Heute und Zukunft
20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein ich lebe abstinent seit dem 01.01.2025.
21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
Das letzte Mal, dass ich Alkohol getrunken habe, war am 31.12.2024 gegen 21 Uhr beim Silvesterabendessen. Dabei habe ich ein Glas Sekt (0,2 l) konsumiert.
22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein.
23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich habe mich seit dem 01.01.2025 für die Abstinenz entschieden, weil ich endlich verstanden habe, warum ich Alkohol konsumiert habe und was die inneren und äußeren Motive für meinen Konsum waren. Außerdem habe ich erkannt, dass Alkohol nicht die Lösung für meine Problembewältigung oder meine emotionale Regulation war, sondern dass die Lösung woanders liegt.
Nachdem ich mir die Folgen meines früheren Umgangs mit Alkohol angeschaut habe, habe ich auch verstanden, dass Alkohol nur Nachteile in mein Leben gebracht hat. Vor allem habe ich mich entschieden, meine Ängste, Probleme und meinen Stress zu konfrontieren und langfristige Lösungen dafür zu suchen. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht und ich erlebe täglich, dass ich keinen Alkohol mehr brauche, um entspannt zu sein oder um meine Probleme zu bewältigen.
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Wie bereits erwähnt, habe ich mir früher keine bewussten Gedanken über mein Trinkverhalten gemacht. Alkohol war für mich über viele Jahre ein normaler Bestandteil meines Alltags und meines sozialen Umfelds. Zwar hatte ich zuvor einen Unfall zu Hause, der zu meiner Operation geführt hat, doch in dem Moment habe ich nur einen Teil der Schuld meinem Umgang mit Alkohol gegeben.
Erst nach meiner Auffälligkeit am 18.03.2023 wurde mir klar, welche erheblichen Gefahren insbesondere Trunkenheitsfahrten mit sich bringen. An diesem Abend hätte es auch zu einem schweren Personenschaden kommen können. Ab diesem Zeitpunkt begann ich, mein Trinkverhalten kritisch zu hinterfragen und wollte unbedingt verstehen, was meine Trinkmotive waren.
Zunächst habe ich meinen Konsum stark reduziert und mich für kontrolliertes Trinken entschieden, um weiterhin im Einklang mit meiner Kultur zu sein, in der ein Familienvater bei feierlichen Anlässen wie Kindergeburtstagen oder Taufen anstoßen soll.
Da ich schon mehrmals ohne tiefes Nachdenken versucht hatte, meinen Konsum zu reduzieren, dies jedoch nicht durchgehalten habe, hielt ich es für gefährlich, weiterhin in Kontakt mit Alkohol zu bleiben. Außerdem habe ich verstanden, dass ich in KT Muster Alkohol konsumierte, um zu vermeiden, dass meine Verwandten sich wundern, wenn ich als Familienvater nicht anstoße. Damit handelte ich weiterhin gegen meine eigenen Bedürfnisse: ein Verhalten, das ich aufgeben wollte.
Zwar funktionierte das KT zunächst gut für mich, aber ich wollte die Umsetzung meiner Veränderung dauerhaft in meinem Leben sehen und weiterausüben. Deshalb habe ich mich seit dem 01.01.2025 für ein Leben in Abstinenz entschieden und bin damit zufrieden.
Ich habe diese Entscheidung nach meinen eigenen Bedürfnissen getroffen und erlebe die damit verbundenen Vorteile, wie ein strukturierteres Familienleben, die Einhaltung meines Kraftsporttrainings und dass ich heute ein besserer Familienvater geworden bin.
25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Mein Trunkenheitsfahrt ist mir wie ein Faustschlag ins Gesicht gekommen, und ab da habe ich realisiert, dass mein Umgang mit Alkohol problematisch war. Ich habe mir viele Fragen gestellt, und die Kernfrage war zu wissen, wie es dazu gekommen ist, dass ich so viel trinke.
Ich habe zuerst versucht, allein eine Antwort zu finden, aber ich habe es nicht geschafft. Ich musste meiner Frau endlich recht geben, dass mein Umgang mit Alkohol problematisch war, und habe sie darauf angesprochen, damit wir gemeinsam eine Lösung finden.
Die erste Maßnahme, die ich mir vorgenommen habe, war, meinen Konsum zu reduzieren, da ich kein Wissen über kontrolliertes Trinken hatte. Nachdem ich mich informiert hatte, habe ich ab dem 01.01.2024 kontrolliertes Trinken praktiziert.
Ich habe anschließend eine VP kontaktiert und habe dank ihrer Hilfe verstanden, was meine Trinkmotive waren. Danach habe ich viele Entscheidungen getroffen, die mir geholfen haben, Alkohol ganz aufzugeben.
Ich habe zuerst auf meine äußeren Trinkmotive reagiert, indem ich mich peu à peu von meinem alten Freundeskreis distanziert habe und neue Verhaltensweisen entwickelt habe. Anstatt ab Freitagabend mit meinen alten Freunden herumzuhängen, gestalte ich jetzt mein Wochenende mit meiner Familie. Meine Frau und ich gehen zum Beispiel regelmäßig ins Restaurant oder ins Kino.
Manchmal nutzen wir den Freitagabend auch, um gemeinsam zu kochen. Da ich gern koche, haben wir das zu einer gemeinsamen Aktivität gemacht und probieren verschiedene Rezepte aus. Außerdem machen wir auch gemeinsam Sport im Fitnessstudio, meistens am Samstag.
Für meine Kinder stehe ich jetzt zu hundert Prozent zur Verfügung, und wir unternehmen auch viel zusammen. Wir gehen zum Beispiel fast jeden Samstag auf den Spielplatz, wenn das Wetter es ermöglicht. Wir gehen auch ins Schwimmbad, und zu Hause basteln wir viel zusammen, zum Beispiel mit Lego oder machen Puzzle. Basteln ist inzwischen eine unserer Lieblingsaktivitäten geworden. All diese Familienaktivitäten waren vor meiner Trunkenheitsfahrt sehr selten.
Außerdem habe ich mich auch entschieden, meine Herausforderungen anders zu bewältigen. Ich habe verstanden, dass ich nicht alles allein lösen kann. Wenn ich heute vor einer schwierigen Situation stehe, die mir Stress macht, rede ich mit meiner Frau darüber, und gemeinsam finden wir eine Lösung.
Das letzte Mal, dass ich vor einer sehr schwierigen Situation stand, war im September 2024. Damals hat mir die Ausländerbehörde mitgeteilt, dass mein Status in Deutschland aufgrund meiner Verurteilung von einer Aufenthaltserlaubnis zu einer Duldung geändert werden sollte. Das war sehr schwer für mich, und nur mit der Hilfe meiner Frau habe ich diese Situation überstanden. Dadurch habe ich auch verstanden, dass im Leben nicht immer alles nach Plan läuft.
Ich habe auch gelernt, Stellung zu nehmen und meine Meinung zu sagen, ohne mir zu viele Fragen zu stellen, wenn ich etwas für richtig halte.
Beim Umsetzen meiner neuen Einstellungen habe ich auch verstanden, dass mein früheres Bild von einem „richtigen Mann“ ein Irrtum war. Jeder Mensch hat Schwächen, und man sollte sich nicht schämen, darüber mit vertrauten Personen zu sprechen. Außerdem habe ich verstanden, dass man nicht alle Probleme der Familie allein lösen kann. Ich habe gelernt, auch einmal „Nein“ zu sagen, ohne dabei Druck zu fühlen.
Die Umstellungsphase war am Anfang nicht einfach, weil ich über einen langen Zeitraum einen festen Freundeskreis und feste Gewohnheiten hatte.
Die Trennung von meinem Freundeskreis war nicht plötzlich. Ich habe dafür ein paar Monate gebraucht. Ich habe ihnen sogar empfohlen, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren oder abstinent zu leben. Sie wollten aber nicht verstehen, warum ich abstinent leben wollte, und haben mich immer wieder zum Trinken eingeladen. Deshalb habe ich schließlich entschieden, dass eine Distanz für mich notwendig ist.
Auch alte Gewohnheiten, wie beim Essen oder beim Fernsehen ein Glas Sekt zu trinken, waren am Anfang nicht einfach zu ändern. Manchmal kam mir die Idee, ein Glas zu trinken, vor allem samstags spätabends beim Fernsehschauen, aber ich stellte mir immer die Frage „Wofür jetzt?“ und traf nach 1 bis 2 Minuten Überlegung immer die richtige Entscheidung.
Es stimmt, dass sich mein Leben derzeit stärker um meine Familie dreht, aber ich gehe oft zu Veranstaltungen oder sonntags zum Fußball meiner Community, ohne einer bestimmten Freundesgruppe anzugehören. Wenn mir Alkohol von Bekannten angeboten wird, kann ich jetzt Nein sagen und lieber einen Saft trinken, ohne erklären zu müssen, warum ich Saft statt Alkohol wähle.
Es fiel mir am Anfang schwer, über alles mit meiner Frau zu reden, da ich noch am Beginn meines Veränderungsprozesses war. Aber ich habe festgestellt, wie entlastend es ist, alles mit ihr zu besprechen und wie wir gemeinsam zu Lösungen kamen, die innere Ruhe geben. So wurde es für mich langsam fast automatisch, zuerst mit ihr zu reden, wenn mich etwas stört.
Besonders schwer fiel es mir, meinem Vater Nein zu sagen, da eine solche Antwort in unserer Kultur als unhöflich gilt und den Wert der Person als Mann mindern kann. Das erste Mal, dass ich meinem Vater Nein sagen musste, war mit Begleitung meiner Frau, die mir die Kraft dafür gegeben hat, diesen ersten Schritt zu machen. Er hatte mich um Hilfe bei der Dachrenovierung unseres Hauses gebeten, und das war mir in dem Moment nicht möglich. Ich habe darüber mit meiner Frau geredet und ihr gesagt, welche Herausforderung es für mich war, ihm zu sagen, dass ich kein Geld habe. Sie hat mir angeboten, mir zu helfen, diesen ersten Schritt zu machen. Ab da habe ich mich peu à peu getraut, ihm Nein zu sagen, wenn ich nicht helfen konnte, oder ihm zu sagen, dass er falsch liegt, wenn es der Fall war.
Ich würde sagen, dass meine Umstellungsphase einige Hürden mit sich gebracht hat. Aber da ich mich für ein abstinentes Leben entschieden habe, habe ich es mit der Hilfe meiner Frau geschafft. Heute bin ich sehr zufrieden mit mir und meiner neuen Lebensweise.
26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?
Da ich heute keinen Alkohol mehr trinke, habe ich in manchen Aspekten meines Lebens viele Vorteile erlebt. Meine geplanten Sporteinheiten nehme ich jetzt wahr und fühle mich dadurch wohler und fitter, und die Abstinenz führt auch dazu, dass meine Gesundheit nicht in Gefahr steht, da mein früheres Trinkverhalten zu vielen Krankheiten wie Leberzirrhose führen könnte.
Die Tatsache, dass ich jetzt viel mit meiner Frau und meinen Kindern unternehme, führt dazu, dass meine Familie glücklicher ist. Da ich jetzt meine Meinung sagen oder Stellung nehmen kann, ohne ständig nachzudenken, wie es ankommen wird, fühle ich mich jetzt entlastet und authentisch. Gleichzeitig weiß ich, dass ich ohne Vorurteile moralische und emotionale Unterstützung bekommen werde, wenn ich sie brauche. Das macht mich freier, und ich weiß heute, dass jedes Problem eine Lösung hat, vor allem wenn man Hilfe in Anspruch nimmt.
Mein geändertes Leben wirkt sich auch positiv auf meine kleine Familie aus, und sie lassen mich das auch wissen. Meine Frau hat mir gesagt, dass die Tatsache, dass wir jetzt viel gemeinsam unternehmen und über alles reden, uns näher zusammenbringt als früher. Es ist immer eine Freude für mich, wenn meine beiden jüngsten Söhne mich fragen: „Papa, was machen wir am Samstag?“ Oder wenn sie fragen: „Papa, wie oft müssen wir noch schlafen, bis Samstag ist?“ Das beweist, dass sie selbst wissen, dass wir fast jeden Samstag etwas gemeinsam unternehmen und dass sie dies auch in ihren Zeitplan integriert haben.
Bei meinen alten Freunden kam meine Entscheidung nicht gut an. Sie haben meine Entscheidung nicht gut angenommen und sagten, dass ich langweilig geworden bin. Deswegen habe ich mich von ihnen getrennt.
Meine Familie in Afrika merkt, dass ich nicht wie früher immer auf ihre Bitte um Hilfe eine positive Antwort gebe, da ich meine Hilfe jetzt nur gebe, wenn meine finanziellen Mittel es mir erlauben.
Besonders mein Vater hat es nicht gut aufgenommen, dass ich nicht immer positiv reagiere, wenn er mich um Hilfe bittet und dass ich ihm auch mitteile, wenn er Unrecht hat. Ich habe versucht, ihm zu erklären, dass mein früheres Leben zu viel Druck auf mich ausgeübt hat und dass es mir nicht möglich ist, immer positiv auf seine Bitten zu reagieren.
Ich kann ihn aber auch verstehen, denn ich bin sein erster Sohn und er sieht sich in mir widergespiegelt und kennt keine andere Lebensweise, als dass ein Mann alles auf sich nimmt. Trotzdem bleibe ich bei meiner neuen Einstellung und bringe ihm weiterhin den Respekt entgegen, der ihm zusteht.
Ich bin zufrieden mit dem Ganzen, was in meinem Leben passiert, seitdem ich mich mit meinem Trinkverhalten beschäftigt habe, und bin fest davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist.
27 Wie stellen Sie sicher, dass ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Seitdem ich die Motive erkannt habe, die mein Verhalten verschlechtert hatten, habe ich einen Schutzmechanismus entwickelt und ein paar Verhaltensweisen in meinen Alltag integriert, die mir helfen, mein neues Verhalten stabil zu halten.
Zuerst habe ich mich von meinem alten Freundeskreis getrennt, da dort eine große Gefahr bestand, weiterhin mit Alkohol in Kontakt zu bleiben. Stattdessen habe ich einen neuen Freund, der keinen Alkohol trinkt und mit dem ich unter der Woche Sport mache.
Dann habe ich meine Freizeit mit gemeinsamen Aktivitäten mit meiner Familie gestaltet. Dadurch erlebe ich immer wieder, wie mein neues Verhalten meine Familie glücklich macht und mich antreibt, weiterzumachen.
Ich verpasse jetzt auch keine Gelegenheit mehr, meine Meinung zu sagen, Stellung zu nehmen oder in Gespräche mit fremden Leuten zu kommen, ohne Angst zu haben oder lange darüber nachzudenken, solange ich es für richtig halte, was ich sagen möchte. Das erlebe ich jedes Mal als Erfolg.
Als Beispiel: An meinem Arbeitsplatz teile ich mein Büro mit einem älteren Kollegen, der 62 Jahre alt ist. Er hatte die Gewohnheit, die Fenster auch bei kalten Temperaturen offen zu lassen. Trotz der Tatsache, dass ich neu in der Firma war, habe ich ihm freundlich und höflich gesagt, dass es mich stört, wenn die Fenster offen sind, besonders bei Kälte. Wir fanden daraufhin einen Kompromiss, sodass wir die Fenster nur noch gelegentlich öffnen. Früher wäre es für mich unmöglich gewesen, eine solche Stellungnahme zu äußern, da der Kollege erstens älter ist als ich und zweitens schon sehr lange in der Firma und in diesem Büro arbeitet.
Außerdem gehe ich jetzt mit meinen Problemen und Stress anders um, indem ich meine Frau und meinen kleinen Bruder zu vertrauten Personen gemacht habe. Ich schäme mich nicht mehr, über alles mit meiner Frau zu reden. Mein kleiner Bruder hilft uns auch manchmal, wenn wir eine dritte Meinung brauchen.
Gleichzeitig habe ich auch verstanden, dass das alte Bild vom „richtigen Mann“ falsch war. Deshalb gebe ich meine Hilfe nur noch, wenn es mir möglich ist, da ich niemandem etwas schuldig bin und niemandem etwas beweisen muss.
In Kombination mit diesen verschiedenen Maßnahmen achte ich ständig auf körperliche, seelische und geistige Warnsignale und werde so schnell wie möglich handeln, wenn eines dieser Signale vorkommt.
Ich möchte anhand eines Beispiels erklären, wie ich die verschiedenen Warnsignale wahrnehme.
Wenn mein Vater mich anruft und mich nach Geld fragt, das ich nicht geben kann, achte ich auf folgende Warnzeichen:
Körperliche Warnzeichen:
Ich sage „Ja“, obwohl ich weiß, dass ich das nicht kann. Das heißt, ich fange an zu lügen.
Seelische-Warnzeichen (Gefühl):
Ich möchte „Nein“ sagen, aber ich bekomme ein Druckgefühl im Bauch oder mein Bauch fühlt sich komisch an, weil ich überlege, wie ich meine Antwort schöner machen kann. Eigentlich sollte ich einfach ehrlich „Nein“ sagen können.
Geistig-Warnzeichen (Gedanken):
Ich denke zu viel darüber nach, wie ich „Nein“ sagen soll, obwohl es eigentlich klar und einfach wäre, weil ich das Geld nicht habe. Ich mache mir unnötig viele Gedanken.
Ich muss auch erkennen, dass die Tatsache, dass ich mit meinem Studium fertig bin, eine gute Arbeitsstelle habe und meine Bewährung beendet ist, dazu beiträgt, dass ich mich entlastet und ausgeglichen fühle und dadurch mein neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt.
28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen? (mit Begründung)
Ein Rückfall ist theoretisch möglich, da Alkohol für eine lange Zeit in meinem Leben präsent war und ich dadurch eine große Toleranz entwickelt habe.
Ich achte jeden Tag darauf, meine Schutzmaßnahmen einzuhalten, damit das Risiko eines Rückfalls klein bleibt. So merke ich früh, wenn es für mich gefährlicher wird, und kann dann rechtzeitig etwas dagegen tun.
Früher habe ich Stresssituationen wie Prüfungen im Studium oder die Angst, in meine Heimat abgeschoben zu werden, mit Alkohol bewältigt. Heute spreche ich zwar mit meiner Frau über meine Stresssituationen, aber es kommt oft vor, dass ich Stress bei der Arbeit habe oder dass ich in Situationen wie der Aufnahme eines Bankkredits oder wenn meine Kinder über Familienbesuche im Ausland reden merke, wie sehr ich durch meinen Status in Deutschland eingeschränkt bin. Das setzt mich ebenfalls unter Druck.
In solchen Situationen mache ich zu Hause regelmäßig Liegestütze oder gehe spät abends spazieren, damit meine Gedanken wieder klar werden. Außerdem habe ich mir die Regel auferlegt, „nicht zu viel über Dinge nachzudenken, die ich nicht vollständig steuern kann“. Das hilft mir auch in Situationen wie meinem Status, nicht lange darüber nachzudenken. Ich lasse die Sache sich von allein lösen, während ich weiterhin das tue, was richtig ist.
Trotzdem kann es vorkommen, dass ein Bestandteil meiner Schutzmaßnahmen selbst zum Problem wird, wie zum Beispiel ein Problem mit meiner Frau oder meinem Bruder, auch ein Brief mit der Mitteilung einer möglichen Abschiebung oder der Verlust meiner Arbeit.
Für solche Fälle werde ich mir schnell professionelle Hilfe suchen. Zum Beispiel hat mir meine VP gesagt, dass ich sie jederzeit kontaktieren darf, wenn es nötig ist.
Ich war auch bei einer Suchtberatung bei der Caritas in der Nähe meiner Ortschaft und wurde dort gut empfangen und beraten. Dabei habe ich auch einen guten Kontakt aufgebaut, der mir bei Bedarf jederzeit helfen kann.
Im schlimmsten Fall habe ich mir auch die Notfallnummer der Telefonseelsorge herausgesucht und gespeichert, für den Fall, dass meine VP oder die Beraterin nicht erreichbar ist.
Genauso wie ich mein Leben lang Respekt vor harten Drogen gehabt habe, habe ich auch jetzt einen solchen Respekt vor Alkohol, wenn ich rückblickend sehe, welchen Schaden ein schlechter Umgang damit verursachen kann.
29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Da ich mich für eine lebenslange Abstinenz entschieden habe, besteht für mich keine Gefahr mehr, Trinken und Fahren nicht trennen zu können. Das Problem hat sich durch meinen alkoholfreien Lebensstil von selbst gelöst.
30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Nein