Guten Morgen Lupsky,
irgendwie hat mich dein Punkt 3 mit der Arbeitslosigkeit doch noch weiter beschäftigt.
Ich greife da mal auf die 5 Säulen nach Petzold zurück. Die hatte ich damals in meiner MPU-Vorbereitung (Kufe) als Arbeitsgrundlage bekommen und fand das für mich ziemlich hilfreich. Tatsächlich in der MPU sehr gut angekommen. Und für mich eine große Hilfe und möchte ich dir gerne als kleines Denkgerüst geben.
Ganz einfach gesagt kannst du dir diese 5 Säulen wie das Fundament vorstellen, auf dem dein eigenes Leben steht: Körper/Gesundheit, soziale Kontakte, Arbeit/Leistung, finanzielle Sicherheit und Werte/Sinn.
Für die MPU bzw. Rückfallprophylaxe fand ich das deshalb hilfreich, weil du damit ganz gut sehen kannst, wo es in deinem eigenen Leben gerade wackelt. Wenn mehrere Säulen gleichzeitig ins Wanken geraten, wird der Druck natürlich größer und damit auch die Gefahr, wieder in alte Muster zu rutschen.
Und damit meine ich nicht nur einen Rückfall bei Alkohol oder Drogen. Das können genauso alte Verhaltensweisen sein: Du steigerst dich wieder total in etwas rein, reagierst impulsiv, gehst schnell hoch oder meinst, für alles sofort eine perfekte Lösung finden zu müssen.
Also ganz simpel: Nicht erst reagieren, wenn die Hütte schon brennt, sondern möglichst schon merken, wo es anfängt zu kokeln.
Du kannst dir das ein bisschen wie ein Haus vorstellen: Wenn eine Säule mal wackelt, bricht nicht gleich alles zusammen. Die anderen Säulen können einiges auffangen und dich weiterhin stabil halten.
Wenn aber mehrere Säulen gleichzeitig ins Wanken geraten oder sogar wegbrechen, wird die ganze Konstruktion instabil.
Wenn ich dein Beispiel mit der Arbeitslosigkeit nehme, wackelt bei dir ja gerade an mehreren Stellen gleichzeitig etwas: Arbeit, finanzielle Sicherheit und soziale Kontakte. Da kommt schon einiges zusammen.
Ich würde deshalb einfach mal schauen: Welche deiner 5 Säulen wackeln gerade? Welche stehen noch ziemlich stabil? Und vor allem: Was hält dich im Moment stabil?
„Ich halte den Frust heute aus“ ist für mich schon eine Veränderung. Ich würde aber noch einen Schritt weitergehen: Was machst du heute konkret, damit dir das alles nicht irgendwann über den Kopf wächst? Was stabilisiert dich? Bei dir wackeln gerade Arbeit, Geld und Kontakte. Was steht noch fest? Was gibt dir Halt? Woran würdest du merken, dass eine weitere Säule anfängt zu wackeln? Und was machst du dann?
Ich glaube, genau da kannst du aus deinem dritten Beispiel noch einiges rausholen.