochen so wie ich das gelesen habe und es kostet auch deutlich mehr als 80 Euro. Meint ihr es macht Sinn nochmal zu versuchen meine MPU um einen Monat nach hinten zu verschieben um eine HA einzuholen? Oder macht so ein "Verschieben" an sich nicht auch einen schlechten Eindruck?
 

Tumbleweed

Benutzer
Danke für deinen netten Beitrag @Kill

Ich war auch bei der AVUS in DO und die sind wirklich nett bzw. professionell da.
Das ist gut zu hören. In München sind das bei Google auch immerhin noch die bestbewerteten mit glorreichen 3.5/5 Sternen. Aber gut, darauf kann man wahrscheinlich nicht viel geben, weil jeder der durchfällt pauschal mal nur einen Stern gibt, weil das wohl das einzige Ventil ist...

Falls es nicht klappt bist du um eine Erfahrung reicher und du hast ein professionelles Gutachten in dem steht was du für die vermeintlich nächste MPU machen bzw. vorlegen musst.
Das wäre ja immerhin etwas...
So wie ich es sehe kostet ein professioneller Vorbereitungskurs ähnlich viel wie ein MPU Versuch. Wenn mir jetzt im Gutachten des nicht bestandenen ersten Versuchs mitgeteilt wird, was ich brauche um beim zweiten Versuch bessere Chancen zu haben, nimmt sich das ja dann gar nicht so viel. Außer natürlich es steht drin, dass ich auf jeden Fall einen dieser professionellen Vorbereitungskurse besuchen sollte... :rolleyes:
 

rüdscher

Neuer Benutzer
Moin,

ich denke, du hast vieles verstanden und bewegst das in deinen Gedanken, du bist auf einem guten Weg. Du hast ausserdem viel Feedback bekommen, ich würde dir raten, das alles jetzt nochmal aufzunehmen und nochmal den FB ganz neu auszufüllen, nicht zu ändern. Das hilft dir auch dabei, dich nochmal im Moment der Frage mit dieser auseinanderzusetzen, so wie es in der MPU dann auch passieren muss. Der FB ist ja nur eine Leitlinie, das könnte passieren und gefragt werden, inhaltlich sicher nah am Original, aber wie es der GA aufbaut bleibt abzuwarten...

Wäre es dann sinnvoll zu sagen "Selbst wenn alle Stricke reißen sollten und ich doch aus irgendeinem Grund nochmal über mehr als 0.5 Promille kommen sollte, weiß ich nun das Trinken und Fahren sicher zu trennen (Fragestellung)? Ich glaube hiermit würde ich mir eher ins eigene Fleisch schneiden.

Nein, denn du baust ja eine Hintertür in dein KT. Du musst eine klare KT-Strategie haben, die nie über 0,3 hinausgeht. Und du musst parallel Vermeidungsstrategien haben.
Beispiel: wenn der Frust kommt gehe ich erst 10km joggen, wenn er dann immer noch da ist grille ich mir was und komme dabei runter, wenn er immer noch da ist habe ich 2 Ansprechpartner im Freundeskreis, die über alles Bescheid wissen, die mir dann helfen, die im Handy auch ganz oben abgespeichert sind.

Dann bist du vorbereitet, wenn der Frust kommt und der Saufdruck, aber du hast ebenfalls eine klare Strategie. Der GA weiss, dass es nie eine Garantie gibt. Aber du bist vorbereitet...

Geht es hier tatsächlich um diese Kategorien oder eher um die Kategorien Normal, Gefährdet, Missbrauch, Abhängigkeit?

Um letztere, denn der GA muss dich diagnostizieren. Da ist erst mal egal, welche Art von Trinker, sondern es geht um die Skala von gesund bis alkoholkrank. Wobei auch die Abhängigkeit zwischen psychisch (dann sind wir wiederum mehr im Missbrauch) und physisch, also der körperlich manifestierten Abhängigkeit unterscheidet.

Dahinter stehen die Beurteilungskriterien und die damit verbundenen Anforderungen. Wer z.B. in Richtung Abhängigkeit geht, der muss mit 12 Monaten nachgewiesener Abstinenz die stabile Verhaltensveränderung belegen. Eine Diagnose irgendwo bei Gefährdung ist daher deutlich einfacher abzufedern...

vg
rüdscher
 

Max

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"Zur 24: das zielt weniger auf die Zeit ... " ... ist hier unangebracht und macht die Sache unübersichtlicher.
 

Andi18

Erfahrener Benutzer
Und ich nehme an wenn der GA die Diagnose "Entlastungs / Betäubungstrinken" stellt ist das schlecht und führt eher zu einer negativen MPU?
Nein, wie von Rüdscher bereits erwähnt spielen ausschließlich die Kategorien A1-A7 für die Bewertung eine Rolle. Du mußt also versuchen in A3 Alkohol-Gefährdung eingestuft zu werden, um eine AB-Bedürftigkeit von 12M zu vermeiden.
Wie bereits oben in der Antwort auf rüdschers Feedback erwähnt, habe ich mir die "Probleme" oder "Frustanlässe" ein bisschen aus dem Ärmel gezogen weil ich verzweifelt nach weiteren sinnvollen Gründen gesucht habe... Ich persönlich würde mich nicht als Frusttrinker bezeichnen. Das mag im Oktober 20 gut zugetroffen haben, aber sonst eigentlich nie. Da war es immer so, dass der eigentliche Trinkanlass ein anderer war und ich dann ab und zu mehr getrunken habe, wenn ich schlecht drauf war. Andererseits habe ich oft auch genau so viel getrunken ohne schlecht drauf zu sein und das sehe ich für mich deutlich eher als Motiv als Frustration.
Dieses "schlecht drauf" zu sein, muß innerlich verdeutlicht werden. Was heißt schlecht drauf und was hilft Dir der Alk dabei? mE muß es eine konkrete Ursache geben. Nur wenn diese bekannt ist, kannst dann später in der Vermeidung dieses gezielt angehen.
Schau Dir auch nochmal meinen Beitrag #25 mit den Motiven an. Dieses Verdeutlichen fehlt mir noch. Indizien hast ganz konkret benannt, bau das aus.
Ich bin überzeugt, wenn Du Dich in die Position des GA versetzt, würde Dir das beim neutralen Lesen auch noch fehlen.

Ich denke, dass es hauptsächlich der Rauschzustand war, den ich erreichen wollte, in dem eben vieles deutlich lustiger war als nüchtern.
Sowas würde ich nicht erwähnen. Nur den Rauschzustand gezielt zu wollen, lässt auf ein tieferes fortgeschrittenes Problem schließen. Andere liegen mit dem Pegel unterm Tisch.
Das Anfang 20 bezog sich auf mein Alter. Aber ja, ihr habt ja recht. Mir fiel das gerade ein und ich dachte ich erwähne es mal, aber es liest sich extrem dämlich und mir ist es fast schon bisschen peinlich, dass ich es erzählt habe. :smiley624: Was die Gefühlslage im Oktober 2020 angeht inklusive Krankengeschichte meiner Oma etc. Das kann ich ohne Probleme sehr ausführlich beschreiben. Sind für mich auch die einzigen echten Frustsituationen, die mich ernsthaft und über längere Zeit beschäftigt haben und dazu geführt haben, dass ich zu viel getrunken habe.
Genau das ist gut und meine ich oben.
Wenn das hast, kannst Deine Trinkhistorie drum-herum ausbauen und schließlich in der Vermeidung drauf eingehen.
Ich denke für eine HA ist es bereits zu spät.
In München dauert das ein paar Wochen so wie ich das gelesen habe und es kostet auch deutlich mehr als 80 Euro. Meint ihr es macht Sinn nochmal zu versuchen meine MPU um einen Monat nach hinten zu verschieben um eine HA einzuholen? Oder macht so ein "Verschieben" an sich nicht auch einen schlechten Eindruck?
Ich hab Deine Termine nicht mehr ganz im Blick. Ich war letzte Woche bei der HA in Ludwigsburg. 2 Tage später hatte das Labor den Befund zur Post gebracht, der Postweg dauerte dann 5 Tage auch wegen Feiertag am Samstag. Somit nach gut einer Woche hatte ich den negativen Befund i.d. Hand. Mir persönlich würde das Sicherheit geben.. aber ist ein persönliches Ding. Wie gesagt 80,- - wenn alles schief geht, kannst Dir die Zeit damit sichern.
Die haben offene Sprechstunde, ohne Termin. Mittwochs von 15-17.30 (hier soll die Warteschlange immer lang sein), ansonsten Montags und Freitags vormittags.

Momentan fehlt mir beim Kommentieren auch grad der aktuelle Stand und Überblick, da ja einiges Kommentare gekommen sind.
Wie von rüdscher auch schon angemerkt, wäre es hilfreich wenn Du den gesamten FB überarbeitet komplett nochmal einstellst.
 

Tumbleweed

Benutzer
Hi ihr lieben. Ich werde morgen den Fragebogen nochmal komplett überarbeiten und einstellen. Heute möchte ich euch etwas anderes erzählen: Ich hatte soeben eine einstündige Führerscheinberatung beim TÜV Nord. Wusste gar nicht, dass es das gibt bis ihr mich hier im Forum drauf aufmerksam gemacht habt. Im Endeffekt war das wie eine Generalprobe fürs MPU Gespräch nur deutlich günstiger mit 77 Euro.

Morgen bekomme ich mein Protokoll, aber ich möchte euch hier schon mal ein paar Fragen zeigen, an die ich mich erinnere:
  • Kam es im betrunken Zustand schon einmal zu einer Auseinandersetzung?
    --> Selten, aber ja.
  • Sie sagen ihre Freunde trinken oder haben damals auch ziemlich viel getrunken. Wie schätzen Sie sich selbst ein? Gehören Sie zu da zu den Top 3? Top 5? Eher Durchschnitt oder drüber oder drunter? (Was die Trinkmenge angeht).
    --> Nicht in den Top 3 oder 5, aber eher überm Durchschnitt
  • Haben Sie sich schon mal im Rausch verletzt?
    --> Ja, mal das Knie aufgeschlagen oder ähnliches.
  • Wenn sie sich verletzt haben, warum haben Sie dann nicht den Alkoholkonsum runter gefahren und dauerhaft kontrolliert getrunken? Was waren die Gründe, dass sie so viel getrunken haben?
    --> Frage 12
  • Was hat sich seitdem in ihrem Leben verändert?
    --> Hier hab ich erst erzählt wie ich jetzt KT betreibe und dann, dass ich viel mehr Sport mache
Gerade bei der hier letztgenannten Frage hab ich ganz schön abgekackt, was ja auf die Frage 12 im FB abzielt, bei dir ihr alle ebenfalls gesagt habt, dass es hier noch zu wenig ist. Der GA hat mir dann gesagt, dass ich durchgefallen wäre, wenn das eine echte MPU gewesen wäre bzw., dass er meine Bestehenschancen derzeit bei 20-30 % sieht.

Immerhin hat er auch gesagt, dass man merkt, dass ich mich schon intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt habe, meine KT Strategie fand er einwandfrei und auch was Nachweise angeht, war er der Meinung, dass das nicht nötig sei.

Zum Schluss hat er mir jedoch einen Kurs empfohlen bevor ich zur MPU hehe. 3 Mal 4 Stunden für insgesamt über 700 Euro. Prost Mahlzeit. Gut... Natürlich macht der TÜV solche Gespräche auch nicht zum Spaß. Mir hat es definitiv was gebracht, aber ich gehe schon davon aus, dass hier fast immer eine Empfehlung für irgendeine weitere Leistung ausgesprochen wird, damit sich das für den TÜV auch lohnt...

Genaueres gibt es dann morgen, wenn ich das Protokoll habe...

Mir hat es auf jeden Fall einiges gebracht und ich weiß jetzt, dass ich noch massiv an Frage 12 zu arbeiten habe. Auch wenn ich es selbst nicht zu 100 % so sehe, werde ich wieder stärker die Alphatrinker Strategie beschreiben und genauer auf Arbeitsstress und die Todesfälle eingehen. Einfach aus dem Grund, den du schon genannt hast @Andi18 :
Dieses "schlecht drauf" zu sein, muß innerlich verdeutlicht werden. Was heißt schlecht drauf und was hilft Dir der Alk dabei? mE muß es eine konkrete Ursache geben. Nur wenn diese bekannt ist, kannst dann später in der Vermeidung dieses gezielt angehen.
Das leuchtet mir jetzt ein. Hier müssen erstmal ein paar gute Argumente stehen und dann kann man später eben auch wieder genau drauf eingehen warum alle diese Ursachen in Zukunft nicht mehr greifen bzw. wie man für jede der Ursachen eine kugelsichere Rückfallvermeidung entwickelt hat.
 

Sonne

Erfahrener Benutzer
Hi ihr lieben. Ich werde morgen den Fragebogen nochmal komplett überarbeiten und einstellen. Heute möchte ich euch etwas anderes erzählen: Ich hatte soeben eine einstündige Führerscheinberatung beim TÜV Nord. Wusste gar nicht, dass es das gibt bis ihr mich hier im Forum drauf aufmerksam gemacht habt. Im Endeffekt war das wie eine Generalprobe fürs MPU Gespräch nur deutlich günstiger mit 77 Euro.

Morgen bekomme ich mein Protokoll, aber ich möchte euch hier schon mal ein paar Fragen zeigen, an die ich mich erinnere:
  • Kam es im betrunken Zustand schon einmal zu einer Auseinandersetzung?
    --> Selten, aber ja.

Nein antworten
  • Sie sagen ihre Freunde trinken oder haben damals auch ziemlich viel getrunken. Wie schätzen Sie sich selbst ein? Gehören Sie zu da zu den Top 3? Top 5? Eher Durchschnitt oder drüber oder drunter? (Was die Trinkmenge angeht).
    --> Nicht in den Top 3 oder 5, aber eher überm Durchschnitt
  • Haben Sie sich schon mal im Rausch verletzt?
    --> Ja, mal das Knie aufgeschlagen oder ähnliches.
Nein antworten
  • Wenn sie sich verletzt haben, warum haben Sie dann nicht den Alkoholkonsum runter gefahren und dauerhaft kontrolliert getrunken? Was waren die Gründe, dass sie so viel getrunken haben?
    --> Frage 12
Damit erübrigt sich die Frage wenn Du anders antwortest bei der Frage zuvor
  • Was hat sich seitdem in ihrem Leben verändert?
    --> Hier hab ich erst erzählt wie ich jetzt KT betreibe und dann, dass ich viel mehr Sport mache
Gerade bei der hier letztgenannten Frage hab ich ganz schön abgekackt, was ja auf die Frage 12 im FB abzielt, bei dir ihr alle ebenfalls gesagt habt, dass es hier noch zu wenig ist. Der GA hat mir dann gesagt, dass ich durchgefallen wäre, wenn das eine echte MPU gewesen wäre bzw., dass er meine Bestehenschancen derzeit bei 20-30 % sieht.

Immerhin hat er auch gesagt, dass man merkt, dass ich mich schon intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt habe, meine KT Strategie fand er einwandfrei und auch was Nachweise angeht, war er der Meinung, dass das nicht nötig sei.

Zum Schluss hat er mir jedoch einen Kurs empfohlen bevor ich zur MPU hehe. 3 Mal 4 Stunden für insgesamt über 700 Euro. Prost Mahlzeit. Gut... Natürlich macht der TÜV solche Gespräche auch nicht zum Spaß. Mir hat es definitiv was gebracht, aber ich gehe schon davon aus, dass hier fast immer eine Empfehlung für irgendeine weitere Leistung ausgesprochen wird, damit sich das für den TÜV auch lohnt...

Genaueres gibt es dann morgen, wenn ich das Protokoll habe...

Mir hat es auf jeden Fall einiges gebracht und ich weiß jetzt, dass ich noch massiv an Frage 12 zu arbeiten habe. Auch wenn ich es selbst nicht zu 100 % so sehe, werde ich wieder stärker die Alphatrinker Strategie beschreiben und genauer auf Arbeitsstress und die Todesfälle eingehen. Einfach aus dem Grund, den du schon genannt hast @Andi18 :
Eine Belastung reicht. Lass die Todesfälle weg
Das leuchtet mir jetzt ein. Hier müssen erstmal ein paar gute Argumente stehen und dann kann man später eben auch wieder genau drauf eingehen warum alle diese Ursachen in Zukunft nicht mehr greifen bzw. wie man für jede der Ursachen eine kugelsichere Rückfallvermeidung entwickelt hat.
 

Andi18

Erfahrener Benutzer
Toller Bericht, klasse :smiley711:
Zum Schluss hat er mir jedoch einen Kurs empfohlen bevor ich zur MPU hehe. 3 Mal 4 Stunden für insgesamt über 700 Euro.
also wenn das Gespräch 70,- gekostet hat, dann ist das ein guter Preis. Mir wurde 130,- in Aussicht gestellt, hatte das dann gleich abgetan.
Kannst Du diese 3x 4 Stunden verdeutlichen? Wenn das 12h Einzelgespräche bei einem VP wäre, sind 700,- günstig. Aber vermutlich sind das Gruppensitzungen mit anderen, was Dir nicht viel bringt..
Ansonsten liegt ein VP bei ca. 80,- p.h. - somit könntest z.B. für die inneren Motive ein, zwei Stunden buchen um dies konkret zu erarbeiten. Also solche Möglichkeiten gäbe es auch.
Natürlich macht der TÜV solche Gespräche auch nicht zum Spaß. Mir hat es definitiv was gebracht, aber ich gehe schon davon aus, dass hier fast immer eine Empfehlung für irgendeine weitere Leistung ausgesprochen wird, damit sich das für den TÜV auch lohnt...
sehe ich auch so. Tüv ist ein guter Verkäufer.
Genaueres gibt es dann morgen, wenn ich das Protokoll habe...
das Protokoll hat den Vorteil, sofern es Dir inhaltlich gefällt, daß die empfohlene Strategie (also KT) Du schriftlich vorliegen hast. IdR hält sich dann ein GA auch dran, sofern Du bei der Mpu das Protokoll auch vorlegst. Somit wäre diese Unsicherheit ausgeräumt.
 

Tumbleweed

Benutzer
Ich habe heute das "Protokoll" von der Führerscheinberatung vom TV Nord bekommen, aber von einem Protokoll kann da keine Rede sein. Viel mehr ist es eine Bescheinigung in Form einer Multiple Choice DIN A4 Seite mit einigen Empfehlungen drauf. Trotzdem, für 77 Euro bin ich froh, dass ich das gemacht hab. Ich finde schon, dass mich das weiter gebracht hat und der Preis ist fair.

Die guten Nachrichten zuerst:
  • Hypothese nach MPU Beurteilungskriterien: A3 (Das bedeutet Gefährdung, ist also gut nehm ich an)
  • Weder Abstinenz noch Nachweis durch Haarprobe oder Ähnilches wurden angekreuzt
Die schlechte Nachricht:
Es steht ganz klar drauf, dass deren Empfehlung ist, dass ich an diesem Kurs für 740 Euro teilnehmen sollte und dass eine weitere Beratung bzw. eine MPU erst danach Sinn macht. Damit kann ich das Ding eigentlich nicht bei der MPU vorzeigen oder? Dann fragen die mich ob ich den Kurs gemacht hab und ich so "Nö!". :smiley2204:
 

Tumbleweed

Benutzer
Außerdem habe ich den Fragebogen nochmal ausgefüllt und würde mich nochmal über euer Feedback freuen...

Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.

Einer meiner langjährigen Freunde aus dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, hat im November geheiratet. Ende Oktober gab es deshalb für ihn einen kleinen Junggesellenabschied im engsten Kreis in genau diesem Ort, circa 20 Kilometer von München. Der Junggesellenabschied begann um 19:00 Uhr mit einem reichhaltigen Abendessen. Im Laufe des Abends haben wir dann jede Menge Bier und Schnaps getrunken. Wie viel es genau war, kann ich ehrlicherweise nicht mehr sicher benennen, aber wenn ich es rekonstruiere und nachrechne, müssten es circa 7 Bier a 0,5 Liter, 3 Schnäpse (2 cl) und 3 Longdrinks (Cuba Libre mit 4cl Schnaps) gewesen sein. Trinkende war gegen 01:30 Uhr, als ich beschloss mit der letzten S-Bahn Richtung Innenstadt nach Hause zu fahren. Leider machte mir jedoch die Bahn einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund von Bauarbeiten endete meine S-Bahn außerplanmäßig zwei Stationen zu früh. Ich entschied die restliche Strecke von circa 2 Kilometern zu Fuß zu gehen. Auf die Idee ein Taxi zu nehmen, kam ich leider gar nicht erst. Ich war noch keine zehn Meter vom Bahnhof entfernt, da stolperte ich schon über einen dieser e-Scooter. Offensichtlich nicht mehr klar denkend, freute ich mich darüber und entsperrte diesen, anstatt auch nur kurz darüber nachzudenken ob das in meinem Zustand wohl eine gute Idee war. Ich kam keine 500 Meter weit, da wurde ich auch schon von der Polizei aufgehalten und in dem Moment wurde mir dann klar, was ich gerade angestellt hatte. Ich wurde mit aufs Revier genommen zur Blutabnahme und einen Monat später bekam ich dann Bescheid, dass meine BAK bei 1.84 Promille lag.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
Genau kann ich das ehrlich gesagt nicht mehr benennen. Ich weiß noch was ich getrunken habe, aber nicht mehr genau wie davon. Wenn ich es anhand Trinkdauer und Promillewert rekonstruiere und nachrechne, komme ich auf circa 7 Bier (0.5 Liter), 3 Schnaps (2cl) und 3 Longdrinks (4cl) zwischen 19:00 und 01:30 Uhr.

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
Ich wollte 2 Kilometer fahren und wurde nach 0.5 Kilometern aufgehalten.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
Nein, ich habe gemerkt, dass mir selbst die geringe Beschleunigung des E-Rollers Probleme bereitet, die ich so bei meinen nüchternen Fahrten nie hatte. Obendrein hielt ich zwischen linker Hand und Lenker eingeklemmt noch einen Regenschirm und trug einen Rucksack, was das Ganze nicht leichter machte.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
In meinen ursprünglichen Plänen stand es gar nicht erst zur Debatte, selbst noch mit irgendetwas zu fahren, denn der Plan war, mit der letzten S-Bahn nach Hause zu fahren. Der Fußweg von der S-Bahn Station bis zu meinem Hauseingang beträgt weniger als 2 Minuten.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Nein.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Ich würde gerne sagen “Mit Auto und E-Scooter nie”, aber bei näherer Betrachtung stimmt das nicht. Was tatsächlich noch nie vorgekommen ist, ist, dass ich mich nach dem Feiern ins Auto gesetzt und damit heimgefahren bin. Ich bin aber schon ab und zu Mal vom Abendessen im Biergarten oder in der Pizzeria nach einem Bier noch nach Hause gefahren. Oder auch wenn wir beim Wandern waren und auf dem Gipfel auf der Hütte ein Bier getrunken haben. Außerdem, bin ich auch schon mal mit Restalkohol am nächsten Tag gefahren. Mit dem E-Scooter bin ich mal beim Sightseeing in Paris nach einem Bier noch gefahren. Mit dem Fahrrad bin ich schon mehrmals betrunken, besonders in jüngeren Jahren als noch keiner meiner Freunde einen Führerschein besaß aber auch später mit dem falschen Gedanken, dass ich mich richtig benehme, da ich ja Fahrrad fahre und nicht Auto.


Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?

Meine erste Erinnerung mit Alkohol verbinde ich mit meinem Vater, der ab und zu zum Abendessen ein Weißbier getrunken hat. Da wusste ich jedoch nicht, was Alkohol oder Bier ist, nur, dass ich keines haben durfte. Das erste Mal selbst Alkohol getrunken habe ich mit 14 auf einer Silvesterparty mit Freunden.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?
Nach dem ersten Mal Alkohol Trinken mit 14 wollte ich erstmal ein paar Monate lang nichts mehr davon wissen. Dann hab ich doch wieder mit Freunden angefangen zu trinken und mein Alkoholkonsum hat sich langsam gesteigert bis ich circa 19/20 war. Das lief dann auf diesem Level bis zu meinem ersten Fulltimejob mit 26. Mein Alkoholkonsum wurde dann zwei Jahre lang kontinuierlich weniger bis November 2019, aber dann gab es ein paar einschneidende Erlebnisse, sodass die Trinkmenge wenn ich getrunken hatte, wieder mehr war. Im Sommer 2020 war es wieder etwas besser, aber im September und Oktober kamen dann die Probleme von November 2019 wieder zurück, was dann auch zur TF im Oktober 2020 geführt hat. Seit der TF trinke ich kontrolliert. Genaueres hierzu dann in späteren Fragen z.B. 10 oder 12.


10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)

  • Hochphase zwischen 20 und 26:
    • 1-2 Trinkanlässe unter der Woche mit 3-4 Bier
    • 1-2 Trinkanlässe am Wochenende mit 7-8 Bier und / oder 3-4 Longdrinks, je nach Trinkdauer
  • Gemäßigtere Phase zwischen 26 und 29
    • 0-1 Trinkanlässe unter der Woche mit 1-2 Bier
    • 0-1 Trinkanlässe am Wochenende mit 3-4 Bier
  • 29 bis 30 und TF
    • Mischung aus gemäßigterer Phase und Hochphase
    • Normal gemäßigt, bei Problemen ähnlich viel wie in der Hochphase
  • Seit TF
    • Mengenangaben siehe Frage 20

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Nie alleine. Zu Hause bei Freunden, auf kleineren Volksfesten in der Umgebung oder in Clubs & Bars in der Stadt meist in größeren Gruppen von Freunden, Schulkameraden oder Kommilitonen.
 

Tumbleweed

Benutzer
12. Warum haben Sie getrunken? (Innere & Äußere Motive)
Das erste Mal, dass ich Alkohol getrunken habe, war mit 14. Damals war ich einfach neugierig wie Alkohol auf mich wirkt, denn natürlich kannte man vom Hörensagen den berauschenden Effekt. Es kam dann wie es kommen musste, nämlich, dass ich ebendiese Wirkung gnadenlos unterschätzte und so betrunken war, dass ich danach erstmal ein paar Monate nichts mehr vom Alkohol wissen wollte.

Einige Monate später habe ich mich dann wieder mit meinen Freunden getroffen und die hatten ein paar Flaschen Bier dabei. Damals habe ich aus Gruppendruck mitgetrunken, obwohl mir das Bier nicht sonderlich gut geschmeckt hat. Ich sage hier bewusst Gruppendruck und nicht Gruppenzwang, denn gezwungen hat mich zum Trinken tatsächlich niemand, aber wer keinen Alkohol trank, gehörte nicht so recht dazu, war Außenseiter und “uncool”, so armselig das heute auch rückblickend klingt.

Hinzu kam, dass ich auch ein paar Effekte am Alkohol entdeckte, die ich gut fand. Dinge, die nüchtern wahrscheinlich nicht mehr als ein leichtes Schmunzeln ausgelöst hätten, waren alkoholisiert auf einmal deutlich lustiger. Hinzu kam, dass ich durch den Alkohol offener und selbstbewusster wurde, was für mich tatsächlich ein entscheidender Punkt war, denn ich hatte ein ziemlich schwaches Selbstbewusstsein bzw. war sehr schüchtern. Das war mitunter Teil meiner Persönlichkeit, aber es lag auch daran, dass ich oft ausgelacht wurde, weil ich verhältnismäßig sehr spät in den Stimmbruch kam.

Es wurde dann nach und nach zur Gewohnheit, dass Feiern und Alkohol zusammengehörten. Alleine zu Hause trank (und trinke) ich nie, aber sobald ich mich mit ein paar Leuten am Wochenende abends getroffen habe, haben wir fast immer auch Bier getrunken, das wurde gar nicht erst hinterfragt. Ab und zu kam es auch vor, dass ich der Fahrer war, dann hielt ich mich streng an die 0.0 Grenze und trank gar nichts, aber das war eher die Ausnahme. Meistens gab es andere Fahrer oder wir waren öffentlich unterwegs mit Bahn oder Taxi.

So ging das einige Jahre bis ich circa 26 Jahre alt war, dann wurde es weniger. Ich denke aus zwei Gründen. Zum einen, weil ich dann meinen ersten Vollzeitjob nach dem Studium aufnahm und somit weniger Freizeit hatte und mehr Verantwortung übernahm. Zum Anderen, weil ich den Kater am nächsten Tag deutlich schlechter vertrug als früher. Ich merkte einfach, dass ich auch bei geringeren Alkoholmengen als bei meiner TF am nächsten Tag zu nichts imstande war, außer im Bett zu liegen und fernzusehen, während draußen oft das höchste Wetter war. Das führte nicht selten zu Niedergeschlagenheit, weil ich das Wochenende, dass ich mir so hart erarbeitet hatte, damit komplett verschenkte. Wenn es Samstagnacht länger dauerte, spürte ich selbst am Montag in der Arbeit noch einen deutlichen Unterschied zu einem Montag mit einem vorausgehenden alkoholfreien Wochenende. Das Ganze passierte natürlich nicht schlagartig mit dem ersten Arbeitstag sondern das wurde kontinuierlich schlimmer. In den letzten Semestern meines Studiums konnte ich das aber ganz gut durch die viele Freizeit ausgleichen. Selbst wenn ich mal ein Wochenende nicht vernünftig nutzte, war ich immer noch flexibel genug meine Vorlesungen so zu schieben, dass ich auch unter der Woche Dinge erledigen, Sport machen oder meinen Hobbies nachgehen konnte. Diese Flexibilität hatte ich jetzt nicht mehr. Zudem kam, dass es wichtig war, dass ich Montag bis Freitag 100% leistungsfähig war. Deshalb entschied ich mich hier kürzer zu treten, was ziemlich gut klappte. Ich trank zwar nach wie vor regelmäßig Alkohol und definitiv auch mehr als jetzt und heute, aber extreme Aussetzer mit entsprechendem Kater blieben aus.

Im November 2019 kam es dann jedoch zu einem ziemlichen Rückschlag. Meine Oma hatte einen Schlaganfall und war von einem Tag auf den anderen nicht mehr dieselbe. Ich muss hier erwähnen, dass ich ein außergewöhnlich gutes Verhältnis zu meinen Großeltern pflegte. Wir telefonierten mindestens einmal die Woche. Da mein Opa technisch recht begabt ist, tauschten wir uns außerdem sogar regelmäßig per Whatsapp aus. Meine Oma kannte jeden meiner Prüfungstermine in der Uni und stellte bei jeder Klausur ganz rituell ein Bild von mir und eine Kerze auf, damit ich es gut durch die Prüfung schaffe. Von einem Tag auf den anderen, wusste dieser mir sehr wichtige Mensch jetzt nicht mehr, wer ich bin und gab keinen Ton mehr von sich. Das nahm mich extrem mit und nicht nur mich, sondern meine ganze Familie. Sowohl mein Opa, als auch meine Schwester und mein Vater waren regelmäßig extrem down deswegen und haben viel geweint. Ich war ebenfalls sehr traurig, geweint habe ich aber wenn dann alleine zu Hause, aber nie vor den anderen, weil ich keine Schwäche zeigen wollte Ich habe meine Sorgen dann zwar nicht im klassischen Sinne ertränkt, indem ich jetzt unmittelbar deshalb eine Flasche Alkohol aufgemacht und mich gezielt betrunken hätte, aber während ich die letzten beiden Jahre ganz gut gefahren war, kam es jetzt wieder vermehrt zu Aussetzern, wenn ich Alkohol trank. Das heißt, wenn ich getrunken habe, war es viel. Rückblickend bin ich ziemlich sicher, dass das der Grund war.

Wider aller Erwartungen erholte sich meine Großmutter, zumindest verhältnismäßig, überraschend gut. Sie saß nach wie vor im Rollstuhl, aber zumindest sprach sie wieder mit uns und ab und zu lächelte oder lachte sie auch. Das was sie von sich gab, machte selten wirklich Sinn und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, wie oft sie mich wirklich erkannte und wusste wer ich bin. Sie hielt mich regelmäßig für jemand anderen, Mal dachte sie, ich wäre ihr Sohn (mein Vater), mal ihr Bruder oder ein Fremder. Dennoch war es eine kleine Verbesserung nachdem ich im Dezember noch ziemlich sicher war, dass sie nicht mehr lange leben würde.

Ab ersten Januar machte ich dann eine 6 wöchige Trinkpause, weil ich mir als Neujahrsvorsatz vorgenommen hatte mich wieder gesünder zu ernähren und etwas abzunehmen. Im März kam es zum ersten Lockdown und da ich, wie gesagt, ohnehin nur in Gesellschaft trank, gab es da direkt nochmal eine ähnlich lange Pause. Ich meldete mich wegen Corona vom Fitnessstudio ab und installierte mir stattdessen eine Fitness App. Im Sommer gab es dann wieder das eine oder andere Trink Event, sofern es die Corona-Regeln zuließen, aber auch hier ohne Ausfälle, eigentlich recht ähnlich zu der Zeit zwischen 2017 und 2019. Dennoch merkte ich, dass ich das Laufen und auch meine Fitness App wieder mehr vernachlässigte.

Ende September hatte meine Oma dann einen Herzinfarkt und letztendlich war es uns allen klar, dass das nun höchstwahrscheinlich ihr Todesurteil war. Ein bisschen Hoffnung hatte ich noch, da sie ja auch den Schlaganfall besser weggesteckt hatte, als gedacht. Anfang Oktober ist sie dann gestorben und auch wenn es sehr vorhersehbar war, war ich am Boden zerstört. Es war zwar nicht das erste Mal, dass jemand aus meiner Familie starb, aber es war das erste Mal, dass es jemand war, der mir so nah stand. Einen Tag vor der Beisetzung meiner Oma erfuhr ich dann, dass meine Tante gestorben war und bereits jahrelang schwer krank war, aber darauf beharrte, dass es niemand erfuhr. Auch wenn ich zu ihr kein ganz so enges Verhältnis hatte wie zu meiner Großmutter, traf mich die Nachricht gerade in diesem Moment und in dieser Form besonders unvorbereitet und hart.

Als ich dann Ende Oktober auf dem besagten Junggesellenabschied eingeladen war, der mit meiner TF endete, überlegte ich länger ob ich dort hingehen sollte oder nicht. Zum Einen wegen den Corona Regeln, zum anderen aber weil ich nicht sicher war, wie sehr ich meine Emotionen unter Kontrolle haben würde, wenn ich Alkohol trinke und ich vor meinen Freunden nicht weinen wollte und ihnen auch den Abend nicht verderben wollte. Wie Ihr bereits wisst, bin ich trotzdem hingegangen. Der befürchtete Emotionsausbruch blieb zwar aus und die Zeit mit meinen Freunden und die Ablenkung taten mir gut, jedoch kam es erneut dazu, dass ich deutlich mehr trank als ich wollte. Was dann passierte, habe ich ja bereits erzählt und deshalb sitze ich heute hier.


13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
Bei wenig Alkohol, dass ich mehr geredet habe als sonst,, dass ich offener und weniger schüchtern war und viele Dinge schnell deutlich lustiger waren als sie es vielleicht ohne Alkohol gewesen wären. Bei viel Alkohol, die gleichen Effekte wie bei wenig Alkohol jedoch in gesteigerter Form. Dazu kamen dann jedoch noch Probleme mit dem Sprechen und mit dem Gleichgewicht. Während es bei wenig Alkohol ganz angenehm war offener und weniger schüchtern zu sein, war ich bei zu viel Alkohol nicht selten zu offen oder selbstbewusst und so hatte ich am nächsten Tag oft nicht nur einen unangenehmen Kater sondern ich habe mich auch ziemlich geschämt. Gerade der Kater wurde von Jahr zu Jahr schlimmer und es war nicht nur der Kater, sprich Übelkeit oder Kopfschmerzen, sondern auch eine ziemliche Antriebslosigkeit, sodass ich mir ab und zu nur durch einen Freitagabend das gesamte Wochenende vermieste.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?
Gerade in jüngeren Jahren, war meine Mutter ab und zu besorgt und verärgert, wenn ich zu viel getrunken hatte. Daraufhin habe ich zwar schon reagiert und mich zeitweise gemäßigt, aber um ein tieferes Gespräch bzw. die Konfliktsituation zu vermeiden, habe ich gleichzeitig versucht, dass meine Eltern es in Zukunft nicht mehr so leicht mitbekommen, wenn ich zu viel trinke.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Auf mein Umfeld, sprich Schule, Studium, Arbeit, Freunde und Familie gab es so gut wie keine Auswirkungen. Es kam schonmal vor, dass ich mich im betrunkenen Zustand mit einem Freund wegen etwas gestritten hatte, was nüchtern vermutlich niemals ein Thema gewesen wäre. Das passierte aber sehr selten und diese Konflikte konnten stets am nächsten Tag beigelegt werden. Wenn ich es rückwirkend betrachte, hatte der Alkoholkonsum auf mein persönliches Leben jedoch schon ein paar klare negative Auswirkungen wie die bereits erwähnte Antriebslosigkeit und ein damit verbundenes “Schleifen Lassen” im Erreichen meiner Vorsätze z.B. auf sportlicher und musikalischer Ebene, was wiederum hin und wieder zu schlechter Laune führte.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Siehe Frage 9… Die Etappe, mit dem höchsten Alkoholkonsum, war so zwischen 20 und 26. Danach wurde es weniger, aber im November 2019 und im Oktober 2020 kam es nochmal zu ein paar Ausnahmen mit ähnlich viel Alkohol wie in meiner Hochphase.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Ja. Ich zähle den Abend meiner TF mit 1.84 Promille durchaus auch dazu, jedoch war das zugegebenermaßen nicht das erste Mal, dass ich so betrunken war. Bei einer Feierabendbierrunde unter der Woche mit Kollegen oder Kommilitonen kam ich zwar nie auf solche Werte aber beim Feiern am Wochenende kam das schon mal vor, besonders wenn wir uns erst irgendwo zum Vorglühen trafen und dann die Nacht bis zum frühen Morgen in einem Club oder einer Bar verbrachten, sodass wir insgesamt auf einen sehr langen Trinkzeitraum kamen.


18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Nein keine nennenswerten längeren Trinkpausen, nur ab und zu mal so 4-6 Wochen, zum Beispiel während der Klausurenphasen


19. In welcher Kategorie eines Alkohol trinkenden Menschen haben Sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
Ich kannte diese Kategorien früher nicht. Für mich gab es da nur drei Kategorien:
  • Die Leute, die Alkohol strikt verweigern und gar nichts trinken
  • Die Leute die ab und zu oder regelmäßig Alkohol trinken aber nicht abhängig sind
  • Abhängige Alkoholiker, die ihren Pegel halten müssen.
Da habe ich mich stets in die mittlere Kategorie eingeordnet und wenn ich bei diesen drei Kategorien bleiben würde, würde ich mich rückwirkend heute immer noch dort einordnen. Jedoch weiß ich heute, dass man da durchaus etwas feingranularer unterscheiden muss.

Ich kann mich rückblickend nicht zu den Leuten zählen, die wenig trinken oder einen geregelten Alkoholkonsum haben. Nach den fünf Trinkertypen nach Jellinek, würde ich mich die meisten Jahre meiner Trinkzeit als Beta-Trinker bzw. Gelegenheitstrinker bezeichnen auch wenn man hier noch hinzufügen muss, dass ich nur in Gesellschaft und niemals allein getrunken habe. Gerade das letzte Jahr, hab ich aber auch Symptome eines Alpha-Trinkers bzw. Problemtrinkers gezeigt. Zwar habe ich nicht gezielt wegen eines Problems Alkohol getrunken, aber wenn ich als Gelegenheitstrinker zu so einer Gelegenheit etwas trank, dann fiel die Menge höher aus als ohne Problem.

Insgesamt würde ich sagen, dass ich mich in die Kategorie “gefährdet” einordnen würde
 
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