25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Mein Trunkenheitsfahrt ist mir wie ein Faustschlag ins Gesicht gekommen, und ab da habe ich realisiert, dass mein Umgang mit Alkohol problematisch war. Ich habe mir viele Fragen gestellt, und die Kernfrage war zu wissen, wie es dazu gekommen ist, dass ich so viel trinke.
Ich habe zuerst versucht, allein eine Antwort zu finden, aber ich habe es nicht geschafft. Ich musste meiner Frau endlich recht geben, dass mein Umgang mit Alkohol problematisch war, und habe sie darauf angesprochen, damit wir gemeinsam eine Lösung finden.
Die erste Maßnahme, die ich mir vorgenommen habe, war, meinen Konsum zu reduzieren, da ich kein Wissen über kontrolliertes Trinken hatte. Nachdem ich mich informiert hatte, habe ich ab dem 01.01.2024 kontrolliertes Trinken praktiziert.
Ich habe anschließend eine VP kontaktiert und habe dank ihrer Hilfe verstanden, was meine Trinkmotive waren. Danach habe ich viele Entscheidungen getroffen, die mir geholfen haben, Alkohol ganz aufzugeben.
Ich habe zuerst auf meine äußeren Trinkmotive reagiert, indem ich mich peu à peu von meinem alten Freundeskreis distanziert habe und neue Verhaltensweisen entwickelt habe. Anstatt ab Freitagabend mit meinen alten Freunden herumzuhängen, gestalte ich jetzt mein Wochenende mit meiner Familie. Meine Frau und ich gehen zum Beispiel regelmäßig ins Restaurant oder ins Kino.
Manchmal nutzen wir den Freitagabend auch, um gemeinsam zu kochen. Da ich gern koche, haben wir das zu einer gemeinsamen Aktivität gemacht und probieren verschiedene Rezepte aus. Außerdem machen wir auch gemeinsam Sport im Fitnessstudio, meistens am Samstag.
Für meine Kinder stehe ich jetzt zu hundert Prozent zur Verfügung, und wir unternehmen auch viel zusammen. Wir gehen zum Beispiel fast jeden Samstag auf den Spielplatz, wenn das Wetter es ermöglicht. Wir gehen auch ins Schwimmbad, und zu Hause basteln wir viel zusammen, zum Beispiel mit Lego oder machen Puzzle. Basteln ist inzwischen eine unserer Lieblingsaktivitäten geworden. All diese Familienaktivitäten waren vor meiner Trunkenheitsfahrt sehr selten.
Außerdem habe ich mich auch entschieden, meine Herausforderungen anders zu bewältigen. Ich habe verstanden, dass ich nicht alles allein lösen kann. Wenn ich heute vor einer schwierigen Situation stehe, die mir Stress macht, rede ich mit meiner Frau darüber, und gemeinsam finden wir eine Lösung.
Das letzte Mal, dass ich vor einer sehr schwierigen Situation stand, war im September 2024. Damals hat mir die Ausländerbehörde mitgeteilt, dass mein Status in Deutschland aufgrund meiner Verurteilung von einer Aufenthaltserlaubnis zu einer Duldung geändert werden sollte. Das war sehr schwer für mich, und nur mit der Hilfe meiner Frau habe ich diese Situation überstanden. Dadurch habe ich auch verstanden, dass im Leben nicht immer alles nach Plan läuft.
Ich habe auch gelernt, Stellung zu nehmen und meine Meinung zu sagen, ohne mir zu viele Fragen zu stellen, wenn ich etwas für richtig halte.
Beim Umsetzen meiner neuen Einstellungen habe ich auch verstanden, dass mein früheres Bild von einem „richtigen Mann“ ein Irrtum war. Jeder Mensch hat Schwächen, und man sollte sich nicht schämen, darüber mit vertrauten Personen zu sprechen. Außerdem habe ich verstanden, dass man nicht alle Probleme der Familie allein lösen kann. Ich habe gelernt, auch einmal „Nein“ zu sagen, ohne dabei Druck zu fühlen.
Die Umstellungsphase war am Anfang nicht einfach, weil ich über einen langen Zeitraum einen festen Freundeskreis und feste Gewohnheiten hatte.
Die Trennung von meinem Freundeskreis war nicht plötzlich. Ich habe dafür ein paar Monate gebraucht. Ich habe ihnen sogar empfohlen, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren oder abstinent zu leben. Sie wollten aber nicht verstehen, warum ich abstinent leben wollte, und haben mich immer wieder zum Trinken eingeladen. Deshalb habe ich schließlich entschieden, dass eine Distanz für mich notwendig ist.
Auch alte Gewohnheiten, wie beim Essen oder beim Fernsehen ein Glas Sekt zu trinken, waren am Anfang nicht einfach zu ändern. Aber da ich mich für ein abstinentes Leben entschieden habe, habe ich das mit der Hilfe meiner Frau geschafft. Heute bin ich sehr zufrieden mit mir und mit meiner neuen Lebensweise.